Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2166 (2.3.1925)
- Date
- 1925-03-02
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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CT*f— ■H* *}nrtte M -LVLr IPolen: 20tfroszy| Wien: Ztim Abholen in der Kxpcditldn, ün Tabors tr. 1-3, oder in einerVersebieisstelle Trafik) monatl. 5 Schilling Strassen verkauf in Wien durch die Kolporteure der Firma Ool dschmled, ]., Wollzeilc 11 Mit Posiversand fiir Wien und Oesterreich monatlich 5 Schilling Tsch echo» Slowakei: Mon. K 22. Jugoslawien: Mon. Din. 60. Polen: Mon. 4Zloty. Deutschland: Mon. Gm. 4, Frankreich, Belgien: Mon. Frcs. 18 Wiener orgemeituna NictuaUoa|«s bei Preis« erb6boa*ea ferbelultea Är. 2166 Wien. Montag, 2. Mir» 1925 Wien. Montag. 1 Mir» 1121 England: Mon. 4 Schilling, Italien: Monatl. 18 Lire, Rumänien: Mon. 170Lei, Bulgarien: Mon. 80 Lewa, Schweiz und das übrige Ausland monatlich Frcs. 5 Redaktion. Administration: Wien, ILToborsh-.l Telephone: 44-0-38,43-3-19 Ab 6 Uhr: 21-102, 25-2-82 IX., Universitätsstrasse 6-8 (Druckerei lg. Stetnmanm Oesterreichisches Postsparkassen-Konto Nr. 150.693 7. äahkgang Nach Cberts Tod. Sie Präsidentenwahl — Ende Avril. Berlin. 1. Mürz. (Wolff.) Nach Artikel 51 der Reichsverfassuug ist ein besonderes,Gesetz zur Einsetzung eines V i z ip räsi de n te n des Reiches nur daun notivendig, wertn die Unterbrechung der G.sthäfisführung längere Zeit dauert. Wie die „Zeit", das Blatt Stvesemanns, ivissen will, wird man diese Notwendigkeit dadurch vermei'den. daß man die Neuwahl des Reichspräsidenten in der kürzesten Frist aufetzt, die die wahltechnischen Borbereitnngen stattet, das heißt etwa aus die l: tz t e A p r i l w o ch e. Versammlung der deutschen Demokraten. Berlin, 1. März. (Wolfs.) Ter Pavteiausschuß der deiltschdemokratischen Partei hielt heule Äne aus allen Teilen des Reiches bofuchte Aus-schüßsitzung ab. Vor Empchen irr die TagesordnuiU widrnete der Parte-ivorsitzende Koch dem verstorbenen ReichSpväisiideuten einen tiessrupsnndcuen . Die Bcrha-ndLmigen wurden' sodann durch ein ausführliches Referat Dr. Kochs über die politische Lage un-d die Vorbereitunge u zu r Neu wa hl des R c i ch s Präsidenten «inge leitet. Dr. Koch erklärte, die, Regierung Lnt h,e r mache keine Nationalist:- s ch e A u ß e n P o l i t i ik, sie könne gar seine solche niachur, denn ste sei genötigt, dem Mißtrauen gegen ihre'Poli-tiL vorsichtiger aus doni Wege zu gehen, als dies eine deruolratische.RsHi«run^tuy, -müßte.? ' . Hw, /Rcichs>prL.WMniiva-ht,' 'sagte Dr. Koch muß ' schnell lind energisch ein Zusammengehen republikanischen Parteien onge-stre'bt werden, die sich möglichst s ch o u f ü r de n e r st e n W a h l g a n g aus einen #cnmu%mcTt Kandidaten ’ zu einigen hätten. Sollte dieses erstrebenÄverk- Ziel wider Erwarten nichr zu erreichen sein, würden srei'.-ich die Demokraten auch bereit sein, einen eigenen Präsidentschaftskandidaten anszustellen. , ch , Der snchere/Vorsitzende der preußischen Landtagssraktion und gegemvartige Handels minister Dr. S ch r eib e r sprach über die K r isei n P r e n ß e n. Die demokratische La-udtagssraktilon werde unter, allen Umständen - -bei ihrer DZeigerung bleiben, m i t den R e ch tspa r t c i c n kein c Regierung zu bilden. Sollte -dennoch -eine Rechtsregiermtg m, Pronßen kommen, wende di» Landtagsfrattion ebenso wie die Reichstagsfraktion in eitle zwar sachliche, aber . scharfe Opposition ciniveten. - Es wtrrdc sodann eine Entschließung angenommen, in der die außenpolitische Jnaktsvität der Reichs regier nng in der Frage der Rmmrung der ersten Zone -des besetzten Gebietes bedauert und der würdige Eintritt ln Ven Völkerbund empfohlen wird. Sie Trauerseicr in Berlin. Berlin, 1. März. (Wolfs.) Um Mitte-rnacht wurde die irdische Hülle des Reichspräsidenten vom Westsanatorium nach der Wilhelmstraße überführt. Acht Träger trugen den mit der R er chs flagge bedecktest Sarg aus dein Sierbezirmner auf den mit vier Pferden bespannten Trauerwagen. Berittene Sch u tz P o l i z e i bildete die Spitze des Trauerzuges. Dann folgte der. Leichenlvagen, eskortiert