Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2174 (10.3.1925)
- Date
- 1925-03-10
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
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OkNk G_SB!«. $tenll(»§ ~ WSUntf W. Marz 1928 _ Nr. 2174 Du stk. Jwc Her aller LrichMüssigkeit ü'f«raus Mvoll instrvmentßert ot» Niveau besitzt. das durchwegs die de-, kannte« Marken übertrifft. Germrivoll, natürlich. unmanirrett fließen seine Walzer, Bostons und curch die melodramatischen Untermalungen; im ganzen also ein erfpvukicheS Erzeugnis der thermischen Operettenproduktion. Gleich die .Introduktion zeigt Forde und Frische, flott daS Walzerduett ,<Heute muß es sein", der aller Fettheit schlagkräftig das Quintett „Wo ist das nächste NachKokal", in Tristan-Akkorden hinfließend der Valse bvston ,-Schöne Fvau" und ausklingend in ein überaus pikantes Melodram, das den ersten Mt abschließt. Bon starkem lyrischen Zauber das Duett im zweiten Akt Souja-RaouL „Es singen die Amseln im Monat Mai", em stürmisch zur Wiederholung verlangtes Groteikduett ,^a. dort in Hollywood". überaus dramatisch das große Finale. Bei aller Bescheidenheit in den Mitteln verstand das Lrrl-Dhcater reizvolle Szeneribilder zu schaffen. Fm Mttekpunkt der Ausführung stand natürlich Rosy Werst r.uz Äs elegante Dame von Welt, die eS versteht» nicht nur elegante Toiletten zu tragen, smrdern auch stimurliich uNd darstellerisch eine charakteristische Figur zu schassen. iJHr Partner. Herr Norbert, bestach durch Eleganz. O natüvkicheS Spiel und überaus geschmackvollen Gesang. Ms kugendlicher Gesanaskcuviker brillierte Oskar Karlw.e.i s, der. glänzend disponiert. durch seine feine stinanc'erürrg hestrickte. Fr^. Mimr Besfely von bepzi-ister blapder Anmut, spitzbübisch in der Maske Jacky Ccogaus, im Tanz von grotesker Komik und Schalkhaftigkeit. Ernst Riolle spielte als Exzellenz Radulowitsch einen seiner feinen komischen alteren Herren der Diplomaten«ilde und hatte selbstverständlich den ganzen Nleud hindurch die Lacher auf seiner Seite. Leo Aschers Operette verdiente den Premiereucrfolg in vollem Maste. o. r. U»r tat ftwfem. Burgtheater. Mo vom. 7 Mr. ..Macbeth". Volksoper. Hmte ^Gräfin Mariza". - Morgen Biyets „Carmen". Deutsches Bolkstheater. Morgen 80. Wiederholaviva vnr B. Shaws »,D4e heilige Johanna" Theater in der Josefstadt. Mr Shakespeares .König Lear" (erste Au.'MMng am 13. d.) hat Doktor Pa u m ga rtne r mit Beirntzning Ä'rnglischer Melodien aus dom 11 Jahrhirndert döe Bührremmssik geschaffen. Purnnfeier »er Jüdischen Bühn«. DienSlag den 10. d.» 8 Nhr cckeuds, v.^ranstaltet die Jüdisch« Bühn« im Thcaterfaal des Hotels Stephanie in der Taborstrab« eine groß« Purnnfeier. Arm Bortrag gelangt ein durchaus heiteres Programm. das durch di« Mitwirkung des verdienstvollen und populären Oberregisieurs I. Reißmann «besondere Attraktion erhält. Tanzmat ine« Mnnei Bvlla. Im Theater in der Josef-- standt tanzte die junge Munci Bulla zur Mrrsik von Smetana, Liszt und Jrchann Strauß, also in slawisch'M. magyarische, n umo wienerischem Rhythnrus. überaus