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Wiener Morgenzeitung · 1925-03-04 · Heft 2168 (4.3.1925) · p. Seite 6

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2168 (4.3.1925)
Date
1925-03-04
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Cetfc« Wir». Mittwoch Wiener Morze«s*tt»»K. Nr. S168 4. März 1SS5 Keile r »Dar neue Palästina". Anschließend geselliger Teil. — Petb w a a d!'« w r t m, 9. Be-., Türkenstraße S. Heute, i/,8 Ubr abends, Vortrag Dr. Chaim Tartakower: »Haproblemotb bakruchvth daaltjab l'erez Zisrael". — .st e i r e MiSrachi Wie« (Schachsektion). Heute, präzise V»8 Uhr abends, findet das Wettpiel gegen den Schachklub Adlon in ihrem Kladlokal, 9. Bez.. Roßauerlände 27 (Cafe Promenade) statt. Die zwölf Mttsvielenden wollen fich schon um 7 Uhr bestimmt im genannten Klablokal eknfinden. Heute. */a8 Ubr abends, AuS'chnßfi-ung in unterem Lokal 2. Be,.. Praterstraße 33. 1. Punkt der Tagesordnung r Purimfeier. Auch Mitglieder des Festkomitees haben Zutritt. — Zionistische Kulturgruppe Brigittenau, 29. Be,., Karl-Meißl-Straße 5/1. Heute, 7 Ubr abends, Nationalfondskommifiionssiitzung. Sämtliche Mitglieder werden dringend ersucht, pünktlich zu erscheinen. — Gremium österreichischer Handelsvertreter. Heute, 6 Uhr abends, Trefftag i« CafS Landtmraut. -r- LeopoldstädterBolköbeim, 2 Bez., ZirkuSgaffe ^8. Heute Beginn folgender Kurse: 7 Uhr: Das Zeitalter Napoleons; Harmonielehre; Allgemeine Biologie; Tschechisch und Ztalienisch für Anfänger mit Borlenntniffen; Englisch für vorgeschrittene; Klassiker der Musik; Darstellende Geometrie; PersSn- UchkeitSpkycholoqie; Rechtschreiben; Lorschule der Mathematik; matbematlsche Besprechungen. - 8 Uhr: Naturgesetz und Zufall; AaS und wie sollen wir lesen?; Musikgeschichte; Tie Wiener HygieneavSstellnng; Elelektrotechnik; Italienisch II; Tschechisch II. Keren Kafemeth l'Jsrael (Jüdischer Ratiouaksonds). Die Landeskommissionssitzung des Keren Kajemetd l'Jfrael findet morgen, Vj7 Uhr abends, im Bureau, 1. Bez. Kärntnerstraße 28, statt. Die parlameutartfch« Praxis mü> die Entlohnung der Stenographen in Oesterreich. lieber dieses Thema ipvicht SamSiag den 7. o, 5 Uhr nachmittags, der Leuer des niederösterreichischen LandtagSstenoirophenamteS, Landes, echnungsdirektor W i t t m a n n. im Hörsaal 39 der Wiener Universität (philosophische Fakultät). Sühne und Kunst. „Fenster/ Burgtheater. Dies« englische Komödie von John Galsworthy, gesellschaftskritisch, witzig und gelegentlich grotesk, als hatte sie Shaw geschrieben, erhält ihren besonderen Wert durch die delikate Zeichnung der Figuren. Bis aus die Episode des Schlußaktes — ein Londoner Strizzi und ein Detektiv, vom Dichter für den Abschluß der HaMmng benötigt und flüchtig nach der Schablone geavbeitet — durchaus plastische, lebensvolle Gestalten. Mgn muß den Vorgängen im Speisezimmer der Familie March mit Jntereffe folgen — nicht nur weil der Autor Humor hat, sondern weil die lebensvolle Frische der Menschen uns rn. Atem hält. Papa March, der erfolgreiche Romanschriftsteller, ist ein guter Kerl, sein Sohn, der den Weltkrieg hinter sich hat, ist (trotz des Erlebten) ein