Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2170 (6.3.1925)
- Date
- 1925-03-06
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
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Rr-_gBitit, Fnikg _Wiener M-rarnzcltun«. 6. März 1925 Seit« 7 Bühne und Kunst. AredrrliI Leilus' »Meffe des Lebrns". Frede rick Del ins »st in Wien noch so Mt wie unbekannt. Der ntehr alS 60jährige Tondichter, der, in England als Sohn deutscher Eltern geboren, jahrelang als Pflanzer ans seiner Orangenplantage in Florida wellte, spater tot Deutschland Musik studierte m».d seither in Frankreich lebt, zeigt auch tot seinem Tonschaffen eine gewisse Jnternationalilät. Eine nor» »vegische Suite, eine englische Rhapsodie, seine Orchsstervariationen „Appalachia" über ein amerikanisch-tochiantscheS Sklavenlied. «in Muslldrama „Koanga" und ein Nachtstück „Paris" sind Früchte seiner Wandvvungen über Land und Meer. Da. neben noch einge Misilldramen, Sonaten und Kmrzevt«, Ouvertüren und andere Werk«, i>n den-en er vielfach die Natur schildert, Ausläufer des Impressionismus, farbige, glanzvolle, for- »nal nur unscharf umvissene Gebilde. Auch seine „Messe des Lebens", ein hohes Lied des DiesfeitS, nach Worten aus Nietzsches „Zarachustra" frei zusammenaesteNlt, ist nur lole geformt; salbst der prachtvolle einleitend« Tappelchor — in weilchom DvlinS den Willen anruft, wie Mahler in seiner „Achten" den Schöpfer Geist — und dar feierlich schone Finale „O Menisch, gib acht" weisen weder formal noch motivisch ein engmaschiges Gewebe auf. Duft und Rausch, Dämmeru>tS> Traucezuistände, irisierende flnnnvernde Klänge, hübsch« kleine Einfälle, doch fetotc ursprünglich starke, wechselnde Rhychnrik und nichts von der Trunkenheit deS Tänzers Zarathustra, für den ettva Richard Strmrß ganz andere Tone gefanden hat! Wohl singt Dessins vom heilig gesprochenen Lachen und von dm leichten göttlichen Tänzen von Mädchenfüßen mit schönen Äinöchaln, doch statt der göttlichen Leichtigkeit des den Uebermenschen besingenden Gmies verirtomnt nran müde, zwitrevhafte Stimmungen eures kenntnisreichen zivilisierten Tondichters, der etwa im Orchostervorfpiel znm zweiten Teile die weltferne Verlassenheit des Hochgebirges mit der Einsamkeit seines eigenen Innern in impn^ssioniftischen Gleichklang bringt. Der verstärkte Chor der Wiener Singakademie und das Symphonioorchoster unter Paul v. Klenaus Leitung waren die begeisterten Interpreten des monuinentaifen Werkes, dessen Soli mit den Damen Forstel und Anday, den Herren Preuß und D u h a n vorzüglich besetzt waren, flb. „Au Alle...!" Di« Sensationsrevue im Ronacher. ilbmt hat auch bei m»s die Revue amerikanischen C.isss, die grandiose Mischung von AuSstabiung, Dekoration, Musik nüd Aktua>!ität ihren Einzug gciseiert und sofort den Enehustasmus des W'iener PuAsskums erregt. Don Dr. Fritz Beda sianmrt die originelle Idee und der nicht minder charaikterrstische Titel „An Alle . . .!", von Eric ChareH, dam berühmten Revueregisscur, die sogenannt« Aufmachung, die Musik haben unser Ralph Benatzky, der