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Wiener Morgenzeitung · 1925-01-16 · Heft 2122 (16.1.1925) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2122 (16.1.1925)
Date
1925-01-16
Page
– (sequence 1)
Language
German
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IPoien 20nro»zy 1 | Prei« k 14QO| Wien: Zorn Abholen in der Etpedition, fl. Taborstr. 1-3, oder in einerVerschleisstelle (Trafik) monatf. K 40.00C. Strassenvcrkauf in Wien durch die Kolporteure der Firma Goldschmied, 1. öer Wollzeile 11 MH Poatversaod für Wien « Oesterr. monati. K dO.GCl Tschecho-Slowakei Men. K 20. lu?oslawien Mon. DinaröO. Polen: Mon 3*/, Zloty, Deutschland: Mon. Goldmark 4, F r a n k r., Belgien: Mon. Frcs. 15 orgenreilmiS England: Mon.4 Schilling, Italien: Monat'. 15 < irr, Rumänien Mon. 1501 ei, Bulgarien Mon. NO l ewa, Schweiz und das übrige Ausland monatlich Frcs. 4. Redaktion n. Administration Wien I!., Taborstr. 1—3 Telepnone: 44-0-38,43-3-12. Ah6Ubr abds. 21 -102,25-282 IX. Universitatsstrasse 6—8 (Druckerei Steinmann) HT Neehcahiuapett -WG hei Preiierhöhoneen »orheh.Heo Oesterreiehisches Postsparkassen-Konto Nr. 150,623 Hr. 2122 Wien. Freitag. 16. Mnner 1926 7. ünftmonB Alter Betrug im neuen Kleid. Die SowZelanlelhc und die jüdischen Arbeiterführer in Amerika. schm. Wien, 16. Jänner. Der Kolouisationsschwindel, mit welchem die Sowjetregieruug seit Monaten die durch ihre wirtschaftlichen Maßnahmen st'lvjc durch den fezia-l-err und kulturellen Kampf ruinierten hungrigen jüdischen Massen in Rußland narrt, ist ein recht durchsichtiges Manöver. Die russischen Emissäre, Agenten, Vermittler und Makler bemühen sich seit Monaten in Anrerika den Boden für eine russische Au-lethe vorzubereiten. Es wird nicht mit Konzessionsanerbietungen, wirtschaftlichen Versprechungen und dergleichen gespart und alles daraus angelegt, das amerikanische Finanzkapital günstig zu stimmen. Eines der Mittel für diesen Zweck ist nun auch das Projekt -der landwirtschaftlichen Kolonisation von jüdischen Mallen in Rußland. Das Rezept ist einfach: Ein nicht -Utran-sehnili-cher und nicht unmaßgeblicher Teil des amerikanischen Finanzkapitals wird durch Juden repräsentiert; warum soll man es da n'.-cht auch versuchen, an das jüdische Herz zu appellieren und zu zeigen, daß mau für die armen russischen Inden, die schon seit so und so viel Jahrzehnten einen Tränenposten im Sentiment jüdischer Dollarphilanthvopen bivd-en, etwas tut? Daß das Wirtschaftssystem des Bolis-ch-ewisimus den Inden Rußlands mindestens ebenso viel geschadet hat als die Pogrome des Zarismus, das kann ja jenseits des Otzeans leicht übersehen werden; im übrigen ist die Methode nicht neu: als. das zaristische Rußland in Anrerika Anleihen planerenwollte, N hat es auch einen Emissär. lhrnM'cheschickt' -welcher über' die Rot der JMg fföetnfe; und es sogar fertig brachte, seine Tränen mitten unter den durch die Pogrome nach Amerika verstoßenen' russischen Juden fließen zu lassen. Alles Nähere darüber ist in den Memoiren des Grafen Witte —er war dieser Emissär — 'lehrreich nachzulesen. Damals verfing dieises Mittolchen nur zum Teil, aber die zaristische Regierung tvar auch mit dem Teilerfolg zufrieden, da er in Europa dank dem -schmachvollen Geschäft eines Wiener jüdischen Finanziers ausgelöschten Angedenkens wider alle Erwartungen reichlich komplettiert wurde. Um nun das jüdische Sentiment einer unsozialen großkapitalistischen Philanthropie für Anleihezwecke auszumünzen, hat die bolschewikische Regierung die Fata Morgana der landwirtschaftlichen Kolonisation von Juden in Rußland sozusagen auf -den amerikanischen Anleihemarkt geworfen. Mau sollte nun meinen, ^daß diejenige jüdische Schichte in den Vereinigten Staaten,. welche in schärfstem Gegensatz zu den bolschewiki scheu Methoden zu -stehen angibt, die jüdische Arbeiterschaft, die sich zum großen Teil aus Juden russischer Herkunft zusammen setzt, denen die 'wahren Verhältnisse in Rußland bekannt ftnf&, zu allererst