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Wiener Morgenzeitung · 1925-01-13 · Heft 2119 (13.1.1925) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2119 (13.1.1925)
Date
1925-01-13
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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IPb 18 n 20 oroszy j Visa; Zum Abholen in der EtpedfHon, kl. Taborstr. 1*3, oder m einerVerschleisstelle (Trafik) monatl. K 40.000 Straaaenverkauf in Wien durch die Kolporteure der Firma Goldschmied, 1. Bez. Wollzeile 11 Mit Postversand für Wien ,, Oesterr. monatl. K 40.00. Tacheeho-Slowak ei Mon. K 20 lavoslawien Mon. DinaröO. Po len: Mon. 3*/» Zloty, Deutschland: Mon. Goldmark 4, F r a n k r., Belgien: Mon. Fres. 15 Wiemr Morgenxejlmig I Pnel« ff 14001 England: Mon.4 bchilling, Italien: Monatl. 15 I ite, Rumänien Mon. 150t ei, Bulgarien Mon. 80 Lewa, Schweiz nnd das übrige Ausland monatlich Fres. 4, tedaktion n. Administration Wien II., Taborntf. 1—3 elepnone: 44-U-3Ö,43*3*19, Ab6Uhr abds. 21-102,25*282 IX. Universitätsstrasse 6—8 (Druckerei Steinmann) •R* _Naeli*«am»5«o WH hei Prenertinmtnyen Vorbehalte« Rr. 2119 Wien. Dienstag. 13. Sännet 1925 Oesterreichisohes Postspar* kassen - K onto Nr. 150,698 7. Nahrgang Wieder a 3«d! —y. Wien. 13. Jänner. Die Berwckltungsjustiz der demokratischen Republik Oesterreich schreitet von Erfolg zu Erfolg. Sie ist tpinütlich und gönnt dem Volk von Zeit zn Zeit gerne eine Belustigung, die dem Genius loci en. , icht. Sie sperrt ein. verhilft den Zeitungen zu schönen und gerne gelesenen Sensationen, und wenn sich dann der Wirbel wieder gelegt hat, sagt sie „es war nix". Und da diese demokratische Republik von einer chrisllichsozial-großdeutsch nichrunierten Koalition regiert wird, so bezieht sich dieses Einspcrrcn, diese Sensation und dieses Abflauen immer auf einen Juden. Es muß etwas geschehen, das ist jeden', klar und das wird auch immer behauptet, so oft die Sömerung schwierig wird und fo oft der Schlendrian im Bergländerbni'd die Grenze der amtlich limitierten Korruption überschreitet. lieber das, was geschehen soll, gehen freilich die Ansichten auseinander^ Die einen meinen, daß die Staatswirtschafr das Primäre sei und saniert werden müsse. Die anderen halben mehr Interesse für die Privatwirtschaft und glauben, daß 198 Arlsgleichsverfahren und 59 Konkurse in einem einzigen Monat — ohne die Zahl der verkrachten Banken — gerade genügend erschreckliche Symptome für die Kreditkrisc und den privatwirtschastlichen Verfall seien. Die Regierung nimmt von beiden Anschauungen wenig Notiz. Sre ist anderweitig beschäftigt. Sie denkt über die Teuerung nach und um bei diesem Unternehmen zu einem Ende zu kommen, haLsre sich einen Beirat ans der LebensMittelinÄustrid' zugelegt. Und um das Nachdenken dieses Beirates ein wenig zu beschleunigen, hat sie eines seiner Mitglieder einfach eingesperrt. Weshalb? Warum? Bisher ist noch keine Erklärung gegeben worden. Die Sache ist einfach: Weiler a Jud' is! Sie ist aber doch wieder nicht so gang einfach. Denn es ist Possierlich anzusehen, wie diese christlichsozial-großdeutscke Koalition ihren Standpunkt zur Iudensrage zu ändern lveiß. Die Koalition besteht aus Parteien, deren, mit Respekt zu sagen, Programm antisemitisch ist. Sie haben gelernt und sie erzählen es immer wieder, daß die Juden an allem schuld sind. Das weiß man bereits und die Presse dieser Parteien obliegt mit Eifer ihrer Verpflichtung, das seelische und materielle Wohl des bodenständig christlich-deutschen Volkes vor den Juden, dieser Inkarnation des Bösen, zu schützen. Das ist um so notwendiger, als ja die Juden nach alter, arischer Ueberzeugung alles Geld besitzen und nut diesem Geld die arische Sittlichkeit bedrohen. Diese Sittlichkeit scheint im Lause der Zeit die den alten Germanen eingeborene Wetterfestigkeit eingebüßt zu haben und man hat zum Beispiel in dem Wolle rsdorfer Zoll viele, gut arische und sehr hohe Herren gesehen, deren Geist willig, weil das Fleisch schwach ist. Und da