Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2153 (17.2.1925)
- Date
- 1925-02-17
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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IPauV io'arMCTl Wien: Zorn Abteien in der EfpedHion.il. Tihofihr. 1-3^ oder in einer Veraehfeiastelle STrefHt) monatl. K 50.000 trasaenverkanf in Wien durch die Kolporteure der Firne Goldse'-mied, 1. Bes*, Wollteile II MH Poalverran I für Wien o Oesterr. monatl. K 50.00V Taehee^o-Slowakei: Man. K 22 lo?oalawien Mon. Dinar 60. Polen: Mon. 4 Zloty, Deotaehland: Mon. Goldmark 4, F r a o k r, Belgien: Mon. Frea. 18 HP ftaeh tab > n 'MW W P*d«#th*htm*a» aorbahaOea orgmxettung j preu K gÖOflT England: Mon.4 Schilling: Italien: Monat'. 18 iro Ramiaiea Mon.f?Dl d Bol?arieft Mon. #0 I ewa, Schwei* onH das uhrigc Analand mo«*tTle r Frea. $ Redaktion u Admfniatratfoß Wien II., Taboretr. 1—3 Telephone: 44*0-38,43*3-19, A’^Uhrahdft. 21 -102.25-283 IX. Unirersitätaatraase 6—8 (Druckerei Stemmann) Oeaterreichiachea Postapar* kaaaon Vontn Mr 140,603 Rk. 21SS SK», -leurtag, 17. Februar 1925__‘ 7. Safitnonn Frankreichs Sorge um den Franken. Hmlot über dke Finanzkaae. P«iS, 16. Februar. (Havas.) Die Kv-tmner befaßte sich heut« mit dem Fin<mM'<tz. Gegenstand der Debatte waren die 5bapitalsflucht uud die Wiederherstellung des Vertrauens in den französischen Franken. Zu der Nachm-ittagk'sitzu'Ng der Kammer, für welche die Er- Mävungen H e r r i o t s c-nge kündigt waren, waren di« Abgeordneten beinah« vollzählig erscheinen mtfr die Tribüne überfüllt. 'In der Bormittagksitzung hatte der Finanz, mimstcr Elemente! erklärt, daß die Anlcihepolitik verderblich gewesen sei. Dieses sensationelle ZuMständ-rrrs bewirkte, daß Herriat U'Nter gespanntem Schweigen das Wort ergriff. Er er-Üärte, Frankreich sei bis zum Weltkriege üiben.viegend der Gläubiger d e s W e l t g e l d m a r k t e s gewesen, aber es h:»5e durch den Krieg, der die Aufnahme von Anleihen notwendig machte, seine finanzielle Unabhängigkeit zum großen Teile eingebüßt. Die Haulptauifgäbe der französischen Finanzpolitik bestehe darin, diese verlorene Unabhängigkeit wieder zu erlangen. Bis zum 1. Jänner 1919 habe Frankreich um 144 Milliarden Franken mehr a u s g e g e b e n als es einnahm. Diese Schuld sei die Ursache der gegenwärtigen Situation. AW tzuH. seither seien w,e i te..r.e-A n tejhen aufge-- ttomwen worden, und zwar im Jahve 1926 87 Milliarden/ ml Jahre 1921 24 Milliarden, imt Jahr« 1922 17 Milliarden, im . Jahre 1923 18 und im Jahre 1924 5 Mlliarden. Frankreich fei heute ein verschuld: ter Staat inmitten wohlhabender Länder. Für Frankreich lei nun der Augenblick gekommen, wo sein« Losung-sin mülfe: Mözllchst viel zahlen und möglichst wenig borgen. Die Reolerunn leg« ein Budget vor, das die realen wirtschaftlichen Möglichkeiten in Betracht ziehe und Politisch.' Momente beiseite lasse. Der Ministerpräsident macht« s >dann Mitteilungen Mer den Staatsschatz. Der Staatsn-oienuinlauf halte sich innerhalb der Summe von 41 Milliarden, d'e Notenemission der Bank von Frankreich betrage 21 Milliarden. 