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Wiener Morgenzeitung · 1925-02-11 · Heft 2147 (11.2.1925) · p. Seite 5

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2147 (11.2.1925)
Date
1925-02-11
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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ff* 214 V Mm, MWwvch Me«'» M-rWUWkU««-. 11. Februar 19SS ÄM 5 * Frühling-Wetter. In Wien gab es gestern einen au>5 tzesprochenen Frühlingstag mit heftigen Stürmen. Die Mittags temperatur betrug über 12 Grad Reamnur. In Graz stieg die Quecksilbersäule ans dem Sckloßberg auf 2 5, G r a d. Die Voraussage meldet starte Westwinde und bezeichnet abnorm bohe Temperaturen a l - andauernd. Der Sturm richtete in Wien mehrfache Daulchäden an. welche die Feuerwehr beheben mußte. Einige Personen wurden von herabfallenden Stücken getroffen. * Die Lebensmittclmärlte. Die Großmarktballe hatte gestern nngenrein günstige Fleischimpotte ansgulveiien. Mittels Bahn find 45 Waggons im Gewichte von 201 Tomreit, darunter 30 Waggons mit Kalibern mid Schlvemen. cittgvlangt. Trotz, gesteigerten Angvbotes bleiben die Preise vorläufig stationär. Allein angesichts der anihaltertd ivarmen Witterung und des eingoschränkten Bedarfes, d-ürfte sowohl im Groß« wie auch im Kleinhandel oirre Preisverbilltgung stattfinden. Der AentralgemAemarkt. der Ncvschnmttt. wurde gestern auch mit Gärtnerwaren bester beliefert. Die Kartofsel^Mhren fmd fortgesetzt günstig, so daß d'e Preise weiter die sinkende Tendenz verfolgen. Auch Zwiebelu. die wahrend der letzten Tage in größeren Mengen einlangten, haben sich gestern neuerlich mäßig wtt Preise verbilligt. Mit Obst, Butter und Giern siivd alle Märkte reichlich versehen. Der Berkdhr hielt sich gestern aus allen Marktgebieten angesichts der konstant oibnohm>enden Kaufkraft fast aller Verbrauchevschichten in dein engsten Grenzen. * Die herau-gelockte Perlenschnur. Der Textilwarenfabrikant Wolf Alter aus Baden hat vor etlichen Wochen die Anzeige erstattet, daß ihm zwei Polen, mit denen er in geschäftlichen Beziehungen gestanden sei, eine aus 86 Perlen bestehende kosthare Perlenschnur im Werae von 1200 Pfund Sterling entlockt hätten. Auf Grund der eingeleiteten Ver> folgung wurde der eine bald nach Erstattung der Anzeige in Sophia verhaftet. Nun ist vor einigen Tagen auch der zweite, Siergijewski, in Prag angehalten worden. Die kostbart Perlenschnur wurde zustande gebracht. * Angeschwemmte Leiche. In O r t h an der Donau wurde am 9. d. die Leiche einer zirka 25- bis 30jährigen mittelgroßen Frauensperson geborgen. Die Tote dürfte mit einer gewissen Hermine Piwonka identisch fcttt, die sich am 28. Oktober vorigen Jahres bei der Brigittabrucke in den Donaukanal gestürzt hat. * Der Tod eines Neugeborenen. Die 18jährige Hilfsarbeiterin Anna C. war seit vierzehn Tagen beim Selchermeister Hermann Müller im 11j» Bezirk bedienstet. Gestern um halb 6 Uhr früh wurde sie im Klosett liegend aufgefunden. Neben ihr lag in einer Blutlache ein totes, neugeborenes Kind. Das -Kind war an der Grenze der Lebensfähigkeit. Die C. gab bei ihrer Einvernahme an, daß sie von der Geburt überrascht worden sei. Aeußere Verletzungen waren an der Kindcslercke nicht wayrzunehmen. Die gerichtliche Oeffnung der Leiche wurde beantragt. * Tödlicher Unfall durch Leuchtgas. Sonntag nur halb 9 Uhr abends kehrte der Hutmachergehilfe Franz'Ritz von einem Ausflug in seine Wohnung, Hütteldorferstrabe 127, zurück. Er fand seine Lebensgefährtin, die 39jährige Hilssarbeiterin Anna Korntheuer in der mit Leuchtgas erfüllten