von einer Abteilung Reichswehr. In einer Reihe vpn Wagen gabelt die Minister dem Dahingefchiedonen das Geleite. Eine.Abteilung berittsner Schutzpolizei schloß den Zug. Gegen 1 Uhr nachts traf her Zug im T r a u e r h a u s e in der Wilhelmstraße ein. Auf dpm ganzen Wage begleiteten trotz der späten Stunde zahlreiche Personen den Zug. Boul Brandenburger Tor bis zum Pa'lais des Reichspräsidenten bildeten etwa 8000 ReichKbännerleute Spalier. Besonbers lebhaft war der Andrang in der Wilhelmstraße, wo die Polizei Absperrungsmaßnahmen getroffen hatte. Der Entwurf eines Gesetzes betrchfend die Uebernahme der a-uS Anlaß des Ablebens des Reichspräsidenten entstehenden Kosten in ist dem Reichs rat zugegaugen. . l Die Tranerfeier der Rei ch sregierung für den verstorbenen Reichspräsidenten findet Mittwoch den 4. März um 3 Uhr nachmittags im Hau.se des Reichspräsidenten statt. Der Reichskanzler wird hierbei die Gedenkrede halten. Im Anschluß an. diese Feier erfolgt unter militärischer Trauer Parade die Ueber-! fühmutg zum Potsdamer Bahnhof. Ter Weg des Trauerkondnkts geht durch das Dvandeitburger Tor mit das Reichstagsgebäude herum. Dort findet vor dem aus der Raurpe haltenden Leichenwagen eine Abschiedsikundgebung des Reichstages statt/Hieraus wird der Zug den Weg durch die Friedensallee tmd' die Bndapesterstraße nach dem Potsdamer Bahnhof sortsetzen, dessert Portal Trauerschmuck erhalten soll. Vom Potsdamer Bahnhof findet dann etwa um halb 7 Uhr abeiids die Ueberführung nach Heidelberg statt, wo Donnerstag vormittags die Beerdigung erfolgen wird. FramöMe Stimmen. Paris, 1. März. (Wolfs.) Die gesamte Morgenpvesse widmet deur verstorbenen Reichspräsidenten Nachrufe und spricht sich in ihrer Gesamtheit sympathisch über den Dahingsschiedcrten aus. „Petit Parisien" schreibt, durch seinen Tod verschwinde das E l.e m e n t d e s A n s g l e i ch e s, das bis jetzt die deutsche Verfassung vor Erschütterungen bewahrt habe. „Matttt" schreibt, die Volksabstimmung, die str Deutsch-. - solle, werde den- Cha-^. , ratter einer politischen Kundgebung des ganzen Laubes tragen. Man werde sehen, ob das Z e n 1 r n m sich der Politik der Berü-nigung zwischen Industrie und Funkern anschl-icßen. die die P o -l i t i k d e s nettenReichskab in e 1 ts sei, oder ob cs sich für den Kandidaten d e r L i n k e n entscheiden werde. - Die Hakeiikreuzler. Berlin. 1. März. Unter der Ueberschrist „DaS Gesindel" l-erichtet >üas „Berliner Tageblatt" über skanj da löse Szenen,, die sich nach dem Bekanntloerdeit der! Nachricht vom Tode de's NeichSpräsidenten auf dem Potsdamerplatz und im F r ie d r i ch - W i l hie lnt - G y m n asiüm abspielü'n. Auf dom Potsdamcrplatz fanden sich mehrere jugendliche Raufbc'lde. die mit dem Hakenk r e u z versehen waren, ein und boten S ch m ä h s ch r i f-! t e n gegen den verstorbenen NeiehZpräsidenten an. Mehrere vorübergehende Passanten forderten die Burschen zur Beseitigung dieser Schntähschriften und zur Einstellung des Handels auf. Es kam zu leibhaften Auseinandersetzungen, die schließlich zu eineb Intervention d'er Polizei führten. Der zuständige Offizier der Schutzpolizei erblickte in dem Handel mit diesen Schmähschriften aber nt erkwürdige riveise keinen Verstoß gegen die öffentliche Ordnung und ließ die Burschen ruhig weiterhattdeiln. Seine Schutzpolizistett forderten .die Passanten, die ihrer Entrüstung über diesen: Handel lebhaften Ausdritck gaben, zum Weitergchcn auf. andernfalls sich die Beautteu genötigt sehen würden, die Feststellung dieser Bürger vorzunehmen. - Im Friedrich-WiHelm-Gymnasium zogen bisb-er noch nicht ernfittelte Schüler in Abwesen.heit de's Schuldirektors anstatt einer Flagge ein schmutziges Taschentuch auf Halbmast. Mehrere Passanten bemerkten den Vorfall und benachrichtigten die Schutzpolizei, die die Abnahme des Taschentuches veranlaßte. Der Schuldirektor, der erst nachmittags von dem Vorfall ersirchr, verständigte sofort die zuständige höchste Stelle und erbat die Cinloitung einer strengen Untevsttchung. Die Avlosion in 8aju. . Uebertriebene Meldungen. New-Aork, 1. März. (Router.) Wie