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Wiener Morgenzeitung · 1925-02-01 · Heft 2138 (1.2.1925) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2138 (1.2.1925)
Date
1925-02-01
Page
– (sequence 1)
Language
German
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IPaign 20 pmz? I Wien: Zorn Ahholen in der Expedition, f!. Tehorstr. 1-3, oder in einer Versehleisstetle (Trafik) monatl. K 50.000 Strassenverkauf in Wien durch die Kolporteure der Firma Goldschmied, 1.6er., WoQzeile 11 Mit Post Versand für Wien n Oesterr. monatl. K 50.001 Ts ehe c h o-S I owa k e i Mon. K 22 jo?ostawien Men. Dinar 60. Polen: Mon. 4 Zloty, Deutschland: Mon. Goldmark 4, F r a n k r., Belgien: Men. Frea. 18 MP* Nacb i a b i u o pes *W> htS Pralaarbobnnpen varbabalte« Wiener I Pf.<»t<, k asoo England: Men.4Schilüng Italien:' Monat». 18 > Ire Rumänien Mon. 1701 4 Bulgarien Mon. 80 Lewa Schweis m»d daa übrig« Ausland monatlieb Frea. 5 Redaktion n. Administratiei Wien, 1L, Taboratf. 1—8 rdephoae: 44-0-38,43-5-1^ AKÜUhr abds.21-102,25-283 IX. Unbrersitätsstrasae 6—8 (Druckerei Steiamann) Oesterreiehiaches Postspat* Iraaaen* Konto Mr. 150.693 Rr. 2118 Wien. Sonntag, 1. Atbrnor 1925 7. Jahrgang n CIBNE «-Runs altm •iß.eslautJanL feinste 3^ü.cJ)e 'Mj.ens., ssEnnznn&tfcK^' Infolge des movgigen Feiertages erscheint die nächste Nummer der „Wiener Modenzeitung" Dienstag früh zur gewohnten Stunde. Las Spiel mit dem Tod. —y. W i c n. 1. Februar. Kinder, die mit Revolvern spielen — hat Rabindranath Tagore kürzlich auf einem Mailänder Meeting in bezug auf die europäischen Staaten gesagt. Der indische Dichter-Philosoph sieht die Dinge von einem Vielleicht nicht ganz freien Gesichtspunkt aus. ist aber jedenfalls unbefangener, weil er allen europäischen Geschehnisse u mit - den gleichen Gefühlen gageüübersteht. Das' Pergkeichsbild, ' das er gebraucht, entspricht bee msoferne nicht ganz, als die Mni^7leider.'iM^MÄ^N> sondern es mit der Waffe sehr ernst meinen.. Infantil freilich ist diese Politik insoferne, als ,die! staatlich organisierten Teile der europäischen Menschheit seit dem Krieg und durch den Krieg in den Urzustand zurückgefallen scheinen, , in welchem es immer nur das Recht der stärkeren Muskeln gab. Vergebens mühen sich die Führer ab. Sinn, Verstand und Ordnung in das anarchische Gewoge zu bringen und eine halbwegs brauchbare Gesetzlichkeit wieder einzurichten. Der ungebärdige nationalistische Wechselbalg, dem der Krreg so gut angeschlagen hat, trotzt allem Zureden und er erweist sich starker als die weisen Mentoren, die heute den Krieg verdammen, den sie vor zehn Jahren gesegnet halben, und meinen, ihre Verdammung genüge, um wieder eitel Freude und Friede zu erzielen^ *■ International war das Bekenntnis zur seelenläuternden Funktion der Bajonette urch Giftgase. Die Zurückführung der Gesellschaft ausdieser Hölle konnte nur gelingen, wenn sie international, mit dein gleichen Willen, dem gleichen Tempo und den gleichen Methoden ange strebt würde. An alledem fehlt es und es zeigt sich sogar, daß überall das Gegenteil. versucht wird. Me Offiziellen sprechen nicht vom Krieg, aber sie meinen ihn, er erfüllt ihr ganzes Denken und zwingt-sie immer wieder zu dem Ouell des Usbels hin, aber nicht mn. ihn zu verstopfen. Sie fürchten vor einander, sehen Gefahren und Drohungen, wo vielleicht keine sind, und machen Gespenster lebendig. Sie sind leider keine Kinder und sie spielen nicht. Aber der Revolver ist vorhanden und