Rebell der Worte, dessen Empörung über die Verbohrtheit «und Verderbtheit der Gesellschaft sich zu schlechten Versen verdichtet, die Haustochter ist ein kluiges, liebes, aber passives Geschöpf. Frau March hingegen, die Mutter, nüchtern und praktisch, herzhaft und echt, sicht mit scharfen, tapferen Augen in die Fenster des Lebens und regiert mit Recht in diesem Hause der „Gefühlvollen", denn sie hat erkannt, daß der Wert eines Gefühls lediglich an der Größe des Opfers zu messen ist, das der „Ergriffene" bringt. # Nämlich: Herr March und seine Kinder'entschließen sich, ein MKrchen aus dem Volke zu „retten", das wegen Kindesmordes (besser: Säu-glingsmordes) im Gesangrris saß, und nehmen Kitty trotz des Protestes der Frau March als Stubenmädchen ins Haus. Frau March kennt ihre Pappenheimer. Ihrem Gatten wird die Gefallene ein Romanstoff sein, ihr Sohn wird Tivaden gegen die Gemeinheit der Gesetze vevsifizieren, die Tochter wird dem Mädel Musen schenken — und sie, die Hausfrau, wird mir dem unglücklichen Geschöpf ihre liebe Not haben. Nach vierzehn Tagen muß sie Kitty, die dem lyrischen Haussohn gefährlich wurde, hinauskomplimentieren. Der junge March rafft sich zwar zu einem romantischen Hmngerstreik ans (er hat sich die Taschen mit Schokolade vollgestopft), aber bas Stubenmädchen läßt er schließlich doch ziehen, nachdem er seiner Bision vom zuM-nfti^en Dirnentum des armen Kindes beredten Ausdruck gegeben. Mutter March, die während der Aufregungen der letzten Szenen etliche Schnäpse koiffmnrerte, wird gesprächiger als sie es sonst zu sein pflegt und klärt ihren Lieben den Fall auf: „Ihr glaubtet, sie will gerettet werden. Unsinn! Sie wollte nur geliebt sein." * Unter Hertcrichs Leitung wird die scharff geschliffene, an der Oberfläche in hundert amüsanten Facetten glitzernde, im Keru ergreifende Stom'ib'.t ausgezeichnet gebracht. Meisterhaft Frau B l c i b t r e u in der Rolle der Mutter. Mit kultivierter Ruhe beherrscht dies« Frau March die Situation, das feine, stumrme Spick der Augen spricht eine edle Sprache und in der Schlußszene klingt ein Unterton mit, der ergreifend andoutet, daß auch sie, die „Einfältige", m diesem Hanse die Liebe entbehrt. Das Stubenmädchen mit der bemakelten Vergangenheit formt Hilde Wagen er, die Hochbegabte, resolut als un- LgLümrnerte, durch Gefängniszucht vergiftete, rasch zugreisende Genießerin. Während der (etwas langwierigen) Erzählung ihrer Lebensgeschichte scheint sie mir aus der Rolle zu fallen. Usbrigens auch der Dichter. Da werden beide rührselig, als hätte die Marlitt das Stück geschrieben. Wundervoll hat Frau Witt die Menschlichkeit des Haus'Motzmns, der Köchin Bestie, erfaßt. Wenn sie das junge, verstockte Geschöpf in die Olhut übernimmt und abrichtet, putzt man verlegen den Operngucker. Er ist nicht schuld daran, daß die Augen Plötzlich nicht deutlich sahen... Das Verdienst des Autors, dom dieses Stück gelang, erhöht sich feei der Wiener Aufführung. Es enthalt nämlich eine Prachtrolle für Attmeister den Raisonnmrr der —M««e M»«ke»s«aft LeovoNstM— Sondervorstellunü der Jüdischen Schausplekgesellschaft morgen DonnerStag den 5. März, 