Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2196 (1.4.1925)
- Date
- 1925-04-01
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2979076-2981191-2981281--22370-3009776- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Wiens Zum Abbolen ln der Expedition, 11.. Taborstr. 1-3, oder in einet Verschleißteile 'TYafik' monatl. 5 Schilling Strassenverkaut in Wien durch die Kolporteure der ■ Firma Q o I d sch mied, 1., Wcllzeitc 11 Mit Postversand für Wien und Oesterreich monatlich 5 Schilling Tschecho-Slowakei: Mon. K 22, Jugoslawien: Mon. Din.60. Polen:Mon. 4Zloty. Deutsch!and: Mon. Gm. 4, Frankreich, Belgien: Mon. Frcs. 18 NachMh'oniiea bei P reifer böhamten Vorbehalten Dir. 2196 Wien. 1. April. Es gibt Tage in der Geschichte, die sind so groß, daß ihre Bedeutung dem Erleber kaum noch faßbar wird; Tage, die an längst Versunkenes, nur mehr unter der .Asche Schwelendes erinnern und doch zugleich in eine: ferne, weite Zukunft weisen; Tage, die aus dem Dämmerdunkel der Historie zu kommen scheinen, sich aber erst spateren Geschlechtern in ihrer ganzen Weihe erkennbar machen werden. Einen solchen Lag erlebt. heute das jüdische Volk. Und der diesen Tag heraufführte, der ihn kommen hieß, ist Chaim Weizmann. Der Mann, der den verschlossenen Riegel zum Land mit eiserner Faust aufriß und den Wandernden voran in die Heimat schritt. Von Moab her, wie einstens der Sohn des Nun, betrat Chaim Weizmann das Vaterland. 'Jm Weltkrieg kam er, als auf dem heiligen Boden die jüdischen Legionäre ihr Herzblut verströmten. Vom Süden her zog er aus der Straße, die einstmals die Kundschafter Moses durch das Land des Sichon und Og gegangen waren, gegen Jerusalem. Der einsame Mann durchlebte in erschütterter Seele in wenigen Stunden die gewaltige Tragik der jüdischen Geschichte und er erkannte, daß ihr Lauf von nun an in eine neue Bahn lenkt. Er sah die Freiheit und er wußte, wie sie zu sichern sei. Große Reiche, die für die Ewigkeit gegründet schienen, stürzten in Europa und in Asien im Sturmhauch des Krieges zusammen. Die Macht der .Waffen und der Gewalt hatte sich als unverläßlich erwiesen. Nur das Wort, das Gesetz, die Lehre stand: auft recht, nur das hatte seine Kraft bewährt, was düs jüdische Volk aus seinem reichen. Schatz der Welt geschenkt' hatte, die Lehre vom Frieden und von dem 'Rechtdes Menschen und der Völker. -rsi Auf dem Har hazofim, dem Skopusberg, stand das Zelt Titus'. Bon dort aus leitete der römische Feldherr die Belagerung-der unglücklichen Stadt. Von dort aus zerbrach er den Widerstand der Eingeschloffenen. Nichts blieb ihnen übrig. Nur mehr lden letzten Kampf konnten die Verhungernden bestehen, nur mehr in einem letzten heroischen Aufflammen den letzten Atemzug für die Ehre hingeben. Vom Skopusberg trugen siegesbewußt die Soldknechte Roms, Friesen, Chatten. Skythen, Par- Iher, Nubier, die Sturmleitern an die über Leichen Zusammengebrochenen Mauern heran, von dem Skopusberg kamen die Befehle für oie zermalmMen Wurfmaschinen und die Brandhaufen. Jerusalems Sache war vertan. Nur mehr sterben durfte sein Volk oder in der ehrlosen, namenlosen Sklaverei verenden. Fast zweitausend Jahre später weiht Chaim Weizmann auf diesem Skopusberg, von dem aus Titus auf die brennende, sterbende Stadt sah, das neue Lehrhaus des jüdischen Volkes. Aber rings um ihn blüht neues Leben, schafft sich sein Volk die neue Heimat. Und weiter, auch jetzt ist ihm Weizmann der Führer, der rastlose Diener an der heiligen Sache. Sein Wort schallt, zornig, - fordernd durch die jüdischen Gaffen in den Ghettos. Zn allen kommt er, alle ruft er auf, dieser romantische Politiker. der