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Wiener Morgenzeitung · 1925-02-14 · Heft 2150 (14.2.1925) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2150 (14.2.1925)
Date
1925-02-14
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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kr. Hgo_ Men. Samstag_Wiener: Morgettzeitung. kvaluierung -er polnWen Sstgebiete. Auswelfungsgefahr ffir die Wischen kiuwohuer. Warschau, IS. Feibruar. (I. T. A.) Der Polnische Jrmenmiittster K i e r n i! Hai in der letzten Sitzung >der Berwaltuingskommission des Sejm einen Antrag einge- Bracht, au's den Grenzgebieten Polens alle jene Einwohner, die die polnische StaatKbürgevschaft noch nicht «besitzen, anszuweisen. Die Kommission hat den 'Antrag des Ministers mit Mehrheit angenommen. In den polnischen Ostprovinzen, auf die sich der Antrag des Ministers bezieht, wohnen viele zeihntausende Juden, Me Zwar in Polen geboren oder in shver jetzigen Heimat seit Jahrzehnten wohn"", dennoch ader wegen 'bcr bsstohonden verwickelten Bürger- 6to Nachspiel r« Den Srknbacher Unruhen. Schwarze Aste« der Alpinen. Im Miionalvat stellten gestern die Soz>iaidemokraten «nie dringliche Anfrage an die Regierung wegen der Berbvoitu-ng schwarzer Listen gegen entlassime Arbeiter aus G r ünb a ch. Die Alpine Montangesellschaft hatte nämlich an ihre Gewevke das fönende Rundschreiben geschickt: ^Dir geben Ihnen beiliegend eine Liste der in Grünbach hwegen Gewalttätigkeit) entlassenen 6 0 Bergarbeiter und beauftragen Sie, strengstens darauf zu achten, daß keiner der im Verzeichnis angeführten Leute in Ihrem Werk Aufnahme findet. — Wäre jedoch die Aufnahme bereits erfolgt, so ist der betreffende Arbeiter beim nächsten Kündigungstermin zu kündige...' Zur Begründung dieser Anfrage führte Abg. Zwe nk wrter anderem auS: Es gibt heute 200.000 Arbeitslose in Oesterreich, von denen ein großer Teil auf Steiermark entfällt. In» einer solchen Zeit wagt es ein Unternehmen, eine Gruppe von Menschen einfach rechtlos Mt erklären. Dabei handelt es sich um ein Unternehmen, das es immer sehr wohl verstanden hat, die Kvrchrmktur a u s z u n ü tz e n unb auch in den Zeiten, in denen es sehr schlecht gegangen ist, reichliche Dividenden an dre A k t i o n ä r e auSgeschüttet hat, dem es weiter gelungen ist, alle Konkurre nzunternehmung en stillzu-- kegen und die, Eisen Produktion vollständig an sich zu reißen. Dann allerdings, als die Konjunktur vorüber war, hat die Alpirre Montangesellschast Nichts Besseres zu tu« gehabt, als ihre Betriebe zu reduzieren und hat so Tausende vo n Menfchen arbeitslos gemacht. Dieses Unternehmen maßt sich nun an, Leuten di« Aufnahme in ihre Werke M sperren, die anderswo deshalb entlassen wurden, weil sie, um sich vor Hunger zu schützen, eine bessere Bezahlung verlangt haben. Wir wissen ja von frü'her her, was die schwarzen Listen bedeuten. Wir hätten eS uns aber nicht träumen lassen, daß derlei Dinge «ach sechsjährigem Bestände der Republik möglich feien. Minister Dr. Schürff -erwiderte, er könne diches Rundschreiben nur auf das tief st e be d a u e v tt und werde sich bemühen, daß di-eser u n m e n s ch l i ch e Akt der . Unternehmerpolitik rückgängig oder uniwirBsam gemacht werde. Er werde bei der Alpinen und inSbefvndere bei der GerveraDirektion intervenieren. Aus de« Meuer Gemelnderat und LaMag. Der Zusammenbruch der städtischen Lagerhäuser. Dor Wiener Gomeindevat hat in seiner gestrigen Sitzung eine Reihe von GeischÄstsstücken erledigt, die hauptsächlich Z üsch u ß k r e d i i t für Hauslbauten, Grundkäuife «nb Reparaturen betvchfen. So wurden unter anderem für die Erneuerung von Straßenbahnigleistu 40 Milliarden, für die Erneuerungen an den Hochbauten dör