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Wiener Morgenzeitung · 1925-01-18 · Heft 2124 (18.1.1925) · p. Seite 8

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2124 (18.1.1925)
Date
1925-01-18
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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V**» Men, Sonntag Wiener MorMNDettmW» 18. Lanner 1925 Nr. 2124 Bühne md Kunst. .Lud- Saum «ud die rirnstbstensrage." (Raimund-Thrater.) Fanny, vor einigen Wochen noch eine «eine Varietefänzerin, ist hente Gattin Lord Wetherells, «irres ent^ückerrden englischen Aristokraten, der feine Borrrrteil^ kennt, nur der Stirmne des Herzens folgt und das Tanzgirl als Genuchlin in das Schloß f^mer Pater bring-, allwo zrvei entzü^nde alte Tanten hausen, die einander aufs .Haar gleichen, und ein ganz entlockender alter Hausayzt für das Wohlbefinden der .'Herrschaften sorgt. Gleich nach Fannys Ankunft ergibt sich aber, daß die 23 Domestiken des Schlosses nicht nur untereinander, sondern auch mit der neuen Schlohihorvin verwandt sind. Der Kammerdiener ist ihr Dirkol, die Zofe ihn Base und so werter bis zur Kuhbirne. Die lieben Verwandten aus dem - Dienerstand« suchen die Lady zu erziehen, bis es der glücklichen invglücklichen Fanny zu bunt wird. Sie Mndigt sämtlichen 23 Blutsgenossen den Dienst urrd eröffnet gleichwertig dem Lord-Gemahl, woher sie kam der Fahrt. Der Gute ist eine Rächt lang 'betrübt, dann aber siegt die Stlmnrr des Herzens, 7>rmal Hm die Zwillingstanten verraten, daß auch die Stammmutter des Adolsgeschlechtes sehr niederer Abkunst war. Alles geht gut aus. Fanny hat sich als .Herrin gezeigt, die dienende Sippschaft gehorcht jetzt ergeben und wird in Gnaden wieder ausgenommen. Gm treffliches Operetteittibretto, dieses larrlichr, mit einem Spritzer Satire versetzte .Lustspiel" von Jeromc K. Jerome. Der Tanzeinlage (Besuch der Darietokollegirmen bei Lady Fanny) sollten Entroelüder, Couplets, Tarrznummrrn. Ensemblesätze Vvvangehen und Nachfolgen. In reicher Fülle! Lilla Durieux versucht sich' in' einer Rolle, die etwa Erika Gläßner oder Leopoldine Konstantin voribchcckten ist. Für den „Humor", den Frau Durieur. schr heftig entwickelt, fehlt mir das Verständnis. Dem Püblikum gitlg er aus die LachmuÄeln, mir aus die dlerven. Nur die TarrzsMe fand ich gelungen. Hingegen waren die anderen Operettewfiguven bei den Damen Fässer, Lautcrböck, Loos, Föry und Witzmann, den Herren Ehmann, Schmieder, Ziegler, Schall und Ä i ch i n g e r in den 'besten Händen. O t t o Abel e s. MMeiümgen am dem Publikum. ^obeMbrilcJ. Spira Feine «>- Si«, fll. tlÜMINUM >—! Wohnungseinrichtungen (Ecke Karl Schweighofergasse Ae ßröffumg der hebräischen Ilaiversttitt iv Zemsalem findet am 1. April 1925 statt. Das Reisetzurean „EantiUeak" veranstaltet aus diesem Anlasse eine „HATIKWAH” Monatsschrift der zionistischen Jagend. — Hettusgegtben ▼on der 2. H. V. Hatikwah, Brünn. Ol« erste Rummir erechelnf «n» 26.JBiteei» IMS 1. Schewat 5682 im Umfange von 12 Druckseiten Quart in schönem Um* schlage. Preis eines Heftes: K 6600, jährlich K 66000 mit Post. Mitarbeiter u. a. 