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Wiener Morgenzeitung · 1925-04-07 · Heft 2202 (7.4.1925) · p. Seite 6

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2202 (7.4.1925)
Date
1925-04-07
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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SeNk U M«r. MeMag' Wiener Mm und Kunst. Reue Lrchestermustl von Kaminski, Prohaska und Krcnc 1 dirigierte Leopold Reichwein in einem Symphoniekonzcrt dcr Gesellschaft der Musikfreunde. Heinrich Kaminski — trotz seines slawischen Namens der Sohn eines allkatholischen Pfarrers aus dem Schwarzwalde — knüpft in seinem „Concerto grosso für Doppelorchestcr" an das „Concerto grosso" des 18. Jahrhunderts an, in welchem — zunächst beim Italiener Covelli, später bei Bach, Händel und deren Zeitgenossen — drei konzertierende Solo inst rmnen-te mit den: Gesamtorchester in Wettbewerb treten. Kaminski tut noch ein übriges, indem er das Orchester teilt und jedem der beiden Orchester je eine konzertierende Geige, Bratsche und cin Cello zuweist. Also ein wahrer Uebersluß an Stimmen, welche, durchaus in klarer thematischer Arbeit geführt, die Freude ain Kunsthandwerk und zugleich eine deutsche, ja allzu deutsche Gründlichkeit verraten. Es fehlt wohl nicht an gewichtigen Episoden — so das schöne Flötensolo — und an gigantischen Steigerungen im Wechsel der Soli mit dem Orchester, doch im ganzen vermag das optische Notenbild der weitverästelten und verztoeigten Partitur dom Leser viel mehr zu sagen als das massige, spröde Klangbild dem Hörer im Konzertsaal. Das meisterhafte handwerkliche Können überwiegt eben gegenüber den frischen Impulsen. Wie der schwerblütige Kaminski trotz aller Gegenwartstechnik in der Bergangeicheit grübelt, so lebt Karl Prohaska in seiner „Passacaglia für großes Orchester" in Erinnerungen an die für ihn schönere Brahms-Zeit. Brahms weist in der Chaconne seiner E-Moll-Symphonie eine schier unerschöpfliche Bariationentechnik auf, und auch bei Prohaska hat die Fähigkeit, das Thema zu variieren, fast keine Grenzen. Eine wahre Doktorarbeit in Kontrapunkten über Dr. Johannes Brahms, die durch einen auf das Thema zurückgveifenden prächtigen Choral preisgekrönt wird und in ihrer Mannigfaltigkeit und chythmifchen Lebendigkeit die musikalische Gelahrsamkeit und das großartige Können des Professors der Wiener Musikhochschule verkündet. Dagegen atmet das Klavierkonzert von Ernst Krenek, dem kaum 25jährigen Schreker-Schüler, der sich durch setne Opern und Jnstrumentalwerke in Deutschland längst einen Namen gemacht hat, frische, lebendige Gegenwart: Nicht nur in der Unmittelbarkeit und Wahrhaftigkeit des ungekünstelten Ausdruckes, sondern auch in seinem Hang zum Grotesken, in der Vielfältigkeit der Stile, in einer gewissen Flüchtigkeit der Formung. Mit Hilfe billiger Dialektik mag man hier Ebenso leicht ein übel klingendes Sammelsurium feftftellen, wie mit nur ganz wenig gutein Willen den jugendlichen Ueberfchuß an stärksten musrkantischen Kräften erkennen, die noch der strengen Ordnung und Selbstdisziplin entbehren. Eigenartig die dissonanzenseligen, gleichsam siacheldrchtigen Akkorde, die sich immer wieder in krisenhaften Augenblicken in das Wohlgefallen eines artigen Dreiklanges auflösen. Oft genug sitzt hier Krenek der Schalk fühlbar im Nacken, ja, wenn im Schlußteile das tonal und rhythmisch prägnante Motiv zum Gassenhauer wird, der den guten alten Dreitlang verulkt, lacht ihm der Schalk geradewegs aus den 2lugen. Die in den Schlußteil organisch eingebaute bravouröse Kadenz wurde gleich dem ganzen ungemein beifällig aufgenommenen Konzert von Eduard Erdmann -ganz prachtvoll gespielt. Mit