7*8 Uhr abends, im Prachsiaal der Hotel Stephanie, if. Taborstraße 12 Jeden Mittwoch Zusammenkunft im Wiener Theatercafe II. Praterstraße 33, 1. Stock modle, den alten Fensterputzer. Dieser Phil-csoph aus dom Bove, trotz schwerster Lebensprüfnng über den Dingen sichend, von Frountz Alkohol gestützt, herrlich unsentimental, stets wieder „in die Balance" gelangend, was immer geschicht, und <nn humorvollsten balancierend, wenn der Schnaps die Schritte gefährdet — eine groß«, schauspielerische Gestaltung. Neben solcher Gipfelleistung muffen sich die vortrefflichen Vertreter der übrigen Rollen, die Herren Reimers (der AÄtere und Jüngere), Hennings mib Kenne sowie Frau Akuay mit einem Gesamtlob begnügen. Otto Abel es. «i» de« Theatern. Burg theat er. Morgen, 7 Uhr abends, „Julius Cäsar". Akademietheater. Morgen, 7*8 Uhr abends. „D e r T o k a i e r". Neues Wiener Stadttbeater. Samstag und Sonntag gastiert das Ensemble des Theatre Grand G u i fl a o I. Carl-Tbeater. Freitag den 6 d., 7 Uhr abends, ttrauft'übrung der Operette „Sonja" von Rudolf Presber und Leo Walter Stein, L ufik von Leo Ascher, mit Rosy W e r g i u z in der Titelrolle. Fobann-Strauß-Tbeater. Sonntag nachmittags „DerZigeunerprima s". I» der zweiten Märzhälst« gelangt in Wien , der größte film der Welt zur Aufführung» „Die Bibel" oder „Das alte estament" genannt. Dieser in grandiosem Stil dnrchg.iftihrt'c Film -des berühmten italienischen Regisseurs Dr. Gariazzo nimmt sieghaft dem Wettstreit mit dem ebenfalls in kurzer Zeit zur AilfjÄhru-n-g gelangenden großen a-meriLamischen Snpevfllm „Die zehr,' Gebote" ans. Obzwar der letztere, welcher wie gt- <35 Bibel" sls Mristettoerk der italienischen Fillmkuwst erntete im Ausland einen riesigen Erfolg und ist hoffen, daß dieser Film Her mit demselben Be'sall anfgenomm-rn wird. Tyrolt am Vorlesetisch. Dr. Rudolf Tyrolt wirb Freitag den 6. d. rrm halb 8 Uhr abends rm Großen Uraniasaal eine Dorlesuing halten, bei der er neben Rosegger, Schönh.'rr, Au-e-rnhemrer.' Wrldgans. Friedrich Schlögl, Rock, Petofi, Trojan arrch eigene Gasffpielepisodsn bringt. N a di ovroa rnmtn r Mittwoch, 4. Marz. 4 bis 5 Uhr: MärchenvorLosumL — 5 Uhr: Nachmittagskonzert. Die Ouvertüre von Johann Strauß zu: .Prinz Methusalem", „Karneval in Rom", „Das Svitzentuck der Königin". „Eine Nacht in Venedig", „Cagllostro", „Ter Zkaeunerbaron", „Waldmeister". „Die Fledermaus". — 6 Ubr 10 Min.: Fron Else r Stunde der Frau. — 7 Ubr 45 Min. bis 8 Uhr 15 Min. rEnglifcherSprachkurS für Anfänger, gehalten von Prof. Th. M. Mac C a l l u m M. A., Lektor der Wiener Universität. — 7,9 Uhr r Kammermusikabend Mitwirkend: Sedlak-Winkler-Quartett, Prof, van Lier < StaatSover) Flöte. Prof. Alexander Wunderer (StaatSoper) Oboe. Prof. Stiegler (StaatSover) Horn, Karl Romagnoli (StaatSoper) 2. Horn, Prof. Stir (Staatsoster) Kontrabaß. Prof. Franz Schmidt Klavier. 