Berliner Schssagerkmnponist Rudolf Nelson und ix Ncw-Aorker Irving Berl i n beigeftonert. Eine Reihe erstklaffigor Künstler, unter ihnen die zwei Berliner Prof. Ernst Stern und der humoristische Zeichner Walter Trier sowie der Pariser Rone Hubert, haben in der Erfindung origineller Szenen mtd Farbrnkompositionen miteinander geiwetteifert, der Solotänzer Fränzl von der DoWoper den choreographischen Teil nieisterhaft >bewälitigt, die Riesenarbeit der Regie der vom BMsiheater her bekannte Julms Brand geleistet. Es ist ein Massencmsigekbot von Bi'ldevrt, Farben, Tanzen, humoristischen und aktuellen Szenen in ebner Pracht, wie sie bisher noch auf iksmer Wiener Revnetbühite geboten wurde. Ms erstes Bild das Sextett droier Ehepaare, die miivinainder streiten, weil die Frauen mit ihrer Toilette nicht fertig werden, eint toller Wirbel, hierauf ein Blick hinter die Kulissen, öm anmutiger Tanz der Girls, überaus originell vor einem gemalten Zrchchauervauim. komponlevt, ferner eine Huldigung für Johann Strauß mit Gesang and Tanz (echtes Wiener Ballett), als blondere Augenwoide die Szene „Galante Zeit" mit Marquisen, deren Ehomänmevn und Pagen, und als Abschluß des ersten Teiles ein KolloffaVbÄd „Die Mütter der ganzen Welt", ein szenisch und nvusikalisch grandioser Hymnus auf die vösskervorsöhuende Mutterliebe mit OrgMa>ug und gemischtem Chor. Gemütlich komisch sind die Szenen, in welch?« Oskar Sima von der Josvsstadt als Schanibudenbefitzer, Pfadfinder und Wiener Pülcher chavakteristi'ffte Typen auf di« Bein« stellt. Den Abschluß des ersten Teiles bildet der HymnnS auf das Gold und die Liebe, in welchem sich die gwßen, vergangenen Kuliiurcpochen von der Renaisfanve über daS Rokoko bis zur Biedermeierzeit ein amüsantes Rendezvous geben. Der zweit« Teil ist mehr ans Stmvmnng und Naivität eingestellt, begmnowd ni>it «itover „Orangenernte in Sizilien" und endend »nit einem entzückenden Bild ,F)indertraum". Es ist dies eine wivudervolle Träuurpha-ntasie in bmvter GroteSkheit von Malier Walter Trier entworfen, mit Pulppenhänfern und allen Arten lebenden Spielzeuges: Svl!dati?n, Riefen, Neger, Trommler, Roi'er und Fahmniträgor treiben ihr brrnteS Spiel, überaus stilisiert im >dostüm und Gobärde, und geben die fa-zmierende Illusion dort der Tramnphaintasie eines Kindes, das feine LiÄttuBwünfche erfüllt sicht, also ein liMicheS Ende des slvgg.stiven Rufes „An Alle!", der auch clbenfv gtrt „Für Alle" lauten konnte. Das Entzückendste des ganzen Abends, trotz der grandiosen Revue, auf die man sich unbedingt konzentrieren muß, sind die John Tiller GirlS, die Repräsentantinnen blonder englischer An'Mto, die höchstes äthelifcheS Wohlgsfallrn erregen, ob sie km Dan;- oder Marschschritt über di« Bretter schvüben. Zahlreiche Einlagen, wi« die aktuellen Couplets der feschen Franzi Ressel, di« Sperre „Veronika" mit Oskar Sima nnd RoSl Berndt, die künstlerisch vollendeten Gescmgsvovträge der Koloraturpkintadonna Klara Musil, die Excentrittünze der d«8 Hvqor brto^eu reiche Mvechpang. Frauenschönheit »md Kcftümpracht vereinigen sich zu unerhört phamastlschrr Wirkung mch machen die Rmmcher»Revu« zu vtowm ersten Ranges. o. r. >m den Aretern. Burgtheater. Morgen, 7 Uhr abends, die Komödie „F e n st e Akadrmietbeater. Morgen, V*8 Uhr abends, die «ontöhfe „Der Liebhaber". Av! ksoper. Heute „L o h e n g r i n". Morgen »Gräfin Mariza". Deutsches Bolkstheater. Morgen. 