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Wiener Morgenzeitung · 1925-03-29 · Heft 2193 (29.3.1925) · p. Seite 17

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2193 (29.3.1925)
Date
1925-03-29
Page
Seite 17 (sequence 17)
Language
German
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«-.riss Men. Sonntag Wiener Myraenzeltims. 29. Mrz 1925 fett« 1? Kurort Vöslau Pension »Austria" <vr. ki«!«) Kinderheim, Jägermayenirasse 19 Telephon Nr. 99 Stelle VII! Ganzjährig geöffnet. Südseitige gedeckte Liegehalle. Erstklassige Verköstigung, mütterliche Pflege. Pädagogisch einwandfreie Leitung, sorgfältige Aufsicht. Auf Wunsch Unterricht tm Hause, io» 17 ssssu dieser eleganten Häuslichkeit deS Jammers als die Glücklichste erscheinen. Und sie wirft die Flinte nicht ins Korn. Cs gelingt ihr, Nelly, bai Mädchen, daS die Liebe ihres Jean nicht erwiderte Md den sensitiven Jüngling dadurch in den Wahnsinn trieb, zu einem längeren Besuch zu veranlassen und verspricht sich von ihrer Gegenwart Jeans Heilung. Mit ihr kommt ein Bffchof, aus den sich Mama nicht minder freut, als auf die erhoffte Rettung JeanS durch Nelly. CS ergeben sich Dialoge, aus denen man entnimmt, daß' das NnglückSlhaus zu den drei bisherigen noch zwei weitere Traurige, Abgetane ausgenommen hot. Der Bischof berichtet der Hausfrau, daß er nur aus hoffnungsloser Liebe zu ihr das Priesterkleib angelegt hat (sie ist erschüttert und doch beglückt) ltnb Nelly teilt mit, daß sie — kein angenehmer Zustand für ein junges, schönes Geschöpf ganz wunschlos und infolge ihrer' seelischen Dumpfheit sehr traurig ist. Mer die merkwürdige Zumutung, einem Irren für längere Zeit Gesellschaft zu leisten und ihn nach'Tunlichkeit zu kurieren, nimmt sie weiter nicht übel, tritt sofort ihren ärztlichen Dienst an und eS gelingt ihr, Jean wicdevherzu-stellen, daß Professor Freud seine Freude daran haben kann. Wobei nicht nur der Kranke, sondern auch die Aerztin genest. Sie verliebt sich in Jean, und die Mauern.des traurigen Hauises umschließen endlich ein glückliches Paar. Frägst du, lieber Leser, was indessen mit dem älteren Bruder Jeans geschah? Er hat sich natürlich, der Einsame, s o-: fort in Nelly verliebt, sieht endlich wieder die Zukunft rasig und nähert sich ihr werbend. Da er gewahr wird, was sich im zweiten Mt ereignete, begeht er eine unerhörte Gemeinheit die aber dm Vorzug hat, am Schlüsse des dritten Aktes dramatisches Loben in die Angelegenheit zu bringen. Er redet näm? lich, durch Liebesleidenschaft' zum fmstervn Intriganten .geworden, dem. genesenen Jean ein, das Mädchen sei gar nicht Nelly, sondern eine andere, die ihr schr ähnlich sieht. Mehr hat dem armen Jungm nicht gefehlt. Er verfällt wieder in Verwirrung, schießt zunächst auf seine geliebten Fische und sodann wlf sich selbst. DaS Cchlutziableau zeigt den vielifAtiggn Jammer alle, Figuren des Schauspiels.WI.naMrli^ kernes, aber der Autor, Jean Harinent, ein:zarterund vornehmer Poet der nur diesen Nrwellenstoff nicht hätte dramatisieren dürfen! Gleichwohl ein Abend, kultivierter Schauspielkunst. Der kerngesunde HanS Th i m rg gibt den kranken .Jean« Der „Traumfischer" hat in dieser Darstellung wirklich 'nichts eingebußt alS daS Gedächtnis und ist ansonsten ein heisrer Müßiggänger. Recht so. Eine Nuance mehr Steinhaf . und die. Versrebtheii der Partnerin wäre lächerlich. Diese Partnerin, das »Fräulein Wessel, mit dem fremdländischen - Akzent, ist ein Ausnahmsgeschöpf. Eine herbe und edle Mädchennätur, Herz- Haft, aber sehr sparsam mit der Aeußenmg der Gefühle — solange das tapfere Gemüt standhält. Dann fließen die'Tranen, sie schämt sich ihrer nicht und wendet sich nicht ab. Frau Hagen als Mutter ist außerordentlich.' Mit erlesener Kunst zeigt die einstige Komödiantin, daß ihr alles weit Wieniger' nahe geht. — als sie es zeigt. Der feine Herr Waldau und der 'kluge Herr Nowotny sind erfolgreich am Merck die .fatalen Rollen, die sie mimen müssen, gar sehr zu -Perb'essern. Tatsächlich ein vortreffliches Ensemble. Oi tV Äb'ele's. Au« den Äeatern. Overntbeajer. Morgen „Das'Bildnis der Madonna"/ Dienstag „C arme n" mit Barbara Kemp als Gast. Redoutensaal. Morgen „Don Pasquale". B u r g t h e a t e r. Dienstag. 7 Uhr: „Der Käu ft mann von Venedig".! . Akademietheater. Dienstag „Der Tokaier". BolkSoper .Heute .nachmittags „Fledermaus"; abends „Gräfin Mariza". Morgen ..M i g n p n". Mittwoch wird' Pietro Mascagni die KW. Aufführung seiner „Cavalleria r u st i c a n a" dirigieren. ' Neues Wiener Stadttheater. Domre^^^ta^^den % Avril Erstaufführung des Lnstifpielcs „Bobby, sa g' die Wahrheit", nach James Montgomery, bearbeitet von Franz Cornelius. Theater in der Josef st ad t Ms nächste Novität wird „L 0 y a l 1 i e s" von John GalSwyrth, doutsch von - Leon Schallt, vorbereitet. Johann-Strauß-Theater. Mittwoch den 8. April Premiere „Die große Unbekan«tc", Operette in drei Akten von 'Franz v. Suppe (musikalische Bearbeitung Karl Pauspertl). Lustspieltheater. Dienstag Premiere der französi. schen Lustspielnovität „DaS verschlossene P arg di es" von Hennequin und Coolus. deutsch von- Walter Merlan. Varlax..XulturU«-«.". 1lVLr»öbau Soeben srsohisnen Ynter der Brfk Gesammelte Erzdhlwngen von A« M. Pu«tis ln Wien «u haben In der Buchhandlung RATH PRXdER; ti. Bezirk, Taböratrasse Nr. 30‘a Brand bet Theaters dün Odessa. Kürzlich wurde das Theater von Odessa durch Feuer beschädigt- Das Feuer entstand nach der Ausführung der Tper „Der Prophet" von Meyerbeer, allein Anscheine nach durch Entzündung deS iit der Oper benützten Feuerwerks, und verbreirete sich infolge Nachlässigkeit der e i n g c s ch la f e n e n Feuerwehrmänner. Tie Bühn«' mit der ganzen Ausstattung, die einen arcßen materiellen and knMcrisdrcn Wert besitzt ist. vernichtet Dagegen konnten die Partituren.bibliotheö.uttd d-us Kbstümdepot gerettet we:dvn. Die Dekorationen wurden seinerzeit von den berühmten italienischen Meistern Ne ach0 n&vb Novescalli öon der Sca'a :u Mailand <ic» malt. Der Znscharierrauni blieb unversehrt. Das Theatergcbäude von Odessa gehörte zu den prälliti-gsten Theatergchäudcn Rußlands. Es wurde von dem berühmten Wiener Architekten Berner a's genaue Kopie deS Wiener Durg.thcaters gebaut. Das Theater träch fetzt den Namen Lurcttscki-arskis. , Urgcsch'chie der Musik. Im Rahmen der volkstümlichen Kurse der M u s i k a k a d e m i e beginnt Musikschriftsteuer Dii. Erwin Felder am 80. d. seinen Vortragszyklus „Urgtzschichte der Mus ick" (Ursprung und Entwicklung der musikalischen ElemE Md Formen von den Primitiven -bis zur Kunstmusik). Anmeldungen und Auskünfte in der Modemiekanzlei. 4. Vez., Lkihringerstmße. Kunstausstellungen. In der H 0 l b e i n - Galerie am Frnnz-J-chos-Kah41 Aquarelle von Sirius Korngold. Im 'Graphischen Kabinett der. B u k u m-A.