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Wiener Morgenzeitung · 1925-01-25 · Heft 2131 (25.1.1925) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2131 (25.1.1925)
Date
1925-01-25
Page
– (sequence 1)
Language
German
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IPo bw 20oroizi 1 Wien: Znm Ahhoten in der Eapediffon, fl. Tahorstr. t* *3v oder in einerVerachleisatefle (Trafik I monatl. K 50.000 Strassenverkauf in Wien durch die Kolporteure der Firma Goldschmied, 1. Bei. Woitieile II Mit Poatveraand für Wien n Oeaterr. monatl. K 50.00' Ta che e o*S Iowa k e i Mon. K 22 inpoalawien Mon. Dinar 60. P o I e n: Mob 4 Zloty, Deutschland Mon. Goldmark 4,5 rank Belgien: Mon. Fraa* 16 MT Nitkuhidtf«« “Wt M PntMiWiliinifM «aHwhwIii Wiener rmei MAMSTA« 1 1. Shbmar 1925 , Sämtliche X onterthamtäle gtowaw HAKOAH' MEDOUTE __ iifuiufen OTT 90ttdtn>moahranstaltei\ I x I ÖO England: Mon. 1 Schilling. Italien; Mona* *8 ite, R o m 3 n * e n Mon. f70 > ei BoUarien Mon.«0 I ewa, Schweiz und daa Obrifa Aiiefand monatlich Free. 5 Redaktion o. Administration Wien II., Tabofitr. 1—3 Telepnone: 44>u*38,43-5*19. Ah«Uhrabda 21-102.25*282 IX. Uni* ersitataetr aase 6—8 (Druckerei Steinmann) Oeeterreiehiaehee Poatapar* kaaaen K ontn M» 140.AVH Sr. 2131 fflten. Sonntag, 25. gSnner 1825 7. snhraang Der Geburtstag -es Völkerbundes. —V- Wien. 25. Jänner. Still und unbemerkt ist der fünfte Jahrestag der offiziellen Gründung des Völkerbundes vorbeigogangen. Bis auf einige englische Blatter hat die europäische Presie an dieses Datum nicht gedacht, das einstmals, vor fünf Jahren, mit so großen Hoffnungen betrachtet worden war. In dem Temagogenlärm, der die Wett erfüllt, bleibt wenig Raum für das, was der Völkerbund sein soll und als was er ged war. Er sollte das Gewissen sein, das sich nach dem veiten moralischen Vakuum des Weltkrieges in sein Recht setzt. Er war eine Idee, die zu festem, sicherem Recht geprägt werden sollte. Aber er ist im großen und ganzen nur Idee geblieben. Gewiß kann man sich nach fünf Jahren noch kein endgültiges Urteil über den Wert oder Unwert des Völkerbundes bilden und auch seine Schwäche in wichtigen fragen der internationalen Zusammenarbeit besagt nichts gegen die ethische Grundlage, auf der er sich erheben sollte. Auch hat der. Völkerbund noch nicht die stärkste Probe bestanden, große internationale Krisen zu meistern. Er hat Kleinarbeit geleistet, Nützliches und Gutes getan, viel Schädliches verhindert. Aber er ist über den engen, bescheidenen Rahmen in den fünf Jahren nicht hinausgetreten. Er Hai nicht die innere Kraft gefunden, seine Aufgabe vor den Instanzen zu vertreten, die ihn eingesetzt hatten. Er hat den Mächten nicht vorzustellen gewagt, daß die neue -Institution, wenn sie ihrer Pflicht gerecht werden. soll, über ihnen stehen müsse. Aber die Idee des Völkerbundes'hat ihren festen Sitz nur in Genf. In den Hauptstädten der Mächtigen tritt sie als vornehmer Fremder -auf, dem man höflich zuhört, um den man sich aber nicht, weiter zu kümmern braucht. * Der Völkerbund hat bisher nur Fragen geregslt, die in der Zeit der großen Probleme nur als sekundär gelten. Es hat Angelegenheiten behandelt, die von den Mächten gerne beiseite geschoben werden, sei es, um nicht kräftige, innere Widerstände zu Nacken, sei es, um nicht fremde Interessen zu tangieren. So mußte sich der Völkerbund darauf beschränken, die Opiumplage des Orients in erträgliche Grenzen zu bannen, dem Mädchenhandel entgegenzutreten. In der Flüchtlingsfrage hat er nur wenige zaghafte Schritte getan, weil dieser Elendkomplex aus nationalistischen Velleitäten entstanden ist und Gegenaktionen des Staatsfetisch ismus provoziert. Das Grundübel liegt eben darin, daß der Völkerbund heute noch immer nur ein Torso ist. Er ist ein Bund der herrschenden Staaten und der in ihrem Gefolge kreisenden Satelliten. Amerika, Rußland und Deutschland stehen außerhalb und deshalb ist die Liga der Nationen nur ein schwacher Versuch, Philanthropie aus Politik zu kristallisieren. * , Der Völkerbund muß, wenn er in das politische Bewußtsein der Menschheit eindringen soll, in seiner technischen Konstruktion geändert Iverden. Er ist eine Klassenvertretung und muß