Mannheim
Compact Memory

Wiener Morgenzeitung · 1925-02-11 · Heft 2147 (11.2.1925) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2147 (11.2.1925)
Date
1925-02-11
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
87% known words query
IRI
…/2979076-2981191-2981232--21901-3009258
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

lkiii« 20arotn I Wie«: Zum Ahholen in der EsfMtfttfon. II. Tabor gtt. oder Hi einer Vertehletatelle (Trafik) monatl. K 50.000 Strawonverkanf H» Wien dordi die Kolporteure der Firma Goldschmied, 1. Bez. Wollzeile 11 Mit Postverrand für Wien n. Oesterr. monatl. K 50.0Pr Ta ehe e t» o-S I owa 1t e - Mon. K 22 Ineoalawien: Men. Dinar60. Polen: Mon 4 Zloty, Dentschland Mon. Goidmark 4, F rankt. Belgien: Mon. Frca. 18 WM Ntabtitnaarea MW W PnlwrMknrw ttrMiiliN rmmmmmmmmmm Rr. 2147 SAMSTAG fl It.&ebraar 1925 , Sämt&rJic (KtmaarOtmstHtc hakoahJ ftCDOVTEl eornr&ten der &indcjrbewakrimstolit.n ■ Wiener omenxettung | poef« K BOOO Eogiand: Mon.4Schilling. Italien: Monatl. 18 > He, Romä oien Mon. 1701 ei, Bulgarien Mon. 80 Lowa, Schweiz ond das übrijre Analand monatlich Frca. 5, Redaktion o. Administration Wien II., Taborstf. t<w3 relephone: 44-0-38,43-3-19, Ah6UhraW 21-102,25-282 IX. Unrversitätsstrasae 6—8 (Druckerei .Steinmann) Oeaterreiehisches Postspär* kamean -onto Nr. 150.693 Wien. Mittwoch. 11. Februar 1825 7. ftafiraana Snternotlomiler Faszlsmss. —y. W i e n, 11. Februar. Es soll eine Internationale des Faszisnms geschaffen werden. Der große Rat der Faszisten, der gegenwärtig in Rom tagt, hat in seine Tagesordnung einen Punkt ausgenommen, es seien die vorbereitenden Schritte zu einer Verständigung mit den faszistischen oder gleichartigen Strömungen im Ausland zu prüfen. Das ist die Fortsetzung der schon vor längerer Zeit an die italienischen Faszistenvereine außerhalb Italiens erteilten Weisung, auch nichtitalienische Staatsbürger als Mitglieder aufzunehmen. Schon mit diesem Akt hat der Faszismus über die Grenzen Italiens hinausgegriffen und seine organisatorische Expansion offiziell proklamiert. Doch legte er noch immer alles Gewicht auf seinen rein national-italienischen Charakter, wohl nur deshalb, um alle Kräfte für seine in der Heimat durchzu führenden Kämpfe zu konzentrieren. Wenn er nun seine Basis verbreitert, so wird sein Entschluß entweder dadurch bedingt, daß der Faszismus sich in Italien für gesichert hält oder daß er nn. Gegenteil für seine Auseinandersetzung mit der Opposition, insbesondere der sozialistischen, die im Ausland moralischen Anschluß , findet, auswärtigen Sukkurs heranziehen will.. Im Effekt laufen diese beiden Eventualitäten für das Ausland auf das gleiche hinaus. In jedem Falle ist doch der italienische Faszismus eine sehr ^starke, von offensivem Willen erfüllte Bewegung, die sich des Besitzes der Regierungsgewalt erfreut. - - Es ist bekannt, daß der Faszismus ein für die italienische -nationalistische Jugend sehr zugkräftiges NüßenprogMmm besitzt. Es ist in die emfache nnd, Mrs. Formel der unbedingten Herrschaft rin Mittel-. vrKie und der Einverleibung aller Italiener Ln das? italienische Königreich gebracht. Das Programm erstickt sich auf Nordafrika sowohl wie auf Korsika, Rzzza, Malta- und den Tessim zieht also französische, englische und schweizerische Interessen in den Bereich