Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2177 (13.3.1925)
- Date
- 1925-03-13
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Wien: ZtunAbholen Inder Expedition, II.. Taborstr. 1-3, oder in einer Verschleisstelle 'Trafik monatl. 6 Schilling Strassenverkaui in Wien durch die Kolpot teure der Firma Goldschmied, Woli2cilc 11 Mit Poslvcrsand itir Wien und Oes.crrcich monatlich 5 Schilling Tschech o-Slowakei: Mon. K22. Jugoslawien: Mon. Din. 60. Polen: Mon. 4 Zlotv. Deutschland: Mon. Gm. 4, Frankreich, Belgien: Mon. Frcs. 18 N«chs«h*an -'en net P r e * u erhAhon-ea rot behalfen «k. 2177 _ . . Wiener Morgenreitung Men. Fkeira». iS. Mn i»rs Ml*imm***V * i * \im OhfiaWiri. mäKüilUfittäk t rniiti'uiSMHkM'i iWii'iii i<*rWii I Qraia mwl fco-rland: .* on.4Sehillin?, 3t a 1 i e n: Monatl. 13 Lire, Rumänien: Mon. 171 Lei, Bulgarien: Mon. 80 Lewa, Schweiz und das übrige Ausland monatFch Frcs. 5 Redaktion. Administration: Wien, II.Taborstr.l Telephone: 44-0-38,43-3-10 Ab 6 Uhr: 21-102, 25-2-82 IX., Universitätsstrasse 6-8 (Druckerei 1?. Steinmann Oesterreichisciies Postsparkassen-Konto Nr. 150.693 7. öilstroanq England gegen dar Genfer Protokoll. Sbamberlaln für SoudergarantteverttSse. — Frankrelch hält am Protokoll seit. Genf, 12. März. Heule vormittags fand ke große Sitzung des Völkerbundrates statt, rn der tr:-ch emem einleitenden Re'erat des tschrcho-sioNxrki'chrn Außenministers Dr. Be ne sch Chambcrlain seine ange- Lündigte Erklärung zur Frage des Genfer Friedensprotokolles a-'.gab. Die Erklärung ks engüsth-en A'ußemninisters bestand zunächst in einer eingehenden Kritik des Genser Protokolls, das die eng ische Negierung nicht <r's eine passende AuL-sührungdbcstimm'.vng zum Vö'ikervundi'M anerkennen könne. Sie schließe sich vidimehr denjenigen an, die erklärten, daß mit diesem Protokoll ein ganz neue System der F iedenssicherung geschaffen werde. Dieses System aber lehne die englische Regierung ab. Jnsbe andere kritisierte C>l'a>mlberlain die Bestimmungen des Protokolls, wö'che jede militärische Vorbereitung vorn Moment des Ausbruches des Konfliktes an verhindern wollen. Daidttrch stehe es dem Angreifer frei, den Augenblick zu bestimmen, in dem er den Kons.'ikt entstffeln will. Venn nun die Verreibung der Strettkräfte seinem Plane günstig ist, so kann er kr. Konflikt provozieren. Bon diesem Augenblicke an wäre das Opfer des Angreifers nicht mehr in kr Lage, Pertu'rdigungslrvaßnai^men zu ergreifen. Poch schwerer sei die Situation, wenn es sich um eine Seemacht lMklte. - Die Etndrmgrich^iL, mit. 8-e r Zra n ir^nißr,. chsekr von Sankt i o n e.U'-Meche, rmd die ÄnsaErtmtg einer ganzen milttärischen Prozedur, dvange gsrakM den Gedanken ans, daß das wcsenilrchste ZiÄ des Dölkerbunks nicht so sehr das sei, eine freurrdschaftliche Zusammenarbeit und eine Harmonie in kr Führung kr internationalen Angelegenheiten ztr enttvickeln, ckls kn Frieden durch Organisierung des Krieges anisvecht zu erhalten. Wenn man den besonderen Fall aunehme. daß der A ngreifer.außerhalb des Völkerbundes stehe, so erscheine k:i['C Schwäche ks Protokolls noch kutlich:r. Ghamberlain führte weiter aus, daß die brili'che Regie vuirg glaube. Beweise zu halben, daß das Protokoll k e i n e g e n ü g e n k Sicherheit gc'be. Es steigere die Verpflichtungen und die BeraniiwortlickMi jedes Bölkerbu-ndsmitglieks. aber es tue nichts, um die kraus folgenden Lasten bester zu verteilen. Die Hüfte Lösung «räre, kn Pakt in gmie-msanter Arbeit mit dem Vö'kcrbund durch besondere Abmachungen z» ergänzen, wie es kn be onkren Notwend'gkeiten entspreche. Es verstehe sich von selbst, daß dieses Abkommen nur einen rein defensiven Charakter haben dürfte und Las es im Geiste des Völkerbundpaktes abgefaßt und ktrchgeführt werden müßte. Er schloß mit der Aufforderung zum Abschluß von Sondergarantievertragen zwischen denjenigen Nationen, bei denen ein Ausbruch blutiger Konflikte!x sonders wahrscheinlich sei. Endlich wies Chamtberlain Lar..iuf hin, daß aus dem telegraphischen Gedankenaustausch mit kn Dominions und mit Indien mit aller Bestimmtheit hervorgegangen sei. daß auch