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Wiener Morgenzeitung · 1925-03-31 · Heft 2195 (31.3.1925) · p. Seite 6

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2195 (31.3.1925)
Date
1925-03-31
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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erftt « Me«. DlenVkr- 81. März IMS Nr. 9m Lenke. Catttlgc uns Beriammluuqru. Zionistische Frauenorganisation. Die nächste Zihuna findet Mittwoch den 1. April, 1 Uhr nachmittags, im Zitzungssaale des Zionistischen Bureaus, 1. Be z., Kärntner st raße 2 8 statt. — Gremium ist erreicht scherHandelsvertreier. Morgen, 6 Uhr, Trefftaa im Handelsmuseum, 9. Bez.. B.'rggasse 16. — Zion i st i s ch e Sektion 6-8. Heute, 8 Uhr abends, 8. Bez., Bennoplatz 1. Bortrag Primararzt Universität Sprofesfor Doktor Julius Zappert: „Das nervte Kind". Bocher Ansprache Dr. Max Bernhardt anläßlich der Universitärseröffmmg. Jüdische gesund« Mutter bittet uneigennützige Menschen, sich ihres neugedornen Mädchens anzn nehmen, da es sonst dom Verhungern preisgegebon wäre. Auskunft erteilt die Administra- ^n der „Wiener Morgenzeitung", 2. Bez., Taborstraße 1-3. Sühne und Kunst. „Die Spielereien einer Kaiserin." Burgtheater. Die Spielereien der Frau Jda Roland können dem Burgiheater gefährlich werden. Die Künstlerin, sehr für bravouröses Lolo eingenommen, eine starke Persönlichkeit und eine Starnrtnr, ist scheinbar für eine solide EnseiiMearbeit nicht zu Huben. Man muß für sie „Rollen" suchen. Bisher ging cs vortrefflich: „Rote Mühle", „Mittagsn-entze", sogar „Abenteuer in China", drei Vorstellungen, bei denen das Bnrgtheater nicht zu kurz kam. Diesmal hingegen . . . Nun, Max Dauthendeys dramatisierte Historie von der großen Katharina taugt als Schlager für ebne Roland-Tournee und nicht für eine Burgtheaterpremiere mit Jda Roland als Mittvirken.de. Bei der Wahl der Stücke muß Direktor Herterich der Stärkere bleiben. Lieber aus die große Komödiantin verzichten, als vor den vergnüglichen Unkenrufen vom Zusammenbruch der ersten deutschen Bühne abdizieren und den freundlichen Aburterlern das Geschäft leicht machen, indem man das Burgtheater zur Staffage für eine gastierende Brrtuosin macht. (Bei Reinhardt übernehmen Waldau, RomanowÄy, Klopfer und andere Prominente Episodenrollen). * Die großen Vorzüge der Roland: außerordentliche Sprechkunst, rassiges Losgohen, perlende, brillante Absolvierung von Gefühisfkalen, erschössen sich in dom lebensvollen, geglückten Vorspiel. Dann folgen endlose, ermüdende Variationen und eine ToAettenrevue. Zu viel Roland für einen Burgtheaterabend. Die Herren Höbling ser ist an sich für seine Charakterrolle untauglich) und Heine sowie Frau Albach-Retih tun freudlos und stümperhaft mit. Das Publikum war erfreulich unzufrieden. O. A. tzie um dto'tetie im Mraerweatrr. „Die blonde Sphinx" don Max Niederverger. Dir'Mischung aus europäischen Gesellschaftsformen und orientalischer Romantik ist ihrer Wirkung sicher, dies um so. mehr, als im Falle der „Blonden Spinx" die beiden Textautoren (Wiener Humor: Gustav Beer.