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Wiener Morgenzeitung · 1925-04-05 · Heft 2200 (5.4.1925) · p. Seite 8

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2200 (5.4.1925)
Date
1925-04-05
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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Gekse S Wien, Sonntag Wiener MoraenzeUunn. ßuf ist. Tiefe Einsicht wurde inöbejondere durch .Zlvc.i Umjläicdc zur Reif« gebracht. Erstens sahen unsere Mädchen ein, dnß ee absolut keine geistreiche Beschäftigung ist, in einem Bureau Fcckturen oder in einer Bank Kontoauszüge zu schreiben. 8i< spürten auch schließlich und endlich, daß man trotz Handelst schule oder Steiiographiokurs noch nicht zum Wissenschaftler wird. Und sie merkten endlich, daß es mindestens so viel Befriedigung und Lebensinhalt gibt, einen Haushalt zu führen urrd -ie nötigen Arbeiten um das Hans zu verrichten, als alle die angeblich „höheren Berufe" des jüdischen Mittelstandsmädchens. Der zweite Umstand, der diese Wandlung vorbereitete, ist die zionistisch« Erziehung unserer weiblichen Jugend. Palästina lehrte die jüdische Jugend, sowohl Mann als Weib, die sechs Tage Arbeit ebenso zur Religion -zu machen, wie den siebenten Tag der Ruhe. Unsere national erzogenen Mädchen seihen in der Hausarbeit, in der körperlichen Arbeit Widder Lebensinhalt, und daß dies so ist, ist nicht das letzte Gute, was wir dem neuen Palästina zu verdanken haben. In Wien ergoß sich die Bewegung in die praktische Form, daß sich die Soziale Hilfsgemeinschaft entschloß, in ihrem Heim {2. Be;., Untere Augartenstraße 86) eine Haushaltungsschnle für jüdische Mädchen mit Internat zu schaffen. In einer kürzlich stattgefundenen Besprechung konnten die Delegierten des Vereines jüdischer Hansbeamtinnen berichten, daß sich bereits eine große Anzahl junger Mädchen meldete, um an den Kursen, die auch für Externisten zugänglich find, teilzunehmen. Neben praktischer Hausarbeit, Ausbildung im Kochen, Nähen, Waschen, erlernen die Mädchen praktische Fertigkeiten, wie sie insbesondere der Wirtschaft Palästinas angepaßt sind. In den theoretischen Kursen wird ans die Hygiene des Haushaltes, ans Kinder- und Krankenpflege besonderes Gewicht gelegt. Die jüdischen Machen in Wien, di« auf diese Weife eine Berussumschichtung vollziehen, find sich dessen bewußt, daß sie nicht zu Grotzmutters Anschauungen dadurch.zurüSkehren. Es ist nicht das von Gott vorher bestimmte Schicksal der Frau, zu kochen und zu scheuern. ist den wenigen Auserwählten lmrcr den Frauen ebenso möglich, Universitätsiprofessor zu werden wie jenen unter den Männern. Aber schließlich ist auch bei den Männern die Auserwähltheit nicht die Regel, sondern die Ausnahme. Das Mffche VE braucht in Palästina Arbeiter. Indem es seine Jugend zur körperlichen Arbeit erzieht, rettet es gleichzeitig diese Jugend vor den Gefahren der Großstädte Es heißt darum die Berussumschichtung unter den jüdischen Mädchen zu propagieren. Wir brauchen arbeitende Frauen im jüdischen Haushalt, in den zahlreichen gemeinnützigen Anstalten, in den Spitälern und Kinderheimen. Wir brauchen arbeitende Frauen hier un-d in Palästina. Wir müssen sie haben! Der Musiklärm und die Kulturpslicht. In der Bezirksvertretung eines äußeren Bezirkes wurde der Vorschlag gemacht, Maßnahmen gegen das überhandnehmende Musizieren, insbesondere gegen das Musizieren bei ofsenenem Fenster, zu ergreifen. Man hat von diesem Vorschlag gelesen, flüchtig Kenntnis genommen, und ist daran vorübergegangen, mit jener