gewandt und ausdrucksvoll. Obwohl über eine tadellose Lauzlechnrk v.'rftigend. liegt chre Kraft mehr auf mimischem Gebiet. Vorläufig siegte die ent-ück.'ndc Jugend über jedes kritische Bedenken. Als Gedenkfeier für Robert v. Balathy geht Smnstag um 3 Uhr ,^Der Pfarrer von Kirchfeld" in S§me. Es wirken auch Mitglieder des Burgtibealers mit. Das Reiw crirägnis ist der Errichttmg eines. TeuksteineS über dom Grade des verblichenen Künstl-ers gewidmet. Fünfzig Jahre Königin von Saba". Am 10. März 1875, vor einem halben Jahrhundert, wurde die .Königm von Saba" zum ersten Male und mit den Damen Wrlt. Matern«, Diegstäldt sowie den Herren Beck, Walter. Rokitansky im Operntheatcr aufgeführt. Die S'taar hoher feiert heute dieses Jubilämn mit einer Aufführrmg des Wrr!> s mir den Damen Wil>dckrurm. Nemeih. Nudav. den Herren Duckon. Grosavescn, Markbofl. Bei dieser Ausfi'chrung wird auch wieder die feit vielen Jahren gestrichene Nachtmusik (Vorspiel vor dem zweiten Akt) gespielt werden. Die Rachlriegsgeneration. Lergmeister, der Mörder der «erta Seirler. DtL Tat des Jünakings aus autsm Hause. Karl Be ravt er st er S. w -scher ein ihm in, Liebe zugetarres Mädchen nach wochenlow^-em Belauern' auf tückische Art grausam nioderge stochen hat. um es zu berauben. erscheint üirfaß-bor und ad grundrief: Und dennoch ist sie nur d"r grausiae Abschluß eines verkommenen Derdeganges. Bergnieift.-r war" ein Tau^richts seiner Zeit, gegen den lttchentrsche Vorkriegsnichtsiner im Lichte blauer Ronrontik erscheinen, die noch dazu durch prosaischen Zwanges „StAndenpcbens" gemildert war und ätzten Endes durch züchttMnde Baterhäüde am den rcchien W.g gebracht wurde. Per herzensgute Grazer- Professor hat seinem -vom Elternhaus loSae-töften Sohne nur grlto Lehren und immer wieder Geld geschickt, das er sich vom Munde absparte Und Karl, ein Kind seiner Zeit. brauchtviel Die heutige Jugend will zu den Früchten des Lebens gelangen, ohne selbst reif- *tt werden. Ohne Arbeit und entbr'.rel'den Kna'benfchmerz will sie am Tische «r Großen sitzen. Trrzu brauch-e Karl Bergmeister Geld. Er hat frühzeitig überall gestohlen und veruntreut, gelogen und Zeugnisie gefälscht» die Truhen ' armer Mitschüler und den kargen Veddierrst von Arheitsaenosfen ^geplündert, hat andere verdächtigen lasstn, um .Kaffeehaus. Lustbarkeit und W-crber zu besitzen. Zuletzt bestiehlt er feinrn Schlafkollegen, der in der Heimat weilt, und das WaMr reicht ihm schon b's zum Hals. Hals? Da ist ein Mädchen, mit dem er spielt, während er schon andere „hat". Sie Pflegt fremdes Geld bei sich m haben. In Bergnr isters Hirn btttzen Perspektiven auf? bis er als Schlus'puukt se.nes ^eeifgonges eine Dolchspitze aus einen Mädchrrhals fetzt. Er wollt« sichdauernd „sanieren", wie er. dem Richter fogt, aber es sind „nur" 30 Millronen, die ihm in db.' Häni^: fallen. Das Individuum Bev.pneifter wird schwach. Der aroße Hochstapler gibt in einer Stunde' kindlich-schülerhaft die Hälfte der Beute «us. Hrrriere e-mporsteigen kcpnen. Auch die Svekula-tionsleiter der Jnislationsknaben war ihm nicht