Mannheim
Compact Memory

Wiener Morgenzeitung · 1925-03-30 · Heft 2194 (30.3.1925) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2194 (30.3.1925)
Date
1925-03-30
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
90% known words query
IRI
…/2979076-2981191-2981279--22356-3009760
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Polen; 20 arorrl 'Wien: Zum Abhoten in der Expedition, N.. Taborstt. 1-3. 3der in einer Verschleisstellt Trafik) monatl. 5 Schilling Strassenvcrkaul in Wien durch die Kolporteure der Firma O o I d sch m i ed, h, Wollrelle 11 Mit Postversand Hit Wien und Oesterreich monatlich 5 Schilling Tschecho-Slowakei: Mon. K 22. Jugoslawien: Mon. Din. 60. Polen: Mon. 4Zloty. Deutschland: Mon. Gm. 4, Frankreich, Belgien: Mon. Frcs. 18 Wiener iot-gemetttmn Naeh**blan4cn d«1 P r e j * irhftkoatfeB »wbdwltai Ar. 2194 Men. Montag. 30. MSrz 1925 IProla ao al England: Mon. 4 Schilling, Ital I en: Monatl. 18 Lire, Rumänien: Mon. 170Lei, Bulgarien: Mon. 80 Leva, Schweix und das übrige Ausland monatlich Fr«. 5 Redaktion. .Administration: Wien, ILTaboriir.l Telephone: 44*0*38,43-3-19 Ab 6 Uhr: 21*102, 25*2*82 IX., Unlversltätsstrasse 6-8 (Druckerei lg. Steinmann) Oesterreichisches Postsparkassen-Konto Nr. 150.693 l.Mrgang Ein zweiter Re Prästdentenlm Berlin, 2«. März. (Wolff.) Amt. NcheS Ergebnis der Reichspräsidentenwahl: Insgesamt wurden 26,812.537 Stimmen abgegeben. Davon entfallen Nuf Braun 7,785.678, auf H e l d 1,062.278, auf H e l l p a ch 1,565.136, auf I a r r e s 10,387.523, auf Ludendorff 284.471, auf Marx 3,883.676, auf T h a e l e m a n n 1,869.553. Zersplittert waren 34.152 Stimmen. Der Prozentsatz der abgegebenen gültigen Stimmen von der Zähl der Wahlberechtigten in der Höhe von 38,980.000 betragt demnach 68,75. Nach den vorläufigen amtlichen Ermittlungen des NeichSwahlleiters hat kein Anwärter die Hälfte der abgegeben gültigen Stimmen auf sich vereinigt. Es ist daher ein zweiter Wahlgang erforderlich. Der gestrige Wahltag in Deutschland ist. . wie erwartet. ergoH-irtslos geblieben. Kein-Kandidat konnte die absolute Mehrheit erhalten und so wird die Wahl am 26. April . tvi,edevholt.werde« müssen. Doch ist insoweit ein klares Bildgeschaffen worden, als sich die Anhänger der Reaktion in der.M i n der heit, zoigten. Der deutschnationale .Hauptkandidat Jahres ist zwar mit zehn Millionen Stimmen Spitzenführer, dochkonnten die republikanischen Kandidaten Braun (Sozialdemokrat), Marx (Zentrum) und He l l p a ch (Demokrat) zusammen mehr als 13 Millionen Stmvlneai aufbringen. Ob sie die politische Einsicht besitzen, -für den zweiten Mahlgang ihre Kräfte zu vereinigen, ist noch abzuwarten. Insbesondere wird dies für die Sozialdemokraten sehr 'hart sein, 'txt sie die führende Partei sind, aber doch hinter Marx werden zuvücktreton muffen, rpn den Republikanern den Platz des Präsidenten zu sichern. In einer geradezu lächerlichen Weise ist -der Held der Pogromantff«m.iten und Hakenkreuzler, -der Mavschall L u d e n d o r f f, durchgefallen, der nicht einmal 300.000 Stimmen aufbringen konnte. Auffallend ist der Rückgang der Kommunistenstiannlen, die gegenüber der letzten ReichstagswaHl starke Verluste zeigen. Hier wirkten vor allem die Vorgänge in Preußen mit, die in -der - Lahmlegung des Landtages ihren ersten Ausdruck: gefunden hatten. Der Wahltag ist ruhig verlaufen. Die Wahlbeteiligung reichte an 70 Prozent der Wählerschaft heran. Leon Blum für Herrkotr Politik. Lemans, 29. März. (Havas.) Abg. Leon Blum erklärte in einer hier gehaltenen Rede, die Sozialisten würden die Negierung Herviot auch - weiterhin unterstützen, selbst unter Umständen, die für sie selbst sehr gefährlich werden können. Painleve betonte, es sei Pflicht der Republikaner, tvä'hrend der nächsten Wahlperiode dahin zu wirken, daß der französische Franken stabil erhalten und die Sicherheit Frankreichs für die Zukunft gesichert werde. Er trat der ettvaigen Anschauung entgegen, als ob die Regierung daran dächte, die Katholiken zu verfolgen. Der Redner setzte sich weiters für die Aufrechthaltung der Einigkeit der verschiedenen Parteien -des Kartells ein. TrotzN lebt. Wie die hiesige Vertretung - der russischen Sowjetrepublik mitteilt. ist die von einigen Pariser Blättern wiedergögebene Meldung aus Riga über die angebliche E r -m o r d u n ßTrotzkis i m Kaukasus vollständig erfunden. Mahlgang. hl i« Deutschland. Solvjetivahlen. Moskau, 29. März. (Wolff.) Die Wahlen zu den Moskauer und den-Le n i n grade r Sowjets haben ihren Anfang genommen. In Moskau sind von den bisher Gewählten 60 Prozent, in Leningrad 85 Prozent kommunistische Abgeordnete. Die übrigen Gewählten sind parteilos. Schwere Kümpfe in Kurdistan. Angora, 29. März. (Ägence d'Anabolie.) Ue-ber die Lage in K u r d i st a n wird gemeldet: Die Bewohner mehrerer Ortschaften, die zu den Aufständischen übevgogangen waren, ha'ben sich infolge der von den türkischen Truppen auf boidon Ufern des Tigris umternoirnmenen Gogenbewegungen und >scharfen ^Verfolgungen wieder unterworfen. In der Gegend von Kharput setzen Abteilungen regulärer türkischer Truppen ihren Vormarsch' fort und haben bereits mehrere bewaffnete.Banden zerstreu t. Die Umgebung von Varia fft vollkommen frei von den 'Aufständischen. Gin gewisser Hassan U Hali d, der eine große Anzahl -Aufständischer^ um sich gesammelt httte, wurde geschlagen.' Sein Anhang wurde zerstreut. Türkische TvuppsnabteAumgen, dienach Arghana Maden Vorrücken, haben die Aufständischen nach Süden zurückgeschlageü. ' >" ‘ Bor dem lommunMchen Streik im LftroüerDevier. Mährffch-Ostrau, 29. März. (Dschech. P.-B:) Die Vorbereitungen zu -dem vom internationalen A l l g e w c r kschaftsverband im Ostrau«.Karwiner Revier proklamierten Streik sind abgeschlossen. Insbesondere wurden der Revievstveikausschuß und die lokalen Streikausschüffe gewählt und Vorkehrungen für die Sicherung der notwendigen Ausrechterhaltungsarbeiten in den Gruben, Kokereinen und anderen Betrieben getroffen. Sowohl der Bergarbeiterverband als auch der Metallarbeiterverband veröffentlichen Entschließungen, in denen g e g e n den von der kommunistischen Organisation proklamierten Streik Stellung genommen, und die Arbeiterschaft aufgefordert wird, eine -Verletzung der Kollektivverträge nicht zuzulassen. Mit Rücksicht auf die Lage im Revier empfiehlt aber die Konferenz, daß die Verbandsmitglieder dort, wo der Streik von der Mehrheit der Belegschaft beschloffen wird, sich diesem Beschluß zu unterwerfen. Da die Verantwortung für diesen Streik auf die kommunistische Organisation fällt, werden die Mitglieedr des Verbandes an seiner Durchführung keinen Anteil nehmen. Die Konferenz fordert den Verband der Berglsuve auf, falls die Grubenbesitzer gegen Mitglieder des Verbandes der Bergarbeiter wegen Teilnahme am Streik irgend welche Ropreffallien ergreifen sollten, zu ihrer Verteidigung mit allen Abwehrmitteln a-ufzutreten. Direktor Fron; gestorben. Gestern nachmÄttigs ist in Wien -der Begründer und Direktor -des Bürgertbeaters, Herr Oskar Fronz, im 63. Lebensjahre gestorben. Brrltnrr und die Theater. Der Bühnenverein hielt gestern eine öffentliche Protestversammlung gegen die Steuerpraxis des Stadtrates Breitner ab. Die Redner nahmen zumeist sehr heftig gegen.die Lustbarkeitssteuer Stellung. Die Versammlung wird am 9. April fortgesetzt werden. Der Bstrgerblod in Salzburg. Salzburg, 89. März. Die Gemeinde wählen «ruf dsm flachen Land endeten mit-einem- Vorsprung der bürgerlichen Parteien, -doch ist m amtliches, endgültiges Resultat noch nicht 'bekannt. . ' Der Sang zum Grabe -errlr. Die Universitätsfeier der Wiener Zionisten. Die Juden Wiens, denen es nicht vergönnt ist, -in dem großen Feste des ganzen jüdischen Volkes, an der Universitätseröffnnn-g in Jerusalem, persönlich t-eilMnehmen, feierten gestern dieses Ereignis aus besoniders eiudmcksvolle Weise. Sie zogen, geschmückt mit dem Embleme der Universität, still.am Grabe Theodor H e r z l s vorbei. Ton Grundstein zur hebräischen llnwersilät in Jerusalem hat Theodor Herz! gelegt und dafür dankten' ihm die Juden Wiens in einer Art und Weise, die nur eines ganz Großen würdig ist. Um halb 10 Uhr versammelten sich vor der Hochschule für Bodenkultur die