3 Uhr nachmittags, „Die Jungfrau vonOrleans". Sonntag, zum ersten Male in dieser Saison, .Paracelsus" von Schnitzler und Tolstois „Er ist an allem schuld" mit Alexander M o i s s i. Al» nächste Neuheit wird di« Komödie „Die Wollust der «nstLudigkett" von Luigt Pirundello mit Alexanter M o i s i i vor- Bereitet. NenesWiener Stadttheater. Morgen und übern,orgen Gastspiel deS Par,ser Lheatre du Grand G u i g n o!. Tbeater in der Foiefstadt. Sonntaa,'/,l2Uhr vonnittags, T a n z m a t i « e e der 19jährl-en Mnnci Bulla. KomSdieuhauS (Exl-Dühne). Heute, znm ersten Male, das Drama „L i e b e S s ü n d e n" von I. W e r kntonit. Lustspieltheater. Die Komödie .Die letzte Warnung" kann nur bis einschließlich Sonntag gegeben werden. Montag Uraufführung der Schwankes „Der Svrung i n d i e E h e" von Max R e i m a n n und Otto S ch w a r tz. Theater an der Wien. Sonntag, 3 Uhr nachmittag», „D t e s ch S n e H e l e » a". Matinee der Concordia im Theater an der Wien. Zmuunften drs PenfionSfonds des Jouvnolist.'n- und Schrfftstellewereius Cmtoordia und der Freiwilligen Rettovugsgebcllsthaft fcmd füngsi «in« NachmtotagSvorftellunig ton Dhsater an der Wsen stovto, welche die Erstaufsühruna der Ballettpawtvmime „Der Liebesbrief" von Mana-Rano mit der Mnfrk vmt Hans B u r ck m ö 51«t brachte. Der Licbesbrref «iift cim« entzückende Vision von zahlreichen tot den Postkästen gcworfEn Drivfen, dir? lebendia werden und ihr heiteres Spiel miteinander treioen. Für die Darsteltomg der einzelnen Parto>?n hatten Llli Marder^, Raolü A s l a n uw das Cerri-Ballett ihre große Kunst in den Dienst der Wohltä'/.ig'retoSakt'ion gestellt. Stürmilsch beklatscht wurde >dic singend? rmd tanzende Louise Kar tausch, die mm auch auf dom Brettl sich zu einein Star «ntwickM, rmd die klaKsische Maria Letz. Die Matinee setz«!« mit den, Suppeeschen Emalter „D i e s chone Galathee" ein, in der sich Rose-dte And ay. Marie Rajdl u>nd die Herren Karl Oestyig mvd Louis Trenman n auSzeichneten. Es war ein Erfolg arvf der ganzen Linie. R. W. Fanny Cleve. Aus Leipzig wird vns telegraphiert: Fa-nny Cleve, die Primadonna der Berliner Großen Bolksoper, to't vom Gemerv>lmufÄdirek!vr Brecher für das Leipziger Opernhaus ab 1.. September engagiert ''tyoidep Und wird'schon von jetzt an als Gaft äuftredeni Wiener Overettenfestfpiele in Bozen. Die unter Leitung von Hermann Frischler urrd Lnstrg-Prean stehenden Wiener Opevettenfsstjfpiole nehmen, wie aus Bozen berichtet wird, am 14. d. mit der ,Bajadere" ihren Anfang; am 20. d. goht „Gräfin Mariza" in Szene. Den, Enfam'bl« gehören »l. a. an die Damen Bachvich, Cond«, Hügel und Moll sowie die Herren Divoktor Gustav Müller, Karl Pfann, Ralf Ostermamt, Stratzbevg und