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Wiener Morgenzeitung · 1925-03-31 · Heft 2195 (31.3.1925) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2195 (31.3.1925)
Date
1925-03-31
Page
– (sequence 1)
Language
German
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| Polen; 30 r»ro,r l Wien: Zum Abholen in der Expedition, H.. Taborstr. 1*3, oder ln einer Verschielsstclls 'Trafik) monatl. 5 Schilling Stfassenverkauf in Wien durch die Kolporteure der Firma G o I d sch mied, )., Wollzeile 11 Mit Postversand für Wien und Oesterreich monatlich 5 Schilling Tsch echo- Slowakei: Mon. K22. Jugoslawien: Mon.Din.60. Polen: Mon. 4Zloty. Deutschland: Mon. Gm. 4, Frankreich, Belgien: Mon. Frcs. 18 NtduiUaBfen »et F r e t «- erhAhan<e« vorbeheltea St. 2195 e <n Wiener immunrvmtnimits o STRUM1 azzotHZ 8ima rfitbaittn 1h. s r. Bezirk, ftotemterkflAMe 1t | Z Telephon 47-7-17 S 5 Erzeugt unter der Aufsicht des ss Z weltberflhmten orthodoxen Ober- Z rabbiners CHAIM JIZCHAK | JKPUCHBM aus Altstad . S ymnminniiiimmiiiiiiiimimiiiiiiiinina Wien. AienstaS' 31. Mn 1925 I greis SO «f England: Mon.4 Schilling, ]t a 1 f e n: Monatl. 18 Line, Rumänien: Mon. 175Lei, Bulgarien: Mon. 80 LfWa, Schweiz und das f&ttge Ausland monatlich ft&5 Redaktion. Administration: Wien, ILTaboriir«! Telephone: 44-0-38,43*849 Ab 6 Uhr: 21-102, 25*341 IX, Universitätsstrasse 5*8 (Drucker«' lg. Steinmanm Oesterreichisches Postsparkassen-Konto Nr. 150.693 7. ftriftraann . i um» .1— Sie Balsüur-Tage in krez Israel. Ntt Besuch in den Kolonie». Das Tuchhaus „Münz“ Wien I. Ertlgassa 4 und Kramergasse 11 Zugang Roieniarmstrasse 11-15 empfiehlt sich den P. T. Damen und Herren zur Deckung des Frühjahrs- und Sommerbedarfes in Original englischen Stoffen Für reelle und solide Bedienung bürgt mein Renommee 10922 Las Palästina-Problem. -y. W i e n 31. Mär-. Der gewesene Sektionschef des österreichischungarischen Auswärtigen Amtes, Herr Alfred Rappaport, versucht es, den Lesern des „Neuen Wiener Tagblatt" (sonst schreibt er in der „Reichspost") eine politische Erklärung der gegenwärtigen Vorgänge in Erez Israel zu geben. Das ist ein mißliches Beginnen für einen Mann, her mit der Materie unverdaut ist und von Zionismus und Antizionismus nur den letzteren kennt. Das ist zwar quantitativ sehr viel; die Literatur gegen die jüdische Arbeit in Erez Israel ist sehr umfangreich. Aber, sie ist, was wir unbeschadet unserer Anerkennung der Meinungsfreiheit sagen müssen, eben nur feindselig. Sie verschweigt vieles, was gewichtig und bedernsam ist, entstellt und erdichtet vieles, was dann als gewichtig und bedeutsam auftritt. Das alles reicht aber doch uicht ausüm zu'Hinein sicheren Urteil zu gelangen. Der Herr Sektionschef ist dg in einer unangenehmen Situation. Wir anerkennen selbstverständlich dos Recht der Kritik und sind auch nicht durch allzutiel Lob verwöhnt worden. Wir hüben aber doch ein Recht darauf, zu verlangen, daß die Kritik sich zunächst wetterfeste Grundlagen verschafft, daß sie sich nur darauf stützt, was in Wirklichkeit vorhanden ist,' und erst dann ihre Schlüsse zieht. Da 'fallen uns ein paar Dittge aus, die Herr Rappaport schlankweg behauptet, die aber den Nachteil haben, daß