Straßon'bahnon 2,7 Milliarden mrd siir den Umbau von 100 Triebwagen 9 Milliarden Kronen genehmigt. Für Kanalbauten wird fast eine Milliarde verausgabt werden und, der Bau eines Tiosbaiufchachtes in Zillingsdorf 2,2 Milliarden kosten. Ferner wurde ein Nachtragskredit für die Ausführung von Mi-etgasanlagen von 2,5 Milliarden genehmigt. Bizebüvgermeister E m rn e r l i tt g referierte «sodann über eine Organisationsäuderung der städtischen Lagerhäuser. Diese werben vmr nun a-n aufhören, ein selbsicialdiger Betrieb zu sein und gehen ganz in die Hohe i tsv erwaltu ng der Gemeinde über. Dies nahm die Opposition zum Anlaß, an der Leitung der Lagerhäuser, die sich in finanziellen Schwierigkeiten befinden, Kritik zu üben. Die Tarif- und Perisonalbpolitik der sozialbenloEratischen Verwaltung habe den Z-u«sa,m>men«bruch herbeigesührt. Die Genrerndelbetrlebe fäitu-cit -nur florieren, wie Gomeinderat Korber (chriftlichfoz.) anWhrte, werm sich ihnen Heim Konkursenzunternohmen entgegenftellt. Der beste Beweis hierfür feien die Ham in e r«b r o tw e rke Gtadtrat SPe! ser referierte sodann über die Begünstigungen der Fe-rerwehrangastellten. . * - Bor der Sitzung des Gemeindevates fand eine Sitzung des Wiener Landtages statt, int der ein Gesetzentwurf genehmigt wurde, der die- bis zum 5. d. in Gel taug gestandenen bundesgesetzlichen Vorschriften über die Krankenversicherung der wndwirtschaftlichon Arbeiter übernimmt. Weiters wurde die neue Form des Wappens der Stadt Wien, über die wir 'bereits «berichtet haben, zum Gesetz erheben. schastsbestimmungün bis jetzt die pol n is ch e Staatsbürgerschaft noch nicht erhalten haben. Alle diese sind nun von der Ausweisung bedroht. In den jüdischen Kreisen hat die Annahme des Regievungsawtrages durch den Sejman'sschnß große Bestürzung hervorgerufen. Der jüdische Parlmnentsttud erläßt eine Erklärung an die jüdische Oeffentbichteit, in der gesagt 'wird, die Annahme des Antrages durch die Sejnckommission bedeute noch nicht dessen Gesetzwerdung; sobald der Entwurf vor das Plenum des Sejm gelangt, werden die jüdischen Ungeordneten ans allen Kräften gegen dessen Annahme ankämpfcr Ir. Seipel auf Urlaub. Infolge Uoberanftrengung in den letzten Tagen ist Bundeskanzler a. D. Dr. Seipel gezwungen, cineir Erholungsurlaub anzubvetcn. Bundeskanzler a. D. Dr. Seipel wird denselben! km Rekonvaleszenienheinr inHütteldorf verbriwzen. _ Strelkdrohuu» der Richter. Der Zweigv-erein Wien der Vereinigung österreichischer Richter hat in seiner VoWersammlung beschlossen, falls nicht bis Ende dieses Monats in der Frage der Entlohnung der richterlichen^ Tätigkeit in den Nebenämtern eine befriedigende Regelung erzielt wird, alle Nebenämter mit Ausnahme des Vorsitzenden in den Mietentonnnissionen n i e d e r znl e ge n. Ile öfterreiÄischeu HandeÄUerttagsverhaudlungeu. Wie die Politische Korrespondenz erfährt, werden am 16. März nach «den zwischen den österreichischen und schweizerischen Delegierten getroffenen Vereinbarungen die Berha-Mungen über einen Handelsvertrag, und zwar über einen Tarifvertrag, in Zürich beginnen. Daneben werden die Besprechungen über die Handhabung der Einfuhrbewilligungen, die in Bern begonnen haben, -fortgeführt. Der Zeitpunkt der Aufnahme der Haridelsvertragsverhandkmgen mit Ungarn ist noch nicht bestimmt, doch hat die österreichische Regierung der ungarischen Regierung mitgeteilt, daß sie bereit ist, in diest Verhandlungen einzutreten. _ Wissenschaft und Krieg. ftn der Prager „Pritomuost" schreibt John Galsworthy zu dem Thema Wissenschaft smd Krieg: Es sicht fest, daß die 'wahrheitsgemäße VeröffentLi-- ümllg aller .militärischen Bewegungen in der ganzen Welt die Aufdeckung und Bekanntmachung aller vernichtenden Erfindungen