souveräner Meisterschaft beherrschte der berühmte Pianist nicht nur Geist und Technik des Krenekschen Werkes, sondern auch das Orchester und dessen diesmal nicht ganz stiksicheren Dirigenten. ftb. Aus de» Theatern. Uhr, „Die Spielk halb 8 Uhr, „De Burgtheater. Morgen, 7 reien einer Kaiserin". AkadeMielheater. Morgen, Liebhabe r". Volk so per. Heute „Gräfin Mariza". Morgen (Mittwoch) „Lohengrin". . Deutsches Volkstbeater. Donnerstag in An iv^enheit des Dichters Uraufführung von Georg Kaiser Kleines Theater in der Aunagaffe. Im Rahmen des Gastspiels des Deutschen Volkstiheaters finde Samstag die Erstaufführung der Tragikomödie .Wer weim um I u ck e n a ck" statt. N e u es Wiener S >t a Ä i t h e a i «t. Morgen und di folgenden Tage „Professor Wauwau, der Hunde konrg". Theater in der Josefstadt. Heute bleibt da Theater geschlossen. Morgen, halb 8 Uhr abends, Erstaufführung von,„Gesel'lschaft" (Loyalties) von John Galsworchh dsuttzch von Leon Schalit. Modernes Theater. Morgen, halb 8 Uhr abends Erstausführung des .dreiaktigen Lustspiels „Wir lasse» uns scheiden" (Divorcons). Maria Orska eröffnet ii diesem Stück in der weiblichen Hauptrolle «ihr Gastspiel Renaissance-Bühne. Donnerstag 50. Aulfführum von „Mein Mann, der große Künstler" mit Hans Niese. Roland-Bühne. Doimersjtag Erstaufführung der Lustspiels ,Hosjuden". Das Programm des Wiener Operngastspieles in Paris. Falls das in Aussicht genommene Gastspiel der Wiener Oper in Paris zustande kommt, gelangen folgende Werke m deutscher Sprache zur Aufführung: „Der Rosenkavalier", „Tristan und Isolde" und einige Mozart-Opern. Die Anregung zu diesem Gastspiel ist vom österreichischen Gesandten in Paris ausgegangen. Der französische Unterrichtsminister hat hieraus den Direktor der Pariser Musikakademie ersucht, für den Monat Juni das Wiener Gastspiel anzusetzen. Die endgültige Entscheidung sicht noch aus. Erwerbung von graphischen Arbeiten Georg Ehrlichs durch ausländisch« Museen. Wie wir erfahren, haben das britische Museum in London und das Metropolit an Museum in New-Aork eine größere Anzahl von graphischen Arbeiten Georg Ehrlichs erworben. Beer-Hosmanns ^Jaakobs Traum" gelangte in Prag rm Reuen Deutschen Theater unter Kramers Leitung zur Erstaufführung und übte tieft Wirkung. Die Frei« Thpographia brachte Haydns jugendfrohes Alterswerk „Die Jahreszeiten" voll Schwung und Klangfteude heraus und stellte damit ihrem Kunstsinn und den erzieherischen Fähigkeiten ihres Dbormeisters Heinrich Schoos ein schönes Zeugnis aus. Der Dirigent, ein getreuer Juuger Anton Bruckners, verzichtet darauf, in Haydns Oratorium auf Entdeckungsfahrten auszugehen und gibt sich damit zufrieden, in aller Hingebung dem Kunstwerk zu dienen. In behaglicher Breite — manchmal in gar zu gemächlichem Trüb — Pflegt er di« melodische Linie und versteht es vortrefflich, seine Sänger an Höhepunkten zu Höchstleistungen anzufeuern. Der Ackersmann. der — in der Baritonarbe des Frühling" — froh zur Arbeit aus das Feld eilt und dort den Samen answirft, der bald zur goldenen Frucht wird, ist gleichsam ein Abbild der strebsamen Ehürvereinigung. die es in Mer Arbeit aus kleinsten Anfängen zur stattlichen Chorgonieinde gebracht hat. Wohl geraten die Chöre bisweilen ein wenig schwerfällig und der Pianogesang hat noch Seltenheitswert; doch vermag dies der ersprießlichen Gesamtleistung keinen Abbruch zu tun. Frau Musil und die Herren Ba u m a n n und Fälbl — letzterer gar zu unbestimmt und zaghaft — waren die eifrigen Solisten' des Konzerts, welches fernen Veranstaltern einen vollen brachte. flv. Eine Freilichtbühne in Palästina. Wie uns aus Jaffa berichtet wird, ist an der Schwelle zwischen TÄ-Awiw und