Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2134 (28.1.1925)
- Date
- 1925-01-28
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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rpä'ign zffümnl Wien: Zorn Ahholeo in der Expedition, II. Tahorstr. 1-3, oder in einerVerschleisatelle (Trafikl monatl. K 50.000 Strasaenverkauf in Wien dnreh die Kolporteure der Finne Goldschmied, 1. 8er., Wollzeile 11 Mit Poatversaml für Wi«-«, > Oesterr. monatl. K 50.00'. feehech o»S I ow* k e i Mon. K 22 ln?oslawien Mon. Dinar bv. Polen: Mon. 4 Zloty, Deutschland. Mon. Goldmark 4, F r a n k r., Belgien: Mon. Fres. 18 Wiener orgtlyrilung M* NiehtabloBrea bei Pr«t»erVRbnn»en Vorbehalt«* Jlr.2184 Wien. Mittwoch. 28. giknner 1925 England: Mon.4 Schilling, 11 * 1 i e n: Monat'. 18 ■ irr, Rumänien Mon. 1701 «i, Bulgarien Mon. HO l ewa, Schweiz and das iibrisre Ansland monatlich Free. 5. "’edoktio'nn Administration Vien. II.. Taborstf. 1—3 clephone: 44-0-38,43»3*19. A’.6ührahds 21-102.25-282 IX. Universitatsstrasse 6—8 (Druckerei Steinmann) Oeaterreiehisches Poetsparica«sen - ^onto Nr. 150.693 7. Safirmma Wölfe und Schafe. —y. W i e it. 28. Jänner. Die Demarche der Alliierten in Berlin zeigt deutsch das Bestreben, Zeit zu gewinnen und abzuwarten, ob und wie sich das Kabinett Luther in Deutschland wird befestigen können. Die Regierung hat im Reichs-- tag keine tvagfähige Mehrheit gefunden und findet keine Partei, die sich von Vorneherein zur Regierung stellt und sie deckt. Es haben sich .Herrn Luther zwei Zentrumsleute, ein Boltsparteiler, ein Demokrat zur Verfügung gestellt. Die restlichen Portefeuilles besetzten die Nationalen. Trotzdem aber erklären alle Parteien die Regierung nicht' als Fleisch von ihrem Fleisch. Der Demokrat ist von seiner Partei beurlaubt und die Demokraten haben, wie es deutschen Demokraten ziemt, gegen die Regierung gesrpochen, aber nicht für, nicht gegen sie gestimmt. Die Deutschnationalen haben sie freudig begrüßt, wollen ihr aber keine freie Hand lassen. Sie kümmern sich nicht um den Ministerratsbeschluß, der die Staatsform der Republik akzeptiert, und feiern in ihrer Presse den Geburtstag Wilhelms des Zweiten in dem festen Willen, die Kaiserstandarte auf dem Berliner Schloß aufzuziehen. Das Zentrum hat für Luther gestimmt; aber da dessen Name allerlei unerquickliche Reminiszenzen weckt, hat die Partei kalt erklärt', daß das Ministerium ihre Politik zu machen habe. Weicht es nur um einen Zentimeter ab, so wird ihm das Licht ausgeblasen. Die Alliierten haben es somit niit einer Regierung zu tun, die so wenig verhandlünMähig W . wiedatz heutige' Deutschlarü) überhaupt. Die Zmanvmensetzuyg der Regierung entspricht fast haargenau der Stellung der bürgerlichen Bevölkerung zu der Frage Republik oder Monarchie. Eine kleine Minorität, Demokraten und Zentrum-(die letzteren aber nicht so vom Herzen), sind für Weimar. Der Rest ist national, also die große Majorität. Er steht auf dem Boden der Tatsachen, hat aber diesen besagten Bcden grüMich unterhöhlt, so daß er jederzeit einbvechen kann. Tie Verhältnisse sind labil geworden und die Vorgänge im preußischen Landtag sind eher Anzeichen für einen mit stärkster Kraft sich vorbereitenden Stoß der Reaktion. Mit wem soll also die Entente sprechen? Sie mag der Ansicht sein, daß der nationale Kurs vom Zentrum nur in der Absickll zugestanden wurde, damit die Parteien der wirtschaftlichen Unzurechnungsfähigkeit sich bei der Einrichtung der Dawes- Berpflichtungen politisch ausgeben und die programmatische Hohlheit selbst enthüllen. Dann wäre der Weg für das Zentrum, vielleicht sogar für die republikanische Konzentration mit den Sozialdemokraten frei. Aber es kann auch anders kommen. Die Deutschnationalen wollen die Macht: politisch für die Hohenzollern, die Wettiner, die WittelÄbacher und für die sonst noch des Tages harrenden sechsundd^eißig Monarchen; sozial für die Regievungsräte, die Oberpräsidenten, die Studienräte, die Generale und die ■ Burschenschaftler; wirtschaftlich für die Wuchererfront der Großagrarier und der Schlotbarone mit oder ohne Adel. Und in der