Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2185 (21.3.1925)
- Date
- 1925-03-21
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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Jjfe. 2185 Men, Gams tag Wiener Moraenzettuna 21. Mäl^ 1925 Seite 3 —1 ... Mittwoch den 1. April l.l. um 8 Uhr abends im Grofien Konzerthaussaal Festabend anläßlich der Einweihunfl der ittd. Universität in Jerusalem Veranstaltet von der jüdischen Studentenschaft Ae deutschen Krisen. Vertrauensvotum für Luther. Berlin, 20. Mävz. (Wolfs.) Der Reichstag hat den Note tat für 1925 angenommen und c.nen kommunistischen Mißtrauensantrag gegen die Stintmen der Kommunisten .und der Sozialdemokraten a!bgelehnt. Ein völkischer Vorstoß gegen Marx. (Eigendienst der „Wiener Morgenzcitnng") Berlin, 20. März. Die Neuwahl des preußischen Ministerpräsidenten wurde nach stürmischen Tumultem in der heutigen Sitzung des Preußischen Landtages endgültig aus den 31. d., drei Tage nach der Reichspräsidentetdtvahl, verschoben. Die Bekanntgabe dieses Beschlusses in der Landtagssitzung führte, zu einem scharfen Vorstoß der Rechtsparteien gegen das Kabinett Marx und zu derart tnmultnösen Szenen, wie sie selbst int preußischen Landtag sich bisher niemals ereignet haben. Gleich nach Beginn der Sitzung erhebeu die D e n t s ch n a t i o n a l e n, Deut schvölkis che n und Kommunisten gegen den Beschlus; des Aeltestenrates schärfsten Protest, wobei sie inrmer wieder von der Illegitimität des gegenwärtigen preußischen Kabinetts sprachen. Schließlich forderte 'der Deutschnationale Dr. Winkler das sofortige Erscheinen des Ministerpräsidenten Dr. Marx und verlangte, daß dieser eine Erklärung über die Gesetzmäßigkeit seines Kadinetts abgcben möge. Als nach dem Abgeordneten Winkler, dessen Ausfühvnngetr schott durch E n t r ü st u n g sstür -m e d e r Linksparteien unterbrochelt worden waren, ein völkischer Abgeordneter das Wort ergriff, sammelten sich vor der Rednertribüne zahlreiche Abgeordnete der Linken, die den: Redner, um ihn zu verwirren, immer wieder Scherzworte Zu riesen. Seiner dadurch immer möhr gesteigerten Erregung machte der Redner dltrch heftige Armbewegungen Lust. Alle seine Gebärden wurden atber von den vor der Tribüne versammelten Abgeordneten nachgeahmt und feine Worte in demselben Tonfall nachgefprochen, so daß dem deutschvölkischen Redner schließlich nichts übrig blieb als unter st ü r m ische m Gelächter seine Rede abzubrechcn. Jnzwischett war Dr. Marx von dem Verlangen der. Deutsch nationalen benachrichtigt worden und im Sitzungssaal erschienen. Unter dem stürmischen Beifall der Regierungsparteien erklärte er, er sei v o n der Mehrheit gewählt worden. Wenn er auch die Wahl nicht angenommen habe, so gelte feine Regierung doch inr Sinne der Verfassung als ge s chä f t s f ü h re n d e s M i lt i st cr i u m. Auch betrachte er cs als feine Pflicht, das preußische Volk und >das preußische Land vor Schaden zu bewahren. Nun kündigten die Dentschnationalen an, daß sie sich an den StaatsgerichtsHof wenden würden, um eine Beendigung ^des v c r f a s s u n g s w i d r i g e n R egierens >des gegenwärtigen preußischen Kabinetts herbeizuführen. Eilte. Abstimmung über die Erösfimng der Debatte über die Erklärungen Marx' blieb e r g e b n i s l o s. Ehe darauf der Ha^mntelsprung beendet wenden konnte, verließen die Linksparteien den Sitzungssaal und ntachtcn dadurch den Landtag beschlußunfähig. Sie machten dadurch nicht nur eine Teibatte über die Evklävuttg Marx' u n m ö g l i ch, sondern erzwangen auch einen Dermin der M'misterpräsidentenlvahl nicht vor dent 31. März, da erst an die>sem Tage die nächste Sitzung des Preußischen Lalirdtages stattfindet. _ Der Mieterschutz in der Prager Kammer. Prag, 20. März. (Tsch. P.