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Wiener Morgenzeitung · 1925-02-06 · Heft 2142 (6.2.1925) · p. Seite 5

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2142 (6.2.1925)
Date
1925-02-06
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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«-.AsS Dien. Freitag Wiener Moraenzeititiia. 6. Februar 1925 Ds8r 8 * Das Kuratorium der Zentralstelle für jüdische soziale Fürsorge in Wien veranstalttle Mittwoch beu 4. d. um »» Uhr EN-dS im großen Sitzungssaalc der Israelitischen Xluiiusgc meinde eine Tranersitzung für den vor surzem verstorbenen Präsidenten der Zentralstelle, Herr« Isidor Jakob W achte l. au welcher die Familie des Verblichenen der Präsident der KultuSgemeinde Prof. Dr. P i ck, das gosamte Kuratorium und zahlreiche Delegierte der Wie wer indischen Wohlfahrtsvereine «nfo Füvsorgeilistitntionen teilnahmen. Nack) ErÄsfmtwa der Trauersitzuna durch den Vizepräsidenten der Zentralstelle, Kommerzialrat Karl Klcmperer, hielt Oberrabbiner Doktor Chase 8 als Mitglied d:s Kuratoriums die Gedenkrede, in welcher er die Persönlichkeit des allzu früh heimgegongenen Präsidenten und dessen verdienstvolles Wirken in der Zentralstelle für jüdische soziale Fürsorge treffend clMäkterisiertt. - Tanziustitul Hermann Braun, 14. Bez., Reindorsgasse 42, Tel. 8340t _ (Endzeltlich.) Vereine, Lortrikge und Versammlungen. Jüdische Moderne. Montag, '/,8 Udr abends, Diskussionsabend im Cafä Kolosseum. 9. Bez., Nußdorferstraße 6, über dar Thema r „Die Streitfrage des kommenden Kongresses". Referent r Hans K a n d l. Gäste willkommen. Samariterkurse in der Rettungsgesellschaft. Am Sonntag, 8. d., beginnt in der Samariterschule der RettungSgesellschast der S a,.m ariterkurs Nr. 348 f ü r M ä n n e r, der au acht aufeinanderfolgenden Sormtagen von 9 bis 11 Uhr vormittags fortgesetzt werden wird. Am Dienstag. 10 d.. beginnt der SamariterkurS Nr. 349 für Frauen und M ä d ch e n. Derselbe wird an jedem Dienstag und Samstag von b dir 7 Uhr nachmittags abgehalten werden. Einschreibungen für diese beiden Samariterkurse (nur persönlich) werden in der Zentralkauzlei der Gesellschaft, 3. Bez.. Nadetzkystraße 1, 1. Stock, entgegengenommen. _ Radioprogramm: Freitcka de» 6. Februar. 9 Uhr: Mariköbericht. — 11 bis 1 Uhr r K o n z e r r S i l v i n g. - 1 Uhr b Min.: Uraniazeit. — 1 Uhr 2V Min: Wetteransage. — V,4 Uhr: Wiener Börse. — 4 bis 6 Uhr: T e e k o n z e r t S i l v t n g. — 6 Uhr r Vortrag Dr. Nüchtern: Radiobühne und Radioregie. --- 8 bis 7J-0 Uhr r Konzerta k a d e in i e. GesangSvorträge der StaatSopernsängerin Getrude GeyerSbachr s) Mozart, „Non temer" (Mit obligater Violine r Anita A st); b) Lortzing, Arie der Undine aus „U » d i n e", „So wisse, daß in allen Elementen. .c) Tschgikowsky, „O. singe mir, Mutter, die Weise", „Inmitten des Balles". Violinvirtuose K o.l 1 s ch. Gesangsvorträae der Kammersängers I e r g e r (Staatsoper): 2) Richard Strauß, Nachtgesang, Traum durch die Dämmerung. Ich trage meine Minne, Heimliche Aufforderung; b) Offenbach, Spiegelarie au» „Hoffmanns Erzählungen". Trio für drei Fagotte von Adolf Bergt. — 4/410 bis 10 Uhr: Wiener Humoristen. __ Bühne und Kunst. „Sommernachtetraum" bei Reinhardt. Theater in der Josefftadt. Der Kamps der Wagen und Gvsän-ge, sofern^ er sich auf sie Gesänge bezieht, sollte nicht in Form von KonturrengvorstellunHen ausgetragen werden. Ist das Wiener Kunstleben anno 1925 