Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2148 (12.2.1925)
- Date
- 1925-02-12
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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IPbibii 2C nroiz? I Vien: Zum Ahholen m der Expedit ton, (I. Tahorstr. 1-3, Oder in einerVerschieisstelle Srafikt monatl. K 50.000 rassenverkauf in Vien durch die Kolporteure der Firma Goldschmied, 1. Bez,, Wollzeile 11 Mit Poitrcrsaitd kur Wien « Oisterr. monatl. K 50.00! Tscheche-Slowakei Mon. K 22 ln?oslawien Mort. Dinar 60. P o I e n: Mon. 4 Zloty, Deutschland- Mon Goldmark 4, F r a n k r., Belgien: Mon. Frcs. 18 tr Naebialiiuaaea MW PrtTWfrhöbmiron vorHeh»H«B Nr. 2148 Wiener orgmsettung pPpetc! K aofli») mmmmmmamemmmmmamemmmmlmam* Eagianu: Mon. 4 Schilling, Italien; Mona»1. iS irr, Rumänien Mon. 170 > ei, Bol?arien Mon. HO Lewa, Schweiz und das iihriae Ausland monatlich Frcs. 5. Redaktion u. Administration Wien!!., Taborstr.1— 3 Telephone: 44-0-38,43-3-19, A!’6Uhrahds 21-102,25-282 IX. Universitätsstrasse 6—>3 (Druckerei Steinmann) Oesterreichisches Postsparkassen-Konto Nr. 150.608 Wien. Sonnentag, 12. Februar 1925 7. Sahronius «sw Im Bndge^anSschttß dez österretchlachen Nationalrales verlas gestern der soztaldemokra.ische Abgeordnete Dr. Deutsch die folgenden amtl i ch e n Berichte der burgrülättdischen Regierung über die von Ungarn b^riebenen antiösterreichischen Rüstungen: Infolge der kriegerischen Stmnmmg zwischen RuinLnien ftnfb Sowjetrußland, den innerpolllffchen Wirren in Jugoslawien und in der tschechischen Repuiblik und in Anbetracht der wogen Einsetzung -des Erspartmigskonvmisiärs in Ungarn zu gewärtigenden Reformen, Abbau und sonstigen Ersparungslknaßmchmen entfalten gewisse ungarische politische Vereine und Körperschaften erneuert in v.'vstävllom Maße eine auf Los- -reißung und Wiedereinverleibung der verlorenen. ungarischen Gebiet« und Verwirklichmbg des gwßungarischen Tramnes hin» zielende agitatorische Arbeit, die vom ganzen Großgrundbesitz, speziell d-in, der. groß« Teile seines Besitzes an die Staaten der Meinen Entente und auch an Oesterreich abtreten mußte, mit reichlichem Gelds und sonstigen Mitteln unterstützt wird. Rissige Summen wurden von den Großgrundbesitzern Monte«uovo, Teleki, Andrassh, Palffy, Esterhazy, Berg, Donners kr rchen usw. für diese Zwecke den Deremen Erwachende Ungarn, Nationaler Sekbsthilfeverem, Ungarbund und FlüchÄi-rv^shilfe für die Suchten Gebiete, dann den diversen moMrch'stischen und legitimistischen Bereinigungen, von welchen jade chren Hauplsitz in Budapest hat, Die DevfüguAg gestellt-. Ein Gros Klebelsber.g, Mar?-> yrgf Pallavieini (FlÄchtlmgscrktion), Graf Keglevich und Teleki (Organisation der J-ngendäbt-erlüng und Horte), Oberst Sosyom Fekete, Major d. R. Franz Tschepen und Major Lechner (Legitimist) haben mm eine.neue Organisation all dieser Bereinigungen ins Leben gerufen, welche nach Art fliegender m i l i t ä r i s ch >e r K o m m a n d o s in Verbindung mit den alten Führern HejjaS, Lehner-Lendvay, OSztenburg, Pronah und Kis-Konaha stehen, Zwei.stellen in ganz Ungarn haben und in steter Verbindung mit Kundschaftern und Nachrichtenstellen in den chemaligen ungarischen Gebieten st ihen. Desgleichen wirken