Küche leblos auf. Einer der beiden Hähne am Gasherd stand offen. Cs dürste ein Unfall vorliegen. * Die Lebensmüden. Der 32jährige Kutscher Otto Schneider hat sich gestern vormittags im Justlzpalast mit einer Rasierklinge an der linken Hand eine die Sehnen ourchtrennende Schnittwunde beigebracht. Er wurde ins Spital gebracht. — Die 20jährige Comptorristin Stephanie W. hot sich durch Leuchtgas zu vergiften versucht. — Die 24jährige Hilssarbeitersgattrn Therese H. hat sich aus Kränkung über den Tod ihres Mannes durch Genuß einer Eisenarsenlösuna zu vergiften versucht. — Der 20jährige Maurergehilfe Karl Schimek versuchte sich gestern nachmittags durch Lysol zu vergiften. — Der 17jährige Hilfsarbeiter Rudolf Reitercr hat sich wegen Krankheit seiner Mutter durch Schnitte mit einem Rasiermesser zu töten versucht. — Montag nachts hat sich in der Eßlinggasse der 25jäl>rifje Wehrmann des Infanterie-Regiments Nr. 4, Max Krrstek, in der Roßauer Kaserne bequartiert, nach einer Auseinandersetzung mit seiner Geliebten aus verschmähter Liebe durch Stiche mit seinem Bajonett in der Magengegend leicht verletzt. — An seinem Tage muH man «s begrüßen, daß in der Zeitschrift ,KivjaH Sephor" sich zum ersten Male eine Gvirppe von Männem tzusammenfmdet, Ne diesen ernsten Dingen Borständms und Zarten Willen entgegeNbomgen. Wahrend in früheren Zeiten die Emsamen vergeblich gegen die überstürmten wissenschaMchen Wirkungen der svge-nannten EmanzipatLon aMiMpften, sprechen sie nammchr verbunden und gemeinsam zu unserer Wischer Wlen» den Gegenwart. Wo es den Bishövijgvn an döm tauAichen Werkzeug nud an der gesigneten Tvibune gefehlt hat. haben sie das Mittel «unserer Sprache und die wvvbvnde Kraft unserer Heimat. Sie können der 'herzlichen Zustimmung der wenigen sicher sein, die sich nach NoigU'Ng und Leistung zu ihnen zählen dürfen. Die Zuknnst unserer Kultur aber fordert, daß auch unser Volk diese Alänner verficht und ihrem Merck hilft. Das Jahresabonnement für die Zeitschrift ,Mr.jach Sephvr" ^beträgt 10 (engl.) Schilling.' GinzaGungssMe: F. Ostertag, AugSburgovstvatze 29, Berlin W. 50. Ich beschränke meine sachlichen Benlorikumgvn aus ein Minilmrm. S. 49, Anin. 12. Das Zitat über die erste Ursache ist zweifellos aus PsSudo-Nachmani ymn Hohelied entilchnt, Gd. Altona 16, erste Sj>alte. Das folgende Zitat ist Jallnt Tchillim 624. — S. 52. Daß die Ausgabe Konstantmopeil der Responsen des Nissim Gerumdi von dor römischen vorschieden ist, stcht schon bei Sto'mschueidev, Cat. BM. 2066, vorg'loiche Roest, Anhang 1903. — S. 62 zweiter Absatz. Hier war auf MaSkioth Kesoph. ^lm,stevdam, 1765, zu verweisen. — S. 63 f. vergleiche Aiavgoliouth 972. — S. 150. Hier ist nicht vom Cheschwan die Rede, sondern von einem Tag vn der Sophirah; ein Buchstabe des Trrfimis -ist falsch. — S. 161. Hier wa- Kenaf renanim zu erwähnen, Michael S. 89. — S. 167. Die Ausgabe Hrubiesznw des Kommentars zu«m Hoheitivd wird erwähnt 'bei Rapaiport-Hartsteinr, ToWoch ha- :)tam'ban S. 29. — S. 166. Dem UiM über Bernheimers Palteograsia Gbmiea tat ich mich leider nicht anschlließen, zum mindesten sind die Buchstanlabellen dieses .wenig genau. mm knürrkwrr neu mörtNtri felchwaren-Retteurant "T3 „SDSGELHOF* 1V2 11. Be2*i Praterttraaie 49 TdtpbM Nt. 4M44 Sirene rituelle, vortüel Kflehe. Fteiach. and Sekfcvrarer >«• der renommierten Selchwarenhbrflr Gabriel Fischer Ptlsnerßier nur K 6000 pro Krügel Separate Raume für Hochzeiten, Diner» etc. etc. Dkenstorte in der Himmelv Kellnerbnrsche Anton Klei losem Zustande wurde er in .ottgasso hat sich der 35jährige