1. I. Haydn: Scherzanbo ^-Dur für zwei Oboen, zwei Hörner und Streichquartett; 2 Zobann Nevomuk Hummel r Septett U-Moll, Opus 74. fü: Klavier. Flöte, Obye Horn. Viola, Cello und Kontrabaß. — V-Iv Uhr: Heitere Abendümfik. Serichtssaal. Her Mörder der Tante^ Der ISjährtge Tater vor Gericht. Die Kriminalstatistik der letzten Zeit wird von Beöbvechen Jugendlicher beherrscht. Im MsttvIPuE der Mordpwzestie stehrn halbe Kinder. Aus der Kriegspsychose wuchs m schlecht, das, gezüchtet im Sumpfboden entarteter Triebe, Gezur chn des Mordhaiidwerks schreitet. Die Sinuc Novosat, Meiche, Bergmeister hat Hug markant erweitert. Das Milieu von Verloger.hert, Laster rmd Fäulnis schafft solchen Merdogang. Di« Tat des Igjährsgen Hug krönt das Treiben dieser Generation. Er hat seine Tante, die ihm Wohltäterin war, meuchlings Überfällen und mit bündigem Griff gemordet. Er ist ein Studienfreund des Novosat gestvclsen. Das erklärt vieles. Am 9. September 1934 wurde die Schriftstellerin Dr. Hermiire Hug-Hellmuth in ihrer Wohnung in der LustkaMgasse 10 erwürgt auMfunden. Es schlten ein größerer Geldbeirag sowie eine goldene Uhr. Der Verdacht der Täterschaft richtete sich sofort g-MN ihren Neffen den am 17. Mai 1906 in Gvcy geborerwn Firmenvertreter Ruvoff Otto Hug, der von seiner Tönte Dr. Hermine Hug, weil er eftonn* lös war, ausersogen wurde. Schon am kvbzenden Dag wurde der junge Bursche verhaftet. Gestern stand er vor den Geschworenen. Der AwMagche hat ein sympathisches Aeußeves und mtelligente Jüge. Er gibt sich unbefangen und will vm- Gegensatz zu der Schwere des Verbrechens den Eindruck vm Z Bubenstreiches erwecken. Er hat die Untervocklschule adsokvievt und dann drei Jahre laug die DtaatsgÄverdeischube besucht, wo er ein Stndrenkollege dcs Mövders Novosat war. Die Schukbev'lchte schildern ihn als verlogen, frühreif und zur Genußsucht hinnovWnd. Hug ist auch bereits einmal wegen Bernutveuung von 500.000 K. vom Jugendgericht bedingt Ku vier Tag'n Arrest verurteilt wordm. Seine Tarrts hatte er wiederholt bestchlen. Hug lebte zuletzt in MürMschlag bei einer Landwirtin, deren Tochter er heiraten wollte. Er unternahm damals Fahrten m die Umsbung, um als Bertroter einer Firma Plaketten mit dem Bilde des Doktor Seipel zu vertreiben. Das Geschäft ging aber schlecht. Bei seiner Ä.rhaftung besuchen sich über zwei Millionen von dem geraub'en Gelde m s-e>'msm Besiire und die Uhr der Ermordeten. H»ig. der znerst leugnete, legte später ei« Geständnis ab. Er fei in der Absicht, die Tante zu bestchlen, durch den Garten iu die Wohnung gestiegon. Als sie erwachte und um Hilfe schrie, wollte er sie, wie «r sagt, am Schreien verhindern. Er bei aus ste loSgrSprungen und Hab« sie mit de» Häudm am Halse gewürgt, bis ste bewußtlos wurde. Dann Hab« er rhr ein Taschenttlch als Knebel in den Mund gesteckt. Aus dem Urrberrock der Tante uahm er em Täschchen mit 2,660.000 Kronei: und eure goldene Dmncivuhr sowie drei englische Pfund. Wie aus den» ärztlichen GrUachten hervorgcht, waren an der v.ch:en Brustseit« der Ermordeten drei Rippen lgvbrvchen. Zweiftslos hat das Opfer Wildersbaud geleistet, der Tater dürfte auf ihn; gekniet haben. .. . rsönlichkei. , . , Auch bestehen m: seiner Zurechnungsfähigkeit und Bemutwortlichkeit keine Zweifel. Nack dem im Jahre 1916 erfolgten Tode »o'irer Mittter. tonriv er von seiner Taute, der pädagogischen Schriftstellerin Dr. Hermine Hug Hellmuth, erzogen. 