Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2140 (4.2.1925)
- Date
- 1925-02-04
- Page
- Seite 5 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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ZK. 2140 Men, Mttwoich Wiener Morüen-ettung. 1. Februar 1925) Ge bt 5 8 Uhr RONACHER Uhr 8 Der grosse Erfolg des Februarrogramnis mit Das siebente p% MM DW OWSWW ■ ■ ■ Das siebente Wunder K3flVJ ■■■_■ I Wunder I »M WWW»S Und weitere sehn Attraktionen Bühne und Kunst. BMoper. 9tat einftndiert: „Karneval in Rom." Die Operettsnidiva Mario Geistinper erzählt, wie Joyann Strauß sie kurz vor der UrauWhvtmg seiner Erstlingsoperststr Indigo" besuchte, um noch einmal! die Rolle der Fatttasca mit ihr durchzuiproben Sichtlich nervös phantasierte er $m Klavier mb Plötzlich rang sich eine nette Melodie los, innig und,einschmeichoilnd. „Gefällt Jlhtren das?" fragte Strauß. „EnjWckend!" „Gut, das hntfb für die nächste Operette aufgehoben." -- Die nächste Operette war der „Karneval in Rom", di« „Pollkaoper", wie man sie nannte, die unter Johann Hev'beck beinah« zu Hosopernchven gelangt wäre. Seitdein halben sich immer wieder Verehrer ihrer blendenden Schönheit— von dem herzinnigen erstell Couplet der Marie und oem Vevstoigerungscouplet bis zu der cinschmmchellnden AtcLiernlUlsiik und dam rauschenden Karnevalstrubel — gesunden. Schon Speidel erkannte, daß dieses Werk turmhoch den Operettenkitsch überrage und eigentlich ein« Stillmischung van komischer und lyrischer Oper da-rstelle, utrd Julius Bittner nteint in seiner urwüchsigen Art, das bekattnte Füllhorn des melodiischen Einfalles würde hier nicht geleert, sondern dem Höryr direkt Wer den Kaps gestülpt. — Wie tim Jahre 1873, zur Zeit der ersten Aufführung, steht auch heute Wien im Zeichen des Kraches, die Bolksoper kämpft um ihre Existenz und das Orchester, von Dr. Lttdwig Kaiser geileitet, spielte bekümmert und schwerflüssig, fernab von Johann Strauß und römischem Karneval. Leibhafter ging es aus der Bühue, im Chor und im Ballett zu. Eine pikante Gräfin war Frau Bäck, die schon öfter in größeren Rollen angenehm auffial, ein niedlicher Savoyardenknabe (aus Ungarn!), dessen dünnes Stimmchen noch Kräftigung braucht, Frau G e r ö, ein recht flotter Kunstmaler Herr Dr. Kroegler. Das Hans war ausvorkaust. Freilich bedeutet ein vereinzelter Kassenensolg nicht mehr als ein Tropfen auf einen heißen Stein, solange sich nicht Privat« Maoene oder die Stadt Wien bereit finden, den Bestatld der Bolksoper durch größere materielle Zuwettdungen auf 'längere Zeit hinatrs sicherzustellen. iftlb. Sine Mische Klmkbtlhne für Nittel, an» flftenroDa. Am Montag den S. d. tagte in Men «tote Konferenz von in- und ausländischen Freunden des Mischen Theaters, bei welcher die Frage der Gründung einer ständigen Mischen Bühne in Wien zur Bemtung stand. Nach längerer Debatte kam die einheitliche Moiimng Kunr Ausdruck, van einer ständigen Bühne in Men. derzeit Abstand zu nehmen, jedoch die Parole zur Gvüiidung einer Jüdischen Kunst bühne für Mittel- und Osteuropa'mit Wie n als Zentrum auStzu-geban. Der bekannte Regisseur David Hermann, früher Mitglied der Wilna er Truppe, soll mit dieser jetzt in Nitmtästien gastierenden Truppe ein neues Repertoire schaffen und für den Hervst «in zwei- bis dreimonatiges Gastspiel in Wien Vorlbeveiben. Da'S Kontitee hat es übernommen, zu diesem Zwecke und zwecks Beschaffung