Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2173 (9.3.1925)
- Date
- 1925-03-09
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 88% known words query
- IRI
…/2979076-2981191-2981258--22147-3009530- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Tomsk 1× ep/2160898
OCR text
ir-ßlß W'*IW‘ ' ^>-' ’ TT "vFr^T^" IPolen; aOflfotgvl Wien: Zum Abhofen Inder Kxpedflion, II., Taborstr. 1-3, oder in einer Verschleißteile Trafik» mcnatl. 5 Schilling Strassenverkauf In Wien durch die Kolporteure der Firma öol d $ c h m i c d, Wollzetle 11 Mit Postversand ftir Wien und Oesterreich monatlich 5 Schilling Tsch echo-Slowakei: Mon. K22. Jugoslawien: Mon. Din. 60. Polen: Mon. 4Zloty. Deutschland: Mon. Gm. 4, Frankreich, Belgien: Mon. Frcs. 18 A«chx«h!tm#ea bei Freit« er hAhu tutet» rorbehallen «r. 2173 Wiener A wivuvv Mommxejtung I »ralf 20 fll England: Mon. 4 Schilling, Hat len: Monat!. 18 Lire, Rumänien: Mon. 170 Lei, Bulgarien: Mon. 80 Lewa. Schweiz und das übrige Ausland monatlich Frcs. 5 Redaktion. Administration: Wien, Ü.Taborstr.l Telephone: 44-0-38,43-3-19 Ab 6 Uhr: 21-102. 25-2-82 IX., Universitätsstrasse 6-8 (Druckerei lg. Steinmann» wie«. Maltas. 9. Mr, 1928 Oesterreichlsches Postsparkassen - Konto Nr. 150.693 7. anfjrgnnfl Rußland und die Rechnung und ' ' (Eigendienst der „Mi Prag, 8. Marz. Die Unioi^Tel.-Kornp. erfährt von kontpetenter Stelle, daß die S o i.v j e t r e g i e r u n g bereits vor drei Jahren Untersuchungen eingeleitet hat, »mr ihre tforb-critiujicu gegetrüber der Tsche cho-Slev", 5e! mr Wdtmm ,v»t bringen. In Moskau rmd anderen Städten tvurden Son'derkomnrislfionen zur SammFmtg^ des dieslbe.ziiglichen Materials gebildet, wobei auch. einige ausländische F i n a n z sa chve r st ä n d ige beigezogerr wurden. Die Sowjetregierung ließ die Summen der angeblichen Schäden seststellen, die Rußland während der Anwesenheit der tschechischen Legionen entstanden sind. Diese Untersuchungen wurden auch in den Distrikten Vovgenommen, die die W l a d i w o st o k b a h n durchläuft. Die Sowjetregierung beabsichtigt, in khrer Rechnung an die Tschecho-Slowakei auch jene Beträge e'mzu-- sieilen, die m Form von Dieustgohälten und -Genüssen an rfchecho-flowaikischc Angehörige ausbezahlt worden sind, da diese auf den russischen Eisenbahnen Hilfsdienste verrichteten. Die Sowjets bezvffevn die Schäden, die während der Anwesenheit des tschechischen Heeres im Goinvernement Tomsk verursacht worden fein sollen, auf 37 Millionen GoldrubeL Auf tschecho-slowakischer Seite sind gegemchcr dieser Nechuung die Schäden anzuführen, die während der russischen . Revolution, namenitllich unter dem bolschewikischen Regime,: den tschechp-stl.i.vaFWen ÄtMhövigen in Jdtchlarrd 5ltge.Ugt. NMden, die. einer genauen Statistik wMMn in RMänd veiättW^ ^drr enteignet: 214 Fabriken und. JnWtriobetr'veÄ. ÄüßeÄent tvurden tschecho-flowakrschen Angehörigen in Rußland 26 Großgrundbesitze, 39 Güter, 2 Fischzuchtanstalten und 22 Gärtnereien weggenommen. Ferner wurden 232 gewerbliche Betriebe und 40 Hotel-, Restauvations- «und Kaffeehausbetriebe beschädigt, deren Eigentümer - tschecho-slowa-ki-, sche SDatsangchörige waren. Rach den Anmeldungen bei Doit zuständigen tschecho-sl-owakischen Behörden erheben mehr als 2000 tschecho^lcl.vakische Angehörige Schadenersatzansprüche. Die