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Wiener Morgenzeitung · 1925-02-08 · Heft 2144 (8.2.1925) · p. Seite 8

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2144 (8.2.1925)
Date
1925-02-08
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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WHWUW. Ml - -W P L ' 1" -» U1.^ML.WMMMI>.MUAWW»MWWVWWM!WMWWM Veite s D»en, Sonntag Wiener Morgenzeituns. 8. fcUmt 1925 «r. AM Jas Jubiläum des Krauen. diese»»» Jahre 1925, an einem Tage, den die nach- H’W Weltgeschichte nicht näher verzeichnet hat — natürlich sie verzeichnet immer nur die Kriege mtd Monarchen- Lvge u.nd Kvngresse —, in diesem unserem Iadre sollte»: mir ein großes Jubiläum begehen.- der Kragen ivird hundert Jahre alt, der weiße Kragen, den wir nm unseren Hals tragen. Der vom Hemd adlöe-tmre Kragen ist in der Tar nur Jahre 1825 crfnndeu worden, zn 'einer Zeit, >>» die revolutionäre Welt eben anfing, die aristokratischen Sitten des Ancien Regime endgültig abzulegen und, ehrlich gestanden, ein «wenig schädig zu tvevden. Vorbei die gravitätisch gefalteten Halskrausen des Barocks, die Spitzenkragen des Rokokos! Eben noch hatte in England der letzte große Stutzer, Beau B r u m m e l, das gestärkte Halstuch erfunden — wenn er hätte ahnen können, was er damit tat! Er, Beau Brunnuel, der Heikelste der Heiklen, ermöglichte es allen Uneleganten »vrrd allen Schmutzfinken der Welt, ihre Hemden noch länger zu tragen, als sie es ohnedies getan hätten! Denn diese berühnvte Erfindung Brmrmrels, das gestärkte .Halstuch, ist der direkte Bovlänfer des reinen Kragens, den man an ein angeschmutztes Hemd knöpfen kann. Aber der eigentliche Erfinder dieses Kragens ist der elegante Freund Georgs des Vierten nicht gewesen, dieses praktische und nicht so unbedingt kultivierte Kleidungsstück hat überhaupt kein Europäoe erfunden, sondern ein A m crrkanerim Man kennt rnerkwürdlgevtveife den Namen dieser verdienten Frau, sie hieß Hanna- Lord-M o n t a g u, aber das ,p2ord" in dem Namen bedeutet nichts Aristokratisches, sie war nur die Frau eines einfachen Schmiedes zu Trey im Staate New-Zork und wusch ihre Wäsche selbst. Man bemerke, daß ihr Mann ei»: Schmied war und ihre Söbnc wahrscheinlich Schrniedgesellen — es ist eine rußige Beschäftigung und eine Schmicdfrau, die ihre Wäsche selbst wäscht, hat nichts zu lachen. Nun verrnerkt die Weltgeschichte, daß an einem (von ihr laichtsinnigerweise nicht genauer notierten) Tag des Jahres 1825, daß an diesem Tage vor einem Jahrhundert diese offenbar geniale Mrs. Lord-Montagu am Ufer des majestätischen Hudson- Stromes^ ihre Wasche wusch — und sich schwer ärgerte: diese Männer mache»: imrner gleich ihre Heindkragen schmutzig und wolle:: das Hen:d dann nicht mehr tragen, obwohl das Hemd an sich dach noch ganz sauber ist. Diese Frau war'eines der praktischen Genies, wie sie Amerika hevvorbringt. Sie griff plötzlich rvach einer Schere und schnitt vor: dem Hemd ihres Mannes den .Hemdkragen ab, Verlest an dem Hemd saß, «wie seit der ersten Erschaffung der Mänrverhomden die Kragen immer an den Hemden gesessen hatten. Von dieser Stunde m konnte man sich einen reinen Kragen an.zhhen, ohne das Hemd zu »vechfeln und wir Schnorrer schulden dieser Mrs. Lord-Montagu ein Denkmal. Es muß eine Zeit des Ueberganges gegeben haben, in der es unanständig war, so einen losen Kragen anzulegen, so wie setzt kein sittlicher Mensch Manschetten anziehen darf. .Die seine französische Sprache errötet :wch