9tw WMersbsrfer Panama. Der Prozeß gegen die . Wiener Morgenzeitung". Wie wir bereis mittellten. hat di- S^atsanwaltsd'aft gegen die „Wiener Morqenzeltnng" die Anklae erhoben, we'l sie in zwei Artikeln un^er dem Titel „Ein deutscharisches Panama" ge^en die Be^tusckungSabstchten in dem Wölle^sdor-er Schwindel protestiert bat. Die Verbindluni Über diese A kl^ge findet am Donuerstiq den 19. d. nm viertel 12 Ubr vor dem Strafbezirksierickt 1 (2. Bez , Schisfamtsgasse). Zimmer Rr. 47, statt. Den Vorsitz führt Oberlandrsqericktsrat Hoselmaher. Angeklagt ist der verantwortliche SieNrffert der „Wiener Morgenzeltung", ^err Jakob K r a « S z. Als Verteidiger wird ibm Gemeinderat Tr. Leopold P l a s ch k e s zur Seite stehen. Die abgesagte Verhandlung gegen den „Abend". Der Vorsitzende, der f,ür den Prozeß Leon Sk'arz, and Genossen ge/en die Redakteure des „Mend", Alex.' Weiß "nd- 5N a 'l s n e v. b-M-mmt war. Hofrat Doktor Jak"b. wurde am Samstag erst spät nachm'ttagS von der ZurückMung der Kla-e ver'tändigt, so daß es ibni nicht mehr möglich war, den Geschwornen s wie den Gesagten und ihrem Anwalt Dr. Valentin R o s e n f e l d hiervon Mitteilung zu wachen. Gestern früh fanden sich daher die Volksrichter, die Redakteure Ali'wnder Weiß und Dr. K'auSner mit ihrem Anwalt Tr. Relen-feld im Schwurgevichtssaal ein. Nachdem ihnen nun offiziell von der Zurückziehung d e r K l a a e Mitteilung gemacht worden war. entfernten sie sich. Nor ber Ein^effnni der Untersurbung? Im Budgetankschuß gab Abgeordneter Austerlitz gestern seiner Verwunderung darüber Ausdruck, daß es In Erörterung der Steuerpolitik der Negierung erklärte der Ministerpräsident unter Hinweis auf das Beispiel Englands, es gebe für Frankreich nicht anderes, als in radikaler Weise eine Sanierungspolitik und die Revalorisation zu verfolgen. Tie Politik einer gerechten Steuerbelastung gehe über alles. Tie bedeute aber leine Persekution der Sparer, die während des Krieges so viel Verständnis für die Bedürfnisse des Staates aufgebracht hätten. Tie Einkommensteuer müsse vor allen Uebertreibungen bewahrt werden. Ter Ministerpräsident erklärte weiters, daß die Regierung das sogenannte Coupon-Borde rau, das ist das Psllch'Verzeichnis Mer die Personalien bei der Auszahlung der Coupons, au f h e b e, das die Kapitalsflucht nach dem Ausland« fördere, und kündigte die Aufhebung des „Affidavit (eidliche Erklärung für ausländische Titres) an. Wenn das Vertrauen in die eigene Währung und die Stabilität des französischen Franken wieder hergeistellt sein werde, -werde wieder ausländisches Kapital nach Frankreich kommen. Die finanzielle Wiederaufrichtu-ng — erklärte der MinfftetHHWÄk'--: muß von allen übri-eu Fragen getrennt werden, die die politischen Parteien scheiden. Diese Worte dqs Ministerpräsidenten waren von Lärm ans der Rechten begleitet. Der Ministerpräsident schloß,, er setze-das feste Vertrauen in die französische Nation, daß sie den Stimmen der Schwarzs her und den Leuten, die die ö ffe n tli ch e M e inung beunruhigen, Lein Gehör schenken werde. Frankreich brauche Ruhe