diverse «ngarländische Vereine in Wien, Prag, Temesvar, Ara- und in der Slowcckvi in diesem Sinne, obwohl diese Vereine keinerlei politischen Anstrich haben. Die nationalen ungarischen Körperschaften haben auch lebhaften Verkehr und stehen in fortwährendem Kontakt mit reich-deutschen, völkischen und monarchistischen Kreisen, von welchen auch reichlich Unterstützungen Umfließen sollen. Ein ehemaliger deutscher Marineoffizier, «ehemaliges Mitglied des Ball-iLums, Wenter Kunz, ist ständiger Berater und Beisitzer in Budapest, reist.oft nach Bayern und Pmußen, mrd befinden sich in seiner Bogleriung meist eilte deutsche Gräfin Strachwrtz und eine a-ngeblich-e Schauspielerin aus Köln, Hevm-ine v. H o r st e n, beide Kundschaftermnen von deutschen Geheimbünd-en, deren Führer Erhardt, Lüt twitz, Vorbeck, Ringelmann, Bodo v. Salten und Oberleutnant Roßbach sind. Nach dem Muster des deutschen Großgrundbesitzes sollen sich auch auf den Gütern der ungarischen Adeligen unter dem Titel Aufseher von Feldarbeitern, Flur- und Waldhüter Leute befinden, die. militärisch ausgerüstet und organisiert, gar keine produktive Arbeit leisten und bloß bereit gehalten werden, um im geeigneten Moment aus ein Zeichen im ganzen Laude in Aktion tv.-ten zu können. So sind in den einzelnett Wirtschaften Motttenuovo, Esterhazy, Czekonk-ts, Lonyah, Bat'hyany, Andrassy, Tekcki und sonstigen 60 und mehr Leute zu diesem Zwecke vorhanden. . Handfetterwaffen, Maschvwengewehve, reichlich Munitiotr, ja sogar Äe-inlal'brige Geschütze sollen-versteckt vorhanden sein. In den Meierhöfen J-anka Hazai bei Zalae-gerszeg, Tartafa bei Kapovar, Oroszvar usw., in eine Tcmia auf der Oedenburger Puszta sollen sich Ebenfalls solche geheime Warenlager befinden. In an Oesterreich an-greifenden Teilet» Ungarns arbeiten zahlreiche Offiziere der ungarischen Natlobalarinee für den Befreiungsztveck. Die Mitglieder des trationalten Schutzbundes tragen ein Abzeichen in Form eines Schildchens mit den Farben Grün- Weiß-Rot und der Inschrift: „Rem, ne« soha!" im weißen FM, welches Abzeichen an einer grün-wsiß-roten Masche befcstigt ist. Die Polizei bemerkt dazu: „Dorstehendes zur Kenntnis -mit dem Beifügen, daß die Angaben wohl im allgemeinen mit den eigenen Wahrnehmungen und einlangenden anderen s'schlichten ans Ungarn überein stimmen, einzelnes jedoch -noch der! näheren Uebevpvüisung bedarf." Aus einer Reihe späterer Pokl-izeMcher Meldungen ergeben sich ganz. Kar die personell-en Beziehungen der ungarischen zu den österreichischen Legitimisten. lieber einen der Beteiligten heißt es in oi-ner Polizeimelbung: „Ter erwähnte österreichische Offizier Hautzmaier ist nach einer Mitteilung - der PolizeidirMion Graz mit dem im Jahve 1893 in Fürstenfeld geborenen und zuständigen Ehemaligen Fliegevoberleuitnant Ludwig Hautzmaier identisch. Der Gemannte soll sich tat Jahre 1921 an der Plünderung des Waffen- und Munitionsdepots in Fürstenfeld beteiligt.und auch zugunsten Ungams Konfidentendienste geleistet. halben. In einer Gendarmeriemeldung wird gesagt: .