tschecho-slowakische Industrie in Rußland erlitt Verluste an Fnrmbbilien m der Höhe von 107 Millionen, an Maschinen und Inventar 135 Millionen, an beschliagnahmten Rohntaterialien und Fertigscubrikaten 110 Millionen tschoch. Kronen. Die tschecho-slowäkischen .Handelsbetriebe in RußlaiNid vwloven an Inventar und konfiszierten Waren 230 Millionen Kronen. Die tschecho-slowakischen Landwirte schätzen den ihnen durch Beschlagnahme ihres Bodens in Rußland Kugesügten Schrden auf 98 Millionen und der mittlere Gciwsrbestand beziffert die erlittenen Verluste auf etwa 56 Millionen Kronen. Außerdem wurden die tschecho-slowakischen Angehörigen, die in Rußland tätig waren, um ihre Gohälter und Löhne geschädigt, und es wurden ihnen ihre Ersparnisse in Vorschuß- und Sparkassen sv.vke WohuungSeinrichttlngen und anderes persönliches Eigentum in einem Gesamtl ekrag von 192 Millionen tschech. Kronen entwendet. Der „Temvr" von Rußland gekauft? Herriot im Besitz des Dokumentes. Paris, 6. März. In politischen Kreisen zirkuliert eine seltsame Nachricht, wonach Ministerpräsident Her-, r i o t dem „Temps", dent größten. Pariser Blatt, mit der Beröffentlichung einvS Dokuments gedroht habe, wenn die Zeitung ihre Politik nicht ändere. Diese? Dokument ist ein Vertrag zwischen der Geschäftsleitung des „Temps" und dem Sowjetbotschafter K r a s s i n, her im Einvernehmen mit der Sowjetrepublik den Vertrag unterzeichnet hat, wonach das Blatt 400.000 Franken erhalten soll, wenn es seine antibolschewikische Haltung ändert. Herriot soll dieses Dokument um 5 0.0 0 0 Franken gekauft haben. Rach einer weiteren Meldung wird darauf hingewiesen, daß vor kurzem der Vizepräsident des Staatsrates Colson wegen einer pessimistischen AeuHern n g über die Finanzlage Frankreichs in ein Disziplinarverfahren verwickelt werden' sollte. Seltsamerweise' hat Tschechoslowakei. Segenrechnvna. ner Morgenzeitung".) aber der Ministerrat beschlossen, nicht weiter gegen Colson Vorzugehcn. Als Grund wird angegeben, daß die Abgeordneten der Rechtsopposition gedroht haben, in öffentlicher Kammersitzung c in e Reihe ähnlicher A e u ß e r u n g c n bekannter Staatsmänner zu verlesen, falls Colson verfolgt werden sollte. 8n Genf. Genf, 8. März. (Schweiz. Dep.-Ag.) Der tschechoslowakische Minister des Aeußern Dr. B nt c s ch, der polnische Minister des Aeußern Skrz ynski und der ehemalige griechische Ministerpräsident Veniselos sind heute hier eingetroffen. Sattes — Präsidentschaftskandidat. Berlin, 9. März. (Wolfs.) Wie die „Vossische Zeitung" und die „Zeit" melden, wird der Arbeitsausschuß der Rechtsparteien und anderer wirtschaftlicher und kultureller Organisationen den früheren Reichsinnenminister Dr. Jarres zum Reichspräsidenten Vorschlägen. Der bisenbahnerstreik kn Deutschland. Dresden, 8. März. Die Pressestelle der Reichsbahndirektion Dresden teilt mit: Bei einigen wichtigen Dienst- ' stellen -haben sich Streikende zur Wiederaufnahme der ÄritettgenteHtet ©erca««!) weiterhin nicht gestört. Wenn die Reichsbahndirektion den Anforderungen des Wirtschaftslebens hat genügen können, so ist dies zum großen Teile der Dienstfreudigkeit des pflichttreu gebliebenen Personals zuzuschreiben. Insbesondere leistet die Beamtenschaft. jeden Dienst, darunter auch. inaktive Beamte, die dem Ruf ihrer alten Verwaltung in großer Zahl gefolgt sind. Die ungarische Lvvosition. Budapest, 8. März. (U. T.