so drfserenzieirt und.die Dheatevfreudlgörit so stark, daß man darauf erpicht ist, zu vergleichen, wer'S bester macht? Ztosi Neuinfzenier-uttHen des „SomnrernachtStvaum" innerhalb weniger Tage. Hie Burgtheattr-Hertdrich — hie Reinhardt-Josefftadt. Herterich ging voran. In die Schranken forderte der andere. Das Publikum, gsgenwävtig auf Reinhardt eingestellt, bejubelte sein-e wunderschöne Aufführung und nahm die sehr bemerkenswerte Herterichs mit kühler Fassung ertt- Wgen. Und doch sieht man auch - im Buvgtheater manches, was bei Rekchardt fehlt. Nicht bloß umgekehrt. ' . Die Vorzüge der Reinhardt-Ausführung: Cm RüpelenjeirMe von gewaltiger Durchschlagskraft (währeno das des Burgtheaters bloß lustig ist), mehr auf Hallodri bedacht als mit Humor >be.gabt. Ein Kollegium Vau Komikern, den: Waldau als sipießbürgeÄich-sachlicher, zum Schießen besorgter und unfähiger Spielleiter (Squenz), Hwmaun Thimiig als spielfreudigster aller bisher dagewesenen Zettel, der geniale Romanow ski als ztoerchfellevschütternde Thisibe angehören. Und die Rüpelkomödie ble'iibt auf diese wirklich erlesene Diletlünteniunung athenischer Handwerker beschrarrkt, lvird nicht, wie int Burgtheater, auf fast alle übrigen Akteure ausgedehnt, wobei man drüben am Ring nicht geprüft hatte, ob die Vertreter der übrigen Rollen für die Last Shakefpearschen, also höchst persönlichen Spasses durchaus tragfähig sind. Dafür bleibt bei Reinhardt der Tramnsilbernacht mit Clfenreigen, sehnsüchtigem Liebesspiel und überirdischem Zauber breiter Raum gewahrt. Herrlich, wenn sich die Szene durch bloße Lichtwivkung in einen Hain verwandelt, von rissigen Niesenstänrmen bewacht; weim das Laub lebendig wird und sich Märchengeschöpfe der Mendelssohnschen Musik vermählen. Iiinner neue Phantastische Gestalten, Kobolde, Froschgötter, 'Nymphen schweben vorüber, Waldecho wirkt mit, ferne Wipfel rauschen. Du weilst tatsächlich im Märchenland. Nachteile: Gin „Soinmernachtstranm" ohne Puck und mit Mephisto Äs Oberon. Die bewehrte Frau Thimig ist diesmal deutsches Mädchen, int Faschingskostüm verschiedentl ichen sonst unerlaubten UU treibend. Der riesige Elchbörnchenschwelf, die goldenen Hörner sind Fastnachtsattribute einer brave«, mitteldeutschen Kleinstädterin, welche die Shake spaave- Berse nach der Max-und-Moritz-Weis' skandiert. Bon: Shakeipearscheu Puck nicht eine Spür. Herr Rainer, ein mißmutigar, galliger Oberon, scharfzüngig und bitter, schien an den Ereiguungen dieser Sommernacht, 'die er, König des Feenreiches, launig dirigieren soll, wenig Freude zu tnben. Er machte auch »ms keine Freude. — Nicht auf der Höhe Rein bardischer Sprechkultur (die durch ihve betonte«, bewußte Gediegenheit mitunter auf die Nerven geht und dem urwüchsigen, anmutigen Wesen des Fräuleins Ander an dieser neuen Sr alle ihrer Wirkfamkek ein eisernes Mieder «Elegie) die reizende, tanzfreudige Titania des Fräuleins Wes sel. Für Rein-- tzardt Brrhältuisse zu matt Herr Kal deck ^Dhcseus) und Frau C h r i st i a n S (Helena). Wenn man die Damen Seidle r und P i n k ö s d \) vom Buvg'heater l.'iljeu und Hans Th^.nig durch Herrn Löhner ersetzen könnte (damit er für den Puck frei ist), dann j«5c es eins vollendete Reinhardt-Aufführung. Aber daran ist doch nicht zn denken — solange der Sport des Konkurrenzspielens ^trieben wich. Otto Abeles. Au« de« Theatern. B n r a t h e a t e r. Morgen, 6 Uhr abends, »Der junge MedarduS". Akadsmtetheater. Morgen, V-8 Uhr