dazu beitragen würde, die Lüge von der jüdischen Kolouisatiou durch die -Sowietvegierung zu .zerstören und zu zeigen, zu welchen: Zweck dieser Schwindel in die Welt gesetzt wurde. Statt dessen hören wir, daß sich aus der Mitte der jüdischen Arbeiterschaft -der Bereinigten Staaten eine Gesellschaft zur Förderung des Sowjetkolonisat-ion's'wevkes für Juden in Rußland gebildet hat, der sich mehr als hundert jüdische Arbeiterföderationen angeischlossen -haben. In einer Konferenz dieser Gesellschaft wurde beschlossen, für diese Aktion einen Fonds von einer -Million Dollar zu schassen. Nicht dieser Hilfsfonds ist das Wesentliche, oblvohl die Energien zu seiner Ausbringung viel besser vertverie-t werden könnten; weit betrüblicher ist die Tatsache, daß auf dieser Konferenz die Angaben der russischen Regierung, daß sie noch in diesem Jahre staatliches Land zur Ansiedlung von mehr als 100.000 jüdischen Familien, also etwa 000.000 Seelen, Zur Verfügung stellen werde, als ernsthaft angesehen -und des langen und breiten studiert wurden. D'eselbe Scwjetvegierung, die jenseits des Ozeans diese Ziffern verbreitet, «hat im eigenen Hauise zugöben nrüssen, daß sie im Jahre 1925 höchstens für 5000 Familien Boden bereitstellen könne, ja daß in dennächsten .Fahren diese Ziffer kaum werde erreicht werden können. Die Au- Uedlungsnttttel will die Sowjetregierung nicht boist-ellen, sondern appelliert au das „anÄäudische Indenium". Der 1(nteilschied zwischen den mit der Entfernung so geivachse- -nen Phantasiez-ifsern, mit denen die Emissäre der Srwjetregierpng in - den Bereinigten Staaten operieren, und den MMchen Ziffern, deren Realität übrigens auch -noch zu Nie Reife des enMche« Sank« souvernevrs. Amerikanische Goldkredite zur Stabilisierung des Pfundes? New-Aork, 14. Jänner. (Reuter.) Der Gouverneur der Bank von England Montagu Norman ist nach Europa abgereist. Der Vertrug mit der New-Borker Reservebank. Paris, 15 Jänner. Nach einer Meldung des Washingtoner Korrespondenten der „Mormng Post" sei zwischen der Bank von England und der New-AorkerRefervebank ein Vertrag über die Aufrechterha-ltung der G o l d p a r i t ä t d e s englischen Pfundes abgeschloffen worden. Zur .Sicherung dieser Stabilisierung der englischen Währung verpflichtet sich die Reservebank von New-Pork zu einer engeren Zusammenarbeit mit der Bank von England uiä> werde entweder Goldkredite zur Verfügung stellen oder auf Verlangen Goldsendungen nach London vornehmen. Ferner würden die beiden Banken in Zukunft eine gemeinsame Politik in der Frage des Bankzinsfußes verfolgen. Fraulreichr Schuld-WW stWmd. Was chi-l«ch>Mi«t. - ^ari?S, 15. auf die Mitteilung.des'Finauzministers Cle me nteI betreffs der int gr a l l'i i e r ten S ch ul de n offiziell den Vorschlag B al -fours erneuere, wonach England nur den Betrag seiner Zahlungen an Amerika fordere, das ist 14.200 Millionen Goldmark, wovon der größere Teil ans dem englischen Progentant-oil an. den Dawes-Aunuitäten aufzu'bringen wäre, während Frankreich n-ur -den Rest >bezahl«n müßte. Die Veröffentlichung der Antwort Churchills steht -unmittelbar bevor. ■ Wiederwahl der franzWcheu Senats« prSfidente». Paris, 16. Jänner. (Havas.) De Selbes ist mit 167 Stimmen zum Präsidenten des Senats w.ieder-gewählt worden. 116 Stimmen waren auf BieNvenu Martin entfallen. Zwischenfälle in der Kammer. Paris, 15. Jänner. (Havas.) In der Kamm e r kam es anläßlich der Interpellation über den Streik in Douarneyez zu heftigen Zwischenfällen 'zwischen der Rechten und der Linken. Die Sitzung wurde unterbröchen.. . Nie krofsnung der hebrAfchen UnkverfitA in Jerusalem. Am 1. April. (Eig-eudienst der „Wiener Morgenzei-timg.) London, 15. Jänner. Die Eröffnung der hebräischen Universität am Skopusberge bei .Jerusalem findet des i n i t i v a m 1. A-P r Ü 1925 statt. An dem Festakt wird Lord Balfour teilnehmen. Der Präsident der Zionistischen Exekutive. Weizmann, und der Präsident des Zionistischen Aktionskomitees, Oberrab'biner Dr. C