Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2136 (30.1.1925)
- Date
- 1925-01-30
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Wien: Zorn Abhotoe in der ExpedHion. IL Tabor str. 1-3, oder bl efiärVertehferaitene (Ttafifct monatl. K 50.00« Straasenverkanf in Wien «Ktreb die Kolporteure der Finna Goldschmied, 1.8er. Wollteile 11 Mit Postversand für Wien u Oeiterr. monatl. K 50.001 Tache e *> o-S I owa V: e i Mon. K 22 Ingoslawien Mob. Dinar 60. P o len t Mon. 4 Zloty, Deotaehland: Mon. Goldmark 4, F ran kr,, Belgien: Mon. Fres. 18 MT Naebtab aa?ea MV b«f Pretwhnknnrar» varSaViatfeu Wiener Rr. 21S6 Wies. Freitag, 30. giianer 1828 Kurzer Aulenthalt in Wie». — Ser Zionismus in Rumänien legalisiert - Re Stellung des Milans. RahurnSokolow hat fein« große Profxrganda- Seife durch Alt.- und Neurumänien beendet und traf auf der Rückreise nach London gaste rn. um halb 6 Uhr früh im W'ener Ostbahnhof ein. Mit dem-um 7 Uhr früh vom Franz-Jofafs--Bahnhof abgchenden ZuM fetzte er die Reife fort, konnte sich ^also nur ganze kurze Zeit in Men auf-- halten. Der Präsident der Zionistischen Exekutive wurde von Delegierten der österreichischenzionistischen Leitung erwartet, die bis zur Weiiterveise in ferner Gesellschaft Weben. Einer unserer Mitarbeiter nahm Gelegenhoit, mit Nahm« Sokolow. über, die. Ergebnisse. und' Eindrücke se'ner großen, wie man fetzt schon weiß, für die zionistische Bewegung und für-das wichtigste Fmanzinstrument des Aufbaues der Heirnlstätte, den Keren Hajesfo-d, sehr erfolgreiche Tournee zu sprechen. Herr Sokol-ow drückte zunächst seine Freude über den Wärmen Empfang aus, der ihm inrf der Durchreise durch Budapest von Zionisten bereitet. wurde. Trotz der späten Nachtstunde hatte'sich sine Abordnung von mehr als. hundert Personen unter Führung-von'Dr. L ste re r eingefunhen.-Rach der Begrhßung - fand eyr- P re f s.e e m p f a n g- 'r-m Wartesackl. statt. Svkvlriw.'M--dyn Bertdetern der Budapester 'Presse Auskunft ÄLer-alle-gewünschten Fpagsn -,Md-sprach insbe-, z « ch l-p n i s MÜL tr nb ' d/ew^.P fl i chte n - dß-.s Glt.ä.ch't s h ü r.g e r' s sein e'm L'ä n d e g eg a n ü 6 e r - niem-äls ein Gegensatzbestanden habe und «-«-leie ke i n e r B o ra u'ss«tz'chng.' eutsteh e n konnte. Bezeichnend ist, daß'-b-'lc’ üngarischen'Zionisten ganz besonders unser j ü d i sch e r Gegnerschaft leiden, wofür die zionistischen Wortführer Hörrn,'ÄoHÄÜW. viele unerquickliche Beispiele aus der jüngsten-Zeit-auzusührLN be- -müfsigt. waren. Ueber die Mion m Rumänien. äußerte sich -NahumSoikvlow inr wcsentl'ichün! wie folgt: ,^Fch kehre mit Genugtuung aus Rumänien zurück. Es ist g^ungen, die zionistische Bewegung zu legalisieren, und es ist wohl überflüssig, auf die Bedeutu-ng dieser Tat- ' -fache' beson,ders hinzuweisen. Ich sprach' mit dem König, dem Kronprinzen und mit dem Außen-mm-rster D u c a über das zionistische' Werk' und wurde 'mit'Ernst' und Ante reffe angehört. Die Folge' dieser wiederholten Änsfprachen war die bekannte - ' Deklaration Dueas, ücher deren WichtiMitdie.bveitefte OeffentliWeit aufgeklärt werden muß. Mmmmeü /gibt - in 'dieser .DÄllaration ku-nd, daß' dieser Staat „als Mitglied .des