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Wiener Morgenzeitung · 1925-04-05 · Heft 2200 (5.4.1925) · p. Seite 11

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2200 (5.4.1925)
Date
1925-04-05
Page
Seite 11 (sequence 11)
Language
German
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Nr. SM Wien, Sonntag Wtener MorsttnzeltunA. 5. April 1925 Geile U Serichtssaal. Pornographische Halluzinattonen. Ein PalSstinawanderer unter furchtbarer Anklage. Dienstag brachten die meisten Wiener Tageszeitungen, besonders ausführlich »nd aufgebauschr natürlich die judenfeindlichen Blätter, eilte Nachricht, die dell Leser zum Schaudern brachte. Der Palästinawandcrcr Lrul B r e 8 l e r m a r aus Ruffisch Polen habe seinen 13 Monate alten Knaben geschlechtlich mißbraucht und geschändet, indem er ihm sein erregtes Glied in den Mund steckte. Die Anzeiger, der Tischlergehblfe Johann Feßl nli-s die Bedienerin Therese Weigl, behaupte :en, gesehen zir haben, wie Breslerman die Tat auf dem freien Platze nächst der Römergasse in Ottakring um die Mittagszeit aus ge führt und sein Vorg.hen durch seinen Rock zu verdecken gesucht habe. Auf Grund.dieser Angaben wurde der Mann an Ort und Stelle verhaftet und nach polizeilicher Untersuchung dem StraflandcSgericht 2 eingctiefcrt. Juden alis Ottakring riefen Wer Tage nach der Verhaftung den Gcmein.derat Dr. Plaschkcs zn Hilfe, der die Berteidiailng des EhÄuz übernahm nud lricht bloß bewirkte, daß die gerichtliche Untersuchung, Anklageerhebnng und Verhandlung binnen fünf Tagen seit der Einlicfernng erledigt waren, sondern auch durch einen lückenlosen Beweis die nngcheucriichen Ans- 'agen der Anzeiger entkräftete. Bei der heute vor dem Schöffengericht unter Vorsitz des Oberlandesgerichtsratcs Dr. Wilhelm durchgeführten Hauptuerharr.dlu.ng leugnete der Angeklagte entschieden; die Belastungszeugen blieben bei ihrerr bisherigen Aussagerl. Dem VcrteHdiger, der das kleine Kind mit denr Kinderwagen in den Gerichtssaal hatte bringen lassen, gelang der Beweis, daß nach der festgestcllten Lage des Kindes und der Konstruktion des Wagens die Zeugen a u ssag c lrunwahrsei u m ü s s e n. Durch Experimente mit dem Knaben wurde erwiesen, daß er jeden Gegenstand, der feinem Murrd genähert wird, unter lautem Schreien wegstößt; schließlich wurde durch euren Wachmann bestäitigt, daß das Kind bei der Verhaftung des Vaters — einige Minuten nach der Tat — mit geschlossenem Munde geschlafen habe. Durch Vernehmung des Arztes Doktor K a r e r konnte dargetan werden, daß Breslerman den Rock offenbar deshalb vorgeschlagen habe, weil er das an Bronchitis leidende Kind vor weiterer Erkältung durch d-err Wind schützen wollte. Die abgöttische Väterliche und unablässige Fürsorge des jungen Chaluz für sein Kind wurde durch die Zeugin Bernstein geschildert. Nach einem mehr als zweistündigem Kanrpf mit den Zeugen, einem sachlichell Schlußvortrag des Staatsanwaltes und einer überaus eindringlichen Verteidigungsrede wurde der Angeklagte von der furchtbaren Anklage f r c i g e s p r o ch c n, wobei das Gericht feststettte: die von der Verteidigung vorgenihrten E n t l a st u n g s b e w e i s c schließen die Glaub- Würdigkeit der Anzeiger aus. Breslerman ist nnichuldig und hat offenbar nur ans überschwenglicher Liebe den Rock vorgehalten und, um das Kind zu wiegen, jene Körperbewegungen gemacht, welche ihn