Mannheim
Compact Memory

Wiener Morgenzeitung · 1925-02-03 · Heft 2139 (3.2.1925) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2139 (3.2.1925)
Date
1925-02-03
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/2979076-2981191-2981224--21824-3009174
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

19a ig» 20 urottj I Wien; Zorn AbMen ra der Expedition, II. TaWstr. l-$ öder in efoirVersehtetaatette £ raffle 1 monatl. K 50.000 raasen verkauf m Wien durch die Kolporteure der Finna Goldschmied, 1.8er.. WoHzeile 11 MH Postversand für Wien u. Oeaterr. monatl. K 50.0(1° Wiener eWmtache HAK04H KEDOD j K gflHOj Tschechoslowakei Mon. K 22 lugoslawien: Mon. Dinar 60. Polen: Mon 4 Zloty, Deutschland Mon- Goldmark 4, F ranke.. Belgien; Mon. Frea. 18 England: Mon.4 Schilling, Italien: Monat 18 irr« Rumänien Mon. 1701 ei, Bulgarien Mon. 80 I ewa, Schweiz und das übrige Ausland monatlich Frea. 5. Redaktion a. Administration Wien llM Tabors*?. 1—3 .'elephone: 14-0-38,43-3» 19. AhfiUhrahd*. 21-102,25-282j IX. UniveraitStaatrasse 6—8/ (Druckerei Steinmann) “ Naahiahiootea *V0 Oeeterreiehiaches Postapav’ k»«r««n - X«nto Nr. 150,693 9t. 2139 Kien. Sienstds, 8. Februsr 1925 7. Stahmann Die ^Iudenschutztruppe". —7. W L e it. 3. Febrn«. DaS Budgetkapitel „Schulen" ist vom Ausschuß teS österreichischen Nationalrates erledigt worden, ohne däß die so notwendige Klarheit darüber erzielt worden wäre, ob der christlich-nationale Kurs an den Hochschulen abgestellt wird oder nicht. Es ist nicht einmal festgestellt worden, ob die Regierung imstande sein wird oder will, ihre Verneinung der neuen Vorschriften über die Einrichtung der Studentennationen und die damit verbundene Rechtseinschränkung der Minoritäten durchzusetzen. Keine Partei Ln diesem Ausschuß erkundigte sich nach dieser auch vom Standpunkt der äußeren Politik schwerwiegenden Frage. Denn die Verordnung betrifft alle nichtdeutschen Hörer, die in Oesterreich ihre Ausbildung suchen, und sie kann, wenn sie wirklich praktiziert wird, zu Rekriminationen auswärtiger Staaten und zu Repressalien gegen österreichische Studenten an fremden Anstalten führen. Beides muß Oesterreich vermeiden, und wenn schon die Rektoren und Senate die Vorschriften des Kulturamtes des Kreises acht der deutschen Studentenschaft als bindend verehren, so müßte doch das Ministerium des Aeußern auf die Verletzung des Rechtes und des Friedensvertrages aufmerksam machen. Die Debatte ist aber ausgelaufen, ohne daß auch nur eine magere und unverbindliche Resolution von Seiten der Opposition. eingebracht worden wäre. Die sozialdemokratischen Redner haben , ihre Arien gesungen und Las Gesicht zu wahren versucht. Ganz ist ihnen - nicht einmal das gelungen, denn Um den wahren Jrthalt ihrer. eigenen Beschwerden drückten sie sich, vorsichtig ' herum und vermieden es, deutlich zu fügen, daß es sich um die Judenfrage handle. Ihr Hauptsprecher —- in diesem Falle Herr Leuthner — machte die parteiamtlich vorgeschriebenen Scherze von der zionistisch-großdeutschen Koalition. Als dies von zionistischer Seite zurückgewiesen wurde, rückte das sozialdemokratische Zentralorgan am Sonntag mit einer verärgerten Antwort aus.. Sie behauptet, daß Herr Stricker als Abgeordneter immer nur die Zustimmung aus der dunkeln Ecke der Angerer