jner angeschossen. In bewußl- >as Spital gebracht. (Die nachstehenden Ankündigungen sind entgeltlich.) Sie Sensation der Weißen wache! Vom Grundsatz ausgehend, jedem etwas, und zwar daS Richtige, zu bieten, haben die Brüder Schiffmann zu einer großen kaufmännischen Oraamsation gegriffen: zur einer r ir- - W •* ch e. s-ie im 2. Bezirk in dieser Art zum ersten Atale gevowl: wird. Durch den Ankauf großer Wareimrengen ist es der populäron Iirma möglich worden, ihre erstklassigen Artikel zu äußerst biNaen Preis«» abzu-goben und so jeder .Hausfrau zu praktischen ErMmen zu verheMu. Hierzu konnut noch, daß das Warenhaus Schiffmann mit gaUit geringen Regien arbeitet und sich dadurch aus das Assortinient des überaus vielfMigen Lagers konzentriere kam». Bon Montag den. 9. bis Samstag den 14. Februar wird man also Gelegenheit haben, die Vorteile der Weißen Woche bei den Brüdern Schisfnumn in der Taborstraße 48 auszunützen. Besondere Okkasionen in Spitzerrvochänaen, Damast- und Atlasaradl, Chiffon und Bet tuckweben, ferner in Speise- und Kaffeeoarniturrn, iverden gewiß viele Anwärter finden. Iür die Praktische Dame liegen Kleider- und Blusenstoffe. Wäschebatiste und fertige Wnschegarnitnren in unerschöpflicher Auswahl auf, ebenso Küchen- und Badswäsche. Auck in Herrenwäsche gibt es sehr zahlreiche Gelegenheitsstücke. Schließlich machen wir noch darauf aufmerksam, daß auch für Hoteliers und Gastwirte sich Gelogenheit bietet, die sonst teure Hotol- und Gastbauswäsche durch billige E'mkäuife zu ergänzen und auszusülken. Die geschmackvoll eingerichteten Schaufenster bringen ein Bild der «sonders günstigen Angebote._ geteilte, BortrSge und Serfatmnltragett. JLdlkch- Tlschg-k.llschaft Stadt, Cafe Siller, 1. Bez., Schwedenplatz, Mezzanin. Heute, 8 Ubr abends, Vortrag Gemeinderat Dr. Leopold PlaschkeS ..Arierparagraph und Nnmen»8 clausnS — die kulturellen Rachkrieaserrungenschaften Mittel- und Osteuropas." Gäste willkommen. — Oesterreichische politiscke Gesellschaft. Morgen, 7 Uhr abends, spricht Herr Direktor-Stellvertreter Max W o l l» e r über „Lebensversicherung und Geldentwertung." — WienerBet h-H a m i d r a s ch, 3. Be»., FerdinandSstraße 23. Heute, 6 Ubr abends, Lektor Dr. G. Rubin «Die Religionsphilosophie des Josef Albo/ — Zionistische Jugendgrupve L e o p ol d st a d t. Heute, v-8 Uhr abends, S. Bez.. Zirkusgasse 38, 1. Stock, Plenarversammlung mit anschließendem Referat. Gäste herzlich willkommen. —Zionistische Kulturgruppe, 20. Bez., Karl Meißl- Straße 6/1. Heute, präzise */*8 Uhr abends, Bortrag Leo S e nd r o w i e z r «Palästina und die jüdiche Jugend". Gäste willkommen. Nachher NationalfondSkommistonSsttzuu-. Teilnahme aller für den Nationalfonds aktiv tätigen Mitglleder Pflicht. » Bo« jüdischer Kunst, ldeber diese« Thema hAt heute mn V,0 Uhr abends Herr Univ.-Prof. Dr. Max EiSler in der jüdischen Tischgesellschaft Landstraße, Cafe Lovrana, 3. Bez., LöweNgasie 86, eine« Vortrag mit Lorführnng von Lichtbilder«. Me österreichischen Sude» Ke die Jerusalemer llniverfitöt. Am 1. MpvA d. I. wird die hebräische UniveUsitLt m Ievusailom eröffnet. Nebst zahlreichen Privaten in allen Ländern haben auch die «bslgische, frauMische, holländische, ißpamsche und tschecho-Aowakische Rvgievung in Würdigung der Bedeutunig dieses Instituts boträchtliche Spenden m Geild und Büchern für die UniversitätsbMi-othor aufgebracht. Auiläßlich der bevorstehendon Eröffmmg der U-niveosität hat die Wiener Sammvlstelle für die hobraffche Universitätslbrbiliothek eine Sarnmelaktion großen SMs in der Zeit bis 15. Mapz