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Wiener Morgenzeitung · 1925-01-29 · Heft 2135 (29.1.1925) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2135 (29.1.1925)
Date
1925-01-29
Page
– (sequence 1)
Language
German
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iPoiew 20amnl Wien» Zum AhMea te d«r kapedhloa. II. Tetathr. 1*3* oder in einer Veraehleteatelle (Trafik) monetL K 50.000 Straaeenverkeuf ia Wien (fordi die Kolporteure der kv»a Goldschmied, 1.8er.. WoHzeile 11 Mit Poateereand für Wien v Gestern moaatL K 50.rrK Tacho«H o-SlowaLei Mob. K 22 (ovoslawien Mob. Diaar60. Polen: Mon. 4 Zloty, Deataehland: Mob. Goldmark 4, F r a a k rn Belgien: Mob. Prea. 18 »r Hi*hiiki«at«a MO bei rwImkülmiifiB wsrtatisltm St. 2135 Wiener BBasnr Wien. Sonnetstas. 29. gSnnrr 1925 I Pref» K g IOOI England: Mon. 4 Schilling Italien: Monat'. 18 ir?, Ramänito Mon. 170> ei, Bulgarien Mon. PO Lewa, Schwei* ond das ubriffe *"«land mon-tiich Frcs. 5. ' - ^r’-tior* n. A <Hm?nistratiou I2N. II., Taborstr. 1—3 : -'-phone: 44-0-38,43-3-19. A'^Thrabd« 21-102,25-282 IV. Un'versitatsstrasse 6—8 (TVuekerei Steinmann) O—*—-eichisehes Postspar* Nr l^o.^oz 7. snfmuntfl Re Fnlernallonale des Frieden. Herriot über das Genfer Protokoll. Pari-, 28. Jänner. (Wolfs.) In -er Kain- Jtet wurde die Generaldebatte über das Budget des Ministeriums des Aeußern fortgesetzt, ^nächst ergriff Ministerpräsident H e r r i o t das Wort und erklärte: Wir haben. unS in Frankreich bemüht, solide Grundlag e n für den We l t f r i c d e n zu schiffen. Dieser Idealismus hat in Genf den Sieg davongetragen. Wir haben in Genf dargelegt, daß Gerechtigkeit ohne Macht ohnmächtig ist und daß Macht ohne Gerechtigkeit zur Tyrannei führt. Im Protokoll zu Genf sind die Grundsätze niedergelegt, von denen sich Frankreich Leiten laßt. Der militärische Beistand ist von einer ganzen Reihe von Bedingungen abhängig gemacht Wochen. Auch Sanktionen sind möglich, vorausgesetzt -aß sie nicht gegen den Geist der gesamten Friedenspolitik verstoßen. .Frankreich hat den P a k t a l sersteMacht unterschrieben. Es erwartet nunmehr die Unterzeichnung auch der anderen Großmächte. Abgeordneter B r i a n d erklärte, er habe das Protokoll unterzeichnet und glaube, daß dies eine Tat sei, der er die größte Bedeutung beimesien dürfte. Die in Genf geschaffene Internationale der Nationen könne der Welt den Frieden geber Die deutschen Waffen. Im weiteren Verlauf seiner Rede gab MinisterprästtPnt-Herriot eine Uebersicht über die Wa ffe n v.o r rä te, die Lei dex Generattnjpektion in Deutschland!fu» bt» worden seien. DÄr Reichswehr hohe u ng es etz T ich zahlreiche. Fre i w illige ausgebildet. Deutschland - habe auch Reserven in Jahrgängen geschaffen, die. nicht ausgebildet werden sollten. Die Un iv ersitäten haben der Züricher sozialistischen Zeitung .Volksmacht" zufolge WerLeib u r e a u s für die Reichswehr geschaffen. Nachdem Deutschlands Vorschlag abgelehnt wurde, seine Armee auf 200.000 Mann zu erhöhen, habe man ihm gestattet, die-Ordnungspolizei' von 91.000 auf 150.000 Man» zu vermehren. Diese Polizei sollte aber Gemeindepoli z e i bleiben. In Wahrheit aber habe Deutschland die S i cherheitspo l iz e i ausrechtevhalten, sie alS Schutzpolizei ^bezeichnet und ihr einen militärischen Charakter verliehen. Die Schutzpolizei sei Lewa.ff n e t; und. sogar mit M a s ch i n e n g e w e h r e n Version.' Sie zähle 5 0 00 Offizie r e' der früheren Armee. Deutschland -Habe somit eine wahre Mklitärpolizei geschaffen. Es sei gewiß, daß ein großer Teil des Kriegsmaterials in Verstecken noch vorhanden sei. Der Arb« ite rbe sta n d in den M u n i ti on s fa Lrike n wurde allerdings um die Hälfte reduziert, aber auch -die kleinsten Fabriken haben ihre ' A n s r üst u n g v e r- ' bessert. . Herriot zitiert, dann General v. Seeckt. der von der Notw e ndigke.l t gesprochen halbe, für e i ne n k ü n f t i g e n K a m p f g e r ü st e t zu sein. Immer wieder zeige es sich, daß'die Vergangenheit in Deutschland aufftehe und auch d i e Z u k u n f t b e d r o h e. Die französische Politik wisse - Wohl' stets die demokratischen