die Regierungen kr Dominions das Protokoll nicht a n n e h m e n können. I-n der Nachmittagssitzung ergriff kr französische Delegierte ■ ■ ■ ■ Briand das Wort, um auf die Erklärungen Chamberlarns zu erwid>ern. Sicher wäre es wünschenswert, erklärte Briand, «wenn man kn Freden sichern könnte, ohne an kn Krieg zu denken. Aber leider nruß sich eine Institution, die für kn Frieden besteht, auch mit kn.Mitteln kfassen, die zur Vermeidung des Krieges geeignet wären. Das Wichtigste in km Protokoll ist, daß es endgültig kn Krieg als internationales Verbrechen erklärt mvd denjenigen, der eiWMKvi-eg vom Zaune bricht, für einen Verbrecher. Man kann gewiß sagen, daß der BMevbunb beinahe ein Jnstruinent für kn legitimen Krieg ist, aber nur zu dorn Zwecke» um den Angriff zu verhindern. Briand erklärte feierlich, F r a n k r e i ch h a l Fe a u d e m P r o t o k o l l fest, wügeve sich jedoch, in keiner Weise an einer Diskussion zwecks Verbesterung des Protokolls teilzunohmen. Frankrelch sei auch nicht ab» g-neigt, das System von Sondergarantieverträgen zu prüfen, falls dasselbe innerhalb ks Rahmens ks Völker butt des verwirk!' chL tvnd da-dttrch keine Nation geoh-sert wird, die wie alle Nationen ein Recht aus L'.iben besitzt. Zum Schluffe seiner Rede appellierte Briand an 'olle Mächte, die an kr Aufstellung ks Genfer. Protololles Mitgewirkt haben, und verlas hierauf eine offiziell e Erkärnng des sran-Mschen Ministerrates, die den Standpunkt Frankreichs kur; darlegt. D:r italienische Delegierte Scialoja sprach sich für Ergänzung des Völkerbundv.'ikws durch Spezialabkommen defensiven Charakters für besondere Not -erdigikelten aus. Nach Erklärungen kr übrigen Rats Mitglieder iwürde die Sitzung auf morgen vertagt. Der tschech.'-slowakische Delegierte B e n e s ch it>irb~ itt einer kr nächsten Sitzungen ks Rates eine Resolution zur Frage ks Genfer Protokolls ciubringen. Der garantierte Krieg. -y. W i e n. 13 März. Der englische Außenminister hat in Genf das Abrüstungsprotokoll, das im Vorjahr unter tausend Schmerzen geboren worden .war, ins Grab gelegt. Er lehnt das ganze Protokoll ab, in kssen Verwerfung die Regierungen Englands und der Dominien einig sind. Dieses Ergebnis stand schon seit langem fest. Es mußte kommen, weil an die Stelle Mac Donalds die konservative Regierung trat, die sich ein so ganz arÄers geartetes Weltbild konstruiert und an die Mel! Probleme vom Standpunkt des Gseichgewichtssystems herantritt, das nur eine andere Umschreibung der alten Machlpolitik ist. Das Protokoll mußte aber auch darum fallen, weil es halbschläch tig war ttrib eine haftbare Definition vermissen ließ, was Angriff und was Verteidigung fei. Das Protokoll war atts km retnen Friedenswillen entstanden, akzeptierte aber den Krieg. Es war die Ausführung des Satzes, der auf dein Wiener Kriegsministerium steht: Willst du Frieden, so rüste zum Krieg! Wir haben erfahren, Ivelchen schicksalsschweren Inhalt diese Sentenz hat. Trotzdem kann der Pazifismus der Demokratie nur auf die Evolution vertratten, die er freilich sehr aktiv fördern muß. Das Protokoll wurde von Mächten beraten und beschlossen, die daheint starke Heere halten und ihren Abrüstungswillen stets von dem mißtrauisch beobachteten Nachbar bestimmen lassen. Sie konnten niclts anderes tun. als diese Beschlüsse fassen, die mit halben Worten auf halben Wogen halben Zielen zustreben. Sie hatten in weiter Ferne das Ziel, einen Generalvertrag?n schafsen, der nicht wieder durch eine Armee, durch Sanktionen, durch eine Me'texekutive. sondern durch die moralisch^ Macht einer überparteilichen Institution garantiert werkten sollte. Das war im Vorjahre unmöglich u:d ist es, wie sich zeigte, heute Wt7>der. Die La>ae ist sogar noch trauriger geworden. Es sind nicht zeitlich begrenzte Widerstände vorhanden, die sich aus einer Konstellation ergeben und durch eine Aenderung der Gruppierung beseitigt werden könnten. Die Hemmungen liegen viel tiefer und es genügt, auf die Vorgänge im fernen Osten und in der lslamisch-arebischen Welt hinzuwetsen, um die Fehlerquellen erkennen zu lasten. Der Völkerbund ist kein