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Wiener Morgenzeitung · 1925-02-04 · Heft 2140 (4.2.1925) · p. [Seite]

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2140 (4.2.1925)
Date
1925-02-04
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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» Das Buch der Zeit LTTERATÜRBEILAGE DER ."WIENER MORGENZEITUNG* Nammer» _^_^ERSCHEINT JEDEN MITi.'WOCH < Februar M25 ADMINISTRATION■ .WIENER MORGENZEITUNG*. WIEN, H, TABORSTRASSE 1—3 UNSER BUCH DER WOCHE Dia Pforte des Ostens JMti» kamt, tlatrbe ich, Eugen HoefHchs ImMrttfn Abtlchten nicht besser gerecht werden, als wenn man die novelltetlsch.Hterarlschen Selten seines fotzer$6bJe»enen Buches*) vor den politischen zurücktreten läßt Es gilt ein Oegengewicht LU schaffen sagen die Aufmachung des Bandes, die dtirch die Verbindung einer realpolitischen Monographie von hfjchster Baden tune mit palästinensischen Inspirationen di# Gefahr nahehrlngt, die erstere in den Augen der vielen «ti entwerten, die Literatur als ein Leichen mangelnder Seriösität betrachten. Eugen Hoefflch ist heute der anerkannte Wortführer und der prominenteste Kopf des p«n!aaslatisehen Gedankens im iüdisdnn Lager; in der jetzt scfcftn hi weite Fernen gerückten Epoche unserer Bewegung lmmtttefdar nach Kriegsende hat sein, von wfjirer Aufrichtigkeit beseeltes Bekenntnis zu Asien» das an Deutlichkeit nie etwas zu wünschen übrig Keß» verwirrt» hat Entrüstung und lauten Spott hervorgenifeti; trotzdem hat er schon heute den Triumph er|#|t, anscheinend sensationelle Paradoxen als Binsenwahrheit gewertet zu sehen. Die Ablehnung der Ideen, deren demütiger VWtzr floefüch ist. hat ähnliche Motive, wie der Stufipf der Herz!? Kraft vorzeitig zermürbte; rief di#®er zum Kampfe gegen die Assimilation des jüdischen Individuums auf, so beschwürt uns unser Autor mft Leidenschaft» unsere Nation als Ganzes Nicht assimilieren zu lassen; im Gründe genommen hat mm niemand die elementare Wahrheit beider Sätze im Geheknen verleugnet, noch verleugn fl können; was widerstünde von m ansehnlicher Kraft entfesselte, war dl# würgende Angst, durch das Bekenntnis LU dienen belebenden Gedanken die eigene Situation re^pof{tisch betrachtet, verhängnisvoll zu ver- KhMitern. Die prächtig-bunten Eindrücke aus der reichbewegten Leit, die Hoeflich in Eres Israel verleben durfte* lassen nicht immer lenes Maß stilistischer Nüchternheit, schablonenhafter UebsrsicfitJichkqH: einbaJten, das mancher von seinem politischen Leitfaden fofdert. Gehetzt von dem quälenden Bewußtsein persönlicher Ohnmacht in der Stunde einer vielleicht endgültigen Entscheidung bemüht er sich, die Apokalypse einer in den Grundfesten schief eingestellten nationalen Renaissance auch dem Kurzsichtigsten klar zu machen, stützt er, der Mann gefühlsmäßiger Erfassung, seine Thesen durch eine Reihe sorgsam und röhrend ausammengetragener kleiner Fußnoten, di« er,der Tagesgeschichte entnahm. Die Juden in Palästina, nach Jahrtausend-n des figßs dem Lande und dem Brudervolke tragisch entfrqmdet, in fruchtlosem Kampfe durch ein übermächtiges Asien als nächster Emmissär des verbzHtW suropKischeu Zwingherrn grausam und end- «Wg zerrichen und ausgetilgt, ist die Vision des GiWWMS, die ihn nie verläßt, die große Auseinander* sefzuyg