heute, wenn sie von diesem anknöpsbaren Kragen redet, und nennt ihn: „Faux col." Es gab eine Zeit, da der Fanx col ein Fauxpas war, aber jetzt ist aus dem falschen Kragen schon längst der richtige geworden — mir umdrehen darf man den Kragen noch nicht, weder einem Nebenmenschen, noch seinen eigenen Kragen. Gasangriff auf ein jüdisches Klubhaus in Riga Riga, 6. Februar. (I. T. A.) Während ter Hebungen der Sportsektion im Perezklüb am letzten Montag dvau'.en plötzlich schämst Gase sin, die «beü allen Anweistnden U e b e t feit u n d Trän e n verursachten. Es stellte sich heraus, daß e i n junger Lette im Treppenihans nnterm Eingang Gasbomben geschlenidert 'hat. Es gelamg, den Täter se stz un e h me n. Es 'handelt sich um einen Mann, der schon wiederholt bei jüdischen Veranstaltungen Skandale pvoivoziert hat. Mitteilungen ans dem Publikum. Die Eröffnung der hebräischen Universität in Jerusalem findet am 1. Avril 1925 statt. Das Reifeburean „Contineuk" veranstaltet aus diesem Anlasse eine Palästina-Exkurfion aub bietet Interessenten Gelegenheit, diesem historischen Moment ohne siroßen Kostenaufwand beimwohnen. Auskunft täglich von 9 bis 6 Uhr im Bureau, 9. Bezirk, Svitalgasse 3. Telephon 26-4-69, Anmeldungen werden nur noch bis 18, Februar ent- _•_ «egen genommen.__ Grete Becker Ing. Franz Karpfel Wien III. Wien II. Verlobte _ Wien, Im Februar 1925_ _ Rosa Stolzberg Benno Ehrlich Wien II. Wien II. Empfehlen sich als Verlobte _Wien, im Februar 1925 __ Möbelfabrik J. Spira Feine M, III. MMllIIM« 1—H Wobxma&seinrichttuußa (Ecke Karl Scbwelgbolerjgasse FLEISCHHAUEREI SIEOH. KORNHEHL Zentraia: IX. Bergntsae Nr. 19, Tel. 17-9-99 n. 80-82/VI New eröffneie Koscher-Fleischhank im IX. Bezirk« Berggasse Nr. 15, und 18. Bezirk, Währingerstrasse Nr. 97 beide onter Aufsicht des Khrw. Rabbinats der Ist. Koltnsgemoinde Wien Ansschrotnne von ausschliesslich prima Qualitäten staatlicher Fleiscbsorten zn den billigsten Marktpreisen Verkanfss'nnden von 7—12 Uhr nnd von 5—7 Uhr abends )ien, 8. Februar. * Die Brotpreisfrage. Die Brcchfabvi'ken haben den Regisrung einen neuen Vorschlag über die Bvotpreiso.>rechnung Unterbreitet, über den noch beraten wird. Die Eutsichoidnng dü lste nächste Woche sollen. Morgen gilt daher noch der bisherige Bvolpreis. * Die Lebensmittelmaickte. Der gesteiigevte Konsum kam gesteru aulf allen Apprcvision'ievungsgeb:»eten znm Ansdrucke. Im Vordergründe des Jnitevesses stand wieder die Guvßmarikthallle, die in allen Fleischarten eine reichliche^Auswahl bot. Unter dem Drucke der günstigen Importe wahrend der letzten Tage nnd im Einklänge mit der Tendenz a»vf den Ai-chmärkten in St. Marx, wurden mindere nnd miitillere Sorten Rindfleisch wie auch Kalbfleisch um 1000 bis 2009 K. Pw Kilogainm lim Preiie herabgesetzt. Der Naschmarkt wurde a>u!f den meisten Gebieten mit Gärtuerwa-ren und Importartikeln ziemklich günstig bÄststrt. Mit Ausnahr'e van QualMtsgemnie, welches mäßig anggzogen hat, erhielten sich die Preise aller anderen Gemüsosorten aus ihren Vovwöchigen Stand. Mit.Obst waren die Märkte reichlich versehen. In Avpseln und Mandarinen hev.lschte Uaberfiuß. Für Geflügel und Wrldpret war die Nachfrage im Gegensätze zu den Vortagen lebhaft, die hohen Preise ledoch haben den Absatz ungünstig beeinfflußt. Nur sü>r Fische, speziell für die teueren Flußfische war die Kauflust eilte begrenze. Eier, frische zu 1400 bis 2200 K. und Kalkeier A» 1100 bis 1500 K. pro Stück je nach Größe nnd Butter zu 46.000 bis 90.000 K. pfv Kilogramm je nach Qualität, wurden in gen'ngenden Mengen ans die Märkte gebracht. * Heute nachts Mondesfinsternis. In der Nacht vom 8. zum 9. d., wird man Gelegenheit haben, eine partielle Mondesfinst^rnis zu beobachten. Sie beginnt Sonntag den 8. d. nm 9 Uhr 9 Minuten abends, erreicht ihre größte Phase um 10 Uhr . 