und Disziplin, damit die Arbeit der Wiederausrichtmdg Erfolg habe. (Lebhafter Beifall.) Nachdem noch zwei R.duer gesprochen 'hatten, wurde die Sitzung geschloffen. .der Beihorde nicht, gelungen ist, zu eruieren, wieso der Akt über die Strafanzeige in der Wollersdorser Angelegenheit veröf'eMicht werden Lonnie. Die Stvafanzewe war in v'«r Exemplaren hergestellt und die A-emter, denen sie zugeliesert wurde, sind bekannt. In dem veröffentlichten Exemplar war übrigens ein Satz enthalten, der sich nur in einer der vier Aussertigun-^n vor'inden soll, so daß die Stell«, bei der de Anzeige in Verlust geraten ist, wohl genau zu erforschen wäre. T-'e Verö^ent'i^ung der Stra'anzowe hotte den bcwuß'en Zweck, die Untersuchung ins Leere zu führen. Man will die Wollersdorf er Angelegenheit drr öffentlichen Verhandlung entziehen. Das ist einfach e i n S k a n d a l. Wenn man etwa bcaibsichtigen f ll!e, noch einmal eine Komödie wie im Falle C a st i g l i o n i aufzuführen. so werde sich die Tef'cnt>lichkeilt dies nicht gefallen lassen. Die Herren, von Wollersdorf haken sine Erklärung veröffentlicht, nach d:r sie dir Einstellung der Untersiiwung erwarten. Wenn dies geschehen wird, -dann wird kein Mensch in Ocsterrrich gwuben, daß das mit reinlicken Dingen z-ugegangen ist. Man wird eben vermuten, daß der Versuch, die Beamten, die für den Bund in Wollersdorf agiert haben, zu b e st e ch e n. auch in der Justiz unternommen worden und n i cht m i ß o l ück t ist. Deswegen müsse vom Vizekanzler die dezidierte Erklärung verlangt werden, daß die U n t e r s u ch u n g ni ch t e i n e st e ll t. sondern eine Anklage erhoben und eine strafgerichkliche Verhandlung stattf'mden wird. Vize'aN'z'er Tr. Waber weigerte sich, eine solche Erklärung abzugeben, da die Untersuchung noch nickt abi«schössen ist. Je^de Befprecknng d'eser AngeleoeiHeit müsse als ein Eingrei'en in d'e Rechtspflege erscheinen. Algeordneter Dr. Deutsck erklärte sich von den Ausführungen Wabers nicht -befriedigt. Der Ausbau einer Heimstätte. Bon Prof. Elwood Mead. Wir verössentlichen im folgenden einen Auszug aus emem im „New Palestine" erschienene« Artikel de? bewnmen kasttomischen Sachverständigen für Landwirlsckaiflsfragen Prof. Elwood Mead iiiter das Au-stbanwerk ht Palästina. Nach einer Schi-ldevung der historischen Entwicklung der jüdischen Kolonisaition i>n Palästina während der letzten 40 Jahre schreibt Pros. Mead u. a.: Iw ganzen gibt es heute in Palästina 80 Siedlungen, davon sind 36 zionistisch. Diese Mischen Kolonien sind den benachbarten arabischen Dörfern um Jahrhunderte voraus. In den Hütten und auf den Fe'ldrrn der Fellachen ist das Leben einfach stehen geblieben. In einem meist fensterlosen Ra-u-m ha-ust die Familie zusammen mit den Ziegen, Eseln und Hunden. Das Feld wird immer noch mittels eines gekrümmten Steckens geritzt, das Korn mit Sicheln gemäht und mit Ziegenfüßen gedroschen, wie in den Zeiten Boas. Die jüdischen Dörfer dagegen wurden voneuropäischen Experten geschickt angelegt/ Eine Versuchsstation bestinlmt. was gepflanzt und wie kultiviert werden muß. Die