zugänglich. So blieb ihm im Kreisenderdie N o v o s a t s züchtet, nur die gut gedrillte Handhabung pes Hirschfängers, mit dem er c'nm Mädchenhals wtzjpryund stach; und des Mädchens Liebe schändet er noch, äls ihn dp: Richter fragt, ob sie ihm zugetan war: ,^Jch weiß Nicht," rnomt er, so daß der Vorsitzende aus einem Brief des OpstrS vorlesen muß: . . Ich habe henie die gan?x Nacht durch.'ewachr und der Gedanke an Dich ließ mir kenre Rn-He. I ch h i n und bleibe Deine B e r: a." In einem Brief «rst eimrp Kameraden über, eine „neue FlMnme" schreckt er: ^ts Mädchen ist mir zu sentimental, und da ich es f.'lber ÄW. Pasten, wir nicht zusammen. Sie hat Lippen, die man nur mit - zugemychten Augen küssen kann . . . Ich ha>be mir dor.griwMnchr.'das Mädchen zu schonen und nicht zu nehmen, vorwerk sie mir leid tut." Man sieht, er har die neuen Mtzchenschristen für ^Kultur und Erotik" gut stlckierr und sich Hre Diktioir zu eigen gemacht. Als er. in den Gerichtssaail geführt wurde, entstand eine dumpf«, unh i-mliche ^Stille. Dan Bergmeisters düsterem AusseHen (das kleine Mädchen sehr mit gciangen nehmen kann) strömt »rvlkidslose Kälte öm& Die wenigen im kleinen Saale. LS.'sirid rinneist Frauen. «%■>»»Geschwormn schauen scheu äpf den unheimlichen Gesellen. Ein Fall, der so {rar nichts Menschliches enthält, wgr noch nicht da. Der Borsi'ende. Hofr-j Dr. Aichinger. f.kbst scheint entsetzt zu sein. Bergmeister antwortet stockend, leise.;ög"rnb. äber klar. Seine Sprache ist gMählt. er-korrigiert sich sogar oft, um plastischere Ausdrücke VW schon beim Emzuq d?r vielen Fsugen, als die Schwester der Getöteten ihm den schrillen Ruf „Mörder d«!" zuschlendert. Od er Reue, Mitleid gehoibt? „Ich glaube nicht." '' Er gesteht alles ohne Jägern, was' sowö so klar ist. Nur ttw'er Mögliihkoiten für sich sieht, weicht er eln we«i>.i. aus, besonder» fei dem springenden Punkt, ob er sich der Gc'sler Wieder genäherr habe um sie zu töten und zu bcrgirben. Er schildert die Tat Es übertguft all: kalt und heiß, nur den Mörder reicht. Pchi: Sie haben anch eine Handtasche gehabt und l.-'bc.i Este d.r Goisler zum Halten gegeben. Wozu?— Angekl.: Dgmii ffe hdschäsrigl ist — Bors: Das heißt, dauül sie keine Händ frei har — AirgeN.: Vielleicht auch mir. um Zeit zu gewiniren. — Bors.: D^rs soll daheißen? — AMkl.: Ich f war zur Tat noch nicht ganz entsch!offen. — Bors.r j Sie haben ülso noch 'mtt sich gekämpft Mit welchem Erfolg? — Am.'ekl. (hervorstoßend): Ich ha>be es doch getan. — Dorf.: Wie denn? — Der Angeklagte gibt keine Antwort. — Vors.: Womit? — Augekl.: Mit dem Messer. — Bors.: Wo hatten -Sie das Mester? — Angekl.: In der linken Tasche. — Bors.: Haben Sv: das Messer zu diesem Zwcke mitgenomnren? — Auzekl: Vielleicht. — Vors.: Wie haben Sie den Stich geführt? — Angekl.: Gradaus. Ich habe gestochen. In den Hals. — Vors.: Wollten Sie den Hals treffen? — AngcA.: Ja. — Vors.: Warum? — Angekl.: 11m das Geld zu bekommen. — Vors.: Warum aber aerade den Hals? — Angekl.: Es ist mir «in anderer Teil nicht ein'efallln. Und auch, damit sie nicht schreien