- schlagkräftige Dramatik: Emmerich Földö s) sich ihrer textlichen Verantwortung bewußt waren und der Komponist Max Niederberger, seine gute musikalische Bevgaugenheit niemals verleugnend, sich nicht auf eine rein orientalisch gefärbte Melodik feftlegte, sondern, seinem eigenen Impuls folgend, dramatisch beschwingte, nur vom Erfindungsirrstinkt inspirierte Musik schuf. Der blonden Sphinx, der kapriziösen Dame von Welt, die nach dem Abenteuer einer Haremsnacht in die Arme ihres Kavaliergatten zurückkehrt, lieh die aus Berilin gerufene Frau Käthe M a n n den Zauber ihrer distinguierten Persönlichkeit, Ritter als Lord Stanhope von liebenswürdiger Eleganz Gustav I a h r b e ck als Pascha stimmlich und darstellerisch ausgezeichnet, ein blühender Tenor mit Intelligenz. Der Humor war Max B r o d, dem nuancenreichen Komiker, und der sich zum Star entwickelnden Rita Georg anvertraut, einem mit Urwüchsigkeit durch die drei Akte wirbelnden, Lachstiirme weckenden Paar. Den Obereunuchen zeichnete amüsant Herr Pirk.. Die Musik zeigte vorzügliche Qualitäten: Erfindung und geistreiche Instrumentation. Durchschlagenden Erfolg hatten dos sentimental Duett „Wovon träumt jedes Mädchen", das pointierte Terzett „.Herrgott, ich möcht' ein Pascha fein" das stimmungsvolle Entree des Pascha, eine Glanznummer Jahrbecks, das orientalisch gefärbte „Blonde Sphinx", der charakteristische Walzer „Liebe muß errungen werden", das groteske Tanzduett Sidney-Hanum und der Schluhgesang „Heute Nacht, da will ich was erleben!" Ein Wunder orientalischer Romantik zauberte die Regie der Frau Lischka-Raul hervor. Kostüme und Dekorationen von einem Geschmack und Farbensinn, wie sie kaum überboten werden können. Zusammen mit der szenischen Regie kam eine Glanzaufführung zustande. Das Bürgertheater ist trotz der allgemeinen Theaterkrise in bewundernL'ivertem Aufstieg begriffen. Die Stimmung hielt bis zum Schlüsse an, so daß das Publikum in Begeisterung, alle Mittvirkenden in Blumen ertrinken konnten. o. r.! 1 Wichtig fürs Pessachfe»t!! Hagada Illustriert von Josef Budlco HebvUttS r Pappband ». K 30.000. Ganzleinen v. K 39.000 Hebfllttfc nü deaiMh«’ Uabmdmi r. Dr. Max Orunwald: Pappband 6. K 39.000, Qanzielnen 0. K 48.000 Unsere Hagadah hat beim Jüdischen Publikum begeisterte Auf» nähme gefunden. Durch iure Uebersetzung ins Deutsche ist sie nun auch weitesten Kreisen zuglnglich geworden Die „Budko-Hagadah" Das Geschenkwerk für Pessadt! Zu beziehen durch alle Buchhandlungen oder direkt durch L. LÖW1T - VERLAG, wi«., Aus Den Aeulttu. Burglheater. Morgen, 7 Uhr, „Die Spiele reien einer Kaiserin". Akadem ietheator. Morgen, halb 8 Uhr, „D e r L ie b'hav e r". Operntheater. Morgen „Das Bildnis der M a d o n n a". Hierauf „Gianni S ch i c ch i". Redoutensaak. Morgen EvstaufsÄhru'Ng der Ballettkomödien ,/Les Petit ri ens", „Pulcinella", Bal costume, „Te dd y'b är". Volksoper. Heute ,-Gräsin Mariza". Morgen (Mtttwoch) „Bajazz o", sodann unter persönlicher Leitung Pietro Maseagnis 500. Aufführung seiner ,^Lavolker ia r u st i c a n a". Deutsches B olk s th e a t er. Samstag. 3 Uhr nachnrrttags, .^Iphigenie aus Tauris" Äammerspiele. Heute, halb 8 Uhr, deutsche Uraufführung von „I a m a. die L a st e r g r u b e". Neues Wiener Stadttheater. Donnerstag das Lustspiel „Bobby, sag' die Wahrheit". Theater in der Josefstadt. Heute ,Mönig Lear" zum ersten Male mit Eugen Klopfer. Raimund-Theater. Samstag nachmittags „D i e Raube r". Sonntag nachmittags zum ersten Male „Sechs Kinder suchen ein Osterei". Lustspieltheater. Heute Erstausführung ,^Das verschlossene Paradies", Lustspiel von Henuequm und Coolus, deutsch von Walter Merlan. Johann-Strauß-Theater. Mtttwoch den 8. AprA Erstaufführung der Operette,,D i e große Unbekannte" von Frcmq v. Suppe. Roland-Bühne. Die Direktion hat abermals eine Preisermäßigung vorgenommen, und zwar kostet der teuerste Sitz 75.000 K., der billigte 10.000 K. Sämtliche Ermäßigungskarten wurden eingestellt. Jestalademie im Bolkstheater. Der