Mannheim
Compact Memory

Wiener Morgenzeitung · 1925-03-10 · Heft 2174 (10.3.1925) · p. Seite 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2174 (10.3.1925)
Date
1925-03-10
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
88% known words query
IRI
…/2979076-2981191-2981259--22153-3009537
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Men. Drenskag Wiener MuraenHeitunft. 10. Mar.: UM Nr. 21U .. _.- __.«mmwMMMhmIIMN Die Sehekelaktion für das Jahr 5685 hat bereits begonnen, jeder Zionist bezahle seinen Sehekeil Srez Asrael und Lransjordanien. Die MaudatspolM bleibt in Kraft. Europa der physische, wirtschaftliche und Kulturpog.om von hundertprozentigen Deutschen, Magyaren und anderen nationalen Chauvinisten erfunden und erzwungen werden. Beim amerikanischen Quotensyftem ist der Ku-Klux-Klan Pate gestanden, wie alles Reaktionäre diesseits des Ozeans aus den: Hakenkreuz und der Horthy-Keule hervorgegangen ist. Die Reaktion ist der Wegweiser für Ungesetzlichkeiten. Je unmenschlicher und brutaler ein Gesetz ist. desto sicherer drängt es zur Umgehung und desto sicherer schafft es Hyänen der Ungesetzlichkeit. Jene in Kuba gestrandeten jüdischen Auswanderer, die von solchen Hyänen auf hohe See gelockt, ausgeranbt und ikber Bord geworfen wurden, belasten das Gewissen des aiuerikanischen Einwanderungöministcrs Davis und seines judenfeindlichen. Anhangs^ nicht nur weil sie das Quotensystem schufen, sondern mehr noch, weil sie ihm einen judenfeindlichen Inhalt gaben und damit Katastrophen erzeugten, wie die Wiwwesttragödie auf hoher See. zwischen Kuba und Nordamerika, Katastrophen, wie sie sich in weniger sinnfälliger, aber nicht minder brausamer Weise in den verschiedenen europäischen Häsen snt Monaten abspielen. Muß es nicht als Symbol für die Moral des amerikanischen Quotensystems gewertet werden, daß Stephan Haller, der Schöpfer des Numerus clausus in Ungarn, der daheim neben diesem noch zahlreiche andere gemeine Verbrechen beging und einbekanntermaßen mit der Absicht nach Amerika kanr um dort einen groß angelegten Bolksbetrug auszusühren, daß dieser Haller bei den hundertprozentigen Amerikanern freundliche Aufnahme gefunden hat, während verfolgte, arbeitswillige, nach Freiheit und Ruhe lechzende Juden den Hyänen der Ungesetzlichkeit in die Krallen getrieben werden? Auf" die Einsicht und Menschlichkeit der amerikanischen Lenker der Einwandererschicksale ist nach der brüsken Ablehnung der Intervention der Lady Swayihling kaum mehr zu rechnen. Auch die Bemühungen der amerikanischen Juden, das Herz der Beherrscher der Träneninsel auf Ellis 'Island zu erweichen, sind bisher erfolglos geblieben. Vielleicht hat auch dieser Mißerfolg den Entschluß der Führer der nichtzionistischen Judenschaft von Amerika, an der Jewrsh Agency teilzunehmen, reifen lassen. Ist das der Fall, so könnte dieser Entschluß gewissermaßen die Aufgabe des RadabweistrZ .auf.dem Schicksalswege . des osteuropäischen Judentums erfüllen. Er würde den Weg der von Land zu Land gehetzten jüdischen Emigranten von Ellis. Island nach Jaffa lenken. Und das wäre, ein schöpferischer Gedanke in diesem tragischen Chaos wilder jüdischer Wanderung. Re deutsche PMdenteuvahI. London, 9. März. (I. T.