Parteien Deutschlands von den Parteien der Rechten zu unterscheiden. Leider sei es der Demokratie nicht gelungen, bei den Wahlen einen ausschlaggebenden Sieg zu erringen. - ' Keine Qreoort auf d!e letzte deuMr Note. London, 28. Jänner. Nach ein»r Meldung des Reu-terschen Bureaus.ist man hier der Ansicht, dß die d eu tsch e A n twort aus die Note der'Alliierten in ke-"^r Weise die allgemeine Lage berühren würde.!T\m macht alle Anstrengungen, um den v o l l st ä n d i g e n B e r i ch t der Kontrollkommission rasch zu erled'g:^, nm Deutschland mitzuteilen, was ihm noch zu tun übrig bi-K". Bis dahin «werde wahrscheinlich kein Schriftwechsel erfolgen. e:«e interaattoLple VMM Genf, 28.. Jänner. (Schweiz. Dsp.-Ag.) Der Generalsekretär des Völkerbundes,^ Sir/ Eric D r u m m o n d, richtete iu der -Angelegenheit der Pässe ein Rundschreiben an die T/ransitkammissian . und einen F r a g e b o.g e n ast die verschiedenen Regierungen. Es handelt. sich darum, die Diskussionsgrundlage für die Avsbiten einer inte r n a t i o n a l e n K o >n f e r e. n z zu .schaffen, die, wenn-möglich, im. Laufe des Jahres 1925 zusiun-mentveten wird. Die Transitkommifsion.ersucht die verschiedenen Regierungen, anzugeben, wie die; Paßverhältnifse in ihren Länderii geordnet seien und welche Verbesserungen im gegjWwäMgemHnsstmd im Jnteres^ d^'-P^hrsfrech^^ Nah«« Sokolow in Wien. Das Zionistische. LandesVomitee. für Oesterreich erhielt die telegraphische Mitteilung, daß Nahum S ok o l ow. heute Donnerstag um halb 6 Uhr früh in Wien eintriffb und nach ' zweistündigem. Aufenthalt weiterreist. Sokolow kommt mach Abschluß, seiner erfc^reichen. Pro-pagandarerse durch Rumänien aus Demesvar und kehrt n a ch London zurück. Mitglieder der Wiener zionistischen Leitung werden Sokolow empfangen.und bis zur Werterveist in feiner Gesellschaft verbleiben. Sokolows Klausenburgev Bortrag. Aus Klauistnburg wird uns berichtet: Wie bereits gemeldet >wu-rde. halben Verfügungen der Behörden, welche gegnerische Dömonftrationen befürchteten, es der Mischen Bevölkerung von Klausenburg u n.m ö.g l i ch gemacht, dem Präsidenten der Zionistischen - Moltorganisation einen Empfang in den. Formen zu bereites wie sie ursprünglich in Aussicht genommen waren. Aus diesem Grunde wurde die Konferonz in der großen Synagoge Poa'le Ze de.k„abgehalten. Die Synagoge war von Vertretern aller jüdischen Parteien übevfüllt. Sokolow hielt eine große Rede über die notwendige Einigkeit und Einheitlich-ke it der jüdischen Arbeit für das gemeinsame Ziel:. E r ez.I s r ae l. 8ude« und Srieutvöüer. Sine tzrorlouMche Gesellschaft in Schaustzak. In Schanghai hat sich eine prozionistische Gesellschaft aüS C h i n e s e n, I a p a n e r n» P e r s e r n, H i ndns and Moslemiten gebildet, deren Grundidee es ist, daß die Juden «ach A s i e n z u r ü ck k e h r e n sollen, um unter den übrigen asiatischen Völkern ihre alte Heimat aufzubauen. Die Gesellschaft geht daran, Zweigörganisatloneu in ganz Asien zu bilden. Der Delegierte des Keren Hajcssod für den fernen Oste», Dr. Ariel Benz io«, nimmt eifrig an der Bewegung teil. Dr. Benzion, der selbst ein orientalischer Jude ist, hat bereits im Interesse des Keren Hajessod lveite Reisen durch Persien, Mesopotamien und Indien gemacht. Er widmete sich der Aufgabe, die geistigen.B.ertreter der asiatisch en Bölker für die Sache des Zionismus zu iystress'eren. Auf der Gründüngsversammlung der Gesellschaft führte Dr. Benziou aus: Ich bin glücklich, hier Asiateu versammelt zu sehen, Gläubige der Bibel, des Korans, der Glaubenssätze der Upanishad Bedas, Zend-Avesta und Pao teh King. Wir sind hier versammelt, um den Grundstein zu einer Organisation für das Wiederaufleben der jüdischen Kultur in Palästina zu legem Einem unterdrückten Volke soll das Glück wiedergegeben werde«, das chm genommen war. Wepn einst Israels Kultur in Palästina ein neues Leven beginnt, so werden Schöpfungen hervorsprietzen, die den Juden und Arabern zugute kommen werden. Mö^e der Geist der Propheten des Ostens über nnserem Werke fein! an tlel reduzierten Preisen im Warenhaus Bildung und Antisemitismus. 