Gleichgültigkeit, die in Wien immer herrscht, wenn es sich um keine Sensation handelt. Trotzdem das hier nicht der Fall ist, und trotzdem der äußere Anschein nicht dafür spricht, geht es doch um etwas Großes. Tie Klagen über das lästige Klaviergeklimper sind sicherlich nicht neu. Seit Generationen bieten sie Hunwristen willkommenen Stoff, und von F. E. Schlögl, der für das Skalenspiel die.kostliche Lautwiedcrgäbe: wudlwudlwudl erdacht (man muß sehr geplagt sein, um solche Formen zu finden), wird es nicht viele Spaßmacher, lustige und ernste, in Wien gegeben haben, j die der Versuchung Widerstand leisten konnten, Erlebnisse aus der musikliebenden Nachbarschaft zu erzählen. Das klingt immer lustig. Aber es steckt ein sehr ernstes Problem dahinter: das geschändete Recht des abgehetzten, abgemüdeten Großstadtproletaricrs auf Ruhe. Man muß durchaus kein Feind und Gegner der '.Ücuftf sein, um die Art der landläufigen Wiener Musik- Übung kulturlos und unsozial zu finden. Im Gegenteil: je mehr Verständnis, je mehr Liebe man zur Musik hat, umso schwerer wird man unter diesen Rücksichtslosigkeiten leiden. Selig die Menschen, für die „Wer wird denn weinen . . Musik bedeutet, und die eine Zeitung lesen können, wenn die Nachbarin zur Rechten die G-Tur- Svnatine von Beethoven übt, während sich der kleine -Nachbar zur Linken mit einer Cramer-Etüde herumschlägt, unten die „Blanko von der ZivnostcnSka Banka" behandelt wird und von oben Geigengezirp, das vorgibt, die „Svendsen Romanze" zu bedeuten, herunterklingt. Alle „Hausmittel" verschlagen da nicht. Solcher Hausmittel werden natürlich genug empfohlen. „Hör' nicht darauf", raten die Ahnungslosen (der Rat ist ebenso gut wie der andere, „nicht an die Zahnschmerzen zu denken"), „spiel' selbst recht laut", meinen die Kraftmeier, die Musik von vorneherein als Kampfmittel betrachten, „du wirst dich schon gewöhnen", trösten die Friedfertigen, die hier wie iu jedem anderen Fall finden, daß man „halt nichts machen kann". Diese Ansicht herrscht überhaupt vor. Sie scheint mir durchaus falsch zu sein, falsch wie die Bagatellisierung des ganzen Problem«. Früheren Zeiten mag die absolute Anerkennung des Rechtes aus unbeschränktem Musiklärm angepaßt gewesen sein, unserem immerhin doch höheren Kulturniveau entspricht sie nicht mehr. Es ist ein so empfindlicher Einbruch in die seelische Sphäre der Nachbarn, wenn ntan ihn zu jeder beliebigen Zeit zwischen sieben Uhr morgens und zehn Uhr abends mit Musik überziehen darf, daß es für einen auch nur ein wenig Feinfühligen unvorstellbar ist, darin ein „Recht" zu erkennen. Dabei sollen die Ausnahmsfälle: Kranke, die unbedingt der Ruhe bedürfen, geistige Arbeiter, die in ihrer Berufstätigkeit gehemmt sind (der Privatlehrer, der einem vegrPSstützifM Schüler zwischen dem Potpourri aus „Hohen Franz!" und der Holländer Paraphrase den pythagoreischen Lehrsatz klar machen muß, der „kleine" Arzt, der zwischen zwei Feuern „abklopsen" muß, der Gelehrte, der über ein Problem nachsinnt), gar nicht berücksichtigt werden. Auch für den gesunden Menschen, der zu Hanse leine geistige Arbeit zu leisten hat, ist diese Musik Aller gegen Alle unerträglich. Ich kann ein stilles, behagliches, friedliches Heim besitzen. Dann kauft der eine Nachbar seinem Söhnchen ein Pianino (es klingt gerade so laut wie ein Klavier, aber cs ist noch viel verstimmter), der andere läßt seinen Sprößling Violine lernen, der dritte schasst seiner jungen Frau eine Laute an (sollte polizeilich verboten sein), und mein Heim ist eine Hölle