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Wiener Morgenzeitung · 1925-03-08 · Heft 2172 (8.3.1925) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2172 (8.3.1925)
Date
1925-03-08
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Seite Sf Wien. Sonntag BERLINER HÄUSER in jeder Lage gegen Kassa zu kaufen gesucht.Vermittler verbeten, juwelengeschäft.Wien, IX. Wähn nger strassc 6 Telephon Nr. 19-0-42 -ss Problem derMaffenwanderung. Vs» Tr. Michael Ringel, Mitglied des polnischen Senats. Millionen Juden leben zwischen dem Schwarzen und dem Becktischen Meer, die feit dem Beginn des Weltkrieges eine lange Serie von Mißgeschick vurchpunachen hatten. Die KrivgSoperationen an sich, dk Zerstörung der Meinen Städte, in denen die Mehrzahl der Inden lebte, die oft mit barbarischer Strenge dnrchgeführte Evakuierung der ÄriegSzonen, bk Verarmung großer T.Äe der jüdischen MitteMaffe unter der bolschawiki-schen Herrschaft und der wirtschaftliche Antisemitismus haben zuscMtmenyewirkt, um dve J^öden zu rmnieven. Infolge dieser schrecklichen Umstande -aftmten sich die Juden Jahre hindurch in einem Zustand größter Unruhe. Zeittveilq gab sich ein allgemeiner Wunsch nach Auswanderung in größerem Maße kund, doch scheiterte ein solches Beginnen jede-mal an dm großen technischen und adnrmistrativm .Hindernissen. Naturgemäß hat auch die Hoffnung, daß eS in dm Ländern, in Venen die Juden erhgeftffeu fdck», noch bester teerten könnte, viel dazu bei-- getmgen, daß die MafsenEigrationSbewegumg nicht recht in Fluß kommen wollte. Heute jedoch hat der Pessimismus der Masten bereits ein sieches Maß angenommen, daß sie bereits nur in der MS.vandemng eme Rettung erblicken. Dieses negative Empfinden, verbunden mit der Positivem AttziehurWkvctst Evez Israels, bringen es dazu, daß die jüdischen Dollsmasftn in dem Land, das sie zu Zeiten großer UngKtckSfäÄr stets angezogsn hat, eine Zuflucht suchen. Es ist sehr gut möglich, daß schon in naher Zukunft eine große Nachfrage nach Einwantevumgs-möglichkeiten in Erez Israel auf einer viel größeren Basis als es bisher geschehen ist, entstehen wird. Es ist daher von Interesse, ein nerus praktisches Experiment kennen zu lernen, welches unter den Auspizien des Völkerbundes ausgeftHrt um-d in der Uoberfühvuing und AnftedtKmg vom eineinhaillb Millionen Menschen durchgchuhrt wurde. Bekanntlich enthÄt der Lcmsanner Friedensvertrag eine Bestimrmung, wonach die der griechisch-orthodoxen .Kirche mrgehovemden Bewohner der Türkei nach Gviechenkland übeHietelt, wahres» die in Griechenland ansasiigen Mohrnrmeda'ner in die Türkei transportiert werten sollen. In WiMchkeit hat die Auswanderung der Griechen schon zu einer früheren Zeit, besonders nach der Besetzung Smyrnas du>rch die Türken, begonnen. Gegen Ende des Jahves 1922 flüchteten einige Millionen Griechen aus dem Innern von Kleinasien an die Küsten. Eine Anzahl von ihnen war in der Lage, aus eigenen Mitteln die Reise As nach Griechenband zu machen. Allmählich erreichte die ZM der Personen, die mit eigenen Mitteln oder mit Hilft: Dr. illansens. des Vertreters des Völkerbundes, die Ueborsiedtung durchführten, wie bereits erwähnt, eineinhalb Millionen Seelen. Höchstens zwei- bis teeihuuderttcmftnd befaßen irgend welche Mittel. Alle übrigen waren aller Mittel entblößt und mußten mit Nahrung, Kleidung und Obdach versorgt werden. An dem Hilfswerk warm britische und amerikanische Hilfsorganifatiomen — die Near East RÄi-cs Society, das amerrkani'che Rote Kreuz und der Atl-Gvoß- British Apeal — beteiligt. Die griechische Regierung ft'-nb dein Problem der Ansiedlung dieser großen Menschenmasfen, die in ihrer Zahl einem Fünftel der Bevöllerung von Griechenland entftwachen, gegenüber. Und die große Aufgabe sollte zu einer Zeit unternommen werten, in tvelcher Griechenland durch eine zwölf Jv'hre währende