die Vertretung aller Nationen und Nassen werden. Seine heutige Verfassung ist eine Anerkennung des Prinzips der Staatsnationen, jenes Prinzips, aus dem der Krieg hervorgegangen ist. Dieser Grundfehler wirkt besonders eindringlich in seiner Stellung znm Kriogsproblem. Die Idee des Bundes ist der schärfste Protest gegen die heute noch übliche und anerkannte Methode, internationale Fragen, durch Anwendung von Gewalt zu lösen. Dies hat sich nicht bloß als unmöglich erwiesen, sondern es sind aus dem großen Krieg ganze Ketten ineinandergreifei'der Kon-ft'kte b»"vorgegangen, denen nur eine entschiedene, mutige, öffentliche Stellungnahme des Völkerbundes die gefährliche Spitze hätte nehmen können. Diese Streitfragen fließen alle aus dem gründlich verpfuschten Frieden von Versailles und sie betreffen fast ausnahmslos die politische und kulturelle Entwicklung der Minoritätsnationen. Vor dem Kriege hat Europa diesen Begriff kaum gekannt. Aber durch den Frieden ist er zu einem ständigen Punkt der Tagesordnung aller europäischen und auch amerikanischen Politik geworden. Alle Minoritäten führen, die einen mehr, die anderen minder, ein Kriegsdasein, alle haben ihr Vertrauest auf die Genfer Insti- Re rumüiMe Studenl enbewegvno. Zwischenfälle an den Universitäten Jassy «nd Czernowitz. — Schars« Maßnahmen der Regierung. Bukarest, 84. Jänner. (Ung. Tel.-Korr.-Bur.) Aus Czernowitz wird gemeldet: Anläßlich der Eröffnung der hiesigen Universität hat eine Gruppe von Universitätshörern die Eingänge zum Hochschulgebäude verstellt und den jüdischen Hörern den Eintritt «ninyglich gemacht. Die Studenten drangen dann in den Vortragssaal des Professors L ung a l a k ein und verlangten, daß er die jüdischen Hörer zum Verlassen des Saales aufford:re. Infolge der drohenden H a l t u n g der Studenten forderte der Professor die jüdischen Stutz e n t e n a u f, sich z u e n t f e r n e n. Als er über die Ereignisse dem Rektor Bericht erstatten wollte, hiuderien ihn die Studenten idaran, den Saal zu verlaflen. Zur Wiederherstellung der Ordnung mußten Polizei und Militär hevangez"gen werden. Nach Meldungen aus Jassy hat sich die Bewegung ü nt e r. de n S t u d e n t e n neuerlich verstärkt. Der Bund der christlichen Studenten unterbreitete dem Univevsitätssenat ein Memorandum, worin die B etz i n g.u n g.e n aufgestellt werden, unter denen die Ruhe und Ordnung an der Universität wieder hergestellt werden soll. Bor . allem wird die Einfilhrung des SttmterG^mW verlangt. - l- Der Senat Universität Jassy hat ben Minister des Innern ersucht, den-Bund der : ^iu^Ktntcn, der ohne Erlaubnis des Univepsitätssirnats arbeitet, aufzulösen. Das Ministerium des Innern hat nunmehr das Polizeipräsidium in Jassy Veauftv2gt, den Bund der /christlichen Studenten aufzulösen. 8er Mala von thtmSnien operiert. Bukarest, 24. Jänner. (Orient-Radio.) Heute ist an dem König, der an einem Leistenbruch litt, eine O p e r a t i o n vorgenommen worden, da die Gefahr einer Einklemmung des Bruches drohte. Die Operation verlief ausgezeichnet. Der Zustand des Königs ist vollkommen normal. Sin relegierter der BMerbnndro 1« Beßaravte«. Kifchinew, 23.,Jänner. (I. T. A.) Baron Berthelot, der 'Delegierte des Dö Herbundes, ist dieser Ta-?e in Begleitung eines Vertreters der Londoner „Times" in Kisch!new eingetrossen. Baron^Perthelot wird über die L a g e d e r I u d e n i n B e ßä r ofa i e n Untersuchungen anstellen. Er Le suchte die Mischen -Institutionen «nd wohnte einem Gottesdienst in der Synagoge bei. Snnvatse« neftorfeent Bancouver, 24. Jänner. (Havas.) Nach einer Meldung aus Peking soll der Präsident der südchinesischen Republik, Dr. S u n yä l se n, heute g e st o r b e n sein. (Sunyatfen war schon vor einigen Monaten totgesagt worden.) tution gesetzt und alle sind in diesen fünf Jahren nicht weiter gekommen. Alle versuchen, ihre Schmerzen dadurch zu lindern, daß sie sich an noch Wehrloseren zu rächen versuchen. Die schwächste Minorität ist die jüdische und sie ist h?ute in noch quälenderem Maße der Brennpunkt aller Haßempfindungen geworden. * Der Völkerbund hat in der Indensrage einen Weg zur Lösung beschritten, der ihm von dem Judentum selbst gewiesen worden ist. Er hat das