soll. — Vors.: Hat sie geschtien? — Ang Ja. — Vors.: Hat sie noch ettvas gesagt? — Angekl.: Nein, sie ist gleich znsaminengestümt. — Vors.: Durch die Stiche oder haben Sie ihr iwch einen Stoß gegeben? — Angekl.: Ich glaube, noch einen Stoß. — Bors,: Sie hat also geschrien? Was taien Sie? — Angekl-: Ich streckte die Hand aus. um chr den Mund zu schließen. Damit man das Schwien nicht hört Nach der Tat hat er eingekauft, dann sich vergnügt. Er ging ins Theater und dann noch in ein 'Ilckbarett verbräche die Nacht mit einer Dirne und ging am späten Nachmittag in sein Siaminkanfeehaus, um „sich zu zeigen". Das Verhör ist zu Ende. Ter Vorsitzende ist fassungslos. Der Staatsanwalt erchdi sich: Bergmeister, sagen Tie..." Den Verteidiger interessiert Bergmeisters SeyuMrben. Dann Pause, toährend der der Verteidiger dem Mörder - im Dovöeigehen auf die Schulter klopft. Dann beMnn das Zougnwerhör. Seme Kollegen im Meid'lurger Smdendenihelm sagten aus, daß Bergm^'ster die I-nfasten durch lä-naer« Z:it dest ohlen habe und sich dabei s-hr gut verstelilen konniie. Er hacke -feiner klerikalen G es r n n u n g immer uinve-rhohlen Ausdruck vetzlührn. Ju der Nachm!itagsver>h>ndluing evsta^':-de der Gerich's-- arzt Husrat H a b e r d a' fein Gutachten. Bwüü G «i s l e r sei infolge Verblutung gestvvben. Salbst eine sosopfze Operation hatte sie nicht retten kön-iren. Die Haus>besorgeriu Dheo.se Holzer erzählt, wie sie Zaugiu -war. wie rer Mörder -die Gei-Klex im Stiegerihaus überfallen und mit ,ihr lgernngen herbe. Sie habe ursprünglich an ein Sittlichkeitsättentat gedacht. Die Zeugin Rasa Somckor ist Badvwävteriu im Dicrnabad, das der Airgaklagie nach der Bluttat d.'such'e. Er hacke sich sehr arlf,aewgt 'bennnmen und aus der Houd geblutet. Er hcke sich frische Wüsche und enr:n Kaffer kaimnen lasten. Auf sevn Verlairgen sschv'e sie ihn zum Ansdal^sarzt. Am nächsten Tage erfuhr sie aus den Z»:itü>nigen, daß der Badegast der- Mörder fei. Nuu wird die Prostituierte ^P a «l a" ernder-ncnnmen. wÄche der Mörder in der Käriv'inerstraßc km neu gelernt hatt: und die mit chm in ein Hotel ging. Sie tr-MV&nt e'me Flasche Wein mck gi-ngm dann iir sin Kaffeehaus. Um 1 Uhr früh gmaen sie abermals in om Hotel. Um 10 Uhr darinittagS gingm sie in üm ^daffechaus, wo er ihr den Bericht über di« MvrdaffSre M8 dev Zeitungen vorlas. Daibei faigte er scherz/ha-ft: die Beschreibung paßt genau auf mich. Als sie ihm vovschlug, sich die Mo'ststÄ''r an- ^rsehcn, zeigte er sich sehr ersckxcockvn 'und weigvrte sich, hiuM,- gchen. Der Redierinsipektor S'lad«? ckTrichtate über die Festw^hine Bergm'a'sters. Er sei sofort gu einem umifastend-n Gest-i'wdnis geschvittkn. Zwei Seelsorger der Aivsiwsten. in denen Bevsme'sber unt-erg ckracht war, sagten aus, daß or immer ein musterhaftes Verhallen zeiKe. Der Ehof der Firma L i p k o w i e z, wo die Ermordende in Sieltt'ug war, gibt an, daß der Fivina ein Schaden von 8 bis 10 Millionen ortiwchfe. Als nächste Ztt,a:n wird die Schw'st.'r der Ermordeten, Frau Helene H a u d e k, vernommen. Mährend chrer Aussage wird der