eines geeigneten Theabeysaales einen größeren Fonds a»tszuhvtngen. Die entsprechend ergänzte Truppe soll in Men ihr Zentrum haben und von hier aus Tournee's durch Mittel-« und Osteuropa unternehmen. So soll durch Zusammenwirken der Wiener Ju-denschaft mit der Judenschaft Mittel- und Osteuropas ein zentrales Kunistinstitut geschaffen weren, wie es die einzelnen Dheatevstädte allein nicht zu erhallten und auszubauen in der Lage wäret». Das vorbereitende Kotnitee, welches detr Verein der jüdischen Theaterfreunde durch Heränzliöhuug angesehetler Mischer Persönlichkeiten umitt.ttd auszugisstMen gedenkt, wird in dorr nächsten Togen mit einem von Vertretern verschiedener Mischer Kneife gezeichneten Ausruf vor die OessenMchbsit treten. Es ist zu ertvarten, daß diese Gründung da's Interesse weitster Mischer Kreise des In- und Auslandes wachrtvfen wird. Aas den Theatern. Bürgt h e ater. Morgen^ 7. Uhr abends, „U e b e r allen Zau.berir die ÄLch.e". 7..^..'..//. Akademietheater. Morgen, Uhr, .Der Krampus". Bolksoper. Heute „Marth a". Morgen ,C a> m e n". Freitag „Die Jüdin" mit Kammersänger Leo Slezak als Eleazar. Simon Kosiner. Gemischte Warenhandlung. Von Egon Erwin Kisch. Schluß. Kosuter wehrt ab: ,^Jch bitt' Sie, ich kenn' doch hier die Leute. Ich Pflege immer zu meiner Frau zu sagen: tvenu einer ans Unhoscht ist, kann er mir mchts vormachen!" „Ausgezeichnet!" lachte der Rotte, ,MSgezeichnet gesagt: „tvenu Einer aus Uuhoscht ist, kann er mir nichts vovmachen!" Das ist großartig ausgedvückt. Aber ich glaube, Her Kosiner, Jhuerr kanu einer nichts vormachen, auch wenn er nicht aus Uuhoscht ist." „Na ja, eiu bisserl ÄtenisichenKetmbniis halt man schön..." Dub schaute Prüfend durch das Fenster. „Einen Fehler hat die Geschichte: Ich möchte nicht, daß die Leute von der Landstraße aus . das Haus so ansehen. Ich Hab' das nicht gerne, wenn alle fragen: wetn gehört das Haus da?" Pause scheinbaren Nachdenkens. „Menu ich wenigstens einen Teil von der FnM.iu den Hof da, hineinlbauen iölmte, so wäre mein Haus doch von Ihrem verdeckt." „In meinen Hof?" „Nttr eiu Stückchen. Zehn Quadvakmeber vielleicht. Sagenwir ... bis zu de>ttt Hühnevstall dort." Herr Kosiner dertkt nicht lange nach — der Hof ist groß genug, tüttd bb der Abort und der Düngerhaufen in der oder iu der anderen Ecke stehen, bleibt sich egal. ,Menu Sie es bezahlen, — wcmnn nicht?" „Be'iahlen, bezahlen! Was kann ich da viel bezahlen ft'ir ein Pitzevl Hof . . .?" „So? Das sagen Si«. Ich alber, ich Hab' Mich schon so gewohnt 'da>ran, daß dort die Jauche ist und unser Wort, — sehen Sie das Herz in der Tür, das halbe ich selbst ausgeschnftien als Luftloch, bevor ich geheiratet Hab', dauert meine Frau immer vor Augen Hot, wie lieb ich sie Hab' . . „So. Sie selbst ha'ben das ausgeschnitten?" „Ja. eigenhändig — eS ist wi« vom Drechsler, Sie köU'nen das jetzt nicht sehen, Sie urüssen sich das einmal bei Tag atlschtuen." „Wirklich, sehr tinnig. sehr innig. Mer tvas haben wir davon, reden wir dort Geschäften: wieviel wollen Sie für 'das Stückerl Hof?" „Unter zwölf Gu>lden kann ich's nicht hergoben, so viel kostet es mich selber." Herr Gustav Dub, genannt „der Roite", kann.das Lochen kaum unterdrücken. Mer er unterdrückt es, denn Schime Kolfmer schaut ihn forschend an, ob dem Käufer der Preis uicht zu hoch sein wird. (Zwei Gnlden würde, er eventuell nach Nachlassen.) Zlber Dtrb denkt gar nicht 