Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2157 (21.2.1925)
- Date
- 1925-02-21
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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rzmauima Wi«n: 2um Abholen ln der Expedition, II., Taborstr. 1-2. oder ln einer Verschleisstelle STraRW fflonetl. K 50.000, trassenverkanl ln Wien durch die Kolporteure der Ffime 0 o 1 d sch mied, I., Wotlzelle 11 Mit Postversand für Wien und Oesterreich monatlich K 50.000 Tsehecho-Slowafcel: Mon. K22. lugosiawien: Man.Vin. 60. Polen:Mon. 4Zloty. Dentschland: Mon. Om. 4, Frankreich, Belgien: Mon. Fr«. 18 Wiener Morgeiyejtuiig '._ U^t87 W«. Samitag, 21. getraut IMS Gggztaiim England: Mon. 4 Schilling, Italien: Mona«. 18 Lire, Rumänien: Mon. 170 Lei, Bulgarien: Mon. 80 Lewa, Schweiz und das übrige Ausland monatlich Fr«. 5 Redaktion. Administration; Wien, II.Toborsir.l Telephone: 44-0-38,43-3-19 Ab 6 Uhr: 21-102, 25-2-82 IX., Universitätsstrasse 6-8 (Druckerei lg. Steinmann) Oesterreiehisches Postsparkassen-Konto Nr. 150.693 7. Sfaftnuutfl Sie preußische Krise. Jas Kabinett Narr gestürzt. (Ngendienst der „«lener Morgenzeltv«-".) Berlin, 20. Februar. Bel der Abstimmung im Landtag Über den Vertrauensantrag der Regierungsparteien wurden 439 Stimmen abgegeben. Mit Ja stimmten 218, mit Rein 221. Damit ist der vertrauensautraz abgetehnf Ministerpräsident Dr. Marx erklärte darauf namens das Gesamttabiuelts die Demission des Kabinetts. Stvrmszenen. Berlin, 20. Februar. In der heutigen Sitzung des preußischen Landtages, di« zum Sturze deö Ka- S i n e t t s Marx führt«, kam es zu beispieblos stürmischen Szenen. Die Sitzung beg.'«nn unter außerordentlicher Spannung, und Erregung. Die Abgeordneten waren brs auf wenige, die erkrankt waren, vollzählig zur Stelle. Ebenso waren die Tribünen überfüllt. Einen leibhaften Tumult gab es gleich zu Beginn der Sitzung, als der soH'alisiische Alge ordnete Grzsesinski die Erwartung auWvach, d'ß der vc'W'Parlei'liche Abgr-- ordnete Freiherr v. Campe seine gestrige Aeußevung über einen Nervenznsammenövuch des. sozialistischen Alb^oord- «etsn L e i n e r t mit Bedauern zurücknehmen werde. Worte wurden von der Rechten mit stürmiifchem Geis achter und Zurusen auisgenommen. . Weitere Lärms-enen entstanden bei der Rede dcK natÄnalsv-MiMschrn Äkgeordneten: Mulle, dem die Rechte stürmischen Beffüll Mte. Als Gegergenvicht setzte auf der Linken andauerndes Lärmen und Zir'chen om. ° Dic'se'r T-umnlt wurde aber noch überboten, alls dom Sozialisten Heilmann das Wort erteilt wurde. HeÄmann betrat schon unter stürmischen Zurufen der Rechten und der Kommunisten die Tribüne. Als er seine Rede beginnen wollte, wurde ihm ,-öarmat-Sch'ebcr! Oberschieber! Arbeiterperräter!^ zugeru>fen, so d.'ßes ihm nicht möglich war. zu Worte zu kommen. Der Präsident bemühte sich vergeblich, Rübe zu schaffen. Immer wieder ertönte der Ruf: „Wir lassen den Oberschieber nicht sprechen!" Bergsökich schwang der Präsident feine Glocke, um sich Gebär zu verschaffen. Hcilmann schrie mit rotem Kopf so laut er konnte, ohne daß auch nur eines seiner Worte verständlich wurde. Die demonstrierenden Abgeordneten trommelten mit den Fäusten auf die PiFtdeckol und stammten mit den Füßen au? den Boden, bis Abgeordneter Heilmann die Tribüne verließ. Aber >.'