Angeklagte abgeführt. Sie hacke Berspn-edster nur flüchtiig gekannt und wußte, daß er mit chrer Schw-stex öfter Dergn.irgmrgSstütten dssuchte. Boi, einer Liebe zu ihm hat chr di« Errmrrdetc nichts gestand:::. Es sei zwischen beiden z>vn: Bruch ge'kommen, als, Bergmeister erklärte, er müsse nach Haus« faihpen, wo er sich mit emvnr reich:,, Mädchen verloben werde. Daraufhin habe chm chre Schwester einen Brieif geschrieben, tvvrin sie sich von 'hm lossagt« u-nd erklärte, daß sie ihm bei stiner Heirat keine Hindernisse in den Weg legen werde. Bwtu hack« ein schr gutes Herz gehackt. . Hieraus wurde das Ze>ugenverhör geschlassen nnd di« Behandlung auf heute. 10 Uhr, vertagt.! Serichtssaal. Ein -rolctmei'cher Schochet. Am A. d. ckeyamren vor da» GerichtÄwf zu Minsk di« P.'aidot)ers der Svwtsa.'-iwäilt« und der Var'te'idiger in denn Prozeß geg:n die der Mordanstfltung angclkLagten drei Schächter Zaitschik, Rappaport und Zwerzhanesktz. Der Hauvtauwalt der Anklage oMorte, es fei «vtvieisen, daß die B.-lschuildig-ten tatsächlich drn Versuch im-rrnommen hab:n. dvn Schächier Drofk'm. der ihiren mp« beau-enr war, ums Lecken zu bring:«. Vor diesem Gericht svi wooer die Religion noch der Kler-iMismus cm^eklagt. sondern ,mr Berckrecher^ fric ein Verbrechen ck:igin>g:n. Di« übri^n. An» -lagevertreter erg'-naen sich in Angriffen goren den „lüdrschrn MerikaliSmus" und forderten eine schwere Bestrafung der AngsKagden. Di« Devt>eidiger plädierten für Freispruch, t-njbem sic nachviosrn, daß das BAveaSmateriial drr Anklage im Der- La,kf der Berhandiun^g fahr abgeschwächt Word:« war. Der Führer der DertVidiawng, Advokai Zaivlin, analysierte das gefanrte Material soSvie dre Psychologie und die Motive der Angeklajpen und zu dein Schluss«, daß von einen, Mordversuch hier nicht die Rede sein 'könne. Di« Verteidigung protostievtr energisch gegen den Versuch „gswister bourgeoiser Elondruie", diesen RechtSßrll als einen zweiten BeiliS-Prozeß dar<pistellen. Das Urteil gegen di« drei Augokl-agten wird dvosor Tage grfpwchm werden. NachMt-rag:n ist noch die Z:ug:nauss>age des sogenannten „roten Rack b i" der MinSker Povsiadt, Sllepian'ski, dar wogen seiner radikalen Ansichben und seiner scharfen Opposition ge-oen das offizielle jüdische Rabckine-rtuim ckcKannrt ist. Sein Erscheinen im Gtrichtssal rief Sensation hervor. Men crwarte'e allgemein, et Wörde gegen den „südlicheu Klerikalismus" loszioherr. Statt dessen erwarte er, er Hai« mchls besonder:s auS^usagen. Interessant waren die AuSfaaen des „proletarischen Schochet" Drorkiu, gsgen den angeblich das Morvatteüdat geplant war. Droslkrn saotc, er könne den lmvi-eren Ehirakier der drei Angeklagten ckezeug:n. er halt« sic für a b s o lut unfähig, ein Moüdkomplott zu schrniedsn. Zum Schluß, appelliortc er an das Gericht, ihn gegen die fal'chen Anschwldi^ung:n. die gegen ihn verbreitet werden, in Schutz pr nehmen. In der Stadt, sagte er, halte man ihn für den cingifl Verantwortlichen in dieser Affäre. Volkswirt. Wirtschaflrnachrichten aus PalSftlna. Di« Handelslage im Jcrusal:m-Jaffa-Distrilt. Angesichts