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Wiener Morgenzeitung · 1925-01-18 · Heft 2124 (18.1.1925) · p. Seite 6

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2124 (18.1.1925)
Date
1925-01-18
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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GkG 8 _ ffita», Gsnnfäg « f)$ fehttt Sebent nicht sicher fühie. Dcr M-znn wurde Attfichlich in Gewahrsam genommen Der ermordete Millionär Abdul Kadir Bawla hat ans dem Totenbett im Spital ein Testament verfaßt, in welchem er «in großes Legat zugunsten der Tänzerin Mmntaz Be- MN aussetzte. DaS AnUitz des erst 51 Jahr« alten Mädchens ist von Dolchstichen und Schnitten so furchtbar entstellt, daß : fk, wenn fte mit dem Loben davonkommt, mit dem dauerrrden Barlust ihrer Schönheit rechnen mntz. Die Blätter erinnern daran, daß Mmntaz Begum im Jahre 1921 im Gefolge des Maharadscha von Indore in London geweÄt hat und damals durch klassische Schönheit ihrer GesichtSzüge, ihre Intelligenz sich vollendete Tonkunst in der Londoner Gesellschaft Furore machte. Die Mutter der Tänzerin brachte zu jener Zeit bei de» Lorwoner Polizeibehörden ein« Klage gegen den Maharadscha ein. von dem ste behauptete, daß er ihre minderjährig« Tochter Mit Gewalt im Harem halt«. Das junge Mädchen Leugnete alt Zeugin die Angaben ihrer Mutter, so daß di« Londoner Behörde keinen Anlaß hatte, gegen den indischen Fürsten einzuschreiten. Erirmeruugen an 8. L. Perez. I» der jüdischen Zeitschrift „Bücherweltver- Sffentlicht ein« Verwandte des berühmten Dichters Z. L Perez, Frau Rosa LakS-Perez. persönliche Erinnerungen, welche Perez im intimen Leben igen. Einig« Stellen aut diesen Schilderungen ien hier wiedergegeben: Gin« L'Mintzt-eschaftigung von Perez war, di« Bilder «z Mn Wänden mnzuhängen, mtt dem Hammer zu han« ütran, wobei er jedesmal neue Locher in die Wände machte und -rohe Angst vor seiner Frau hatte, die das nicht leiden konnte. Er fort*» ***& «r vor einem starten Menschen keine Angst haben wurde» wohl aber vor einem schwachen. Perez liebte das Kino sehr. An einem Abend war er auf einmal in drei Kinvs. Zeigte die Leinwand etwas Komisches, so konnte er Leuchen vor Lachen, wo andere kaum lächelten. Im Theater, im Foyer, war er immer Lebhaft, sei« Augen funkelten» er nickte nach allen Seiten mit fveuMichttn Gesicht und — verlor säst immer die Billette. Einmal war Perez sehr aufgeregt. Den ganzen Morgen über nahm er immer wied.r einen neuen Band seiner Werke audem Bücherschrank, blätterte darin, stellte ihn wieder hinein, nahm einen zweiten, las wieder, und ging dabei in stimm Zimmer mit verzweifeltem Gesicht hin und her. Mittags kam stin Freund,, der Dichter Dinesohtt, der hei ihm Mttag aß, und Perez sagte zu chm: Von früh an quäle ihn der Gedanke, daß stine Werke talentlos seien, jeder Beliebige dasselbe hätte schreiben können bei genügender Anstwtgmvg. Nachher aber habe er einige Stellen in stiytrt Bachern gelesen und gesehen, daß es doch nicht so sti, wie es chm vorgekommen war. Dinesohn schaute ihm mit Freude in die Augen und lachte über den komischen Gedanken, dtr Perez eingefallen war. Sie sprachen noch lange darüber und waren den ganzen Tag in froher Dirnmmrg. » Perez konnte nicht nur durch sein großes Talent, sondern rein als Mensch recht überraschen. Bor allem , durch das Gemisch der