enrgeleitet. Die bis dahin arüfg.'bvachten Bücherspenden werden von den Teilnehmern an der PalästinoeAurfion des Welbweribandes der jüdischen Studentenschaft zur Eröffmr-ng der hebräischen Universität nach IevusÄem witgommrmen. An die Iudenschafft von Wie« sowie an albe Förderer von KrMur und Wissenschaft, an di« Bersasser wlssenschastlicher und belletristischer Werke, an die Redaktionen der fachwissenschafteichen Zeitschvfften ergcht der feievliche Nus, zur Ptorgengabe der österreichischen Iudenschaft an die Jerusalemer Universität beizntvaigon. Di« Berei-tiwrM'tMt zu etwaigen Spendvn mögen der Sanmre'lstelle bekanntgegeiben werden, die die Uebernahme der Bücher >bet den Spendern besorgt. Mhcre MMnst« erteilen: Dr. Korn. 16. B«z^ BrirmMgasse 34. T«s. 29-1-28. Jüdischer HochschulauSschuß. 9. Bez., Zmimermanniplatz 8, Teil. 25-2-L8. „VIv güdQne Piw«11 (V« «li fnl« fiültdi Isikslillit) Kunstspiele, Wien, I. Riemergasse II. Anweisung für die Leser der „Wiener Morgenzeitung”. Gültig für die Vorstellung am Mittwoch den tt Februar 1925, %B Uhr abends atu zwei um 50 Prozent ermassigte Eintrittskarten. Die Karten sind vor Besinn 4er Vorstellung an Oer Kasse su beheben» RRbloprorirainmr Mittwoch Mn 11. Februar, 9 Uhr: Marktbericht. — 11 Ml 1 Uhr r K o u z e r t S i l v k n g. — 1 Uhr 5 Min.: Urania« zeit. — 1 Uhr 20 Min r Wetteransage. — »/,4 Uhr: Wiener Börft. — 4diSSUhrrTeekouzert Silviua. — 6 Uhr: Vortrag Bürger. „Claudius, der junge Goetbe' (gesprochen von Dr. F o st n e r und Gertrud» Lasch). — 8 Uhrr Konzertakademie: Klaviervottrag: Prof. Baß. Wagner: Feuerzauber an- «Walküre. GesanqSvortrag: Kammersänger Clemens Siziliana aus .Cavalleria rum« rona". Btolinvortrag: Prof. M a i r e ck e r. Geiangsvorttag r Kammersängerin Achsel-ClemenS. Wagnerr Elsa» Traum an-«LohengrinE. Duette: Kammersängerin Achsel- ClemenS und Kammersänger Clemens. Hau? Her* mann: «t Harmonie, b) Du und ich. Schumann r Unter« Fenster. Klaviervottragr Prof. Roderich Baß. Roderick Baß: Wellenspiel. Jobann Strauß: Geschichten an» dem Wienerwald. II Teil: Heitere Vorträge. Mitwirkendr Lotte Witt (vnrgtheater). Philipp Z e S k a (Burgtbeater) Viktor Heim, Konzertsänger. — 10 Uhr r Heitere Abend mnsik. d— Das Radioprogramm hSren Sie klangvoll und störungslos nur mit .Ottgtnal Blanpnnkthörer^, «Original Ideal-Detektor' und «Original ZdeaW- Super Kristall-. Bei jedem Händler erhältlich. Hauptlagrr bei Ing. Emannel Klausner fen., 1. Dez., Adletgaffe 4,1. Stock. _ (Entgeltlich.) Bühne und Kunst. „La finta semplice.“ Erstaufführung anläßlich der Eröffnung der «ufikhochschule. Eine Erstaufführung nach 157 Jahren! Schon im Jahre 1768, da der zwölfjährige Mozart auf Vorschlag des Kaisers sein dramatisches Erstlingswerk «La finta semplice" schuf, war alles zur Aufführung bereit. Schon war der Vertrag mit dem Theaterunternehmer Affligio abgeschlossen und ein Honorar von hundert Dukaten vereinbatt, längst war daS Werk fertig, ja, einzelne Arien waren auf Wunsch der Sänger um- und nenkomponiett worden. Doch nun ging das Wiener Intrigieren los: Man sagte, die Musik sei nicht von Mozatt, sondern von dessen Vater, daS Orchester wurde aufgehetzt, sich nicht von einem zwölfjährigen Jungen dirigieren zu lassen und der Unternehmer Affligio erklätte, wenn er die Oper geben müsse, werde er schon dafür sorgen, daß sie durchfalle und ausgepfiffen werde. — Bezeichnend für den Kunstsinn Affligios, daß er gelegentlich eines Kampffpieles zwischen zwei Ochsenfängern und einem ungarischen Stier die Worte airsrief: „Sehen Sie, diese Hunde sind mir lieber