Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2143 (7.2.1925)
- Date
- 1925-02-07
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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iPoien 20»flirr;| Wien: Zorn Abholen in Her Etpedition. fl. Tahorstr. 1-3, oder in einerVerschleisstelle (Trafik) monatl. K 50.000 Stressen verkauf in Wien durch die Kolporteure der Finna Goldschmied, 1. Bez., Wollzeile 11 Mil PostversanH für ^;en n Oesterr. monatl. K 50.0,v Taehee**o*Slowake; Mon. K 22 Jugoslawien Mon. Dinar 60. Polen: Mon. 4 Zloty, Deutschland: Mon Goldmark 4, F r a n k r., Belgien: Mon. Frei. 18 MF N eh t h i ü d;et "WW lat) PreiMrWhmi««» «tiHtaltiltti Wiener orgenMmig | PpP>* K »IlOO England: Moa4 Schilling: Italien: Monat'. 18 irr, Rumänien Mon. 1701 ei, Bulgarien Mon. 80 I ewa, Schweiz nnH das ührisre Ausland monatlich Pres. 5, Redaktion u Administration Wien 11., Taborstr. 1—3 Telephone: 44*0*38,43-3-19, Ahfiühr ahds .21*102,25*282 IX. Universitätsstrasse 6—8 (Druckerei Steinmann) Oesterreichiaehes Postspar* hassen Konto Nr. 140.603 «r. 2143 Wien. Samstag. 7. Februar 1928 7. ftihraoitq Minister und SGeber. Sie deutschen Finanzskandale. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitnn^.) Berlin, 6. Feibr-u-ar. Die Enthüllungen nehmen koin Cn-de. Jeder Tag bringt neue Sensationen, und eZ ist schon jci3t Zn befürchten, daß sich die van den Nationalen ei.Wetortete Kampagne auch zu einer au ß.mpolä tischen Gefährdung des Reiches auswächst. Schon heute laufen aus England und Amerika Kred'rPorn've rungen mt, und das prägnanteste Merkmal solcher Zeiten hat sich ibeveits eingestrllt: mit jedem Zug kommen auswärtige JouvnaDsten nach Bevlin... Heute antwortet 'der „Do-kwärlS" den gestrigen MitteHkungen des „Lcka^nZeiigers" und der ^Aörisenzeitung" mit einer Nachvicht, die den Minister Stresemann dweLr in die KorvuPüonsaMre hmsinzieht, außer chm aber auch noch den bereii-ts öfter ge-nannten Zentvums-Postmincher H o e f l e und den Verkehrs-Minister Oeser, der die Demokraten mi Kabinett Marx vertrat, belastet. Der „Vorwärts" veröffentlicht das Faksimile des fönenden Briefes: „Berlin, 26; Oktober 1903, Memit bitte ich,, der Depositen» und Hanidelshank- A;-<G^ die im Jntere-sfe. des HeHesMMvstZMd'SÄMe. -. '.wich^^EiEn^i^M^ ' MbvefchränM DeipositeMcht,' Mviftmecht und' die BöHnzulassurrg zu verschaffem ' Ich bemerlke, daß Eile geboten ist, und bitte, rnoMchst jeden Verzug zu vermeiden. Der Reichsprstmimstier Dr. Hoefle, der Reichskanzler 'Dr. Stresc mann, der Reichsveovchrs-- ' minister Oeser." Dazu erklärt der 7,Borwärts": Die Depositen- und Ha.nüelsll'auik gehörte zu der Zeit, als die Empfehlung gegeben wurde', mit .der großen DLrhrheit ihrer Aktien einem Herrn Wol pe. Dieser betrieb amtAche Geschäfte für das Reich Sie bestanden darin, daß er für die verschiedenen Reichsminiisterie« Gold und Devisen m <i >t ungeheuren Z w rs ch e « g eWinnen ankaufte. Als der Reichsbä-nkpräsident davon Kenntnis erhielt, fuhr er mit einem heftigen Donnergswitter da- Mischen. Als Entschädigung erhielt Wölpe die Empfehlung der drei Reichsminrster. Der Bövsenkcmmissär int preußischen HcmdelSmvniisterium Geheimvat Lippert und sein zum Reichsdeviseukommissär bestellter fliege Gehvimrat F e l l i n g e t waren über diese Empfehlung einer notorischen Schieberlba.n!k durch drei Reichsminister so empört, daß sie jedes EinyHen auf die Wünsche der Depositen- und Handelsbank ablohnten. Diese bekam Meder das Depotvecht, noch die Dev'.'senerlaubnis. Auch der Borsevorstand, bei dem das Ovigirml des Empschlungsschverbens Liegen soll, lohnte die Zu'lassU'Ng zur Börse ab. Aber diese Entscheidung konnte nicht verhindern, daß der Depositen- und Handelsbank auf die Empfehlung der drei Minister hin fünf Millionen Mark Postgelder ohne jede ernsthafte Deckung geliehen wurden, die darauf restlos verloren waren. Die Direktoren Wölpe und K l i p o t k a sind kurz nachher mit mehreren Millionen Mark durchgegangen. Beide sind aus dem Osten zu-- gewan'dert. Der „Vorwärts" teilt weiter mit. daß der Ehemalige Reichskanzler Bauer, der in der Barmat-Affärr gestern belastet wurde, durch die sozialdemokratische Partei von seinem Reichstagsmandat suspendiert wurde. Das „Berliner Tageblatt" erfahrt, daß der in Prag verhaftete Spiritusschl-cber Weber mit S t r e se m a n n verkehrte und diesem für die ZsitU'Ng „Die Zeii" 20.000 Mark gegeben habe. Bauet: muß zurücktreten. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Berlin, 6. Februar. Der Prüju'NgsanSschuß der sozvcckdemokratischen Partei des Reichs-tages hat heute vormittags in der Ange>le.§enheit des in die Barmat-Aifsäre verwickele« f r üh e r e n Reichska n z l e r s B a ue r die Entschoi- - und - beschlosien, den /Mgeovdneten B äu e r zrvr 3Tederlegun§. soines R-eichstägSmandats auifzu,fordern. Weizmanns Amerilareise. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) London, S. Februar. Präsident Weizmann ist heute nach den Bereinigten Staaten abgereist. Revlfion der kfmgrader Bombeuprozesier. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Budapest, 6. Februar. Wie „Az Est" aus S^olnoL meldet, hat die königliche Tafel den Szoluokex Gerichtshof, der den Prozeß gegen die Csongrader Bomben- Werfer geführt hat, angewiesen, das Beweisverfahre» in sechs Punkten zu ergänzen. Die königliche Tafel legt besonderes Gewicht auf eine neuerliche Einvernahme der von der Verteidigung geführten Zeuge«. erwachende und Saszifte«. Budapest, 6. Februar. (Dol.-Komp.) Die ObrrftM. haupdman-nschaft hat die Mailänder Pol'zei um die sofortige Festnahme des wegen zahlreicher Mordtaten steckbrieflich verfolgten Leutnants Karl Kmety. eh.'maligen Mitglied.s des weißterrovistischen Bri-tan nia-De tachements, ersucht. Karl Kmety hat in einem Briefe, den der rechtsradikale „A Rep" gestern veröffentlichte, mitgeteilt. daß er sich in Mailaud befindet und -den Schutz der Mailänder faszistvschen Organisation genießt. Die Oberstadthauptmannschaft hat' -AeichgM'g an das Ministerium des Aoußevn das Ersuchen gerichtet, alle notwendigen Schritt zwecks Auslieferung Kmetys durch Italien einWleiten. Das Llebesgaben-Panama. —y. Wien, 7. Februar. Aus der Barmai-Asfäre hat sich eine Lawine von Korruptionsbeschuldigungen entwickelt, in der die Einzelheiten kaum mehr auseinandergehalten werden. Die Deutschnationalen haben mit ihren Enthüllungen begonnen, die in die Angelegenheit die grelle Farbe der politischen Pchanterke hi ne in trugen. Selbstverstä ndli ch ließen sich die Schiitzer der nationalen Ehre nicht von der Sorge um die Reinlichkeit leiten, als sie ihren Feldzug erösfneten. Es war ihnen darum zu tun, die Republik als Schutzherrin der Korruption zu vernadern und die Träger der demokratischen Idee mit der Verantwortung für die sittliche Fäulnis zu belasten, die nach Behauptung der Reaktion als direkte Folge der Abkehr von der Monarchie über das deutsche Volk gekommen sei. Man kennt ja das Lied und seinen Refrain: Der jüdische Bazillus verseucht den so gesunden, deutschen Körper. Aber der Verlauf dieser Schmutzaffäre hat für die Urheber eine geradezu fürchterliche Entwicklung genommen und die angegrisfenen Linksparteien waren nicht nur in der Lage, sofort zu vipostieren und die altpreußische Beamtenschaft in Peinlichen Situationen m zeigen, sondern sie konnten auch auf die gewesene kaiserliche Zeit zurückgreifen und Nachweisen, daß sehr verehrte und durch den MajestätsbeleDigungsparagraphen geschützte Personen sehr starken Sinn für kommerzielle Möglichkeiten bewiesen. Nun hat wieder diese Seite das Work, und sie publiziert neues Material. ülber^ die führenden Persönlichkeiten der Linkem Und wenn nian aus diesem HinZlnd..Her,pgn Angriffen und Anklagen tekMSßrg Vovgeschriebener LügekrhafUgkeit