verschiedensten Charakterzüge m ihm: stark und stolz wie ein Löwe, weich und sanft wie ein kleines Kind. Smn großer Verstand und feine Klugheit sind bekannt, und doch könnt« ihn jedes Lei« Kind anführen. Wenn Perez «t der Philharmonie vorlas, war eS «in Vergnügen, ihm zuzusehen. Bor Errcgung war eine Wange ganz bleich Das Gesicht, die gange Gestalt sprühte vor Leben und Energy seine Augen, die ganz besonderen Augen, leuchteten, der Mund floß über von schöner Rede. Und nach Haust ging er fröhlich in stimm Erfolg. Um ihn eine Menge von Menschen — Fremde, Bekannte, alle reden mit Liehe zü ihm und sind b müht, chm nahe zu sein. Und er fühlt dies, geht sicher und fröhlich, in feine breite Pelerine gewickelt. Perez steht einmal im Borzimmn, zum Fortgehen an» gezogen, anscheinend in einem neuen Anzug, eine rot« BlUrne rm Knopfloch. Den Hut unternehmend auf die Seite gerückt, das Gesicht festtäglich, di« Augen leuchtend. Sein« Frau und ich schauen ihn verwundert an — so schön und hell sah er au-. Perrz drehte sich in der Türe zu uns um: ,Hstlsticht Lein hübscher Kerl?" Perez liebte «S, abends auf seinem Sofa mit geschlosst«« Augen zu liegen und -uzuhören, wie ich ihm Bilder audsm kleinen Städtchen erzählte. Er war bereit, alles zu hören. stlbst das, was mir ganz uninteressant erschien. Er konnte später ohne eine ,Msch'rchte", wie er <r nannte, nicht einschlaftn. Wenn Perez abends auf dem Sofa lag, pflegten wir zu träumen. Er sagte: „Nun, was hättest du jetzt gewollt?" SHettee MsraerizettrmH. ... - >-. — -. T. —..--"■ ,"r ™‘ ■** t” ,f< Wenn es draußen regnete, grau und aufg.oveicht war, dann träumte ich von einer warmen Hellen Stube (unbedingr im Torf). Auf einem Tisch mit einem weißen Tischtuch sied.t ein Samewar, um den Tisch herum — sympathische. lebendige G.sichtrr, es erklingen fröhliche, gemütliche Stimmen u w. Perez sagt: „Nicht übel, w.it-er .. Das letzte Jahr, das ich Lei ihm ivar (das tvar ein Jahr vor feinem Tod), faß ich einmal neben Perez auf dem Sofa an so einem stillen Abend. Ich sag« ihm. daß ich ihm. wenn ich mein eigenes Geld habe, ein goldenes Diadem machen laste und ihm auf den-KoPf f.tzen werde. Perez antwortete: „Das wirst du schon auf mein Grab legen müssen..." >; JEDER ART IN FEINSTER . ’j AUSFÜHRUNG BlaiQST- 8Ef GEBRÜDER BRAIN1N /WIEN. II. 610CKEN6ASSE 8 /TEL 45 * 33 Letzte Nachrichten. Asauvtz so! -erzog von Srlord «erde«. London, 17. Jänner. (Tel.-Komp.) »Memng Standard" zufolge ist A s q u i t h von neuem der L o r d t i t e l (Herzog von Oxford) angebot worden. Asqnith hat diestS Anbot'bereits dreimal abgelehnt, doch hält man es für möglich, daß er es jetzt mit Rücksicht darauf a n n e hmen wird, daß die liberale Partei für lange Zeit keine Aussicht mehr hat, zur Regierung zuvückzukehren. Politische Rücksichten würden somit Asquith nicht mehr abhalten, den Titel angunshmen. Wenn ASqmch zufolge seiner Erhöhung zum Peer ins Oberhaus gelangen sollte, würde dadurch automatisch der Streit zwischen Lloyd Georg« und ihm über den Borrang in der Führerschaft der liberalen Partei beigelegt werden. WVMMW>>WWWBW>WWWWBWWWW>WEBWMV>BWBM Liangensest in Jaffa. Malerisch eindrucksvoll - verlaufen alljährlich in Erez Israel die Festlichkeiten anläßlich der Transporte der ersten Orangenernte zmn Hafen. Lcientreisen.de und Tonristen, die Augenzeugen dieser Fest« der Arbeit