Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2178 (14.3.1925)
- Date
- 1925-03-14
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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’fc. V 717 ww 7|PT^3- Wien: Zum Abholen in der Expedition, II.. Taborstr. 1-3, oder In einet Ver schlelssf eile 'Trafik monatl. b Schilling Strassenverkatn in Wien durch die Kolporteure rer Firma Goldschmied, .. Wotlzeile 11 Mit Poslvcrsand für Wien und Ges erreich monatlich 5 Schilling Tsch echo-Slowakei: Mon. K 22. Jugoslawien: Mon. Din. GO. Polen: h'.on. 4 Zloty. Deutschland: Mon. Gm. 4. Frankreich, Belgien: Mon. Frcs. 18 Naehzah'on eo oel I r 1 rerb Ahausen Vorbehalten Sir. 2178 Wiener orgen?eitung I Prot« «0 i England: a on.4 Schilling Italien: Monatl. 13 Lire^ Rumänien: Mon. 17) Lei, Bulgarien: Mon.80Lewa, Schweiz und das übrig* Ausland monatl ch Frcs. t Redaktion. Administration: Wien, n.Taborstr.t Telephone :44-C-38,43-3-19 Ab 6 Uhr: 21-102, 25-2-82 IX., Universitätsstrasse 6-8 (Druckerei I?. Steinmanni Oesterrefchlsches Postsparkassen-Konto Nr. 150.693 «ie». 6liw»ttti. 14. ans» 1925 7. Sahraonq '^-vertagt. Ter Beschluß des Mkerbuudrales. (Eigendienst der „Wiener Morgenzciumg".) Genf, 18. MTrz. An der Heutig?» Vormittags, sitzuna d:s Tölkervundrates lete der tschecho-flswattsche Außenminister Dr. B e n e s ch d'e Stellung seiner Regierung zu den E klär, nqen des britischen Ä ßenministers CHamberlain über das Protokoll dar, das die Tschecho Slowakei als einziger Staat nicht nur unterzeichnet, sondern auch ratifiziert habe. Er erklärte, daß die Tsckccho-Slolvakci nach wie vor dem Protokoll treu bleibe. Er sei von vornherein überzeugt gewesen, daß das Werk unvollkommen sei und glaube deshalb auch, daß die Ein wände Chamberlains zum Teil durchaus berechtigt seien und volle Würdigung verdienen. Was die Ablehn'ng der obligatorischen Schiedsgerichtsbarkeit mit nn'.versellem Geltur *'Scrddj Letti'st. sek d'cse St llungnahme natür^'ch sehr ernster Rattrr. Besonders die lleinen Staaten, die nur Frieden und Sicherheit snchen. hatten sich der Idee freudigst zuaewendet. Immerhin s.i eine rigorose Anwendung des Prinzips schwer durchführbar. Eines der f-auptverdienste des Protokolls bleibe, datz es gewiss? ernste Lücken des Völke'bundpaktcs auslülle. So vermindere es die Kriegsgefahr bedeutend. M't besonderer Genugtuung begrüßt: Dr. Benesch schließlich die Aufforderung Chamberlains zum Abschluß regionaler Gürantievertrage, die, yhne di: Traiwcite des Protokolls zu haben, gleichwohl von. dessen Ideen inspiriert waren. Dr. Benrsch beantragt? sodann eine Resolusim, wonach das britische Expose zum Genfer Protokoll der sechsten Jahresversammlung deS Völkerbundes überwiesen und der Generalsekretär beauftragt wird, es auf die Tagesordnung dieser Versammlung zu setzen. Der Völkerbundrat schiebt die Vorbereitungsarbeiten für dse geplante Abrüstungskonferenz bis zur Aussprache in der Jahresversammlung auf. Der Völkerbundrat nahm diesen Antrag einstimmig an. Minister CHamberlain versicherte dir Bereitschaft Großbritanniens, an der Lösung des SicherheltsproblemS Mitzuarbeiten. Ter völkerbundrat vestat'gte die Mitglieder der Resierungskommifsion deS Saargebietes für ein wcitrres Jahr und das sranzöstsche Mitglied Na ult als Präsidenten. Ferner lehnte er den schwedischen Antrag betreffend den jährlichen Wechsel des Präsidenten ab, webet er sich die Handli nqssreiheit in der Wahl desselben vorbeh'clt, worauf der schwedische Vertreter sein Einverstandn'S erklärte. Das