Recht des jüdischen Volkes auf freie Entwicklung anerkannt und ihm keine vollständige Unabhängigkeit, wohl aber eine Heimstätte zugesprochen. Er mußte dies tun, weil seine eigene Existenz sich aus der jüdischen Weltanschauung herleitet, die dem Frieden zustrebt. Aber es ist der Zustand geschaffen worden, daß das jpdisüie Volk seine naturgegebenen Rechte nicht vor d"m Völkerbund selbst wahren kann. Es ist nicht vollberechtigtes MiWH, sondern muß seine Angelegenheiten durch einen Mittler wahvnehmen lassen. Daraus ergeben sich Komplikationen, Jnstanzenprozesse und Mißverständnisse. Sie Asouitli — Pair von Snnland. Der Führer der Liberalen zieht sich an« dem poNtt'chen Leben zurück. London, 24. Jänner. (Reuter.) Expvemierminister A s q u i t h hat die ihm vom König angeboten« P a i r Swürd« angencmmen und den Titel „Earl of Oxford" gewählt. (Asquich hat während f iner politischen Tätigkeit einige Make die ihm angebotene Erhebung in den Adelsstand ausgeschlagen. Daß er jetzt die PairSwüvde und den damit Verbund «en erblichen Sitz im Oberhause ann.?mmt, ist ein Zeichen dafür, daß er sich aus dem p kitischen Leben zurück'ieht. Dieser Entschluß des früheren liberalen Premierministers st ht wohl auch mit der jetzt in dre Wege geleiteten Reorganisation der liberalen Partei Englands zusammen, die unter der Leitung von Sir Alfred M o n d t betrieben werden soll und unter anderem de Aufbringung eines Fonds von einer Million P f.u n d für die nächsten Wahlen zum Ziel« hat. — Di» Red.) Da» Palastinamandat. London. 24. Jänner. Wie meiere Butter berichten, soll der englische Außenminister C h a m b e r l a i n den Unterstaatssekretar Ormsby Gore beauftragt haben, die gegenwärtige LageinPa l ä st i n a zu studieren und ein Referat-über dieeventuell notwendigen Derbes se ru ng e ntoder Ae nd-eru ngen der e ngl!-- i scheu Mandats Politik in P al ä st.i ua ausyu- ^avbeiten. ' " - - AesMen I« BerteMamg. Kairo, 24. Jänner. (Reuter.) Halbamtlich wird mit» geiei'lt, die Regierung habe, da Aegypten sich au? fein eigenes Heer zur. Verteidigung verlaflen müsie. be^ flen, einen Sirdar zu ernennen und die Verteidigungsmaßnahmen zu beraten. Die deatsch'franMkchrn Mrtfchaftsverhaadlunae«. Paris, 24. Jänner. (Tel.-Komp.) Die Uebersetzung der deutschen Vorschläge zu den Handelsvertragsvcrhandlungen mit Frankreich wurde heute beendet. Es geht daraus hervor, daß die deutsche Delegation die französischen Unterhändler um Aufklqrung über verschiedene unklare Punkte ersuche. Entgegen den peflimistischen Voraussagen, die in den letzten Tagen in der Presie und der Oefsentlichkcit laüt geworden sind, beurteilt man die Aussichten einer Verständigung heute wesentlich günstiger. Die Verhandlungen Deutschlands mit BeWen Brüssel, 24. Jänner. Die belgischen Delegierten für diedeutsch-belgischenWirtschaftsverhandl u n g e n sind aus Berlin zurückgekehrt, um der Regierung die V o r s ch l ä g e der deutschen Unterhändler vorzulegen. Am Montag wird der Ministerrat die Vorschläge prüfen und darüber beschließen, ob die Verhandlungen fortgesetzt oder abgebrochen werden sollen. können und werden behoben werden, wenn sich die jüdische Gesamtheit auf den Boden des nationalen Rechtes stellt und über alle Staatsgrenzen hinweg ihre Forderungen ProKamiert, als eine einheitliche Nation ihr ein>heitlick)es Recht und ihre volle Gettnng zu erhalten. Es ist kein Zufall, sondern historisch tief begründet, daß das Judentum, und nur das Judentum, überall, wo es lebt, für den Völkerbundgedanken mit seiner gatqen geistigen und seelischen Kraft eintrilt. In allen anderen Völkern zeigen sich Widerstände der politischen Psychologie, weil sie alle unter dem lähmenden Einfluß der militaristischen Machtidee stehen. Diese Hypnose kann nur der Völkerbund selbst bekämpfen, wenn er mehr Aktivität zeigt und aus dem Zauberkreis herauStritt, den die Staatstheorie und ihr eifriger Diener, die Geheimdiplomatie, um ihn gezogen hat. Der Bölkerburd bat dies bisber nicht gttvagt und es ist eine sonderbare Zier seines GeburtSsestes. daß selbst sein schwäch- Kind, die neue Abrüstungskonferenz, schon in de» Wiege asthmatische Beschwerden zeigt.

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