waren, haben sie in ihren Reiseberichten beschrieben. Reichlich beputzte. mir Grasern und Laub geschmückte Kamele ziehen mit den bekannten Oranyenkästchen durch die Straßen, und Araber, dis Orangenzüchter, beglerten den Transport mit nationalen Gesängen. Tänzen und Trinmphgeschrei. Bisher waren «t nur arabische Züchter, die alljährlich ihre Orangensost« stierten. Heuer zum ersten Male gab «8 in Jaffa ein jüdisches Ovangensest. Den Anlaß hierzu bot der erste große Orangentransport det Verbandes Mischer Lrangenzück er. Pardet, nach Liverpool. Die Feier trug einen rein jüdischen Charakter. Di« ganze Umgcblmg des Hafens trug Fahnenschumck und war festlich geschmückt. Ebenso die im Hasen befindlich»:; Boote und besonders der große Dampfer, auf dem die Orangmlavung nach den Bereinigten Staaten befördert wurde. Di». Kisten lind mit Vignetten versehen, die ans die Bedeutung des Festtage» in der Geschichte det wirtschaftlichen Aufbaues von Erez Israel durch jüdischen Fleiß und jüdischen UnternehmungSge.st hmdeuten. Di« Bureaus der Gesellschaft Pardes waren herrlich dekoriert. Bor dem Gebäude war eine Tribüne mit hundert Plätzen für di«' Ehrengäste aus den Kreisen aller das Land bewohnenden Nationen und Glaubensgemeinschaften errichtet. Dc eigentliche Feier begann nachmittags 8 Uhr, als Gouverneur Storr» au- Jerusalem amkam und im Namen det OberkonmüssärS Sir Herbert Samuel, dessen Glückwunsch« er vr^olm-tt'chte, mit einer die. Erfolge jüdischer Arbeit würdigend»,, Rede die erste Orangsnladung der Saison eröffnet, mdem er eine Kiste der vorzüglichen Frucht in das Sch W innere versinkt«. Die Rebe Storrs wurde mit großem IUbel ausgenommen; unter den Klängen der „Tikwah" und anderer hebräischer Nationallieder wurden unter rnthusiastischem Zuruf der Anwesenden Hunderte von Kistchen mit jüdischen Erez-JsraebOran« gen nach Amerika verladen. _IS. fpvm MS_«r. «St Set «eikerM ftcffcl Biitc neue Ersindnng auf dem Gebiete brr Lärmetechttst. Einem Restrat von Bauer im „Berliner Tigeblatt* vo« 18. d. ist zu enlMhmen. daß et einem Ingenieur, tzenchock Becker, in Rohra nach harter Arbeit giungen ist. auf den Gebiet der Dampferzeugung eine Erfindung zu schaffen. di» eine Umwälzung in dem Wivtschafttleben hervar^rvustn gr> eignet ist. Bekanntlich ist ein normaler Dampfkessel aus dem Gnmdr [ groß dimensioniert» weil er aut dem Wasserraum und de» j Dampfraum besteht. Beim veckerschen Kessel entfällt der Dasserv«»m. Der Dampf wird dadurch erzeugt, dcß zerstäubtes Wasser in di« Röhren eiugepreßt und 4n diesem zerstäubten Stadium sofort in Dampf verwandelt wird. Der Kessel L-nötigt nur kleine Ausstellungsräume und es erübrigt sich. ,var besonders wichtig ist, die Aufstellung von Schornsteinen. Im Gegensatz zum bisherigen Dampfkessel, Vr vom Sw« dimn der Füllung mit kaltem Wasser bis zu der z.r Berwen« düng erforderlichen Betriebsspannung ein« halbe l.it ntthrerr Stunden er ordert, ist der Beckersch» Schnelldampstrzeng r i «- nerhalb weniger Minulen auf 15 Atmosphären Druck zu bringen. Der Belrlebtstoffverbraach soll den einer OelmotvrS nicht übersteigen. Di« Betriebssicherheit ist mangels d S Wasserkessel» «ine eminent«, wobei sttbfwer« ständlich da» Röhrensystem entsprechend stavk dimensioniert sein muß. Dem Referat zufolge soll nicht nur der Versuch»« betrieb abgeschlossen, sondern bereits der