sie nicht bestehen. Sie liefern dem Autor den Ausgangspunkt für sein Urteil. Da schreibt er hin, erstens, das; die christliche Opposition sich dagegen wendet, daß England dem Judentum einen Vorrang vor dem Christentum einräume. Dieser Vorwurf an die christliche Opposition ist Ungerecht, sie hat nie eine ähnliche Behauptung ausgestellt. Sie ist gegen das Iudentunl überhaupt, gegen .seine politische Gleichstellung . und .Zulassung. Sie . hält sich mit solchen Kleinigkeiten wie Vorrangstellung gar nicht auf. Dann klagt er über die Spaltungen unter den jüdischen Ansiedlern, die so tief gehen, „daß sogar Jerusalems heiliger Boden schon einmal durch eine unter Juden verübte politische Mordtat befleckte worden ist". Herr Rappaport spielt da. offenbar auf den Fall de Haan an. Wir müssen das Vergnügen stören. Der Politische Charakter dieser schrecklichen Tat ist bisher absolut nicht festgestellt, so daß sie in einer kritischen Betrachtung keine Unterkunft finden darf. Eine Erschwerung der englischen Position ist denn auch dqrch diesen Fall nicht eingetreten. Drittens: Die Zionisten pochen in ihrer extremen Politik auf ihre kulturelle und materielle Ueberlegenheit. Das ist wieder nicht wahr, sondern wir haben,, als unsere Leistungen bestritten wurden und sogar vor der Mandatskommission des Völkerbundes über uns sehr abfällig referiert wurde, ziffernmäßig nachqewiesen, wie sehr sich die wirtschaftliche Bedeutung des Landes durch unsere Tätigkeit in Stadt und Land gehoben hat. Daß wir die Gründung der Universität als eine stolze Tat feiern — du lieber Gott, wie würden die österreichischen Zeitungen jubeln, wenn dieser Staat sich eine neue Universität bauen würde! Wobei man. noch bedenken muß, daß er schon ein Dutzend Hochschulen besitzt, wir aber erst ein Technikum und eine noch nicht vollendete Universität. Herr Sektionschef Rappaport erinnert sich dann der alten schönen österreichischen Zeiten, als noch der Leitomischler Nachtwächter Inhalt des politischen Lebens war. Damals hatte man täglich die Sprachenfrage: tschechisch, slowenisch, italienisch, ruthenisch. Also wirft der Herr auch den Juden vor, die „ohnehin schwierige Lage in Palästina dutch die künstliche Schaffung einer Sprachenfrage noch mehr zu verwickeln". I e r u s a l e nt, 30. Marz. (I. T. A.) Wie schon mitgeteilt, verließ Lord B a l f o u r in Gesellschaft des Präsidenten der Zionistischen Weltorganisation Dr. Weizmann, des Präsidenten der Zionistt'chen Exekutive Nahnm S o k o l o w und des Leiters des politischen Departements der Zionistischen Palästinaexekntive Kolonel Frederick H. Kisch am 26. d. Jerusalem, mn sich nach Tel-Awiw und den jüdischen Kolonien zn begeben. In Begleitung der Herren reisten mehrere Presievertreter. Die jüdische Stadt Tel-Awiw bereitete Lord Balfonr einen begeisterten Empfang. Alle Geschäfte waren ab 2 Uhr nachmittags geschlossen, sämtliche Hauser beflaggt. Die Mitglieder des Stadtratss hon Tel-Awiw begrüßten Lord Balfonr vor den Toren der Stadt und geleiteten ihn zum Hochschulhaus, wo der Bürgermeister, Herr D iz e ng o ff, Lord Balfonr das Ehrenbürgerdiplom der Stadt Tel-Awiw überreichte. Am Abend fand zn Ehren Lord Balfours e i n F e st k o n z e r t