Völkerbundes alle Arbeiten zu fördern gewillt ist, welche, dem Aufbau von Erez Israel gelte n. ' Es erging auch sofort eine entsprechende Instruktivn an die Behörden des ganzen Landes. Die Wirkung hat sich bereits ‘frei meiner Tournee gezeigt, über deren Verlauf die Leser Ihres Blattes.informiert sind. Ich möchte bei dieser Gelegenheit nur. betonen, daß die Nachrichten einiger . Blätter, -tu eine z i on ist i s che Tätigkeit in TranssYlvanien sei behindert worden, nicht richtig find. (Die bezügliche Nachricht war von dem Ungarischen Te^egraphen- Korrejpondeuzhureau versendet worden. Red.) Es konnte das ganze vorgesehene Programm albgLwickelt werden. Bloß die Massettversammilung in Temesvar durften die Veranstalter nicht abhalten, und zwar aus dem Grunde, r»?il' das T c l e g r'ci m m der Reg r c r u n-g, welches die Bewilligung -des- Äleetings enthielt, - leider verspätet e hn langte. Dafür fand in DenreKvar-ein großes Bankett statt, an dmt Juden aller Richtungen und zahlreiche Telegätipnen aus' der' Pvoivinz Iviln-ahniM und das übrigens einen sehr - ansehnlichen Erfolg an -Zeichnmlgen für den Keren Hajesiod'.hattc. In - K l a u s e n b u r g und G r o ßwarde in lvqr die große.zionistischeMtion trotz des über ganz Transsylbauieii verhängten A n s n a h m sznstand«s vollkommen unbch'mdett. Besonders muß ich msinc erfolgreiche. Temesvarer Aussprache mit den Vertretern der extremsten Orthodoxie hervovheben." In größer Bewegung sprach Nahnm Sokelow von seinem Aufenthalt in Krschinew: ,^Jch war -das letzte Mal '» 'dieser "Stadt nach dem: furchtbaren Pogrom im Jahre 1905 und.leitete damals die Hilfsaktion. Als ich jetzt wieder &rm, wqr tatsächlich die ganze jüdische BevöMerung auf der Straße und auch die nichtjüdische - BevÄlevuug nahm an dem Empfang.teil. Die Begeisterung der Menge, die Beweise von 'Liebe und die KundgLibungen für unsere große Sache -waren wirklich bezwingend. Ich erlebte in dieser Stadt des. blutigsten! Pogroms,.-der einstigen Schändung jüdischen Lettens und jüdischer Ehre, eine herrliche Manifestation des neuen jüdischen Lebens, -und ich.-war so erschüttert, daß ich von Kischinew ans an Lord Balfour einen Brief schreiben mußte." .. > Bezüglich bft aktuellen.Fragen der ziouMchen Politik verwies Hexr-Sobölow darauf/daß ^ichlerst jüngst der Präsident der zionistischen Weltbe.W'egung, Prof. W.eiz-. m.a n n, -in.Wien, über.Äsese. PieoWeme. elyMend geäußert . habe,.?Rur' lag. es, Herrn Sakoloch am Herren, im letzten ApgenbUS,MchiiMiM-Wrie..Äqri-...'i.' znä-dNL .MoMvw: Hat iWKMch Äurch-H^näte in Rom geweilt n'M es.gelaing ihm bekanntlich, den Vorgänger des - gegeuwärtkgen Papstes-für dw zi-onMsche Arbeit in Palästina sehr günstig :zu stimmen.: Als - genauer Minner. dieses schwierigen ' und 'heiklen Problems ist Sokolrwüberzeugt, daß: durch' Aufrechterhaltung der Kontinuität solcher auf* klärender ernstlicher Bemühungen in Rom die a n t iz -i o n ist i sch e P o l i t i E des Vatikans allmählich schwin-, den müffe. - , Wiederholt gab . Herr Sokolow während dieser Unterredungfeinem Bedauern Ausdruck, daß es ihm diesmal nicht gegönnt sei, in Wien zu. verweilen und zu den Wiener Juden zu sprechen. Er de ^ach,' anläßlich feiner Fahrt nach Evez Is-räel, 'die er in kurzer Frist autvitt, für einige Tage' nach Wien zu kommen, um sich an der bevorstehenden großzügigen Keren-Käjessod?Aktionzu beteilige»!.. 