seiner Aspirationen. Vielleicht war dies von den Schöpfern der Bewegung als Stimulans für die aufzurnfende Jugend gedacht. Sicher aber ist es, daß solche Gedanken kein Spiel vertragen, sondern von den Massen sehr ernst aufgefaßt werden. Liegen nun hierin starke Komplikationselemente, so steigern sie sich bei der Ausdehnung des Faszismus als Idee auf gleichartige Bewegungen. Es ist einstweilen unklar, was das Wesen .dieser geplanten Internationale sein soll. Italien besitzt in seiner Kunst und seiner Musik hohe ideelle Werte, die ihm starken und bleibenden Einfluß auf die ganze Welt sichern. Was hat es sonst noch zu geben? Dis wirtschaftlichen und sozialen Erfolge des Faszismus in Italien sind nicht so groß, daß sie anderwärts Verlockung ausüben könnten. Die Gesetzgebung Mussolinis, die er mit einer als Parlament auftretenden Majoritätspartei betreibt, ist ausgesprochen reaktionär und reicht in keiner Hinsicht an die großen Taten CavourS und Mazzinis heran. Die Uebelstände, die der Faszismus vorgefunden Und die er abzustellen versprochen hatte, bestehen unvermindert fort. Die Sümpfe der Campagna senden.weiter ihre Pestausstrahlungen hinaus, die Schwefelhällen Sardiniens verschlingen ungehindert ihre Hekatomben ausgemorgelter- Fronsklaven, die Schande der Kinderarbeit ist nicht beseitigt. Preßfreiheit, Bersammlungs- und Koalitionsxecht.sind nur mehr Erinnerungen an vergangene schöne Tage. Worin konnte die Anwendung der faszi st ischen Grundsätze der übrigen Welt ein Beispiel geben? Die Faszisten Deutschlands sehen freilich schon seit langem neiderfüllt auf Italien. Sie verhinuneln Mussolini und die Hitler-Leute haben vor kurzem sogar ein ganzes Büch über diesen Staatsmann geschrieben.^ Sie haben, um sich seine Gunst zu erwerben, persönliche Beziehungen zu ihm hergestellt und ihm versichert, daß sie sogar auf Südtirol verzichten. Wofür wohl? Das kann doch nur so gemeint sein, daß ihnen zur Durchsetzung ihrer Putschpläne italienische Waffenhilfe zugesagt wurde. Zunächst das. Und dann — wer weiß, bei einem doch möglichen Korsika- oder Nizza- Konflikt mit Frankreich würden auch deutsche Kriegspläne spruchreif werden. Hier liegt also bereits eine Möglichkeit dieser Internationale. D'e zweite ist Ungarn. Dort ist ja der Faszismus bereits in einer weitaus vollendeteren Technik en der Herrschaft. Er ist mit der italienischen Nachbildung nicht zu vergleichen, denn Hoefle verhaftet. Die Verfehlungen der ReirOspoftverwaltung in der Barmal-Asfare. Berlin, 10. Februar. (T«l.-Komp.) Der frühere Reichspostminisier Hoefle ist heute abends verhaftet worden. Hoefle Wie bekanntlich die Staatsanwaltschaft ersucht, von seiner Festnahme ab zu sehen, da er nicht an eine Flucht denke. Nach einer längeren Beratung entschied sich aber die Staatsanwaltschaft honte nachmittags doch, zur Verhaftung Hcefles zu schreiten. Hoefle wurde in seiner Villa in Lichterfelde telephonisch angerufen und ersucht, sofort nach Moabit zu «mer Vernehmung zu Kommen. Hoefle folgte der' Aufforderung, und als er sich in Moabit ernfand, wurde ihm m>i<ge!