abends. „Die Dame mit dem SchetdungSgrund". NolkSoper. Heute „Die I ü d i n" mit Kammersänger Leo S l e z a k als Gast als Eleazar. Morgen „C avalleria rusttcana" und „DerBajazz 0". Mittwoch gastiert KanrmersLnger P i e c a v e r in „T 0 8 e a". DeutscheSDolkStheater. Das Gastspiel Alexander M 0 i s s i S beginnt SamStag, 14. d. mit „Der weiße Heiland". Tilla D n r t e u x spielt die Titelrolle in „Franziska" nur noch morgen, Sonntag und Donnerstag, ferner liente, Montag und Dienstag in „L a d y F a n n y u n d die Dienstbotenfrage". Neues Wiener Stadttheater. Heute, 798 Uhr abends, anläßlich des 25jährigen Bühnenjubiläums der Frau Konstante von Linden einmalige Festvorstellung von Abel Hermants Lustspiel „Im LuxuSzn g". Theater in der Josefstadt. Sonntag, 12 Uhr mittags, tanzt die franzöfische Tänzerin Eve G e r v a l Wiener Komödienbaus (Exl - Büüne). Heute, zum ersten Male, ,.B r u d c r M a r t i n", Volksstück tu vier Akten von Karl Costa.. Neue Wiener Bühne. Heute, zmn erstell Male, die Revue „Küsse um Mitternacht". Carl-Theter. Heute beginnt das Gastspiel des Jüdischen Revuetheaters mit der Aufführung der Gesangsrevue „H a g a d a". SamStag, */,4 Uhr nachmittags, Kindervorstellung. Sonntag, 3 Uhr nachmittags, „D i e S ch ü tz e n 11 c f e I" mit Fritz I m h 0 f. Johann-Strauß-Theater. Morgen 50. Aufführung der Operette „P n 8 z t a l i e b ch e n". Bürgerthpater. Pietro Maseagni dirigiert wieder seine Operette „I a" bis inklusive Samstag. Robert-Stolz-Bühne. Die Vorstellmrgen eines Ensembles des Deutschen Volkstbeaters, die an dieser Bühne mn Freitag, 19. d., mit der Urauffüyruug des Lustspiels „Hilfe! — D i e b e? — L i e b e!" von Sascha G » i t r y, deutsch von Otto E t s e n s ch ü tz, einsetzen, beginnen um 8 Uhr. . Jüdisches Kabarett im Hotel Stephanie. Ab movarn «finden int Hotel Stephanie (2. Bez., Täborstvaße 12 a) bei freiem Eiivtvitt KabaVöttivonstell.uMn statt. Es wiÄen «Mit .die Damen: Graf, BraWawSka, Wembeva, Sommer, mvd die Herren ReiSmann, PodMneze, Wallbevg, Weitzmann «und Wombevg. Beyiim >ha«Vb 9 Uhr. Festvorstellung in der „Gildeuen Pawe". Am SS. b. firrdet M.«d«er ,„G i l d en en Pawe" eine Festvorstellung zugunsten der Mtton «für Kinder «und Gve.ife des Jüdischen Frauenbundes statt. Karten im Beveinslokal (9. Bez., Mechtenfteinstmhe. 11, Tür 1«3> Montag, DienstM «und Mittwoch dyn 6 bis 7 Uhr, Donnerstag an der Abendkaffe. Zuckermanu-Gedenkfeier. Für die Sonntvy de» 8. d. um haW 1L Uhr vormittaas im Kleinen Konzsrthauöfaal vom Verein zroErfcher Hochschttt-er Theodor Herzt vernnftaltote Ancker- »ncmn-Gebenkfsier, boi der Fra« Lim Marderg <NuraHeater), die.Herren Dr. Otto Abeles und Willi NoMMmw-NordlinM sowie das HoWläferquintett der «StoatSoper Mitwirken, und die restlichen Karten in den Vereinigten zionistischen Bureaus, 1. Bez., Kävntnerstraße 28 (Del. 77*4*85), SamStag und Sonntag an der Kon-evchau-kasse. echAtlich. Gerichtssaal. Ein Kadlvee-Prozetz in St. Pölten. Edith Kadivec. die sich gestevu vor dem St. Pöttner Bezirksgericht wogen Verstehens gegen 'die öffentliche Sittlichst und boshafter Sach- 'boschad^uina, bedangen im Kerker, m verantworten hatte, wurde in allen Pumten von der Anklage freigesprochen. Das Kreuzelinserat. Der Vorstand des Stva^ezirksgerichtes 1, Hofrat Höflmayer, hatte sich gestern mit einer gegen 'den ZeitmmSheransgeber Dr. Funver wegen Uvbertretunst «des tz 26 PreßgÄetz vrhoibenen Anklage zu befassen. Das