und Jerzäbek gefunden habe. Das ist unwahr. Was hier einfach konstatiert sei. Die Angabe der „Arbeiter-Zeitung" dient nur dem denunziatorischen Zweck, die Zionisten zuerst als Rassenbekenner zu .vernadern und dann das uninsormierte Proletariat gegen sie aufzuhetzen. Auch bezüglich' der von dem. Zentralorgan bei dieser Gelegenheit aufgeworfenen Frage nach Nation und Nationssugehörigkeit liegt bewußte Irreführung' vor. Die jüdischen Redakteure der' „Arbeiter-Zeitung" kennen das Wesen dieser Frage sehr genau und sie verwechseln absichtlich den politischen Begriff der Nation. mit dem kulturellen Begriff des Sprachverbandes. Wenn so und so viele Juden erklären, sie seien Juden , und Nicht Angehörige der Mehrheitsnation, so sind sie eben Juden. Daran kann keine Dialektik etwas ändern. Dies mag der deutschen Majorität unangenehm sein, aber das können wir höchstens bedauern. Wir lasten uns nicht dafür bestrafen, daß wir da sind. Die Argumentation der „Arbeiter-Zeitung" hat aber in diesem Falle auch das Ueble, daß sie den Großdeutschen in deren Universitätshetze direkte Hilfe leistet. Die „Arbeiter- Zeitung" stellt sich nämlich mit ihrer Annexion der Juden auf den Standpunkt, daß die Hochschulen nur.für die Deutschen da sind; sie akzeptiert vollständig die These von dem bodenständigen, christlichdeutschen Privileg. Es ist auch unwahr, daß Stricker die Schale seines Zornes nur über Leuthner ausgegossen, dagegen die Angerer und Jerzäbek verschont hat. Die „Wiener Morgenzeitung" hat sich mit diesen edlen Bolksgenosten der Herren Austerlitz .und Leuthner sofort beschäftigt, als die Hochschuldebatte im Ausschuß begann. Natürlich konnte bei dieser Gelegenheit nicht unerwähnt bleiben, daß diese Debatte nur deshalb alljährlich kommt und resultatlos vorbeigeht, weil niemand in diesem Staate von Recht und Gesetz etwas wissen will. Die Regierung ist ein Exekütivausschuß der antisemitischen Koalitionsparteien. Die Opposition, die Partei der Sozialdemo- Sie ..Wiener Morgenzeitung" wegen Wöllmdorf angetlagt. Die Staatsanwaltschaft hat gegen die „Wiener Moraeuzeitung" die Anklage erhoben, weil sie gegen die Vertuschung des Wöllersdorfer Schwindels energisch protestiert rmd das Verhalten gewisser Behörden scharf kritisiert hat. Wir begrüßen die Einleitung des Verfahrens, weil im Prozesse Gelegenheit geboten fein wird, das ganze zur Verfügung stehende Material der Oeffentlichkeit zu unterbreiten, ohne vom Preffestaatsanwalt behindert , zu werdet . Ier neue Saug nach Sens. Sie SachverftSndigeu. Die Enthebung des Herrn Buchwäld. Die „Wiener Morgenzeitung" hat am 6. Jänner die merkwürdige Geschichte der Sachverständigen erzählt, die vom Wiener Landesaericht zur Prüfung der Vorgänge bei den Wöllersdorfer Werken bestellt worden waren. Der eine.ist Herr Ingenieur Roth, bis Ende Juli noch Beamter der „Gefia" in Wölkersdorf. Er wurde ernannt und dann erst beeidigt. Der zweite ist Herr Kommerzialrat Buchwald, beeidigter Sachverständiger und .den Wöllersdorfer Geschäften fernstehend. Er wurde ernannt und' dann —- plötzlich - enthoben. Cs liegt, nun eine Aeüßerung des Herrn B u chst) a l d über diese Angelegenheit vor und wir nehmen an, daß seine DarfMung auch weitere Kreise interessieren wird. Ist dieser DarsteMMdie vom 29. Jänner stammt/ Kgt