-B.) Das Abgeordnetenhaus hat heute das Mieterschutzgesetz angenommen. Der heute einigcbrachte Rogierungsentwurf über die bezahlten A r b e i t e r u r l a u b e besagt, daß die Urlattbe nach einjähriger ununterbrochener Tauer der Beschäftigung bei demselbett Arbeitgeber sechs Tage inr Jahre betraget: rtnd > sich nach zehrt-, beziehungsweise 15jähriger Tätigkeit bei demselben Unternehmen auf siebett, beziehungsweise acht Tage erhöhen. Ausgenommen sind die Kategorien, denen bereits Urlaube gesichert sind, weiters die Haus- und Saisonarbeiter. Auf der Tagesordnung der morgigen Sitzung befindet sich das Feiertagsgesetz. Die Auslage gegen Radix. Belgrad, 20. März. (Ung. Tel.-Korr.-Bur.) Aus Agram wird gemeldet: Die Staatsanwaltschaft hat die Anklageschrift gegen R a d i c u n d G e n o s s e n fertiggestellt. Radic lvird darin des L a n d e s v e r r a t e S beschuldigt. Weiters lvird ihm zum Vorwurf gemacht, daß er sich der B a u e r u t n t e rnationale ange^chlossen, in Ätilitarkreisen eine zersetzende Tätigkeit entfaltet, Masestätsbeleidigung begangen und Verbindungen mit den mazedonifchonAufständischen-Organi- ' ationen unterhalten habe. - KSmpse in Tripolis. Rom, 19. Nkärz. (Wolfs.) In oiu.mi Kampfe zwischet: V e >d u i n e n und italienischem Militär in S üdt r i p oli 1 anien ist der Beduinenfnhrer I b r a h i nt Dchetui u>ms Leben gekommen. Wirbelfturm und Nrände. Die Katastrophen in Amerika und ln 8ava«. New-Dork, 20. Mävz. Stündlich laufen aus den Wirbelstnrmgebieten St, Louis, Ehikago und Mimteapolis Nachrichten eilt, die darauf schließen lassen, daß sich in diesen Gebieten, die bereits in fritil;crcn Jahren häufig von Wirbelstürmen heimgesucht wurden, die schwerste Sturmkatastrophe abfpiölte, die man bisher in Amerika erlebte. Man schätzt nunmehr 1700 Tote, über 3000 Schwerverletzte und 20.00 Obdachlose. Die Zerstörungskraft des Tornados, der weniger als fünf Minuten Lauerte, war auf seine riesige Geschvindigkeit zurückzusühren. Mau berechnet sie auf 100 Meilen in der Stunde. Das Sturutzentrun: hatte eilte Breite Volt nur 1500 Meter. In dieser Zone war auf dreihundert Kilometer Länge alles dem Erdboden gleichgemacht. Die Schilderuitgen enthalten ergreifende Einzelheiten. Jlt der Bergarbeiterstadt W e st f r a n c f o r t erfuhr man in der Nachmittagsschicht kurz vor dem Aussahrenvondem Unglück. Die Menge drängte in wilder Panik nach den Förderkörben und fand einen Trümmerhaufen dort, wo eine Stunde vorher glückliche Heime standen. Ein Bergarbeiter beging Selbstmord in dem Glauben, seine Familie sei unter den: brennenden Haus begraben. Später stellte sich heraus, daß das Haus leer gestanden und daß sich die Fanrilieumitglieder in Sicherheit befänden. Der 700 Einwohner zählende Ort Desota existiert nicht mehr, nur ein Dvittel der Bevölkerung konnte sich retten. Unter den Trümmern