Wohnungen sind einfach und klein, aber modern: es gibt Steinställe für die Milchwirtschaft und Zuchtkühe aus Syrien und Europa. Diese Täler scheinen ihrem landwirtschaftlichen und läMichen Leben nach eine Kopie Südkalifornrens zu werden. Die Küstenebene Palästinas von Gaza bis Haifa bildet in jeder. Hinsicht, aus^en-ymmen in ihrer Entwicklung, ein Gegenstück, zur Kustenebem Südkaliforniens von San Diego bis Santa Barbara. Beide haben regenlose Sommer und kältelose Winter. Sowohl die Sommerwie die Wintertemperatur Kaliforniens ist ein wenig niedriger-als die Palästinas, beide aber gestatten den Anbau aller Arten subtropischer Pflanzen, urdin beiden ermöglickt das Klima ein gesundes und reizvolles Leben im Freien. Die Aehnl-ichbeit erstreckt sich auch auf die inneren Täler. Die Taler Esdraelon und Jesveel haben ihr Gegenstück in dem von der. Eisenbahn durchquerten Tal, das von Los Angeles bis San Bernardino reicht. Beider Boden ist von großer Fruchtbarkeit. Die palästinensischen Täler bildeten in der' ganzen hi'storiscken Vergangenheit. und zwar dann, wenn mit der alleinigen Hilfe des Regens die Ernte gediehen war. wahre Korn- Lamanern, um die Armeen kämpften. Ein überaus glänzendes Bild des agriku'lturellen Fortschrittes zeigt sich in den neuen zionistischen Siedlungen, wo die Sümpfe ausgetrocknet und'Quellen erschlaffen worden sind, und das auf diese Weise gewonnene Wasser zur Bewässerung der Obstgärten, der Alfalafelder urid Gemüsegärten benutzt wird. Ein beträchtliches Areal dieser Siedlungen hat mon mit" Eukalyptusplantagen bedeckt, die von bemerkenswertem Wackstum sind. Gegenstück des Imperial Balleh in Kalifornien ist das Jordantal in Palästina. Beide liegen unter Meereshöhe. Die Salton Sea liegit 300 Fuß unter dem Spiegel des Stillen Ozeans, das Tote Meer liegt 1200 Fuß unter dem Aiittelmeer. Beide bringen Früchte von hohem Wertgehalt hervor, wie Baumwolle und Zucker, und beliefern die Märkte der entfernten Städte mit Erstlingssvüchten und -vegetabilien. Die Aehnlichkeit geht noch weiter. Die Distrikte Kaliforniens sind starke Oelprcduzenten; auch das Land um das Tote Meer herum soll reich an diesem Mineral sein. Bor dem Krieg waren diese Möglichkeiten unberührt geblieben, und zwar aus zwei Gründen: einmal hatte die Negierung diese Dinge, von denen Fortschritt und Zivilisation abhängen, nicht beachtet, und andererseits infolge der Armut, der Unwissenheit und der Indolenz der Araber. Der .Krieg hat die Politischen und wirtschaftlichen Berhältniffe in Palästina uni viele Jahrhunderte vorgerückt. Bevor die sich bekriegenden Armeen auf den Hügeln von Judäa kampierten, lebten die Fellachen wie in der Zen der KrenMge. Sie rodeten die Wälder auf den Mäischen Hügeln aus. und ihre Z'egen sorgten dafür, daß an ihrer Stelle keine neuen Bäume aufspioßten. Die Hügelterrassleningen. die einstmals den Boden und die Feuchtigkeit für die Wurzeln der Olivenhaine und der Weingärten hielten, sanken WEISSE WOCHE alle Weißiwren zu sensationell billigen Prellen Im Warenhaus M Schiffmann II. TaborstraBe 48 47*1i7P Vn gro» ln dtllil