'Sie da» sich sem r mi' .'iröber Sorchalt auacnommen nutz ihn reichlich unterstützt. Für ihre Wobltatcn bat er sie schließlich ermordet. Er wird von Dr. Hans Fischer verleidet. Die Anklage vertritt Staatsairwalt Dr. Pastrovich. BorfrtzeNder ist Hofrat R a m s a u e r. Nicht absichtlich und nicht vorsätzlich. Aus die Frage, ob er sich s ch a l d i g bekenne, sagt der Auss'klagte: „Ja. ich habe den Tod meiner Tante verschuldet, aber es war nicht absichtlich und nicht vorsätzlich." Htg c$n zu, im November 1922 von f.v.net Tante wegen eines an ihr be^'ianprnen Diebstahles von 600.000 K. w-'ggeschickt worden zu sein. Sie hatte ihm s-eitdoin das Betreten der Wohnung verboten. Hug hatte ihr eümml irr M a r i a T r o st, wo sie zur Erholung weilte, unertvarm eisten Vosnry gemacht. Sie soll dmnäls sehr erschrocken MN. Es war ihm um das „Renommee" .zu tun. Vors.: Habrn Sic nicht Dwhung-u ausgestoßen? > Anget'l.: Ich'bitte, das ist mir wiederholt vorgehalten worden. Es ist dainals nicht mit oine-m Worte :.u aierer Drohttug gekommen. — Vors.: Am 9. Auaiuist suchten Sie sie dann w'Mer in Wirrr ans urtd bekantert 2,5 Äiillionen von chr. — Auge kl.: Ja, aber nicht in Harem, sondern irr Kl-erdo'rrr nrrd Wäsche. — Bors.: Sie sichren daam w:g und kamen am 8. September wieder nach Wien. Was planten Sic, da Sie ohne Mittel waren? — Angekl.: Ich traf niemand vor; meinen Bekannten und ging ms Kino. — Bors.: Was machten Die dann? — A it q «fl.: Es war schon ge>g:n 10 Uhr it'chts, da dachte ich mir, vtelleicht kannst du dir doch Geld beschaffen durch einen Eindruch bei,dor Tante. — Bor s.: Wann sind Sie also zur Wohnung Ihrer Tail'« gskonmren? — Auge ki.: Do .gegen 12 oder viertel 1 Uthr nachts. Ick hatte liiitcii Einb r u ch geplärrt, sonder,t mehr eine 8 a u s- >b ü b« r e i. Und dann war es mir weniger um G.'lld zu ttmr, als nm das Renommee. — Vors.: Ilm was für ein Re NÄinmee? — A n g e kl.: Ja, im Kreise meiner Freundewäve ich dann als Ledcmann besonders angesehen grwosen. So «inen l'ieirrrn Eindrnch hätten mir meine Freunde hoch angevochnet. — Bors.: So, so, ein netter Freundeskreis. Wir sind Mo jetzt in. der Lirstkandlgasse um viertel 1 Uhr in der Nacht. — A ng« k l.: Mso ich stieg über das G'iter und ließ meme Aktenlasche u,ld den .Hut auf dom Zaun hängen. Dann ging ich quer durch den Garten, zog mir die Schuhe aus und bm an der Mauer empor durchs Fenister ins Zimmer goölettert . . . Bors.: Sie wollten doch ins Kabinett Mtd nicht ins Zimnrer, in dem doch, wie Sie wußten, die Tante schlaft. — Angekl.: Ich habe mich halt im Fenster geirrt. Der Angeklagte erMlt nun: Die Bovhängc vor dom Fenster waren durch eine Haarnadel MEmengesteckt. Ich veri>ncht«, diese üiuseinanderMbringen, das Fonsterbratt bowogte sich dabei ein wenig, die Dante wachte auf und begann um Höffe zu schreien. — Bors.: Blietb sie im Bette liegen? — An geN.: Rain, sie stand aufrecht badm Bette. — Bors.: Wie denn? — Angekl.: Mit den: Gesicht gegrn mich gÄchrt. So bliab sie stehen lnnd schrie . . . Ich bin furchtbar erschrocken über den Lärm, wußte nicht, was ich machen soll . . In urerner Ausrooung bin ich vom Fensterbrett