Substrat der Anklage bildeten zwei Mittelungen 4m redaktionellen Teile einer Nummer der „Reichspost", welche Mitteilungen zwar als entgeltlich mit dem üblichen Kveuzl vergehen waren, die aber nach Ansicht dep Staatsanwaltschaft trotzdem den Bestimmungen des Preßgvsetzes nicht entsprachen und nicht als entgeltlich deutlich erkennbar waren, weil dar allgemeine Vermerk, daß im redaktionellen Teibe enthaltene entgeMche Mittvilungen durch Beisümmg eines Kvouzels als bezahlt aekenn-eichnvt sind, nicht an der Spitze des Mattes, sondern stets auf der fünften Seite des Blattes, allerdings noch vor den entgcttlichen Mitteilungen, abgedruckt war. Doktor Fimder gab an, daß durch die Beifügung des Kreuzels zu den hstveffenoen Mitteilungen diese als entgeltlich erkennbar waren, ohne Rücksicht darauf, ob der allstem« ine Vermerk an der Spitze des Blattes oder auf einer aivderen Seite des Mattes im redaktionellen Teil« abgedruckt sei. Er erttärt weiter, es fei* neSwo^ im Gesetze vorgeschrieben, daß der allgemeine Vermerk an der Spitze des Mattes abgedmckt fein muffe, es könne dies auch auf die Dauer dort einer Zeitung nicht verlangt werden, da dies eine dauernde Belastung für «me Zeitung lväve. Der Verteidiger hob hc-rvor, daß man in der heutigen schweren Zeit sich an den Kopf glvifen müff«, wenn man eine derartige Anklage sehe. Er tvolle i«doch dom Bertvotec der Staatsanwabtschaft keinen Vovwurs machen, well die Herren von der Staatsanwaltschaft ebenso wie die Richter unter einem starken Druck politischer Parteien sbchen. Der Richter mlterbrach hier den Verteidiger und ersuchte ihn, derartige Aussührmigen zu unterlassen. Der Vertebdiger erklärte, in seiner Rede fovtfahrend, daß es sich hier um ein System haMe, daß wegen Kleiitiszkeiten gewiss« Zeitttngrn d e il -u nziert Wewen von einer Seite, die dadurch die Aufmerksamkeit von ihrem eigenen Vorgehen ablenken looll« und auf die StaatSanivaltschaft einen Druck ansüben möchte. Der Richter sprach den Dr. Funder frei mit der Begründuibg. daß die oetrmei^'den Mitteilungen durch die Beifügung de8 Kreuels als bezahlt genügend «vkennbar tvaren, zmnal der albgo-noune Vermerk, lvenn auch nicht auf der ersten Seite des Mattes, so doch deutlich gcuug im Innern des Blattes vor 'den bezahlten Ankündigmigen abgedruckt ivar, daher objektiv der Tatbestand des 8 26 P.reßgesetz nicht gegeben war. Der dunkle Ostbahnhof. Auf dem Platze vor dem Ost« bahlchof, Aukunftsoite, kam es am 11. Jänner dieses Jahves durch die Unvorsichtialoir eines Chauffeurs zu einsm fchtveven Aidtouufall. Der Kvafttoakftittenker Anton Larott war in der frühen Ntorgenftu-nde vor 'dem Bahnhof Vorgefahven. Der Platz «! 'i Hänzjlim im Dunkeln, die Gemeinde läßt den Platz dort nicht beleuchten und «die Bahndivektion laßt erst kurz vor Eintreffen des ersten «Morgri'lytges die Bogenlampen cmznwden. Larott «fullir.uun mit großer Geschwindvstkeit und, ohne ein Signal -u geben, nicht auf der für die Chansfeme üblichen Fcchrbahn., die mu Bogen vor «der Babnhofsvampe vorüosrführ.t, sondern «geradeaus auf den Stanoplatz zu. Die Chan«ffoiwe H. Tau 'b u.nd Mches K a s i n e tz standen Pla-udevnd vor. ihren Wagen. Beide wurden von «dem Äntomobil des Larvtt erfaßt, M Boden steschiieudevt und schwer v«ersetzt. Taub erlitt eme Q.iktt'schunig «der Lunge, Kasin«etz eine schwere Verletzung am Brustkorb. Gestern hatte sich Ambon Lawbt vor dein Einzettichter Dr. Schneeweiß wogen Vevgehens gogen die