8t. W r e n, 29. Jänner. Die Antisemiten-prozesfe der letzten Zeit lassen deutlich erkennen, welche Gesellischaftsschichte die Trägerin des Judenhasses ist. Der Antisemitismus wird mcH in Kutscherkneipen und Vorstadtcafes gemacht. Die Leute aus diesenr Milieu stehen äiußerst selten als antisemitisihe Exzodenten vor den Gerichtsschranken. In der Regel sind es Angehörige der gebildeten Stände, Akademiker hoher und höchster Grade. Zwei rerchsdeutsche Antisemiteniprozesse jüngsten Datums bieten ein anfchauliches Beispiel. . Ein Professor einer höheren Breslauer Bildungsanstalt hatte in einer Versammlung dargelegt, daß die jüdischen Religionsvorschriften ihren Anhängern gebieten, kleine Christenkinder zu schänden, und er hatte die Anwesenden unter Berufung auf diesen Umstand zum Pogrom aufgefovdert. Im zweiten Falle handelte es sich um Zerstörung. Schändung und Ausplünderung einer Synagoge. Ein Ingenieur, ein Bank-- becrmter, ein Hochschüler und der akademisch gebildete Vertreter eines großen Jndustriekonzerns waren die Täter. Die beiden Fälle sind nicht willkürlich hevausgegriffen-^ Kuriositäten. Wer die Berichte über Antisemitenprozesse regelmäßig verfolgt .muß zu dem Schlüsse kommen, daß. die höchsten Bildungsanstalten als Brutstätten des bösartigsten Judenhasses anzusehen sind. Wenn hie und da ein „gemeiner" Mann wegen eines, antisemitischen Vergehens Rede stehen muß, handelt .es sich gewöhnlich um irgend einen Raufhandel oder stratron. Ausgeklügelte, systematische, besonders giftige und rohe Ausschreitungen kommen immer nur in „gebildeten" Krei-seu vor. Da nützt kein Drehen und Deuteln. Bildung und Antisemitismus in Wort und Tat stehen in einem geraden Verhältnisse. „Antisemitismus ist Pöbelgesinnnng." — „Ein gebildeter Mensch kann nicht Antisemit sein." — „Antisemitismus ist bildungsseindlich." — „Bildung und Antisemitismus sind unverträglich." — Einige hundert solch putziger Sprüchlein bilden den Wehrschatz der Assimilationsjuden. Liberale Kanzelredner. Politiker und Journalisten leierten sie jahrzehntelang bis zum Ueberdrüß herunter. Noch heute steht in weiten jüdischen Kreisen der Glau'be unverrückt fest, daß Unbildung das Fundament des Antisemitismus ist. Die Zähigkeit, mit welcher an dieser Formel festgehalten wird, ist staunenswert. Die Ursache mag einerseits daran liegen, daß sie die Eitelkeit des jüdischen Spießers wohlig kitzelt. Sie enthält Schmeichelhaftes für den angegriffenen Teil, die Juden, und Erniedrigendes für die Angreifer, die Antisemiten. Dann aber daran, daß die Formel nicht nur schön, sondern auch bequem und billig ist. Sie verpflichtet das jüdische Individuum zu nichts. Man bmucht sich nicht den Kopf zu zerbrechen und nach den wahren, so mannigfaltigen Gründen der ungeheuren Haßerscheinung, Antisemitismus genannt, zu forschen. Man braucht keine Opfer für die Sickerheit der jüdischen Gemeinschaft zu bringen. Man hat es «ich: nötig, die jüdische Solidarität zu betonen und zu beweisen. Kurz, man braucht nichts zu tun, was Mut, Charakter und Selibstkritik erfordert und auch noch Geld kostet. Nur hübsch warten' Die „Bildung" wird alles, -alles besorgen! Dank der schönen Formel kann das jüdische Individuum, das zufolge irgend eines Zufalles vor antisemitischen Exzessen bewahrt bleibt, untätig und ruhigen Gewissens dabei stehen, wenn der Judenhaß w>ütet. . „ Die Forniel „Antisemitismus ist gleich Unbildung ist lächerlich und gefährlich. Lächerlich, weil sie in wahrhaft groteskem Gegensatz zur Wirklichkeit steht. Goethe, Grillparzer. Wagner waren iurmerhin „gebildete Menschen und von der Kultur etwas beleckt. Der eingefleischteste Assimilationsjude wird das zugeben müssen. Das hat sie nicht gehindert, kräftig antisemitisch zu fern. Die Angeklagten in den erwähnten Antisemiten-; Prozessen die' Professoren der deutschen und amerikanischen Universitäten können, was Vorbildung betrifft, den Vergleich mit den Ausschußmitgliodern der Vereine nur' Abwehr des Anti'emitiSmus in Krotostlun, namwi« II. Taborstraße 48 Tolouhon 47-1-7? rn gros kn umemsemaem [Schiffmann i

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