8l« Telegramm Welzma««» a» Sokolow. Während seiner 2lnWesenheit in Temesvar erhielt Sokolvw vom Präsidenten der Zionistischen Welt- . ovgamsation Prof.'Dr. Weizmann das folgwide Telegramm: ... - , '. -/„Wir"freuen-uns sehr über Ihre sehr wichtigen Erfolge in^ Rumänien, die'die Grundlagen unserer Arbeit sichern, und allgemeine Sympathien erwecken. Ich hoffe, daß Ihr Besuch in Siebenbürgen aufs beste gelingen wird. Ich 'bitte, der Iüdenschast Siebenbürgens aus Anlaß der vertrauenerweckenden Erfolge unsere besten Wünsche zu übepmitteln. Ich danle Ihnen für Ihve^Grüße. i Meine nächsten Pläne sind n o ch n i ch t e n d g ü l t i g ststg^egt. Ich warte noch aus. eine Antwort aus. A m e r i k a. Was Ihre Reise nach Erez Israel betrifft, wird unser Bureau die Eiuzelheiten . rechtzeitig bskannt gehen. Deppschiereu Sie -nach Berlin -den Tag Ihrer Ankunft. Äeizmann." - Die Konstituierung des Mietenausschuffes mMuuge». Gestern Wie der 24glvedriige Sonderausschuß zur Beratung des Antrages -Fink betreffend die Ref o r m .d e s M ieteng e sc tz e § seine kotrstituierende Sitzung a-bhalten sollen. Die'Sozialdemokraten verlangten» daß ihnen -die Obmaunstelle überlassen werde. Da die Vre.hrheitspart?'7tt dies reicht zllMeherr wollten, verzichtete nran ans die Konstituierlmg und beschloß, den Streitfall einer O b m ci u n erkonfer c u z vorzttlegert, die am Dienstag stattfinde-» soll. Ln g!a n d: Mon. 4 Schilling, Italien, ^onot 18 irr, Üamatiiro Mon. 170ei, Bulgarien Mon. ^0 l ewa, Schweiz onH das ubri«-e Analand monatlich Frcs. 5. Redaktion o. Administration Wien!!., Taborstf. 1—3 ciephone: 14-0-38,43-3-19, AN6Uhr ahcia. 21 -102,25-282 IX. Universitatsstrasse 6—8 (Druckerei Steinmann) Oesterreiehisehes Postspar* Iraa«en - onto Nr 1 ^0.603 IW>W«>WDl»WWBW«»WWWMWW»WWWWIW>»«^ 7.?!nhrnnnn Der geistige Pogrom. —7. W i’ett. 30. Samtes. Der Präsident der Zionistischen Exekutive, Herr Sokolow, hat gestern in einem Gespräch mit einem Mitarbeiter der „Wiener Morgenzeitung" als einen der wertvollsten Erfolge seiner Reise die volle Legalisierung der Zionistischen Örgamsation in Rumänien bezeichnet. Da Rumänien dem Völkerbund angehort, konnte seine Regierung nicht länger zögern, aus der Stellung des Zionismus zur Liga der Nationen die notwendige legislatoriische Konsequenz zu ziehen. Die rumänische politische Oeffrntlichkeit anerkennt die zionistischen Verbände ihres Landes als einen vollberechtigten Teil ihrer gesellschaftlichen Struktur und läßt die aus einer böswilligen Propaganda stammenden Zweifel an der staatsbürgerlichen Glesckwertigkeit der Zionisten fallen. Die Botschaft, die der Außenminister Duca an Herrn Sokolow gerichtet hat, spricht -dies unumwunden aus. Gleichzeitig ist die nicht unwichtige Tatsache zu verzeichnen, daß die rumänische Regierung mit allen Mitteln, die ihr das Gesetz an die Hand gibt, gegen die Exzesse der Cuza-Studenten einschreitet und an den Universitäten dem Hakenkreuz die Staatsgewalt entgegenstellt. Dieser