ist es doch interessant, wie sich zum Schutze dieser Herren mit dem Butter klumpen ans dein Schädel die d christlichsozial-großde-utsch-anti sein itisehe Koalition in eine Rettungsgesellschaft verwandelt hat, die zunächst einen Ausgleich mit ihrem, mit Respekt zu sagen, Programm geschlossen hat. Sie will den Kompagnon dieser Wurmstichigen, weil er a Ind ist, oder obwohl er a Iud ist, als Kompagnon des Staates anerkennen. Weil das die Sittlichkeit verlangt. %n\i ist aber das mit Recht so geliebte Volk über diese Sache ungehalten. ES will Gerechtigkeit. Die fall und muß ihm werden. Und deshalb wird der Generaldirektor Fried eingesperrt. Warum? Man sieht, die Sache ist trotzdem einfach. Er ist Generaldirektor der Ankerbrotwerke, jener UnternehlU'itng, die mit den .Hammerbrotwerken und einigen anderen gleichartigen Unternehmungen den Brotpreis bestimmt. Die Höhe dieses Preises ist nun dadurch bedingt, daß die .Hammerbrotwerke infolge hoher Schulden und eines unmodernen Betriebes zu teuer produzieren. Die anderen Unternehmungen müssen — das ist ja die herrschende Geschäftsmoral — darauf Rücksicht nehmen und den Preis in der gleichen Höhe hatten. Wollte nun die Behörde einschrerten, so mußte sie dies gegen die Hamuwrbrottverke tun. Aber diese Werke sind das Eigentum der sozialdemokratischen Par- Die Einigung über die Reparationszahlungen. Amerika tritt dem Kompromiß bei. — TextierungSschwierigkeiten. Washington, 12. Jänner. (HavaS.) Die Regierung hat das zivischen den Vereinigten Staaten.und den Alliierten in Paris abgeschlossene Abkommen a n g e n o m m e», 'Das Abkommen der Bereinigten Staaten mit England verteilt die Kosten der amerikanische n Besetzung auf 2 0 J a h r c, während sich die Bezahlung der Reparatio n S ansprüche Amerikas über di? gesamte Periode der nach dom D a w e s -- P l o n zu leistenden I a h r e s z a h >l n »gen in Gestalt eines festgesetzten Prozentsatzes erstreckt. Amerika erhält keine Zinsen, ausgenommen für die zwischen dom Mai 1923 wirb bcm Beginn der Zahlungen an Amerika gemäß dem Datves-Plan ausgelaufenen Rückstände. Die Einigung mit F r a n k r e i ch erfolgte aus der Grundlage eines Kompromisses, wonach A nt c r i k a fiir seine Kriegsschäden einen Anteil von 2,25 Progent aus die nach dem Datves-Plan einlaufenden Jahreszahlungen, vom 1. September 1924 an gerechnet, erhält. Ferner, wird der sranzösrsche PvoyentanteU an don ReparatiortKemgängen währond ztveler Jckhre zugunsten der ' BeremiMn.Staaten um 1,2 K r o z « n ch p e r M ind Q.ii, "lvird also statt:S8^ProzenlWI'''PrttzM^M^^En.B .Die Sitzung dev Finanzminister. Paris, 12. Jänner, (.havas.) Die alliierten Finanzminister sind heut« abends zu einer Sitzung zusammengetreten. Es scheint, daß sich das Redaktionskomitee über . den endgültigen Text nicht einigen konnte. Für morgen ist eine Vollsitzung der Finanzminister angesetzt, die jedoch wahrscheinlich verschoben werde« dürste. Dr. Matal« auf UNanb. Außenminister Dr. M a t a j a, der eine schwere Diphtheritis überstanden hat, tritt heute einen längeren Erholungsurlaub an. Während seiner Abwesenheit von Wien wird der ehemalige Außenminister Dr. Grünberger die Funktionen des rekonvaleszenten Dr. Mataja versehen. Ile Stofftier UniberfttSt Bukarest, 12. Jänner. (Lux.) Das Jassyer Universitätskollegium verfügte die Eröffnung der dortigen philosophischen Fakultät für den 16. Jänner. Die medizinische sowie die juristische Fakultät bleiben vorläufig geschlossen. Es wurden nmfangreichc Maßnahmen zur Sicherung des Hochschul b e t r i e ü e s getroffen. Eine Anzahl von Teilnehmern an den letzten Unruhen wird von der Universität relegiert werden. Ile Stoben Bulgarien« und der Bölkerdnnd. Sofia, 12. Jänner. (I. T. A.) Die vor einiger Zeit auf Initiative des Komitees der jüdischen Delegationen in Paris für Bulgarien gegründete jüdische Bölkerbundliga ist der allgemeinen bulgarischen B ö l k e r b u n d l i g a als Mitglied beigetreten. Die bulgarische Völkerbnndliga gehört der Union der V ö l k e r b n n d l i g e n als Mitglied an. Die jüdische' Pölferlmnbliga in Bulgarien ist im Lande bereits sehr aktiv hervorgetreten. tei, die sich in Oesterreich durch ganz besondere Kenntnis der Wirtschaftsorganisation auszeichnet und dies, Vie das vorliegende Beispiel zeigt, gerade in der Brotpolitik beweist. Aber die Partei äst mächtig und darf nicht direkt gereizt werden. Also beschloß das inter- Lar Pläsidium der RadikPartei freigelassen. Ra-ie bleibt in Haft. Belgrad, 12. Jänner. (Ung. Tel.