Periode von Krieg und MöbÄisierung völlig verarmt daslwnd. Eine Anleihe im Auslände zu erlangen, erschien mit Rücksicht auf die politischen Unemigke-rten rm Lande unmöglich und die Griechen Kvarm gezwungen, sich an den BAkerbund « moralische Unterstützung und technische Hilft z»r wenden. Das war rm Februar 1923. Der BöKerbund regte die Bildung eines „autonomen Siedlungsaimtes für Flüchtlinge" an. Dir Kosten des Kolonisation Ävertes wurden auf 10 Millionen Pfund geschätzt. Düse Summe sollte im AuÄante unter Sicherst!: llurrg gewisftr Staatseinkünfte ousgonommen werten. Der Boden und die Einrichtung, die den Siedlern Angeführt werden, sollten gleichfalls formell in das autonome Amt investiert werten, um auch auf diese Weife eine weitere Sicherstellung zu schaffen. Di« Kolonisten sollten die Zinfeulaft der Anleihe tragen. Ts ergaben sich große Schwierigkeiten bei der Beschaffung der Anleihe, doch eine Aktion der Bank von England und zweier Vertreter des VAkevbuntes — Kolonel Proctor und Kolonel Trevor — ermöglichten doch den Beginn einer praktischen Lösung der Frage. Das autonome Amt" gab einen Bericht über feine Arbeit während der ersten sieten Monate feines Bestandes heraus. Der Bericht zeigt, daß das Amt den Betrag von drei Millionen Pfund zu seiner Verfügung hatte, wovon zwei Millionen di« Bank von England im Woge der Bank von Griechenland zur Verfügung stellte. Die dritte Million tanate durch die griechische Stegierung vor- Mlener Morgeiizeitrma. geschossen. Es wurden in dieftr Zeit wtsäcblicki angesiedelt: In Ddazedönien lo.OCO Familen. in Thrazien 5600. in Griechenland 2800. insgefanrt also 23.300 Fa milron. Es wurden 8600 Häuser erbaut und 16.228 Pflüge verteilt. Die Administrativspeftn überschritten nicht 3^ Prozent der gesamten Kosten. Dir Anleihe in der Höhe von 10 Millionen Pftmd für die Ansiedlung der klemasiatischen Flüchtlinge in Griechenland ist vor kurzem gleichzeitig in London. Naw- Aork und Athen zur Snbskription auMegt worden. Dieser Betrag ist nwhrfach überzeichnet worden. Die Aufteilung der Anleihe geschah in der Form, daß du englische Tranche sechs Millionen Pfund auSmacht, Amerika übernahm zehn Millionen Dollar und Griechenland zlvei« e'mhalb Millionen Pfund Sterling. Die glatte Unterbringtling dieser Anleihe sowie der Hauptanteil an dem glücklich gelösten Experimente der Maste nansiM-mrg ist ein Verdienst des Volkerbundrates. Di« kommt auch m dem Telegramm zum A-uSdruck, welches der griechische Minister des Aaußern Roussos nach der geglückten Durchführung ter Anleihe an den Völkerbund richtete. Er dankt darin tem Völkerbund für di« Hilft bei der Durchführung ter Anleihe, ,/toettäp' definitiv die AnsiädLmg ter Flüchtlinge sichert". Aus diesem hier bloß in ganz allgemeinen Zügen beschriebenen Experiment können gewisse, für die Zionisten lehrreiche Schlüsse gezogen werten. Wir sehen, daß eine Zentralorgcmisation» di« die Unterstützung ter Regierung besitzt, ftlbst unter ungünstigen Bedingungen in ter Lage ist. ein Kolomfttronswerck mneöhakb einer verhältnismäßig kurzen Frist durchzuiführen. Die Idee von ter ,Mpazitat des Landes" muß mit großer Vorsicht ausgenommen werten. In Griechenland wurde in einer kurzen Zeit eine große Bevölkerungszahl, und zwar mit vollkommenen Erfolg angesietelt. Mas das Finanzielle betrifft, scheint das erwarte Experiment darauf hönzuwoiftn, daß zur Durchführung einer Masseirsiedlamg eine langfristige Anleihe notwendig ist. Eine solche Anleihe ist jedoch nur temn zu haben, wenn die Juten selbst in der Lage sind, die erforderliche Kreditgvundlage zu schaffen oder wenndie Palastinaregierung oter die Mandatsmacht oder der Völkerbund ihre große moralische Autorität dem Plane zur Verfügung stellen. Gemäß dem Roftnblatt-Plan ist der Besitz ter verschiedenen palästinensischen KomnwMkvevwMungon zusammenzu- - schließen, um