Mannheim
Compact Memory

Wiener Morgenzeitung · 1925-03-29 · Heft 2193 (29.3.1925) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2193 (29.3.1925)
Date
1925-03-29
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2979076-2981191-2981278--22327-3009730
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

fjyjii&rgO flfo&ey 1 Wien: Zum Abholen in def Expedition, 11., Taborstr. 1-3, oder in einer Verschleisstelle 'Trafik) monatl. 5 Schilling Strassenverkauf in Wien durch die Kolporteure der Firma Goldschmied, I, Wollzeile 11 Mit Postversand für Wien und Oesterreich monatlich 5 Schilling Tschecho-Slowakel: Mön. K22. Jugoslawien: Man.Din. 60. Polen: Mon. 4Zloty. Deutschland: Mon. Gm. 4, Frankreich, Belgien:.Mon. Frcs. 18 Nachzahlungen bei Prelaerbfthaagen Vorbehalten Wiener I Preis 25~fll England: Mon. 4 Schilling, ]tal i en: Monatl. 18 Lire, Rumänien: Mon. 170 Lei, Bulgarien: Mon. 80Lewa, Schweiz und das übrige Ausland monatlich Pres. 5 Redaktion. Administration: Wien, Ü.Taborstr.l Telephone: 44-0-38,43-3-19 Ab 6 Uhr: 21-102, 25-2-82 IX.; Universitätsstrasse 6-8 (Druckerei lg. Stctnmanni Oesterreichisches Postsparkassen-Konto Nr. 150.693 Rr. 2193 Gien, gonfflqg, 29. Mkj isrs 7. itafttgowg Die hebrälsdie Universität auf dem Scopiuberg in Jerusalem. W .Iff0,*?;- ßWWÄ DerWeiHetag der Universität. —V- W I e n. 2Y. März. Mt Hohen Erwartungen blickt das jüdische Volk auf die'Hochschule, die am Mittwoch der Oeffentlichkeit' übergeben werden wird. Die ganze jüdische. Welt'hat; sich . seit getaümer Zeit darauf vorbereitet, diesesEveignis seiner großen Bedeutung entsprechend zu begehen.. 'Das jüdische Volk erhält wieder ein geistiges Zentrum, das.. aber seine Wirkungen nicht auf dieses Pmk und dieses Land -beschränken sE Die Anstalt ist' nach ihrer Vorgeschichte und nach ihrem Standort eine, im Kulturleben errtzitzärtige. Erscheinung, so einzigartig, wie eö das jüdische -Volk- und>sein' Schicksalsgang ist. Dieses' /Volk schafft sich -aus der. Verbannung heraus-seine Heimat wieder und es beginnt seine Tätigkeit mit der Errichtung einer Hochschule, deren Ausbau.'es seinen Besten anvertraut, ' Das in einer zweitausendjährigen Leidensgeschichte gestählte Volk bringt, in einer höhen Erfassung seiner Mittlerrolle zwischen zwei Welten, ein großes und edles Geschenk: Das Licht der Wissenschaft und der freien Forschung. ' Die Führer des geistigen Lebens Europas, die berufenen Lehrer der. Jugend sind in Jerusalem eingetröffem Sie'werden zugegen sein, wenn Weizmattn, den ' heute das gesamte Judentum als seinen Führer äner-' kennt, die neue Schöpfung dem Schutze der Wissenschaft ' überantworten wird. Die vielen Vertreter der eüro-; päischen Hochschulen werden die Zeit ihrer Anwesenheit im jüdischen Land .dazu benützen, hier,' an.'der Stätte ■ der Arbeit des Volkes, sich 'über die bereits erzielten Ergebnisse und über die Hoffnungen der jüdischen Widder-' gebürt zu unterrichten. Sie werden erkennen, daß alle. Gedanken 'dieses Volkes nur um' ein' Ziel kreisen: Den Frieden der Arbeit zu finden und mit - der' übrigen ' Menschheit' gemeinsam an dem Werk' der Ausgleichung der Gegensätze und an der Ueberwindung des Krieges tätig zu. sein. Alles, was -wir in Evez