an das Gute glaubt und an das Ewige in der jüdischen Seele. Er ist Chemiker, ein Lehrer-jener Disziplin, in der sich Analyse und Synthese zusammenfinden, ein Dhnamiker der Geschichte, der die Elemente prüft und einigt. Er verbindet in seiner Person die Vergangenheit des Judentums mit seiner Zukunft. Ein stolzer, wunderschöner Augenblick ist Chaim Weizmann heute vergönnt. Er weiht die erste Hochschule des jüdischen Volkes, er hat sie vorbereitet, für sie gearbeitet, ihr die Stätte ausgewählt. Sie ist dort, wo Titus stand. Sein. Lebensziel sieht Weizmann erreicht. Er baut die Schule, die sein Volk mit der Welt versöhnen wird, in der die Wahrheit gesucht Inenden soll, an der alle teil haben werden, die nur kommen wollen. Frieden ist das Wort dieser Anstalt/die Vergangenes, unendlich Schmerzliches in den Ozean des Vergessend tauchen sott. Wir'wollen arbeiten und vergessen, was uns widerfahren ist. Wir bringen wieder das Licht. Die Seele Israels nimmt Besitz vom Skopusberg, und Weizmann ist es, der ihr das Haus weiht. Im Flammenschein verröchelten die letzten vor dem Heilig- R »RUM! »zzith! s sind die besten §= r. Bezirk, Rotensternjtasse 11 S g Telephon 47-7.17 ,« 55 Erzeugt unter der Aufsicht des — 3 weltberühmten orthodoxen’Ober* £» rabbiners CHAIM JI2CHAK 3 JERUCHEM aus Altstad'. ^lllllllllllllflllllllllllllllllillllllllllllllllllllHj |PreU 30 «1 England: Mon.4Schilling, Italien: Monatl. 18Lire, Rumänien: Mon. 17.0 Lei, Bulgarien: Mon.80Lewa, Schweiz und das übrige Ausland monatlich Frcs. 5 Redaktion. Administration: Wien, II.Taborstr.l Telephone: 44-0-38,43-3-19 Ab 6 Uhr: 21-102, 25-2-82 IX., Universitätsstrasse 6-8 (Druckerd lg. Steinmannl Oesterreichisches Postsparkassen-Konto Nr. 150.693 Mr». Mittwoch. 1. MN 192» 7. Mrgang M Alfom und Weizmann. sEigendienst der „Wie»» Morgenzeitung".) K. Jerusalem, 30. Mrz. Unvergeßlich sind biefe Xftfie bet f« elebt) der aus den kalten,,vom Skeptizismus und Mißrauen zecheffene« europäischen Ländern in die vom Posten Glauben erfüllte, von Impulsen zitternde Atmochäre dieser: Festtage tritt. Nichts kann' sich mit dieser Jmression vep-lciche«, mit dieser-fiebernden Stimmung der stpsre«de,.die von dem ganzen Land besitz genommen, hat. Wir wissen es hier WM — uns der irdischen Presie, die hker ankommt und von vielen Gasten - wie das ganze jüdische Bott in allen Teilen der Welt lese Feier Versteht und wie es sie begrüßt. Aber das scheint -3 jedem, der hier weilt, durch die Städte geht uns in Kolonien wellt oder die einsamen Siedlungspionicre im Norden und Osten «ud Süden sprechen hört, matt und — europäisch. Das Heimalsgesühl ist tausendfach gesteigert und das ' schönste Moment dieser Tage ist wohl auch die Pichmg auf die Araber. Das kleine Komitee, das sich so stolz den Namen eines Kongresses beigelegt hat, ist isoliert. Es telegraphiert in alle Mithinaus, verfaßt Proteste, Erklarnnsen «nd Manifeste, freundlich unterstützt von 8Mti- Wri Sttidenten und unterschiedlichen englischen Zeilunashorrespondenten, die, kaum vier Tage im Land, schon seine PerWniffe kennen und slinl beurteile«. Mer von' diesen Protesten weiß man nichts in Erez Israel, nur die Regierung nimmt sie pflichtgemäß zur Kenntnis unp? iH Hause des lateinischen Patriarchen herrscht bewegtes Leben. Die Masse der Araber freut sich hes Geschäftes und des Berdienstes, den hie vielen fremden Wste gebracht haben. * steber Balfours Ankunft tz«d Empfang haben Sie wohl schon berichtet. Er kam mit Weizmann Md Sokolow. Dieses Detail war schon genügend, um alle Unklarheiten auszuhellen. ' Wie ein König wurde e« ausgenommen. Alle Inden — bis ans einige nnüberzeugbare „Bodenständige" — gingen ihm entgegen. Alle jüdischen Läden waren geschloffen, und so schien es, als ob die Juden die Strelkparöle ausgenommen hätten. Wa Balsour in den Kolonien erscheint, erwarten ihn berittene Banderien der jungen Bauern und Arbeiter, Deputationen, die Geschenke, Kunstgegenstände, Stickereien fleißiger Mädchen und Frauen übergeben. Inden Md Araber begrüßen den Gast. Am 7. Nissan wird die Universität eröffnet werden. Weizmann wird die erste Rede halten. Hierauf wird Balsour sprechen, der, wie es heißt, eine hebräische Ansprache verlesen wird. Jedes jüdische Hans ist mit Fahnen und grünen Kränzen'geschmückt, der Platz vor der Universität, ist seit gestern abgesperrt, um die Adaptierungsarbeiierr nicht stören zu lassen. GincOPernaufführung.! Jerusalem, 30. März. Honte abends fand rm Theater Zionhalle eine Vorstellung .der' Oper „Belsazar", von ' G n ess in sin Anwesenheit B als o u.rs statt. Eine Widmung der amerikanischen Regierung. - . Der amerikanische ■ Kruful in Jerusalem, OsDtt Heisser, der von stier R-egierung beauftragt ist, sie 'bei der UniÄerMtsevöffnung zu vertreten, überreichte dem Universitätslomitee eine wertvolle Sammlung amerikanicher Dokmwrite /statistischen Jn'M's, Gofttzeniiwür-st ibber Fischzucht, Beforstung, schr lehrreiche statistische Tabellen Mer Unterrichts- und ErziLhungL'westnnsw.,.die von der Washingtoner Regierung der Uni-vevsitätMVMHek zum Geschrn-'k gemacht wurde. Wchmanns Bnrarbeit für die IlniimWt. Die Idee der Schaffung einer hebräischen UnivensitA ist beinahe so alt wie der zionistische Gedanke in Westeuropa. Sie stammt von jenem Manne, .dem wir bereits eine der herrlichsten Schöpfungen verdanken, die das jüdische Bott besitzt: Len Jüdischen Nationaffonds. Professor Hermann Schapira hat in >der SWuMtzung des ersten Ziomstenkongveffes einen Antrag gestellt, der folgen^ i den Wortlaut hat: „In L>en zu gründenden Kolonien in Palästina sott für. alle auf religiöse und moralische Erz'chwng sowohl als auch auf geistige Aus-bvldung der Juden geriche-ten BestvÄvngen ein einheitlicher Millelpunkt geschaffen werden. Derselbe soll gewonnen werden durch die Herstellung einer Hochschule (bech midrasch hachovah hachachmah wehaawadah) für die Erwerbung aller religiösen, wissenschaftlichen und praktischen Kenntnisse mit einer allgemeinen, gemeinsamen Abteilung und btet H-an'ptunterab.teilung.on: a) Theologische Abtellung, ' b) Mellung für theoretische Wissenschaften, c) Abteilung für technische und agronomische Kenntnisse. Bei der Begründung dieses Antrages wies Hermann Schapira, der lbelanntlich Professor der Mathematik an der Universität in Heidelberg war, darauf hin, daß er bereits vor Mnz'g Jahren, wo noch Leine Spur von Kolonien in Erez Israel war, die Anregung zur Schaffung einer-Universität gegeben habe! Sein Vorschlag wurde tum, in einem wahnsittnigen Morden ging die Freiheit uniter. Im Rauschen der Fahnen de^ neuen Zeit erklärt Weizmann die" Universität' für eröffnet. Das jüdische ■ Volk' ist wieder im jüdischen Land. Freilich sind es kaum erst -die zweieinhalb Stämme, die mit Josua einzigen und an der Grenzwache blieben. Aber wir halten doch %n das Herz des Landes^ in unserer Hand. Und Weizmann'war es, der Vollstrecker des Erbes Herzls, der den Gedanken zur Tat geführt hat. .Die Stämme, die noch nicht zur Stelle sind, grüßen heute den Mann, sein Werk und die Heimat. Sie grüßen das Urteil an Titus. . . darunter Covercoat, Moderipse, Modeschotten, moderne Seidentuid Waschstoffe, gelangt jetzt zu s p o 11 b i l- 1 i g e n, unerreichten Preisen zum Verkaufe bei Kann&Fried VI. Linke Wienzeile 4u (im itöfs)