-uch der Präsident verließ feigen Platz und unterbrach die Sitzung auf eine hassbe Stunde. Nach Wiedereröffnung der Sitzung erklärte der Präsident. . daß er gegen ^'des Mitesied des Hauses, das ein anderes Mitglied am Reden hindere, mit allen Mitteln der Geschäftsordnung Vorgehen werde. Darauf verließen die Deutschnationalen und die Nationalsozialisten den Sitzu-ngssaal und Abgeordneter Heilmann konnte in ziemlicher Ru^e seine Rede kalten, in der er unter anderem auf den Fall der deutschvolkischen Bank des verhafteten Direktors Bruß zu sprechen kam und erklärte, Bruß habe mit Empfehlungsbriefen von Ludendorff und Mulle gearbeitet und werde wegen 2000 BetvugSfällen verfügt. Auf diele Behauptung Heilmanns hin meldete sich der deutschvölkischr Abgeordnete W u l l e zum Wort, was auf der Linken VMrfte Heiterkeit bervyrrjef. Hermann stellte nun eine ganze Rei,be von Be^upt".ngen über führende Männer der Rechtsparteien auf und sprach von einer Korruptionsaffäre auf der Rechten. Bek-ondrrS dramatisch gestalteten sich die Seinen nach der Abstimmung. Als der Präsident verkündete, daß das Vertrauen für das Kabinett Marx w't 2;>t o<v*ett 218 Stimmen abgekehnt worden sei. erb'b sich sofort irknisterprästdent Marx vnd erklärte unter atemloser Spannung des Hanfes, dvtz er und sämtliche Minister angesichts des Ergebnisses der Abstimmung demissionieren. Das Abstimmungsergebnis wurde von der Rechten mit stürmischem Beifall,, von der Linken mit Tumult ausgenommen. Auch wahrend der mm folgenden persönlichen Erklärungen dauerte die . Unruhe an. Das Haus vertagte sich sodann auf Dienstag den 3. März, um die Grubenkatastrophe vonDortmundzu besprechen. Ae Ruhraelder. Berlin, 20. Februar. Der Reichstag beschl'-ß heute die Einsetzung eines 21gliedr'gen AuSschufles zur Untersuchung der an die R u h r i n d u st r! e ausgezahilten Su>lventionen. Minister S t r e s e m a n n verteidigte den diesbezüglichen Beschluß seiner Regierung und berief sich auf di« Unterstützung der So-ö^liLemckraten. Das Haus ve r tagte sich sodann auf den 2. März. Abbau der PaßMen zwMeu Leutschlaud «ud Sefterreich. (Eigendienkt der „Vierter Morgenzeitung".) . Berlin. 20. Februar. T<r Zusatzvertrag zum dsutfchösierreiWchen... WrMastMleOiuen 1^ .September" IMvst.Ww^mihW^ M . einfacherUstimwüng Men d'« Stimmen der Kommuniisten in zweiter und dritter Losung e n d g ü l t ig angenommen worden. .. Roichsaußenminister Dr. Stresemann gab eine Erklärung a>b. in der er ausführte: Troh a^er Hemmungen, die die Verträge von B-evfaille und Saint-Geomain uns auferlo^en, sind wir entschlcsien. alles zu tun. um die Bezieh"ngen zu Oesterreich eng und innig zu wachen. Es ist vielfach über die bestehenden Grenz.schwrerigkeiten gesagt worden. Ich freue mich fed?ch, mitte:len zu können, daß wir schon ansangs nächster Woche mit der hiesigen österreichischen Gesandtschaft in Verbindung treten werden, mit der Absicht, die ^«samten'wechselseitigen Sichtvermerkvorschriften zwischen buiden Ländern aufzwheben. Muffoliui droht Aegypten. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) London. 20. Februar. Wie aus Kairo gemeldet wird, batte der t t a l i e « i f <ft e Gesandte eine lange Unterredung mit dem Lgyvtischen Ministerpräsidenten. dem er den Wunsch der ilaliensichen Regierung ausdrückte. Aegyptenmöge die Oase von Djarabub unverzügltch an Italien abtreten. ^er ägyptische Ministerpräsident wandte ein, daß die Frage der Grenzberichtigungeu zwilchen Tripolitanien und Aeghvten den Gegenstand von Unterbandlungen bildet müffe, aber nicht setzt, sondern zu einem gelegeneren Zeitpunkt. Im übrigen sei er überd ieFormunddenTonder italienischen Forderung e r st a u n t und es sei ihm nicht möglich, sofort darauf zu antworten. Er werde dem ägyvt scheu Gesandten in Rom die entsprechenden Instruktionen zugehen lassen. Wozu, das KarM-BermSar« verwendet wirb. Stipendien für die Erwachenden Studenten. (Eigervdiewst der „Wiener Morgenzeitung".) Budapest, 20. Februar. In der Nationasversammlung teilte