-K.-B.) Die sozialdemokratische Reichstagsfraktion hat in einer bis in die späten Nachtstunden währenden Konferenz beschlossen, die ihr angeborenen Stellen im Wahlrechtsausschuß nicht anzunehmen und überhaupt an ihrer bisher bekundeten Passivität nichts zu ändern. Denselben Beschluß hat auch die vier Mann hohe Ruppert-Partei gefaßt. Der Linksblock will in einer morgen abends abzuhaltenden Konferenz darüber schlüssig werden, ob er die Passivität ailfgibt und sich an den Beratungen der Nationalversammlung, sobald die Wahl re form auf die Tagesordnung gestellt sein werde, beteiligt oder nicht. Budapest, 8. März. (U. T. K. B.) Heute nachmittags wurde in Ofen eine Versammlung der bürgerlichen Partei anläßlich der bevorstehenden Wahlen in die Stadtvepräsentanz abgehalten. In' der Versammlung ergriff auch Minifterpräsidetvt Graf B e t h l e n das Wort, der u. a. darauf verwies, daß eine gute Gemeittdepolitik betrieben loerden müsse, die sich ausschließlich ans produktive Arbeit beschränkt. Das Konsolidierungs-Werk habe auf dem flachen Laude raschere Fortschritte gemacht als in den Städten. Die Revolutionen haben die Mittelklasse imd das Proletariat einander gegenüber gestellt. Die Führerrolle sei der Mittelklasse entrissen worden, die auch wirtschaftlich zugrunde gerichtet wurde. Das Gleichgewicht der gesellschaftlichen Klassen muffe Wiede rherge stellt iverden. Um eine produktive Politik treiben zu können, dürfen weder die konfessionellen Gegensätze zugespitzt noch aber die extreme radikale Demokratie verwirklicht werden. Die Judenfrage sei keineswegs eine Frage der Weltanschauung. Alles Böse müsse geahndet werden ohne Rücksicht darauf, ob man es mit Christen oder Juden zu tun habe. Der Ministerpräsident warnte sodann die bürgerlichen Elemente vor einem Z u s a m m e n g e h e n m i t d e r S o z i a l d e m o kr a t i e, da diese Partei auf eine schiefe Ebene geraten sei. Redner ha>be den Führertt dieser Partei den rechten Weg gewiesen, als er ihnen ta* Versprechen abnahm, die Politik der Zweideutigkeit und der revolutionären Richtung in öhrer Verbindung mit den Kommunisten und den Emigranten au>fzugeben. Sie h ä t t e n j e d o ch ihn u n d s i ch .s e l b st g eprellt. Wenn.sie nun ihre eigenen Schwierigkeiten haben, liege dies daran, daß sie jene Elemente nicht verdrängten. oie nicht dorthin gehören. Die unter Führung V a s z o n y i s stehenden Demokraten würden', wenn die Sozialisten zur Macht gelangten, gewiß wieder beiseite geschoben werden. Der Ministerpräsident schloß seine Rede, indem er die Bürgerschaft aufforderte, jette Männer zu unterstützen, deren Leben nicht in Politik, sondern in pro dtcktiver Arbeit aufgegangen fei. Hakenkremlertatt. Graz, 8. Marz. Die beide» tschechoslowakischen vereine „Praha" und „Tschechisches Herz" hatten für heute abends aus Anlaß des 75. Geburtstages des Präsidenten M a s a r y k eine Feier im Hotel „Roß" geplant. Eine Abordnung der deutschen nationalsozialistischen Studentenschaft verlangte von Polizeidirektor Kunz die Untersagung der Veranstaltung, die sie als eine nationalistische Kundgebung ansehe. Der Polizeidirektor lehnte jedoch dieses verlange» ab und erklärte, daß die Feier unter allen Umstanden geschützt