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Wiener Morgenzeitung · 1925-03-28 · Heft 2192 (28.3.1925) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2192 (28.3.1925)
Date
1925-03-28
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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I Ar. 2192 Wien, Samstag Wiener MorgenzettnnO. 28. März 1925 Der Gasamtvarband Jüdischer Hochschüler Oesterreichs „Judäa** veranstaltet i cIcR Mittwoch den 1. April 1925 um 7,8 Uhr abends Im Großen Konzerthautsaal -!n° anläßlich der Eröffnuno der hebräischen Universität zu Jerusalem Gerte - zum Preise von einem halben bis 5 Schilling beim HochschulattssChuss, IX., Zimmermannplatz 8, Telephon 25-2-28; Vereinigte zionistische Bureaus, I., Kärntnerstrasse 28, " , II., Sehiffamtsgasse 15; Buchhandlung Präger, II.,Taborstrassc 20r ' " * c * ----- "- KARTEN Telephon 77-4-86, 77-4-86; Klubheim Hakoah, »g sind bis Freitag den 27. äs. abzuholen. la / Kartenvorverkauf ab Dienstag den 24. März. Vorgemerkte Karten Betreffs der Mandate jener 39 Abgeordneten der Radic- Partei, die Mitglieder der früheren Skupschtrna waren, ist eme Untersnchnngskomntistion einzufetzen, .während die Mandate jener 19 Wgeordneten der Radie-Partvi, die der früheren Skupschtina nicht angchört haben, verifiziert averden. _ Wettere Berfiauung der Setreideprrise. New-Jork, 27. März. Alts den amerikanischen Ge- 1 r e r d e in ä r k t e n trat nach fester Eröffnung eine ziemlich starke V e r f l a u tt n g ein. So gaben die Termin-!kürse in Weizen an der Lhrkagoer Börse bis itrn 7,35, in Winnipeg diefelben uttm 7,62 Cents nach. Auch auf >dem hiesigen Lokonwrkt herrschte eine flaue Stimmung. Bon .den übrigen Getreidearten lbüßten am Meisten noch Mais und Roggeit im Kurse ein. Shne Einigung keine Wische Berttrtnng im ungarischen Sberhaur. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Budapest, 27. März. In der letzten Sitzung des Iustizausfchusses wurde die Debatte über den Gesetzentwurf de' treffend das neue Oberhaus fortgesetzt. Abg. Rasfay brachte abermals die Forderung nach einer gesetzlichen Vertretung der jüdischen Konfession gleich den übrigen Konfessionen im künftigen Oberhaus vor. Ministerpräsident Graf Bethlen, der in einer langen Rede für seine Gesetzesvorlage eintrat, erklärte, daß die Regierung entschlossen war, der Mischen Konfession eine Vertretung int Oberhaus zu sichern, doch war es nicht m ögl i ch, die beiden jüdischen Landes kanzle icu, die n e olo ge und orthodox e, zu einer Einigung auf eine gemeinsame Vertretung zu bringen. Sobald eine solche Einigung zustande lammt und die Sicherheit gegeben ist, daß diese Einigung auch für die Zukunft bestehen bleibt, werde die Ernennung des Vertreters der Mischen Konfession int Oberhaus nach deufelibon Grundsätzen wie diejenige der Vertreter der übrigen Kon« sesswueu erfolgen. Wie wir hören, finden gegenwärtig noch , gesonderte Beratung e n in den beiden Landcskanzleieu statt, in don>en die Stellrmguahme zu dieser Erklärtring des Ministerpräsidenten feistgeisetzt werderr soll. Jas ProlkrivtiansWem an de» SsterreWschen Hochschule». Dr. Ramel bezeichnet den Ovganisationsüertrag als ungesetzlich. Jur Finanzwnd Bridgetausschuß stellte gestern vor Eingang in die Tagesordnung Abgeordneter L e u t h n e r den Antrag, die dom Finanzausschuß zugewiesenen Anträge bctraffond die Jnfkri ptio nsgebühr en an den Hochschuilen als zweiten Punkt ans die Tagesordnung gu stellen. Dom Ausschuß muß Gelegenheit gegeben werden, 51t den Vorgängen an den Hochschulen Stellung zu nehnren, weil jetzt die Inskriptionsfrist läuft, und keine Richtlinien für die Gowüh-rung der Be- «freinng von den Kollogiengeldern gegeben sind, und an der Technischen