-Korr.-Bur.) Aus Agram wird gemeldet: Der Anklagesenat des Gerichtshofes hat die Mitglied.r des Präsidiums d e r kroatisch-republikanischen Bauernpartei, und zwar den Vizepräsidenten M a c e k, P r e s a r e c, die Brüder Kosusie und den Generalsekretär Krnjevie ans freien Fuß gesetzt. Nur N a d i c wird weiter in H a s t behalten. In der Begründung des B.schlnsses wird scstgestellt, daß das gegen die Verhafteten vorgebrachte Anklage material nicht aus re icht, um das Strafv.rfahrett durchzuführen und das Gesetz über den Schutz des Staates anznwenden. Der Staatsanwalt hat gegen diese Entscheidnng reknriert. Bis zur Erledigung des Rekurses bleiben die Bevhasteten in Gewahrsam. Die Nachricht von der Entscheidung des (Gerichtshofes verbreitete sich rasch in der Stadt. Die Blätter brachten das Ereignis in Sonderausgaben dem Publikum zur Kenntnis. Radie' Brief an Me Wiener Sowfetgesandtschaft. Belgrad, 12. Jänner. (Avalo.) Wie „Wreme" meldet, wurden gestern zwei Briefe au-sgefangen, die Radi« durch fort Gesängniswärter an seinen Verteidiger Trumbie gelangen zu lassen versuchte und worin er diesem den Auftrag gibt, sich unvevzüglich zur Sowjetgesa ndt-- s ch a f N n W i e n zu brgeben und dort die*Vollmacht, die ihm Radic vor ftiner Berhaftnng bezüglich der Organisierung einer verabredeten Aktion übergeben hatte, zu präsentieven. Deutschland ahne Realer««». Dr. Luther kommt nicht vorwärts. (Eigendiemt der „Wiener Morgenzeitung".) Berlin, 12. Jänner. Dr. Luther ha,t Heute seine inoffiziellen Verhandlungen über die Regierungsbildung fortgesetzt. Er hat unter anderem dem bisherigen Reichskanzler Dr Marx das Portefeuille des Inneren angeboren und ihm, beziehungsweise dem Zentrum, Zugeständnisse der Deutschnationalen, betreffend Berfassungssragen, ferner der Stellung des Reichspräsidenten, der Außenpolitik usw. gemacht; Dr. Marx hat das Anerbieten abgelehnr. Die Verhandlungen Dr. Luthers mit der deutschen Volks Partei brachten heute keine Entscheidung; diese wird nach der m o r g e n stattfindenden Sitzung des Fraktionsvorstandes der Bolkspartei fallett. Da dürfte dann das so langsam und sorgfältig vorbereitete R e ch t s k a b i n e t t endlich die offizielle Weihe erhalten. Das Zentrum bereitet seinen U m f a l l berens vor, da es eingcwilligt hat, daß der brsherige Arbeitsntinister Dr. Brauns in ein Kabinett Luther eintritt. Der Reichstag ist für Mittwoch nachmittags einberusen.'Die Regierungserklärung befindet sich nicht aus der Tagesordnung; man rechnet also tticht damit, daß bis Mittwoch eine Regierung Luther gebildet wird. Die deutsch-französischen Wirtfchaftsverhnndlungen. Paris, 12. Jänner. (Havas.) Staatssekretär Trende l e n b u r g hat bcn Handelsminister Reynaldy in Kenntnis gesetzt, daß die deutsche Delegation den französischen Entwurf eines Modus vivendi :m Handelsverkehr ablehne. Die französische Delegation har Trenfolenburg einen neuen Entwurf eines Abkommens für die Dauer von sechs bis acht Motiaten übermittelt. Trendelenbnvg wird uwvgen antworten. Die Verhandlungen über das endgültige Abkommen dauern fort. mimfterielle Komitee, das . über die Tetterung nachzu» denken und das unter seinen Mitgliedern auch den JustiMlNkster *- er heißt Wa'ber — hat, den Direktor der Ankerbrottverke einzusperren. Well er a Ind ist. Das ist Politik in Oesterreich. WinterRäumungsverkauf 7.» tief reduzierten Preisen Im Warenhaus Schiffmann It. Taborstraße 48 ’slanhqn 47»1"7B En gros ln tf«lail

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