geworden. Wird schlecht gespielt, so bedeutet das natürlich eine Strafverschärfung, aber auch das beste Spiel Tag um Tag durch viele Stunden ist eine schier unerträgliche Qual. Wahrscheinlich, war das zur Zeit unserer Großmütter auch nicht viel anders. Aber wir haben nicht mehr die Nerven unserer Großmütter. Selbstverständlich besteht das Problem im allgemeinen nur für den Proletarier, vor allem für den Intelligenz-Proletarier. Der Villenbcsitzer, der Inhaber einer geräumigen Wohnung wird immer in ein Zimmer flüchten können, wo er verhältnismäßig verschont bleibt. In den Mietkaseruen aber ist mau dem Mnsikdämon ausgeliefert, auf Gnade und Ungnade. Man darf in gut gehaltenen Häusern nur an drei Tage»» der Woche von sieben bis zehn Uhr vormittags Teppiche klopfen. Aber man darf jeden Tag volle fünfzehn Stunden lang musizieren, oder was man so nennt. Wehe dem, der sich dagegen aufzulehnen wagte — es ist das Recht, das > sonnenklare, altübcrkommene, dreimal heilige Recht, feine! Mitmenschen am Feuer der Etüden von der „Petite Ecolc" bis zur „Schule des Virtuosen" zu rösten oder ans Violinkonzerte zu spießen, und wenn einer eine Vorliebe für die „Träumerei" auf dem Flügelhorn hat, heißt es auch dazu schweigen. Es ist sein Recht, sie fünfzehn Stunden ,;u üben. Daß dieses Recht unsozial ist und eine Knlturlosigkeit bedeutet, ist ein .Kapitel für sich. Tabei ist das „kannst halt nix machen" in diesem Falle durchaus nicht angebracht. Man k a u n etwas machen. Zunächst läßt sich morgens ruhig eine Stunde Musikerlanbnis streichen. Es genügt vollständig, wenn es um acht loSgeht. Ferner gab es beispielsweise im Vvrkriegs-Berlin (ich weiß nicht, wie es sich, heute dankst verhält) zwischen ein und drei Uhr Spielvcrbot (ich spreche nicht in eigener Sache, denn ich habe in meinem ganzen Leben dreimal Mittagsschläfchen gehalten, zweimal nach durchwachten Nächten, einmal während einer Lnugenentzündung, aber da hätte man meinetwegen die „Eroica" achthändig spielen dürfen). Darüber müßte man natürlich, um eine wirkliche Entlastung zu erzielen, hinausgehen. Etwa so, daß im Prinzip nur bis acht Uhr abends Musik getrieben werden dürfte und Ausnahmen nur in jenen Fällen zugestanden werden, in denen tagsüber nicht musiziert wird. Gewiß kann dieses Schema abgeärrdert, besser: äbgcwcmdelt werden. Aber doch nur im Einvernehmen mit den leidtragenden Nachbarn. Das grundsätzliche Recht, seine Umgebung unaufhörlich zu maltraitieren, sie beim Essen, Schlafen, Lesen, Plaudern, Denken und Fühlen in rohester Weise zu mißhandeln, muß gebrochen werden. Wozu selbstverständlich ein entschiedenes Verbot gegen das Musizieren bei offenem Fenster zu ergehen hat — es werden ja schließlich auch so genug Menschen verrückt. Man sprach in Wien — cs ist noch nicht allzu lange her — gar gerne vom „sozialen Sinn" und den Pflichten, die er auferlegt. Hier ist eine vortreffliche Gelegenheit, diesen sozialen Sinn zu bekunden. Schließlich darf man sich doch nicht darauf beschränken, es nur dadurch 511 tun, daß man nicht raubt, mordet und stiehlt. Das ist nämlich verboten. Musikpflege auf Kosten der Nerven von Nachbarn ist es nicht. Freiwillig müßte das Opfer erfolgen. Ein Opfer wäre es gewiß für so manchen. Aber eines, das der sozialen Rücksicht und der sozialen Pflicht endlich gebracht werden müßte. Die Hundeüberschwemmung, die Verkehrsunarten, das unaufhörliche Musikgetöse —. eS sind verschiedene Formen einer Zeiterscheinung. Der Wiener hat bekanntlich ein goldenes Herz. Aber eS ich ganz gut, wenn es zeitweise durch kräftige Polizeiverordnungen vor dem — Rost geschützt wird. Klara Mautner. Aurttitir au« dem Judentum. H u t b Stephanie geb. Kraus, geb. 11. Zum 1890, Wien. 20. Bez., Pöchlarustraße 8. U n g a r Cmerich Jvlef, geb. 28. April 1901 Beamter, 20. Bez.. Unterberggasse 3. Löwenb a a r Otto, geb. 13. Februar 1903, 20. Bez., Wallensteinstraße Nr. 48. Katz Isaak, geb. 17. Auaust 1904, Charlottenburg 20. Bez., Klosterneuburgerstraße 26. Adler Adolf. geb. 20. März 1906. Fiume. 