4L Minuten und endet um 12 Uhr 16 Minuten nachts. Um eine genaue Beobachtung zu ermöglichen, wird die Uraniasternwarte am Sonntag den 8. d. oft halb 9 Uhr albends für den allgemeinen Besuch geöffnet sein. Für diesen Abend wurde auch die Beschränkung der Besucherzahl aufgehoben, * Das Wetter. In Oesterreich ist das Wetter noch beider und warm, während es im Südwesten Deutschlauids und im Norden Frankreichs schon regnet. Die Voraussage meldet: Vorübergehende Trübung und Niederschläge,, starke nordwestliche Müde. Temperatur tn den N iedevungen auch tagsüber nahe dem Nullpunkt. * Wo dürfen Radioapparate augeschloffen werden? Die Verordnung des Wiener Magistrats über twe Anmeldung von Freiantennen enthält auch eine Bestimmung, nach der der Anschluß von Radioanlagen an StarkstromsveileÄnngen (Licht- und KraststromLvltnirgen) und an-öffentlichen Zwecken dienende Schwachstromleituingen (Töliephon-, Telegraphen-, Signal-, Feucrivehr- und Bahnleitun'gen) verboten ist. Nun wird der Begriff ,/Freileitungen" vielfach mißvoxstanden. Es. sei daher mitgeteilt. daß unter Freileitungen nur jene Lertnnge»» verstanden werden, die sich im Freien ibofinden und an Maste oder an Mauerstützen längs der Häuserfronten ang"bracht sind. Dagegeit unterliegt es fein-em Anstand, wenn in dert Wohnnnger. die von den städtischen Elektrizitätswerken geprüften und znm Gebrauch zugelassenen Radioapparate an die Äichtinstallations- «rlwgen angeschsossen werden. * Bergebuna von Buchdruckerarbeiten für die Gemeinde. Das städtische Wrrtschaftsamt hat die Buchdruckevarbeiten fjör die Aemter und Betriebe der Gemeinde Wien zu verüben. Dre Vergebung dieser Arbeiten wrtrde nun öfserrtlich ausgeschrieben. Die Bedingungen für diese Ausschreibung könuet» täglich von 9 Uhr vormittags bis 12 Uhr mittags in der Ätaglstratsobteilung 44 in Wien, Ebendovferstraße 1, 2. Stock, Zimmer 1, behoben worden. Die Anbote müffen bis längstens 14. d. in der Magistvatsabteliung 44, Zimmer 1, überreicht werden. * Geschäftsjubiläum. Bor einigen Tagen seiorte Herr Leopold Branu, Inhaber der bestbekamlteli Firnra R. Brau it, Speziachcms für komplette Küchen MLstaltungen, 1. Bez.. Wippliugerstraße 18, den KvausMähnige,» Bestand svines Unternehnveirs. Herr Braun, ein »»och in jtmgen Jahr«»» stehender Kaatfmärm, e-osvent sich üicht uuo des besten Äuses m»d der Sympathien sviner Kundschaft, nrit welcher er ständig iin peusönliiche.»n 5to>nta>kt steht; er wird auch in Branchekveisen allgemein als tüchtiger 'twtiö un»sichtiger Fachmann anerkannt und geschätzt. Das Unterneh»»»en ist eirres der wenigen, welches d»u.ch gut sortiertes Lager "reichste Arts- Wahl 'bietet und somit im der Lage ist, jede»»» Geschnrack und allen Wünschen Rechrmnig Kn tragen. Es wird stets nur das Beste, bei durch günstige»» Eiirkaüf erwirkten billigsten Preisen^ ge'boter» und >daher als Spezialhaus' tnt der Küchengerütk» b ran che bestens bekannt und einpsohlen. * Aufhebung der Freifächertaxe au den Mittelschulen. Wie aus dem llnterrichlsmirristerinn» verlautet, soll die im vorigen .Herbst versuchsweise cingefnhrte Taxe für den Besuch von F r e i a e g -e >: st ä n d e ir, »velche fiir jeden Gegenstand ein