Hochschule ein Sin den streik 'besteht. Es wird noch immer der Organisationsbeitrag für die Studentenkammer ein,gehoben, obwohl der Minister ausdrücklich erklärt hat, daß diese Kammer von ihm nicht Erkannt mid infolge dessen die zwangsweise Enthebung des Organifcrtionsbeitvages rechtlich nicht bagründet ist. Es ist sogar eine erstaunliche Verschärfung eingetreten. Dom Hörer, der sich inskribieren will, wird jetzt ins Meldungsbuch oin Stempel eingedrückt, in dom auch eine Rubrik für den Orgarti'sationsbertrag enthalten ist. Aus dom Melduitgsbuche geht also hervor, ob der Höver den Organiisationsbeitrag gezahlt hat oder nicht. Wenn er zur Prüfung geht, muß er das Moldnngsbuch vorlegen. Der prüfende Professor weiß infolge des Liquidierungsvevmevkes also, welcher politischen Gesinnung der Student ist und der Student stcht als Präskribierter vor dem politisch feinMchen Professor. Dieser Zustand kann nur mit dem brutalsten Geiwissen3gwange bezeichnet werden. Daß dieses Proskriptionöshstem toiM, tonn mark auch ziffermäßig nachtveisen. Seitdem der Vermerk trit Meldnngsbuche geschicht, hat sich die Zahl der Studenten, die diesen Kammerbeitrag gezahlt hat, auf 9500 erhöht; im vorangelhenden Soinmersemester, als der Vermerk rm Melduttgsbnche noch nicht bestand, habet«, nur 350 Hörer den Kammerbettrag gezahlt. Es ist ganz klar, daß diese Vermehrung um das Zehnfache eitt Zeichen jenes ungeheuren Druckes ist, der durch den Vermerk im Msvdnngsbuche auf den Studenten ausgeübt wird, so .daß nur sehr ltvenige heute sich trauen, diesen Beitrag nicht zu zahlen. Buwdeskanzller Dr. Ramek erklärte, die Regierung werde bereits in der allernächsten Zeit einen vechandlnngsreffen Vorschlag bezüglich der Ermäßigung der Kollegiengelder unterbreiten. Ebenso selbstverständlich ist es jodoch, daß die Regierung mit den PvosessoMkollegjiep,;pke i« eMr Kinie ha» einer Herabsetzung der Kollegiengelder betroffen iverden, Besprechungen abhalten muß. Die Angelegenheit wird sicherlich nicht verzögert werden. Was die Einhebung von Organisations- Beiträgen durch die a-nulichen Zählftellett der Technischen Hochschule 'betrifft, halte der Bundeskanzler dicsett Vorgang für ungesetzlich. Die Angelegenheit werde sofort zum Gegenstaude -der Erhebungen gemacht und es inerde.das Nötige veranlaßt werden, damit dieser u n g e f e tz >l i ch e Vorgang a b g e st e l l t werde. Bei der Abstimmttng wurde der Antrag Lcnthurr abgelehnt. «rodiir der Sozialdemokraten nur dem Vnndeintte. Der Bnndesrat genehmigte gestern die Novellen zum Kranken- und Arbe'ttsloscnversichertmBgesetz. Als tu der Debatte der La-ndbündler Stöcker, der in einer der letzten Sitzungen den Dundesrat Klein mit bcutt Zttruf ü'difch e -Fr« chh eit!" angeflegelt hatte, das Wort ergriff, verließen die S v z i a l >d c m 0 k r a t e n >dt m 0 nstrativ de n Sitzungssaal tm-d erschienen erst wieder, als Stock er feine Rede beendet hatte. Sie Reise Sr. Ahrers nach London. Kuauzluitliister Dr. Ah rer rafft heute b.t Begleitung des Leiters der Budaetsektion. Sektionschef Dr. Ioas, nach London, wo er am 30. d. v-am Gouvermur der Bank von England Mr. N 0 r nu a lt empfangen werden wird. Für die Tauer feimr WivefenlM wird er im FinanKministerinm d) l r ch >Bu ndeska nzle r Dr. Ra tu ei vcr-- lreten. _ Reflexionen über den Kere»- Hajeffod-Vrive. Bott Dr. Alfred Loewh. Jedwedes Staatswesen hat seltnen stramm org^ruffterten Sieuereintreibungsapparat, dem-unzählige Geiwalimaßnahmen zu Gebote stehen. In Evez Israel ist ein Land irrt Aufbane begriffen, ein Land für diejenigen zerstreuten Kinder des uralten Iudenvolkes, welche aus den sogenannten Gastländern aus irgerrdeirre Weise Vertrieben oder hinausgeekelt iverden, aber auch für