„Auf den ungarischen Meierhöfen nächst Halb- Huvn, und zwar , auf den' Höfen Merecht, Kasimir^ Re-usaida und Jessehcs,' scheint sich « t w a s p o r zm b e reck te n, was mit der Pokitck im emgen Zusautmeichang stchen dürste.' Es bMtetert sich auf diesen Meterhösen vor einiger Zeit Jugendvereinignngen unter Leitung der Intelligenz. (Güterbeamte, Lchrer usw.). Diesen Vereinigungen müssen sämchliche Personen -männlichen Geschlechtes vom vollendeten 12. bis zum 21. Lebe-nss-ahre foeitret-en; Allen jenen, welche diesem V-srein nicht beitreten lvollen, wird mit 'Strafe gedroht. Die Tätigkeit des Vereines soll vorläufig hauptsächlich in Turnen, Betreiben von Sport , und Veranstaltung dort geselligen Ztrsammenkütvsien, Unterhaltungen usw.. bestehen. Dies durfte aber uur der Deckmantel sein, in Wirklichkeit steuert man auf ein politisches Ziel hin, was daraus hervorgeht, daß die Jugend zum Devötasbeitri-tt verpflichtet wird. Ueberdies verlautet, daß-die AusbiLmvg der Mitglieder -im März 1928 beendet sein soll, worauf, dieselben auf de« König von Ungarn vereidigt werden sollen. Präsident dieser Juge-ndvereinigung soll der am 22. Dezember 1924 vom Witmannshos, Gemeinde HaWthurn, auf den Jeffchos versetzte Verwalter Ludwig CzoLa sein." Alle diese drei Meierhofe gchören dem Erzherzog Friedrich. Ebenso werden, wie sich aus einer Notiz in einer Oedenibuvger Zeitung ergibt,, auf den Gütern seines Sohnes, des Erzherzogs A-l-brecht, Banden aus-gebildet. Diese Notiz besagt: „Der Psadfinderveve-in stellt zum Zwecke der praktischen Ausbildung von Ps-ads-inderofsizieren mehrere Qffiziersbvldungslager unter Fühvuttg erfahrener Psadifmderaffiziere auf. Diese ständigen OffiziefSbi!ldun>gÄager werden in. allernächster Zeit auf den Gütern der Generalpsadsinder Erzherzog Albrecht und Graf Khuen-Hedervary aulsgeschlagen werden." Bttndcs-kanzler Dr. R a m e k' vers-icherte, daß die Regierung die ihr zugekommetten Nachrichten nicht unterschätze, ihnen vi-el-mehr mit allem Elser nachgehc und alle Maßnahmen treffe, um eine Auswirkung auf Oesterreich zu verhindern. Auch bei einer allergrößten Wachsamkeit auf diesem Gebiete konnte bisher irgend eine Auswivkttng der Bewegung auf Oesterreich nicht sestgestellt werden, ja es wttrde tttcht einmal sichevgestell-t, ob die in den Berichtest snthaltanen Mittellun-gsn über die Verhältnisse in Ungarn auf Richtigkeit beruhen. Die Regierung hatte daher bisher keinen Anlaß, bei der ungarischen Regierung einzuschreiten. Die bloße Tatsache, daß sich itt Uttigant Pfadsinderverei-ne oder sonst -der körperlichen Ertüchtigung dionettde Organisatlonen bilden, rech 1 f cc’t-i gc ein diplomatisches Einschreiten tt i ch t. I Die latente als Blindenverein. —y. Wie«, 12 Jcüruar. Die amtlichen Reilatlonen über die Tätigkeit der na-gyarischen Jrredenta an der burgenländischen Grenze ind über die Betriebs-a-mkeit der Horthy-Ofsiziere auf isterreichiischem Boden sagen im großen und ganzen üch-ts Neues, wenngleich sic in den EmMheiteu außerirdentlich interessant find. Kein Tag vergeht, an dem richt irgend ein Minister in Budapest die Friedensliebe >es Landes beteuert, kein Tag, an dem nicket nrrt trauernden Tränen der armen magyarischen Minoriäten in den verlorenen Gebieten gedacht wird. Jede Geegenheit wird benützt, um von der Entwaffnung Ungarns zu fabeln, das durch die Mlitärkontrolle wehrlos zem-acht worden sei. Wie aber diese Kontrolle geübt vird und wie