Fiinste.» des Schulgeldes betragen hat, n»it Beaim» des tzveiten Semesters dieses Lchnliahres wieder aufgehoben worden. Ein Postangeftelltrr stiehlt 899 Briefe. Beirr» Postamt Wien 101!,W'estl'ahnI)of) waren »viedevholt Klagen vingetroffen, daß Briefe, die aus dem Ausland gekoutmei» firvd, nicht zuge stein wurden. Es waren voruchrnlich Briese, in denen fremde B a l n t e n vermutet werden konnten. Nun wurde als Dieb der dem Pvstanit als Postaushilfsdiener zugeteilte 25jährigc Josef Schuster, der in der Siedttmg Hermeswiese, Dvorakgasse 10, wohnt, vevlnsitet. Er hat fett dem Somnler vorige»» Jahres eine große Airzahl aus dem Ausland eingelaingter Briese entwendet und ihres Gcldnrhailtes beraubt. Der bisher festgestellte Schade»» beträgt vier Millionen. Die spolrierte»» Briefe hatte er in seiniar Wohnung ausbewahrt. Dort wurden »»»dH weniger als 800 Briefe gefunden. * Ein Wiener Tourist abgängig. Ans Graz wird!gon»e!lidct: Der vierrmdzwarrzigjährigc Privatbeamte Martin Schenker a»»s Wien stieg am 91. Jänner von Weißenbach-St. Gallen i»» Obersteiermark zur Pfarralpc a»»f. Schcirkcr brach a»n 1. d., an dem starkes Schnoogestöiber herrschte, voi» Qberl»»ssa auf und wird seilhsr vermißt. Touristen, die an diesem Tage von Weng zur Grabcnhütte, aufstiegen, hörten zwischen 8 und 9 Uhr abends fünf Schüsse, die Scheirker abgegeben haben dürfte. Die Rettungsexpeditionen aus Admont und St. Gallen haben der» Vermißte,» bisher nicht gefunden. * Die Lebensmüden. Die öepJwgc Pfründnerm Marie H lavac hat sich gestern in ihrer Wohnung aus Not einhängt. — Der 69jährige Poituinterbeamte Franz Baar wll»L>e an» 6. d. nächst der HeA».genstäidderibvücke tot ans dom Donankanal gesogen. Er dürfte wegen Krankheit Solbst»l»vrd ve>0ü!bt haben. — Freitag nachts wurden nächst der Laxenbilrger Allee die beide»» 19jährigen Hiikfsavbe'ide.r, Eduard Nowak nnd Josef Kahofer mit Schnittwunden aulfaefunden. Es ha>ndellt sich wm einen Doppolfelbstmordvorsuch wegen ÄvbeitAlvsiaikeit. — Die 37sW>M Hillssarbeitevin Saibine S. hat sich durch Lysol zu vergifte»» versucht. Dosgleiche»» lder 28jährige Buchdruckergehilse Ma>tthias S. nind der .Mjährige HilissaObsiter Franz H. * Palästinaexkurfion. Zu der vom Roifebuveau Kontinent a»»s 2l»»laß lder Evöffu»mg der hebräischen Universität in Jevusalcn» veranstalteten Palästlnasefellschaftsreise haben sich zcM-> reiche Interessenten gemeldet. Anmelldungen nur noch bis 16. o. * Der Triumph der Qualität! Seit einem Hauben Jahrhundert verwerten schöne Franen zur Betonung dov >noitürliche»» Reize nnd Pflege des Teints Äeichners Feltpüder.. Dieser Schönheit spuder ist die Gmmdlage jeder Hautpflege. .Im Bridoir' oder Sailon, aus der Promenade oder Reife rfytbt der iMMuetwetche, subtil du-stenlde Hauchs von Seichners Fettpuder Erfrischung. Verlangen Sie ainsdrückläch Leichner. (Eutgolblich.) ' * Konferenz der jüdischen Studentenverelne Deutschlands. Der Verband jüdischer StndenteuvereMe Deutschlands, der 2300 Mit^'.-üder zählt, hält vom 7. bis 10. d. eftroe Landeskonferenz in Berlin a!b. Tln dieser Konstvenz nchrnen Pros/ A. Einstein nnd Pros. S. Dnbnow teil, wÄch leytevor einen Vortrag über ,/Unsere Intellektuellen nnd das moderne Judentünl" halten wird. Der Verband tft dem WÄtverb'aude dar jüdischen Stnidentenschaft angeschlossen. Die ejcBu'titoc des Weltvevbandes 'ist an diestr Konstrenz durch Herrn Steinig vertreten. * Der Rabbiner von Libau gestorben. Am Montag den 2. d. stavb Zu Libau der dortige Staü.trabblner Ralbbi J osua