hmuntergespvnngen , . . mrd hccke meine Tante beim Hass gepackt. (Pause.) Bors.: Und dann? — Angekl.: Und dann, dann find wir boide zu Fall geikommen . . . Ich habe die Hände schon nm ihren Hals gehabt . . . und habe zusammengoorückt , . . Ich halbe mir den einen Gsdanken gehabt, um Gottes Willen Ruhe, Ruhe! Bors.: Und wann haben Sie ausgehört M drücken. -~ Angekl.: Wie sie nicht mehr geschrien hat. B o r s.r Zu schreien hat sie doch ausgeihört. als Die sie zu würge» begannen.— Angekl.: Nein, nem. sie hat noch immer geichrien, we-nn auch mit halborstickter Stimme. Aber jetzt, wie sie ruhig war. habe ich angenommen, daß sie bawußvlos ist. Damit »ie nicht wieder schreit, wollte ,ch ihr den Vorhang um den Mumd leaen. Aber neben ihr sah ich letzt ihr Taschenbuch. So Log:« ich ihr das Taschenbuch nm den Mumd. — Bors.: Auf den Mund 'legen nennen Sie das! Die Gerichtsärzte sagen mms aber, daß Sie ihr das Taschenbuch wie einen Knebol lies m den Mm-nd hineingepreßt haben. Der Angeklagte erzählt weiter: Um 4 Uhr nachmittags c lich im ersten Moment furchtbar erschrocken. Ich habe mich aber gleich zusammengenommen und mir nichts tveiter arnnerkeir lasten. — Bors.: Sie scheinen sich also einer ziemlichen BerstellungSLunst;u erfreuen. — A n g e k l.: Ich bin schr beherrscht. Ich laste mir nicht gleich alles äußerlich anmerken. Der Staatsanwalt stellt nun eine Reihe von Fragen an den Angeklagten. Die Fragen des Verteidigers beautworwl er sehr geschickt. Auch in psychoanalytischen Dingen weiß er gut Bescheid. Der Bormm'nd des Angeklagten, Dr. Isidor Sadger, 7iab ails Zeuge am, der Angeklagte habe schon im kindlichen Alter zu srohlen begonnen. Bor ihm hatte der Angeklagte fünf Vormünder. Zcuge sei der HcmSanst der Ermordoten gotvosen. Der Angeklagte habe es im Hause seiner Tante sehr gut gehabt und litt keimen Mangsl. Dr. Swd^r sühvte ferner Ms, daß er den Angeklagten auch in ein Geschäft gebracht habe. Rolf hielt aber dort nicht lange Ms, er wollte-oben nicht arbeiten. Die teuren Seipel-Plaketten. Der nächste Zen,ge ist der Gürttevmeöster Georg G r ub c r. Er stöbt am, daß der Angeklagte von seiner Fivma nröt dom Vertrieb von Seipel-Plaketten betritt wurde. Er verkaufte 81 Stück davon und hatte bei jedem Stück 35.000 K. verdient. — Staatsanwalt (zum An-geÄagven): Sie haöen angeblich das Mm- und Mürntat bere-.st. da hätten Sie doch mehr verknusen können. Sie habrn halt keinen besonders großen Fleiß betumdet. — Angekl.: Herr DtaarS-rnwalt! Ich kann Ihnen sagen, daß ich damalls reell gearbeitet habe. Die Liebe zu Seipel war schr groß, aber 85.000 K.. so vist kostoüe eme Plakette, gibt doch nicht jeder Ms. Einige Parteien des Hauses, m lvvlche-m die Evmovdote wohnte, geben an. -daß sie m der Mordnachl einen leichten Aeffschr-ai hörten, wie tvenn jemand gewürgt würde. Da nn selben Haus«, aber auch ein Ehepaar wohne, in dessen Ouavtier sich häusia lande Strenereien oreianen, legten sie in der Meirrung, es haMe sich wieder nm eine solche chvliche Szene, dem Ausfthvei keime weitere Bedentmnig «bei. Die Berhamdlinng wich heute zu Eirde geführt.

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