er führt die lauteste, eindringlichste und entscheideirde Sprache. Die Friodeusverträge gelten gewöhnlich als das Sturmzentrum und der gesamte Pazifismus sieht in. ihnen den hindernden Block. Wird er weggewälzt, dann wäre das der Beginn einer neuen Zeit. Nun sind diese Verträge bei all ihrer falschen Konstruktion doch nur Werkzeuge, die erst der Geist, in dem sie gehandhabt werden und der ihnen die Regeln für die Neuordnung entnimmt, Lebendig inacht. Eine mechanische Abänderung der Härten ist wohl denkbar und'auch bereits, , wie z. B. im österreichischen Falle mit der Suspendierung der Generalhypothek, int türkischen Falle mit der Umstoßung des ganzen Sevres-Dokumentes. zur Tatsache geworden. Eine gründliche Besserung ist jedoch nicht erzielt worden. Oesterreichs Sanierung ist politisch vom Hakenkreuztum, wirtschaftlich durch eine grandiose Korruptionsseuche sabotiert worden. Die Türkei ist militari- Drohbriefe der Anarchistin Liren. — Die MenMerin versucht ir Einsteins Wohnung zu dringen. — Die Liren verhaftet. (Eigendienft der „Wiener Morgeuzettuvg".) Berlin, 31. Jänner. Auf Prof. Albert Einstein wurde gestern abends ein Attentat versucht. Die Russin Eugenia Dick so n, die bereits vor sechs Wochen in Paris aus Kraf f In ein Attentat versucht hatte, hat Prof. Einstein in mehreren DrohLriefe« mitgeteilt, daß sie aus ihn ein A t t e n t a t verüben werde. Pros. Einstein, der schon wiederholt ä h n l i ch e Z u s ch r i f t e n erhalten hat, legte diesen Schreiben keine Bedeutung bei. - ’ Gestern abends erschien nun die Dicksou unangemeldet in der Wohnung Gin steins und versuchte gewaltsam in die Wohnränme einzudringen, um ihr Vorhaben auszuführen. Als man sie f e st n e h m e n wollte, ergriff sie die Flu ch U und es gelang ihr tatsächlich, M entkommen. Heute mittags ist es nun der Kriminalpolizei gelungen, die Russin zu verhaften. Allem Anschein nach handelt es sich um eine geisteskranke Person, die sich als Ä«° archistln ausgibt. Bisher konnten nicht ein mal ihre Personalien genau festgestellt werden. Es istni^ht einmal bekannt, wo sie in Berlin wohnt und wann sie hieher ge. kommen ist. _; ' . Perlin, 31. ILrvneL Wiedas.MchMmLeuLL^ meldet, hat sich der preußischesVv«im^',olkwchk er gös-evn bereits «n ersten WaMga-nge mit abisollrter Mehrheit zum Mimsterprasidenten gewühlt wurde, für die Annahme dieser Wahl - noch u ich t e n t s ch reden. Er versuchte, dem Wunsche des Zentrums, der Demokraten und der SozrÄdemokraten entsprechend, eine Lreiter« Grundlage-für seine Regierung zu finden Dieser Versuch wurde bei dm Wirtschaftsparteil e r n Md bei 'der d e.u t s ch e n Volks pa riet unternommen. Diese Besprechungen hatten ein negatives Ergebnis. Der Minffte>rpräsÄ»ent wird — so berichtet das Blatt «werter — nunmehr das Zentrum vor die entscheidende Frage stellen, vb es gswillt sei, in der Weimarer Koalk Lion unter denselben Amständen zu verharren, also auch einen harten Kampf gegen rechts nicht, zu scheuen, oder ob es N e u w a hl e n vovziehe. N e u w a hl e n würden vom Z e n t r u m n! ch t g e s ch e u t, das Zentrum wolle aber nichts unversucht lassen, nur eine Regierung aus'breiter Basis herbeizuführen. Es sei - aber gegebenenfalls bereit, sich auch, -aus, Neuwahlen e'mzülaffen. Ebenso haben die Sozialdemokraten, erklärt, daß sie einen neuen Wahlgang nicht fürchten.. x . / - Man darf älso' annchMn', daß dieAnfkösuu^ deß Zand Lag e s nicht uMvahrscheinlich gewordm. Uicht mur- Mrch ments^ ' sondern auch/durch den Beschluß M MinHer- Präsidenten, des!8aMo?MKfi^ent^^E des Präsidenten des Stoatsrates hsrbeigsführt werden kann. Die Wirtschaftsverhandlunge« mit FranL reich. Berlin, A. JSnmer. Wolff.) In der heutigen SitzM des Reichskabmetts erstattete Staatssekretär TrendelonbMg Bericht über den Stand der deutsch-svantzösischen HändelsvertragsverhanÄlungen. Es wurde beschlossen. die Verhandlungen mit dem Ziele.fortzusetzen, bei einer definitiven Regelung für deutsche Waren die Meistbegünstigung zu erreichen. Ludendorff geht. Ratürlich mit B-rL-h-lt. Berlin, 81. Jänner. Das „Berliner Tageblatt" mM>el aus München, daß General Ludendorfs mit. Hitler eine Vereinbarung getroffen habe, daß die von den Mgeordneten Ludendorff, v. Graefe und Straßer gebildete Reichsführerschast der uationalfoZialistischett Partei zurücktritt, sobald Hitler wieder die Führung übernimmt. Sudendorff behalte sich jedoch jede anderweitige politische Tätigkeit auSdrüMch vor. siert und steckt in einem wirren Nest von Konflikten bald mit England, bald mit ihren Randvökkern und Nachbarn. Der Datpes?Pla.n hat. die Reparations-, besümmungen Verbeffert, a'ber nicht die innere Atmosphäre Deutschlands. Kein Staat ist von Krisen verschont, und es gibt sicherlich Regierungen, die heute wie früher den außenpolitischen Streit als Mlenkuna für innere Schwierigkeiten herbeiführen wollen. Ihnen allen kommt der Nationalismus zugute und sie benützen ihn gerne als Stürmbock, um unbequeme Kritik zu erdrosseln und die Kontrolle der Dmnokratie durch den - pr^"kanten und ewig lauernden Patriotismus der PhLo.se' zu erschlagen. Das bequemste Objekt dieser Gelüste ist in allen Ländern die jüdisH'Minderheit, und sie tragt eine Last, unter der ein Bow von geringerer Vitalität schon längst zusammengebrochen wäre. Sie will diese Bürde nicht mehr Meppen. Und es ist merkwürdig, daß ihr alle Gegenwehr' als mangelndes Staatsgefühl angekvoidet wird und daß die Demagogie aller Nationen darin einig ist, diese Minorität zuerst mit allen Verbrechen bodenständigster Marke zu belasten sind ihr durch einen mit gleichem Willen, in gleichem Tempo und nach gleicher Methode geführten Bermchtungskampf auch den Widerstand unmöglich zu machen. Auf diesem Gebiete wirkt sich eine Internationalität aus. die bei der Heilung der seelischen und materiellen Kviogsschäden vermißt wird. * . Diese Sünde wider den Verstand trägt ihre Strafe in. sich. Die Geister, die gerufen wurden, lassen sich nicht bannen. Für den Augenblick mag sich-der mörderische Egoismus der imperialistrschen sind chauvinistischen Elemente für befriedigt halten, wenn^ er sich aus den Protokollen der Weisen von Zion seine. Ideen holen kann. Er hat die Gesetzgebung auf den Haß gestellt und erzeugt Haß. Aber die Rechnung wird schon präsentiert und sie zeigt, daß der Nationalismus eine sehr teure Methode ist. Der Nationalismus Europas hat seine Funken über den Orient geworfen,-der Nationalismus Amerikas führt Japan und Rußland zusammen. Auf diesem weiten Boden reifen Möglichkeiten, die schon aus der letzten Rede Herriots schimmerten und die den Größenwa-hnsinn der europäischen Hetzer ftirchtbar ahnden werden. Es ist ein Asiate gewesen, der von den Kindern und ihrem blutigen Spiele sprach. | Wegen Auflassung dieses Artikels werden Herren- V und Damenschuhe in Serien von I b's ViU zum ♦ Preise von K 88.000 bis IC 180.000 verkauft VI.Bez.Luk« W1MZ8Ü9 44

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