Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2130 (24.1.1925)
- Date
- 1925-01-24
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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IPo'bii 20Brom 1 Wien: Zorn AHHolen in Her Expedition. II. Taherefr. 1*® oder in einer Verschleisstelle (Trafik» monskl. K 5^.000 Strassen verkauf in Wien durch die Kolporteure de Firma Goldschmied, 1. Bc/ Wollzeile 11 , Mit Poatversend fiit Wien t<! Osstenr. monatl. K 50.00 Tech e e h o*S I owa ll e i Mon. K 22 lojyoslswien Mon. Dinar 60. P o I e n: Mor> 4 Zloty, Deutschland Mon. Goldmark 4, Frank Belgien- Man. Frei. 18 «r N ■ « h * h ii a s e n dW bei PreUerbSbiiHBen vorbehellee Sr. 2130 Wiener SAMSTAG 21.&ebmar f92$ , Sämtliche XonzerthaastAle SSIan-weisse HAKOAHv kedolte za tarnten «/— SKinderbewahrarutalten omemettuW Sie«. Samstag, 24. Sünnet 1921 |p p|" « 14001 England: Mon.4 üchillim* Italien; Monat 18 , Än mS n! e n Mon. l7i) «>, Bulgarien Mon. Wtt I ew», Schweiz und das ubfiVr instand mon^t'ieh Fr es. 5 l?e.‘J:tion it * Hminiatratioo Wien ll„ TtbofStf.l—»8 .'eieptione: 14 -* *-3H,43-3-1V A MJhrahd* 21-102.25*282 IX. Un’versitatsatrasse 6—8 (Druckerei Steinmann) Oester reichiachea Postspar* > A*«rn ,/nn1" 7. ünhtanno Sturz des preußischen Ministeriums. Stürme im Landtag. — Las politische Shaor -z Deutschland. DaS erste Ziel des neuen Rechtskurses in Deutschland ist die EroberungPreußens durch die Sprengung der republikanischen Koalition im Landtag. Die Verwaltung dieses größten Bundesstaates ist noch einigermaßen in Ordnung und her Min Per des Innern Severing sieht den rechtsradikalen Geheimorgin'sationen scharf auf die Finger. Da der Ministerpräsident Braun, der wie Severing der sozialdemokratischen Partei angehört, gleichfalls m-rt aller Energie vergeht und sich den Haß der Junker und Agrarier zugez-gen hat, richtet sich der neue deutschnationale Sturm mit -besonderer Heftigkeit gegen ihn. Unterstützung finden die offenen und verkappten Ehv^ardt- Parteien selbstverständlich bei den Kommunisten, die sich jeder Reaktion verschroben haben, seit Radek sein« Verhandlungen mit Reventlow geführt hat. Gestern war nun Großkampftag im preußischen Landtag. Die vereinigten Alldeutschen und Kommunisten hätten eine Menge von Mißtrauensanträgen eingebracht. Als sich bei der Abstimmung immer wieder Stimmengleichheit erga/b, enunzierte der Vorsitzende die Ab'chnung. Nun drehten die Radikalen den Spieß um und beantragten ein Vertrauensvotum, dos bei der gegebenen Kräfteverteilung das gleiche Schicksal der Ablehnung erfahren hätte. Taktische Gesch'ck.t-chkeit der Majorität, di« nur für den Antrag zu stimmen brauchte, hätte dies vereiteln können. Die Folge der Ablehnung wäre - der sofortige SturzdesKabinc t t srm offenen .Hanst und die Auslieferung des Landes an die Reaktion gewesen Deshalb verließ die Majorität den Saal und -machte dir Sitzung beschlußunfähig. Die Situation ist auch in Preußen unhaltbar geworden u-nd das Maos im Reichstag greift nun auch auf den Landtag über, der jeder Zufallsmaiorität ausgeliefert ist. Die Regierung Braun bat keine Mehrheit mehr und i st deshalb zurückgetreten« Nun kann a-uch dort die neue Aera beginnen. Hakenkreuz und Sowkelftern. Berlin, 23. Jänner. (Wolfs.) In der heutigen Sitzung des preußischen Landtage's wurde über folgenden kommunistischen Antrag namentlich a-bgestimmt: „Das Staatsministeriumbesitzt ni cht das Vertrauen des Landtages." Die Abstimmung hatte folgendes Ergebnis: Abgegeben wurden 442 Stimmen, der Stimme ertkalten hatte sich rr'eniand, ungültig war keine Stimme. Mit Ja stimmten 221. Abgeordnete (108 Deutschnationale, 43 Kommunisten, 45 Mitglieder der Bolkspartei, 11 Hakenkreu'ler und 14 Mitglieder der Wirtschaftspartei); die übrigen 221 Abgeordneten stimmten mit Nein. (Minutenlanges Händeklatschen links und in der Mitte.) Der kommunistische Antrag ist damit nach den Bestimm» rigeu der Geschäfts-- ordnung a b g e l e h n t. Sodann wurde über den deutschnationalen Antrag