Schweizer Gesuch betreffend dir Ernennung eines schweizerischen Ver1r?te*s in die Kommission z"r B ekampfnng des Mädchenhandels sowie für den K l n d e r s ch u tz wurde vom Völkerbundrat gleichfalls a b g e w i e s e n. Sonach ging der Rat zur Behandlung der Danzig er Frage über. Der Berichterstatter, Quinones de Leon (Spanien), erklärte, der Rat s i fest entschlssm, a'ch die Rechte Polens gegenüber Danzig «ntsprcchrnd zu wahren. Die Zukunst Danzigs ist eni an diejenige Polens gebunden und jeder Antagon'smis zwischen Danz'g und Polen müsse durch gcgenseiti'e Bemühungen, sich zu verstehen, unh sich in der Arbeit für die Entwickln ng d e 8 H a f e n s zu finden, zum Besten drr bc den Länder verschwinden. Der Berichtet patter ersuchte sch^i ßlich de» Rat, vorläufig unr dafür Sorge tragen zu wollen, »aß nlchksstn hem Oerhqljnrs. Mischen Danzig <«nd. Polen geanhrrt:üntz jede „direkte Aktion" vermieden werde. Der Berichterstatter kündigte für di: nächste Session des Rates im'3stqi.neue desintt've Vorschläge bezüglich des Konflikts zwischen Danzi^ und Polen an. Der LZelegierte Polens, Außenminstex Graf S k r z y n s k i, und der Präsident des Senats von Danzig, Sahm, erklärten, sie seien mit der Entsch-idung des Rates e i n v e r st a n de n, wonach der Oberkommissar d s Völkerbundes in Danzig zu besinden habe, ob eine „direkte Aktion" vorlirgt oder nicht. CHamberlain und Herriot. Paris, IS. März, (^avas) G.le-entl'ch der Rückreise Chamberlains aus Genf wird kommenden Montag am Quai d'Orsay zwischrn ihm und dem Ml-' nisterprasidenie« H e r r i 01 eine neuerliche Zusammew kunft stattfinden. Sie ainelikanischen GetreidemSklt;. New-Aork, 13. März. Auf den amerikanischen Getreide markten trat hrute ein außerorde ntlich starker Rückgang ein. In Chikago büßt:« die Wcizenprci.e bis über 14 Cents, die Mr'.Spretse über 7 Cents, d'e Haserprcise mehr als 6 Cmts und die Roggenprei'e bis über 1(! Cents pro Vnshel e n. Auch in N e w-?)ork sollten sich die W.izrnpreis: bis 15 Cents nnd die MaiSpreise um über 7 Cents niedriger. Sie Tvrlei und Fn«vslawkn. (E'geudi nlt der „Wiener Morgcnzeitung".) Belgrad, 13. März. Gestern -wurden die seit b:m Jahre 1914 mit rbr. cher.err diplomatischen Beziehungen zwischen Jugoslawien, und der Türkei offiziell wieder ausgenommen. Der Polnische Gesan-die in BÄzrad, der bilcher mit der Vertretung d r türkischen Interessen in Jugoslawien betraut war, teilte d:r Regierung mit, daß er seine Funktionen niederl ge, da die Negierung von Angora ihren Belgrader Konsul, Tafir Lutfi Bei. von nun ab <i*s ihren diplomat'.sch.'n Ber- Lreber bei der jugcslato'.'chen Regierung Letrachie. Die jngcslawischi: Negierung gab herauf die Erklärung ab. d.iß sie ihren Vertreter in Konstantinopel. Trajan Zivkovic. zum diplomattschen Vertreter des Königreiches S. H. S. bei der türkischen Negierung de sign i. re. Dertranensvolum M Muffvlknir Ünnenpolitik- (Eioendi'nü der „Wiener Morgcnzeitmvz".) Rom, 13. März. (Tel.-Komp.) In der gestrigen Kammrevsitzung, in der Federzonr d'i-e I n n e n P 0 l itik der Negierung verteidigt halie. wurde di-che von der Kammer mit großer Mehrhe-it gebilligt. Dagegen stimmten nur 20 Abgeordnete, darunter O r- I a n d 0, S o l e r i. Caspars t t 0 und andere Liberale sowie die KrivIsteitnesmer. Giolitti hatte den Sitzungssaal verlassen, als Federzoni das Wort ergvi'sf. Sie Wahlen in NeaMen. (Eigend.i mt der „Wiener Morgenzeilunz".) Kairo/ 13. Marz. Nach den l<tzien Molid.mgm aus der Provinz sind die R.suiitaie der Unter h