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Wiener Morgenzeitung · 1925-04-05 · Heft 2200 (5.4.1925) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2200 (5.4.1925)
Date
1925-04-05
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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April 1928 1 Preis 25 fll England: Mon. 4 Schilling, Hal i e n: Monatl. 18 Life, Rumänien: Mon. 170Lei, Bulgarien: Mon. 80 Lewa, Schweiz und das übrige Ausland monatlich Frcs. 5 Redaktion, Administration: - Wien, Ü.Taborstr*! Telephone: 44-0-38,43-3-19 Ab 6 Uhr: 21-102, 25-2-82 IX., Universitätsstrassc 6-8 (Druckerei lg. Steinmann) Oesterreichlsches Postsparkassen-Konto Nr. 150.693 7. Jahrgang Jüdisch-arabische Annäherung. Aeuberungen Balsours an die Pressevertreter. — Sie Frage der Paläftinaeinwanderung. ~y. m t e n, 5. April. In einer Ansprache an die Pressevertreter machte Lord Balfour eine sehr bedeutsame Mitteilung. Er konstatierte, daß für eine jüdisch-arabische Verständigung ernst zu nehmende Anzeichen vorhanden sind. Der englische Staatsmann, dessen politische Autorität sicherlich unbestritten ist, hat während seiner Anwesenheit in Erez Israel Gelegenheit gehabt, mit den führenden Kreisen der beiden Nationen die Probleme des Landes zu erörtern. Er tat seine Aeußerung im Anschluß an eine enthusiastische' Schilderung des in den jüdischen Siedlungen Gesehenen, und es mag in seinen Besprechungen auch der Hinweis auf die großen Resultate der jüdischen Arbeit eine gewisse Rolle gespielt haben. Die Fortschritte, die Lord Balfour rühmt, sind in kaum fünf Jahren unter den widrigsten Bedingungen erzielt worden. Die politische Resistenz der nationalistischen Arbeiter bindet viele Kräfte und verurteilt sie zu negativer Vertrödelung der für den Aufbau und die Gesundung der Verhältnisse so wertvollen Zeit. Sicherlich hat dies auch auf jüdischer Seite zu einer Verschärfung der Tonart Anlaß gegeben,. was zwar verständlich, in Anbetracht der zu erreichenden Zwecke jedoch bedauerlich ist. Wir sind uns.bewußt, daß alles, was in Erez Israel gesägt, getan' oder -unterlassen wird, in irgend einer Weise auf die große arabisch-orientalische Welt, reflektiert, und daß, wie. dies im Orient der Fall zu sein pflegt, auf dem Wege des raschen Gerüchtes kaum ausgesprochene Gedanken sich schon zu Tatsachen verdichten. Die Vorteile einer Verständigung liegen für beide Teile klar zutage. Wir vergeben uns nichts, Ivenn wir sagen, daß die künstlich geschaffenen Mißverständnisse uns in der Entfaltung aller kulturellen und kolonisatorischen Fähigkeiten hindern. Wir verfügen nicht über die bei anderen Völkern aktiv wirkenden Traditionen, wir besitzen kein politisch organisiertes Mutterland, das alle nwralischen und wirtschaftlichen Kräfte der Jugend, die Neuland schaffen tvill, zu Hilfe schicken kann, kein alljüdisches Parlament, das ihr mit Rat und Tat beispringen kann. Trotzdem haben wir in kauni fünf Jahren, obwohl uns nur die nicht so bedeutenden Mittel der Zionistischen Organisation zur Verfügung standen, Respektables geleistet. Unser Werk würde viel weiter halten, wenn nicht die Friktionen mit den arabischen Führern bestünden. Ungleich größer freilich wäre der Nutzen für die arabische Nation. Für sie bedeutet die jüdische Arbeit die Hebung eines großen Schatzes an wirtschaftlichen und intellektuellen Werten, die Bruderschaft eines geistig geschulten und regsamen Volkes, das auf allen Gebieten menschlicher Tätigkeit Mustergültiges und Vorbildliches geschaffen hat. Das Wissen einer ganzenWelt, umgeformt durch das jüdische