He^WWoäld^^. * , -; "7 'bekannt, daß-es auch aüf, seiten der offiziellen' Organe nicht an' Bemühungen fehlt, .'die st r a f ger i ch-tllche Be r stol gung durch eiben Ausgle.ich zur Bereinigung.zu-bringen, hat fa. doch die Regierung mit den Ausgleichspethandlungen einen Bevollmächtigten betraut, dessen PUentierung - das Schauspiel einer geradezu, rührenden, .sonst leider-nicht allzuoft zu konstatieren-, den Eistmütigkeit . der Parteien bot, und dies scheint ja auch im Spätsommer, des vorigen Jahres die eigentliche und wirkliche Ursache gewesen zu. sein, warum ich auf Einschreiten der Verteidigung. sofort. vom Gericht.von meiner Tätigkeit als gerichtlicher Sachverständiger abberufen wurde. Da es die Oeffentlichkeit - gewiß interessieren wird, mit welcher Begründung die Enthebung meiner Person nach mehrwöchiger Tätigkeit von seiten der Ratskammer des Landesgerichtes, w-Strafsachen verfügt wurde,' sei diese im nachstehenden wörtlich wiedergegeben:, „Die Verteidigung hat gegen den Sachverständigen B. Buchwald Eigwendungett erhoben, weil dieser Inhaber einesKünkurreuzürrternehmens sei. Menu, auch diese Ein-! Wendungen nicht als stichhaltig anzusehen sind, so erfolgte dennoch die Enthebung oes Sachverständigen von seinem Amte in der vorliegenden. Strafsache, um alle Bedenken gegen das von den Sachverständigen zu erstattende Gutachten . und jede allfällige Mißdeutung im vorhinein zu vermeiden." , Ich bin mir dessen Wohl bewußt, daß die Möglichkeit einer Ausgleichsverhandlung nicht so leicht gewesen wäre, Wenn mir auf Grund der von mir im Laufe einiger Wochen gemachten. Erfahrungen noch Gelegenheit zur Erstattung meines Gutachtens beschicken gewesen wäre." Wie der Politischen Korrespondenz mitgeteilt wird, tritt bekanntlich am 7. d. das Finanzkomitee des Völkerbund rat es zu einer vorbereitenden Sitzung für die nächste Tagung des Völkerbundrates zusammen. Das Finanzkomitee wird bei dieser Gelegenheit den Bericht des österreichischen Generalkommiffärs Dr. Zimmer«an entgegennehmen. Da zu dieser Tagung auch der österreichische Finauzminister eingeladen wurde, begibt sich Finanzminister Dr. Ahrer nach Genf. Die Abreise findet voraussichtlich Donnerstag abends statt. In Begleitung des Finanzministers werden sich der Präsident der Oesterreichifchen Nattonalbank Minister a. D. Dr. Reisch, der frühere Außenminister Dr. Grün b e rger, Minister a. D. Dr. Grimm, Seküonschef Doktor Joas und Fachrefrenten befinden. Sektionschef Dr. S ch ü l l e r, der derzeit anläßlich der Handelsvertragsverhandlungen mit der Schweiz in Bern weilt, tzegibt sich ebenfalls zur Tagung des Finanzkomitees nach G i uf. «vshebmig m!ramM«en Botschaft beim 7 /MWm. .'? Paris, .2. Irr fortgesttzter BLvatuwg t^s Budgets desMknMMms des Aeußern erklärte-Miniistsrsträstdent H e r r l'oE'die Regierung'' protestiere' E fa l s ch e n A u s l e'g u.n g ed die Glauben maWtt .wollen, daß' die' r e l.i.g j ö sen Freiheit e Ä bedstchi seien.. Der Mnsiterpvasident spricht sich gegen eine R ü ck.v e r w e r s ü n g an die Kmmnisston a>us, schlägt jedoch entsprechend strinen früheren Erklärumgen. -bezüglich des Elsaß'^^umd Lothringens die Einstellung eines Kredites von 58.066 Franken für einen Missionschef b e i m B a t i k a n vor. Uüber Verlangen des Mmrstevprästdenten