werde« würde. Diesen Standpunkt teilte auch Landeshauptmann Dr. R i n t c l e n. Trotzdem sagten die beiden obgenannten verein« im Lause des heutige» Tages die Feier ab. Abends von etwa 150 Studenten unternommene versuche, vor dem für die Feier ausersehenen Lokal sowie vor d/m tschechoslowakischen Konsulat zu-demonstrieren, wurden durch starke Wacheabteilungen verhindert. Die Studenten marschierten hierauf M Technischen Hochschule, wo in Ansprachen hervorgehobcn wprh^ daß He drntschvölkische Studentenschaft noch Mer dem' Eindrücke der vor wenige» Tage» in Graz abgehalten^» Gedenkfeier für die vor vier Iahten in deutschen Städten Böhmens und Mährens erschossenen deutschen Opfer stehe. Nach Absingung von Liedern zerstreuten sich die Demonstranten. Der Mrder vom Karlrplatz. Am 17. Jänurr vieseß Jahres.gegen 11 Uhr vormittags wurde im Haufe Karlsplätz 3 ein. furchtbares Verbrechen verübt. Die Eomptoiristlll Bert« Ge i s le r war von eta Burschen durch einen. Dolchstich in den Hals getötet itidb ihrer Mtentafche, .in der sich 30 Millionen bvs-cmiden, beraaM worben. Am nächsten Tag gelang es, den Mörder in der Person des Wjährigen. Buchbmderg.'hilfen Kavl Berg me ist er' feftzuuehmen. Hsute hat er sich vor den Gefchwornen wegen Raubmordes zu verantworten. Er hatte vor mehreren Monaten mit Berta Goisler BeziehtMgert arrgektmpft, dann längere Zeit nichts von sich Horen lassen, sich ihr aber kurz vor der Tat wieder geitähert und — wie er nach der Vkrhaflung selbst zugab — die Absicht gefaßt, sie Zu berauben. 1 Er fei sich sofort klar geworden, daß er dies nur mit Aussicht ans Erfolg ttm könne, wenn er die GeiSler töte, da sie ihn ja soirst verraten würde. Am 15. Jänner habe er die Geister m der Nähe ihres Dienstortcs erwartet und mit ihr eine Zusrmmrenkunft für den. nächsten Tag vereinbart. Bei diesem Zu-, sammentrefsen habe sie ihm mitgsteilt, daß sie am nächsten Bornrittag einen Geschäftsgang zu besorgen habe und ihn aufg^ordert, sie zu begleiten. Sie haben sich dann getroffen und er bade jetzt den Plan erwogen, sie zu erstechen, tun ihr das Geld zu rauben. Im Hausflur Karlsplatz 3 habe er gewartet, bis die Geisler gltrückgekoumlett sei, habe ihr seine Llktentosche zu halten gegeben, so daß sie keine freie Hand hatte, da sie in der anderen ihvt Handtasche, in der er das Geld vermutete, hielt. Dann halbe - er ihr mit dem H i rfchk n i ckc r, den er in der Rocktasche vevborgen hatte, einen Stich in den Hals v.ersetzt. In: den Hals hade er deshalb gestocl-en, wcil er gehofft habe, ärrf.diese Weise zu verhiisdcrn, daß sie schreie. Sie habe aber .trotzdem geschrieu, tveshalb er ihr den Mnnd zngehalten und dann einen Sckllag auf den Kopf versetzt habe. Als er Lortte kommen sah, habe er ihr rasch die beiden Taschen entrissen uu'b sei, nachdem der Versuch, ihr auch den Hivschknicker wegzünchmen, mißlungen war, geflüchtet. , Die gerichtsärztlich» Untersuchrtng seines' Geisteszustandes ergab, daß Bergnteistcr, der sich schon früher zahlreicher Berfchlungen schuldig gemacht hat, weder geisteskrank noch geistesschwach ist und daß seine Zurechnungsfähigkeit anßer Zwei- , fei steht. Den Vorsitz im heutigen Prozeß fi'chrt Hofrat 'Doktor A ich i nge r. Die Anklage vertritr Staatsamvalt Dr. W ag- 'n(r, als Berteildvger mtevveniovt Dr. Valentin Teirich. i i