'daran, etwas abzuhandelu. Bei einem Einkauf von zwölf Gnkdon viechnndertachtuu>dachtFtg zu verdienen, das ist Profit genug „Weil Sie's sind, Herr Kostner, und weil Sie das Her, iu die Klosettüre eingrschuitten haben" — er Hält chm die Hand hin'— „bin ich omverstanden." Kosiner schlägt ein. Aber er hat doch uoch Angst, es könnte aus dem Kauf nichts werden: „Und lvewn Sie morgen das. Feld uicht kauferr von dem Bejvoda?" „Das macht nichts. Ich Hab« Ihnen meinen Hatrdschlag gegeben Und unser Kauf gilt-" „Unser Kauf giA! Und wann kvieg' ich die Möff Gulden?"- Mir können gleich den Mntrakt machen, und dann kriegen Sie Ihr Geld." „Sehr gut! Mache tc wir gleich dm Kontrakt, und dann krieg' ich gleich wein Geld. Ich pflege immer zu meiner Frau M sagen: wenn man dir gibt/ Jo ititwm, wem: man dir unnmt, so schrei'!" ^Ausgezeichnet! Mso, wo haben Sie Feder und Tinte?" Der Roite zieht cht Blankett heraus und eine Stempelmarke, fiinszehn Kreuzer, und klebt sie aus. Gr-- will schreiben, aber Herr Kosiner drängt sich dazu, bas selbst zu besorgett. Herr Dub diktiert, Schime Kosiner schreibt glückselig, weil er schreiben darf, glückselig, weil er zwölf Guldett bokonunell wich; unbedacht wiodechölt er alle Kialfseln, von denen bisher nicht gesprochen worden ist, all« Phvaserr, von denen er nichts versteht, alle grundbucherltchen Attgaben, deren Kenn-ttüS bot dsnr ortsfventden Bertragspa>rtner ihn gar nicht überrascht'und bringt das Diktat mit den verschnörkeltsten Schnörkeln zu Papier. Dub (diktierend): ,„Jch, Gndesqefertigter, Simon Kysiner ftc Unlh"tscht. alleiniger Gmudstticksinhaber des Areals Katasterzahl 734 Koster ' (schreibend): . . 4lreals MMsterzahl 734 C . . . . . Beistrich, Eiiuragthng chmtsch 4, .Pogntt 99 des Bezirks^ruudbuches''/'.' i Deutsches A o l k s t h t a t c v. Samstag nachmittag? „MtnNa' von Ä a r n h e l m". Sonntag nachmittags »Der Weinberg des Herr n". Neues Wiener Stadttheater. Freitag zur Feier des 2bjLhrige'n Bühnenjnbiläums der Frau Konstanze von Linder einmalige Auffültrtmg des Lustspieles „Im L u x » sz u g" von Atel Hermant. Theater in d e r I o s e f st a d t. Heute, '.,8 Uhr. Erstanftschrung von Skiakelpeares „Sommernacht--- träum" in der neuen Inszenierung Max Reinhardts. Raimund-Theater. Heute und die f^laenden Tage, 7 Uhr, „Antonia'' von Melchior Lengyel y*4: Sari Febak. San'Stag, 3 Uyr nachmittags, „A i ch e n b r ö d e l*. Sonntag, 8 Uhr, die drei Einakter „Die73Kre«zer des Herrn Strutzelberger-, „Die entfesselte T t l l a". „D 11 (t t ü n e Schn» r". Die als Matinee für Sonntag den 8. d. gedachte Uraufführung des SchausyielS „D a j? W u n v e r" von Walter Lieblein wurde auf Sonntag den 1. März verlegt. Carl-Theter. Freitag beginnt das Gastspiel des Jüdischen Revuetheaters unter Leitung des Direktors Geza Bage. Es gelangt die aus zwölf Bildem bestehende Revue „H a g a d a" zur Aufführung. Zohann-Strauß-Theater. DanrStog die 30. Auffübrulta der Operette „P u ß t a l i e b ch e n". Sonntag nachmittags „Das B e t l ch e n m ä d e V. Die gilben» P a w e. Im Rahmen des in Vorbereitung befindlichen Programms gelangen außer dev Parodie „Zipze-Drip" einige neu Mszenierte Volkslieder zur Ausführung. vrf-ln glonlslisclur Foevrcvittek „eliesaor Berzr Kiiiner Saal De» Koixmha«iti Sotintag den 8. Februar 1926, 7212 Uhr vornüttags ■'fir im Mnm Mitwirkender Frau Lilli Marberg (Burgtheater), die Herren Dr. Otto AheleS