entstandenen Uäbertreibungen in Abzug bringt, . so bleibt genug des ekelhaften ^Eindruckes übrig, den dieses Treiben aus Pas Ausland üben muß. Die Heftigkeit der Kampagne zeigt, daß im öffentlichen Leben Deutschlands nickt mehr das rein politische Moment entscheidet, sondern die weiße Weste. Was anderwärts unbedingte und selbstverständliche Voraussetzung i-st, über die nicht diskutiert werden kann, daS spielt in diesem Deutschland — und von hier ausstvahlend auch in Ungarn und leider auch in Oesterreich rdie Hauptrolle. Wenn man einmal in der Zeit der Eulenburg-Pr ozesse behauptet, hat, daß nur ein* gesunder Staat derartige Skandale öffentlich zu behandeln imstande sei, so ist das heute nicht mehr wahr. Tenn die Empfindungen für das, was wirklich Sittlichkeit heißt, haben sich von Grund aus geändert und es ist kein Minder, daß es so gekommen ist. - Die seelenretterische Aktion der Nationalen hat ihren besonderen Zweck. Sie gilt, wie schon erwähnt, der Offensive gegen die „Iudenrepublik". Sie soll äber gleichzeitig die AuftnerLsamkeit der Oesfentlichkeit von den schlimmen Einzelheiten der Ruhrsubventronen abwenden. Der Hauptausschuß des Reichstages hatte sich mit dieser durchaus nickt mehr mysteriösen Angelegenheit beschäftigt. Es wurde festgestellt. daß die gewesene Regierung mit Umgehung des Parlamentes nicht weniger als 646 Millionen Goldmark an die Schwerindustrie im besetzten Gcblet ausgezahlt hatte. Es muß ' daran erinnert werden, daß diese Patrioten und geistigen Äribeiter durch eine mit ungeheuerlichen' Geldmitteln, betriebene Hetze jeden Berständigungsversuch Rathenaus vereitelt batten. Als daun in der Siedehitze der Begeisterung die Bersckwörer, denen Geld von der Hochindustrie und von Frankreich zusloß, den - Minister ermordet hatten, kam es zum Abbruch aller Verhandlungen. Die Franzosen rückten in das Ruhrlaud ein. Sie stellten zuerst fest, daß die Berg- und Fabriksherren das Reich um die Kohlensteuer geprellt hatten. Dann wurden die Lieferungsverpflichtungen in den bekannten Micum- Borträaen sestaelegt. bei denen Frankreich die Preise diktierte. Die Industrie, schnitt natürlich schleckt ab und sie benutzte dies zu einer Pression auf die Arbeiter, im Interesse des Vaterlandes in eine V"rlänaerung des Achtstundentages zu willigen. Die Fabrikanten verdienten also wieder. Dann warf das Reick riesige Geldsümnien in das Okkupationsgebiet zur Linderung der. Not. Das Geld kriegten die. Fabrikanten und trieben! dqmit Börsenivekulation. Die Mark sauste herunter und I die Verdiener gaben das entwertete Geld weiter an die Arbeiter.' Zu alledem ließen sie sich dann den -durch die Micum-Verträge erlittenen Schaden noch ertva vergüten und die Regierung tat dies hinter dem Rücken des Reichstages. Die von den Stinnes und Krupp erpreßte Summe ist genau'so groß wie'.die Anleihe, die Deutschland jetzt an verschiedenen Punkten des Geldmarktes zu sehr hohen Zinsen ausgenommen hat. Dieser mit Mord und Pogromhetze gefütterte Patriotismus hat sich seinen Vorkämpfern bezahlt gemacht. Ihre Parteibrüder sind die Nationalen, die jetzt regieren und alle Ursache haben, die Praktiken der Rhein- und Nuhrgewaltigen nicht allzu laut erörtern zu lassen. Dazu der Barmat-Lärm und die heiklose Bloßstellung der ganzen Nation vor dem Ausland. Man muß da sehr eindringlich aufmerksam machen: Diese drei- und vierfachen Verdiener sind Arier und ihre Korruption übersteigt alles, was die übliche germanische Phantasie in den Protokollen der Weisen von Zion medergelegt hat. Aus der DriDung der Geheimverschwörer, aus ihrer Begönnerung. durch die Edelsten der Nation, aus der Pestlust der Freibeuter¬ und Landsknechtverbande ist die Verschiebung in den Begriffen von sittlicher Reinlichkeit, entstanden. WinterRMumunswerkauf sn tief. reduzierten Preisen Im Warenhaus [Schiffmann II. Taborstraße 48 ^e'ssHsn 47*1»7** Sn «io« ln mini