Erreichung der Ziele dieser Trias kennen sie keine Hernmung. Sie werden den iimeven Konflikt mit allen Mitteln, mit den gröbsten Kniffen der antisemitischen und chauvinistischen Demagogie erweitern und das Reich siir den Staatsstreich sturntreif machen. Das ist die Aufgabe des überparteilichen Reichskabinetts und es kann leicht geschehen, daß der Weg auch für^ das so schlaue Zentrum verlegt wird, das ja heute schon gespalten ist. Der Demokrat Koch hat die Nationalen als Schafe im Wolfspelz verspottet. Das'ist so richtig und wahr, wie die ganze Demokratie der Fustizräte und Professoren. Die Wölfe haben die. Haube der Großmutter Rotkäppchens angezogen. Die innenPolitiscl)en Voraussetzungen einer Restauration werden jetzt geschaffen. Sind sie erreicht, dann ginge es an die außenpolitischen. Die liegen in einem siegreichen Krieg. Dazu die Beteuerungen der Abrüstung mit der Waffenherstellung im besetzten Gebiet, dazu die Verschleppung der Verhandlungen über die Kölner Zone, dazu die Eide aus die Verfassung der Republik. Die Nationalen wollen Zeit gewinnen. Aber die Alliierten auch. Neuer großer 2;de«Iauf in km Israel. 80.CC3 ^unam zwischen Haifa und Ekron. (Elgend»enst d«r „Die:""'Mo-genzei^mg") Jerusalem, 26. Jänner. Wie Ihr Korrespondent erführt, hat Dr. Nu pp in soeben den Kauf v.i 80.000 Dunam Boden zwi'chen H a i f a und E krön abgeschlossen. Diese bedeutende Neuerwerbung von Be^n arrondiert den. jüdischen Bodenbesitz in der Gegend von Haifa in ansehnlichem Matze. Nach den letzten M<dnngrn wi-b Lo*d C o I f.o u t, welcher der am 1. April stattsindrn^n Eröffnung der hebräischen Universität in Jerusalem beiwohnen wird, am 15. Marz in Erez Israel erwartet. Ne Bewässerung von GrKreh. Ein anglo-agyptischer Kompromitzvorschlog. Kairo, 26. Jänner. (Wolfs:) Notenwechsel zwischen Ziwar Pascha und Lord Allenby über die Lage der Bewässerung von G e s i reh ist jetzt veröffentlicht worden. Es gsht daraus hervor, daß sich Großbritanmren unter der Voraussetzung, daß .es der L o n.d o n e r R e g i e r >u n g freiftche, ein unbegrenztes'Gebiet im Sudan zu bewässern, . aus Ersuchen des ägyptischen Ministerpräsidenten zu dem Zugeständnis bereit erklärt hat, daß ein aus dem holländischen Ingenieur Cremers, einem britischen, uiwd einein ä ghp t is chen S a chve rst'änd igen bestehender Ausschuß einen.'Plan Vorschläge,' der die Durchführung, der Bewässcru.ng.. un'tervAbler Berücks-ichLigung dyr äg yM ifchen Int ti ess ett7 evmöMcht.' (Wie schon mehrfach herüorgehoben wurde, bildet die Frage der B e w äffe rung des Gebietes von Gesireh den wichtigsten Streitpunkt zwischen England und Aegypten. Nach dem alten anglo-ägyptischen Vertrag über den Sudan'durfte das Gebiet von Gesireh nur ,zu einem Dreißigstel bewässert werden. England verlangt aber für die großen Baivmwollplantagen, an denen die City von London interessiert ist, die Aufhebung dieser Beschränkung. Das von Lord Allenby vorgeschlagene Uebereinlkommen bedeutet vollständige Durchführung der englischen Forderung. Die Red.) - Bethlens Protest gegen die MilUSrkonttoAe. Ludapeji, ' 27. Jänner. (Ung. Tess.-Korr.-Bur.) Im auswärtigen Ausschuß der Nationalversammlung legte heute Ministerpräsident Graf B c t h l e w die b e i d e n Noten rm Wortlaut vor, die zwischen der ungarischen'Regierung und dem Völkerbund r a t c airläßlich der römischen Tagung des letzteren in der ersten Dezomberhälste in Angelegenheit der militärischen Kontrolle gewechselt wurden. In einer Note hat die ungarische Regierung "unter Hinweis daraus, daß Ungarn sich' als den übrigen Mitgliedern des Völkerbundes gleichberechtigt 'betrachtet, Einspruch dagegen evhobeu, daß der Völkerbund in die m r l i t a r i s ch e ' Kontrollkommission außer den Vertretern der großen Entente auch B e rtreter der kleinen Entente entsendetund keinen Vertreter «des in dieser Frage interessierten ungarischen Staates zulasse. Die ungarische Regierung verlangte eine A bä nderun g dieser Verfügung. Die Antwort des Völkorbundrates versichert zwar, daß die Rechte Ungarns aus dem Fuße vollkommener Gleichheit zur Anevkennmig gelangen werden, lehnt jedoch auf Grund . des Gutachtens einer Juristenkonmnffion das Ersuchen Ungarns ab. Gras Be-chlen eMärte in der heutigen Sitzung des Außenausschusses, daß die ungarische Regierung die Angelegenheit mü diesem Notenwechsel natürlich nicht als abgeschlossen erachte. Die ungarische Regierung werde im geeigneten Zeitpunkt entsprechend der Politischen Lage ihre künftigen Schritte unternehmen. ver ungarische BölkerbundlommIffSr erlrankl, Budapest, 37. Jänner. (Tel.