diejenigen, Üvelche die Sehnsucht oder die Selbstbesimmng zu dem Entschlüsse treibt, auf cigerter Scholle die eigene BoKsindividualttät zu erleben ttnd nicht mehr zu verträumen. Für dieses Land und zu diesem Beginnen sind auch Steuern nottvendig, wo sind aber foine Stenerexekrttoren, seine Behörden und Paragrap'hen, auf welche sich der Zwang,zum Zahlen stützen könnte? Der Aufbatffouds, den diese 'Steuern nähren, lebt ja und wächst itnb wirkt tvohltuend belebend rm neuen Lande. Er bietet dorr Arbeitslosett Arbeitsgelegenheit^ dem verkarsteten Lande eine neue, frische, schweißgedüngte Hrtmusdecke mit prachtvollem Getreiide, mit herrlichen Früchtett, mit üppigett Tabakplanlagen, er läßt an Stelle von sanierten Sumpfgebiete>n gute Straßett, gediegene Eisenbahnen, wurtdervolle Dörfer und europäische Städte mit indischen Palmeugärten erstehen. Wer aber leistet diese schier unüberwindliche Arbeit im Lande und wer hebt die erforderlichen Stottern in der Zerstreuung ein? Die Pioniere des jüdffchen Llttsbattwerkes, die Chaluzim und Chaluzoch, sind hettie schon allgemcitt bekannt. Jeder, der nicht vorsätzlich Augen, Ohren und Herz verschließt, muß diesert opfernvittigen Helden der Arbeit und der Entsagung die höchste Achttmg zollen, die matt je ideal und unÄgeuuützig Schaffenden gezollt hat. Wentt die Pi 0 tue re itt Evez Israel -mit Fi ober, Mtlaria, Httnger, Kälte und Hitze und mit räuberischen Bedttinenstätimieu ztt kättrpsert hatten, so gehört hier im Galtlth für die Gin-Heber der VoKsstetter manchesmal auch getvaltiger A!>tlt und ein sehr.guter Magert dazu. Nirgends itt der Welt bewahrheitet sich das Sprichwort „Die Extreme berü-hreu sich" so grjittdlich wie bet dett Ittden. Wie atrsfalleud ist doch die häufige Erschei-nuttg, daß aus dentselben Miliett. ja aus dem Schoße derselben jüdischen Familie oft eiltet' als geriebener Geschäftsmann, der andere als träumerischer und idealer Schriftgelchrter hervorgeht. Mit Staunen und Berzwot-stuug greifen sich so häufig die freiwillige« Äerett-Hai-essod^Sautmler anden Kopf. Aus der einen Seite treffen sie Menschen, deren Seelengröße und Opferwilligkett ganz an den Opfermut der Palästinapiottiere erinnert, indem kleine abgel^ute Beamte, kleine .Handwerker oder Jntelligettzler von ihrem spärlichen Vermögen ialsächlich das Zehent, den Maass-er. mit Stolz und Freude hergebett, um au dem großen schehcn aktiv beteiligt zu sein, auf der artdereu Seite finden sie Leute, die sich auch noch Juden neunen, welche, im Ueberfluße lebend, sich nicht schänten, sich auf ihr zu- Mist durch. Bchräge für frenrde, ja jtkdekffeindliche tutioneu überschrittenes Spendenbn'dget zu berufen, mn ihren Pflichtanteil an der Mitarbeit am Aufbaüwerke fürs eigene Volk unter -cn nichtigsten Borwänden nicht einlösen ztt müssett. Sie httbcn tatsächlich jüdische Frauett kemtett gelernt, welche täglich ihre 90 Kilograntut Lebendgewicht, erhöht troch um einiges Gewicht ihrer Perlen und Brillanten, beim Five o'clock tea. int Shitttnll)tentpo spazieren führen; für die Damen oder Herren -der Gesellschaft, welche zu ihnen kamett, mn sie au ihre Opferpflicht für ben Anfbaufonds zu erinnern, habett sie tveder Verstättdttis noch das kle-iuste Opfer nnchriugett können, da doch derzeit die Geschäftslotffuttktur so fttrchtbar schlecht sei. In Wirklichkeit ist chüett aber das Strebett für Patästirta trichl mondän genug, denn in den Nachffokalcn wird noch nicht davon gesprochen. Fast sollte matt die Zeit fürchteit, -tvo der Zio.nismu.s so ekelhaft moderrt werden könnte, wie es heute der Bubikopf ist. Dann wird die nteisten Palästinareisendett nicht mehr die Heimatssehnsucht zur Reise flott machen, sortdern die Epidemie der Mode. Der Drive hat uns detttlich die