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Wiener Morgenzeitung · 1925-03-20 · Heft 2184 (20.3.1925) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2184 (20.3.1925)
Date
1925-03-20
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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[Menilft tfroszvf Wien: Zum Abholen in der Expedition, IL, Taborstr. 1-3, oder in einer Verschleisstelle 'Tratlki monatl. 5 Schilling Strassenverkaul in Wien durch die Kolporteure der Firma Ool dschmied, »., Wollzelle 11 Mit Postversand fitr Wien und Oesterreich monatlich 5 Schilling Tschecho-Slowakei: Mon. K22. Jugoslawien: Mon.Din. 60. Polen: Mon. 4 Zloty. Deutschland: Mon. Om. 4, Frankreich, Belgien: Mon. Frcs. 18 Naeluahiaiiaea bet Prell* erhAhniigea Vorbehaltes Wiener nniinmiiniiftnmiint*) S1RVM% azzothI seiiid di« hatten M» 3 c 1. Beslrk, RofensiernXasse 11 s ~ Telephon 47-7-17 a 3 Erzeugt unter de' A >ht des a a weltberühmten orthodoxen a a rabbiners CHAlit. JISCHAK a JERUCHEM aus . dt. -tiiiP'iiiiiiüiiiiiiiiimiiiiiiiiiiiiiiiiiiimMiij I Preis 20 a England: A*on. 4 Schilling, Ital i en: Monatl. 18 Lire, Rumänien: Mon. 170 Lei, Bulgarien: Mon. 80 Lewa, Schweiz und das übrige Ausland monatlich Frcs. 5 Redaktion. Administration: Wien, II.Taborstr.l Telephone: 44*0-38,43-3-19 Ab 6 Uhr: 21-102, 25-2-82 IX., Universitätsstrasse 6-8 (Druckerei lg. Steinmann Oesterreichisches Postsparkassen-Konto Nr. 150.693 «r. 2184 Wien. Freitag, 20. Milk, 1921 7. ilafirnottfl Litauen fürchtet sich. —y. W i e n. 20 März. Der litauische Staat, besten Freiheit und Errettung aus dem Zusammenbruch des Zarismus eines der schönsten Resultate des Friedenswerkes war, hat sich wenig dankbar für das Geschenk der Geschichte gezeigt. Es ist so, als wollte er alles, was die litauische Bevölkerung unter der Herrschaft der russischen Staatsidee zu erdulden hatte, nunmehr in seine Praxis aufnohmen. Der neue Staat steht fast vollständig unter dem Diktat der Chauvinisten, und erst vor kurzem vereinigten sich die polnische, deutsche und russische Minorität im Kownoer Sejm zu einer Kundgebung, in der sie über die Verletzung der ihnen durch den Friedensvertrag verbürgten Rechte scharfe Beschwerde erhoben. Am hemmungslosesten tobt sich der Haß der litauischen Staats- Patrioten gegen die jüdische Minderheit aus. die durch die gewaltsame Auflösung ihres Nationalrates der repräsentativen Vertretung beraubt und durch das Gesetz über die obligatorische Sonntagsruhe wirtschaftlich geschädigt wurde. Dieses Gesetz hat zur Folge, daß die Judenschaft, die in ihrer Mehrheit konservativ-religiös gerichtet ist, zwei Tage in der Woche feiern muß. Dieser Umstand ist der Regierung wohl bekannt. Aus einem am 15. März im Deputiertenrat des englisch-jüdischen Gemeindeverbandes erstatteten Bericht des Generalsekretärs Lucien Wolf geht hervor, daß die litauische Regierung bei ihrer Resistenz verharrt. Sie versteckt sich hinter die üblichen Phrasen von der demokratischen Verfassung und leistet sich noch außerdem eine Verhöhnung der jüdischen Beschwerde, indem sie sie vor den Völkerbund verweist. Sollten.sich die Juden unterstehen, diesen SSfeg . ZU gehen» so würden sie daheim erst recht als.Vaterlands-: Verräter beschimpft und unterdrückt werden. Es konnte bei dieser Haltung der offiziellen