-Komp.) Der Gesundheitszustand des erkrankten Völkerbnndkommissärs S h m i t h hat sich vers ch l e ch t e r t.' Gestern fand im Sanatorluin, wo Mr. Smith behandelt wird, ein ärztliches Konsilium statt. Ser Sksola der großdeutschen Pilgerfahrt. Scharfe Drohungen des „Temps" gegen Oesterreich. (Eigendienst der „Wiener Morg'nzritung.) Paris, 27. Jänner. Der „Temps" beschäftigt sich an leitender Stelle mit der Berliner Reise der beiden großdeutschen Wanderburschen Frank und D i n g h o f e r und richtet in diesem Zusammenhang eine ernsteWarnung an Oesterreich. Alle Anschlutzbestrebungen. 'chre'bt das offiziöse Blatt des Quai d'Orsay, müssen bei den Alliierten das schärf sie Mißtrauen erwecken. Die österreich sche Regierung täte gut daran, diesem Umstande Rechnung zu tragen. Es sei bedauerlich, daß die Unterhandlungen in Berlin auch von einer Persönlichkeit geführt wurden, die einer früheren österreichischen Regierung angehört habe. Wien dürfe nicht de» Fehler begehen, sich aus We^ des offenen oder versteckten Llnschlus^es an Deutschland zu begeben, denn ein wirtschaftlicher Anschluß wäre nur das Vorspiel zur politischen Vereinigung. Mit einem solchen Abenteuer, bei dem die Alliierten eines Tages vor vollendete Tatsachen gestellt würden, würde Oesterreich seine Existenz aufs Spiel setzen. Es würde damit einen wahren Selbstmord begehen, Oesterreich kämpfe allerdings einen schweren Existenzkampf. Es gebe aber noch ein Mittel, um aus den gegenwärtigen Schwierigkeiten heranszukommen, und das wäre -er , . wirtschaftliche Zusammenschluß der Nachfolgestaaten. Nur darin müsse Oesterreich sein Heil erblicken, nicht aber in der. Vereinigung d m Deutschen Reich, die den Friedensverträgen z u w i d e r l a n f e und von den Alliierten niemals gchuldet würde. Die österreichischen Pangermanisten, setzt der „Temps" fort, hatten offenbar d'e Absicht, dem Gedanken einer Donaukonföderation durch den Slnschluß an Deutschland ^rvorzukommen. Dr. Frank und Dr. Dinghofer, die als Exponenten dieser Richtung nach Berlin gereist sind, seien ans diesem Grunde den alliierten Mächten, die die strikte Durchführung der Friedensvertr'ägc überwachen, im höchsten Grade verdächtig. Der „Temps" fordert zum Schluß die österreichische Regierung auf. zu der gaw en Angelegenheit, die in Paris das -lebhastestt Mißbehagen erwecke, in klarer WriseStellunggp nehmen. __ Der MatteoM-Proreb vor dem Staatsgerichts' hol. Rom, 27.-Jänner. Heute erfolgte die angekündigte Uebergäbe der gesamten aktenmäßigen Gutachten und Behelfe für die Untersuchung im M a t t e o t t i-P r oze ß von seiten des Untersuchungsdirektors an das Sekretariat der Sc^ n a t s k o m m i s s i o n als Staatsgerichtshof. Unter den Akten befindet sich auch ein großes Paket von Zeitungsausschnitten und anonymen Briefen, deren Zahl im Laufe der sieben Monate währenden Untersuchung mehrere Tausend beträgt. Die Neberführung erfolgte unter scharfen .Sicherheitsvorkehrungen. Ter Staatsgerichtshof hat heute den Direktor der „Tribuna" einvernommen. Ler PMdrnt der albanischen Republik. Belgrad, 27. Jänner. (U. T. K. B.) Aus Prizrend wird gemeldet: ..Die albanische Konstituante hat dem Ministerpräsidenten Achmed Bei Zogu zum Präsidenten der Albanischen Republik gewählt. Bombenattentat auf eine Synagoge. Das deutsche Vorbild für die litauische Kultur. Berlin, 27. Jänn-er. Dem „B. T." zufolge wurde tat Orte Liga bei K o w n o am Freitag abewds eine B v ui b e in die Synagoge geschleudert. Menschenleben sind u i cf) 1 zu beklagen, h ch wurde ziemlich großer Sachschaden angerichtet. Tie Banditen konnten entfliehen. Bett- und Tischwäsche KSBtt! Kann & Fried äÄÄ (