9. Bez., Nögergasse 32. B r 0 i d 0 Vera, aeb. 7. Juni 1907, Wilna, 4. Bez., Blechtnrmgasse 33. Beck Katharina geb. Färber, geb. 25. Oktober 1860, Boskowltz, 17. Bez., Steinergasse 13. B a r d a Mary, geb. 8. März 1907. Wien, 9. Bez.. Berggasse 22. S ch 0 st a l Oskar, geb. 11. September 1873. Kaufmann, 4. Bez., Starhemberggasse 26. Kalmar Hans, geb. 10. Juni 1909, 19. Bez., KaaSgrabengasie 11. K 0 r a n y t Erna geb. Joachim, geb. 6. Jänner 1897. Kaaden, 1. Bez., Hofburg. Kämpfner Nudois, geb. 16. Mai 1909, Wien, 19. Bez.. Silbergasse 18. N e n g e- Margarete, geb. 20. April 1901, 2. Bez.. Scknotz- 6. Oe st er reicher Karl, geb. 11. Juli 1906, 1. Bez., Lichtenfelsaasse 5. Prinz David, geb. 1912, Krzeptce, 16. Bez., Friedrich-Kaiser-Gasse 48* bauer berggasse Budapest, 14. Mai Schünfeld Max, geb. 10. Oktober 187b, Szazd, Tischler, gehilfe, 10. Bez.. Tavidgasse 37. Schwitzer Leonore, geb. 24. Dezernber 1906, Wien, 19. Bez., Pyrkergasse 25. Steiner Paul, geb. 6. Dezember 1991, Wien. 9. Bez., Glasergasse 4». T r u r Klementine, geb. 30. Februar 1900, Stryj, 7. Bez.. Neustiftgasse 26. T e p p e r Friedrich, geb. 7. Oktober 1909, Przemysl, v. Bez-, Rußdorferstraßc 69. •>. April 1925 R,. «Mo Weibliche jüdische Avlomate« in der Türkei. In einer Artikelserie über das Loben der,Juden in det alten Türkei berührt Josef Margesches i.m Now- Uorker „Morning Journal" auch den diplomatischen Einfluß den zwei jüdische Frauen. Esther Kjera und Esperanza Malki, zur Zeit Murad des Dritten am Snltanhof aukgeiidt haben. Esther Kjera war die Witwe nach dem jüdischen (belehrten Rabbi Elia in Konstantinopel und versorgte den Harem des Sultans mit verschiedenen Frauentciletten und sonstigen Gegenständen. Sie wird als sehr ftucc und fähige Frau beschrieben, der es sehr rasch gelang, das Vertrauen der Sultanin zu erwerben. Durch die Snltanin wurde Esther auch mit dem Sultan Murad bekannt und als die erste Sn; m ns fron starb, wnchs der Einfluß Esthers in: Sultanhof in solchem Matze, daß selbst die Notabel« des Landes mn ibre Protektion warben, wenn sic beim Sultan etwas erreichen wollten. Die einflußreiche Stellung Esthers im Jildis war auch in ton Staatslanzleien des christlichen Europas ei-n offenes Geheimnis und die europäischen Diplomaten verabsäumten es auch niemals, sich der Fürsprache der jüdischen Diplomatin zu versichern, ehe sie mit dem mächtigen Sultan Murad direkte Verhandlungen begannen. 'Schon zu Lebzeiten der Sultanin hatte sich Esther Kjcra als vorzügliche Diplomatin bewährt. Sie war die geheime Vermittlerin zwischen dam Sultanhof und dem Gesandten von Venedig in den wichtigsten staatspolitischen Unter. Handlungen. Die Chronik verzeichnet, daß Esther Kjera als Vermittlerin zwischen Katharina de Medici und der Sultanin so erfolgreich gewesen sei, daß sic außer mit sehr 'wertvollen Geschenken auch mit einem Handschreiben der Königinmutter von Frankreich ausgezeichnet wurde.. Trotz ihrer hohen Stellung tat Esther Kjera auch sehr viel für die Förderung jüdischer Gelehrter und jüdischer Wissenschaft. Der