Jaffa von Herrn David Halt recht ein hebräisches Theater geschaffen worden, das im Freien spielen wird. Gerade in Palästina. wo infolge der langen Wärmeperiode der Aufenthalt in geschlossenen Räumen wahrend viÄer Monate des Jahres mit großen Unzukömmlichkeiten verbunden ist, dürste dieser gegen 60V Sitze fassenden ersten hebräischen Freilichtbühne größere Bedeutung zukommen. Die offizielle Eröffnung des Theaters findet am 9. d. statt. Sertchtrsaal. Wann sind Wohnhausbauten steuerfrei? Der Wiener Magistrat hat das Ansuchen der Frau H. F. um Zuevkennung der dreißigjähvigeu Steuerfreiheit für den Zu- und Umbau ihrer Billa in Pötzleinsdorf abgewiesen, weil nach den Erhebungen festgostellt worden ist, daß diese Bauten schon vor dem 28. November 1921 'begonnen wurden. Nach dem Geisetz müsse aber der Baubeginn nach dem 28. November 1921 erfolgt sein; erst dann sind diese Objekte steuerfrei. Gegen diese Entscheidung des Magistrats wurde die Abgabe n'beschwerdekommission der Gemeinde Wien angerufen, die sich der Auffassung des Magistrats erschloß. Am 31. März beschäftigte sich nun der Berwaltungsgerichtshof mit der an ihn in dieser Angelegenheit gerichteten Beschwerde. Unter dem Vorsitz des Senatspräsidenten Dr. S.a x und nach Anhörung des Vertreters der Beschwerdekommission der Gemeinde, Obermagisiratsrates Dr. Urban, wurde die Beschwerde als unbegründet abgewiesen. Die Vorgänge bei der Wiener Bank-A.-G. Beim Strafbezirksgerichte 1 war, wie berichtet, seit einiger Zeit einGhrenbvleidigunflspro^ß anhängig, welchen die Verwaltungsräte der in Liquidation befindlichen Wiener Bank-A.-G.. die Herren Max Stein, Rudolf Stein und Ernst Krüger gegen den Rechtsanwalt Dr. Leopold Popper angestrengt hatten. Nach Inhalt der Klage soll Dr. Popper in einer am 25. Dezember stattgehabten, außerordentlichen Generalversammlung der genannten Bank eine Reihe Ehrenrühriger Angriffe gegen ore Verwaltung der Bank gerichtet haben. So soll er von einer gewissenlosen Verwaltung gesprochen haben, ferner von Gaunereien und Durchstechereien, die in der Vevtvaltung der Bank vorgekammen seien, und soll zum Schluß die Aeußerung gemacht haben: „Die böhmischen Zirkel sind gestört worden." In der ersten über diese Klage statt gehabten Verhandlung hatte sich Dr. Popper, der von Dr. Hans Anton Kraus verteidigt war, «dahin verantwortet, daß seine Vorwürfe ganz allgemein gehalten waren, sich nicht gegen die Kläger gerrcht^ halben und daß es ihm ferne gelegen war, die Kläger persönlich zu beleidigen. Vorsichtsweise hatte der Verteidiger dm Beweis des guten Glaubens angeboten und insbesondere auf dr« Stützendgrser Affäre, auf die Angelegenheit der Waleska-Grube und auf die Vorgänge bei der Dianabad-'A.-G. hingewiesen. Zur Durchführung der von beiden Seiten beantragten umfangreichen Beweise hatte der Richter, Obevlandesgerichtsrat Dr. Fu ch s i g. die Verhandlung für zwei Tage anberaumt. Bor Beginn der fortgesetzten Derhandlnng kam es sedoch, ohne in das Beweisverfahren einzugehen, zu einer Beilegung des Prozesses in der Welse, daß Dr. Popper in Wiederholung seiner Verantwortung angab, daß die inknruinierten Vorwürfe nicht persönlich gegen die drei Kläger gerichtet waren, daß er nur ganz allgemein gesprochen halbe und daß es ihm ferne gelegen war. die Kläger zu beleidigen. Der Klagevertreter zog hierauf den Strafantrag zurück, woraus daS Verfahren gegen Dr, Leopold Popper eingestellt wurde. Die Bosel-Erpressungen. Gestern verhandelte Qberlandesgerichtsrat Dr. H u m m e l über einen neuerlichen Erpressungs- Versuch an dem Präsidenten der Unionbank Siegmund Basel. Angeklagt waren der Verfasser eines Drohbriefes, der 21jährige Tijschlergchilft Josef