als Aufrene und Neuville" (zwei bekannte Schauspieler). — Immer wieder klagte Vater Mozart über die Doppelzüngigkeit der Sänger, ja, selbst über die Gehässigkeit des berühmten Tondichters Gluck und schließlich zog er, des langen Wattens müde, die Oper zurück, die erst vor wenigen Jahren in Karlsruhe zum ersten Male über die Bretter ging. Dazu war das Libretto des alten Theaterdichters Marco Coltellini von Anton Rudolph notdürftig neu auf den Glanz hergerichtet worden. Die Geschichte von Rosine, der „verstellten Einfalt", die den Hagestolz Cässandro mit ihrer gut gespielten Einfältigkeit überlistet, ist auch in der Neubearbeitung, in welcher Rosine den Widerspenstigen zähmt und dabei selbst ihr Herz an ihn verliett, nicht kurzweiliger geworden. Auch das umständliche Liebeswerben der beiden anderen Liebespaare, lauter Type« der Opera buffa, stellt die Geduld des Hörers auf eine harte Pwbe. Doch der kleine Mozatt verscheucht durch seine Vertonung manches Bedenken, ei« rechter König Midas. der durch die Berührung mit seiner Musik de» schlechtesten Bühnenstoff in Gold verwandelt. Wie spielend leicht doch der zwölfjährige Knabe, dessen eigenes Herz noch nichts von Liebe wissen mochte, dem Liebesgetändel feiner Helden gewachsen ist. Und mag auch die Bühnenwirkung, die Kontrastierüng. die Charakteristik der einzelnen Gestalten noch nicht in aller Scharfe erreicht sein, jede Rote ist doch echtester Mozart. Während andere Komponisten eine jahre- und jahrzchntelange Schulung und Erfahrung brauchen, ist bei Mozatt die Musik fast fettig dem Haupte des Genius entsprungen und darum ist die Frage nicht nur müßig, sondern anch albern, wie weit Mozarts Vater an der Musik des kleine« Wolfgang, etwa in der Anordnung der Arien, oder in der Instrumentation, mitgewirtt habe. Schon , die Instrumentation ist bei aller Einfachheit ein Wunder an sich: Dieses merkwürdige charaktettfttfche „elair obfeur" an manchen Stellen der Partttur oder die in jener Zeit ganz ungewöhnliche, an Händel gemahnende Teilung der Bratschen! In de» Atten leichtester Fluß, ei« tändelndes Spiel, welches das Rokoko der Wasserkünste, der Reifröcke und der gepuderten Perücken in Töne einfängt. Rebe» Büffotöne und burlesken Stimmungen auch Anmut und Würde, die aus der Schule Glucks singt und bei einfachsten Harmonien helles Licht und ftohe Hesierkeit in den Ensemble» und Finales, welche schon die Sendung Mozarts verkünden. Wundersame Vorahnungen der'späteren Vollendung, unfettige hoch um so interessantere Borstudien zu« gvtüiche« Figaro: ,DaS Marschieren aus den Quattieren" hier, findet dott in der Arie „dort vergiß leises Fleh*«" seine Yottsetzung, anch die „heil'ge Duelle reinster Triebe" rauscht bereit» tu der „verstellten Einfalt" und die Weise der Eherubin ist ebenso vorgeahnt wie da» Koloraturreich der Königin der Nacht". — Wie in der Malerei die Skizzen und Studien berühmter Meister immer ihre Schätzer und Liebhaber gesunden haben, so sollte diese» Jugendwerk. in welchem da» ganz« Mozart-Wunder im Keime vorweggenommen fft, von jede« Mozart^rrund, gehört werden. Zn den Schwächen de» Werke» gehören Me die weder durch ihre Neubearbeitung durch Hermann Roth» noch auch durch die Sänger -» mit chvep. maitgelndan Zmvgenftttlykeit — bchöben werden konnten. Äe^e Gänger, durchweg» AkadomiaschAer, die au» der guten SchuÜe de» Wadamremch minmchr HochfchuVproftssors Geiringer hervorgegangen sind, haben «ck» GchmgSÄeven wohl Anspruch auf Nachsicht. Die fthcheu SiWueeu fu* «ich unfertig, du» SWl

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