in Verdacht brachten. Daß er feinen Geschlechtsteil auch nur entblößt habe, glaube der Gerichtshof nicht, geschweige denn die angezeigte Schändung. Der Chaluz wurde sofort auf freien Fuß gesetzt. Der Vorsitzende beglückwünschte nach der Verhandlung den Verteidiger zum Erfolg seiner Bemühungen. Ser Penfionsanspruch des Staatsbahnrates aas der Bukowina. Der Staatsbahnrat des Ruhestandes Dr. B a l t i n e st e r, der derzeit in der Bukowina wohnt, strengte beim Zivillandesgericht in Wien gegen das Pensionsinstitut für Beamte und Untt'vbeamte der k. k. österreichischen Staatsbahmn in Liquidation eine Klage auf Leistung der ihm gebührenden R u h e g e n ü s {e im Betrage von 58.101 Schilling 44 Groschen an. Die Finanzprokuratur hatte namens des beklagten 'Pcnsionsinstltuis bei der ersten Tagfahrt geltend gemacht, daß dieses Institut in der Republik Oesterreich keinen Repräsentanteu mehr habe und daß daher auch der Finanzprokuratur die B e r t r e t u n.g s b e f u g n i S mangle. Der Klagever- UMSONST erhält Jeder Abonnent der ..Wiener Moraenzeftung“ bei Vorauszahlung der BezugagebÜhr für ein ganzes Jahr u 11 in drei eleganten Halbleinenbänden Für Versandspesen des ..Gmetz*' sind ausser der Jahresbezugsgebühr noch 20.000 österr. K. zu entrichten MODE-BERICHT Frühjahrsmode. Wenn auch unsere führenden Modehäuser einen großen Teil leer;n verarbeitenden Stoffe aus Paris kepeben, so verliehen sic cs dennoch, sich nicht an die von dar: lancierten ModAinien zu hasten, sondern jeweils Variationen der neuen Saisontypen zu schaffen. Für das heurige Frühjahr besteht die Tendenz, den sehr kurzen Rock in seiner unteren Partie weiter zu halten und rhu mit Hohlfalten, Plissees oder cingekräusciten Teilen zu versehen. Das Complct hadas Kostüm verdrängt. Beliebt ist die kurze oder halblauge Jacke, die eleganteren Eoinplets haben Paletots in der Lange des Rockes. Auch der Gürtel spielt wieder eine große Rolle, und zwar der breit« weiche, in der Farbe mit dem Kleide übereinstimmende Ledergürtel. Im allgemeinen liegt die Taillenlinie sehr tief. Einzelne Modelle sind nach dem Prinzip des Hemdkleides aufgebaut. Zahllose Abarten des Plissees treten auf, ebenso Hochlfalten an Mänteln und Kleidern, Außerordentlich beliebt ist das I u m p e r k l c i d, wobei der Jumper selbst bis über die Hüfw herabrcicht. Eine ennchneidende Aendernng hat der Aermel erlitten, indem die Puffe am Oberarm aus einem vom übrigen Aermel abstccheudem Material verfertigt sind. Unter den Stoffen bleibt Kasha der beliebteste. Daneben erome>)ene v«unen5l>L>>iscl>iLLiion-nooki-aobk GAßAN7IE&r HANDA&BEI7 Lizors 6DAUNEH-HEB.BENHAIBSC HUH a*3Qäö SCH UH MOD ELLHAUS . ' LEOPOLD JELUNEK VH. BUR.GGA55E 5. GEGENö bEk DEM DEUTSCH. VOLKSTHEATEft fchc:nen auch herrenstoffartige Gewebe, ferner Rips und flf# besondere Neusten die aus Wolle und Seide gemischten, Ton in Ton möglichst groß gemusterten Stoffe. Eine Ueberraschung bedeutet die Verwendung von Taft für Tageskleider und Mäntel. Die Hauptfarben für die Tagcskleidung sind Holzton, Rostbraun und Chamois. Daneben erscheint auch ein zartes Grau für den Nachmittag. Während Lila sich nicht durchsetzt, ist blau in den Schattierungen Lavendel und Saphir vertreten. Neben Schwarz mit Rot erscheinen für den Abend die zarten Töne von Gelb und Rosa. E Das erste Gebot der Hausfrau ist Sparsamkeit. Diwirtschaftliche Luge zwingt