Wcnning. Der größere Teil des Ensembles nimmt an der am 1. Mai beginnenden Operettenspielzoit DivEor Müllers in Konstantinopel teil. Die Salzburger Festspiel« werden in der Zeit vom 13. bis 31. Tlugnft diäses Jahves ftaicfinden. In dem neuen FMaal werden Hoff mannst hals „Das Salzburger gwße Wollcheater" sowie „Das Mirakel" von Vollmöller aufgeführt nno drei Ovchefterkangerte der Wiener PhilharqnonÄer veranstaltet werden. Im Stadttheater kommen Mozarts „Don Juan" und ,^vgaros Hochzeit" sowie „Ton Pasquale" von Dmmizetti zur ÄrvPiBhvmig. Den nvufikal'ifchen Teil dar Festspiele , ergänzen drei KMmnevmustkkonzerte im Mozart-Hans. Für die künstl«ri'sche Leitung der Feft-ipiele sind Dr. 5Var! Muck, Max Retnhardt, Franz Schglk und Bruno Walter gewonmn ivorden. Balajthh-Feier. U,n das AndetEen dos im Vorjahr ver-- stovbeimn eherna^igen Mitgliedes des. Buvgcheaters und des Raimrmd'DheaterS, Rdbert v. Balajthy, zu feiern, findet im Ratonnnd-Thoater Samstag den 14. d. um 3 Uhr ttachnritrags «me Alvfführuug von „De r Pfarrer v o n K i r ch f e l d" unter Mitwirkrmg dorr SchMdsptrlern desBurg-, Volks imd Rainmnd-ThvaterZ statt, Das Erträgnis ist der Errichttmg emes Drnckft«to»es üoer dem Grab des veMichenen KitoMers gewidmet. Ei« Besamtkataloq der Wiener Sammlung hebräischer Handschriften. Bis jetzt sthR>e es an einer übevsichtlichen Ka- > tckloflisiernua der häbraischcn Rrmruffk ipte der Wiener National- 'bibliothek, dre so wich ist an alten BibelhandfchüPen, <nt philosophischen und inwviztnischrn Kodizes.und an zchlreichen anderen kosiibarvn Stücken. Jetzt hat Artur Zacharias Schwarz, der 1614 den Zuwachs von 18-17 bis 1851 befchvisb. einen Gefamikatailog bembertet, der «demnächst bei Karl W. Hlrsomann in Leipzig erfchsi-nen wird. Dies« vollständtost Käbailaaistorung der Wiener Kodizes gibt ,^um ersten Male eine Beschreilbung hobrö.lscher Handschriften nach modernen Grundsätzen. Die bkbl>iotheksgesch!cht>!ich?n Daten der Einleitung find moist auf Grund erstnmlig benutzter schriftlicher Quellen des 13. bis 16. Jvhrhunderts ge>g.'!ben. „Die Bibel" oder „Das alle Testament-. Die farbenprächrigen, ewig schönen Gefchchwiffe des alten Testaments erblühen zu neueur Loben in dem jetzt zur AuMchvimg gelangenden Film, welcher drn Titel „Die Bibel" oder „DaS aliie Testament" führt. Dr. GarbcrM, der Chofregisfenr des FilimS, brachte dieses grandiose Thema «dank der ihnt zur Bersüauing stcherchen ür.oKMigen techniischen Hilfsmittel zur vollen Geltung, Die Losung des künstlerlsch?« Proble-mö ist ganz genial golnngen. Die külvsilerische Leistung des Regisseurs ist schön deSyalb ganz außergewöhnlich hnvorzuhobsn. weil der momvmemare Eindruck in diesem Film trotz der Scharen von tzchnbausonden Sta-tisten o!n vollständiger blieb, was sonst sogar bei den allergrößten Fcknen ganz festen der Fcjll ist. Der FÄm beivrgt sich «wischen Extremen. Es «befinden sich darin Szenen, deren Bilder durch ihre m«mm.'ntale Kraft erschüttern, das Pnblikmn erschauern taffen, tvährend andere wieder durch ihren bibl'schvdyllischrn Reiz