der Schallet: sind Hunderte von Kindern begrabet:. Die Oesterreichische Keren-Hajessod Aktion wurde über Beschluss des Exekutivkomitees bis zum 28. März verlängert! Jüdische Mitbürger! Die Repräsentanz der Wiener israelitischen Kultusgemeinde hat in Erkenntnis der Bedeutung des jüdischen Kolonisationswerkes in Palästina für das gesamte Judentum dem wichtigsten Finanzinstrument des Aufbaues, dem Keren Hajesscd, den Betrag von 20.000 Schilling gewidmet. Folget dem Beispiel der altehrwürdigen Kultusgemeindevertretung! Denket an die heroischen Leistungen der jüdischen Pioniere in Erez Israel! Stärket die Arbeitsfreude, die Zuversicht unserer herrlichen palästinensischen Jugend durch wahrhaftige Opferleistungen! Sie bauen Strassen, entsumpfen das Land, bestellen den Acker, errichten Städte. Gebt ihnen Mittel für Saatgut und landwirtschaftliches Gerät, für Einwandererheime und Spitäler und sorgt für die Lehrer ihrer Kinder! Zeichnet für den Keren Hajessod! Das Wiener Bureau des Keren Hajessod befindet sich I., Kärntnerstrassc 28, Telephon Nr. 77-1-83, | 77-1-86. Sin Wirischaftserpose des Handelsministers. Im Parlament fanden gestern Aussprachen der führenden Politiker wegen der Arbeiten, die noch vor Beginn der Osterferien erledigt werden follert, statt. Demnach kann es als feststehend betrachtet werden, daß der B u n d c s v o r a n s ch l a g anr Dienstag verabschiedet werdeit wird. Das Haus wird am 3. April in die Öfter* ferien gehen. Vorher sollen aber noch das Goldbilanzengesetz und die Körperschaftssteuernovelle parlamentarisch erledigt werden. Zu diesem Behufe wird der Finanzausschuß etwa vier Sitzungen abhalten. Nach Erledigung dieser zwei Vorlagen int Ausschuß werden sie iim Plenum nebst einigen anderen kleineren Vorlagen in zwei, eventuell drei Sitzungen beschlossen werden. Der Nationalrat beeilt sich, mit dem Budget fertig zu werden. Gestern wurde der Abschnitt „Handel und Verkehr" samt „Ersenbatzuett, Post, Telegraph, TÄcphon, Postsparkasse, Montanbetriele und k.nthographischeS J'Nstidut" dnrchberaten. Handelsmimster Dr. Schürff kam bei dieser Gelegenheit auf die wirtschaftliche Lage ju sprechen Bon A n n a P o l i s, wo der Tornado begann, stHell nur drei Häuser. Aus Ehikago wird berichtet, daß die Brände in dem Unglücksgebict foriwüten, Die Löschung war erschwert, br vielten orts die Wasserleitungen zerstört sind. Die Rettungsmannschaften von M u r p h i s b o r a cn klären, sie seien außerstande, an die Unglücksstätte zu gelangen wegen des Geruches, der den b r e n n e n d e n Leichen entströmt. In dieser Stadt wurden 50 Häuserblocks zerstört. Tokio verwüstet. London, 20. März. Nach Meldungen.' aus Tokio sind bei dem großen Brand, der stellenweise bis Donnerstag gedauert hat, insgesamt 1730 Häuser zerstört worden, darunter auch eine große I r r e n a nsta l t, aus der sänltllche Jllsassen gerettet werden' koimten. Ue-ber 8000 Personen sind obdachlos. Die Stadtvevwaltltng voir Tokio hat Vorkehrmlgell ge-» troffen, daß die Obdachlosen ans dem Brandgebiet ln öfsclltlichen Parks kampieren können. Der Brandschaden beträgt 800.000 Psulld. Die Bevölkerung Tokios ist bereits eifrig bestrebt, die abgebrannten Vierteil wenigstens notdürftig Wiederausz u b a u e n. Es werden bereits Baracken errichtet, dev Schutt fortgeräumt und die