-A.) In der Sitzung des englischen Oberhauses vom t. d. stellte Lord Raglan.an den Regierungsvertreter eine Frage bezüglich der gegenwärtigen Lage in Transjordanicn. Der Untcrstaatssekretär für Kriegswesen Graf von Dns-low gab die-folgende Antwort: Die Regierung führt in Palästina die Politik der Balforrr- Deklaration, die Schaffung eines jüdischen nationalen Heimes im Lande westlich des Jordan, durch; im Territorium jenseits des Jordans, in TrattSjordan.ien, erfüllt die Regierung die von Sir Henry Mac Wahon übernommene Verpflichtung, die Unabhängigkeit der Araber anzuerkennen und zu unterstützen. Die Hauptmächte der alliierten Und assoziierten Nationen, und nach ihnen der Völkerbund, haben mit Recht eingcsehen, daß Transjordanien nicht in der Läge sei, allein zu stehen, sondern der Unterstützung und Führung durch die Mandatsmacht bedarf. Ich glaube, die Einwohner TraUsjordaniens geben selbst zu, daß sie finanziell unfähig sind, sich selbst zu verwalten. Die Regierung führt die Ge-» schäfte in Transjvrdanien durch fünf britische Beamte; drei sind der Palästinaregicrung unterstellt, einer ist Beamter des königlichen Luftwesens, einer im zeitweiligen Bertragsdienst. Es war notwendig, den britischen Hanptresidenten in Transjordanien dem palästinensischen Oberkommissär zu unterstellen, da der tDbcrkommissär der Vertreter der Mandatsmacht für das ganze Mandatstrrritorium, das heißt Palästina und Trünsjordanien, ist. Das ist a^er nicht so. zu verstehen, daß die transjordanischc Verwaltung ganz von der Palästinarcgierung abhängig sei; es existieren zwei ganz gesonderte Verwaltungen. Aus administrativen Rücksichten aber stehen verschiedene Leiter von Palästinadepartements dem transjordanischcn Residenten als Sachverständige zur Verfügung, aber nur zeitweilig.. Der jüdischen Bevölkerung Palästinas steht keinerlei Kontrolle über Transjordanien zu. Die Lage dieser Bevölkerung in Palästina, insofern sie eine besondere ist, gründet sich aus die Bestimmungen des Mandats, welche «ine Jewish Agency vorsehen. Es wird ausdrücklich bemerkt,. daß,die Agency, in Transjordanien nicht gilt.. Der britische Hanptrcsident in Transjordanicn Kolonel C o x hat auf - Weisung der Regierung in den letzten Monaten verschiedene Reformen durchgeführt. Gegenüber feindlichen Uebcrfällen unternahm die Regierung scharfe Maßnahmen, nur das Volk,vor den syrischen Räuberbanden zu schützen. In dieser Beziehung hat sich die Lage sehr gebessert. Kolonel Patterson und Prof. Golheil in Jerusalem elngetrofsen. Jerusalem, 9. März. (I. T.-A.) Kolonek I. H. Patterson, der im Kriege Befehlshaber des Zion Mule Corps in Gallipoli und des 38. königlichen Füsilierbataillons (des j ird ls ch e n Regiments) gewesen ist, traf am 4. d. in I e r u s al e m ein. ' - Am selben Tage traf auch der Professor der semitischen Sprachen der Chikagoer Universität,.Professor Richard Goiheil, nebst Gattin in Palästina ein.' Prof. Belkowsky —- Friedonrichter in Jaffa. Jerusalem, 9. März. (I. T.-A.) Professor Belkowsky, ein Führer der russischen Zionisten, wurde zum Honorarfriedensrichter beim Jasfaer Gericht ernannt. Professor Belkowsky ist einer derjenigen russischen Zionisten, die vor einigen Monaten in Rußland verhaftet worden waren, aber dann unter der Bedingung frcigcgcben wurden, daß sie nach Palästina gehen. ' Tel-Awiw als Eisenbahn knotcnp unkt. Jerusalem, 9. Marz. (I. T.