entzücken and d?n Zuschauer in Mlmerhafte Stinlmung versetzen. Sicherlich 1>at Vas Wiener PtEum noch nie die Gelegenheit gehabt, «inen solch?» Filyr zu schrn «ch die Vorführungen, welche Mer zwei Stunden vatrerlt (der Film er- SerichtssM. Sin proletarischer schachet. Ein Sensalionsprozetz in Minsk. Am 28. Februar bagatm in Minsk der Prozeß gegen «die droi jüdischen ritneilen Schächter Rappaport» Z a i 1 s ch i k und S w e r z h a n o w 8 k y, die beschuldigt werden, ein übel brlanmnndeies Jndividmtm namens Moses Weinhaus, ton Bolksmund „Hamann" genannt, gedungen zu haben, daß er den Schächter D r o j k i n der sich „p r o l e« tarischer Schachet" nennt und als solcher seine Schächterkoll.^n verfolgt h»'. durch Mord beseitige. Der Prozeß f>Nd?t im Gebäude der einstigen gwßen Syn-agog' statt, die jetzt ein proletarischer Klub fft niü» „Haus der Zukunft" genannt wird. Als der I. T. A.-Dsrtretor i-n Minsk ctottraf, fand er die gesamte jüdische BevöMrung der Stadt in großer Spannung und Ausre-gun). Die Ware Dwjkin bildet soit langem «den einzigen Gesprächsstoff. In daS Synagogengclbä'.dde. in welchem d:r Pwzeß statdftndet, fanden mehr als 9066 Personen Einlaß. Ungeheure Menschenmassen sind vor dem Gebäude versammelt und warten mit größter Spannung auf jode Mitteilung über die Vorgänge im Innern des Gebändes. Die Verhandlun»>en werden ausschlieMich >m jüdischer Sprache geführt. Vorsitzender des Gerichtshofes ist das Mitglied des weitzruff-ifchen obersten Gerichtes. Herr S cha- Piro, «in Nichtkmmnunist. Ihm zur Seite sitzen als Assessoren zwei jüdische Kommunisten, Bercholewsky und Schapir. Der Staatsanwalt, Herr Vlodawsky, ist als Beobachter bei «den Verhandlungen anwesend, die öffentliche Anklage vortreten die M'mSker jüdischen K o m m u n i st« n BolobriinSky und UgurSky und der Nichtkommunist Kazenhaus. Drei angesehene Minsker RechtSmrwälte teilen sich tot die Verteidigung. Zmvächst wurden die drei Beschuldigten, Rappaport, Zaitschik und StverzhanowÄY, vernommen. Sie erklären sich als n i ch 1 s ch<u ldig. Sie sd.llen entfchiciden in Abrede, daß sie dom ,,.Hamann"-Wein.haus Geld versprochen haben, wenn or den Schächter Drojkin ermorde. Der Zeuge Moses Weinhaus, genamtt ,^>anlann". blvübt bei seiner Aussage, daß ihn die drei Beschuldigten bedungen haben, den Dwstin zu ermorde»:, weil er in der kommunistischen Presse und fc;i den Behörden gegen «den in Minsk beftsheniden Schachterverein goivühlt habe. Wein- Hans behauptet, er sei nie auf den Plcnt ernftlich^eingogmtgen, sonidern habe sofort die Anzeige bei den Bchörden"erstattet. Nach irre Einvernahme begann das Kreuzverhör. Zaitschik. dem Weinhaus gogennbevgestellt, gab zu, er habe Weinhaus gofragt/ ob nichts Schwerwiegendes gegen den Schächter Drojkin vorl-ioge. durch desien Bekanntgabe Dvojk'm zur Lerschickung nach Sibirien .vovurteAt werden könnte, so. daß er in Minsk unschädlich gonracht würde. Cr Hab; Weinhaus Geld verfprocher», wenn er ihm solches Material gegen Drojkin ktoffere, keineswegs aber hätte er jodoch Wotorhaus ausgesordort, den