Israel schaffen, dient diesem - Ziel, und nie hat unser Volk die Würde seines Tuns durch einen Akt der Machtanwendung ent-' weiht. Das Land spricht für uns, das neue Leben, das wir ihm gebracht, haben, hie Kunst, dieaus dem Boden zu wachsen beginnt, und als Krönung die neue Hochschule; Das Licht, das einstmals aus dem'Orient kam, das wir dem Abendland in reicher Fülle spendeten, bringen wir.'wiiwer. und unser ganzes Volk atmet nur in dem Sehnen^ das Menschenrecht, auf das wir vollen Anspruch erheben, uns zu erwerben und zu verbreiten. 'Friedenssehnsucht hat dieses Werk erzeugt, dem Frieden soll es dienen. Den Völkern, deren Repräsentanten Mit. Lord Balföur an.der Spitze zu der Feier erscheinen, soll es sagen, daß das jüdische Volk seine Geschichte nicht vergißt. Es weiß, daß seine Besten ihm im Laufe der Begebenheiten entfremdet wurden, daß sie für Fremde schaffen mußten. Ihre Liebe zur Forschung half ihnen über diese Hemmungen hinweg. Nunmehr können sie die Kraft ihres Genies frei entfalten; unb die jüdische Jugend für das jüdische Volk erziehen. Das ist eine Bereicherung der Menschheit. Das ist die Erfüllung des Wortes, daß von Zion die Lehre ausgeht und das Wort Gottes von Jerusalem. Es ist ein großer Tag. dieses Weihefest, ein Gruß an die Kultur, die vom Jordan kam, ein Gruß an die große, weltumspannende Republik des Geistes 3ur Univerfitatserössnung. Lord Artur Aalsour. Die Eröffnung der hebräischen Universität kn Jerusalem, die vorzunehmen mir zur . Ehre gereicht, bedeutet mehr als ein bloßes wiDnschastliches oder hitturelles Ereignis; -sie ist das Symbolsür ein Werk, das züm ersten Male in der Geschichte unternommen wird: der Ansbaü eines Landes 'durch ideale Kräfte. Diese welthistorische Tatsache kann nicht mit dem gewöhnlichen Maßstav; gemessen werden, denn der Fall des Judentums - ist in jeder; Hinsicht ein Ausnahmsfall, der außerhalb aller gewöhnlichen Gesetze und Maximen fallt. Lord Baltour. Das Land, wo sich der Aufbau vollzieht, ist klein und bietet große Schwierigkeiten. Bei einem anderen Volke wären diese Schwierigkeiten vielleicht unüberwindbar, nicht aber beim jüdischen Volke, dem außer den notwendigen Eigenschaften, um Palästina zu solcher Entwicklung zn bringen, daß es einem wichtigen Teil des jüdischen Volkes als bequeme Heimstätte diene, vor allem die Kraft eines uralten Ideals und eines ewig Wachen Idealismus innewohnen. Für die Durchführung des Aufbaues bedarf es der Geschicklichkeit, entsprechender Kenntnisse, Ausdauer und Kapitals. Niemand wird wohl zweifeln, daß diese notwendigen Eigenschaften im Judentum in entsprechendem Matze zu finden sind. Die Juden, die auf dem Gebiet der Technik so viel zu den heutigen Forschungsergebnissen beigetragen haben, haben auch in ihrem Lande gezeigt, daß sie sich dazu eignen, ihre eigenen Meister zu sein. Und was das Kapital betrifft, so ist der Umstand, daß auch die ärmsten Juden aus ihrer Armut heraus stets bereit sind, zum Erfolg des Werkes beizutragen, eine Bürgschaft für das Gelingen. All das aber bedarf als stärkste Triebkraft des Idealismus; wer des Idealismus unfähig ist, ist auch unfähig, den Zionismus zu erfassen oder zu seiner Tatwerdung beizutragen. Die idealen Kräfte des