Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2154 (18.2.1925)
- Date
- 1925-02-18
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Ipoim 20 araizv I Wj«fi: 2om Abholen tu der Espariftion. fl Tatort*. 1-3, oder kl» eitterVersehleiaatelle (Trafik) monatl. K 50.000 Strasaenverkant in Wien dnrch die Kolporteure der Firma Qoldae« mied. 1.8er.. Wollteile 11 M8 Poat vertan < für Wien o CJeeterr. monatl. K 50.00t' Ta ehe e * o-S Iowa k ei Mon. K 22 fn?oalawien Mon. Dinar 60. Polen: Mon. 4 Zloty, Deotaehland: Mon Goldmark 4, F r a n k r, Belgien? Mon. Frea. 18 MT Nithiibnitia MO bei l*Ml«»rliativfleen ««rMnlln 9t. 2194 Wiener orgeiyriluiig fp «H* K g)»QO| E n g i a n ü : Mon. 4 Aehillmg t Italien: Monat 18 ir«-, Rn m 3 n? e n Mon. l70i ti, Bulgarien Mon. c0 I ewa 8 e h w e i * ond da* fihnVe Analand mnn*t,fc > Frea. 5. Redaktion u ^Hminiatration Wien II., Ta&ofstr. 1—3 Telephone: 44-0-3N,43*3-19. A'-.fiUhr ahd* 21 -102,25-282 IX. tlnlversitntaatraaae 6—8 (Druckerei Steinmann) Meli. Mittwoch, 18. Februar 1929 m mm Oeaterreieniaehea Poatspar» teaeeew - mlo M» 150.603 7 fttfirimttq Sie Frau, die feine Ahnung hat... elr. Wien. 18. Februar. Venn eine lungenkranke Näherin, die nicht mehr arbeiten kann, ins Wasser springt, bekommt sie als Zeitungsnachruf eine Ziffer in der monatlichen Selbstmordvnbrik: wenn sie die Sacke effektvoller macht, etwa Kvet hnugernde, rhachtisch Kinderchen mitnimmt, erblüht ihr eine Polizeinotiz Mischen den Stechviehpveisen und dem RadioprvgraMM. Wenn eine Lebedame aus .irgend welchen Gründen in den Tcd geht, wird ihr Sarg mst Leitartikeln, Feuilletons und tiefsinnigen Betrachtungen unterm und ü'berm Strich bedeckt. So ist es nun einmal auf dieser besten aller Welten und wer sich darüber ärgert, tut unklug, weil es nichts nützt. Vor zwei Tagen ging in Wien eine junge Frau in den Tod und aus den Federn der Zeitungsschreiber rannen breite Tintenströme durch endlose Spalten. Nach der oben erwähnten gö11<licken und unabänderlicken Weltordnung mußte es so sein, denn die Frau verfügte über drei Automobile, eine BierÜMimmevvilla und zwanzig Dienstpersonen. „Gut ur!d*ost hat man auch bei ihr gegessen", so schluchzte es aus übervollem JourMistenherzen. Der Fall ist also ganz normal. Beachtenswert ist nur die Begründung, warum die Frau sterben wollte und mußte. Der Mann wurde einige Tage vorher ins Gefängnis gesetzt. Er wird angeklagt, Riesengelder eines großen Industrieunternehmens gestohlen, das Unternehmen ruiniert, Hunderte von Arbeitern und Beamten brotlos gomach-t zu haben. Allerdings mir am Tage. In der Nacht lächelte seine schöne Frack Hindert Gästen entgegen und er stand daneben und war stolz und fronte sich. Am Tage, da man die Automobile, die' Teppiche und auch den Mann wegführte. brach die Frau Msammen. Tiefsinnig berichteten die Zeitungen, daß die Frau von nichts wußte. Er stahl und stahl und brachte die Deute nach Hause, sie warf sie tinaus und wußte von nichts. Die arme Frau hatte fa!ine Ahnung... •I» Die Frau, die keine Ahnung hat, ist ein Problem geworden, ganz besonders aber ein Problem für die jüdische Gesellschost. Die Frau, die keine Ahnung hat, ist eine Krankheit, die sich von oben her bis tief in den Leinen indischen Mitlesstand, hineingefressen hat. Wenn se nur oben wucherte, wär's nickt gefährlich, aber man begegnet ihr auf Schritt und Tritt. Die männliche Berdienmaschine, d'e Geld zu vasten und Geld zu liefern hat, an die Frau, die keine Ahmtng hat, und an die Kinder, die keine Ahnung haben, und leben wollen wie die andere«— das ist der jüdische Nvrmalfall geworden. Der fürsorgliche jüdische Familienvater ist zur traurigen Karikatur geworden, zu einem gehetzten, würdelosen Wesen, das nach Gewinn hastet, seine Korrektheit, seine ZMrnst preiSgibt, weil zu Haufe die fürchterliche AhymygSlosigkeit sich breitmacht, schmollend, grollend uM mit den Fingern auf die anderen weisend. Die Ahnungslosigkeit