Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2156 (20.2.1925)
- Date
- 1925-02-20
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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.aagBfcflrtBBI Wien: Zum Abhoten ln der ExpedÜtldn, N., Taborstr. 1-3. oder In einer Verschlelsstelle (Trafik) monafl. K 50.000, Strassenverkattf In Wien «♦nreh die Kolporteure der Anna Goldschmied, U Woilreile 11 Mit Postversand für Wien und Oesterreich monatlich K 60.000 Techecho-Slowakei: Mon. K22. Jugoslawien: Mon. Din. 60. Polen: Mon. 4Zloty. Deutschland: Mon. Gm. 4. Frankreich. Belgien: Mon. Frcs. 18 ^. Wiener Morgenfetttmg iPfel« K 2000l England: Mon. 4 Schilling, Italien: Monatf. 18 Lire, Rumänien: Mon. 170 Lei, Bulgarien: Mon. 80 Lewa, Schweiz und das übrige Ausland monatlich Frcs. 5 Redaktion. Administration: Wien, ll.Taborstr,! Telephone: 44-0-38,43-3-19 Ab 6 Uhr: 21-102, 25-2« IX., Universitätsstrasse 6-8 (Druckerei lg. Steinmann) ffocfcMManjleii bei P r e I *- erhOhnngen rorbehaU-ti Mt. 2156 fflien. greltaa. SO. Februar 1925 Oesterretchisches Postsparkassen-Konto Nr. 150.693 7. üatitAonB Das jüdische Recht aus krez Israel. Vom Haager GerWshof grundsätzlich anerkannt. (Eigcndienst der „Wiener MorgruzeUun^.) Haag, 18. Februar. Der Internationale Gerichtshof hat in dem Prozeß der griechischen gegen die englische Regierung wegen der Glektrizitätskonzessionen in Erez Israel das Urteil gefällt. (Siehe „Wiener Morgenzeitung" vom IV. d.) Der Internationale Gerichtshof wies die von Griechenland erhöbe neu Ansprüche als vollständig unbegründet ab. Das Tribunal stellte fest, daß die Ruthenberg von der englischen Regierung erteilte Konzession rechtskräftig ist und nicht angezweifelt werden könne. In der Begründung des Urteils erklärte der Gerichtshof, daß die englische Regierung berechtigt war, alle früher erteilten Konzessionen nicht zu berücksichtigen, da es die. Aufgabe der englische» Regierung ist, ein jüdisch nationales Heim in Palästina zu schaffen. ttetoer dar letzte Stadium der Verhandlung, deren Beginn wir haben, liegt uns der s.lgende Bericht , der I. T. A. vor: Ter britishe QberstHtsanwalt Sir Douglas H o g g beendete a>m 13. d. Darlegungen dar der außerordentlichen Session -des Internationalen Gericht-hose's im Haag in der Angelegenheit der Konzessionen des Griechen.. M a w r o m a t i s. Sir Douglas kam zu.dem Schluß, daß die Ansprüche des Mawvomatis vollkommen haltlos sind. Er wies azzf,$e. Hststellnngen-des Pvctokolls 12 des .VertraM zu Lau sch n ü e b^Wich' jener Kcnzess-önen hin, die die ottomamsche Rsziemng am119. Dltüto 1914 verliehen Halte... > / . Laut den Feststellungen des Protokolls hatte Herr Mawvomatis . k e i n e r l e i Ansprüche auf irgend welche Äömpensationen>. Sir Douglaserwähnte noch; daß gomaß. Absatz 29. der Ruthenberg-Konzession für Herrn Mawrowatis die Möglichkeit bestes, Elcktrizitätsanlagen in Jerusalem ausg-uIhren; in keinem Falle aber hätte er Schadereri'atz für die an Ruthenberg verliehenen Konzessionen zu hean-Hpruchen. Am 14. Februar ergriff zum zweitenmal der griechische Vertreter Gesandter P oli't i s das M-ort und wiedevholi« den Standpunkt ^der griechischen Regierung, welche fordert» haß > Herrn Mawvpmatrs SchadenePfch'tz 'der ihm-.. gewährten KonMionerrn die durch die, britischen , Behörden - duirchkveuzt. wurden,: gegeben •: wird... ‘ . *;; Unter den Zuhörern bei der Verhandlung befinden sich Herr Jakobus Kann, der holländische Konsul in Jerusalem und Sir Charles Martin g, der britische Gesandte vm Haag. - Der Honvedmlnifter »«bapest, 19. Februar. (TeL-Komp.) „A Mag" zufolge steht der Rücktritt deö.Honvedministers Grafen Karl Csaky unmittelbar bevor. Zu.seinem Nachfolger P der jetzige Staatssekretär im LandesverleldiirmgSmlnisterium