Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2121 (15.1.1925)
- Date
- 1925-01-15
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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IPoign 20nro>nl Wien: Zorn Abholen in der Expedition, II. Taborstr. 1*3, oder in einer Verschleisstelle (Trafik) «onatl. K 40.000 Stragsenverkauf in Wien dnrdi die Kolporteure der Fifna Goldschmied, 1.6er. Wodzeile 11 Mit Postveraand für Wien « Oesterr. monatl. K 40.00t Tsehee h o*S I owa k e i: / Mon. K 20 Jugoslawien, i Mon. Dinar60. Po len:Mon. VL Zloty, Deutschland Mon.Goldmark4, F rankr, Belgien: Mon. Pres. 15 mr Naaksafci*•««• MW bei Pnl«rli8limrn «wMiiIIn «r. 2121 Wiener Morgenxeitung Oien, Sonnentag, 15. SSnntr 1825 1 Preto K 1400 England: Mon.4Schilling Italien: Monatl. 15 t ir< Rumänien Mon. 1501 ei Bulgarien Mon. «O Lew« Schweiz und das ubrfgi Ausland monatlieh Pres. 4 Redaktion o. Adminlstratfei Wien II, Taborstr. 1—l Telephone: 44-0»3ö,43»5*19 AhöUhr abds. 21*102,25-2» IX. Universitatsstrasse 6—1 (Druckerei Steinmann) Oesterreiehisches Postspar kaeeen-Konto Nfr I50.69J 7. üohraann Die lleberpartettichen. —y. Wien, 15. Jänner. Deutschland bekommt aller Wahrscheinlichkeit nach 'sein Kabinett des überparteilichen Bürgerblocks. Das ist die Formel, hinter welcher der chauvinistische Imperialismus hervovgrinst, der die Früchte der Nachkriegsnot Pflücken will und dem die stets hoffnungsvolle Demokratie bereits die Nekrologe zu schreiben begonnen hatte. Das Ministerium dieses Bürgerblocks schließt sich folgerichtig in den Zug der Zeit ein, der so läuft, als wäre der Weltkrieg nur eine Episode gewesen, die man mit der Uhr in der .Hand als beendet erklären kann. Am stärksten ist diese Meinung in Deutschland, dessen republikanische Verfassung sich niemals im Volk eingelebt hat und zu einem wehrlosen Ball geworden ist, mit dem die Bureaukratie spielt. Was die Republik erzielen wollte, ist ihr mißlungen. Sie sollte die Umformung der Wirtschaft den sozialen Errungenschaften der Revolution gemäß durchführen, die Entwicklnng des Bundesstaates dem bürgerlichen Stolz .anvertrauen und durch demokratische Weckung aller produktiven Kräfte die Kriegsschöden mildern und ihre Lasten aus die Schultern aller verteilen. Das Fazit ist einstweilen die Herstellung des asten Zustandes, dem nur mehr die Krönung durch den mili? taristachen Monarchismus fehlt. Die Demokratie hat sich nur lau verteidigt, die Reaktion hat ihre Agilität vertausendfacht. Es kommt ihr freilich zugute, daß sie auf allen Punkten an eingewurzelte Traditionen anknüpfen konnte, daß sich ihr die Industrie .und das Bauerntum bereitwilligst zur Verfügung' steüten uÄ> daß die Republik es' verabsäumt hatte, den geistigen Kampf gegen die mit Schmach und Schande heimaekehvte Politik des Nationalismus aufzunehmeu. Sie wagte es nicht, sich dem mit der brutalsten Gewalt, mit Mord und Geheimverschwörung arbeitenden Zynismus entgegen zu stemmen; sie hatte die alten Beamten auf ihren Posten belassen und nahm arglosen Gemütes den Treueid als bare Münze. Daraus resultierte ein großer politischer Betrug, der aber nicht auf die Politik beschränkt blieb. Die Bureaukratie, die gestern dem Kaiser, heute der Republik den Eid leistete und die identisch warmit den Verletzern des belgischen Neutralitätsvertrages, machte sich kein Gewissen daraus, die gleichen Praktiken auf das Leben der Wirtschaft zu übertragen. Der Fall Barmat läßt ersehen, daß Bestecher dort gedeihen, wo sich Leute bestechen lassen und das ivaren in diesem Falle die so berühmten deutschen Beamten, kaisertreu, in Ehren fest, gutpreußisch. und sittenstreng. Sie hatten sich auf die Politik der offenen Hand eingerichtet und der Staatsanwalt griff ahnungslos in ein Hornissennest. Korruption gibt es überall in der Welt und sie ist aus ihren Dimensionen herausgewachsen, weil ihr der Krieg, der Bankrott aller Ehrlichkeit, das Bett bereitet hat. Aber nirgends