der Familie drückt seinen Nacken und haut ihm die Sporen in die Weichen. -r- Die Menschen, welche unter den Juden Geld für kdeale Zwecke sammeln, klagen darüber, daß der jüdische Mttelständler geizig geworden ist. Besonders diejenigen, die für den Aufbau des Judensandes werben, wissen wunderliche Geschichten zu erzählen, wie widerwärtig alle ächzen, krächzen und sich ljan die Leistung winden, wie sie schließlich mit einem Bettel herausrücken, der dem Sammler Wut und Scham in die Stirne treibt. Sie tun den Jämmerlingen aber unrecht, wenn sie sie geizig nennen, weil sie fiir Palästina im Jahr nicht so Viel geben wollen, als ein Paar Strümpfe für die Frau, eine Krawatte fürs Söhnchen und eine Tanzstunde für die Tochter kostet. Sie sind nickt geizig. Diese Menschen geben zu Hause mit vollen Händen, sie tun überhaupt nichts als geben und wieder geben. Aber sie sind itnter die Herrschaft eines Götzen geraten, der alles will und alles verschlingt, ihr Geld, ihre Entschlubkrast, ihre Wurde uud' ihr Gefühl für die Gemeinschaft. Der alles verschlingende Moloch ist die Frau, die keine Ahnung hat.... Pogrome in Budapest. Unter dem Saniernnormlnifterium »Me«. verscumlung der Erwachenden. — Baadene«effe vor der Redoute. — Me immune« FronttSmvfer. — Enthüllungen Benlrrlhr. (Eigendienfi der „Wiener Morgenzeitung".) Budapest, 17. Februar. Tie Anwesenheit des Schauspielers Beregi ist, wie schon berichtet, zum Ausgangspunkt einer neuen Aktion der Erwachenden geworden. In Flugibläüern war die christliche Jugend Buda-Posts an ihre natirnale Pflicht gemahnt worden lind die rasseri«sch"itzlerischen Führer beeilten sich, der Welt zu zeigen, wie weit die Sanierung des Landes bereits gediehen ist. In der BollversammLung der Erwachenden hielt der Abgeordnete Alain eine.Rede ge^en „das jüdische Gesindel, das mit der Wur- ' zel ausaerottet werden müsse". „Man sa^t", fuhr der Redner fort, „daß die Juden ehrlich, anständig, und fleißig seien. Er ziehe dies nicht in Zweifel. Das sei i^.m 'edoch gleichgültig, denn für ihn sei nur wichtig, daß die Juden in diesem Lande zugrunde gerichtet werden müssen, und wenn d'e Macht und das Gesetz hiesür nicht geeignet seien, so «werden wir das Gesetz 'in den Kot treten, wir werden die Macht niedertreten und durch alle Hindernisse hindurch ein christliches, judenfreies Ungarn verwirUichen. Ungarn muß in das MitteWer zuvückk?hvey." Tiefe. Ma.hnuna siel auf fruchtbaren BÄen, und wds sich 'gestern «ckm Vigadocker m'der Utttgtzbuttg des NedoutensckalB^ mEelchM Ptzregi' anst'veteu sollte, aöspielte, war tLiustes Mittelalter km Sinne Ulain's. In diesem Saal hatte die Versammlung ixt Ev- Wachen«den am- Sonntag stattgefunden und die christllche Jugend.war für.gestern um 7 Uhr abends vor diesen Saal geladen worden, um, an dieser Stelle für das judenvoine Ungarn zu demonstrieren. Der Beregi-Abend wurde mit Rücksicht auf diese Br-rbereitun^n aibge'agt. Bor dem. Gebäude hatten sich etwa zweihundert Erwachende eingefundm. Als sie von der A!bsa?u-ng der Veranstaltung erfuhren, gerieten sie in Erregung, die sich zu- . erst gegen einige Frauen und Mädchen wandie, die eine in der Redoute befindliche Tanzschule besuchen wollten. Eine jüdisch aussehende Dame wurde ge «ohrfeigt, ein Redakleux des „Prster Ll'üvd", der sie schützen wcllle, von O ch s e n g i e m e r h e l d e n niedergeschlagen und getreten. In diesem Augenblick kam im Eilschritt ein Zug PcLizoi, verstärkt durch berittene Polizisten, auf den Schauplatz. Polizeicbermsvektor Bossanyi kommandierte eine Attacke gegen, die Studenten, als sie nicht vom Platze «weichen wollten. Es entstand ein futcht'darer Wirbel, die St«u«denten setzten sich mit Gummiknütteln und Ochsenziemern gegen die Schutzleute zur Wehr, w>.bei sie stürmisch „Pfui, Judensoldli nge!" riesen«. Auch faule Eier wurden in großer Zahl gegen die Wachleute geschlendert. Zwei Jünglinge insultierten tätlich den