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Das englische Lustspiel ist auf Charaktere eingestellt: ein harter dogmatischer Kern, hinter dom eine bescheidene, kleine, liebenswüobige Menschlichkeit steckt. Der Kern sagt „nein" und die Menschlichkeit sagt „ja". Damit ist der Lauf der Fabel gegeben und das anmutige Spiel van 2 mal 2 ist 4. Das Weib ist die Disharmonie in der Natur und es ist ,chas schwache Geschlecht", was so. viel bedeuten soll wie: das schwache Geschlecht wird sich al§ das starke entpuppen und den fanatischen Frauerchaffer zur Harmonie führen. Punkrum. Aber in den englischen Lrvstsspielen geschieht dies mit einer Naivität und Anmut, die rührend ist und entwaffnet. Der Thee ist verdünnt, auch die Lieb« ist es und darum frnMoniert die Maschinerie tadMos. Charlotte Ander, hineingostellt in eme Eourths- Mxchler-Welt, tollt« und strils^t« bachfrschmaßig, trieb ihr holdes Unwesen und ^miachte' a«S der Seeromantik ein MÄxhenpenfionSfpiÄ. Mgn. kennt ihr Augenrollen, chr schnoddriges Gaschnatter, chr LausbÄenlachen, die Ausgeburten kindlicher Launen, die bezaubernd sirck, weil Jugend bezaubert. Josef Jarno lich der BärerLeißigjkeit' de» spät zmn Woilbe Bekehrten seine Männlichkeit und auch feine Routine. Dem ansonsten komischen Paul Mahr blieb es diesmal versagt, die^ Situation zum Dreieck zu ergänzen. Aber das Publikum mwechielt sich und boflkatschte die Drolerien seiner Pratevfee. ' o. r. PaWias-tzlurftim and bietet Interessenten Gelegenheit, diesem bistorische« Moment ohne. großen Kostenaufwand betzuwohnen. Auskunft täglich , vou 9 bis.6 Uhr im Bureau, 9. Bezirk, Spitalgaffe 3. Telephon 26-4-69 V OR N e r s t u g den 82. Jänner 19», präzise 8 Uhr abends, in den Sofiens!len grosses Moses Raths Lehrbuch tf«r hebräischen Sprache „SfathAmenu“ für Schul« und S«lbatuntorrlcht (neueste Auflage) Einzige praktische Methode mit deutscher Unterrichtssprache zur vollständigen Erlernung der hebräischen Sprache in Wort und Schrift auch ohna Lehrer. Die gesamte Tages* und Fachpresse hat das in fünf. Auflagen verbreitete Buch als beites und iflr den Selbstunterricht geeignetstes anerkannt. preis eines gut ausgestatteten. 400 Seiten starken gebundenen Buches Inklusive Schlüssel nur 2 Goidraark (84.000 Kronen'. Für Buchband* ler, Schulen und Vereine hoher Rabatt / Zu bestellen bei M.Reth, Vorlag, Wlon, LBedik, Taborstraaao 29JL mm Verein Freie Jfldtealie Volksbühne, I. Rieuergaite 1! »Die glldene Pawe“ Morgen Sonntag den 18. Jänner, halb 3 Uhr nachmittag» Das n«ue Programm: Bath-Schowo von D. Pinski - 6IPe Brlpolaehik — Die drei Nejturna — Schobbes Bel Nicht — Belm Rehden N — Aw» reraaleMelemed - Kasrylewke von Sch. Alejchem Karten^bel, Löwit, Aida. Rotenturmbasar und an der Kasse, I. Riemersasse 11 mit anschliessendem Tanz. Rettlldle Karten: Täglich zwischen 8 und 9 Uhr abends In der Turnhalle, XV., Herklotzcassc 21 und an der Abendkasse. Uns ton Zfteatetn. Ri. elm wird ihres Me Burgtheater. Morgen, 7 llhr, ,Kon'i E der Zweit -e". Dienstag, 7 Uhr, „W i Overntheater. Fräulein Lotte Lehmann «chÄge oeS am Freitag plötzlich erfolgten Ablebens Patersv ihre Tätigkeit erst mit der Rolle der Eva in MeffMinger" am Sonntag den 26. d. wieder ausnehmen.;/ v, Bolksoper. Mittwoch Vvstauifführung von Master Hraunsels' lyrisch-phantastischer Oper „Die Bögel". Mir hie.Partie der Nachtigall wurde Frau Tmka Wesel-PoNa vom Nationaltheater in Agram als Gast vvrpGichtet. Morgen Montag „Margarete" (Faust). I Deutsches Bosrsiyeate'r. Die für Freitag an, 'gesetzte Neuinszenierung von Schillers romantischer Tragödie „Die Jungfrau von Orleans" findet aus der Drehbühne statt. ' Earl-Theater. Heute, nachmittags 3 Uhr, sowie cm den ■ folgenden Tagen, abends halb 8 Uhr, „Die Tipp- MqmselL". Theater in der Josesstadt. Nach längerer Pause Wird Donnerstag „Der Schwierige" und Sonntacj den 3j8. d. „Der Herr seines Herzens" ausigrlführt. Montag „Mein Äater hat recht gehabt". Raimund-Theater. MenSüm 88. Aufführung von WodÄinds „Franziska" mit Tilla Durieux in der Titelrolle. - Wiener