General Alexander Algya-Papp tmSersehen. Die Demission des Grafen Csaky hat einen politischen Hintergrund. Ministerpräsident Graf Bethlen richtete vor einigen Wochen in einem Mlnisi'errai anläßlich der Drohungen des Abgeordneten Julius GömböS mit einem Marsch der rechtsradikale« Elemente gegen die Hauptstadt, tie Frage an den Honvedm'.nister, ob und inwieweit man tm Falle einer Putfchbeweguug auf die Trnppen rechnen könne. Der Honvedminister antwortete, daß die Truppen im Falle eines LinksputscheS vollkommen verläßlich seien. Auf die neuerl'che Frage des Ministerpräsidenten, wie sich die Truppen gegen einen Putsch von rechtS Verhallen würden, gab Graf Csaky eine ausweichende und zögernde Auskunft. Der neue Honvedminister General Algya-Papp soll die Aufgabe haben, bestimmte politische Einflüsse im Landesverteidigungsministerium nachdrücklich znrückzudrangen. Sie BudaMer (Sneffe dauern fort. (Gigendieust der „Wiener Morgenzeitung".) B u d a p e st, 19. Fchvuar. Grstern abends veranstaltete« die Erwachenden Ungarn auf dem Josefsring neuerlich eine Kundgebung, die sich gegen harmlose Paffanten richtete. Mehrere hundert junge Leute mit T eil zr kappen stellten die Passanten und forderten sie zur Legitimation auf. Die jungen Leute warteten jedoch meistens die Legitimierung der Angefprochene« gar nicht wird aussewechfelt. ab, sondern ohrfeigten sie auf der Stelle oder schlüge« sie mit Gummiknütteln über de« Kopf. Ein Kaufmann wurde samt seiner Fra» mit Ochsenziemer« durchgeprügelt.. Beim Volkstheater entstand eine große Keilerei zwischen den jungen Leuten mtt den Tellrrkappen und einer Gruppe von Passanten, die sich gegen die Raufbolde energisch zur Wehre setzte«. Die Polizei konnte ke i« e n e t»z t g e u d e r Ruh e st ö rer f e st »e h m e n, da die Knüppelhelden beim Herannahen der Pokizeimannschaft die Flucht ergriffe». Belhle« — der Mitwlffer der «mgartschm Greuel. Budapest, 19. Februar. Graf Julius Andrassy bestätigt im „Pesti Naplo" die Behauptung des gewesenen Innenministers Beniezky. daß er seinerzeit dem Mimstrvpvä'sidrnten Grafen Bethlen über die M o r dtaten der weißen Offiz iersdeta che ments in erschöpfender Meiise B e r ich t erstattet hat. Graf Ändvaffy giibt an. er habe Beniezky nach seiner Interpellation ban 15. IM 1922 in der Nationaktersamwliung gebeten, sein Beweis-material mit Rücksicht auf den guten Ruf des Landes nicht der - NatwnalversiZ'MiniiluM vvMlegeu, sondern zunächst vertraulich dem Mimsterprastdenten Grafen Bethlen zur Kenntnis zu bringen. Er, Andrassy. sei damals überzeugt gewesen, daß Graf Bethlen entschlossen sei. die Schandtaten der Pronay und Hejjas der veMeuten Strafe znzuführen. Beniezch bezweifelte von vornweg den guten Willen de's Minister- Präsidenten, gab aber schließlich nach und übergab seine gesamten Akten und Protokolle dem Gra'en Andrassy Md dem Prinzen Ludwig W i n d i s chg rä tz, die -das Boweismaterial des gewesenen Innenministers dem Grasen Bethlen in seiner Billa in Ofen Merreichlen. ,Aie Protokolle". erklärte Graf Andrassy,„habe ich vom Grasen Bethlen zur ück b e l o mmc« und Ednmnd Beniczky zuvückerstattct." Bethlens Rache. —V. W i e n, 60 Februar. ^Als Graf Bethlen nach Genf, reifte, um dort über die Sanierung zu berichten, ließ er durch feine Getreuen aus drr Einheitspartei für guten Wind sorgen. Einer nach dem anderen stand in. der Nationalversammlung auf und sprach den Bann ans über den Numerus clausus, die innere Hetze, den christlich-nationalen Kurs. Der Propagandaapparat war gut eingeölt und in vielen Kreisen der europäischen Oesfenttichkeit, die Worte gerne für Taten nehmen, entschloß man sich auch diesmal, an eine Besserung der Verhältnisse. zu glauben. Diesen Kreisen fehlt alles, was zum