Stellen tricht fehlen, daß die jüdische Wanderung aus diesem neuen Staat größere Dimensionen annahm. Wir haben erst am Dienstag nach der Wiener Politischen Korrespondenz berichtet, daß achttausend jüdische Palästina- Wanderer aus Litauen die Einreisebewilligung nach Crez Israel erhalten hätten und daß sie in Gruppen landen würden. Das läßt auf eine sehr tiefgehende Bewegung schließen und dies gibt auch selbstverständlich den Litauern viel zu denken. Das Regierungsorgan „Lietuwa" weist aus die Gefahr hin, die sich aus dieser Bewegung fiir den litauischen Staatshaushalt ergeben würde. Solche Besorgnisse sind in der Tat nicht unbegründet und es wäre nur gut, wenn man in Litauen und auch anderwärts über die wirtschaftliche Seite des Judenhasses Nachdenken würde. Litauen ist in seinem ökonomischen Leben durchaus nicht so gesund entwickelt, daß es ohne Schaden das Fehlen eines so aktiven Elementes ertragen könnte. Das Geschästsleben ist in seiner Freiheit noch viel zu jung und es fehlt ihm der Ersatz für das große russische Hinterland, das es ehedem hatte. Das Rogierungsorgan tritt nun nicht etwa dafür ein, ein freundschaftliches Verhältnis zu den Juden herzustellen und daran zu denken, daß auch die Abwandernden sich nicht völlig aus den alten Beziehungen lösen und immerhin als Konsumenten für die Zukunft in Betracht kommen, mit deren Anhänglichkeit und Kaufkraft eine vernünftige Politik zu rechnen hätte. Die „Lietuwa" führt aus, im Vorjahr seien tausend jüdische Personen mit eineni Durchschnittsvermögen von fünfhundert Pfund ausgewandert, was demnach fiir Litauen einen Verlust von 25 Millionen Lit. bedeutet. Da sich nunmehr weitere und sogar Tausende von Juden zur Ausreise nach Palästina vorbereiten, drohe eine Wirtschaftskatastrophe. Um ihr vorzubeugen, schlägt das Blatt vor, es sei ein Gesetz gegen die Kapitalsflucht oder die Einführung einer hohen Steuer für Auswanderer vorzusehen. Dieser Vorschlag ist beiläufig der gleiche, den die deutschen Hakenkreuzler in ihren unterschiedlichen Anträgen auf Erlassung einer Judenordnung machen. Sie verlangen die Generalausweisung der Juden unter gleichzeitiger Konfiskation des Vermögens. Herr v. Kahr hat Aehnliches vor zwei Jahren in Bayern getan. Allerdings mit der Wirkung, daß im Ausland sofort Repressalien einsetzten. Man. muß bedenken, daß in dem zitierten Blatt die Regierung spricht und nicht irgend ein Feld-, Wald- und Wiesenantisemit. Und wenn eine Negierung einmal solche Gedanken ausspricht» dann glaubt sie wohl auf eine starke Unterstützung in den Massen zählen zu können. Sie hat daran mitgewirkt oder es geduldet, daß in ihrem Volk der Freiheitsgedanke herabgewürdigt und in Sie 8elM Agency. Eine allgemeine jüdische Konferenz in Polen. Warschau, 18. März. (I. T. A.) Einer Einladung des neugeiwäihlten obersten Komitees der Zionisten ganz Polens folgend, versammeltem sich Vertreter verschiedener jüdischer Organisationen zu einer Beratung, in welcher die Frage der Einberufung einer Pro- Palästina-Konferenz aller Juden des Landes zwecks Entscheidung über die Frage der Teilnahme der Nichtzionisten au der Jewish Agency diskutiert wurde. Es »wurde beschlossen, in kurzer Zeit eine zweite erweiterte Vevtreterkonserenz alguhalten. Diese Konferenz wird ein Kcmrtee einsetzen, welches den W a h >l