zwisohen Ost und West (sHren Zentrum schon rein topographisch Palästina bftden müßte), der T#g des jüngsten Gerichtes für einen kurzsichtigopportunistischen Konjunktur-Zionismus. Ihm brandete durch Jahre die spöttische Ueberleggnheit der vielen entgegen, die dies?» Gegensatz, dag auch sie wohl erkannten, ajs das Verhältnis von Herr und Knecht, von PMgervater und Indianer, von Robinson und Freitag, deuteln, schon den Gedanken eitler Verbrüderung mit Asiaten als eine Schmähung de# eigenen Volkstums brandmarkend. Nu»* llyejüch ist gerechtfertigt, ist so glänzend gerechtfertigt, daß er selbst durch die Ereignisse schon überholt erscheint. Während man noch über die Ebenbürtigkeit der asiatischen Nationen Diskussionen abführt, nehmen schon Asiaten vollen und ganzen Anteil a* der Leftun« der Geschicke unseres Planeten: Japan hat flneto ständigen Sitz (vcm vieren) im Hohen Rite des Völkerbundes, der höchsten Instans (nebenish: „me Pforte des Ostens.“ Bcik bei gesagt), die über die Rechte der nationalen Minderheiten, also auch der unseren, also auch in Oesterreich zu wachen hat; ein zweiter Sitz für Asien wird eben Jetzt mit Nachdruck und mk großer Aussicht auf Erfolg gefordert Asiaten, Chinesen und Japaner, sitzen kn Internationalen Gerichtshof bn l Haag, ebenfalls berufen, gegebenenfalls übet Existenzfragen des jüdischen Volkes zu entscheiden. Erst vor wenigen Wochen hat der Vertraute Gfandis, Herr Alavi, Sekretär des Indischen Nationalkomitees, hier in Wien ausdrücklich erklärt, daß das letzte Ziel der indischen Freiheitsbewegung die Errichtung einer demokratischen Republik ist, die freudig bereit wäre, als ein tätiges Mitglied sich in die Völkerfamilie einzuordnen. Asien hat seine WeitstMing schon beute inne und wird sie in den nächsten Jahren noch bedeutend erweitern; der Kampf zwischen West und Ost, der vernichtend sein müßte, wird uns, sp hoffen wir, erspart bleiben; so fällt die Fassade einer oberflächlichopportunisFschen Realpolitik zusammen, die man gegen Hoeflich und für eine betont europäische Note des Zionismus so gerne ins Treffen führt. Nun erst recht muß sein Wort überall gehört werden: Denn eine weit -furchtbarere, zeitlich und Sachlich weit näher liegende Gefahr droht, die selbst Hoeflich noch nicht völlig klar ztF sein scheint, die Über sein Werk und seinen Rat Über j^en Zweifel, jedes Schwanken erheben muß: daß die Keimzelle jüdischer Renaissance in Palästina nicht als tragisches Opfer einer mißverstandenen Situation, als Emmissär Europas, im Kampfe zweier Welten fällt, sondern, im Gegenteil: als ihr Versöbüujigsöpfer. r. h. -erlangen Sia von HELLER (SUKUMi I Bauern piirM kostenlos! »«fPfMi'evsMfpmqsf» arnrnrnrnrnrnrnmiimmmmmmmmmmm Wilhelm ireumüller * Sohn AbteihfiW Antiquariat Wie»« t* Bestvkt V««vsM«M M.R» Denkmale der Weltkultur Im Rikola-Verlag sind jüngst zwei Werke erschien?, deren Wert weit über den Rahmen der Obligaten Neuerscheinungen hinausgeht. Es sind Doku-! mente einer reichen, ewig sich erneuernden Kultur in einem. historischen Rahmen. Zunächst Jakob Wassermanns „Deutsche Charaktere und Begehen!? :iten‘V deren zweite Reihe nun vollständig vqr- Iiegt. Pen Dichter beseelte der Gedanke, die Büder der merkwürdigsten deutschen Männer ans dem Dünke! der Vergangenheit hervorzuziehen und gleichzeitig