Bundespräsident Doktor Harnisch hat eine zugunsten der Nat-ion albibliotehek veranstaltete Wohltäft^kettsakadomie unter,, seinem Ehrenschutz genom-nren. Zur' Darstellung kam zunächst Leo Falls reizendes Altwiener Singspiel ,Mrüderlein sein . . ." mit den Damen Schöne und Glossy und dem jungen Reimers. Dem Einakter schlossen sich Borträge an. dre von Fräulein Alma Seidler (BurgHeater), Frau Elisabeth Schumann (Staätsoptr) und Alexander Moissi davgoboten wurden. Rhythmisch und kostümlich effektvolle Tänze zu Johann- Strauß-Musik brachten fünf Schülermn-n der Tanzgruppe Gertrud Bodenwies er. Den Schluß machte die Gelegenheits- Humoreske „Das Geheimnis des Künstlers", in welcher Leo 'Slezäk als redender — nicht singender — Kammersänger austrat. Das zu keiner Kritik verpflichtete Publikum nahm ferne sogenannten „jüdischen Scherze" mit brüllender Heiterkeit*auf. Es war eine betrübende, trostlose Angelegenheit. Ein naiver Zuhörer könnte die Anfrage richten: Haben Herr Bundespräsi- 1 dent das Protektorat auch über das Hirn der Veranstalter übernommen, die so geschmackvoll waren, Herrn Kammersänger Leo Slezak für das Herunterleiern alter .Lozelach" zu mißbrauchen? Vorstellung der Akademie für darstellende Kunst. — Schauspielklassen Prof. Dr. Rudolf Veer. Eine Uebungsausführung der Pros. Beer-Schüler und -Schü'lerinnen am Madmuecheater, Darbietungen also des Nachwuchses — .da heißt es. den kritischen Maßstäb besserte legen. Molieres Lustspiel „Die Gezieven" beengte die jungen Menschen, da sie Stil in der Stmsierunq zu geben hatten. Nestroys frühere Bechältniffe" konnte ebenso blaß herauskommen wie das Stück selbst, und der dumme Schwank Kadolburgs .Im Zivil", ein beliebter Einakter für Provinzdillettaintenvovstellungein, zeigte wiederum einmal, daß die besten Talente an einer unwürdigen Aufgabe zerschellen. Breil Fleiß. Wille, Dressur — geeigneter« Stücke werdm den Wert der kommenden Mimengeneration besser zur Geltung bringen. Jüdische Bühne. Anläßlich der Eröffnung der hebräischen Universität findet Mittwoch den 1. April in der Jüdischen Bühne. 2. Be;., Taborstraße. Theatersaal drs Hotels Stephanie, eine F e st Vorstellung statt. Ei» virriühriger Virtuos«. Ein vierjähriges Klavier- Wunderkind — das dürste selbst auf diesem 'eider so rekordfreudigem Gebiet einen Rakord darstelloit, der hoffentlich nicht so bald gebrochen werden wird. Es handelt sich um einen kleinen Engländer namens Anthony Jacobs, der dieser Tage in einem zu Ehren Paderewskis veranstalteten Konqert in Lmrdm mitgewirkt hat. Der polnische Virtuose äußerte sich schr günstig über das vorzügliche Sviel des kleinen Mannes und prophezeite ihm eine große Zukunst. tzevltru- und Baluteukurse vom <1. Ailri 1>ii. v,r» 0a>" Var» Devisen OeM War* Oei'* Wart Oeld Wart Amsterdam. 289.80 283.30 $ofla. 6.16 6 10 f'ranaflsfsehe Noten , 37 37 37.67 Belgrad.. 11 63 11.67 Stockholm .. 190.06 191.66 loltündlsche Notsn .. 38 -.60 381.60 t'erlin .. 188.80 169.43 Warschau ... 13316 138 66 Italienische Noten « . . 2? — 3030 86.90 80.41 Zürich . 13672 137.32 ingostawisch« Noten . . 11.48 11.64 Budapest ...... 98 IO 9860 Valuten (>olnlschj Noten .... 13370 133.70 Bukarest . .. 3.32 3 84 rtunittnische Noten . . . 3 31 3.36 London ......... 33 88 33.98 Amerikanische „ölen . 707 76 711.76 russische Noten Montan.) MsBand . 20 — 29.12 leigische Noten .... mlgar. Not. ...... 30 — sa ao Schweizer Noten . . . rsehecho-s'ow. Noten . 135.80 130.80 New.York. 70936 711-86 6.11 6.19 30.9960 31-1160 Pllfll a »9 87.30 37.62 )eu»*<’he Noten .... 