Ält, daß er sich als verhaftet betrachten solle. Eine neue Mandatsniederlegung. Dem Mgeordneten Lang»-Hegermann wurde, wie das „Berliner TagMatt" erfährt, vc« Zentrumsfeite. nahegelegt, ebenso wie Exmmister Hoefle sein Reichst« gSma n d a t nie d e r z u legen. Lange- .Hegcrmann hat sich /bis jetzt nicht entschließen können, diesem ihm iit. dringender Form geäußerten Wunsch nachzickomm««.. . Ein sensationeller Austritt ans der sozialdemokratischen Partei. Wie - die Blätter 'Melden, ist Staatssekretär a. D. Dr.> August Müller aus der sozialdemokratische n Pa r fre i: au sgetre te n. Er 'becchsichtigt, sich der demökäia tischen Päptsi anFuschLießen. .Der- Gnmd .soll, M die - Blättche berichten,' davin . li^m daß PaWHnÄ •: Resni der^ ' Ba rM a-k - Aüge'l'egenhevt NoßWelltem PersöMchke'ten aus de r Parte i z u e n t ferne n, «ich t Le so I g t' habe. ' - - Die Gelder der preußischen Staatsbank verloren. Berk«, 10. Februar. Wie die „Tägliche Rundschau* meldet, hat das Amtsgericht Charilottenburg den K o nknrs über das Kntißkersche B«rmögen eröffnet. Dl« angomeldete« Forderungen belaufen sich auf rund 3.0 Millionen Gold mark, so daß wie das genannte Blatt erklärt, nvit dem Verlust der Kredite der preußischen Staatslbank gerechnet werden müsse.. Strafverfahren gea^n Reichskanzler a. D. Bauer? Brtlin» 10. Februar.' Rach einer Korrespondenwieldung soll gegen den ehemaligen Reichskanzler Bauer bereits das Ermittl u n gSV e v f a h r e it eingeleitet worden sein, well er entgegen den seinerzeitigen Vorschriften Ankäufe vonDeviseuzu eigen«» Vorteil getätigt habe, ferner zur Klärung der. Frage, ob Bauer eine strafbare Verletzung der Schweigepflicht begangen habe, indem er de» Brüdern B a r m a t politische und wirtschaftliche Z u f o r m a t t o n e u aus Reichsstellen für D e v s s e,n s p e k»l a t i o n e n zvm Schade» der Reichswährung zugelettet habe. zwischen. Italien und Ungarn gibt es immerhin noch einen beträchtlichen Unterschied der Kulturmoral. In Ungarns Ftiedhöfen schlafen einige tausend Matteottis.. Und daß Mussolini sich mit der Hejjas-Partei nicht gerne zeigt, hat er selbst einisial gesagt und er hat sogar den Befehl der Aufnahme voy Nichtitalienern in faszistische Bereme ausdrücklich für'Ungarn außer Kraft gesetzt. Die ungarische Mentalität setzt dies beiseite. Sie frei von Senfimenjs und nur auf das Praktische gerichtet. Uttgapnhat reiche, weste Gebiete an Tschechen, Rumänen und Jugoslawen abgeben müssen und selbst Oesterreich hat em Stück abbekommen. Die magyarischfaszistische Jrredenta ist durch den Friedensvertrag und durch die Genfer Kontrolle in der Entwicklung gehemmt und fürchtet wohl auch vor der vereinten Kraft der belvasfneten Nachbarn. Aber Oesterreich ist nicht bewaffnet, das österreichische Problem wird immer wieder diskutiert und gerade jetzt ist es von neuem iif Debatte. Liegest hier nicht Mglichkeiteu, unter Benützung der angeblich traditionellen ungarisch-italienischen Freundschaft zu einer Rückendeckung zu gelangen? Das Wort Jnternationale hat in Ungarn schlechten Beiklang. Aber eine Internationale der Waffe -* das istetwWaMM Sie Affäre Steiger. Der Prozeß soll in Warschau durchgeführt werden. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Warschau, 10. Februar. Der LemVerger. Korre^ spondent des Warschauer „Moment" meldet: Aus sehr verläßlicher Quelle erfahre ich, daß der Prozeß Steiger nicht in Lemberg, sondern in einer anderen Stadt, wahrscheinlich in Warschau, durchgeführt werden soll. Sr. Marx preußischer MinisterprSstVent. Ein Kabinett ans Zentvum und Demokraten? Berlin, 10. Februar. (Wolff.)' Bei der- Wähl zmn pvouß'scheu Mniisterpräsidenten wurden 4M gültige Sti»n'.men abgegeben. Es evMtsn Dr. Marx (Zentrum) 219 Stimmen, Finanzmmvster ä: D. v. RÜ ch t e r- (denische BeWAPartei) 153, Körner (Nationalisoz'äM) 11, Pieck (Kommunist) 43, v. Campe 1, Ladendovf (Wirtschaftspartei) 16 Srianmen. Da keiner dev C-onanntsn/ di« Hälfte der abgegebenen gültigen Stimmen ervsichte, wurde eine S t i chw a h l zwischen Dr. Marx; und v. Richter vorgenenmnen. Bei der Stichwahl wurde Dr. Marx vvrt 223 Stimmen zu,m pvoußischon Mimisterpräsidentev gewählt. Richter erhivü 162 Äimmen.. U^ber di« Abstchten Dr.' Marx' teilt di« „Gevurania" mit, dqß , Dr. Marx ein Kadi n e t t a us Z e n t r u m u n d D e m o k r.a t e n bikden werde. Das ' - Zentrum . dürften dann nebeu Die T-smokvaten sollen das Kulltusünd das HandÄZ- -Ministerium erhalten, während' der ^«zialdenwErat Severing als Fa ch m inister das Ministerium des Innern weiter leiten soll. Im, Zentvnm nehme man an, daß.es Dr. Marx gÄingen werde, mit?der /Wirt» s ch a f t s P a r t e i zu irgend einer Vevständigung zu gelangen. In diesem -Fall fäll das WclhilfaihrtZ'MrmsteDimn einem Vertreter der Wirtschaftspartei überlassen werden. Das Streben Dr. Marx' werde jedenfalls darauf gerichtet sein, -die g r o ße K oä li t io « wieder erstehen zu lassen. Er werde daher nicht nur an die Wirtschaftspartei, Indern auch an die deutische BoMpartei Lei seinen B-eft«- dnngen zur KcOlinettÄbildung herantretein. Ein soziuldemokoattsche« LnnvtngSpoafivent. Berlin, 10. Februar. (Wclsf.) Pei deie Walhl des preußischen ' LandtagApräfidenten wurden 443 Stimmen abgegeben. Bartels (Sozn^demoikrat) erhielt 216» Dr. v. Kries (deutschnaliwM'l) 179, Pieck (Kommmüft) 43 Stimmen. Boi der Stichwahl erhielt Bartels 215, Dr. v. KvreZ 182 Stimmen. 40 Stimmen waren ungültig. Zu Vizepräsidenten wurden durch Zuruf gewählt: Dr. v. Kries (deutschnationall),. Dr. P o r s ch (Zentrum) und G e r n i ch (Bolkspartei). Außer in Deutschland und in Ungarn gibt eS noch faSzistifch-nationalistische Strömungen in den.Balkan- .staaten; faszistische Ideologien giht es in Frankreich, besonders in den katholisch-royalistrschen Kreisen. Das sind nicht zu verachtende Anknüpfungspunkte für eine weitausgreifende Kalkulation; nicht zu vergessen der strotze faszistische Kriegsapparat Rußlands, oer für mternationale Brandstiftung immer gern zur Verfügung steht. Man sieht, daß' die Frage, dieser Internationale höchste Beachtung verdient. Sie hat keinen geistigen Inhalt, sondern nur Methoden, aber solche, die zu oer Abenteuerlust sprechen, die noch immer das Argument mit Verachtung abtüt und alle Fragen auf dem Wege des gewaltsamen Diktats lösen will. Es kann sicher gelten, daß Mussolini solchen organisatorischen Experimenten abhold ist. Er ist aber auch in dieser Frage ein Gefangener der Partei, die er geschaffen und zum Siege geführ hat und die ihm ebenso über den Kopf gewachsen ist, wie dies bei den ungarischen Erwachenden zu konstatieren ist, mit denen kein Bethlen fertig werden kann. Es gibt unter den Faszisten nur allzuviele, denen das italienische Wams zu enge ist und die nach Beschäftigung auslugen. - Sie haben Genossen in aller Welt. ■BMfitfüaaMaeaiaafl*«

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.