Besitzgreuzen «eit markiert. Es sind 100 Personen verletzt, aber uiemand getötet worden. Auch die 400 Insassen des Krankenhauses konnten sämtlich in Sicherheit gebracht werden. Die Negierung läßt Brot, Reis und Kleidungsstücke unter die Bevölkerung verteile.n. und nreinte, daß eine etetscheidettde und dauernde Besserung unserer Verhältnisse nur von einer allgemeinen Konsolidierung Europas erwartet wevde-n könne, die sehr laitgsanr vor sich geht. Der hohe Stand der Arbeitslosenzahl erweise, daß die tne-isten Branchiein unserer Judustvie nur einen relativ geringen Prozentsatz . ihrer Kapazität ausuützen können. Hätte die Industrie ihre Erzeugung der tatsächlichen Absatzmöglichkeit. anaepaßt, so hatten wir vielleicht einen noch höheren Arbeitslosenftand zu beklagen. Sie ist aber, soweit es nur geht, bemüht, auf Vorrat z.u arbeiten. Solange es uns nicht gelingh neues Kapital in die Kanäle unserer Wirtschaft zu lleiten und damit den Zinsfuß hevUlNterzndrücken, haben wir wenig Aussicht auf eine wesentliche Verminderung der Prodtlltio'nskosten. Einige Wirkung in dieser Richtung wird der Herabsetzung der K ö r pe rs ch a f t s- und E r w e r b st e u e r zukommen. Im Gegensatz zu vrelsach verbreiteten Ansichten müsse fostgestellt werden, >datz die technische A u s r ü st u n g u nse r e r Indu st r i e im allgemeinen eine vorzügliche ist und nur in wenigen Branchen einer Neugestaltung. bedarf. Wenn die Industrie >da oder dort den Produktions-- progeß nicht den höchsten Ansordevungen' enffprechend gestallten kann, so liegt das in finattziellen Ursachen, Diese Schiwierigkeiten werden aber nicht ewig.dauern. Schon jetzt zeige sich eine, wenn auch nur ganz leichte Entspannung auf dem Kapitalsmarkt, von der vielleicht in absehbarer Zeit eine Verbilligung des Leih gelbes erwartet werden kann. In der Debatte verlangte der Ehristlichsöziale Heu» b e r g e r die eheste Aufhebung der Holzausfuhrabgabe, die eine schwere Bellastung >der Hohziudustvie >darstelle. Abg. S k a r e t galb der Berntutung Ansdruck, daß die angeküudigte Reform der Geb ä udeve rwaltung mit ^der Berufung Dr. Horniks zum Präsidenten des Rechnungshofes in Zusammenihang siehe, von der fetzt die Rede, ist. Die Gebändeverwaltnng sei unter «der Leitung des Dr. H o r n i k zu einem der tranrigsten Kapitel geworden. Während des Krieges sind 9 6 E i n m i e t $ ritz en, die sich auf nngsfähr 10 00 Wohnräume erstrecken, durch die einzelnen Ministerien Vollzöget: worden. Anstatt rmn der wvhrin>ttgssnchertderr Bevölkernttg diese Wohnnngert zttrückzugeben, wurden sie von Dr. Hornik politischen Vereinen und industriellen Konzernert zngeschanzt. Bezeichnend ist auch der schon tviederhoilt besprochene Fall der N o r d i s ch - ö st e r r eich i s ch e n B a u k. Schließlich machte der Redner darauf anism'erksam, daß der T h e s e n s t e m p e l rtach den: Ausspruch von Fachmännern sehr baufällig ist und daß, wenn rticht die Gebrechen bald behoben werden, die B es n ch e r d e s B o l k s g a r t e n s gefährdet sind. Nächste Sitzttng: Montag nn: 3 Uhr nachmittags. Gesandter Bomcart abgereift. Der bisherige Gesandte der Schweiz in Wien, Charle) Daniel B o n r c a r t, der seit dem Jahre 1915 die Schweiz in Wien verirrten hat, ist gestern abends mit seiner Frau vom Mestbahnhyf a b g e x e i ft,