als gemeinsame S!cherstellu.ng für eine Anleihe zur Befriedigung ter Bedürfnisse der verschiedenen Stadtgemeinten dienen zu können. Eine größere Anleihe kann jedoch ohne Garantie der Lantesregierung nicht erreicht werten. Es scheint, daß im Sinne des Mandats die Mandatsregierung di« Pflicht HM, eine solche Anleihe durchzufttzen. Die aus gewissen Bedingungen in Palästina sich ergebenden Schwierigkeiten können überwunden w-erderi, wenn der Mttc Wille ter Regierung vorhanden ist, besonders wenn man bedenkt, daß die wirtschaftlichen Folgen ter Einwanderung ter Irrten ohne Zweifel auch für den Rest der Bevölkerung große Vorteile haben würden. Wir müstvn unsere Rechte, die sich aus tem Mandat ergeben, geltend machen. Sie bestehen nicht bloß in einer Garantie für ein Darlehen zur Unterstützung ter Kolonisation, sondern auch wie es ausdrücklich ftstgestellt wird, darin, daß uns staatlicher Boten zugesichert wird. Wie in tem Fall« ter griechischen Anleihe würden diese Bodeuflächen, wenn sie an di« Iewish Agency übertragen wären, an sich ein« Garantie davstellen, aus ©nwtb welcher eine Anleihe erhalten werten könnte. Unsere politische Taktik müßte mit diesen Ansprüchen im Einklänge stehen. Wir können sowohl beim Völkerbund als auch bei ter britischen Regierung aus den uns im Mandat zugewreftnen Rechten bestehen. Wir können noch mehr auf die immer. steigende große Notlage ter Juten hmtveiftn. Genau so wie ter Völkerbund den nach Griechenland zurückkehre irden Flüchtlingen und Repatrianten so große Hilft angeteihen ließ und zur Ueberwachung dieser Bewegung einen eigenere Vertreter, Dr. Nansen, er- ' nannte, so möge e>r die Bedürfnisse der in den europäischen Häftn „gestmuteten" siidischen Auswanderer untersuchen lassen rvnd, »was noch wichtiger ist, di« Lage der Juten in Ostourolpa. von wo aus früher oder später eine Massenflucht entstehen kann, in Erwägung ziehen. Der Völkerbund -hat. wie in dem Mandat für Palästina zu ftten ist, ein besonteres Intereste an deur Nationakherm für das jüdische Volk. Er möge also schon aus purer Meuschlich- Seit die Angelegenheit der Millionen Juden, die in Ostamopa Not leiden, betrachten, wie er den Fall ter griechischen Flüchtlinge in Kleinasieu in Betracht gezogen hat. Di« Uebevsiedlung dieser friedfertigen fleißigen Bevöfferrvng nach P.'lästina würde drei gute Zwecke vorftlge^l: .Httiterttanftnte verzweifelter Menschen würden nützliche Bürger von Palästina werten, der Druck ter 5donkurreng in den osteuropäi'cheu Staaten würde verhmdert werden und die Produktivität Palästinas würde schließlich zum Vorteile seiner Gefamtbcvölkevung echöht werten. Set Klirdenaufftand. vor dem Falle von Siwas? Athen, 7. März. (Tol.-Konrp.) Nach Duldungen aus Konst an tinopel hat sich ter Aufstand der Kurden weiter ausgedehnt. Der Fall ter Stadt S i w a S scheint unmittelbar bevorzustehen. Der Führer der Aufständischen, Scheich Said hat an die Truppen eine PvoLamation gevichtet, tvelche alle Anhänger des ^nohanvmedanischen, Glaubens ausfovdert, sich unter der Fahm ter Religion rju/m Dampft zu famnwl». mit eingebauten, MBersött“*Gummi-Absat2 Schuhe! «hamberlatn in Paris. Diplomatische Besprechungen Uber den deutschen Garantie Vorschlag. Paris, 7. März. (Havas.) Nach Schluß der Befprechungen des Ministerpräsidenten Herriot mit dem.englischen Außenminister Chamberlain wurde folgende amtliche Mitteilung veröffentlicht: Der englische Außenminister Chamberlain und Aunisterprästdent Herriot hatten zwei Besprechungen, um die gegenwärtig sich aufwerftnden äußeren Probleme, insbesondere das Problem der Sicherheit, einer Prüfung zu unterziehen. Der erste Meinungsaustausch er^ folgte im Geiste vollkommener Herzlichkeit, mit tem Willen, praktische und wirksame Lösungen zu suchen. Die beiden Staatsmänner kamen überein, daß diesem Meinungsaustausch