und Willi Neumann-Nördlingen, das Holzbläser qutntettderStaatSoper. Eintrittskarten in den Vereinigten zionistischen Bureaus, 1. Bez., Kärntuerstraße 28 (Telephon 17-4-83) gegen einen Regiebeitrag von 38.000 K. für Sitzplätze und 11.000 K. für Stehplätze. Die Robert-Stolz-Bühne. Der Oesterreich ifche Bühnenverein tcltt uns mit, daß Direktor Stolz mit feinem ganzen Personal ab 1. Februar aus aütuchem Wege die Verträge' He l oft hat und allen seinen Gagettiverpflichtuugen nachgekomtMU tst. Direktor Stob! teilt uns ferner mit, daß er nach wie vor alleiniger Besitzer dieser BAiue bleibt; er wird soitl Unternehmen als Profatheater tveiterführcn, da di« Bühue bei ihrem Heringen Fassu-ngsraum von 400 Personen die ettomtett Spesen eines OpevetteneusenMes mit Orchester, sowie die Steuern, welche speziell bei Operetten' aufsührutrgen besonders hoch sind, unmöglich verträgt. — Am 13. ib. wird die Robert-Stolz-Bühne als Profatheater eröffnet. Fritz Kreisler begeht feinen 60. Geburtstag. Der große Geiger, ein Wiener Jude, lobt« lauge Jahre ist Amerika und ließ sich jetzt in Bcrtin nieder.. Kreisler ist .bekastnitlich nicht nur ein Künstler ersten Ranges, sondern,a>uch ein, gwßer Wohltäter. Seit Jahretr stellt er fein herrliches Geigenfpiel ausfchließlich in den . Dienst der leidenden Menschheit. Auch als Tondichter, ist KreiÄex erfobgreich. Max Brods „Prozeß Bunterbar^ ist an die Neue Wiener Bühne übergefiedolt. So ist ein prächtigcs Stück aus dom Zusammenbruch der Renaissanceöühne gerettet wor- . . römisch 4, Pagina. 39 des BezirksMUstdbwchös . . -." . . trete hiermit heutigen Tages a.» Herrtr Gustav Dub, ReaLitätenvermittler in Weinberge m Prag . . . Realvtätenbevmtttler..." . . um den hottte in bar erhaltenen Kaufpwis vott 12 fl., in Worben: zwölf Gttlden österreichischer Währung, den an das Grundstück Katasterzahl 112 des Landwirtes Bolesliav Bejvoda ..." . . . Katasterzahl 112 des Aamdwivbes Boleslav Bejpoda , . . . .angveuzenden Teil mevtves Hofes «u Ausmaße vott zehn Quadratmetern ab. und erkläre, daß ich auch bei lbefonderer Wertsteigermvg und bei Weiterverkauf an dett Fiskus oder eine Gesellschaft . . ". . . auch bei besonderer Wertsteigermtg utvd bei Weiterverkauf an dest Fiskus oder eine Gesellschaft . . . . . atrf deffon Bevorstehen mich übrigens Herr Gustav Dwb atrsdrüMch aufmerksam getnacht hat , . tt. . . ausdrücklich aufmerksam gemacht hat . . ." . . keinerlei RegveßanispÄchö zu stellen und keilten Probest cüiMlegon habe ..." „. . . emWilegeft halbe ..." „. . . Die grundbücherliche Eintragung kantr uw» gen von Herrn Drtb beim Kladnoer Bezirksgerichte duvchgefllhvt werden. Nette Zeile: Urkunddessen. . . urkunddesie.tr ..." . . tourde obige EEämng . . „Was?" Schi'tne Kosiner zuckt auf. „Was?" „Dub diktiert richig weiter: . . wurde obige Er- Wrung..." „Was? Was heißt „wurde"?" ' Dick tveiterdiktiorend: . . wurde obige Erklärung von mir geschrieben . . Schime Kosiner, sehr . aufgavetzt: ,MSas für tkt „wurde"? Was für ein „wtrrde"?" Herr Dub verfttcht ihm beizulbringen, daß „tottvde" oitt Hllfszelttvort, ein hnrtttloses Hilfszeitwort ist. ohtte Bedetttung. aber Kositter steht mit funkelnden Attgen da ttttd schattt ihn l^drohüch an: „Bon ,Mtvde" haben wir nichts artögenbacht, kein Morr ist Vcn „Wurde" geredet ioordetr, und jetzt toollett Me mir PlöMch ein „wurde" in den V!U"» trag hiWWgegciben! Was für ein „wttrde" 596135