gut die ungarischen Sachverständigen das Handwerk des Angenauswischens verstehen und betreiben iönnen, dafür gilbt die amtliche Darstellung-eine unanechtbave Kette von Beweisen. Nicht daß Ungarn rüstet rnd seine Nachbarn in ununterbrochener Unruhe er- )ält, ist das Wefentl-iche. Verblüffend ist nur die Art, n der die Aufsicht der Ententeorgaue sich mit diesen VoribeveÄungen abfindet. Ungarn zieht seine Jugend )vm 21. Lebensjahre an zur vollen Ausbildung in kurzen Intervallen ein und wech-selt die Iahresklassen rasch tus. Dadurch ergibt. sich immer ein geringer Präfenztand und die in Beveitscha-st stehende Armee entspricht rotzdem allen -Anforderungen des Genera-l'sta'bes. Außerdemaber.wird auch das halbwüchsige Schülerinaterial m Kriegssport unterwiesen. - . Das ist nichts MueZ und unterscheidet sich im In-- Mt absolut nicht von den.Vorwürfen, die die intern tlliierten Milltärkommissionen gegen Deutschland ergeben. Ihre Referate sind auchdie Grundlagen zu dmr gegenwärtig ausgesponnenen Konflikt zwi'chen Deutschand und der Entente, die gerade unter Berufung auf ie schwarze Reichswehr und die Zeitfreiwilligen die täumung der Kölner Zone verweigert hat. Daß sich -ie Ententestaaten und insbesondere Frankreich durch ie Maßnahmen der deutschen Behörden bedroht fühlen, st - selbstverständlich und kann nur von der natiovrir.... cr>..^rr^ AntlpNl' oernanLirn iuci-uch. --— kennt die Organisation der Reva-nche, bei der dpische, NlilitarWsche, reaktionäre uird antisemitische denzen zu einer innigen Mischung verarbeitet worsind. Die von den Käbinetten der Alliierten nach lin gerichteten Noten enthalten immer wieder den weis darauf, daß sich die deutschen Militärstellen in zer Meise den Verpfliäwungen des Friedensvertrages iehen und darin von der ganzen deutschen Oeffenteit unterstützt werden. Das Beispiel der Natiosten hat, da es von oben ermuntert wurde, auch auf radikalisierten Flügel der Arbeiterschaft überge- ,en, und der Leipziger Reichsaerichtsvrozeß gegen die mumstische Tfcheka zeigt, daß d:e militaristische Denk- " KJ' koin ^Ror+eibtoiflvomm kümmert. Sie will gleichviel wo. Die Alliierten setzen sich dagegen -ur Wehr und die Bevölkerung der besetzten Gebiete Hai die Sünden der Patrioten zu büßen. Weshalb aber tuenden die Regierungen in London und Paris nicht die gleiche rügende Aufmerksamkeit den Vorgängen in Ungarn zu?. Die Kontrollorgane, die von Budapest aus die Abrüstung überwachen sollen, sind offenbar den nra-ay^rrschen Schlichen nicht gewachsen oder sie fürchten den Terror, der ihre Tätigkeit unmöglich macht. So oft so eine Kommission in die Nähe eiw's Waffenverstecks kommt, entsteht dort ein Aufruhr. So wurde jüngst in der Fünfkirchner Gegend eine solche Nachschau von bewaffneten Bauern gs'prett-gt. Trotzdem aber kennen Prag und Belgrad sehr gena-u alle Ei-nzalheitert des Horthy-Spiels und sind auch mit dem Geist, der in Ungarn herrscht, genügend vertraut. Was also ibre Vertreter nicht sehen öder mcht zu seOn bekommen, d?s wird doch ans aridere Meise den Betroffenen beka-nnt. Wer sie unternehmen WEISSE WOCHE U mmmmm m alle UeiBwaren zu sensationell billigen Preisen Im Warenhaus Ulfe Schiffmann II. TaborstraSe 48 TolonHon 47-1-7? En gros Bn detail VWWWWVWWWWWWW