der Errichtung einer Seidenweckerei in Tel« A w i w hat man aus Anregung eines palästinenfischen Fariners hin im Ramallah-Suibdistrikt Untersuchungen über die Möglichkeiten, die für eine Seidenpxoduktion bestehen, angestellt. Die im letzten Jahre in Jericho durch einen Mann aus Ramallah gemachten Experimente sind durch Ungeübthcit und infolge der übergroßen Hitze mißlungen. In Bethlehem hat sich auf den, Markt der Per l mutterar beiten erhöhte Aktivität gezeigt,, hervorgerufen durch die Ankunft einer ansehnlichen Zahl Touristen. Im Dezember war der GroßhandelsmaiLt ziemlich still» die Preise schwankten nicht. Weizen blieb mit 190 türk. Pfund in Jaiffa und 208 türk. Pf,nd in Jerusalem unver'ir^e:', ebenso Mehl, das die gleichen Preise wie im November behielt, d. h. einheimisches Mehl 260 türk. .Pfund, australisches 225 türk. Pfund und amerikanisches 270 türk. Pfund. Eine Saison-Preiserhöhung ist zu ersehen aus folgender Taibvlle: Jemlalem Jaffa November Dezember November DezemheL türk. Pfund türk. Pfnnd Rindfleisch . . . ... 634 580 750 Hammelfleisch. . . . .. 936 1040 940 1050 Ziegenste sch . . . . . 728 632 600 875 Eier haben sich von 35 türk. Pfund im Vormonat au? 85. türk. Pfund verteuert. Auch But.cr und Käse sind gestiegen. Kartoffeln notieren 95 türk. Pfund und 10-1 türk. Pfund in Jaffa, resp. in J-erusailem, gegenüber 104, resp. 121 tüvk. Pfund im Vormonat. Mandsl-n sind von 520 auf 600 tüvk. Pfund gefunken. Denaturalisierter Wkcholl hat von 520 türk. Pfund tat November auf 400 türk. Pfund nachgogeben. Kercsin hat leichtangezogen, di-oticrung 22 türk. Pfund pro Viergallonenfaß. gegenüber 20/j tüvk. Pfund im November. Die Indexzahlen. Nachstehende-Tabelle zeigt die Indexzahlen der Großhandelspreise für Nahr-ungs- und Heizmaterialien im Dezember 1924: l. Zerealien uud Fleisch . 13 November- I n d 131.3 Tezember«- e r 125.2 Mnahme in Prvz 6.1 H. Andere Lebensmittel und Obst. 34 115.3 114 1L UI. Hestmalerial und Ver-> fchtedeneS ..... 11 107.2 104.5 2.7 Generalindex . . 58 117.5 114.3 3 2 . Das allgemeine Niveau der Großhandelspreise hat sttt Monat Dezember um 3,2 Prozent abgenommen uird ist jetzt 80,9 Prozent höher als im vorigen Jahre. Die Getreideprefla sind im Vergleich zum vorigen Monat um 3,3 Prozent niedriger, toas auf di« großen Mengen Weizm zurückzusühren ist, die aus Indien urrd Australien iiTchortiert wurden. Molkerei- und Fleischwaren stiegen inscklge der Saisouknapphoit um 16, resp. 6,1 Prozent» während Vogetabilien, mit Ausnahme von Kartoffeln, im allgemeinen billiger sind. Die LebenShaltungskcsten an Hand des Kleinhandelsindex. Monatliche Index Zurelp. Ab« Monat Autzaabe in in nobwe aege» türk, «tsnnd») Pro?euten den Bormonat ZSnner 1022 . . . . 86» 100 Durchschnitt 19"2 . . 768 88.2 , 1923 . . 658 76.« Juni 1924 . . . . . 638 74.2 — » Juli 1924 .. . . . «40 75 4- 0.8 August 1024 . . . fP6 50.8 4- 5.8 September 1 f 24 . . «kV 81.9 4- 1.1 Oktober 19?4 . . . . 721 84.5 4- 2.6 N ovetvber 1924. 740 87.7 + 8.2 Dezember 1!>84 . 757 88.7 's- 1 *) Einer sünfköpflgen arabischen Fav-ui^.