statt. Bor der versammelten Bürgerschaft von Tel-Awiw vollzog Lord Balfonr die Weihe der nach ihm benannten Straße Balfoyr^treet. . . '" Eß wÄrdÄ"so.doi«tt - >ij': ‘j&lottfeir/ Ak o'z ft % D i l v, > Rischon-le-Zion und Mikweh-Israel besucht. Ein von den jüdischen Kolonisten in Jude« gewähltes Komitee empfing Lord Balfonr in Mikweh- Jsrael und gab ihm zu Ehren ein Frühstück. Me jüdischen Kolonien, die von der Reisegesellschaft passiert wurden, waren festlich geschmückt und beflaggt; die versammelten Kolonisten begrüßten Lord Balfonr mit großem Enthusiasmus. Bor den Toren Rischon-le-Zions erwartete die Gäste eine Gruppe Kolonisten zu Pferd. Lord Balfour, Dr. Weizmann, Sokolow und Kolonel Kisch wurden in die Synagoge geleitet, wo Gebete für den britischen König, Lord Balfonr, Sir Herbert Samuel und Baron Edmond de Rothschild exekutiert wurden. Auf dem Wege zur Synagoge bildeten die Schulkinder Spalier. Die Stimmung war ftendig bewegt. Die Kolonisten riefen Lord Balfonr Segenssprüche zu. Lord Balfour zeigte sich über den Empfang sehr bewegt. In seiner Erwiderung auf die Begrüßungsansprachen der jüdischen Kolonisten in Rischon-le-Zion sagte Lord B als o u r folgendes: „Es ist mir eine Freude, in der ersten jüdischen Kolonie Palästinas zn weilen. Ich genieße die Ehre und den Borzug, ein alter Freund des Barons Edmond de Rothschild, des Begründers dieser Kolonie, zn sein. Ich bin ein alter Zionist'; ich hänge dem zionistischen Davon weiß nur der Antizionismus etwas. Wir haben niemals davon gehört, daß irgend ein mosleminischer oder, christlicher Araber auch nur ein Sterbenswörtchen wider die hebräische Sprache hätte fallen lassen. Das würde, einen Grad politischer Erziehung bedeuten, den der Orient noch nicht erreicht hat. Es ist nicht verwunderlich, daß der Herr Sektionschef von so falschen Prämissen, die ihm weiß Gott welcher Ignorant ausgeschrieben hat, zu falschen Schlüssen kommt. Er befürchtet, daß der jüdische Staat die Argumentation des abendländischen Antisemitismus verschärfen würde. Diese wertvollen Zeitgenossen warten nicht erst auf den jüdischen'Staat. Wir halten erst bei der Vorbereitung einer nationalen Heimstätte und haben heute schon den Numerus clausus in den Wiener Aemtern, in einigen Hochschulen Oesterrre'chs und sämtlichen des christlichnationalen Ungarn. Wir hoffen, daß ein jüdisches autonomes Land sehr viel zur Beseitigung dieser Dinge tun könnte. Der Antisemitismus ist ja nur solange frech, als er nichts riskiert. Und der in aller Welt lobende Sturm der Hakenkreuzler aller Riten hat keinen anderen Zweck, als dem Judentum den durch den Zionismus mit soviel Erfolg vorbereiteten Weg in die nationale und kulturelle Freiheit zu wrlegen. Gedanken aus einer Zeit an, da die Deklaration, die meinen Namen tragt, noch nicht herausgegeben war. Die Balfour-Deklaration ist auch nicht allein von mir geschaffen worden. Sie ist Stt wohlüberlegte Entschluß der MächteEuropasundAmerikas. Sie ist die deklarierte Politik aller zivilisierten Nationen und kann nicht mehr umgestürzt werden. Noch einmal: Die Deklaration ist nicht meine. Sie ist der Ausdruck der Politik nicht allein Großbritanniens, sondern auch aller Machte, und »sie ist der Ansdruck