der Unterrichtsministe-x Graf Klebelsberg mit, daß der Ertrag des konfiszierten Bern ogens des Grafen Michael K a r o l h i zu einer Stipendiuma k t i o n für H>?ck'chüler verwendet werden s-cll. Au stadem sollen aus dem glichen Ertraa die Studentenheime erweitert und die Freitische mit d:>n uct'wendigen Mitteln versorgt werden. Jsrllix«!' i Häuser S! Wir I*au7«ii uni vermitteln, beiel» hen lasten rele und belastete Grundstücke, übernehmsn Ver* Wallungen?1I ku'aniesten Bed’nenngpn „Felicia“, Grundsftückges. m. b. H. Berlin N 24, Friedrichstrasse 118 Wiener Vertreter: M« Milncer, Wien, i. Hesiqasse 7 Sprechstunden: 10 -12 vorm., 8—6 nachm. Amerikaun-daskm-Asrael-Mandat. Ein Beschluß der Ausienkommrssron des Senat: Washington, IS. Februar. (Wolfs.) Der S euatsaus.schuß für auswärtige Angelegenheiten hat einen Antrag gebilligt, wonach die Bereinigten Staaten das Mandat Großbritanniens über P a l ast i n a anerkennen. . . ' -• 2er Haager Rechtsspruch. . — y. W i e n. 21 Februar. Der 'Haager Internationale Gerichtshof hat rtt einem Urteil über die Konzossionsklage eines griechischen Staatsbürgers gegen die englische Regierung ausgesprnct.en, daß es die Aufgabe Großbritanniens sei, ein jüdisches nationales Heim in Erez Israel zu schaffen. Der Grieche Mawromatis hatte im Jahre 1913 von der Konistantincpeler Regierung Konzessionen für die Errichtung von Lichtstationen, Wasserleitungsanlagen und den Bau von Straßenbahnen in Jerusalem und in anderen Teilen des Landes erhalten. Tie britische Regierung, die während des Krieges und der Okkupation einen Teil der in den Konzessionen vorgesehenen Pläne verwirklicht hatte, weigerte' sich, die Rechtsgültigkeit der Konzessionen des Mawromatis anzuerkennen und hatte ähnliche Konzessionen dem Ingenieur Ruthenberg erteilt. Die griechische Regierung brachte nun für Mawromatis den Streitfall vor den Haager Internationalen Gerichtshof und dieser schloß sich der englischen Argumentation an, daß die Konzesiion mi Jahre 1913 dem Griechen als türkischen Bürger erteilt worden sei und daß diese Voraussetzung sowohl durch den Frieden von Lausanne als auch durch den Inhalt des vom Völkerbund an England erteilten Mandates obsolet geworden sei. Durch dieses Erkenntnis des vornehmsten richterlick)en Tribunals wird demnach die ftidische Heimstätte als im juristischen Sinne bereits bestehend erklärt und in verbindlichster Form ausgesprochen, daß eine Abmachung, die vor dem Kriege getrofsen wurde und mit dem Sin'ne des Mandates in Widerspruch steht, keine Gültigkeit mehr besitzen kann. Es liegt klar zutage, daß das Haager Verdikt von sehr grofer politischer und völkerrechtlicher Bedeutung ist. Es anerkennt die von der Zionistischen Organisation als Vertreter des jüdischen Volkes beim Friedenskongreß erhobenen Ansprüche und sanktioniert auch von einem juristisch kompetenten Forum aus die Aufnahme der jüdischen Rechte in den internationalen Kodex. Alle Auslegungskünst". die noch hier und dort versucht werden mögen/ müssen vor dieser Entscheidung schweigen, die den Inhalt des Völkerbundaustrages d"hin definiert. daß die .Heimstätte für das jüdische Volk errichtet weichen muß. daß sie von England errichtet werden muß und daß sie in Erez Israel errietet w"rden muß. Damit erhält d'e Entschlies'ung des Völkerbundes, die auf die Beschlüsse des Obersten Rates rurückg'bt. ihre Bekräftigung, nachdem sie auch von den britischen Kabinetten aller Parteirichtungen als bindend für die Regierugnspolitik akzeptiert worden war. WEISSE WOCHE KK5KÄS ii Schiffmann II. TaborstraSe 48 47*1»?r En «res En detail 5348232348534848484848485353484823489023232348535353 B:/::/:.+.7A