a u s w a h l e n folgende: Z a g h l u l i st e n 80, andere Parteien 98. II R-esultaie aus fünf Mach kreisen, i>n denen das SiimmenvrvchLltnis noch zwei selb ast ist. sind noch amständig. Z a g h l ul Pascha ist mit 173 geg?n 10 Stimmen getvächlt worden. Auch dar bisherige Atiuistcvprästdent Ziw x Bascha wuvdc gao-ästit. Das alte Unterlans hatte folgend: Zusammen.sttzwng: Zagchlubisten 170,' Liberale 21. Nationalisten 2, verschiedene andere Parteien 15. ZaMuli'stsn ha'len somit einen furchtb'-ren Verlust zu verzeichnen. Geger'wärt'g steht .noch nicht fast, oh sie i,m Unterhaus die absolute Mehrheit besitzen ioerden. 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Selbst aus den sorgfältig redigierten Berichten war zu erkennen, daß hier keine augenblicklichen politischen Differenzen bestehen, sondern eine tiefe Kluft der Weltanschauungen, und der Oesterreicher, der das ganze Jahr hindurch mit den Lohnstreitigkeiten bei der Wiener Straßenbahn oder mit den Berichten des Generalsekretärs über den Abbau der Weichenwärter geplagt wird, konnte neidisch auf die französischen und englischen Delegierten blicken, die in Kontinenten denken, und deren Neben den Interessen eines gegenüber den Kontinentrepubliken so ungeheuer überlegenen Wirtschaftsgebietes entsprechen. Die Weltkarte rollt sich auf, wenn CHamberlain gegen Briand diskutiert, und es ist selbstverständlich, daß eine Tagung des Völkerbundes in Schwierigkeiten kommt, wenn die waffenklirrende Frage der Abrüstung aufs Tapet gebracht wird. Es ist billig, wenn die deutsche Kriegspresse dem Völkerbund Unfähigkeit and'.chtet. Die Frage, um die es geht, ist der Abgrund, in dem das Leben, das Glück. und die Arbeit von Millionen Menschen verschwunden ist und noch verschwinden kann. Die besten Köpfe der Menschheit haben sich diesem Vrobtem gewidmet, und alle ihre Arbeit war, nutzlos und spurlos vertan, als der Chauvinismus seine Hand hob, als die Kanonen zu brüllen begannen. Die Idee des Friedens kann sich nicht entwickeln. Sie wird auf ihrem Gange immer wieder durch den Krieg unterbrochen, und selbst die Pausen zwischen den Schlachten sind durch Nüstungen, durch die Nachcgier unterbrochen. Alle Völker haben darunter gelitten. Sie haben für die Streitigkeiten der Individuen ein geregeltes Gerichtsverfahren geschaffen, aber selbst diesen Modus n'cht in die Gehirne verankern können. Trotz einer viel tausendjährigen Arbeit wird gestohlen, gewuchert und gemordet. Zur Neaelrng der Venebungcn aller Teile der staatlichen Gemeinschaft sind Parteien und Parlantente geschaffen worden, aber die Feindschaft der Ansichten und Meinungen konnte trotzdem bis heute d'e Exzesse nicht ausschalten. Wenn immer wieder selbst in verhältnismäßig kleinen und begrenzten Gemeinschaften die Ordnung des Rechtes durch Rückfälle in die Barbarei sabotiert wird, so ist es wohl die schwerste Ausgabe, ganze, große Gruppen der Aieuschheit miteinander in Harmon'e?u setzen und sie dazu;u bringen, ihre Konflikte friedlich tei'ulcgen. Diese Aufgabe ist nach dem letzten Kriege?u einer fast unübersteiglichen Höhe gediehen. Sie w'rd erschwert durch die falsch konstruierten Friedensschlüsse, durch die rechtlos gemachten Minoritäten, durch den Imperialismus der Großen, der sich noch immer nicht sattgefresscn Fraiiiahrs-NeutieitenMi Schiffmann II. Taborslra^e 43 ln rroi e» <*<£1311 ß tiTtnii-irrrinflr-**umi > wtattfcafteuattäLi vtsifun 1970 535348234848535348235353482353232323482348484848 75185743791546396 2 913153484848485323484823484848