diplomatische Verhandlungen im Einvernehmen mit den Alliierten zu folgen hätten. Chmnberlain beabsichtigt, sich abermals m Paris aufzuhalten und nach der Sitzung des Völkerbundrates in Genf mit Herriot neue Besprechungen *u pflegen. •_— Solen und Oer deutsche Sarantlevorschlag. Erklärungen des polnischen Ministerpräsidenten. Warschau, 7. März. Der im diplomatischen Meinungsaustausche erwogene deutsche Vorschlag eines Garantievertrages hat in Polen starke Erregung hervorgerufen, die sich auch in mehrfachen Interpellationen im polnischen Parlament äußerte. Wie bereits gemeldet, ist der polnische Außenminister Skrzynski nach Paris gereist; angeblich erfolgte die Reise, weil verlautete, daß im Austausche gegen einen deutschen Garantievertrag der Danziger Korridor an Deutschland abgetreten werten solle. Skrzynski hatte gestern nachmittags eine Unterredung mit dem frarrzösischen Ministerpräsidenten Herriot und heute mit dem Präsidenten der französischen Republik. Anscheinend aus Grund der aus diesem Meinungsaustausch hervorgehenden französischen Versicherungen hat heute in Beantwortung der Interpellationen sämtlicher polnischen Parteien des Sejms und des jüdischen Sejmklübs Ministerpräsident Grabski im Warschauer Parlament folgende Erklärung abgegeben: . . , ' Auf Grund von Informationen, die die. polnische .Regierung erhalten hat, kann ich feststellen, daß die französische' Negierung auf die deutsche Anregung erklärt hat, daß sie die Initiative Deutschlands nur im engen Einvernehmen mit den Verbündet e n prüfen konnte und daß nur ein solcher Vorschlag für Frankreich annehmbar wäre, ter sich im Rahmen des Versailler Vertrages halten würde. Darüber hinaus bildet, soweit es sich um die Sicherhcitsfrage hantelt, das Genfer Protokoll die Grundlage der französischen Politik. Ich kann weiter feststellen, daß.-im gegenwärtigen Zeitpunkt keine bindenden Entscheidungen oder Verpflichtungen in dieser Sache zu gewärtigen sind. Nichtsdestoweniger will ich klar und fest den Stau d- Punkt der polnischen Regierung darlegen, die sich ihrer Verpflichtungen bewußt und der einmütigen und rückhaltslosen Unterstützung in dieser Frage sicher ist. Polen wünscht aufrichtig den Frieden und lehnt niemandem gegenüber seine Mitarbeit zwecks seiner Erhaltung und Festigung ab. Als unerläßliche Bedingung dafür betrachtet Pulen die strikte und volle Beachtung der t e r r it o r i a l e n B e st i m nt it n g c n der Friedensverträge. Jede Verletzung des durch die Fricdensverträge festgesetzten Tatbestandes von irgend welcher Seite und ans irgend welchem Wege wird die entschiedene und entschlossene Abwehr der polnischen Negierung finden, die dabei der zweifellosen und vollen Unterstützuuf ihrer Verbündeten sicher ist. Zer amerikanische »otschatter in Berlin. Relv-Nork, 7. März. (Wvlff.) Charles D. Hilles ist znm Botschafter der B e r e i n ig t e n S ta a te n i n B e rl i n ernannt worden. Hilles ist ein hervorragender Bersichenmgs'begmter und Direktor vieler Bersichermrgsgeftllschaften und industrieller Konzerne. Er tvar früher Borsitzenter des repMikanischen Natioualansschusses, zwei Jahre lang Unterstnatsftkretär nn Schatzamt, 1911. it# 1912 Privatftörvtär des Präsidenten Taft. Set deuWe tzisenbahueraurstand. Berlin, 7. März. (Tel.-Komp.) Der Streik der Eisenbahner hat in Sachsen eine weitere Ausdehnung erfahren. In Köln, Frankfurt a. M., Elberfeld und Essen finden heute große Eisenbahnerversammlungen statt, in denen auf Grund der heutigen Verhandlungen in Berlin neue Beschlüsse gefaßt werden sollen. Irgendwelche Störungen im Güterverkehr sind biö jetzt noch nicht welche Stövu-ngeti im Güte wertehr sind nicht eingetveten. Inzwischen hat sich die Situation infolge des Scheiterns ter heutigen Verhandlungen außerordentlich verschärft.

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