erhebt die Korruption Anspruch auf moralische und politische Geltung. Nirgends ist sie sc frech, Wertigkeitsgradmesser aufzustellen', sich bengalisch zu beleuchten und das mit allen Tugenden gezierte Germanentum gegenüber einem ebenso von Lastern strotzenden Semirentnm anfmarschieren zu lassen. Die von Bestechlichkeit angefressene Bureaukratie versteckt sich angesichts der Erörterungen über Kutisker und Barmat nicht in ein Mauseloch. Nein, sie ist der feste Stand in der Nachkriegsverwirrung, sie weiß sich in der Koalition mit Junkern. Offizieren und Burschenschaften gesichert gegen jeden Sturm und sie erhebt Anspruch darauf, das Vaterland gegen seine Feinde si'ihren zu dürfen. Sie ist die Regierung, sie vertritt das deutsche Wesen gegen die Juden und den Popanz vom jüdischen Marxismus. Sie ist überparteilich, weil sie die Macht Hai. Sie regiert und will auch noch respektiert sein. Und da ist dann ein großes Geschrei, wenn die Entente Nichterfüllung von Bertragspflicht feststellt -- was ja der Bureaukratie zur Last fällt — und auf die Unterschrift^ Deutschlands unter dem Versailler Dokument hiuweist! Die Untreue ist gekränkt, weil sie draußen kein Vertrauen findet. Nicht sie ist schuld, sondern immer rmr die Juden. Das Ergebnis der interMerten Fimazkoaferenz. Die Schlutzsitzung. Paris, 14. Jänner. (Havas.) Die Finaiizklmferenz hat heute mittags das Uebereinkommen u n t * v 3 e t ohne t. Die Unterzeichnung durch den i ta l' e n i sch e n und den rumänischen Vertreter erfolgte unter Vorbehalten. Nach der Unterzeichnung wurden die S ch lu ß r e d e n , gehalten. Der französische Fnanzminister Elemente! hob hervor, daß pnt erstenmal seit dem Jahre 1919 offizielle Vertreter aller Länder sich versammelt haben. Der englische Schatzkanzler C h n rch i l l erklärte, der Dawes-Plan erhalte durch die offizielle Beteiligung der Vereinigten Staaten an seiner Durchführung eine große moralische A u t 0 r i t ä t. Botschafter Kellogg, der künft'ge Außenminister der Vereinigten Staaten, versicherte, die Amerikaner hätten ein lebhaftes Interesse am Gelingen des Dawes-Planes. Zum Schluß sprach Ministerpräsident H e r r i o t im Namen der Regierung allen Sachverständigen und Delegierten den wärmsten Dank aus, da sie ein positives und praktisches Ergebnis erzielt hätten, das einen namhaften-Fortschritt auf dem Wegezur Wiederaufrichtung der Welt und zur Befestigung des Fvieidens bedeute. Inhaltibeä Das Mkvmmeu . setzt zunächst die Koste n für die Re parat io ns ko mm iss ion und . die Organe zur Durchsührnng'deSDawe's-rPla n es mit 9,25 Milli " n e n Gold mar k für die erste -JahreSzahlung und mit 7,5 Millionen Goldmark für die folgen-, den Jahreszahl,-ngen fest, die Kosten für die interalliierte Rheinlandkommission für das erste Jahr mit 10 Mill i 0 n c n und die Kosten für die interalliierte K 0 n t r 0 l l k 0 m bi i s s i 0 n für das erste Jahr mit 8 Million e n. Die Kosten für die Besetzung s-- t r u PP e n -werden für 1924-25 mit 169 Millionen festgesetzt. Die K0 ste n der amerikanischen Besetzung strüppen werden in Jahreszahlungen zu 55 M i l l i 0 n e n G 0 l d m a r k vom 1. Septembex 1926 an vergütet werden, wobei sie ein Borrecht ersten Ranges ans die ' übertragenen Barzahlungen genießen, aber erst nach Bildung eines Fonds, der nötig ist, um den Dienst für die deutsche Ausländsanleihe von 800 Millionen und die Kosten der Kommissionen zu sichern. Auf die dom Deutschen Reich geschuldeten Reparativn e n werden die B e r e i n i g t e u S t a a t e n 2 25 Prozent sämtlicher für die Reparationen verfügbaren Sunnnen nach Abzug der anderen Lastzrn bis zum Höchstbetrag von 45 Milli 0 n e n jährlich erhalten. Die Deutschland anzurechnende belgisch« Kriegsschuld von ungefähr 6600 Millionen wir) durch Vor weg nah me von 5 Prozent zurückgezahlt werden, die nach den verschiedenen Prioritäten rangieren. Bon den auf diese Weise zustande gekommenen Summen werden Frankreich 