spanisch - jüdische Gelehrte Rabbi Samuel Sulam erzählt iu seinem Vorwort zur ersten Ausgabe des historischen Werkes „Sepher Juchass in" von Abraham Zakkut, daß Esther Kjera in einer Bvvstadt von. Koustautinopel ein eigenes großes .Haus unterhielt, iu -welchem jüdische Gelehrte ihren Studien obliegen tonnten und daß sie wichtige wissenschaftliche Werke auf ihre Kosten drucken ließ. Auch das erwähnte Werk Rabbi Sulams wurde im Jahre 1566 auf Kosten Esthers gedruckt und verbreitet. Es liegt in der Natur der Sache, daß eine so einflußreiche Persönlichkeit viele Neider hatte, die dann ihren Untergang herbeiführten. Merdvngs scheint dabei auch Esthers Sucht, ihr Vermögen zu vergrößern, eine Rolle gespielt zu haben. Laut der g/eitgenössischen Chronik sollen zwei Bewerber um eine zur Besetzung gelaugt hohe Stellung bei Hof durchgefallon sein, weil angeblich Esther Kjera voll einem dritten Bewerber eine höhere Entlohnung für ihre Protektion erhalten halbe. Die beiden abgelchnten Bewerber drohten mit einer Palastrevotu-tion. wenn der Sultan sich seiner jüdischen Ratgebe rill nicht euiledige. Ter Großtves-ir, der von diesen Planen erfuhr und wußte, daß der Sultan Esther niemals preisgeben würde, griff zu dem im Orient so häufig -bewährten Mittel, die Favoritin den Unzufriedenen ousHUÜiefern. Es mutet wie ein Kapitel aus der Geschichte der persischen Königin Esther an, wenn man liest, -daß -der Großwesir ein großes Mahl gab, zu welchem auch Esther und ihre vier Söhne gelaben tvurden. -Als Esther sich mit ihren Söhnelc in die Genlächer des Großwefirs begab, wurde sie auf den Treppen vorl beit ihrer harrenden Offizieren meuchlings ermordet und auch drei ihrer Söhne wnrdeir niedergemetzelt. Der vierte Sohn rottete sein Leiben auch nur dadurch, daß er erklärte, seinen Mischen Glauben abschworcn und den nlbhammedanischen annehmen zu wollen. Nach' der Er- -mordung Esthers, am 30. März 1600, konifisziertc die türkische Regierung die Mize Hmtevlassenschast, -welche außer -de« Immobilien hunderttausend goldene Duka-ten betrug. Zur selben Zeit.lobte in Konsta-rrtino-Pel eine andere jüdische Frau namens Efparanza Malki. lieber ihr Leben ist Wohl nicht viel bekannt, doch verzeichnet die Geschichte, daß sie als Geheimsekretärin der Mutter >des Sultans, die diplomatlsche Berhandlmigen auf eigene Faust führte, einen großen Einfluß besaß. Die Königin Elisabeth von Engla n d führte eine eifrige Politische Korrespondenz mit der Mutter des Sultans und die Kongoptc der AuÄvort^ schreiben stammten durchwegs von der Sekre-tärin Esparauza Malki. Einmal, als die Sultaunm-tter der Königin von England wertvolle Geschenke übersandte, schrieb Efparanza Malki einen langen Begleitbrief im eigenen diamen an die Königin. Dieser Brief, der das Datum von 16. November 1599 trägt, ist n-och erhalten und ivurde vom verstorbenen Tr. M. Keyserling in seinem Buch „Indische Frauen in Geschichte, Literatur und Kunst" (Leipzig,, 1879) in seinem ganzen Wortlaut in deutscher 'Uebersctzu-ng veröffentlicht. Reventlowr DSlkerbund-Legrnve. ««*«», 8. April. (I. T. A.) Aus einer in Berlin abgehaltenen Bismarck-Feier hielt der Nationalsozialist Graf Ernst zu Reventlow eine Rede über den Völkerbund, in der er folgendes sagte: Der Völkerbund ist eine j ü d i s ch e I n ft i t u t i 0 n. Ich kann Ihnen daS beweisen! Hören Sie: ein Essener Rabbiner hat kürzlich geschrieben: Der Völkerbund sei der erste Schritt zmn Berge von Zion. Aber ich kan« Ihnen «chtz

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