-G. (Hugo Heller) ans dom Bauernmarkt Zeichnungen von Theodor Fried. Bibliographisches. Nächst l^rrd geben wir unseren Lesern eine Zusammenstellung von lesenswerter Literatur aur zionistischen Frage: der allgemeinen OrientierilMg dienen Leo Baeck, „Das Wesen des Jüdentu-MS" und Frredlorwer „Die jüdische Religion". L. Schlesinger gibt onre Einführung '.n den Zionismus, di« auf knappe>m Raum alles Wissensr. rte bringt. Samuel Krauß, der bekannte'Wiener Gelehrte und Publizist, bringt dine Udb.'rsicht über Vier Jahrtausende jüdischen Palästinas in historisäier und kulturhistorischer Darlegung. Wer sich über den Agudismus unterrichten will, der greife zu Jsaac Breuers Judenp r 0 b l e nt", seinem Roman „F alk. Nefts> H.c i m k e h r", den dv.ü unter dem Titel „Wegzeichen". Vereinigten Aussätzen: Wunder. Prophetie und Schöpfung. Frauenrecht, Sklavenrecht und Fremdenrecht. Lehre, Gesetz und Nation, ferner zu.der Studie über das Wesen des Judentums mitdem Titel „E l i j a h u" und vor alleut zu der soeben erschienenen Schrift „Das jüdische Na ti 0u'orlhei nt". Mchemcd-Efendi setzt sich vom anüzionisttschett Standptlnkt atts -mit der Z «- kunft der Juden und der Zukunft Palästinas auseinander. S. SchachnoN-vtz bringt in seiner Erzählung „Salomo, der Fala s ch a" eine interessante Schilderung des Lebens dieser vielumstrittenen Glaubensgenossen. Alle die,e Schristett sind im Berlage I. K a u f s >n a n n. Frankfurt a. M., Schillerstraße 19. erschienen, der fick bereit erklärt hat. unseren Lesern auf Wunsch ein annähernd 1000 Nummern mnfafsendes Verzeichnis über jüdische Literatur kostefrlos. zur Verfügung zu stellen. tir empfehlen unseren Lesern, von diesem Angebot mlsgiebig obrauch ztt machen. Gerichtssaal. Die Verpachtung von Ksnotheaterp ungustig. Eine für die gesamte Kinobranche bedeutsame-F^age wurde gestern vom Bezirksgerichte Hernals entschieden. Die- Theater-Kinogesellschaft hatte das ihr gehörige. Kino am Hernalsergürtel an die prüder Philipp .Md'Eduard Hatnber verpachtet. Bei Ablauf der Lizenz wurde denr Eigentümer mitgeteilt, daß diese nicht mehr erneuert cherbe/ weil das Theater verpachtet wurde. Nun forderte die Gesellschaft die Rückgabe des /Theaters von den Pächtern, die aber verweigert wurde. In der gestrigen Verhandlung wurden die Beklagten verurteilt, das Kino zu räumen, weil der Pachtvertrag, der' gegen das Gesetz verstößt, nicht zu Recht bestand. . ' Steuerexekutionspraxis. Gestern hatte sich Frau Evsline Karuiol vor dem Strasbgzivfsgericht 1 wegen EmmenHuna in eine Amtshandlung zu deranttvorten, begangen dadurch, daß sie bei Borncchnle einer St-ouerexeklAon. in der Wöhüung chres Gatten, des Äbensmittelhäudlers Isaak'K a r n ioh durch die Erekutionsbeamten Karl Kovar und. Ferdinand Schasb ä u e r ihrem Manne zu r ief, - er solle sich das nicht gefallen lasten und auch sonst gegen die Becnnlen Stellung nahm. Dw Beamten hatten in AÄvesenheit ihres Gatten in dessen Wohnung für rückständigeEinkommensteuer in -der' Höhe von 6,5 Millionen eine Mo.bManpfänduug vorgenonrmen. Auf der Stiege trafen sie. den ' heinrkchreüdrn Jsgak Kavniöl und wollten an ihm außerdem eine Le'ibespfandung vornehmen. Dabei soll die Angeklagte ihrem Gatten die eurgangs erwähnten Worte zugevusen haben. Bei der Pfändung b'ekaim Isaak Karniol, der ein schwerer Epileptiker'stt, einen Anfall, wollte sich in