Sicherheit des Lebens zu verantworten. Den Skvafantrag Vertivat Staatsanwätt Dr. Nahrhaft, als Verteidiger intervenierte Dr. Siegfried Blaschok. Der Angeklagte erklärte sich nichtschuldig. Auf dem Platze habe vollständige Finsternis geherrscht, er konnte weder die >dovt stehenden AntomvbAe noch die Chanffeu« sehen. Zeugen ga«beri au, Larott «sei «vit einer Gsschwindig'keit von mindestes zehn Kilometer vorgcifc>5imu und habe 'keine Hupensiguiale gegeben. Auch habe er einen au>dereu Wog gewählt, als er für die ' ankomimenden EhanffeüDe in Ueibuug ist. Der.Rickiter erkannte den Angeklagten schn'ldig und vevu>rteiA«c ihn zu einem Monat st r e n >g e n tue st s, verschärft mit ztv ei mal hartem Lagor. Boi der St«rafbentesiun«g wunde ^darauf Rücksicht gen-ommen, daß der Verurteilte für eine zahlreiche Familie .zu "sorgen hat. Um dem Chef einen Gefallen zu eriveisen. Eine sonderbare Vevanttvortunst hatte sich die 19jährige Verkäuferin Gisa B. zur Rechtfertigung eines von ihr verübten Diebstahles gewählt. Vor einiger Zeit war in «dem Zuckorlgeschäft, iu wslchsm die Beschuldigte -als Verkäuferin angestellt war. einer Kunde eine Brieftasche <mit dem Inhalt von 2l50.000 K. abhanden gekommen. Der Vvvdacht der Tät«erschaft richtete sich ^gen die Verkäufevin., .Mmai am nächsten Tage .die Brieftaiche in zerrissenent Zustande und ohne Geld in einer Ecke des Zuckevlgeschäftes v«orgsfuwden, wurde. Die Verkäuferin, die gestern- «beim Strafbezivksgericht 1 wegen Die'bstahles der Brioslasche angeiklagt tvar, gab reumütig zu, die Brieftasche, welche die Kun-de aus dom Pült hatte liegen lassen«, enitweudet zu 'häben, -stellte jodoch in Abrede, «den Diebstahl «um ihres Bor beites tvillen begangen 31t halben. Auf «die Frage «des Richters, was sie mit «dem Betrage, der iu «der Brieftasche enthalten war, gomacht habe, erwiderte die Zlugettagte., daß sie dos Geld in drei Teilen «in die Kasse ihres Dienstgebers geiaelben habe, um dies«om eine Freude M bereiten, Bon dem Richter «mit nähere Aufklärung aufgefordert, erklärte die Belschulldryte, «daß dos Zuckevlgch'chäft r.n der kritischen Zeit sehr schkech-t gegangen fei, daß die Tageslofung eine sehr «mi-mmäle war, so «daß ihr Dienstgeber, der mit ihr sehr «fveuMich war, -wenn er an: Abend die Kaste zählite, ein schr ttaurvaes Gesicht gemacht habe. U«m «den Dvenstgeber heiterer zu stimmen, habe sie von dem Golde, das in der Bvieftcis«He war, an zwei Abenden je 100.000 -Kronen und ann dritten Abend den Rest von 60.0M «Kr., ohne daß ihr Chef davon «gewußt oder es a«uch nur -bewirkt habe, in «die Kafs-e gegeben. Der Richter hiÄt der Beschuldigtenvor/ das; ihre Bevaiitwovtung bezüglich des «Motives eine schr unglanbwüvdige. fei. Die Beschuldigte Mielb jedoch lbei ihrer Vevani Wortung Dch Richter,, Landesgerrchtsvat Dr. Arie,: Veruvtoitte die Beschuldigte, die bisher unbescholten ist. Wege«'Diebstahles zu fünf Tage«n Arrest, jedvch bedingt uni er Ernräimmng einer KvMShvigen Bewährnngsfvist. Ein gemütliches Hans. Bor kurzem haben Vor dem Be- Kirksgericht Fünfhaus drei Verhandlungen über Ehrenboleidigungslklagen stattaefunden, die man wcchl, vom Gesichtspunkt Wiener Verhältnisse aus betrachre-t, als einzig dastehend bezeichnen muß. Frau Marie Koch, eme 45jährvge Frau. Wäscheerzeuaerm, ist Besitzerin deS Hauses, 16. Be«., Römergasse 27. Die Frau hat einst bessere Tage gesehen, sie ist gsgenwärtig .verarmt. Es ist ein, kleines Haus, das bloß zur Häls^ ihr