Medium, schließen wir den Arabern auf, ohne Hintergedanken und ohne die Heuchelei der europäischen Kolonialmächte. Wir wollen unser Heim. Mehr nicht. Aber den Arabern bieten wir unabsehbare Möglichkeiten. In den jüdischen Schulen werden sie die inodernsten Methoden der Landwirtschaft, die letzten Errungenschaften der Technik und der angewandten Wissenschaften kennen lernen. Wir stellen ihnen Aerzte, Ingenieure, Chemiker, finanzielle Organisatoren. Wir geben ihnen die Möglichkeit, ihr erstarrtes geistiges Leben mit neuen Impulsen zu erfüllen, ihre Entwicklung dort sortzusetzen, wo sie nach dem Verlust des Kalifats stehen geblieben ist. Vielleicht bedeutet die Eröffnung der hebräischen Universität in Jerusalem für die Araber ebenso viel wie für die Juden. Es gibt zwischen beiden Stämmen stärkere politische Berührungsflächen, stärkere einigende als trennende Momente. Vielleicht wich der tägliche .Kontakt, den die Hochschule herstellt, zu einer direkten Aussprache führen können und die Annäherung, die Lord Balfour sieht, zu einer Entente ausgestallen. Jerusalem, 3. April. (I. T. A.) Lor- Balfour empfing am 31. Marz die Vertreter der Presse und gab ihnen Bericht über die Lage in Palästina. Cr sagte unter anderem: Was ich während meines Aufenthaltes in Palästina gesehen habe, hat mich sehr befriedigt. Der Fortschritt überall, die Arbeitsfreude und der Enthusiasmus aller Teile -er Bevölkerung machten ans mich einen tiefe» Eindruck. Der 1. April beuut den Beginn großer Dinge an. Die hebräische Universität trägt in sich die Möglichkeiten aller Erfolge. Natürlich ist die Universität im Anfang noch nicht ganz fertig, sie wird sich aber bald entwickeln. Im allgemeine« hat die Lage und die Schnelligkeit der Entwicklung alle meine Erwartungen übertroffen, besonders angesichts der Tatsache, daß Palästina Kriegsschauplatz war nnallerlei Verwüstungen erdulden mutzte. Ich merke g ü n st i g e Z e i ch e n einer Zusammenarbeit zwischen Inden und Arabern in Palästina. Bit Bezug ans die Frage der heiligen Stätten äußerte sich Lord Balfour dahin, daß Großbritannien Mcklicherwrise in dieser Fpag« vollkommen uupart e i i s ch.. sein. bann. Großbritannien wünscht einzig und ^allejst allen christkiHen Bekenntmsse« GerMigkeit widetfahren zu lassen. . - Aeher die Frage der Palast'inaeinwauderung und herjetzt geltende« Beschränkungsmaßnahmen für neue Einwanderer äußerte sich Lord Balfour, er glaube, daß die Einwanderungsbeschränkung in Palästina konform der Politik der zionistischen Führer ist Eine unbeschränrtc Einwanderung in das Land würde Wahnsinn sein, insbesondere, da zu erwarten wäre, daß die Einwanderungsbewegung nicht allein die Inden ergreifen würde. Lord Balfour schloß: Ich glaube, daß das zionistische Experiment der Realisierung jetzt naher ist d « n n j e. Rout bei Sir Herbert Samuel. R. Jerusalem, 2. April. (Verspätet emgalangt.) Heute fand in den Appartements de's Oberkornmissärs Sir Heribert Samu e l ein Rout #ic Ehren der Vertreter der fremden Staaten und der Delegierten der Universitäten statt, die sich zur Unioersttätseröffnung in Jerusalem eingefuuden hatten. Am 1. April, nach Schluß der Eröffniungszevomonien, veranstaltete das Komitee der hebräischen Universität ein Festessen zu Ehren der Repräsentanten der verschiedenen Universitäten und Madonnen. Cs waren folgende dreißig Universitäten bei diesem Bankett vertreten: Aberdeen, Amsterdam, Athen, Baltimore, Beyrut, Cambridge, Kairo, Dublin, Edinburg, Frankfurt, Genf, Groningen, Glasgow, Leeds, Leyden, Liverpool, London, New-Nork, Kowno, Lyon, Manchester, Montreal, Oxford, Paris, Pennsylvania, St. Andrew, Toronto, Virginia, Warschau