seiner. Erregung, ans den Beamten stürzen und rief: „Den Hund muß ich erwürgen!" Der Strafantrag ge-aen, ihn wurde zurückgezogen,.wett er mit Rücksicht auf seinen Geisteszustand voraussichtlich f.reiaefprockien. worden wäre. Trotz des schweren Anfalles setzten!'d« Beamten die Pfändung fort und . kn>öpsten sogar eine Hose auf, um sie zu durchsuchen. In der gestrigen Bechandlung gaben sie als Zeugen an, daß sie dies nur taten, uni dem aus dem Boden liogrivden Karniol Luft zu verschaffen. Erst über Einschreiten des Polizeiarztes ließen die Beamten von der Pfändung ab. Die anpokiagte'Frau Karniol gab zu ihrer Verantwortung an. daß sie die Pfändung nicht vereiteln, sondern nur ihrem kranken Manne beistehen wollte. Der Richter sprach die Angeklagte mangels eines subjektiven Verschuldens frei.. Gerichtliche Brand,parkuug der Sever-Ausweisungtn. Bor dem Strafoezirksgericht 1 stand gestern die Comvt-oiristin Erieda Nado'i unter der Anklage der verbotenen Rückkehr. ie war seinevzvit mit ihren Eltern als Kriegsflüchtting nach Wien gekommen und wurde fni'Jahre 1931 ohne jeden Anlaß auf Grund der SeHor-L^ß^rÄnung-als lästige Ausländ e r i u für' dis" Dauer 'm\ fünf Jahren aus oe>m gesamten Gebiete' der -Republik Oesterreich abgsschaffi. Äm Grund wiederholt erneuter Anfenlhaltsbewillrgungen verblieb die Angeklagte stoch, etwa ein Jahr nach ihrer Abschaftung in Wien und reiste dün.n ln ihre Heimat nach Lemberg ab Bor einigen Wochen kach' sie-in Begleitung einer krarcken Nichte, nach Wien, wo sie sich selbst auch einer Nasenoper.atton unterzog. Es wurde ihr auch hier eine dlufcntha'l'tSbelviui-gun'g bis zum 80. März cvtelft Vor ihrer Rei.se van Lemberg nach Wien hatte sie sich beigem österreichisch>u.Konsulat in Lemberg vorschriftsmäßig UM ordnunMe-mäß eine. Einreisebewilligung verschafft. TroMn, 'Mfet fK^u-.-bic ..-W»'lWristt.n lvegender Rückkehr nach«MM/-MM- A-Wge Wverswn erhoben. Der Richter smachMMge-MM mostgEstlHse'ktipen. Verschul- - dens frei, hg sie. auf'Mund Pst^mreisevewilligung. die von eitlem äststreichischtzst. Korrstklat erteilt wurde, der Meinmdg fein konnte, nuNWechr M M-errrich fahren, su düpsen. . '. . r Qrün<r« nq »fadr 1900 Bankhaus M. Rohaty n Wien, Li Maria Theresiensiraise 10 mt Befugter Devisenhändler ~*M Telephon 11400, 11401 — Telegramme, „Rohatrnco" * Empflehll sich zmr Dorchführung s&mlUcher DankiramakUonea des in« and Auslandes Spezialabteilang für Vorkriegswerte! j Volkswirt. mm Mrifchaftswiffenschakt. Von Dr^ Michael Sussan. : " Die Verbindung der Inden mit der.Wisienschaft übet die Wirtschaft ist eine sehr alte, so alt. wie das jüdische BoÄ. Ist den ältesten jüdischen Kuliurdenkmälern ist der Wirtschaft imd der Betrachtung ihres Werdeganges ein unrfang-- 'reicher Raum gewidmet. Es ist zwar nicht Wirtschaftswissenschaft in dem heutigen Sinne, wohl aber eine Reihe von Abhandlungen über Wirtschtftstatfachen nnd Zusammenfassung von Wirtschaftsereigniflen, die unbedingt jedem wirtschaftshistorischen Forscher eine Fülle des wertvollsten Materials bieten. Nebett der Bibel, die von den meisten Wirtschastshistorikern für ihre Forschungen stark, herangezogen wird, die Fülle von wirtschaftlichen Abhandlungejt im Talmud, die in ihrer klaren, Präzisen Darstettung, auch nur als Ergänzung einzelner ErLÄrungen herangezogen, dennoch schon die Wurzel systematischer Erörterungen wirtschaftlicher Probleme