abgestimmt, dem Ministerpräsidenten in seiner Eigenschaft als Kultusminister das Vertrauen zu entziehen. Bei der Abstimmung wurden 437 Stimmen abgegeben; davon stimmten mit Ja 220, mit Nein 217. Das Ergebnis «wurde von den Parteien, die -mit Ja gestimmt hatten, mit stürmischen Beisallskundgctbungcn ausgenommen. Präsident Barthel erklärte hierauf, daß zur geschäftsrrdnungsmäßi-a-en Mehrheit mindestens die Hälfte der gesetzlichen Mitgl-iederzabl. also 225 Stimmen, gehören. Er stellte fest, daß diese Stinmienzahl nicht erreicht worden sei. Hierüber entspann sich eine längere Vefchäftsordnungsdebatte. Es folgte sodann die namentliche Abstimmung über den Antrag, dem Ministerpräsidenten Braun als Fi nanz m in ister das Vertrauen zu entziehen. Bei der Abstimmung stimmten 221 Abgeordnete mit Ja und 218 mit Nein. Der Präsident gab dieselbe Erklärung ab. wie «bei der vorhergehenden Mbft'mn'ung. daß nämlich auch hier nicht die geschäftkordnungsmäß'g? Mehrheit der .Hälfte der Mitgliederzahl erreicht worden sei. Bei der Abstimmung über den deutschnatioua^en Antrag, dem Ministerpräsidenten Braun, dem Minister des Innern Severing und dem Handelsminister S i e r i n g das Vertrauen zu entziehen, stimmen 221 Abgeordnete mit Ja, 218 mit Nein. Auch hieist also die geschäftsordnnngsmäß'ge Dkehrheit nicht erreicht. Abg. Koch (deutschnational) erklärt, daß sein« N.rrtei die daraus sich ergebenden politischen Folgerung«, m i t der gebotenen Schne lligkeit ziehen werde. (Lebhafter Beifall rechts.) Vor der Abstimmung über den Antrag der Nationalsozialisten, wonach dem Ministerpräsidenten und den übr'gen Ministern das Vertrauen ausgesprochen werden soll. erklärt Abg. Grzesinski (Sozialdemokrat), d.iß der Antrag un-wahrhaftig sei und daß deshalb das Zentrum, die Demokraten u n d d i e S o z i a l de m o kr a t e n sich an der Abstimmung nicht beteiligen würden. Boi der Abstimmung wurden nur 223 Stimmzettel abgegeben, so daß der Landtag -beschlußunfähig erscheint. Im ganzen Hause erhebt sich ein ungeheurer Tumult. Zwischen Sozialdemokraten und Kommunisten droht es zu einem Ha n dg eure n ge zu kommen. Als der Vorsitzende die Tribüne verläßt, bemächtigt sich der kommunistische Abgeordnete Pie ck,. der PräsidentenAlc^e und-übernimmt« u rrge he u rem Tu m u lt de n Bo r si tz. Er bringt ein Hoch auf die Internationale au's, in das die Kommunisten und einige Tribünenbesucher einst'.mmein. Ae Lemlffion. Berlin, 23. Jänner. (Wolfs.) Wie aus parlamentarischen Kreisen verlautet, traten nach der Plenarsitzung des preußischen Landtages Zentrum, Demokraten und Sozialdemokraten zu einer interfraktionellen Besprechung zusammen, in der als Meinung der Mehrheit zmn Ausdruck kam, daß das Kabinett Braun angesichts des Abstimmungsergebnisses zurücktreten soll. Im Anschluß daran beschloß das Kabinett seine Demission. Bertas««« der Reichstage». Berlin, 23. Jänner. (Wolfs.) Der Reichstag hat heute das deutsch-polnische Abkommen über die Staatsang eh origkeits- und die Optionsfragen in dritter Lesung endgültig angenommen. Sodann vertagte sich das Haus bis zum 3. Februar. A« unsere Leser! Die Verwaltung der „Wiener Morgenzeilnng" sieht sich genötigt, den Bezugspreis des' Blattes zu erhöhen. Sie ist sich bewußt, daß in der Zeit arger wirtschaftlicher Depression diese Maßnahme eine Belastung der Leser bedeutet. Angesichts der gewaltigen Steigerung der Erzeugungskosten mutz die Verwaltung jedoch zu diesem Mittel greifen. Sie darf sich berechtigt halten, an das wohlwollende Verständnis ihrer Freunde und Leser zu appellieren. Die „Wiener Morgenzeitung" kämpft für Judentum und Demokratie. Sie ist ein einzigartiges Organ, das sich das Judentum selbst geschaffen hat. Sie hat ihre Aufgabe, der jüdischen Gesamtheit zu dienen, treu erfüllt und will auch fernerhin ihre Pflicht tun. Wir sind überzeugt, daß unsere Leser der „Wiener Morgenzeitung" treu bleiben und uns helfen werden, unser Programm auch weiterhin mit aller Kraft zu vertreten. Scho« wieder die Hochschul» debatte. —y. Wien. 