und Plane uns viel näher dom Heil bringen würde als jeder Vertrag. Wenn nur alle Chemiker und alle Ingenieure der Welt einmal im Jahre einen Kongreß zum HeÄe der Welt veranstalten wollten! Wenn sie es nur vermöchten, sich darüber zu einigen, Laß es ein Verbecheu ist, ihre ErfindeMgsgabe in der Vervollkommnung zevstörender Mittel den Staaten zur Verfügung zu stellen, daß es ein Standesverrat ist, dafür Geld zu nchmen! Hätten wir solch einen internationalen Gedankenaustausch, würden wir wahrlich schon da's Rauschen der rettenden Schwingen hören lkönwen. Und schließlich — warum sollte es denn nicht möglich sein? Nicht die Regierungen find es, welche Antwort auf die Frage goben könnten» ob die Menschheit glücklich oder in Elend gestürzt werden, ob sie tvachsen oder godeihen soll. Die Regierungen sind Moß die konkurrlerenden Bevollmächtigten der BonkuvrieveUden Abschnitte der Menschheit. Wenn Ulan ihnen Berni chlu n«gswerkze-uge in die Hände Legt, verwenden sie sie eben, >um die Interessen derjenigen durchzusetzen, welche sie evnlächtigt 'haben; und ebenso verwenden sie oder entwickeln sie d«ie geistigen Gift-- g a f e d c r P u L l i z i ft i k. Der Schlüssel zur Zukunft wird in den .Händen derjenigen ruhen, welche die zerstörenden Mittel he-herrschen. J,st es denn notwendig, daß die Gelehrten (Ehomiker, Erfinder, Ingenieure), Vernichtung säerrd, zunächst Amerikaner, Engländer, Franzose«, Deutsche, Japaner, Missen feien und 'dann erst Menschen? Sollten ihnen die Interessen ihres Landes oder aber die Interessen des ganzen Menschengeschlechtes näher sein? Dies ist die Frage, welche hellte d ejerdigen bealdtworhut müssen, welche die Zukunft des 'Menschlichen Geschlechtes in der Hand l-a!beu. Die 'modernen Erfindungen haben einen so ungoheureu Sprung nach vorwärts getan, daß der Einfalltvinkel der Bemniwortlichkeit sich vollkommen geändert hat. Sie fällt nun auf die MisseNschast Wie Uie zuvor." _;_• Ser christlichimtionale Schwindel. Budapest, 13. Febrrwr. (Tel.-Komp.) Gegen die Agricota, Exportrmd Jin-Port A.-G., sind bei der Oberstadthallptlllan'll'schaift nlichrere Stmfanzeigen eirlgirlausen. Die Agrieöla tvar, Ebenso wie die gestern in Liquidation getretelle Ergvrl eine voMw'irtfchaMche Gründling des ch r i ft l i ch e u K it rses iu Ungartl. Im Vevtvaltllngsrat und im Direttorinnl saßerr zahlreiche pronlinente christlich nationale Politiker und Großgrundbositzer. U. Februar 1925 TM« L Vor einige» Tagen erstatteten mm zwei Grundbesitzer und eine aus 17 Landwirten gebildete Jnteve ssentcngrüppe die Strafanzeige gegen die beiden Di-ettoren Grüder und Madaraffy wegen Betruges und U«ter fchlagung. Sie sollen 30 Waggons Getreide Mi«* schlügen haben. '_ Tagesbericht. Ner jüdische Sammeltag in Men. Am 22. und 23. Febvuur. Die Zentralstelle für jüdische fozialc Fürsorge der Wiener Kultusgcmein.de veranstaltet mit Gorwhmignng des Bürgermeisters am 22. und 23. d. oinen jüdischen Sa-mmcktag zuglvn'ften sämtlicher Fürsorgezweckc und Jnsiitnimnen, tvvlche in der Zenträlistelle vereinigt sind, wie Waifenschutz, Killder- und JuMldfürsorgc, Evhol'lmgssürsorge, Kranken- und Greistnhikfe usw. Die Boravbeiten sind im vollur G<rrlge. In Leir ein zeluen Bezirken halbelr sich Bezirkskomitces für derr Sammeltag gebildet, deren Vertreter derr Telnipeitvovstä'lrd-ci,. den Bezirkskolmnissionen der KulillsgemeiNde und oftcit i«n den betreffenden Bezirken ansäfstg-ell Vereinen ange'böreli Jas Jortmuader Grubennuglvck. Dortmund, 13. Februar. Bon Len auf der Zeche „Mi» nisier Stsin" venmiglückteu Bergleute,n sind bis Mitteruacht 121 als Leichen geborgen tvovdcn. Die weitererl Bergungsarbeiten nulßten. kup» nach Mitternacht wegen der in der Uurgobung des Unglücksherdes noch