aus Rio de Janeiro gemeldet wird, ist die Zahl der Opfer bet der Explosionskatastrophe auf tet Insel Caju (Mithvreh) weniger-groß, als man ursprünglich an- ' genommen hatte. ES wurden zehn Personen getötet rmd 300 verletzt. Der Schade bet ügt eine Million Dollar. Sie RevarattouÄömmMon. Paris, 1. Mürz. (Wollsf.) Die R e pa ra t i o n s k o m» Mission hat gestern, wie der „Tomps" meldet, die deutsche Note über den deutsch-rumänischcn Streitfall hinstchtlich der Zurücknahme der während der Besetzung im Umlauf befindlichen Bankno te n erhalten. Nach dem Blatte wird die r n m ä nische N c g i e r u n g jetzt aufgefordert werden, der Reparattonskomintission ihre Ansichten über diese Frage darzulegen. ' - Die Reparationskommission hat das int Marz von Deutschland auszuführende S a ch l i e f c r tt n g s P r o-- gramm festgelegt und den Traits-ferausschuß ersucht, sein«' Genehmigung hierzu zu erteilen. Die Verhandlungen zwischen Deutschland und Frankreich. Paris, 1. März. (Wolfs.) Zwischen dem Staatss.kretär v. T r e n d e l c n b u r g und dom Hattdelsmilt-lster R a y n a l d y wurden heute Noten auSgetauscht, in denert die deutsche und die französische Regierung ihre Z u st i mm u n g zu dett zwischen den. beiden Delegationen gefundenen Grundlagen für em p r o v i s o r i s ch e s Statut und für einen endgültigen Vertrag erklären. Wie bekannt, ist eine Einigung dahin erfolgt, daß während einer Uobergangszeit beiden Seiten die Mc ist- Üegümstigung nur in einem beschränkten U-infange gewahrt wird. Dagegen erhält Deutschland oinen endgültigen Vertrag von entem bestimmten Zeitpunkt au . und eine uneingeschränkte Meist begü n st ig u n g de facto für alle Waren des deutschen Ausstchrinteresfes. D«ttschl«>nd gewahrt ^Frgnkreich ^auch sernerseits. uw eutgeschränkte Vreistbegunsiiguug. 'Wr. das, Provisorische Statut ist eine Geltungsdauer von neun Monaten, für dctt endgültigen Vertrag eine solche vorr 18 Mormtcn votzoose-hen. Herriots Budget angenommen. Paris, 1. März. Die Kammer hielt eine N a ch tsitzung ab, die bis 8 Uhr früh dauerte. Das Budgetprovisorium für den Monat März' wurde mit den vom Senat vorgenommenen Abänderungen mit 530 gegen 37 Stimmen endgültig angenommen. Hierauf wurde die Debatte über das F i n a n z g e sc tz fortgesetzt, das auf einem ausgeglichenen Budget in der Höhe von 34.180 Millionen Francs basiert. In dem Filtanzßesetz ist eine Abgabe auf verschiedene Lebensmittel vorgesehen. Der Generalberichterstatter erklärte, infolge der Mehreirtnahmen betrage der Ueb er schuß der Einnahmen über die Ausgaben 4 3 Millionen. Abgeordneter L o u ch e u r sagte, das Finanzgesetz lege zwar dem Volke schwere Opfer auf, aber die Bevölkerung werde dazu ihre Zustimmung zum finanziellen Wohle Frankreichs geben. Ministerpräsident H e r r i o t betonte, zum ersten Älalo sei das Budget vereinheillicht und weise auch die Zahlung Deutschlands auf, nämlich 1250 Millionen für das allgemeine Budget und 650 Millionen für die Kosten der Besetzung2tr::>pen. Ec antwortete auf die Kritiken. der Opposition und sagte: Für uns zählt nur das Interesse des Landes. Welche Schwierigkeiten auch immer auftauchen werden, wir werdert ihnen entschlossen und einig, vom öffeutlichen Interesse geleitet, die Stirne bieten. , Die Kammer nahm hierauf einen neuen Artikel an, worin die Schaffung einer Amortisationskasse vorgesehen ist, die autonom sein wird und deren hauptsächlichste Einnahirtequellen die Ueberschüsse aus den budgetäreit Einnahmen und die künftigen Eingänge ans den Annttitäten des Dawes-PlaneZ bilden werden. Generalberichterstatter Violette gab der Meinung Ausdruck, daß mau schon jetzt für diesen Zweck 800 Mil-- liqnen einsetzen könne. Finanzminister Elemente! wies ebenfalls das große nationale Interesse an der Antortisationskasse nach und erklärte, Frankreich sei ein Handelshaus mit glänzenden Hilfsquelle tt, dessen Betrieb skapital jedoch nicht genügend sei. Die Regierung werde die Amortisationskasse aus allen Hilfsquellen, die sie anfschli.ßen könne, dotieren. Schließlich wurde das Fitranzgesetz mit 338 gegen 2SQ Stimmen angenommen.