16396 169 26 I'ürklache Pfund*Natcn . 347.— 363.— Prag .. 21.015 21.096 »ins Ische Noten .... 3372 33.88 linearIsciie Note» . 97 9380 90.7360 Von NUN an notieren die Kurse in Schillingen und Groschen. — Die Kurse verstehen sich bet englische» Zahlungsmittel» r?%t 4 Pfund Sterling, bei ungarische« Zahlungsmitteln für 1 Million Ungar. Kronen nnd bet allen anderen WahrrmM für je Entwert Währungseinheiten. Settchtssaal. Filmzauber. Der 81iährige. nach Slebewbür«« MstK» dige Richard K e p p hatte sich aestern wegen verschiedener Betrügereien vor einem Schöffensenate zu verantworten. Kepp war in H e r m a n n st a d t mir Film,Geschäften verkracht. I« letzten Herbst tauchte er in Wien aus, wo er »n einigen Hotel- Schulden machte. Inzwischen hatte er in einem Kaffe-hause eine Privatbeamtin, di« Filmschauspielerin werben wollte, kennen gelernt, stellte sich als Tb?ater und Filmdkrektor -stobt und lockte dem Mädchen unter de" Vorspiegelung, ihr ein Engagement zu verschaffen, 680 Schillinge 'heraus. Durch «ine Zesbunasannonee war Kepp auch mtt einer Beam te n sga t t i n, die d'e Auifführnua eines van ihr verfaßten Films anstrebte, bekannt geworden. Er nahm ihr das Manusprift a>b und erklärte, das Stück müsse don einem Dramaturgen umgearbeitet werden: für diese Avbeit seien 260 Schillinge m zahlen. Die Frau gab dem KevP 100 Schillinge. Ms sie dann daraufkam. daß sie einem Schwindler ausgesessen sei. erstattet« sie d'e An»eige. In der Berhandlnna erklärte der Angeklagte» er habe stets gehofft» wieder ein Fklanunternehmen gründen zu können und seine Schulden auS den Erträgnissen deSssÜben zu decken. Er habe in Siebenbürgen einen Film „Enttvanderuna d-r Sachten noch Siel»enbüra"n" hergestelli, von dsnt er einen großen Gewinn erhoffte. Der Fifm sei jedoch von den rumänischen Behörden verboten worden. Eine Hotratsgatttn und ihre Tochter gaben an, daß sie mit dem Angeklagten, der einen sehr guten Eindruck machte, Mitleid hatten und ihm glaubten, daß er nur^durch Zusall 'in Not geraten sei und seine Pläne nicht ausführen konnte. Da die Tochter durch ihn Filmschanspielerin werden wollte, halsen sie ihm freiwillig mit Geld aus und waren noch mehr hilssbereit, als er SÄibsttnovdgcidanken äußerte. Einmal habe er einen geliehenen Geldbetrag zurnckgobon wollen. Sie verweigerten jedoch die Amiahme, weil sie fürchteten, er würde Selibsttnord begehen. Im ganzen sind Mutter und Tochter um acht Millionen Mschädigt worden. Der Gerichtshof erkannte den Angeklagten Kepp des Verbrechens des Betruges schuldig und verurteilte ihn zu acht Monaten Kerkers sowie als eigentumsgesähMchen Ausländer zur Landesverweisung. Die Geschäfte des pensionierten Generals. Be.zt^?srichter Dr. Berger, Strafbezirksgericht 1, hatte gestern über eine EhreUbeleihrgungsklage zu verhandeln, welche der ehemalige Prokurist der verkrachten österreichischen Bevoinsbank-A.«G. Ludwig Deutsch gegen den in Gvaz wohnhaften pensionierten General Eduard Besditschka angestrengt hatte. Der Beschuldigte und dessen Frau hatten sich Ende 1922 an mehreren Warengeschäften des Kauftnannes Moritz Pollakin drr Weise beteiligt, daß sie dem Pollak das zunr Ankäufe der Waren erfordorttche, in die Millionen betragende Kapital vorstreckten. Die Geschäfte schlugen zumeist fehl und schließlich sah sich der General, um neuerlich Geld zu beschaffen, gezwungen, das letzte Schmuckstück seiner Frau zu verpfänden Die Verpfändung erfaßte durch Deutsch, eiinen Schivager des Pollak, bei der Dereinsbank. Aus das Pfand wurde dem General ein Darlehen von 10 Millümen