damit auch aus dem historischen Geschehen, aus deo «roßen weiterschütternden Ereignissen und aus den bemerkenswerten Charakteren denkwürdiger Persönlichkeiten die Wege der Aikunft „wenigstens flüchtig und ahnend“ zu erleuchten. Es ist ein erhebendes Werk, kulturhistorisch und anekdotisch eine höchst ergiebige Fundgrube und weist die exemplarischen deutschen Charakterzüge auf, alle jene Eigenschaften, die den bedeutenden deutschen Persönlichkeiten aller Jahrhunderte ewig unveränderliche Lüge aufgedrüpkt haben. Neben diesem Werk Wassermanns stobt Felig Brauns Spiegel der wunderbaren Vielfältigkeit der deutschen Seele «Deutsche Geister'*. In einem Augenblick der Zerrüttung der europäischen Kultur will der Dichter zur Besinnung beitragen pnd hinweisen auf die großen und edlen Taten, die j. kostbaren Pps^' . ’,r "h -i pH immer noch nicht ganz unwürdiger Gegenwart. Br . wählt Gestalten, deren eigentümlicher Charakter und! Lebenselement heute fast fehlt. Ringer, Passjonshelden, die ihrer Kunst wie einer Religion dienten. Geister der Ordnung, der Ruhe und des stetigen Fort* schre,t(*,'“tj», oft f uv». Ihr« Fahne hoch*, hielten. Er deutet tün, wo Kultur ist und wie man sie nicht zerstören darf, um einen glänzenden Schein zu schaffen. Der Dichter ruft gleichsam; Wie könnt ihr alle Brücken der Vergangenheit abbrechen wollen und in die Luft bauen? Mit starker Hingabe und mit Liebe weist er überall auf ein vertieftes Leben hin, Von Johannes Tauber über Claudius und Goethe bis zur helchichr* Wm W Ilgen Schrift geht der unt-rlrische Weg des reichstem Gefühlslebens, alles, was innerhalb des deutschen Wesens nach Form und Ausdruck rang, ist mit tiefster Scheu und verantwortungsvollstem Respekt festgehalten. Den Ausklang bildet Georg Trakls keusche Poesie. Der Rikola-Verlag hat mit diesen zwei edlen Werken seine Stellung als Kulturverbreiter neuerlich befestigt. Gustav Mahler-Briefe Anläßlich der Uraufführung der zehnten Mahler-Sy«» phonte sind nicht nur deren unvollendete Skizzen i/i eher prachtvollen Faksimile-Ausgabe, weiche bis auf die Spuren des Messers und des Radiergummis dem Original täuschend ähnlich ist, im Paul Zsolnay-Verlage erschienen, sondern der gleiche Verlag hat auch ein« Sammlung von Briefen Gustav Mahlers herar'sgebracht. deren Auswahl Mahlers Witwe Alma Maria Makler besorgt hat. Die Briefe umfassen eine Spanne von mehr als 30 Jahren: Schon der Achzehnjährige ist mit einem schwärmerischen Bericht an seinen Freund Josef Stein vertreten — das romantische Bekenntnis eines Jünglings, dem noch der Himmel voller Geigen hängt — und am Ende des Bandes findet man einen Brief an den Musikforscher Guido Adler, in weichem Mahler mit Verbitterung Amerika und unseren Kontinent vergleicht: „Warum hat mir Deutschland eder Oesterreich so etwas nicht geboten? Kann ich dafür, daß Wien mich hinausgeschmissen hat?