Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2140 (4.2.1925)
- Date
- 1925-02-04
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 89% known words query
- IRI
…/2979076-2981191-2981225--21833-3009184- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
r I Po lan 20 groiCT I Wien: Zorn Ahhoten in der Expedition, II. Tabor str. 1-H oder in etaerVerschleisatelle (Trafik) mnnatl. K 50.000 Strassenverkanf in Wien durch die Kolportenre der Finna Goldschmied, 1.8er. Wodteile 11 Mit Fostversand für Wien n. Oesterr. monatl. K 50.00! Teohech o-Slowakei Mon. K 22 ln?oslawieu- Mon. Dinar 60. Polen: Man 4 Zloty, Deutschland Mon. Goldmark 4, Fr an kr., Belgien: Mon. Free. IS SAMSTAG It.&cbmar 192S . Sämtliche SKonatrOtaandh iSlan-wdsse HAKOAH. REDOVTE anmuten der iXinderotmahranatalten Wiener orgenxettung 1 pret« K aöool England: Mon. 4 Schilling» Italien: Monat'. 18 1 irr« RomänienMon. 1701 «i, Bulgarien Mon. Ä0 I ewa, Schweiz ond das übrige Ausland monatlieh Fees* 5. Redaktion o Administration Wien. It, Taborstr. 1—3 Telephone: 44-0*38,43»3"19, A'6Uhr ahds 21-102,25-282 IX. Unhrersitatsstrasse 6—8 (Druckerei Steinmann) MT Naabaatiiaarea *«• OeaterreiehiaeheaPostspar» bei PrelMrbShiinven verhebelto* kaasen Konto Nr. 150.693 Nr. 8141»___Me». Mittwoch. 4. Februar 1925 7. üafimann Liebesgaben an Krupp und Minies. Weshalb die dentsche Schwerindustrie die krsüllungspolitik bekilmpfte. (Sigendlenst der „Wiener Morgeuzeitmig".) Berlin, 3. Febmar. Der Hauptausfchuß des dmffchen Rckchstages hat beschlossen, die mit 720 Millionen Goldmatt Prättminierten Entschädigungen an die Ruhrindustvie e i n z u st e l l e n. Da stellte sich heraus, daß mit Umgehung des Budgetrechtes des Reichstages bereits 645 Millionen Goldmark an die Schwerindustrie Im Ruhrgebiet ausgezahlt worden waren, ohne daß jemand befragt worden wäre, und das zu einer Zeit, da mit den: Hinweis auf die Ruhrbefttzung und die dadurch entstandenen Schäden die L ö h n e verkürzt und die Inlandspreise firr die Kohle erhöht worden waren, da der Ruhrindustrie m't Rücksicht auf die angebliche schwere Belastung durch die Beisetzung die Steuern g e st u n d e t wurden, was dem gänzlichen Verzicht des Reiches auf die Steuereinnahmen dieses Gebietes gleichkam. da die Eisenbahnen der notleidenden armen Ruhrindustrie den Gegenwert für die KöhlenHeftrungen in der Zeit des teuersten Geldes auffechS Monate (mit Valorisievungsklaufel) vorausbezahlte. Damals wurden der deutschen Schwerindustrie iw Ruhrgebiet 645 Millionen GoldmarL ohne jede RechnnngSlegung und Bewilligung zur Stabilisierung feiner Währung in allen Landern ansgeliehtzn hat und für die es hohe Zinsen zahlen muß, wahrend feine Ruhrma-gnaten die Gelder'oh ne Zinsen geradezu geschenkt bekamen. Es erhielten die Ruhrkohle A.^G: (identisch mit dom alten Kohlenshndikat) 550 Millionen GoDmark, dieChemischeIndustrie im Ruhrgebiet 60 Millionen Golidmavk, das Braunkohlen- 'fhndikat in Aachen und die Rhein sch if fahrt 45 Millionen Goldmavk. Dieses Ruhrpanama übertvifft alles, was je an Nachkriegsfkaudale'n, die sich an Entschädigungen für ft! Mi che Besetzungen und dergleichen in Frankreich, Polen, Rumänien. Ungarn und anderen Landern knüpftn, je aufgekommen ist. Jetzt beginnt die deutsche Presse und das Parlament zu lärmen. Die Regierung hat eine Denkschrift fertiggeftellt, welche heute dem Reichstag zugehen wird. Sie verantwortet sich damit, daß dieft Zahlungen mit .Zustimmung der sozialdemokratischen Minister, dir seinerzeit dem Reichskabinett angehort haben, des preußilchen Ministerpräsidenten Braun und der Berg- Tb eiterverbände erfolgt seien. Dieft Bevantwortung klingt glaubwürdig; denn die sozialdemokratischen Vertreter in der Regierung haben sich durch die Drehung der Ruhrindustriellen mit Arbeiterentlassungen einschüchtern lassen und so Hand in Hand mit den Exponenten der Schwerindustrie, welche damals in der Regierung saßen, gearbeitet. Die deutsche Schwerindustrie hat aus der politischen Dummheit, in welche sie selbst ihren.Cuno hineingehetzt hat, in weitestgehendem' Maße und in geradezu schamloser