Schuster, und sein Komplize, der ILjährige Friseurgehilf« Joses Bauer. Schuster verlangte in dem Briefe von Basel den Erlag von 50 Millionen in einem Kaffechause und drohte ihm. wenn er dieser Aüffordetmtufl nicht Nachkommen sollte, mit dem Tode. Bauer wollte daS Geld an der Kaffechauskass« beheben und wurde dalbei verhaftet. Am selben Tag wurde auch Schuster erwischt,,welcher erklärte. er wollte sich nur einen Jux machen. Präsident Bosel war als Zeuge nicht erschienen, weil seine Mutter operiert wurde. Der Richter verurteilte Schuster zu drei Monaten, Bauer zu zwei Monaten strengen Arrests, und zwar bedingt. — Don dem Oberlandesgerichtsrat Dr. Hanel wurde di« 24jährige Hausgehilfin Mari« Hriber wegen Drohbvieife an die Witwe Auguste Murmann zu einem Monat Kerker verurteilt. Der Mörder des Rentners Hamburger zum Tode verurteilt. Aus Berlin berichtet I. T. A.: Im Oktober 1924 wurde der Rentner Benno Hamburger in seiner Wohnung in Berlin. Elsässerstraße, ermordet ausgefunden. Evst einige Wochen später wurde ein gewisser L eest, der zu Hamburger in gefchäftlichen Beziehungen stand, als des Mordes verdächtig verhaftet. Er legte ein umfassendes Geständnis ab. Leest, der 30 Jahre alt ist, aus guter Familie stammt, aber von Stufe zu Stufe gesunken war. wurde von Hamburger, für den er Briefmarken verkaufte. in feiner Wohnung ausgenommen. Eines Morgens siel Leest über Hamburger her, erwürgte ihn und raubte ihm Kleider unp Wäsche, für die er dann 98 Mark erlöste, außerdem 30 Mark m bar. Am 3. d. hatte sich Lee st vor dem Moabiter Gericht wogen Raubmordes #u verantworten. Er behauptete^. Hamburger im Streit erschlagen zu halben. Das, Gericht schenkte feinen Angaben keinen Glauben und verurteilte ihn zum Tode. Die Verteidiger erhoben Einbruch, rcher der Verurteilte erklärte. *ui Revilum m. veuichtek. _7. April 1825 _Sb, SM SoHsttüt sar Sanfttefe» Rußlands. Aus Moskau wird ber-ichtot: Die volbkomme-ne Bek> trustung, respektive Vergesellschaftung des produktiven Kapi-! tals hat es mit sich gebracht, daß Moskau und Rußland nun wieder mit omom ganzen Netz von Banken überzogen ist, worunter die Staatsbank mtt einigen hundert Filialen allerdings den Löwenanteil beansprucht. Sie 4st die einzige Notenbank und wollte anfänglich die ci-nzige Kreditanstalt bleiben. Die Organsierung des wrrtschaiMche« LclbMS hat aber andere BMiken hervorgeruftn. So Gibt er jetzt die „PoLa"-Dank, das ist die Bank der Konsumgenosse«?-. schäften, mit der „W s e k o" - Bank als - zusammenfassender Spitze. So die mit 30 Millionen Rubel an zweiter Stelle stehende Russische Handelsbank (das Kapital der StaatS-bank beträgt 100 Millionen Goldrubel), deren Aufgabe ebearfalls hauptsächlich in der Finanzierung der Jndustvretrusts besteht. Alan erkennt den ChavaLter dieser wie aller anderen scheinbar selbständiger Banken daran, daß KvÄ Drittel chver Aktion dem AußenhondelSkommissaviat und ein Drittel der Staatsbank gehören. Einmal ruht das Schwergewicht bei dom einen, das andere Mal bei dem anderen Ressort; die Präsidenten urid Mitglieder des Vorstandes wechfalir, aber das Interesse ist dit und dasselbe. Herr T a r at u t a, der Präsident der Russischen Handelsbank, kommt «ach Paris tvie der Leiter eines selbständigear Instituts, um Kredite aufzunehmen, in Wirklichkeit ist er nur einer der vielen! Regierungskommissäre. Es gibt weiter die Zentrale Landwirtschastsbank (40 Millionen Rubel), der ein Netz von Gesellschaften für den 'landwirtschaftlichen Kredit angegNedevt ist und dro darauf gehofft haben, durch Ausgabe von Keinen Anteilscheinen gu 10 Rubel die Dauern an sich zu zichen; aber dieser Versuch ist am Mißtrauen der Bauern gescheitert. Schließlich