“ Aus der Jugendzeit sind Mahlers Briefe an Fritz Lfihr bemerkenswert, dem er rückhaltlos die Freuden und Leiden seines Künstlerlebens mittefit. Immer wieder kommt er hier auf seine Familie, auf Vater. Mutter und Geschwister zurück, um die er zärtlich besorgt fst. In einem Brief an Dr. Arnold Berliner Klagt er über unverdiente Zurücksetzungen: „Nacheinander hatte loh Anträge aus München, Wien usw. UeberaH bildete jedoch mein Judentum im letzten Momente den Stein, über den die Kontrahenten gestolpert. Und so ist es nicht ausgeschlossen. daß ich nächsten Winter in Berlin privatisierend zubrfngett werde/* Einen beträchtlichen Umfang nehmen die Briefe an die Kritiker ein, sefne „Herren Vorgesetzten“, wie er sie später nannte. Darunter Briete an Max Marsohalk mit wertvollen Kommentaren zur zweiter, und dritten Symphonie, Besonders freundschaftlich bekennt sich MaHer zu Dr. Arthur $eidi: „Wohl dem Künstler, dem solch ein Kritiker sich zugesellt!“ Zu ßeidl plaudert er auch aus der geheimen Werkstätte seiner Auierstehungs-Symphonje: „Nur. wenn Ich erlebe, tondichte ich, nur wenn ich tondichte, erlebe ich! , . Pas Wesen eines Musikers ist ja kaum ln Worten anzudeuten. Es ließe sich eher sagen, was ln ihm anders ist. als bei. anderen — was es aber ist darüber vermöchte er vielleicht am wenigsten Auskunft zu erteilen. £o ist es auch mit seinen Zielen! Er wandelt ihnen, wie ein Nachtwandler, zu — er weiß nicht, welchen Weg (vielleicht an schwindelnden Abgründen vorbei er schreitet aber er geht dem fernen Liebt zu, ob dies das ewigstrab- (ende Gestirn oder ein lockendes Irrlicht ist.“ Wenige Monate nachdem Mahler diesen Brief geschrieben hatte, wurde er Direktor der Wiener Hofoper. Auch hier blefbt Sr der aufrechte Mann, der sich seine Unabhängigkeit zu Wahren weiß. So schreibt er etwa an die einflußreiche Gräfin Wydenbruck, welche ihm die Oper eines unbedeutenden Komponisten zur Aufführung empfiehlt: „Es Hegt nicht ln meiner Ma^ht. da die Hofoper nicht mein Privateigentum, sondern ein öffentliches Institut ist, dessen Leiter ich unter voller Verantwortlichkeit hin. Ich glaube nicht, daß seine Oper bühnenfählg ist . . .** In dieser Sammlung von mehr a’s 4C0 Briefen finde* »ich wohl manche» Belanglose. Doch dann liest map wieder Bekenntnisse, die nur lauterster Künstlerschaft und höchstem Seelenadel entspringen konnten. Kein Zweifel, daÄ zahlreiche noch unveröffent’icht* Briefe mit Rücksicht ml Lebende einer späteren Zeit Vorbehalten bleiben, mußten: immerhin b'-etet die vorhandene Sammlung tiefen Einbücflr in Mahlers äußeren und inneren Werdegang und so wir# Sie als wertvolles Dokument zum Verständnis des letztem bedeutenden Symphonikers der immer noch anwachsendaa großen Mahlergemeinde willkommen sein. üb. „Das Recht zu leben und die Pflicht zu sterben* Von Josef Popper-Lynkeus. — R. Löwlt-Verlag, VA 141 Seiten, brosch. 3 Gm. (45.000 K.), geh. 4 Gm. (&J0O »■ Popper-Lynkeus ist heute nicht mehr der Philosoph unter Vielen, er Ist einem großen Teil der bedrückten Menschheit der Prophet, der Ihr den Weg aus aller Not ijmd allem Elend zeigt. In dem Werke Popper-Lynkeus*: „Das Recht zu lebe« und die Pflicht zu sterben“ sind alle Ideen enthalten, dte die Grundlage für Popper-Lynkeu»' Lebenswerk büdtt» sollten. Besonders aber tritt hier die Hauptforderung Popper-Lynkeus*, Schutz und Achtung für jeden Menschen als solchen, hervor und ist grundsätzlich für die einsehne5dendsten Lebensgebiete bebaruteU in den Kapiteln: Ueber die Pflicht, im Kriegszwang *u sterben; Ueber den wahrhaft sozialen Staat, der jedes Individuum vor Hunger schützt» BRAUCHST DU BÜCHER, GEH ZU LÖW WFN. I f?OTRNTURM«/rf? 98 vmmmmmu mmu»mmrmnry

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