immer in weiteyr Unifonge onftretenden Gose aufgegeben werden. Dlivch die Nachschwadeu wurden «drei Mamr der Reltungskoloune o h n m ä ch t i g. Einer korurte tttit Hikst des Sauerstoffapparates wieder irls Leben zarückgevltsen werden, währond die audereu bewußtlos siltd. Darauf wurden auch die übrigen Rettungslnannschaften wegen der großen Gefahr vorläufig aus dem Schacht plrückgezogen. Nach Adittevnacht traf auf der Ung'lnckssiätte Reichs- «kanz'ter Dr. Luther ein. Es fand eine Besprechung m? den Bergbehörden statt, Sia Kreuzfahrergrab in Jerusalem aufgefunden. London, 13. Mbmar. <Wolff.) Nach BtättempeWuN'« gen ist in Jerusalem das einzige bisher bekanutc Kreuzfahrergrab am Eingang der GrabeMrche gefunden worden.^Es handelt sich nur das Gvab Philippe Daubrgnes, eines der Räte König Johanns bei der Uuterzeich'nung der Magna Gharta, und Helfers des j-uugen Königs Heinrich des Dvitten, .der versuchte, Jerusalem im Gefolge Kaiser Fviedrichs des Zweiten -1289 eintzunchmen und dort sieben Jahre später starb. Ja« Geheimnis des greife« Mörders. Das Schicksal der kleinen Grete Zöhrer. Die' Untat des Pfründners Zeidler ist noch n i ch i aufgeMrt. Sein Greisenwcchn bewogt sich ständig im gleichen Kreise verbohrter Logik. Auch bei den gestrigen Verhören inr Sichechoitsbureau, wohin ex überstellt wurde, blieb e-r dckbei, daß er die.Nsme Grete Zöhrer in die Donau hat ,-fallon lassen", den Ausdruck ,-werfen" vermeidet er geflisssntlich. Nach wie vor pocht er .auf fein Recht auf Rache wegen feines schwer ersparten Goldes, von dem er immer noch mit Festigkeit behauptet, daß es ihm in der Wohnung des Ehepaares Zöhrer abhanden gekommen «ist. Er sagt immer, er habe andern Geld gedacht, -und dazu fei fein Avnr, auf dem er das Kind trug, fv müde geworden^ Er zeigt, wie er sich da an das Gelälcher gelehnt hat und das Kind in den Strom hmabgleiien ließ. Und wenn man mit der AWglichkeit rechnet, «daß er viel keicht doch die Unwahrheit gesprochen, weil man ihm bewits auf Vevschiedone Lügen gokomnren ist, und die Kleine, den Eltern zum Trotz, doch irgendwo lebend verbor«gen hat, dann säht er <mf, rmd erbietet sich, zu beeiden, daß er «das Kind getötet hat. So ist der alte Mann, und dabei weift er auf «das ihm gugefügte arge Unrecht mit feinen 490.000 K. hi«. Wenn man ihn fraigt, weshalb er sich -denn nicht an Vorn Vater des Kindes «gerächt hat, warum er das unschuldige Kind entgelten ließ» mint er, das; ja Zöhrer viel zu groß rmd stark gewesen ist, als daß er es hätte wagen können, mit ihnr anzubiniden. Im Sicherheitsbuveau erschien gestern -Frau Anna K. aus der WÄHelminenftraße, nur utmt sich zu überMgen, ob «der Mör«der wirklich der Zeid'ler ist, den sie. seit Jahren kermt und dem sie unzählige Woh«ltaten erwiesen hat. Sie wollte nicht an den Mord glanben und war überzeugt, daß der Greis ge>logen» daß er das Kind nur Verb orgen hat. Es ist eben zweifelhaft, ob sich die Aiordta-t wirklich so abgespielt hat, wie Ziaidler erzählt, ob er wirklich das Kind noch lebend zur Floridsdorfcr Brücke getragen hat. Es kann ja auch fein, daß der Greis die Meine schon früher erdrosselt und die Leiche a-ns tocii Armen lveggefchafft hat. Bisher hat sich kein Zeuge genreldet, der «den alten Mann mit dem kleinen «blonden Mädchen auf denk weiiten Weg von Ottakring «bis zürn .JimndationAg-ebist gesehen hat. Zeidler wnvde mit dem Mnde im Gasthmrs gesehen. Gestern hat sich ein Zeuge geuwldet, der eine schr wich», tige Aussage nracht, di« div Erzählungen Zeidlers Lügen straft. Der Mann gibt an, daß er anr 11. d. zwifche»l 1 und «halb 2 Uhr nachmtztags im Gasthaus W«immer in der Jodleseer- Encke. «weist hat «W M ZeMr «M -h« siÄNM G«te #

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