h a j e s, werden sich, wie bereits gemeldet, zn der Feier nach Erez Israel begeiben. bezweifeln ist, beaveist deutlich,'daß es sich hier um ein frivoles nM-dabei pl-ump angelegtes Nianöoer handelt, daS in Wallstreet gute Stiiunmng erzeugen soll und nun merkwürdigerweise aus Broadivay Enchusia-r-mus hervorruft. Daß die jüdische Arbeiterschaft Amerikas einer Illusion, die ausgZpouuen wurde, um nach beivährte-m Mittel iwiS jüdische Philanthropenherz zu packen and es ciu-ent Auleihegoschäft zugänglich zu machen, Maüben schenkt, be- Las deutsche Rechlswblnett. Berlin, 15. Jänner (Wolff.) Ter Reichspräsident hat den bisherigen Reichsfinanz-minister Dr. Luther zum Reichskanzler und a-uf dessen Vorschlag die nachstehenden .Herren zu Reichs-Ministern ernannt: Aeußeres: Dr. S t r c -s e m a n n; Inneres: Martin Schic l e (Führer der Deutschnationa-len); Finanzen: Unbesetzt; Rcichswirtschafts miniiffcet: der ehemalige Ministeriak-- diwkt-o-r N e uh a u s; Reichsarbeitsmiu-istcr: Dr. Braun (Zentvuim); Reichswehrminister: Dr. G e ß l e r;. Reichspcstminister: S t i n g l (bayrische Volkspartei): R-eichsverkehrsminister: Unbesetzt; Ernährung und Landwirischaft: Graf K a n i tz (de-utschnational). Das Reichsju-stizministerium ist dem Mitgilied des Reichstages Oberlandesgerichtsrat Schuhmacher angeboten worden, der auch gleichzeitig mit der Wahrnehmung der Geschäfte des Reichs-ministeriums für die besetzten. Geibiete betraut werden soll. Die Verhandlungen -sind jedoch noch nicht abgeschlossen. Die nächste Sitzung de's Reichstages ist auf Freitag, 6 Uhr nachmittags, festgesetzt. Tagesordnung: Entgegex nähme der. R e g i e r u n g s e r k l ä r u n g. Monarchistische Kundgebung in Nürnberg. München, 15. Jänner. (Tel.-Komp.) Morgen wird in. Nnrnberg ein großes Prinzenrende.zvous ^tattftnden^ und... zwari.^wird . ,sick>' .wie^.-Äex..„DüWche Kurier" berichtet, der bayrische Exkronprrnz mit dem Prinzen Oskar von Preußen treffen und durch einen symbolischen Akt die monarchistischeWiedervereinigung von Nord und Süd andeuten. Es handelt sich um eine von der rechtsradikalen Organisation Reichsflagge veranstalteten Feier, die zu einer Monarchist^ scheu Kundgebung Anlaß geben soll. Ser poMische Kampf in gtalke». Die Universität in Neapel geschlossen. ^,tom, 15. Jänner. An «der Universität Neapel kam es zu Schlägereien zwischen fas-zisti-schLn und antl-fasMischen Studenten. Daraufhin wurde die Universität auf unbestimmte Zeit geschlossen. Wie „Giornale d'Jtalia" meldet, besetzten K a r a b i n i e r i die Eingänge und eine Kompagnie Infanterie wurde in der Nähe ausgestellt. Die Maßnahmen gegen die Vereine. In Triest wurden verschiedene Vereinigungen behördlich aufgelöst, darunter die Bereimgung -der Gomeindeangestelllen, die Vereinigil-ng der chemischen Arbeiter, die Organisation der Post- und Telegraphenarbeitv u>Nd der Jntevnati'ona'le Sportverein. Entftautlichung des italienischen Telephons. Rom, 15. Jänner. (Dell.-Komp.) Heute begann die Uebergabe des italienischen T e l e p h o n n e tz e s an die P r i v a t i n d u st r i e. Mit der Entstaatlichung des Telephons ist ein Plmkt des fas-zistischen Pvograrmns erfüll' Sie letzte« KrlegsernShmngrvorschrlften lufgehoben. Gestern ist eine Verordnung erschienen, durch welche die Vollmacht der Potizeibeh-örden, Gewerbebetriebe, in deren diese Ernährungsvvrschriften nicht eingehallen werden, zu sperren, aufgehoben wird. Hiermit ist -nun auch -die letzte Erilm-erung an die Kriegs-- ernälMN-gswirtschaft beseitigt. weist, -daß diese jüdische Arbeiterschaft, bez-ehungsweise ihre Führer trotz ihrer so oft behaupteten politischen Fortschritte denn doch nach nicht -so weit sind oder sein wollen, um nach dem Grundsatz der Aufrichtigkeit wahr und falsch von einander zu s-ondsrn. Es ist s-ehr zweifelhaft, wer hier die größere. Unanfrichtig-keit begeht: die Sowjetregievung ober die Führer der jüdischrn Arbeiter in Vereinigten Staaten.

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