einzelnen Verbände, um in geschlossenen Reihen zum Friedhof zu marschieren. Die Organisation des ganzen 'Zuges leiteten die Herren Sendrowicz und Feller, die ihre Aufgabe vortrefflich meisterten. Die vielen tausend Menschen, die dem Raffe der Zionistischen Organisationgefolgt waren, hielten sich streng an die Weisungen der Ordner, so daß das imposante Bild nirgends gestört wurde. An der Spitze'des Zuges schritten die Führer des jüdischen Volkes in Oesterreich, der Präsident der Zionistisch-en Organisation für' Oesterreich Dr. Jakob Eh r l i ch samt Frau, der Vizepräsident der Knlfusgemoinde Tr. Löwenherz in Begleitung des KÄtusvorstandes: Hofrät H e r tz k a, Oberbaürat Stricker, Gemeinderat Dr. P l a s ch k e s, Direktor E p l e r, Dr. Gelb e r, Doktor Isidor S ch alit und Kultusvorstand Dr. Klaher/ Nach ihnen kanren die verschiedenen im Wademischen Landesverband vereinigten studentischen Vereinigungen. Ihnen schloffen sich die Mittälschnlverbütdüngen an. Die ruffische.Stnd'en'renverriniguug Hechawer senkte vor dem'Grabe zum Salut ihve'Fahne. Nun folgten die zionistische Frane-norganisatio'nen üuter Führung von Frau Evna. P a t a k, Frau Dr. Löwen h e r z und' Frau Rebekkä We>ine r. An sie reihten sich die Bttfreter-b^e - sephardischen 'Zionfftenvereim-guntz, der--t ürkischäW Gemeinde und der. Sp-an iolen in Wien. Weiters sah mandir,-Mitglieder des'Vere'ncs Jehulva .Halevi. Nun 'faligten 'die einzelner zionistischen iBezirkssektionen'i aut ihren Tafeln. Am stärksten war dir Leopoldstadt mb die Sektion Prater vertreten. Unter ihnen ' schritt rüstig'- wie ein Jüngling der ä'ltestr Wiener Zionist,- Herr Jsidon Ge w i,t s ch, der schon vor 40 Jahren in Palästina war. Ihm würde eine Großanlsnahme von den Kinoopera teuren gewidmet, die den ganzen Zug filmten. Nun kamen die M i S r a ch i ach sie, folgte, war Jugend. Die schönste Jugend, die sich nur ein DM erträumen kann. Denn sie ist noch voll von Idealen. In strammer Haltung marschierten die 5dnabon und, Mädchen, mefft mit Mndjacken und Sportkappen bekleidet, vorbei. Di« jüngsten mochten etwa 7 Jahre alt gewesen sein. Am Grabe marschierten die Chaluzim, die Blau-Weißen, der jüdische Wwnderbund, die Haschomer Hazair und die jüdischen Jung. Wanderer (Pfadfinder) vorbei. Auch Mordmr-ngen aus de« österreichischen Proding, insbesondere aus Dt. Pölten,. waren aus diesem Anlaß nach. Wien gekommen. Den Schluß des Zuges LNdeten die jüdischen Turner und Sportler. , Bor dem Grabe hielten die Vertreter aller Studentenverbindungen Ehrenwache. Drei Stunden dauerte <es, bis der letzte des Zuges den toten Führer seines DMeS gegrüßt hatte.. Das Wetter war im Anfang-wenig vochoißend, doch hellte sich später der Himmel auf. Sie Mische Semeindeautonomle in Wanen. Kowno, 26. März. (I. T. A.) Bokamttlich haben die christlichen Demokraten im l'itauifchen Sejm einen Antrag eingebracht, wonach den jüdischen Gemeinden in Litauen das Recht der Besteuerung entzogen werden soll. Während der letzten Sitzung des litauischen Sejm benützte die judenferMiche Majorität die zufällige Abwesenheit der jüdischen Deputierten, um den Antrag, dev an 18. Stell« auf der Tagesordnung stand, durch den Trick der Zurückziehung der vorgemerkten Referate zur Verhandlung zu bringen. Der bekannte Antisemit B e r sch i n k aisv (christliche Arbeiterpartei) trat a l s B e r t e i d i g e r d e r j ü d ischen Arbeiterschaft auf, die angeblich unter der jüdischen Steuerlast zusammenbricht., Er . beantragte die Annahme des christlich-demokratischen Antrages, Bevor es aber zur Abstimunmg kam, erschienen die jüdischen Abgeordneten nn Saal und meldeten sich sofort zmn Worte. Deputierter Dr. R o b t n s o h n führte aus, eine Beschränknng der Steuerautonomie der jüdischm Gemeinden würde ein eklatanter Bruch des von dem Völkerbund übe», wachten Minderheitsrechtes sein. Ts sei nicht wahr, daß die jüdischen Arbeiter unter der Steuerlast lei denkste, zahken wegen ihres geringen Einkommens überhaupt Deine Ge* meindesteuern. Die Beratung wurde für die nächste Sitzung vertaat» ..i,

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.