Verständnis der ungarischen Angelepenheiten notwendig ist, vor allenr aber die Kenntnis der politischen Psychologie/dieses eigenartigen Landes. Man legt in Europa an alles, was aus und über Ungarn berichtet wird, den Maßstab der in Eurcpa geltenden Entwicklungsgesetze, . was durchaus fatsch ist, wenngleich es einem Herzenswunsch Ungarns entspricht. Wie ein Findlingsblock. aus einer längst vergangenen Periode der Geschichte liegt d'.e'es Land' mitten in dem Kontinent, dessen technischen Methoden es sich angepaßt hat, dessen kulturelle und zivilisatorische Evolution aber vor den Grenzen stehen blieb. Dieseit der Karolyi-Revolution verstrichenen Jahre find nicht, wie man gemeiniglich gerne aimimmt, ein Rückfall, sondern eine geradlinig logische Fortsetzung des in mnverärderter Starrheit aus seinen Prärogativen stehenden Oligarchensystems, dem die großen Reichtümer des Landes gehören, ihm Macht und politisches GeLvicht schassen und ihm helfen, beides festruhalwm Herr Gras Bethlen, einer der gerissensten Parti- /sane! dieses Systems, hat verstanden, daß Ungarn vor dem BWevLund, dessen Mitglied es ist, als reuiges -Kind austreten müsse. Er hat, wie damals in Genua, 'daheim für schönes Wetter gesorgt.' Einen Tag aber, nachdem er in Genf seine Rede gehalten hatte, dementierte sein Unterrichlsministex. Graf Klebelsbevg alle Besserungshoffnungen als dummes'GefaseL Damit war der Vorhang der Konsolidierung wieder entfernt und man sah klar, wie die Dinge m Wahrheit liegen. In Genf war der beabsichtigte Zilveck erreicht und Graf Bethlen bekam ein schönes Zeugnis. Allerdings nicht viel mehr. Denn den FinanzsachverstäMgen, die «ät nüchternem Bleistift rechnen, kann der wahre Stand nicht entgehen. Die Privatwirtschaft ist verelendet, die AuslandÄredite wagen sich nicht heran, die Rechtssicherheit fehlt, der Wucher blüht, die Schutzzölle haben eine Lawine der Teuerung gebracht, die nngansche Industrie und sogar die Landwirtschaft haben , die KonkürrenKfä!hlgLeit aus dem Auslandsmarkt eingebüßt. Die Arbeitslosigkeit wächst und mit ihr die soziale Reizbarkeit, was sogar die lammftomme Sozialdemokratie zu einer EnergieanwaMung veranlaßt. Bethlen machte heimgekehrt aus der Not eine Tugend und erklärte in der Nätionalversammlung. er ha>be keinen Kanossagang angetreten und er habe keine positiven, greifbaren Errungenschaften in Genf gesucht. Der Fuchs, dem die Trauben zu sauer sind, hat ja andere. ergiebigere Kraftquellen, die freilich in finanzreller Beziehung höchst problematischen Wert besitzen. Er hat den christlichen Nationalismus, der auch ein Wirtschaftsprogramm aufgestellt hat: Reinigung des ungarischen Lebens von den Juden. Nun verkracht ein christliches Institut dieser Art nach dem anderen und auch Ungarn strotzt von Beweisen, daß der Antisemitismus keinen für das Gemeinwohl positiven Inhalt besitzt, sondern mit eine Krippe ist, an der sich allerlei Gelichter sattfrißt. Gras Bethlen weiß das natürlich so gut wie jeder Mensch mit Gehirn und er hat eine Peitsche, n>rc politische Erpressung an den Juden. Das ist das Rezept der Münchener Hitler-Leute, die einmal allen Ernstes die Internierung der bayrischen Juden als Druckmittel für die Entente forderten. Das Melljudentum soll für Ungarns Sanierung sorgen, das Weltjudentum soll den ungarischen Minoritäten Helsen — sonst... Für dieses Sonst hat der schlaue Gras seine Erwachenden, seine Detachements und sonstigen Legioirem Er verleugnet sie, wenn er nach ihnen gefragt wird. Er zeigt sich nicht mit ihnen am Tage ans der Straße. ' Er läßt sie auch — das kann sogar als sicher gelten — nicht gerne los. Aber da er aus Gens nichts, mitgebracht hat als ein Zeugnis, das Weltjudentum also versagt hatte, muß doch der Herr Graf, wenn schon kein Brot.