Weift Kapital geschlagen, während die große Masse des deutschen Volkes dem völligen Ruin Preisgege-ben wurde. Es ist' notwendig, heute daran zu erinnern, mit welchem Raffinement die Ruhrindustrie die Versuche der Regierung Mrth sabotierte, zu einem Einvernehmen mit Frankreich zu gelangen. Der Minister des Aeußern 4vvr zu jener Zeit Walter Rathenau, der alle Politischen Mittel erschöpfte, um nur den von Pom-, caw angedrohten Einmarsch' ins' Ruhrland zu vermeiden. Mitten in dieser Arbeit wurde'Rathenau von den Nationalsozialisten ermyrdet. Genau sechs Monate später rückten die französischen. Truppen in das Industriegebiet ein. Die Leuft^vftl^ die politischen Geschäfte der Schwerindustrie besorgen^ sitzen: heute rprt■ verstärkter. Dlächt im deutschen zGesänitpäPlaMent, wch es ist geradezu schMW daß. ' ~.. ■/.' .-. dre ProvisianSagenftn Ut Stinnes, Krupp und Konsorten, welche das für - da's. deutsche' Volk ruinöseste" Panama inzen-ieren ' gchölftn' haben,'' heute . anläßlich einzelner Finanzskandale, dft gegenüber diesem gigantischen Rükhrskandal geradezu mikro,fkopische Kleinheit annehmen, im Iirteresse der. „politischen Reinheit" Beschuldigungen nach der oder jenen PavteisÄte erheben. Da's ganze politische System ist für den permanenten deutschen F'rmvnzflandal verantwortlich. ' ' Den Reichstag und die „ÄebesgaLen". Der Reichstag lehnte die sofortige Beratung eines kommunistischen, Antrages auf Einsetzung eines Untersuchungsausschusses über die 700-Millionen- Zuwendung der Reichsregierung an die R h e i nu n d R u hr i n d u st r i e l l e n ab, nachdem die Sozialdemotraten erklärt hgtten, sie würden selbst die Einsetzung eines Untersuchungsausschusses beantragen, sobald die Regierung ihre Denkschrift vorgelegt hätte, gierung ihre Denkschrift vorgelegt hätte. Sodann trat da§ Haus in die zweite Beratung des Etats 1924-25 ein. Meder antssemMsche Studentendemonftrationen. Die Universitäten Jassy und KlauftnLurg. Bukarest, 8. Februar. Während der Vorlesung des Professors Saviny an der medizinischen Fakultät in Jassy veranstalteten die antisemitischen Studenten eine Demonstration gegen ihve Wischen Kollegen. Es kam zu Tätlichkeiten,' wobei nrehrere Wische Höver blutig geschlagen und schließlich aus dem Unwevsitätsgebäude verdrängt wurden. Bier, jüdische Hörer erlitten schwere Kopfverletzungen. Als Militär anrückte, stoben dieDemonstranten auseinander. Die Vorlesungen an der medizinischen Fakultät sind f i st i e r t. Auch auf 'der Klausenburger Universität spickten sich ähnliche Szenen ab. Di« antrftmitischen Hörer fordern, daß die R e l eg i e r u ng v o n 57 S t ude n te n der Jassyer Universität rückgängig gemacht werde, widrigenftlls sie in drei Tagen in den Streik treten würden. Die Behörden treten erdergisch auf und sind entschlossen, dem Ultimatum nicht nachzugsben. Der Rektor der Universität hat P o l i z e iu u d G enda r m e r i ea s s i st e n z in Anspruch genommen. An der Universität wurde die Abhaltung von Versammlungen verboten. Las Verfahren argen kastiglioni eingestellt. Die Untersuchung gegen die Depositenbank dauert fort. Auf Grund eines Antrages der Skaat'san waltschaft wurde gestern mit Beschluß des Untersuchungsrichters das Verfahren gegen Camillo Castiglioni eingestellt. Für den Antrag waren folgende Gründe maßgebend: BezügW des Zusammenbruches der Alkgemeinen Depofitenban? hat die Untersuchung unzweifelhaft ergeben, daß dieses Institut zur .Zeit als Castrglionr seine Leitung in andere Hände üibergab, aktiv und lebensfähig war und daß der spätere Zusammenbruch n i ch t auf die Tätigkeit Castrglronis zurückgeführt werden kann. Die G e sch ä f t s f ü h r u n g i n d e r Fplgezeit ist wch Gegenstand eines Verfahrens. In dem ans Grund der Anzeigen von Spiritusi n t e r e s s e -n t e n, inKtesondere B o n d y und L e. d e r e r,> eingeleiteten Verfahren hat sich gleichfalls ein Verschulden Castiglionis nicht ergeben. Bondy hatte schon im Lauft der UntersnHung ftine. Anzeige vorbehaltlos zurückgezogen. GHechW>«rMche» «i-oritiitemlmd. —7. W i t ,tt, 4 Febmar. Der Frieden von Lausanne ist ins