-A.) Der Oberkommissär von Palästina Dir Herbert Samuel ernannte am 4. d. eine Kommission, die die Frage der. Schaffung einer Eisenbahnverbindung zwischen L n d V und T e l - A w i w zu prüfen haben wird. Die Kommission besteht ans den Direktoren verschiedener Negierungsdepartements, den Bürgermeistern von Jaffa- Und Tel-Awiw sowie den Präsidenten der jüdischen, und der orabischeu Handelskammer in Jaffa und der Handelskammer-in Tel-Awiw. . . Die Frage einer Eisenbahnverbindung mit Ludd ist für Tel-Awiw von weittragendster Bedeutung, besonders im Hinblick darauf, daß die Regierung beschlossen hat, de« Palästina Hafen nicht in Jaffa, sondern in Haifa zu bauen. Lndd, das etwa zehn Meilen'von Tel-Awiw entfernt ist, ist die Ber bindungsstation zwischen den Eisenbahnlinien. Kantaro— Haifa und Jaffa—Jerusalem. Nunmehr soll aber Tal-Awtw die Knotettsiation zwischen diese« beiden Eisenbahnlinien-Wörden. Auf diese Weise wird Tel-Awiw ein wichtiges Handelszentrum. - Der Direktor des Jüdischen Nationalfonds in Amerika gestorben. New-Pork, L. März. (I. T.-A) Am 3. b. verschied in New- Dork der Direktor des Jüdischen Nationalfonds für Anrerika, Mr. Senior Abel. Der Verstorbene war auch Mitglied, der Exekutive der Zionistischen Organisation Amerikas. ‘ Berlin, 9. März. (Wolfs.) Der Rochstag hat ohne Debatte eine Regierungsvovlage, wonach für die Wahl des Reichspräsidenten Sonntag, der 29. d. und für einen eventuellen Zweiten Wahltag Sonntag der 26. April -bestimmt werden, und amen dom FtnangmimösteviaWr eiirgebrachten Gesetzentwurf, wonach die aus Anlaß -des Ablebens. des Reichspräsidenten erÄstcnrtanen Kosten aus Reichsinitteln getragen werden, «t erster und zweiter Lrsirng gegen die Stimmen der Kommu-nisten und der Na- ÄonalsoZiaLfftLN angemmmven. Ferner ruchm der Reichstag einen von allen Parteien, mit Ausnahme der Kmmnun'sten umd Na-trcma<lsozialfften. eingedrachten Gesetzermvurf, wonach zum Stellvertreter des verstorbenen Reichspräsidenten der Präsident des Reichsgerichtes bestellt wird, m erster und Zweiter Lesung gegen die StvrmuLN der Koutmu-nisten umd Naff»mailsti)ialisten an. Kommunistische Skandale. B-ei der Beratung über di« Ermächtigung der Reichsreg-ierung die Kosten der Tvaftevstterlkchketten fiir den. derstordonen Reichspräsidenten durch das Reich zu übernehmen, entstand durch pvodoziere-nde Reden des kommunfftischen Abgeordneten Remmele ein ungeheuerer Skandckl. Er beschimpfte» in seiner Rede den Verstorbenen . und schmähte ihn in allen nur erdenkbaren Formen. Darauf entstand im Aentrmu, bai den Demokraten u,nd den Svzialdemrkraten »in heftiger Lärm -umd scharfer Widerfpruch gegen die ErMvungen Rommeles. Die Situation wurde so bedrohlich, daß cs es eine Zeitlang schien, als ob eine all- -gemernc Schlägerei nicht zu. vermeiden tväre. Schließlich verließen di« Sozialdemokraten, die Demokraten und der größte Tcil des Zentrums den Dtzungssaal. Erst nach Schluß der Rede Nominales kcthvtvn sie zurück. . Als tarnt der Zentvumsabg«opdnete Feh re nba ch unter lebhaften Ovationen des Hanfes scharfen Protest gegcit die Bilsch'.ntpfumgett des Verstorbenen erhob, entstcnt-- den n c u e S k a n d a ll s z e n e n der Kommun islen, die stürmische <tzegvniku>ndgebtvniMn bei den übrigen Par-ollen heroorriefen. Die Demokraten schlaaen Dr. Simons als gemeinsamen Kandidaten vor. Berlin, 9. März. (Tel.-Komp.) Die Demokraten, hechen eiuen scrvsttiottellen Schritt unternormnen. Die demokratische Reichstagsfraktian Hai nämlich an die Zentrumspartei» die Dvutschnationalen, die deutsche Bolkspartoi, die bayrische Volks-Partei, die Sozialdernokraten und an den Vorsitzenden des überparteilichen Ausschuffes für die Präsidentenwahl ein Schreiben gerichtetem wolch-'m als gemeinsamer Kandidat der Präsident des Reichsgerichtes Herr Dr. Simons vorgeschlagen und eMärt wird, die Frak-- tion sei zu gemeinsamen Beratungen auch über einen a nderen entsprechenden Vorschlag bereits ' Dazu bemerkt die morgen früh erscheinende Ausgabe^ des ,^ö».rlrner Tageblatt: Dieser Schritt der T-ontokraten stellt den