Mordochai Khahkin. Rabbi Klatzkin, der viele Jahre lang Raibbinvr der Stadt Rassoin in Litauen war u>nd erst vor kurzer Zeit Oberräbibiner von Libau geworden ist, galt alls einer den größten raMnischen Gelehrten des Ostens. Er genoß als eine' ethisch sehr hochstehende Persönlichkeit in weiten Vc0ksk»-e>ise»l höchste Achtung. Er widmete sich mit großem Eise-r den Angölegenhe-iten der Erziehung. Er war. auch einer der ersten Rabbiner in Litauen, die' sich für die Arbeit zugunsten des Pailästinaanis'bcmes einsetzten. Rabbi Klatzlin stand längere Zeit an der Spitze des Rabbine.rverbanldes in Litauen. Er Hot ein Alter von über 60 Jahve,» erreicht. * Ein Wunderkind. Das Jahr 1735 ist das Todesjahr Christian Hsineckens, der, wenn seine LebensHeitspaun« anch nur fünf Jahre betrug, doch in dieser kurzen Zeit große Bernhmtilieit erlangte. Er wurde in Lübeck geboren and sprach bereits wenige Stunden nach seiner Geburt und sogar Mn» vevnlünfftig. Im Mter von zehn Mvnaitan konnte er sich über die meisten Dhennata mit ErwaMenen nulerhalten. Mit einem Jahr war er ein gründlicher Kenner des Mten TOalnent-s und bewältigte das Neu« m einem werteren knappen Monat. Mit zweieinhallb Jahren ko»Mte er^ jede Frage in älter nud moderner Geschichte und Geographie beantworten. Dann le«vnte er Latein und Fratrzösisch und sprach, beide Sprach'»» fließend, als er in seinem vierten Lebensjahr an ’ben dänischen Hof gelbracht wurde. Wegen seiner schwachen KoMitivtil0n mußte er bis zn seinem jünslen Jahre die Brust nchrnen und stavb, M er notwendigerweise entwöhnt werden nnlßte. * Darf ein Schöffe schlafen? Eine eigenartige Auffasirmg vor» der Würde r»nd den Pflichte»» seines Amtes bekundete kürzlich -ein Schöffe in Liegnitz, als Vor dem dortigen Schöffengericht in einem Strafverfahren das Urteil gefällt wurde. Er hatte tvDrerld der ganzen Verhandlung in fiiuqim Schlafe geruht und mit interessiertem Ansdrrrck sinnvoll genickt, während der Vorsitzende sprach, die Zertgen ausgerufen wurden und der Berteidiger mit schöner Stimmge»valt sich oratorisch enrfaltere. Seine Arrgen waren geschlossen, wie man die Augen schließt, werrn man konzentriert und angestrengt nachdenkt. Ms mm das Urteil verkündet wurde, erwachte, er Winzvlnd und tat, als wäre nichts Wschchen. Von erguickerrdem Schlaf gestärkt, wollte sich der Schöffe heiinivärts begc-ber», da »neidet sich der Verurteilte, dem die wache Te'ilnahrne des Schöffen nicht' entgangen war, und erklärt das Urteil für »»»»gültig. Der Verurteilte war rücksichtslos genug, tveger» des bißchen Schlafes Revision einzuleger», und das Relaisgerrcht in Leipzig konnte nicht urnhin, sich mit de»»» schlafender» Schöffe», von Lieguitz zu beschäftigen. Aber das Reichs-gerrcht hat die Revisior» mit folgender Begründung verworfen: Der Schlaf -des Schöffen gibt keinen Grund zur Ansechttmg des Urteils. Ter Schosse darf schlafen, soweit er das mit seinem Gewissen vereinbaren kann Er sei nur verpflichtet, körperlich a-nwese»»d zu ein. Das Reichsgericht hat ätsa den Schlaf in» Gerichtssaal sankt-ioniert »»nd macht ihn lediglich vom GMissei» des Schläfers abhängig. Wenn nwm aps dbcser reichsgerichtlichen Auffassunti nrit logischer Schärfe Hst Zkonstguenz zieht, stcht dem Schlaf der Schöffen nichts mehr im Wege; denn mit de-»n (Gewissen kon»mt mau stets gütlich überein, wenn »na,» ein fan-ft-es Rühskisien braucht; und Ruhesur-, sind ans dr"w Platz -der Schöffen sehr gut verwendbar

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