Judentums aber sind mir und der ganze« Welt die Bürgschaft dafür, daß das Aufbauwerk gelingen muß. Die Ersähe sind schon heute sichtbar, und gerade die Eröffnung der Universität, ei» Werk, das aus der Kraft des Ideals geboren ist und dem Ideal zu dienen bestimmt ist, festigt meine alte Ueberzeugung, daß diese einzigartige Tat des jüdischen Aufbaue s PalLstinas dyrch die Ide.e des Zionismus geschehen wi r.d, die immer mehr zur Idee des ganzen Judentums wird. Paul Paialeve, ‘ Präsident der französischen Kammer. Wird Palästina ern strahlenhe^Zentrum des Judentums, seiner Sprache, seiner Idee, feiner Künste und seines Geistes werden? Diese Frage ist von nun au gestellt, Die erstaunlich raschen Fortschritte des Hebräischen in Palästina und insbesondere . die Gründung einer hebräischen Universität erscheinen als sichere Bürgschaft des zukünftigen Erfolges. Was in Palästina geschehen wird, wird ihr nicht gleichgültig bleiben dürfen. Frankreich vertraut aus die Freundschaft Israels und weiß, daß es zu viele Bande zwischen den jüdischen und französischen Freiheitsbestrebungen gibt, als daß das neue Judäa nicht brüderlich mit Frankreich vereint bleiben könnte.- Sdouard Herriot. Ministevpräsident den französischen Republik. Der moderne Geist, entzündet seine Fackeln aus allen Gipfeln; Jerusalemist eine der.höchstragenden Spitzen in der Geschichte der Zivyisatiw, . und eine hchraische Universität in dieser Stadt kann nnr an die glänzendsten Ueberlieferungen wieder anknüpfen und sie zur Entfaltung bringen. , , Ich wünsche, daß sie ein Mittelpunkt werde, zu dem sich von allen Enden des geistigen Horizonts alle Geister wenden, die dem Lichte und edlen Eingebungen zustreben. Sie mutz ein Zentrum moralischer und geistiger Aufklärung werden, dessen Strahlen zur Zerstreuung der Nebel beitragen werden, die noch immer aus unserer schmerzensreichen Menschheit lasten. Me Intellektuellen der ganzen West können darum in der hebräischen Universität in Jerusalem eine Institution begrüßen, durch die die wissenschaftliche Forschung das Tor der lichten Wahrheitstempel vor dem ganzen Universum immer breiter ausreitzt. Leo» Blom. Deputierter der französische« Kammer» Führer der sozialistischen Fraktion. Die Eröffnung der hebräischen Universität berührt gleicherweise mein jüdisches und französisches Herz. Der Jude war bisher der Dolmetsch des Orients im Okzident gewesen. Durch eine seltsame Verkettung wird er nun der Ueberbringer der frohen Kunde, die der Okzident seinerseits dem Orient zu übermitteln hat. Bor der zukünftigen Bereinigung begegnen einander zwei Zivilisationen. Wo könnten sie es würdiger bewerkstelligen als auf diesem bevorrechteten Punkte des Erdballes — in Jerusalem? Frankreich kann dieses Ereignis nur bewegten Herzens begrüßen. Es ist seit jeher Erzieher und Schutzherr der erwachenden Völker des Orients gewesen. Das neue Judäa wird sich immer der Wohltaten der großen Revolution erinnern und nie vergessen, daß die Armeen der Republik die Ketten seiner Söhne gesprengt habe«. Ein Sozialist kann nur die schönsten Früchte von der Medergehurt der jüdischen Kultur erhoffen. Darum blicke ich mit vertrauen ans

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.