die meisten Famtlien. gerade die Ausgaben für Ergänzung der Familieugarderobe unp Ansstattnug des Heimes möglichst zu beschränken. Man m.nß daher bei Nachfchaffungen in Stoffen. Wäsche usw. nur solche Kaufhäuser aUifsuchen, welche Garantie dafür bieten, daß die gekaufte Ware in Qualität verläßlich und dabei doch besau d e r s b i l l i a i st. Ter außerordentlich gute Rust welchen das seit vielen Jahren bestrenommierte Warenhaus Brüder S ch i ff m a n n, 2. Bez.. Taborstraßc -18, in allen Kreisen des konsumierenden Publikums genießt, ist durch das von den Firmeuinhabern geübte Prinzip: „Großer Umsatz — kleiner Nutze n" begründet. Zur kommenden Frühjahrs^ saistm findet sich eine überaus reichhaltige Auswahl in allere neuesten Mcdestoffen für Damen und Herren, fertiger Leib Wäsche und Modeartikeln jeder Art. Vorzüglich assortiert ist auch das Lager in Ehiffonen. Weben, Grabet aller Breiten von der einfachsten bis zur feinsten Qualität. Besichtigen Sic die zahlreichen Schaufenster und überzeugen Sie sich von der Konkurrenzlosigkeit in Qualität und Pressen. KBZTUOI EMPFOHLEN 1 Hygienisch modern gearbeitet! Leibbinden nach Operationen GUrtel-Innenbinden & Senkungen Umstandsbinden u. Mieder - o-.-»,-»»,-, Körperform-Korrekturen (Ausgleichsmieder) fabriziert Spezial-Atelier H. Lebowltscft, *”■ Marla^er,<ry Damen-Abteilung Grig. pariser AToöelle neu eingelangt in Velours 250.000, Filz *20.000 Stroh 98.000 Herren-Abteilung Vorsalino, <Lristys, Moussant neu eingelangt ihaarhüte J20.000 Hutmodenhaus Bauer 9. Bezirk, Schlickgaffe q tretet hatte zur Widerlegung dieser Bchauptung eingeivendet daß das beklagte v*Va Person fortbestehe Instituts in Oesterr-.'ich befind der österreichischen Bundesbahnen verwaltet wird. Dieser Standpunkt wurde vom Gericht geteilt und die Finanzprokuratur erhielt eine Frist zur Erstattung der Magobeontivortnng. In der Klage wurde ausgeführr. 'daß der Klag.'r seit dem Jahre 1898 im Dienste der ehemals k. k. österreichischen Staais'bahn stand. Bei hem Uebevgang der ehemaligen österreichischen Sraatsbahnen in der Bukowina an die Verwaltung der rumänischen Staatshahnen fei don dem Kläger eine Erklärung verlangt worden, daß er sich unter Verzichtleistung a> die von Ihm erworbenen Rechte den Vorschriften der könicsti rumänischen Bahnverwaltung unterwerfe. Die Abgabe dieser Erklärung sei jedoch von dem Kläger verweigert worden, da er sein"r Rechte gegenüber dem Pensionsinstitut verlustig zu gehen^befürchtetl.'. Später wurde der Kläger von der runrcb zeitig eirce Pension für 22 Jahre im Betrage von 481 Lei monatlich ans dem Pensionsfvnds für Beamte und Unterbeamte der ehemaligen österreichischen Staatsbahnen angewiesen. Nach einiger Zeit wurde jedoch dem Kläger diese Pension ,1 i ch t,m e h r flüssig g e in a ch t, da sich die rumänische Bahnverwaltung auf den Standpunkt stellte, daß der Kläger nicht i n ' i h r e n D i e n.ft e h war, seipe . Einzahlungen an das beklagte Penfionsinstitnt eeleistet und daher auch von diesem die ihin gdbührenven Nuhegemisse zu erhallen habe. Kläger sei daher gezwungen gewesen, seine Ansprüche gegen das Pensionsinstitut geltend zu machen. Mit dem kürzlich ergangenes! schriftlichen Urteil des Landesgerlch^es unter Vorsitz des > Hofrates Dr. Engelbogen wurde dem ,Klagebegebren dem Grunde nacht sta t t g e g e b e«. Die Finanzprokuratur hat behufs Bearüudung zivilrechtlicher