Bürgertheater. Am 24. d. findet die deutsche Uraufführung von Masvagnis ,^J a" statt. Pietro Masvagm ist bei den täglichen Proben anwesend und wich auch, die. ensten Vorstellungen selbst dirigieren. Am 33. d., Uhr, Generalprobe: > . Reue V ie n e r B ü h n«. Georges und Ludmilla P i torss, die Stars -des kcvühmten Parfser.Theatr« Pitachf. lpktznnen am 24. d. an der Renen Wiener Mhne ein aus sechs Abende berechnetes Gastspiel Zur Ausführung gelaugt am 24. und 25. d. „Henry per Vierte" von Äuigi Piraiddello, hieraus folgen „L a d a m e s a u x EameliaS" vvrr Dumas, „MademoiscLle VsUr» rat" von Naude Auet und „Size PersonnageS tfi quete d'auteur" von Luigi Pirandello. E^s-Böhne (Komödtenhaus). Morgen zum erstenmod und als achter Abend im Anzengruber-ZBiuS „Stahl und Stei n". Modernes Theater. Freitag den 23. d. deu^che Uranfführung des Lustspiels „Die geschiedene Jungfrau" (Coenr-Atout!) von FÄix Candera. deutsch von Max Schönau. _ Die gildrue Pawe. Heute um halb 3 Uhr siindet eine Wiede rholung des zweiten Programm es >'m den Kuustspielon» I. Dez., Riemergaff« 11, statt. Zur Anfführung gelang!: „Batb Schema" von Pmski, die mueinstudierten .Volkslieder sowie eme Groteske von Schalom Maichem. Goethes „Urfaust", der anläßlich einer Matinee »m Vorjahr nn Modernen Theater gespielt wurde, geht heute als MchmittagsvorstellMH m der nämlichen Besetzuing an der N e weil Wiener Bühne in S>M«. Rax vrod ist in Wien emgetroffen, um don letzten Probell seines Bühnentvevks „Prozeß B u n t e r b a r t" bsrzuwohnen. Der Drchter wich auch an der Erstaufführung teiluehmerl, welche Dienstag dm 20. d. in der Ranaissauee» bühne stattsdildet. WohttStigkeiiSekademie. Der humanitäre Krankenunterstützungsverem „Ojser-Shssed" (HnmanitaS). Wien. 2. Bez., SchUamtSgaffe 5. veranstaltet zugunsten seines Witwen- und Daösenfonds am Donnerstag een 22. d, halb 6 Uhr abends, im Großen Musikvereinssaal eine WohltatigkeltSakademie. Mitlvirkend unter anderem: Kammersänger Oestvig lStaatSoper), Kammersängerin Berta Kmrina (Staatsoper), Lotte Witt (Burgtheater), Hans Thim'q sun. (Theater in der Josefstadt). Humorlstisches Qnacrert (Wiener Männergesangsverein). Robert Goldsand (Klaoi-revirtuai.:. 13 Jahre). Kartenvovverkaus: Eafe Maria Theresia, l. Bez.. Hohenstaufengaffe Nr. 21 (Tel. 18-0-44). KonzerchanSVaffe Gutlmann, Safe Rombrandt. Wien, 2. Bez., Augartenstraße 11. (Entaeltlich.) Soeben erschienen: Georges Clemenceau, „Jüdische Gestalten" (Rhombus-Verlag, Wien). Ein ^hochmtereffanteS. unterhaltendes Werk des 'berühmten französischen Staatsmannes, das jeder Jude leisen sollte! Preis nur 40.000 K. /O CA AU. t Ol* Siirrti tzerichtsfaal. SHtfenfbttnlation und Krida. Der Oberste Gerichtshof über Bankgeschäfte. Die öffentlichen Gesellschafter des derzeit^im Ausgleichs verfahren befindlichen Bankhauses Alexander Kohn und Co., Mar Scharr und Rene Koyn, waren beim ytraflandeSgerichte wegen Krida, Scharr überdies wegen Veruntreuung angeklagt, welch letztere Anklage sich auf Transaktione« mit Anien des Kommittenten Emil Prach stützte. Darin, daß das Bankhaus die Aktien diesem Kommittenten nicht mehr zu rückgeben konnte, erblickte die Staatsanwaltschaft das Verbrechen der Veruntreuung, während der Tatbestand des Vergehens der Krida in anderen Börsengeschäften, nämlich in dem Ankauf eines größeren Postens Timber-Aktien zu'Spekulationszwecken erblickt wurde, wodurch auf fahrlässige Weise die Zahlungsunfähigkeit herbeiaeführt worden lei, da dieses Geschäft em gewagtes gewesen sei und nicht zum ordnuMmäßigen Geschäftsbetrieb gchörte. Die