Völkerbund, solange er nicht alle Völker umfaßt und sie durch beschworenes Statut zum Fricdcn verpflichtet, solange er nicht das Wort aussprecken kann, auf das es vor allem ankommt: Daß der Krieg unter allen Umständen als Verbrechen stigmatisiert wird. Niemals steht binter Konfliklen ein Volk als die Gesamtheit von Individuen. Immer sind es nur Gruppen von politisch oder wirtschaftlich — merft das letztere! — Interessierten, die ihre Piäne durch Fälschung von Tatsachen, durch Bestechung kr Oesfenllichkeit als nationale Angelegenheit aufzuputzen verstehen. Eittzig und allein eine Erklärung gegen ktt Krieg an und für sich könnte unter das Vergangene einen radikalen Strich ziehen und die Abrüstung einleiten. Briand Hai dies ausgesprochen, aber leider nicht avodiktilch gefoltert. Der Völkerbund bringt die Kraft zu einer Archen Tat nicht auf. Die Deutschen, d'e Russen, die Atnerikaner um nur von kcpfstarken Völkern zu sprechen —7 sind in ihm nicht vertreten. Sie wüvkn demnach von einer A'brüstungsproktamation nicht tangiert. Mas aber Chamberlain vorschlägt, die Abschließun>g von Sondergavantien. beseitigt diesen Mangel nicht, bindet die Außenstehenden nid;t und führt in direkter Linie auf das System zurück, das vor km Weltkrieg bestand, ihn also verschuldet hat. Was war die Entente, kr Dreibund denn anders^als die Sondergarantie? Und gerade zwei Staaten waren es, die aus diesent Verhältnis von Bund und Gegenbund ausgeschlossen waren und als erste von der Katastrophe ergriffen wurden: Serbien und Belgien. Es ist denkbar, daß im Nahmen eines Generalvertrages Sonderpakte geschlossen werden, und es ist möglich, daß .Herr Benesch nach dem Scheitern seines ersten Planes einen Antrag dieses Sinnes stellt. Aber auch hierin, in km Versuch eines Koinpromisses zwischen Zentralismus und Separatismus, läge eine Durchkretizung d?r Ziele, zu kren Erreichung kr Völkerbund bestimmt ist. Er muß alle Völker untfassen. Erst dann kann er seine eigen« Potitik schafsen. Er muß zentripetal werden und an di« Sehnsucht kr Völker appellieren. Er muß sich aus der Atmosphäre kr Blocks befreien. Darin liegt ^die einzige Garantie für den Frieden. Ne ReichrvrWdentenwshl. Die Nerhandkungen über eknen gemeinsamen bürgerlichen Kandidaten ^esft'eitert. Berlin! 12. März. (Tel.-Komp.) Die Verhandlungen zwischen dem Zentrum,den Demokraten und dem Arbeitsausschuß der Rechtsparteien über die Aufstellung eines gemeinsamen Kandidaten für die Neichspräsidc n! enwah l sind g escheitert. Ueber den Grund des Abbruches vcrlautct in parlamentarischen Kreisen, daß die Rechtsparteien dem Zentrum eine, verlangte Erstreckung der Bedenkzeit um eine Stunde verweigerten. Der Reichsparteivorjtand des Zentrums hatte sich bereits mit 18 gegen 6 Stimmen für eine Kandidatur G e ß k e r erklärt. Auf den Bericht der Zentrumsdelegiert n von dem erklärten Abbruch der Verhandlungen beschloß nun der Parteiausschuß des Zentrums einstimmig, als Prüsidentschastskandidatcn Dr. Marx attsznst' llen. Die D e m okratcn beschlossen ebenfalls die Ausstellung eines eigenen Kandidaten. Der Arbeitsausschuß der Nechtöparteien halt nunmehr an der schon Samstag einstimmig beschlossene« Kandidatur garres fest. Jarres hat die Kandidatur eudgvltlg angenommen. Es werden also für die Präsidentschaftswahl am 29. d. folgende Kandidaten austretenr Als Kandidat der Sozialdemokratcn der frühere preußische Ministerpräsident Braun, als Kandidat des Zentrums Dr. Marx, als Kandidat der Rech'tsparteieu Doktor Jarres. nnd ein demokratischer Kandidat, wie nuM mehr verlautet, der badische Staatspräsident Hell- Pach. Damit stehen die Linksparteien zersplittert einer gemeinsamen Kandidatur der Rechtsparteien gegenüber. Ne nSHste Konferenz der kleinen knlenke. Vom 23. bis 30. März in Bukarest. Rom, 12. März. (Del.-Komp.) Die neu-e Kon« feren; der kleinen Entente wird am 23. März in Bukarest beginnen und eine Woche dauern. Die Teilnahme kr Minister Benesch und N i n e i e ist bereits gesichert. _ Weiterer Gelreidevreirkurr. Rew-Nork, 12. Marz. Auch heute herrschte auf den amerikanischen Getreidemärkten eine schwache Tendenz vor.