m o d u s und das Programm der Pro-Paläjskina-Konfevenz zu bestimmen haben wird. Gerüchte über Herbert Samuel. Der New - Aorker Korrespondent des „Jeiwish Chronicle" berichtet seinem Blatte, daß die amerikanischen Zion'sten während der Anwesenheit Dr. Weizmann's in Amerika auch die Frage des Rücktritts Herbert Samuels mit ihm besprochen haben. Wie der Korrespondent erfahren haben will, soll Dr. Weizm a n -n erklärt haben, daß alle Bemühungen, Sir Herbert Samuel zum Verbleiben zu bewegen, vergeblich -waren, da Samuel ruhebedürftig sei. Ebenso sollen die von derschledenen Seiten beim Colonial Office osn achten Vorstellungen, Herbert Samuel zum Verbleiben zu bewegen, sich als erfolglos erwiesen haben. da der Kolom'ialrniiwister A m e r y der Meimumg ist, Palästina bedürfe jetzt nicht eines Obevkommisiars von hohen politischen oder dramatischen Fähigkeiten, sondern nur eines guten H'e r wa l t e r's.' Im AmerM treten die Zionisten sehr stark für das Verbleiben' Samuels ein i Und Halen ihre Anschauung Dr. W e i z m a nn und Kolonel Kisch zur Kenntnis gebracht. Mit Rücksicht auf die Erklärung Sir Mfved Monds, daß die Jewish Agency über die Frage eines neuen Oberkommistärs befragt werden wird, lbenützten die amerikanischen Zionistm.den Besuch Dr. Weizmanns, um ihren Einfluß geltend zu machen. Die Erklärungen Weidmanns und Kisch' waren jedoch außerordentlich vorsichtig. _, Englische Regleruimsmitglieder im nahen Sften. Besuch im Irak, in Aegypten und Palästina. ' London, 19. März. (Del.-Komp.) Ter Kolomenminister Amery und der Luftschrffahrtismiimster Samuel H o a r e begaben sich heute aus die Reife nach dem Irak. Sie wollen dort Persönliche Informationen über die militärische Verteidigung des Landes und seine finanziellem und wirtschaftlichen EntwicklungAmöglichkeiten Anziehen. Die beiden Minister werden sich sodann nach Port Said und Bagdad 'begeben und hierauf die Rückreise über Jerusalem und Kairo antreken. Die Irak-Grenze. Genf, 19. Adärz. (Schweiz.--Dep.°Ag.) Nach einer Mitteilung der Untevsuchungskomm'ission des Völkerbundes für die Grenze des Irak schreiten die Arbeiten der Kommission in zufriederistelten'd'er Meise fort. Sie gedenkt, Mossul Ende März verlassen zu können. Ler amerikanische Senat gegen Soolidge. Eine neue Niederlage des Präsidenten. Paris, 19. März. Wie aus Washington gemeldet wird, hat der Senat vor seiner gestern erfolgten Vertagung dem Präsidenten Coolidge eine neue Niederlage bereitet, indem er der Ernennung Woodlocks zum Vorsitzenden der Kommission der Staatenvertreter seine Bestätigung versagte. Daraus gehe hervor, daß die Republikaner trotz ihrer 55 Sitze im Senat nur aus 45 Stimmen rechnen können. Die Gruppe B o r a h, unterstützt von der Gruppe La so leite und anderen radikalen Senatoren, habe stets mit den Demokraten gestimmt, wenn es sich um eine Kampfabstilnmung gehandelt habe. sein Gegenteil mngewandelt tvurde. Die neuen Staaten sind sämtliche, in Ostwie in Mitteleuropa, die Erfüllung >der Sehnsucht eines bis dahin wehrlosen Minderheitsvolkes. Sie alle a'ber ahmen das Beispiel ihrer Unterdrücker nach und am stärksten ist ihre Sünde Ser Tenor der 6uza>Studenten. Der Prozeß gegen den Präfektenmörder der» tagt. — Ansschreitunoen in Foesani. Budapest, 19. März. Wie das Ungarische Telegraphen-Korrespondenz-Bureau