gehört; die andere Hälfte, die ihrem Gatten gehörte, hat dieser, als er sie vor vier Jahren verließ, dom RealitAenvermittler Dalenttn Heller verkauft. Seit dieser Zeit ist Frau Koch den «Schikanen ihrer Hausmeisterin, «der Frau Therese Cip ek, aus geliefert, Die Kündigunasversuche der Frau Koch scheiterten an dem Umstande, daß der Miteigentümer des Hau'ses, Herr Heller, seine Zustianmuntz zu der Kündignng vevsagt.. Es gibt im Hause täglich skandalöse Austritte, von der Hausbesorgerin provoziert: »Sie sind ein Dreck. Sie haben zu'schweiaeu, das Maul zu halten, Hausfrau bin ich. Sie fliegen ja ohnehin Dali) hinaus," usw. usw. Fmu Koch wollte im Hofe Wäsche aufhängen, da der Boden voll Schmutz war. Die Hausmeisterin duldete dies jedoch-nicht und riß die Wäsche hevltnter. Es kam bei diesem Anlaß zu einem großen Skan-dal. Die HauS'neisierin leistete sich ihre gewohnten Uwstchörigkeiten und auch Frau Koch soll die «Hausbesorgerin beschimpft haben: „Ovdinäre Person» Dveckfau, Kupplerin, Sie haben meinen Mann verkuppelt!" Die HimSmeisterin klagte. In den letzten Tagen fand vor dom BezirkSrichter Dr. D e l a p i n a hierüber die BerhaMiMg statt. Der Verteidiger wies daraus hin, daß Frau Koch in den vier Jahren ihres Marthrmms .40 Krlogramul ihres Körpevaewichtes verloren habe. Der Richter fällte einen Freispruch, da die Zeuigen, die alle dem Verwandtenkreis der Klägevin angehören, von Haß gegen die Beschuldigte er- Mt und uiiglau«bwürdig sind. — Kurze Zai-t vorher' wurde Über die Ghrenbeleidigungsklage der Frau Koch gegen Frau Ci-Pe! verhandelt. Frau Cipek „vevbot" sowohl der Frau Koch als ihren Kindem den Eintritt in den Hof „ein für allemal" und nannte sie amen Schlamven, eine Bestie, einen dürren Hun«d. Hierfür erhielt sie eine Arreststrafe von drei Tagen. Nach Verkündigung des Urteils und Verlassen des Saales kam es abermals zu einem Austritt. Die Verurteilte schi-mpftt und wollte aus ihre Feindin mit gsballter Faust lvsgeheu. Hierfür erhielt sie abermals 48 Stunden Arrest. .^Drei Kinder beaufsichtige«, Nachtmahl Herrichten und auf hundert Kleinigkeiten achten, geht nicht . .Der Rayonsinspektor Eduaüd Eckarot ging eines Tages mit seiE Gattin, dis in einem Kinderwaäerl das Kind führte, auf dem Trottoir in der Schawfftraße. Vorm Hause Nr. 2 «blickten sie in die Höhe, denn vom 8. Stock fielen mehrere Kartoffeln herunter, gerade aus den Kinderwagen. Das Kind wurde zwar nicht getroffen, schwebte über in größter Gefahr Die Untersuchung ergab. daß aus der WohnMia des gcnannteu Hanfes, uud zwar Nmnmer 20, der fünfjährige Knäbe mchrere Kartoffeln auf die Straße geworfen hatte. In der Wohnung war bloß die Hausgehikfin, die 80jährige Hildegard Pelikan, mit drei Kindern, die sie *u betreuen hätte, anwesend Sie erklärte, daß sie aus die drei Kinder acht aö'ebeu hübe, so tveit dies möglich tvar. denn drei Kinder bemmicklligen, Nacht-lnahl Herrichten und auf hundert Kloinigk-eiten das Augenmerk haben, das äol>e einfach nicht. Der Knabe habe jedenfalls, ohne daß sie dies sehen konnte, die Kartoffeln genonmren, sei zum Fenster geeilt und habe sie. ohne daß sie «es hindern konnte, hin-unt-ergeworfen. So ihre polizeilichen Angaben. Gestern hat vor dom VezirkSa^icht tünchaüs die Verhandlung hierüber ftattMunven. Die Ange agte war nicht erschienen. Der Richter (Oberlandesgerichtsrat Dr. Rehoda) vemrtzoilte sie zu einer Geldstrafe von 30.000 K.

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