und Winnipeg. Ferner nahmen zwölf Akademien teil. Alle Redner begrüßten die Universität und feierten den jüdischen Genius. Ein Brief Lord Curzons. Knapp vor dem Tode geschrieben. Der kurz vor der Eröffnung der hebräischen Universität in Jerusalem nach einer Operation verstorbene Lord Eurzon, der auch Kanzler der Oxforder Universität war, schrieb am 8. März an den Herausgeber der Londoner „Zionist Rewiew": „1. Earlton House-terraee, 8. Marz 1325. Geehrter Herr! Ich stehe unmittelbar vor einer ernsten Operation und kann nicht viel schreiben. Aber ich § BERLINER 8 STADTHÄUSER g zum sofortigen Abschluss zu kaufen gesucht. B □ Grösse, Friedensmiete, Lastenangabe erforderlich 0 g I. HYPOTHEKENKAPITAL 8 5 nur für GROSS-BERLIN günstig zu vergeben 1 8 § * § 8 , 8 3 BENNO STAHL & SOHN 8 g Berlin SW. 68, Markgrafenstrasse 56 jgj g Telephon: Dönhoff 4727/29. Q □ □ J.A.Baczewiki fiiiiiiiiliiimiiiiiiiiiiimiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii'iiimmiimiiiiiiiiiiiififuiiiiiiimiiiii Schnapse, Liköre Spezialität: Baczewskl-Stanislauer Dopp e l t rektifiziert und destilliert . Seit 1782 weltbekannt freue mich — und ich bin sicher, daß auch meine Oxforder Universität, eine der größten Universitäten der Welt, sich aufrichtig freut, daß Ihre neue Universität in Jerusalem durch den Kanzler von Cambridge.(Balfour) eröffnet werden wird, der den geistigen und moralischen Aspirationen der jüdischen Rasse vor nicht langer Zeit die Erfüllungsmöglichkeiten erschlossen hat. Ihr ergebener Eurzon of Kedleston, Kanzler der Universität Oxford." Eine Balfoue-Biiste im Gebäude der Uurver« sität. Jerusalem, 3. April. (I. T. A.) Einen Teil der Cr» öffnungszeromonien am 1. April bildete die feierliche Enthüllung einer Bronzebüsie Lord Gal-f fou rs Mt Gebäude der Universität. Die Büste ist eine Schöpfung des berühmten jüdischen Bildha-uers Professor Henry Glicenstein, die im .vorigen Jahre i>n. der Königlichen Akademie ausgestellt war und große Beilvundc-. ru-ng aller Kenner erregt hat. Der Präsident der American Pailestine Company Mr. S. O. Lamport, der die Boown-UmoerMt zu . P r o vid e n L e in den Vereinigten Staaten!&ei «der Uni- 1 versitätsfeicr vertritt, spendete 3000 Dollar zugunsten der Universität dafür, daß er den Akt der Enthüll.ung der Balfour-Biüiste vollziehen durfte. Der Haß. Haag, 3. April. (I. T. A.) Me holländischen Blätter würdigen die Universitätseröfsnung in Jerusalem in län» geven Artikeln. Einzig die katholische Tageszeitung ,A>e Maasüode" bringt einen gehässigen Artikel, in welchem von der Weltherrschaft der Juden die Rede ist, die die englischen Politiker Lloyd George, Balfour usw. bestochen haben. Feierlichkeiten in Amerika. New-Iork, 2. April. (United. Preß.) Die Einweihung der Universität Jerusalems wurde von den jüdischen Organisationen in Amerika allen Halben feierlich begangen. Die Kr i egsveterane n und die Legi onäre hielten große öffentliche Paraden ab, an die sich Versammlungen in geschlossenen Räumen anschlossen. Auf einer dieser Versammlungen sprach Senator Copeil and, der dieses Ergebnis als großen Fortschritt ^zeichnete. Er wies darauf hin, daß die Errichtung und Alufvechtechaltung der Universität in Jerusalem durch die in Amerika veranstaltete Sammlung, den Eiumillionendollarfonds für den Keren Hajessod ermöglicht wurde/ Der Kanzler der Universität New-York, B r o w n. sandte (> ein Begrüßungstelegramm im Namen feiner Universität. 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