Wirkungen in diesem.wie in derartig ähnlichen angestr'ngten Prozessen sämtlich e.n Nachfolgestaaten den S t r e i t v e r k ü n d e t. Krone ist nicht Krone. In. der gestrigen Leitnngssitzun'g de<' Verbandes des Sparer und Kleinrentner gab Verbands» obmann Dr. Zalman einen intcressanten Valorisierungsprozeh bekannt. d:r sich vor wenigen Tagen abspielte. Der Eisenhändler Johann Wurst hatte im. Jahre 1914 der Frau Marie. S ch n tz b i c x in Bruck an der Leitha Waren im Werte won 1000 Kroneil verkauft. Da die Zahlnna nicht rechtzeitig erfolgte. die-Fran klagen »rid. ein exefittives Pfandrecht güf die Lr.aenschasl der Frau Schutz'bier-erwirken. Erst im' Jahre 192t. also nach zehn Jghren, wollte die Schutz- ^ier ihre Schuld, und zwar mit einer Tausendkronennote, ckbtrügen, doch weigerte sich der Gläubiger, diesen Betrag anzunehmen, Daraufhin hat Frau Schutzbier die 1000 Kronen beim Bezirksgericht in Bruck an der Leitha erlagt und klagte -den Kaufmann Wurst auf Löschung des Pfandrechtes. Der Richter wies hierauf die Klage awf Löschung des Pfandrechtes üb, und zwar mit der Begründung, daß mit einem Lausendkronenschein die im Jahre 1914 entstandene Schuld nicht getilgt werden kann. Das Urteil gegen die Zollhinterzieher. Gestern tvurde nach dreiwöchiger Dauer der große Zollbetrugsprozeß gegen eine Reioe von Kausleutnr und Speditionsveamten beendet. Es handelte sich dabei, wie berichtet, um Transitsiiiter, die auf Grund gefälschter Dokumente im Inland ver kauft wllrden, wodurch der Staat um Milliarden geschädigt wurde. Auf Grund des Beweisverfahrens wurde verurteilt: Wegen des Verbrechens des Betruges der Kaufmann Lazar zu sechs Monaten, Robert Pick zu sechs Monaten, die Spe-- nitionsbeamten Friedrich KorMelsohn zu neun Monaten, Bochnicek einem Jahr, .. _ . ober zu sechs Monaten, Franz Rottmerster zu acht Monaten. Schneider zu sieben Monaten, Hammerschmied zu fünf Monaten Kerker. Wegen boshafter Nid)tveryinderung des Verbrechens des Betruges wurden verurteilt: Der Speditionsbeamte SkörvN zu drei Monaten, Ergert zu vier Monaten Arrest, jedoch bedingt. Freigesprocherr wurden die Angeklagten: Ferdinand Rainer, Samuel Ochshorn. f r. Isidor Fell und L i c b e r m a n n. Ter Speditionsbeamte ügen Kornelsohn wurde infolge Rücktritts des Staatsanwaltes von der Anklage freigesprochen. Vitt Autowildling. Am 23. Dezernber 1924, gegen 7 Uhr früh, fuhr der Selchermeister Karl Bezn.aus mit seinem Anto in sehr raschenr Tempo, ohne Hupenzeick^en zu geberr, gegen der: Herdenschutz. Die 03jährige Blumenhändlerin Anastasia Kramsky übersah das Herannahen des Wagens, wurde Überfahren und starb bald darauf an den Folgen des Unfalles. Gestern hatte sich Beznaus vor dem Einzelrichter Gofrat Doktor amsauer wegen Vergehens gegen die Sicherheit des : Lebens zu verantworten. Zeugerr gaben an, daß der Angeklagte über die am Boden legende, sterbende Fran robe Späße geinacht habe, so daß ihn die Wache nur schwer vor Mißhandlungen durch die Umstehenderr schützen konnte. Der Vater des Arrgcklagten soll einem Unistehenden, der ibm wegen des Ächnellfabrens Vorwürfe machte, znaerufen haben: „Halt die Goschen, du hast nix gesehen, sonst krregst ein Paar!" Der Richter verurteilte den Angeklagten zu sechs Monaten strengen Arrests. judejm essen zu Pessach nur 102 Manischewitz-Mazzoth C9$C

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