Herriot, der die Vertrauensfrage stellt, wird der Antrag ans R ü ck v e r w e i s u n g des Artikels, durch den der Kredit für die Botschaft im Vatikan aufgehoben wird, an den Ausschuß »nt 314 gegen 250 Stimmen a b g e l e h n t. Der Beschluß ist Avichbedeutsud mit der Aufhebung der Botschaft im Vatikan. Ile zionistische Bertretona beim BNkerbnnd. Berlin, 31. Jänner. (I. T. A.) Dr. Viktor Jae'o-bfohn, der designierte Leiter des neu zu ervichteichen gio-- mstischen- Btiveaüs in Genf, verläßt dieser Tage Berlin und übersiedelt nach Paris. Er wird seine Zeit, zwischen Paris und Genf teilen und die Verbindungen zwischen der zionistischen Bewegung und dem Völkerbund sowie der anderen internationalen Faktoren aufrechterhalten. Dr. Jaeobsohn tvar einst Mitglied der zweiten vussi--- schen Duma, nahm nach deren Auilösung an der Mborger Tagung teil und mußte infolgedessen ins Eyrl gehen. Seit dieser Zeit widmete er alle seine Kräfte der zionistischen Bewegung, war mehrere Jahve hindurch Mitglied der engeren Exekutive, und vertrat die Bewegung bei der Konstantinopeler Sultansregieruug und später an anderen wichtigen Stellen. kraten, remonstriert höchst läü und sie beschräntt ihre Aktion auf den Schutz ihrer Parteigenossen, sanktioniert qlso damit die Hakenkreuzhetze gegen die nichtsozialdevwkratischen nichtdeutschen Lehrer und Hörer. Diese Haltung in einer Äulturfrage ist ein Verbrechen, zumal hie Sozialdemokratte sehr Wohl die Macht besitzt, dem Skandal der'Burschen und alten Herren mit einem Schlage ein Ende zu machen. Sie weiß nur zu gut. daß mrter diesen Zuständen alle Wissenschaftlichkeit bis zur Lächerlichkeit entartet ist— was auch die Arbeiterschaft sehr viel zu kümmern hätte —, und es ist ihr bekatmt, daß unter diesen Zuständen weniger die Söhne reicher Juden; als vielmehr die fleißigen und lernbegierigen armen jüdischen Studenten leiden. Aber weil sie nicht Fahnenflucht begehen und ihr jüdisches Bekenntnis, ihr Gewissen nicht der Lüge des Austrittes opfern wollen, dafür straft sie die arische ^Herrennation. Die Sozialdemokraten sehen aeflissentlich daran vorbei. Sie haben sich die bequeme Formel konstruiert, sie wollten keine Judenschutztruppe sein. Bor Wahlen pflegt diese Formel freilich immer zu verschwinden.) Bon der ihnen kraft ihres Proarammes zustehenden Pflicht, gegen Rechtsbeugung und Terror unbedingt und ohne Mentalreservation aufzutreten, wünschen sie rin jüdischen Falle verschont zu bleiben. Das haben sie in Ungarn getan, wo der weiße Schrecken mit dem Numerus claufes einsetzte. Als die Führer der Arbeiterschaft dies gescheben ließen, brach ihre ganze Position zusammen. Die österreichische Sozialdemokratie ist gut deutsch und deshalb tut sie nichts. Die Hochschulkammer sieht das gerne und sie wird gnädig zustimmen, daß der einzige Wunsch der Sozialdemokraten in diewr Swanddebatte, wenigstens einen der Ihren an der rechtswissen-. schaftlichen Fakultät angestellt *u sehen, erfüllt werde. Etwas anderes, etwa die - Herstellung des Rechtszustandes und die Zurechtweisung der Professorenclique hat die Sozialdemokratie nicht verlangt. Winter-RSumungsverkauf an tief reduzierten Preisen Im Warenhaus [Schiffmann II. Taborstraße 48 TeiawHun in gro» In ssmmmmmiim «MW

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.