Verantwortung der Angeklagten ging dahin, daß sie nichts anderes getan haben als alle anoeren Banken. Man müßte ave Banken Wiens, Oesterreichs, , ja Europas wegen Krida und Veruntreuung anklagen, wenn es ihnen nicht gestattet sein sollte^ Geschäfte wie die vorliegenden zu machen. Tatsächlich sprach i daS Landesgericht beide Angeklagte von der Krida frei, verurteilte jedoch den Angeklagten Siyorr wegen Veruntreuung der Aktien des genannten Kommittenten zu sechs Monaten Kerkers. Gegen den. Freispruch erhob die Staatsanwaltschaft, gegen den Schuldspruch der Verurteilte Scharr die Nichtig. wegen der Wichtigkeit und prinzipiellen Bedeutung der Sache durch ihren Chef, Generalprokurator Dr. Höpler, vertreten. Dr. Höpler beantragte die Aufhebung des Freispruches und Bestätigung des Schuldspruches. Mit unrecht habe die erste Instanz verneint, daß das Geschäft mit Timber- Aktien ein gewagtes war, mit Unrecht würde dieses Geschäft als zum ordnungsmäßigen Betrieb des Bankgeschäftes anerkannt. Daß dies nicht der Fall sei, ergebe sich daraus» daß das Geschäft ein Differenzgeschäft war; dieses sei aber als Spiral und Wette, also als Glücksvertraa, anzusehen. Die Verteidiger machten geltend, daß, wenn durch eine vis major plöAich ein Kurssturz in einem Papiere eintrete, könne daraus nicht der Vorwurf abgeleitet werden, daß ein gewagtes Geschäft abgeschloffen wurde. Eine Verurteilung wegen Krida müßte weitergehende Konsequenzen für das ganze Bankgewerbe haben. Der Oberste Gerichtshof gab nach mehr als einstündiger Beratung der Nichtigkeitsbeschwerde der Staatsanwaltschaft Folge, hob den Freispruch von der Anklage wegen Krida auf und verwies in diesem Belange die Sache zur nochmaligen Verhandlung an die erste Instanz. Die Nichtigkeitsbeschwerde des Angeklagten Scharr gegen seine Verurteilung wegen Veruntreuung wurde verworfen. In der Bcgründmig hob der Vorsitzende hewov, der Ankauf der Timber-Wdien fei jedenfalls ein gewagtes Geschäft gewesen, daß es aber auch nicht ein zum ordnungsmäßigen Betrieb eines Bankunternehmens gehöriges Geschäft sei, gehe schon daraus hervor, daß es ein im eigenen Namen abgeschlossenes Spekulationsgeschäft war. _ Zuneigung und Abneigung. Das VbrrlandeSgericht als Berufungsinstanz entschied gmern in Abweichung von den unteren Instanzen, daß Mangel an Zuneigung zu einer Frau nicht gleichbedeutend mit ÄbneiWng gegen die eigen« sei und gab dem EhetrenMngsanjuchen des Mannes keine Folge. Der rauftnsnnische Angestellte F. Sch. verlangte die Trennuna seiner nach evangelischem Ritus geschloffenen Ehe wogen unübr«»indlicker Abneigung. Seine anfangs glückliche Ehe fei dadurch getrübt worden, daß das dieser Ehe enitsprpffvne Kind durch die Unvorsichtigkeit der Hausgehilfin, die von per Mutter mit dem Kinde allein gelassen wuwe, einen schrecklichen Tod durch Verbrennung «rlA. Die Entfvemdu>ng von der Gattin svi weiters durch das Verhalten des Schwiegervaters bestärkt worden. Talächlich lebe er seit fmlf Jahren von seiner Gattin getrennt, er 'n Wien, sie in Dresden. Er habe hier ein Verhältnis mit einer Frau, die er auch heiraten möchte. DaS Zivilloudesgericht wieS die Ehetrennmig ab, well das Interesse des Klägers für eine aridere Frau noch nicht gleichbedeutend sei mit der unüberwindlichen Abneigung gegen die eigene Frau. Aber auch auf Seite der Gattin lieg« keine unüberwindliche Abnejguna vyr, )*:ii sie ihre Zustimmung zur Ehetvonnung zurückzog. Dieser Ansicht schloß sich, wie emgangs erwühn-t, gestern das Oderlandesgericht <m> ^21655 01

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