trassett Gegensätze int Galttthjudentttut beleuchtet. Bort dett Besten des Volkes tvissetr die Attßenftehendett bltttitvemg, die Schlechtett tverden aber immer jedent vott uns vorgetvorsen, ja sogar für die Abrrünnigett tmd deren Handlungen wird uns, bk Verantwortung aufgehalft. Wir wollen uns durch all diese Schlvievigkeilett wicht ettttnutigen lassen. Weder das Totschweigen unseres ehrlichett Strebons auf seiten der inter- oder anationalen Juden, noch die.mrsinnige, reaktionärste Hetze der Schifft schulorthodoxie, ttoch die beleidigende Indolenz einzelner Jttividuert tvird das herrliche Werk anfhalten, das -nun ansgehört hat, ein Märchen zu sein. Und ihr Damen und Herren, die ihr eure Kraft ttttd Zeit der Vermehrung des Aufbanfcntds widmet, lasset euchs gesagt feilt: Es ist keine Schande für euch, hxtn.it euch ein Jude mit eurent heiligen Anliegen von seiner Türe weist, wohl aber fällt die Schntach auf sein Haupt zurück. Die öfterreichische Keren-Hajefsob- Mtto». Bis zum .5. April verlängert. Prograurmgemäß hätte heute die Aktion für den Steter Hajcssad in Oesterreich abfchließen sollelk. , Itt dcm letztett Tagen tvurde jedoch aus allen Bezirken gemeldet, daß im .Zuge der Werbearbeit sich die Zahl d e r n 0twendigett Besuche v0u Tag zu Ta-g v erg r ö ß e r t habe. Alle Freunde des Palästinatvertes, die von den sreiivilligon Prapagandisten besucht wurden, gaben nicht nur neue Mressen auf, sondern erklärten sich sMst bereit, an der Gewnumng neuer Kevett-Hajessod-Zeichneir ntitMwivLen. Die -Filmvorführungen, welche wegen des außerordentlichen Andranges des jüdischett PMiknutS in weit größerer Zahl angejetzt werden müssen, als beabsichtigt war, bringen, der Aktion neue Mitarbeiter, und nicht zuletzt hat-der öenÄvilwige Beschluß der Israelitischen K,it l t >u sgemeiude, aus Anlaß ider UniversitÄtseröffnung in Jepufaletn turo ans Anlaß der österreichischen Mriott für das wichtigste Finattzinstrument des Aufbaues der jüdischen Heimstätte, dent Keren Hajessod einen Beitrag zu widmen, die A!kttM außerordentlich gefördert. Die Leiter der er-nzeluen Bezirke, ganz besonders natürllch jener, in tvelchen die Propaganda erst vor wenigen Tagen begonnen hat, drängen darauf, das; ein Werk, welches sich hofftmngsvoll entwickelt, nicht f r ü h z eilig a b g e'b r0 ch e tt werde. Ädtut traf attch eine 11 l e g r a p h i q ch c W e i:f at n g des Londoner K er e n - H aj essod -D i r ek t 0rin m s ein, in welcher nahe gelegt wird, anläßlich der Eröffn u n g d er Universität und mit Hinweis auf die Nottvendigleit der Befriedigung erhöhter Budget bedürsn iffe den Driwe twch um eine Woche zu verl ä tt g e r n. Schott jetzt haben die guten Resttltate der Aktion auf die Arbeit itt anderen Ländern günstig gewirkt. Jnshesondere in Amerika worden die letzten Rchnlratc, welche «r Oesterreich unter besonders schtvierigon Verhältitissen erztM wurden, vollauf gewürdigt und beftimntt eine sehr ins Gewicht fallende E r h ö h^t n g der d 0 r t i g e n K e r e n- H aj eff ob -Eingänge bewirken. Die Weisung des Londoner Z-erett-Hakessod-Dtroktoriums deckt sich mit dett Wünschen der österreichischen Inden, welche jetzt mit Anspantmng aller Kräfte für den Keren-Hajffsoid arbeiten. Die Lervnng der österroichifcheit Keren-Hajesfod-'Aktioltl hat sich daher entschlossen, die angestrengte Arbeit noch m den tömmenden acht Tagen fortznfetzen und die Aktion bis j tt 111 5. A p r i l 192 5; n » erlang c v n. Heule Samsiag um halb S Uhr abends findet anläßlich der öftcreichifchell Kereu-Hajessod-Mion ein jüdisches Meetsrvg im Saale des Cafe Z e n t r a l, M-ariahiffevstraße 163, statt. Es werden die Herren ZWgx Gvldlchmiebi, UHMWMt--

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