24. Jänner. Die Budgetberatung im Finanzausschuß des österreichischen Natwnalrates ist bis zunr Kapitel Unterricht gediehen, und so wurde gestern wieder das an Skandalen und Umfang so reiche Kapitel der Hochschulschande aufgeschlagen. Der Zufall hat es gefügt, daß zur selben Zeit ein Teil der Wiener Presse darüber Klage führte, daß rn den großen amerikanischen Znturupm ungünstige Nachrichten über Oesterreich erscheinen; und daß zur selben Zeit Wiener Blätter über den Rückgang der Fvemdenbesuchsziffer sich beschweren und daß einzelne Zeitungen den Grund hiefür ganz richtig in der Hakenkreuzseuche erblicken, die in Wien und in den Älpenländern grassiert. Der Unterrichtsteil der Budgetdebatte zusammen mit die'en Beschwerden gibt einen tiefen und unbeeinflußten Einblick in das österreichische Kültursystem oder, wenn man will, über die in Oesterreich betriebene Kultur eines Systems, das man nur in-seinen Wirkungen, nicht aber in seinen Quellen analysiert. Wenn im Ausland Ungünstiges über den Staat geschrieben wird und wenn die -Fremden dem Staat lieber ausweichen, so hat das selbstverständlich seine Anlässe im Staate selbst, dessen Leiter vollkommen vor einer chauvinistischen Sekte kapituliert haben. Es ist in keinM Falle notwendig, das, was an den österreichischen Hochschulen geschieht, zu übertreiben. Die Tatsachen selbst fiihren eine eindringliche Sprache, die überall verstanden wird. . Im Budgetausschuß ist gestern wieder darüber berichtet worden, daß an den österreichischen Hochschulen -für Hörer und für Lehrer nicht die wissenschaftliche Befähigung entscheidet, sondern die jüdische Abkunft. Der sozialdemokratische Oppositionsredner hat wieder einige krasse Fälle herausgegriffen. Diese Anklagen wiÄierholen sich Jahr für Jahr. Es sind immer nur die Namen der Betroffenen abgeändert, die Sache selbst istdie gleiche. Und darin liegt das Entscheidende, liegt einer der Anlässe für ungünstige Nachrichten. Jüdische Lehrer werden unter beleidigenden Begleiterscheinungen zurückgewiesen oder ge-maßregelt, für jüdische Hörer besteht ohne Gesetz, ohne sachliche Begründung die ja nur eine lächerliche Erfindung wäre — der Numerus clausus. Politische und persönliche Gehässigkeit der Senate, Zeitungsdenunziationen, Hetzereien einer nationalistisch, militaristisch und stockreaktionären Studentenminorität beherrschen die Universitäten. Das war bisher so und daran wird sich auch in Zukunft nichts ändern, weil die Verhältnisse, die diesen Zustard) bedingen, wohl verzeichnet und kritisiert, nicht aber gebessert werden. Die Regierungsgewalt, die jeden auf der Straße krawallierenden Akarckthelfer augenblicklich beim Kragennimmt, versagt vor dem studentischen Terrorismus und gibt ihm noch eine Ehrenkompagnie und eine Musikkapelle Zur Seite. Sie läßt die Skandalmacher in Wien und in den Ländern ruhig gewähren, verhandelt mit ihnen als gleichberechtigtem Faktor und versteht sich höchstens, wie rm Falle des Grazer Professors Leon, dazu, auf Staatskosten dem Boykottierten Ersatzdozenten beizustellen. Die Professoren wieder sind entweder eingeschüchtert und hilflos oder als alte Herren der bemühten Hitler-Klubs bewußte Vollstrecker der ihnen eingetrichterten Rassenlehren. Wie gesagt, das war so, ist so und bleibt so. Das wird Jahr für Jahr im Budgetausschuß . und sm Plenum vorgetragen, Jahr für Jahr von einem oder auch mehreren Rednern der sozialdemokratischen Opposition. Dann antwortet der Minister, indem er das verliest, was ihm irgerd ein alter Herr ausgeschrieben hat, und es ist wieder Ruhe. Das sit aber das zweite entscheidende Moment, daß nämlich die sozialdemokratische Partei, die diese Dinge so genau kennt, keinen Finger rührt, um sie abzustellen. Sie kämpft kür Mieterrecht. für Mutterschutz mit dem erbitterten Elan einer großen tief im Volk verwurzelten Partei. Aber die Schande der Hakenkreuz-Universitäten, der WinterRäumungsverkauf in tief reduzierten Preisen im Warenhaus [Schiffmann II. Tnborstraße 48 *r 47»1»7r rn gro» Sn