46 Prozent, England 42 Prozent und Belgien unter dem Titel der Schuld an die Dev einigten Staaten 12 Prozent erhalten. Belgien wird von dem verfügbaren Teil der Annuitäten vom 1. September 1924 bis zur Tilgung der Priorität 8 Prozent erhalten. Der belgische Anteil wird sodann auf 4,5 Prozent unter dem Titel der Prioritätszahlung herabgesetzt werden. Belgien behält die Ansprüche aus Zahlungen seitens Oesterreichs und Ungarns Griechenland und Rumänien erhalten aus den deutschen Zahlungen 0,4, beziehungsweise 1,1 Pr 0 zent nach Abzug der Prioritäten, 0,4, beziehungsweise 1,1 Prozent von der ersten Hälfte und 25, beziehungsweise 20 Prozent von der zweiten Hälfte der ö st e rrei chischen und ungarischen Zahlungen. Die europäische D 0 n a u f,0 m m i f s i 0 n wird als Ersatz für die erlittenen Schäden sofort 26 0.000 Goldfranken erhalten. Die gutzuschreibenden B e s e tz u n g s k 0 st e n für die Zeit vom 1. Mai 1922 bis 1. Mai 1924 werden für Frank r e i ch mit 272.722.023, für Belgien mit 53965.080 und für England mit 43,462.489 Goldmark festgesetzt. Die Reparationskommifsion w'rd die Kosten für die Zeit vom 1. Mai 1924 bis 31. August 1924 auf Grundlage obiger Pauschalbeträge festsetzen. Japan wird aus dem Titel der Eisenbahnen und Beiwerke in Schantung nur mit dem Betrag der Entschädigungen belastet werden, die Deutschland seinen Staatsangehörigen, welche diese Unternehmungen besitzen, tatsächlich gezahlt hat oder eventuell zahlen wird., Inzwischen wird Japans Anspruch auf feinen Anteilanden Reparationen als voll zu Recht bestehend angesehen. ■ ' Die der Reparationskommifsion von der Tschecho- Sl 0 wakei auf Grund der d e u t s ch e n und u n g a r rs ch e n Naturalleistungen seit 1. Mai 1922 g eschuldeten Summen werden auf Erwartungskonto aufgerechnet und vom 1. September 1924 verzinslich!ein. Die Zahlungen B u l g a r i e n s bis 31. Dezember 1926 werden unter die Alliierten gemäß Artikel 2 des Protokolls von Spa aufgeterlt werden. Ae Manischen Judenverfolgungen. Wie man aus Kowno nieldet, werden die dortigen Rabbiner wegen „Widerstandes" gegen das antisemitische Zwangssonutagsvuhogesetz vor dem — Militärgericht zur Verantwortung gezogen werden. Der Kreischef von W i l k 0 w i s ch k hat zahlreiche ausländische Staatsbürger, die fe.it dielen Jahren in feinem Kreis wohnen, an'sgewiesen. Unter ihnen ^befinden sich viele Juden. Strafgerichtliche Untersuchung gegen die Hammerbrotwerke. Generaldirektor Fried bleibt in Haft. Wie, wir bereits berichtet haben, werden insgesamt bei 15 B ro t fa h r i ksbetrieben Erhebungen der W i r 1 s ch a f t s p 0 l i z e i. gepflogen. Go-^en die H a m m e r b r 0 t w e r k e, über deren Preiskalkulation bereits ein Sachverständigenautachten vorliegt, tmrd bereits die st r ä,f g e'r i ch t l i ch e Untersuchung geführt. Der Verband der Brotfabriken gibt bekannt, daß keine der ihm angehörenden Unternehmungen in der Lage sei, den Brotpreis herabzufetzen. Die Preisermäßigung der Ankerbrotfabrik, die deni Verband erklärte, sie sei nicht in der Lage, Aufklärungen zu geben, sei auf behördliche Maßnahmen zurückzu führen, für welche der Berwaltttnasrat der Ankerbrotfabrik die Verantwortung ablehne. Der Verband müsse sich daher seine Stellungnahme zur Angelegenheit bis zur Veröffentlichung d« 8 S a ch v e r st ä n d i g e n g ü t a ch t e n s Vorbehalten Generaldirektor Fried von den Ankerbrotwerken bleibt weiter in Haft. Der Senat des Wiener Oberlandesgerichtes hat gestern unter Vorsitz des Prasiöenten Dr. P a l t a u f in Anwesenheit des Oberstaatsanwaltes Dr. Schwarz über die Beschwerde des Generaldirektors Fried beralen und nach einer Sitzung von nahezu zweistündiger Dauer die B e s ch w e r d e gegen die Verhaftung Frieds abgewiesen, Gegm diese Entscheidung ist kein weiteres Rechtsmittel zuläffig. zu tief reduzierten Preisen Im Warenhaus iSchiffmann II. Taborstraße 48 ▼elnnHon 47*1*7P Fn gros Kn Unfall 'e y » i