der Meinung der internattonalen Menschheit. Meine Arbeit und meine Btt-, dienste im Interesse Zions werden überschätzt, obwohl es keinen eifrigeren und gläubigeren Zionisten gibt, aV mich." Lord Balfonr besuchte in Rischon-le-Zion unter anderem auch die berühmten Rothschildschsn Weinkellereie«. Lord Balfonr über die Universität. Jerusalem, 3Ü. Marz. (I. T. A.) LordBalfom. gewährte dem Vertreter d« Palästinensischen Helegraphenagentur eine Unterredung, ist deren Verlauf er savte> die Eröfinung der hebräischen-Universität in^ Jerusalem sei eines der großen historischen Ereignisse der Jetztzeit. Es sei für die Araber kein Anlaß Vorhemden, sich darüber aufzuregeu, im Gegenteil, die Universität wird dem ganzen Lande und der Welt dienen. Anfragen im Unterhaus^ London, 30. März. (Tel.-Komp.) In der heutigen Sitzung des Unterhauses richteten mehrere Abgeordnete an die Regierung Anstagen über’ den Empfang Lord Balfours in Paläst i n a. Ehambevlain erwiderte, daß die Küsten für. den S ch u tz Balfours in Palästina. nicht von der englischen, sondern von der p a l ä st i n ens i s ch e n R e g i e r u n g getragen würden. Eine Erklärung des Mavfchalls Allenby. Jerusalem, 29. März. Der/Eroberer Palästinas und jetzige britische Oberbefehlshaber in Aegypten Marschall Allenby, welcher zur Feier der Universitätseröffnung in .Jerusalem eingetroffen ist, erMrte in omern Interview mit einem Vertreter der Palästinensischen Telegraphnagentnr, seine bisherige Haltung gegenüber .den zion istischen Bestrebungen, denen er bekanntlich nicht wohlwollend gogonÄberstand, sei unrichtig gewesen; die Ent-' Wicklung der Dinge im nahen Osten, 'besonders in Aegypten, habe ihn überzeugt, daß Palästina für Großbritannien eine wichtige politische und 'militärische Position sei. . . . Der Herr Sektionschef zählt zu diesen „innerpolitischen" Schwierigkeiten auch noch als „äußere politische" die nationalägyptische Agitation und die Beduinenraids auf. Daraus läßt sich wieder nichts gegen die Berechtigung des Zionismus ableiten. Wir kennen diese Komplikationen und müssen mit ihnen rechnen, aber doch nur, um einen näherliegenden Vergleich heranzuziehen, ebenso wie die deutsche Republik mit der Hitlerei rechnen muß. Wir streben nichts anders an als die Versöhnung mit den Arabern, die Aufklärung der orientalischen Welt. Diesem Zweck soll auch die Universität dienen. Andere Völker kommen mit Vertragsbruch, mit Kasernen, Giftgasen und Schlachtschiffen. Wir bringen die Lehre vom Wissen und der Humanität. Und weil die uns umgebende Welt, die uns vernichten und die Araber mit der berühmten Penetration pacifique aussaugen will, das aufklärende Fluidum unserer Arbeit wittert/weil sie erkennt, wie tief und wie weit das Beispiel jüdischen Fleißes und jüdischer Arbeit wirken wird müssen, j^Shalb der Widerstand, deshalb der kläglich verkrachte Generalstreik der Efendis und Scheiks, deshalb die vielen „unbefangenen" kritischen Betrachtungen in der europäischen Presse, deshalb diese Problem-PryW« matik. ln oomenml Herrenstoffen zu sehr billigen Preisen bei I Schiffmann II.Taborstra8e 48 47*1«ff> in «rei f it <f«üll fp , I j ni f »Itv ,1' si a >1

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