Polkzeioberinspektor B.ssanyi und wurden verhaftet. Gegen 9 Uhr abends wiederholten sich die Skandalftenen in der Königsgasse und der Ra ko e z i-, stratze. Eine Gruppe von etwa hundert Erwachenden Ungarn verprügelte zunächst I einen fünfzehnjährigen Judenknaben, > bis er in Ohnmacht fiel, sodann stürzten sie sich auf den Dienst'mann Josef Buchsbaum, eimn sechzig Jtckre alten Mann, und schlugen ihn wit Gvmm'knütteln zu Bede«. Buchsbaum erhielt auch einen Bajonettstich in de Kopf. Der Instand Buchsbaums wird als I sehr bedenklich bezeichnet. In der Rakoezystratze attackierten die Studenten ein junges Ehepaar, das ahnungslos vor einer Auslage stand und das Schaufenster besichtigte. Ein Student trat von hinten auf die Dame zu und schlug sie mit aller Kraft hinterrücks ins Gesicht. Als der Gatte der Frau sie zu schüfen versuchte, warf sich die Horde der Erwachenden auch auf den Mann und verprügelte ihn samt seiner Gattin mit Gmnmiknütteln und Ochsenziemern. Radsahrende Po^stpen umzingelten wahrend dieser Szene den nanzen Haufen der Erwachenden und nahmen aus dieser Menge acht.Burschen fest. Die St' denien verwahrten sich ge^en ihre Verhaftung mit dem Hinweis darauf, daß sie Mitglieder des Frontkampfervcrbandes seien und als solche unter dem Schutz der Immunität stehen. Die Skandalszenen nahmen erst gegen Mitternach) ei» Ende. Bei den verhafteten Studenten fand man nebst! Bajonetten, Bleistöcken, Ochsenziemern und Gummiknütteln auch ein neuartiges, bisher in Budapest unbokanntes Prügelinstrument, nämlich einen Holzknüppel: mit einem schwere«; E is e n k n auf, ^. -er-an einem Led-erring am'Knüppel befestigt ist. st - Pie. Vri'izei bemühe stchr. h i -yen- Studenten foftzu-stessen. - G-sgen die neun 'Andenken wird sin Verfahren wsZew"GLwakKtätimke rt ge gen d>«e Behörden, eiugeleltetwerde«.. SomoM »nd Barfo. Beni^zky hatte Bethlen infoemieet. kEvgendienst der „Wiener Morgenzeituüg".) Budapest, 17. Februar. „A Bi lag" beginnt i>d seiner heutigen Nummer gleich'eitig mit der soziaULmokratischen epszav a" Enchüllun^en über die Geschichte der Ermordung der so'zialdemokratischen Redakteure So moghi und Bacso im Februar 1920. Der erste Teil des Berichtes, umfaßt die Ergebnisse der polizeilichen Uniersuchung, aus!.welcher mit vollster. Sicherheit hervorgHt^- ^rß - zwej^ Mitglieder des Ostewbuvgschen Offiziersdetachements^' die - Leutnants Emil und Testder Kovarcz, diebeiden RÄakteure ermordet und die Leichen in dä To-nau geworfen haben. G-l-eichzeitig publizierte „Az U^jsag" eine ErRaruug des gewesenen Innenministers Edmünd Beniczky. der . sich in der schärfsten Weise gegen den Grafen Betihlen wendet. Ben'czkh behauptet, daß er dem Ministerprasideu« ten Grasen Bethlen. nlcht weniger als 94 Falle von Grausamkeiten der weißen Terrorbanden, attenmahig belegt, zur Kenntnis gebracht babe. Danach sei es vollkommen unwahr, wenn Graf Bethlen sagt, er habe seinerzeit Beniczky aufgesordert, ihm sein Beweismaterial an die Hand zu geben, was Beniczky, nach der Behauptung des Ministerpräsidenten, verweigert haben soll. In dieser Liste von 94 Greueltaten des wsitzen Terrors stehe der Raubmord an . den Redakteuren S o m o g y i und Baeso an dreitzigster Stelle. Sämtliche 94 Falle betrasen durchwrgs gemeine Raubmorde und Erpressungen der Weifen Soldateska. Pen'czky beschäftigt sich in diesrr Erklärung mit dem Fall des Fleischbauers Michael Grosz und des Viehhändlers Josef Müller, die seit dem 11. Dezember 1919 spurlos verschwunden sind. Diese beiden wurde« auf einer Geschäftsreise in Komorn von Offizieren des Pronayschen Jäger detachements zur Le^ttmation aufgesordert. Als die Offiziere hiebei die Entdeckung machten, daß die beiden Männer insgesamt eine halbe Million Kronen in ihren Brieftaschen Lrühjahrs-Aeuheiten in Iwdifotaan He ren-nrd Da«ensMFen zu ihpH ffotin S, Ffunrl VI. Unke Wiensehr günstigen P. eisen bereits lagernd bei lUUlll Ol fl 1CU zelle tu (io htM