Versuch dar, -die Gefahr zu boseitigen, die durch die sozialdemokratische Sonderka-ndidatur gaschaffen worden ist. Ter Brief, der heute abends g.gen 5 Uhr. sämtlichen Adressaten zugestellt -worden ist, bedeutet nicht etwa eine Annäherung, an einen irgendioie gearteten Rechtsblock, sondern das Bestreben, auf jeden Fall einen Mann zu sichern, der als z n v e r l ä s s i g e r R e p u b l i k a n e r bekannt ist. Präsidentenwahl und antisemitische HetzarVeit Berlin, 9. Mrz. (I. T. A.) Das sozia-ldemokrat.ische .Hcvuptor-gcvn ,Mcrtvärts" bringt Anstzügc aus Propagandabwschüren -der deu-tschnationalen Bolkspartet, d'.e im'Hinblick auf die am 26. d. statffmdende Wahl des Reichs-Präsidenten -in großen Maffen mr-ter das Volk verteilt werbest. In einer ,/Si.nst und Jetzt^ beiit-elten Flugschrift heißt es unter anderem: „Ach nein, nicht das deutsche Volk hat gesiegt, besonders wicht du, deutscher Arbeiter — gesiegt hat das mternabionarle'jüdische Kapital. Gesiegt haben dielleicht deine famosen Führer, die sich ant Tisch deiner Blutsauger wohl st i-n lassen." „Vorwärts" fügt hinyu: „Das -wird i-tt Massenauflagen verbreitet nt.it dem Geild des H -u g e u b e v g - K o ttz e r n s, des S t i n n e s - K o » z e r in s, tmt dem Geilde der r e a k t r o -n ä r e n V c rb ä n d e, dir die Attsboutung und Unterdrückung des tautschen Arbeiters auf ihre Fahne geschrieben hrben." Der deutsche Siseuljahnerftreii. Ausdehnung des Streiks in Sachsen. Berlin» 9. DLärz. (Wolfs.) Die Lage im Eisenbahnerstreik erfuhr in Yen letzten 24 Shtnden ke'me westniliche Veränderung. Eine Ä n 's d e h it tt n g des Streike!' ist' m Sachsen zu verzeichnen, wo der Streik auch aus bic kleine n Bahnhöfe des Bezirkes Dresdetr übergegriffen hat. In Berlin schloffen sich der Bewegung . gestern auch die Güterbödenavbciter in Treptow und Tempolhof an. Das Betriebsverkehrspersonal des ganzen Reiches steht -vollzählig im Dienst. Der amerttanische Gesandte In Berlin, New-Aork, 9. Februar. (Rertter.) Die Meldung/ wonach Hill zum Botschaften der Beveinigten Staaten in Berlin ernannt worden wäre, wird als unrichtig be- . zeichnet. , .. illach der „Movning Post" iverde in Wafhiugtoit offiziös mitgeteilt, daß der Nachfolger Houghtons als Botschafter.in Berlin Jakckb Go uld-Schur.man, jetzt Gesandter /st» Peking, fern werde. Lord Surren overiert. Der Zustand des Ministers Vesorgntserregend. London, 9. März. (Tel.-Komp.) Lord Cürzon, der, wie gemeldet, erkrankt ist, mutzte sich heute einer ziemlich f ch w e r e n O p e r a t i o n unterziehen. Das darüber aüsgegebene Bulsetin besagt: Die Operation war schwierig. Der Zustand des Patienten' ist verhältnismäßig gut, gibt jedoch fsic die nächsten Tage notwendigerweise zu Besorg u \ J {e »• Anlaß. Die Eröffnung der ttaNensschr» Kammer. Die Kommunisten demonstrieren gegen den toten. Ebert. Rom, 9. Mrz. (Tel.-Konttp.) Der heutigen Eröffnung der Ka-nvm«r ' konnte Ministerpräsi-dent M u s s o l i n i n,icht beiwohnen, da er sich noch immer Sponung auferlogen nnrß. Die Regiemng war" drtrch Mittister des Innern F c d e r z o tt t, Fittanzmin-üster d i Ä t e f a n i .und zahlreiche Staatssekretäre vertreten. . Als der Jnnervminrster, der des Todes des dentschen Reichspräsid-enten E b e r t gedachte, eine Beileidskundgebung der Kamm-er an den tautischen Reichstag lbeantragffe. demonstrierten die Kommunisten lärmend und & kam zu einem Tumult. Als dieser sich gelegt hatte, tiahnt die Ka-mmer tan Antrag des Jtt'Mrnmim'sters mit großer Arehrheil an.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.