Produk^onSbetrieb ausgenommen worden sein. Ein« für die Landwirtschaft m Bo» Iracht kommende Type ist bereits konstruiert; ste soll alle biS» hcrigen Kraftmaschinen in Mncro Oekonomie und Betriebssicherheit übertrefstn. Ez soll uns freuen, wenn durch wissenschaftlich« Untersuchung der Eriindung di« einwandfreie Nichtigkr». dieser Mitteilungen ststgelegt wird. Mcyj. Dr. W. Schieber, Falsch »Meldete Wörter. S» ist nur gut, daß man die „Anständtgkett" der Wörtetz nicht ebenso strenge untersucht wie die Zlchändigkekt der Einwohner. So mancher lang vertraute Genosse müßt« beschämt eingestchrn, kein« Heimavberochtlgmrg zu besitzen und gewissermaßen «lne Failschnwlldung begangen zu haben. Dabei sind eS sogar oft di« treuherzigstm und verläßlichsten Wörter, die sich ÄS tückische Eiwschleicher im deutschen Sprachgebiet entpuppe,u Wer würde da» deutsche Felleisen" verdächtigen, ein ^ugraster", noch dazu einer auS Frankreich zn stin, wo er sich: „valife" benennt? Auch dem ,Kvrk" ist seine lateinisch« Ab-' krmft nicht leicht anzumerken. Bon der Schnupftabaksdose P nur der erste Teil Eigenbau, sogar die ,Dose" erweist sich als Fremdwort, und zwar ÄS griechisches, da» mit Dosis, die Gabe, znsammenhängt. Um da» Fremdwort Orange zu ver^ meiden, benennt man die Frucht im sprachstvrngen Norddeutschland gerne „ApfeM-ne", denn di« ersten dieser gÄdenen Früchte wurden ÄS Aepfel auS China oder Sina bezeichnet: Noch schlimmer wird die Sache, wrnn man, nm dom fremden „Kukuruz" (von »Mruzen") au-zuweichrn, „MaiS" sagt -- «S stammt au» der Sprache Haitis. Di« „Droschkeist ebenso wenig deutsch wie die ,^butsche", beide kommen audem Slawischen, wie übrigens st manch anderes Wort auf ^tsch" (Peitsche, Dolmetsch von thumacz). „Lebkuchen" ist vom lateU Nischen „libuim" abgeleitet, wa« skeichstll» »Kuchen" bedeut«^ st daß hier eine Wiedecholnng vorkiegt. „Samtkommt aus dem Griechischen, ,Ms" wurde zuerst Gaze geschrieben, nach der Stadt Gäza und bezeichnete dünne Gewebe. Der ,Kamm" ist griechischen Ursprungs und es gibt sogar Zweifler, di«.die Bodenständigkeit deS »Schornstein" in Frage stellen und chm ÄS Fremdling anS dem Esten das Bürgerrecht absprechen . wollen. Der „kredenzte" Becher häng, mit .^l-aubm" zusammen, wahrscheinlich mußte auf Treu und Glauben h'mgenommen werden, daß kein Gift Wein würzte. Stellt stmand - feft, daß einer wisse, wo ^Barthel den Most holt," st spricht er hebräisch, wenigstens da» verballhornte der Gaunersprache ‘ (barzek, meeS) und sogar auS dem nvwienerischen „Gstbeck", da» der Schani der R-esi zukommen laßt, grüßt nn» die kesibah. Wenn man aber st zu stimm Schrecken oft genrrg an „Rasstnreinheitder verläßlichsten Wörter zweifeln lernt, erkennt man auderersett» nicht minder häufig bet näherem Zusehen in vermeintlichen Ausländern gute Heimatgenossen. Da» „Fauteuill" ist ein auSgrwanderter „Faltstuhl«, der „DcM>n" ein BÄken, der stolze „Marschall" war eigentlich ein deutscher Pferdeknecht, ein Mahreschalk. „Plachentstamm: vom niederdentschen „platten" anheften, „Torso" stll nach KleingaÄ, dessen .Fremdworteinige dieser Ableitun.'en entnrunmen sind von „Dorsch" hrrrühren, weil diesen Fischen vor der Versendung dl« Köpfe abgeschnbtten werden, „Boulevaüd" ist Bollwerk, „Loge" Laube und „Nockvl" verrät noch deutlich die Mleitting

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