gibt eS etwa 20 Kommunalbankein (jiit Moskau, Leningrads Charkow, Nsschnil-Nowgorod usw.), deren Aktien den Ovtssowjets gehören. Sie finanzieren den Wohnungsbau, städtische Anlagen jeder Art, gologonilich auch den Kleinhandel. Private Einlagen gibt es in allen diclsm Instituten nicht. Dis Passiva stammen van den staatlichen und genossenschaftlichen Drganiifatilonen, die gesetzlich verpflichtet sind, Depositen fitij diesen Banken anzülegen. Lediglich Ar den Ges>ellschaften für den gegenseitigen Kredit in den kleineren Gouvernements^ städten finden sich geringe private Einlagen, Der Zinsfuß. Natürlich fehlt es bür dieser umifassendeen Organisation, die «im Grunds -eine einzgie Instanz fff, nicht an der Komik. Die verschiedenen Unterabteilungen sind aus jede Einlage eines Trusts, einer Gen-ossenschaft u!jw. eiferflichtig und geraten sich in die Haare. Sie wünschen andererseits, daß die Staatsbank nicht direkt Kredite erteile, sondern durch die Un'terabteilMMn, um an den Zinsen zu parWpivren. Nimmt doch die Staatsbank als nobles Zeutralinskitut nur 8 bis 10 Prozent Zinsen im Moskau, Vis zu 12 Prozent Zinsen in der Provinz pro Jahr. Die anderen Banken dagegm sind egoistischer und berechnen 9 Vis 16 Prozent, mit der Kommission faktisch 18 Prozent. Die armen Geifellschaften sür den gegenseitigen Kredit, welche nicht aus zwangsnräßige Einlagen rechnen ikönnn-en, berechnen 2 bis 4 Prozent monatlich. Fügen wir gleich hinzu, daß der Privatsatz monatlich etwa 6 Prozent beträgt. Eine gesetzliche Einschränkung gibt es nicht. Sieht diese Organisation schon nach einer europäischen Wirtschaftsform aus, so muß doch unterstrichen werden, daß dies nur scheinbar der Fall ist. Wenn Rußland durch sein pölMsches Prinzip der Frage der Anerkennung, oder Nichtanerckonnung seiner Auslandsverpftichtungan bis aus weiteres van Europa radikal verschieden ist, so nicht minder durch den prinzipiellen Unterschied in der Frage des Pvövate'lgewtumZ. Trotz allen Einschränkungen des einstigen starren Prinzips gibt es auch heute kein Pvivateigenbum. Das Land ist Staatsbesitz, wenn es auch praktisch den Bauern gchövt. Die Häuser sind städtischer Besitz. Jndustrieunternchmungen sind für die Kleinindustrie ftevgsgelben, a'ber wie sollen sie ohne Kredite des Staates und damit ohne Abhängigkeit vom bolschewffischeu Staat arbeiten? Der Privathandel ist im Innern gestattet und bringt hier und da den Händlern Gewinn, g. B. we»m man im richtigen Moment Ware an einen wareühnngrigvn Ort schasst und mit MucherpvSisen «losschlägt. Aber* schon greift der Staat zu «und beilegt mit hoher Gewerbesteuer und progressiver Gin-! kommenstouer den Berdienst. Die Arbeitslöhne und Gchälde« schwanken zwischen 100 und 600 Rubel, letzteres ist bereits ein schr seltener Fall. Ansammlung von Kapital «ist also faktisch unmöglich. Die NeP-Männer haben schr selten Glück und bringen i'hr Wuchevgeld ins Ausland in Sicherheit. In den nveisten Fällen packt die Hand der Dscheka oder Mch nur der Steuepbehörde mtter einem nichtigen Bovwaüd rechtzeitig zu, und wie gewonnen, so zerronnnen. Bon einer Pvivatwirtschast im europäischen Sinne ist also überhaupt nicht die Rede. Wo im politischen, so ist im wirtschaftlichen Sin» Rußland in seinem Innern ein ungeheurer Angestelltenorganismus geworden, der Funktionen der Staatsmaschine und nur sie erfüllt. Gm Organismus, der. bis auf die letzte noch ertragbare Stuf« des .Dvbensstaüdards herabgedrückt 'ist und nicht durch seino Wünsche und seine KaNftrast, sondern ausschließlich durch die Dosierungspokitik der Staatswirtschaft bei Angebot ur^ >hsrage in Erwägung gezogen wird,! -

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