widerspiegelt. ' Die Unzahl jüdischer Gelehrter, welche rm Mitelalter und in den ersten Jahrhunderten der Neuzeit in ihren Werken unter anderem auch wirtschaftliche Fragen sehr gründlich behandelten, soll chier nicht ausführlich besprochen werden. '/ In der modernen Wirtschaftswissenschaft spielt der jüdische Forscher eine angesehene Rolle. Vom Klassizismus bei Nationalökonomie bis. zum heutigen Zustand der WirtschaftSlshre h^ben sich jüdische Gelehrte sehr erfolgreich betätigt und zur Förderung der volkswiptschaftlichen Lehre wesentlich beigetragen. Von Riecardo. dem englischen Bor-. seaNer. dessen Geddüken über Wert, Preis und Lohn noch; heute in' vieler Hinsicht grundlegend sind, bis zum Schöpfer; de^ modernen Genossenschaftswesens, wie es in Franz Oppenheimer seinen prägnantesten Ausdruck findet, waren Jüden ununterbrochen, in ungeheurer Zahl an der Lösung der wichtigsten, wirtschaftlichen Probleme tätig. Sie haben alle den Gang der.. Wirtschaft studiert und die einzelnen Wirtschaftsfragen gründlich behandelt. Doch was sie zum Gegenstände ihrer Gedankenarbeit gemacht haben, war die allgemeine Wirtschaft. Es waren Fragen, die mit dem Gange der Welt-, 'Bolks- und Prival.virtschast im innigen Zusammenhangs standen. Sie haben aber fast nie das jüdische Wirtschafts Problem als solches zum Gegenstände ihrer Studien gemacht. Infolgedessen fehlt es bis heute - an Abhandlungen, welche die Wirtschaft des jüdischen Volkes zusammenfassend erörtern würden. In der neueren Zeit hat das Buch des Berliner NationalAono-men Werner Dombart über den .Kapitalismus und die Juden Aufsehen erregt. Es ist aber in seiner ganzen Aufmachung mehr als eine Fortsetzung von Sombarts Studien Wer den modernen Kapitalismus, ohne das Gebiet in seiner Gänze ernstlich zu erfassen. Eine allzu einseitige Auffassung, die daß Problem nur von einem einzigen Gesichtspunkt behandelt und die Schlüffe schon feststellt, bevor die Prämiffen in jeder Hinsicht gründlich studiert sind. Der jüdische Sejmabgeordnete Dr. Schipper hgt. vor einigen Jahren eine toertvolle Studie über das jüdische Wirtschaftsleben Polens verfaßt: der wissenschaftliche Wert in jeder Hinsicht zugesprochen ^werden -muß. Doch , auch hier P das Problem, schon aus der Abgrenzung der Materie leicht - erklärlich, nicht vollkommen ergründet. Es ist weiters eine Reihe soziologischer Schriften über die Lage der Juden in einzelsten Gebieten in verschiedenen Sprachen veröffesttlicht worden. Sie können nur als vereinzelte Bausteine für denMNau eines großen Gebäudes der jüdischen' WirtschaftslviffenMlft angesehen werden, ohne daß sie aber schon jetzt.vollwertig für die jirdische WirtschastÄwiffenfchaft genommen werden könnten. Dasselbe kann von kleineren oder größeren Abhandlungeit in Zeitschriften und Broschüren gesagt werden, denen in manchem grirndlichere Forschung nachgelagt werden darf und die in mancher Hin-, sicht wertvolle Baraussetzungen für das Studium der jüdischen Wirtschaft biejen, die aber in ihrer Gänze doch nicht voll genommen werden können, weil ihnen, abgesehen von der systematischen Behandlung der Materie, auch ln vielen Fäll«, die Kemktnis de, theoretischen Nationalödouomie fehlt/'' ‘ Man kann nicht die Neutzerungen der einzelnen stötz schen NationÄökonomen als Ausdruck jüdischer WittschaftHe MenWst «nHeft, Dem de, Sn-lLnde» m§

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