Wanken gekommen. Die türkische Regierung hat in Ausfühmng der Austauschbestl'mmungen das kirchliche Oberhaupt der Konstantinopler Griechen, den ökumenischen Patriarchen, ausgewieftn. Sie hat hierfür einen Zeitpunkt gewählt, der die-griechische Bevölkerung in besonderer Empfindlichkeit treffen mußte. Der gemaßregelte Patriarch war eben erst gewählt worden. Die Erregung über diesen Schritt griff auf Griechenland über, als der Patriarch kurzerhaiÄ» auf ein Schiff gesetzt und nach Saloniki gebracht wurde. Die grieck'.ische Regierung sandte eine scharfe Protestnote , nach Angora, Demonstrationen fanden im ganzen Land statt und forderten den Krieg. Die Generalstäbler traten zu Konferenzen zusammen. Die Frage wird einstweilen erfreulicherweise nicht den Generalstäblern zur Entscheidung überlassen. Sie wird vor den Völkerbund gebracht werden, der somit in die Lage kommt, einen zwischen einem europäischen und einem asiatischen Staat ausgebrochenen Streit zu schlichten. Die türkische Regierung ist zweifellos formell frn Rechte. Sie Lernst sich auf den Läusanner Vertrag und so wird es vor allem darauf'ankommen, wie der Völkevbund sich zu diesem Dokument der Unmenschklchkeit stellt,-das in dürren Worten fast eine Million Menschen von ,ihrer Scholle losgerisftn uwd -fte zum Wandern der-» urteilt hat^ ' Ms im Vorjahre dne Vertreter' .der 'Türkei einerseits, der Entente andererseits.diesen Frieden Unterzeichneten, hatten sich beide Teile in der Hoffnung gefreut, die Revision des Sevres-Vertrages zu einem guten Ende gebracht zu haben. Die neuen Verhandlungen waren von Mustafa "Kemal, dem Sieger von Eskischehir, nach einem blutigen Krieg gegen. Griechenland ertrotzt worden. Die griechische Dynastie, deren Land alle Früchte eines fast zweijährigen Waffenganges verloren hatte, stürzte und mußte unter demütigenden Umständen ins Exil gehen. Venizelos bemühte sich vergebens, feinen großen Einfluß gegen den Schlag einzusetzen, der GckeiLenland mit unvermittckter Wucht getroffen hatte. . Wo die Alliierten das Spiel verloren geben mußten, hatte das verarmte, ausgeblutete griechische Laich nichts , zu hoffen. Es mußte auch die furchtbarste Bestirmnung aufnehmen, die aus Kleinasien evakuierte griechische Bevölkerung gegen die aus Thrazien abwandernden Türken auszutauschen. Die türkischen Dörfer waren zu dieser Zeit fast menschenleer. Seit 1912 .hatte ein Krieg nach dem anderen dieses Gebiet heimgesucht. Für Angora ergab sich kein Problem^ Aber Griechenland hatte bereits die von den türkischen Kleinbauern betriebene Tabakindustrie verloren und mußte in den verwaisten Territorien über eine halbe Million Menschen aus Kleinasien unterbringen. Diese Aufgabe ist das zentrale Problem Griechenlands, dem das Volk mit vielem guten Willen, aber ohne ausreichende Geldmittel gegenübersteht. Aus diesem Winkel kommen die Schwierigkeiten, die eine Revolution nach der anderen erzeugen und eine Beruhigung der Bevölkerung fast unmöglich machen. Die neuen Einwohner, die aus reichen, glücklichen VerhUtnisftn in ungewohnte, ärmliche^ gerieten, sind begreiflicherweise erbitterte Feinde dieser Neuordnung und naturgemäß begeisterte Anhänger des politischen und sozialen Radikalismus. Bon ihnen gehen auch die Kundgebungen aus, die gegenwärtig in Griechenland stattfinden und den Krieg fordern. Die Türkei beruft sich auf den Buchstaben des Ge- -setzes. Das tut jede Regierung, wenn sie die Provokation eines Teiles der Bevölkerung rechtfertigen will. .Es ist aber kein Zrveifel. daß sie sich durch ihre NatiojNaltsten M einer Unklugheit hat zwingen lassen, die an der Stelle des unabhängigen PatriarclM eine nationaltürkische, orthodoxe Institution schafftn wollen. Der ausgewiesene Kirchenfürst ist freilich im Zentrum einer recht fragwürdigen Affäre gestanden. Er hat einen Teil des Schatzes seiner Kirche nach Rußland schaffen lassen unh sott auch kompromittierende Brieft politischen In- Cräoe de Chine Modern: Herren* md Oamenetoffe, a'le Leinenwaren Hann Sr Fitind VI* Linke Wieninfolge kleiner Region besonder« preiswert bei HulUl Ol fl lull zelle du (in (.»(,>