aus Bukarest meldet, hat heute vor dem Schwurgerichtshof in Foesani der Prozeß gegen den Universitätshörer Zelea- Code e a n u, der den Polizeipräfekten von Jassy, M a n e i tt, getötet hat» begonnen. Mit dem Hauptbeschuldigten sind noch vier Hochschüler angeklagt. Nach der Verlesung der Anklageschrift wurde die Verhandlung bis Mai vertagt, da eine Reihe von Zeugen nicht erschienen war. Ueber den Antrag der Verteidigung auf Freilassung Zelea-Codreanus wird der Gerichtshof morgen entscheiden. Nach einem wetteren Bericht soll es nach Schluß der Verhandlung zu Ausschreitungen gekommen sein, in deren Verlauf jüdische Geschäftshäuser geplündert und die Synagoge und die jüdische Schule zerstört worden seien. Als über Anforderung Militär aus Bukarest erschien, hätten sich die Demonstranten zurückgezogen. Es werden 89 Verhaftungen gemeldet. Das Theater und die Vergnügungsetablissements sind geschlossen. Berlin, 19. März. (Tel.-Komp.) Die Zahl der Karrdi» baten für die Re ich spräsi dentischaft hat sich in letzter Stunde noch um 'einen Kandidaten vermehrt. Tie. Tonische Auswertungs- und AuMupartei iw Halles hat den Senatspräsidenten beim Reichsgericht , in Leipzig Doktor Sobe für die Reichspräsidentfchaft kandidiert. Ludendorff darf nicht. Berlin, 19. März. Die Parteiexekutive 'ber Teut'ch» völkischen hat beschlossen, von einer Sonderkandid a t u r im Interesse ber Kandidatur Dr. Iarres ä bzu sehen. Damit ist Ludendorffs eifriges Werben um die Kandidatur ergebnislos goblieben. Sr. Marx legt die Kabinettsbildung zurück. Berlin, 19. März. (Wolfs.) Wie die Pressestelle des preußischen Staat'sminrsteriums mitteilt, hat Ministerpräsident Marx den Auftrag zur Bildung des Kabinetts zurückgelegt. Die Fraktionen des Landtages sind sofort zusammongetreten, um sich über ihre Halbung schlüssig zu werben. Zur Stunde ist ein neuer Kandidat, für den sich eine Mehrheit ergeben könnte, noch nicht gesunden. Die Neuwahl des preußischen Ministerpräsidenten wird voraussichtlich bi's nach der WM des Reichspräsidenten auf den 31. März vertagt werden. Ser deutsche Menbahnerstreü beendet. - Berlin, 19. ffliär.. (TÄ.-Ännp.) T«r Streik der Eife nbah narbe i ter hat heute sein Ende gefunden, indem das Reichsavbeitsministeriilm den Spruch des Schiedsgerichtes für v e r b i n d l i ch erklärte. Damit werden «die Forderungen der Gisenbahnarbeiter erfüllt. Die Arbeit dürfte noch im Laalfe dieser Woche überall ausgenommen werden. Die Eifenbahnerorganisationen haben nach einer 'heute nachmittags abgehaltenen Beratung an ihre Mitglieder den Aufruf erlassen, die A r b e i t sofort wieder aufzunehmen. Sie Rrairruna de» Schwerludnstrie. Ein Mißtrauensvotnm gegen Luther. Berlin, 19. März. Der Reichstag hat den Not» etat für 1925 in zweiter Losung angenommen. Die dritte Lesung erfolgt morgen. Bei der Beratung des Notetats brachten die komnm» mstischen Redner gegen die Reostrurrg einen Mißtrauensantrag ein, über den morgen abgestimmt werden wird. an den Ju'den, an denen sie so handeln, wie an ihnen gehandelt wurde. Aber sie vergessen die Lehre ihres eigenen Schicksals. Der Haß ist nicht staatsbildend und nicht staatserhaltend. Litauen mag nach Rußland sehen. Noch keinem Staat hat der Antisemitismus Nutzen gebracht.

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