Entschluß der rumänischen Regierung, einfach das Gesetz anzuwen>den, steht in einem gewissen Zusammenhang mit der Legalisierung der zionistischen Arbeit. Wenn die rumänische Regierung dem weltpolitischen Gedanken des jüdischen Nnlkstums Rechnung trägt, so kann sie es nicht zulassen. : daß das Judentum ihres Landes in irgend einer Weise außerhalb-- des Gesetzes, gestellt wird und Rechte verliert, die Gr MiNtzMitLre Diskussion als.einer.Gr-rppL von- Einwohnern und Steuerzahilern zustehen müssen. : .Auch in Rumänien.wird -der exzessive Antisemitismus von der HochschuliNtelliaenz getragen, während die breiten Massen derbäuerlichen und industriellen Bevölkerung der-Iudenftage ganz unbefangen und ohne Vorurteil gegenüberst-ehen. Auch in Rumänien hat dieser Kanrpf gegen den jüdischen Studenten seine tiefen wirtschaftlichen Gründe. Es ist dort wie überall die Furcht vor dem zähen, lerneifrigen und geduldigen Konkurrenten. Der Staatsdienst kommt für den jüdischen Intellektuellen nicht in Betracht. 5>hm bleibt das Gebiet der Privaten Wirkung und hier i-st scheinbar ein Interessengegensatz vorhanden. Der rumänische Arzt, Rechtsanwalt oder Techniker hat zunächst die staatliche Versorgung: für sich.- Da aber nur ein Teil der von der Hochschule Kommenden auf diese Weise ab^orbie^t werden kann,-so muß zwischen Rumänen und Juden ein Wettbewerb entstehen. Hier kann nur die Persönliche Qualifikation, die bessere Beherrschung der Materie und die Tüchtigkeit entscheiden. Es liegt in der Natttr der Sache, daß.der rumänische Intellektuelle, de^en Bentfssorgen durch Temperament und chauvinistische Tendenzen akzentuiert werden, den Kampf mit aller Erbitterung führt. Dieser- Stimmrrna haben fi<*. wie in Deutschland, in Oesterreich, in Ungarn, rn Polen, die auch in Rumänien stets aktionsb"»e'wn Aoenten der demagogischen Reaktion bemächtigt. Was ihnen an zugkräftigen Parolen fehlt, das bezieben sie ""s D-utschland, der Mutter des wisiensch-astlich angestrichenen Hasses. Die Flugblätter der Hitler-Leute, die Dügenartikel der deutschen Pogrompresse wurden und werden pünktlich übersetzt und verbrei^t. Nach dontichem Muster ist der rumänische Fasn'Zmus oraonr'Ü'vt der so wie in'Deutschland seinen National'"''«ilisnitts nur in der antisemitischen Hetze. auslebt. Was ibr" Deuti'^laüd nicht liefert, das beüeht er aus der benachbarten Budapester Räuberzentrale. Die rumänische Reglerung setzt nun dieser planmäßigen Vergiftung des öffentlichen Lebens die Autorität ihrer Macht entgegen. Sie Hai erkannt, daß die Hetze niemals bei einer Minorität halt macht, sondern sehr rasch weiter greift und daß eine unterirdische Organisation, wenn sie schon einmal da ist, auch über den ursprünglichen Zweck hinaus ihre Kräfte zu regen versucht. Aber die Aktion der Regierung kann nur äußerlich. nur kalmierend wirken. Die Hauptsache hat die Gesellschaft selbst zu tun. die das in den Staatsorganismns eingedrungene Gift bekäntpfen muß. Es liegt in der Aufgabe der deniokratifchen und liberalen Elemente Runtäniens. der Gefahr vorzubeugen, die sich mit Polizeimaßregeln und Militär nicht bannen läßt. Es ist eine aeistige Seuche, die letzten Endes nur mit geistigen Mit