Dwjkin zu errnovden. Die Verhandlung wird nrehvere Tage tot Anspruch nehmen. _ 6ine paMlamstsch-ttaNenische AusNeferuograngelegenhelt. Aus London wird uns berichtet: Die juridische Koinniissiou «des Privy Counoil (Gchetonrat) hatte dieser Tage über die folgend? totteressante staatsrechtliche Frage zu elvtschoiden. Die palästinensischen Bürger S a b a t a i und G o r a l wevden vor» ttalienischen Gerichten wegen einer in Italien entstandenen Kridaangologenh.'it verfolgt und wird ihre Auslioferung begehrt. Sabalai war türkisch ex Untertan und wohnte tot Jerusalem. Goral wurde ton Kaukasus geboren, war früher russischer Bürger. Beide ließen sich in Crez Israel naturalisieren und wurden dort palästinensische Bürger. Im Juli des. vorigen JichrcS wurden Sabatai und Goral, die ein Gestllfchaftslunier- »vhnten besaßen, vom Mailänder Gericht wogen falscher Krida angeklagt. Im September wurden sie über Ginschwiten deS italienischen Konsuls verhaftet und im Novoinber uns Gefängnis «Kracht, wo sie bis zu ihrer Auslieferung art Italien vcrvloiben. Der Jertvsalomer Richter Kapland, der die ArtgelNenheto führt, vertrat die sonderbare Auflaffqma. daß die MandatLmacht keine souveräne Macht fei uud ..... den Antrag dvr Beschuldigten, sie auf Grund des „Habeas Corpus" bis zur Erl^itorug der Angelegenheit «durch alle Jnstan.zeu nnbehelligt zu lassen, abqeiviescn. Nunmehr appelltevteu beide an das Privy Council in London. Ihre Londoner Vertreter Lawrence und Samuel legten nach Darlegung des Sachverhaltes der juridischen Kontmiffion dieses Amtes die folgerüdcrt drei prinz'piellen Rechtsfragen zur Entschoiduing vor: 1. Können die Genannten auS Palästina ausgewiesen und cm Italien ausgeliof.crt werde,», oÄMch sie englische oder palästinensische Bürger sind? 2. Be steht die HalMnensische Berordrtung betreffend die Austvei smtg zu Recht, obgleich diese Verordn,rira nicht durch ein köntop liches Dekret sanMoniievt wurde? S. Können di« Genannten an Italien auSaelieforl werden, obgleich keine Beweise dafür vovSiogen, daß fic tot Italien tagend welches Berbrca-eu begangen haben? Die juridksche Kmnmiffion deS Privy Council hat mm darüber zu entscheiden, ob den Beschuldigten otote »veilere Berfol.gunä des Jnstanzweges gestatto't ist oder nicht. Wie die Verteidiger erklären, ist chnen versichert »vorden, daß dein Gesuch stattgegeben werden wird, daß aber der itaifent Ken Regierung die Rrüglichkeit geboten werden soll, ihre Rechte bet tot Durchführung des Prozesses tot Er-ez Israel vertreten zu können. , Die ShrenafsSre des BSrsenrates Straßer. Baton Strafvezir-ksgevicht 1 (Bezirksrichier Dr. Jellinek) wurde neftvm die wiederholt v.rtagte Becha:->lung über die W>r?u.belridigemgsklage des Bankrers und Bvrs.'nvates Ernst Straßer rn zwei se-iuer chrmgligert Älng.stellten, die Bankbeamten Johann Hartmann und Alexander ZcI l»uanowitsch, fortgesetzt. Zwecks Zulassung chres von der Bectoitzistllng gesellten Bewei-arvtrageS wurde die Verhandlung aber- VMS vertragt. - iisnimrrTni,' -Illmn- ,M>» " -«rorrrrii mMmm tiSMnMRÜMBüaK^«