gewährt. Dieses Darlehensgeschäft war, wie der General sich bald überzeugte, für ihn schr verlustbringend, er hockte seiner Angabe nach.van Pollak nur einen Beirag von 7 Millionen Kronen erhalten und sollte an Zinsen und Spesen für dieses Darlehen der Deveinsbank rund 150 Pror-nt jährlich?ah'en. Sckt'-ießl>ich?r uhr der Generäl, daß Herr Pollak. mit dem er in GoschäftSverbindmrg war, schon früher wreoecholt wegen Eigentumsdelikten vovbestraft war. Am 17 Jänner 1923 richtete Besnitschka an die Direktion der BeveinSbank einen Bvisf, in' welchem er von einer Betvügerbande, Moritz Pollak und Ludwig Deutsch, sprach und der Erwartung Ausdruck gab, daß nunmehr weiteren Betvügevaven dieser beiden Herren jeder Boden entzogen we-rden wird. Ludwig Deutsch, der seiner Angabe nach von den Borstvcvfen seines Schwagers Pollak nichts gewußt und der lÄ>iglich aus Gefälligkeit das Darlehen bei der Vervins- .bank für den Generäl vermittelt hatte, erhob gegen letzteren die EhrenbeleDigungMage, die nach wiedecholtm Vertagungen gestern zum Abschlüsse gelangte. Nach durchgesühvtem Boweisvevftchvon venurteilte der Richter den General im Sinne der Klage zu einer Geldstrafe von 5 00 Schilling, eventuell zu fünf Tagen Arrest, jedoch bedingt, unter Einräumung einer zweiijährrgen Bswährungsfrist. Sollswitt. Ursachtu der österreichischen Wirtschaftskrise. In der Versammlmtg der Jitdustrieangostellten hielt der sozialdemokratische Mgeoidnete Dr. Bauer eine Rede, in welcher er die Ursachen der Wirtschaftskrise einer eingchendvir Erörterung unterzog Interessant ist der Versuch des Redners, die Ursachen der Krise nur auf einzeLne kapitalistische Erscheinungett zu schieben, ohne aber dabei diejenigen Fehler, welche sich als Folgen einer den Verhältnissen nicht voWomme» angepaßten sozialen Gesetzgebung eingestellt haben, zu bedenken. Dr. Bauer erNär.w, die Kris« sei deswegen so stark, weil in Oesterreich zu viel spekuliert wurde, weil die Nationalbaltk der Spekulation Geld zur Verfügung gestellt, weil dieses Geld verloren wurde und weil durch den Restriktionsprozeß der Natiowalbank der Industrie das notwendige Geld genommen wurde, so daß sie Betriöbsemschränkungen vornchmen mußte. Doktor Bauer erklärte, daß die Konkurrenzunfähigkeit Oesterreichs, in erster Linie in den rückständigen Betrieben und den hohen KapitalSzinsen ihre Ursache habe. Wenn auch alle die Umstände die Krise miwerschu-ldet haben, so sind sie doch nicht ausschlaggebend. Ebenso schuldtragend sind die für die österreichischen Produktionsverhältnisse nicht günstigen Arbeitsbedingungen. Die Verteuerung durch die .Füvsorgeabgabe, welche nicht von den Unternehmungen allein, sondern von der-Gesamtheit getragen werden sollten, die Verteuerung durch die an und für sich berechtigten sozialen Institutionen dadurch, daß die Berwqltuugsapparate dieser Institutionen mit ungeheuren, für ihren Wirkungskreis allzu hohen Kosten besastet sinh, die dogme-nhafte Auslegung des Achtstundentages selbst dort, wo sozial ein solcher theoretisch nicht anerkannt wird, die dadurch bedingte Verkürzung der Arbeitszeit und in Verbindung damit die Verminderung der Produktion in einzelnvit Zweigen durch die mißverständliche Fassung der Arbeitnehmer über den Umfang ihrer Arbeit-« leistung sind für di« Verschärfung der Krise vielleicht ebenso ^maßgebend wie die vorerwähnten Ursachen. Spekulation fft in der Wirtschaft gerade so verwerflich wie mißbräuchliche Äufsassung und Anwendung sozialer Errungenlschastew

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