Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2117 (11.1.1925)
- Date
- 1925-01-11
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Sette S Wivlr, wiinng M-E Mvr«rvzrlku«s.- Ü Mimer 19K M. 2117 Bühne und Kunst. zwei fnmröstsche «tüikr. Theater in -er Josefstadt. Iw ei Beweise fiir den bitteren Lehrsatz, daß -er Mann rtit gchörntes Lebewesen ist. Nachdenklicher, humorvoller, tatsächlich eine „tragische Pvss-e", ist der Zweiakter „Bourbou -roche" von Courtelin e. Was kann das Weib dafür, daß der tre-uherzig-blöde, dunrm-sMstsichere Mann nichts merkt, nichts merken will und aottssroh ist, wenn chm die Geliebte mit einem Ränlkespiel, dessen Plunipheit sie sich selbst schämt, einen blauen Dunst Vormacht? Kannst du ohne ein Weib nicht leiben, so mußt du dir's gefallen lassen, daß sie auch mit anderen leibt. (Gegenspiel, durch zahlreiche Komödien bekräftigt: Du hast eine nur ganz, wenn du auch andere hast.) Couatelme läßt aus die verzweifelt« Frage des Liebhabers, warum i>hn seine so treu und ergeben geliebte Adele betrüge, den Raffonneur antworten: Sie muß gar keine Ursache dazu haben. Das Weib betrügt um des Betmügens willen. Herr Bourbouroche, ein rrmdlicher, imHester Herr mit einem Kindergonnit in der gepolsterten Brust, ist der Glücklichste aller Sterblichen. Er hat seine Rente, sein Spielchen^ seine Bierflaschen und seit acht Jahren sein Mädchen, dem er ein warmes Nest geibau,t hat. Da erzählt chm einer, daß in diesen acht Jahren kein Tag verging, an den ihn die süße Adele nicht zürn Hahnrei gemacht hätte. Der arme Junge muß sich in der nächsten Stunde überzeugen, daß dem st) ist, bricht zusammen, heult jämmerlich und läßt sich von Adele mit einem Ammenmärchen die Tränen trocknen. Selbstverständlich bringt sie chn auch noch so weit, daß er wegen der Eifersuchtsszene um Berzchung bittet. Herrn Ho mol La ist eine Stunde der Heiterkeit und Rührung zu danken. Eine Charaktergestalt, diesen blonde Fettwanst mit zartestem, lauterstem Gemüt, dieses ergebene Qpfertier der Gxistochter. Frau Servaes, seine Geigenspielerin, schön und rassig, macht nicht viel Federlesens. Der Fall ist trotz des Jnfbagranti einfach. Solche brave, einfältige Bursche überläßt nran ihrem Schmerz.. Auslaufen lassen! Dann ein wenig streicheln. Auch die übrigen Mitwirkenden: die Herren Sima, Boelker, Kramer, Nowotny vortrefflich. Der Hahnrei des vorhergehenden Lustspiels ic- Kutsche der göttlichen Liebe" von Prosper M e r i m e e, der Bizekönig von Peru, wäre ei« Hövnochs, auch wenn ihm die Schauspielerin. Camilla keine Höruer aussetzte. Eitel, rabiat, hochmögend und dumm,, ist dieser Bizeikönig schont glücklich, daß er van einem Hofschranzen erfährt, mit wem es die Camilla hält und suhlt sich als Herr der Situation, weil er Hrs ins Gesicht sagt. Den Inhalt dieses nicht gerade kurzweiligen 'Einakters. kennen unsere Leser. Frau Terwrn- Moi-ssi -in der-Rolle der spanischen Couittis-ane setzt sich mit Kunstverstand und bemerkenswert fleißigem Studium in Szene. Aber ihre prachtvolle Wildkatze ist doch nur ,-gemimt". (Frau Konstantin .etwa härte das nicht nötig.) Auf der Höhe wieder Herr H o m o l k a. Ein zum Digekönig avawoierter Feldwebel, Schn eines Hausknechts. Mißglückt der Äizenziat des Herr« Dan egg er. Wunderlich, daß es der sorgsamen und sicheren Spielleitung (Paul Kalb e ck) nicht. gelang, den begabten Schauspieler besser ru beraten. Er will -um jeden Preis eigenartig" Mn. Otto AbeleS, Ne Stadt der Mische» Annmmmotivr. Die Brunnen von Bern. Auf dem stilkbn Münsterplatz in B e r n, wo ein großes Stück Kulturkampf sich, abspielte, thront stolz der größte Lehrer der Menschheit auf dem „M ofesbrnnnen", mit seiner Rechten aus das zweite Gebot deutend. Bor der Renovierung des Brunnens im Jahre 1791 trugen die steinernen Tafeln noch, seit seiner Ausstellung -um die Mitte des 16. Jahrhunderts, die zchn Gebote in hebräischer Inschrift. Weniger majestätisch, aber immechin biblisch. schlicht nimmt sich der Simsonbrun-nen aus. In der antckschönen, romantisch anmutondvn Gerechtigkeitsyasse hat er seinen Standort. Die Berner Metzgerzunft ließ diesen Simfonbrunnen ick Jahre 1554 durch den Freiburger 'Künstler . Hans Geiler als Sinnbild der Kraft Herstellen. Hat doch auch Srmsön sein Weib, weil es den Philistern 'das Rälsol vom Honig im Leibe des zerrissenen Löwen verraten' hatte, ein „Kalb" genannt; es dürfen daher auch di« Källbermetzger sich des Löwen als Wcchrzeichon bedienen. Der „Kindlifresserbrunnen" ans dem sehr verkehrsreichen Kornhauspbatz hat eine ganz .unkbare unmerkwürdige Geschichte. Auch er stammt aus der Mitte des ' 16. Jahrhunderts. Die einen behaupten, er stelle einen Juden dar, da er einen der damaligen- Judentracht «ntspvechenden Hut auf dom .Kopfe hat. Seine Gebärde wird als Verhöhnung des Kaisers Rudolf von Halbsbuvg ausgelogt, der seine ewigen „Kammerknechte des Reiches" — wie die Juden sich damals pennen durften — gegen die Berfoligungen der Berner vergeblich zu schützen sich bonrühte und zweimal unverrichteter Dinge und vielleicht gar noch mit einer laugen Nase abziohen mußte. Dafür würde auch der mit musizierenden itnd triumphierenden Berner Bären verzierte Sockel deutlich sprechen. Die anderen aber meinen, er solle an eine vergessene RrtuaImordg? schichte erinnern. Heute dient er Berner Eltern als Kinderschreck. Man nennt ihn kurz: „Der Kindlisresser". Auch einen Davidsbrunne u i: r gegeben. Er verfällt in einem Kellevgewölbc. pQROTHEUM Versteigerungs-Einteilung '?:«? I Pfstiose» tlfllteh: jeden Di Sll-I Gtbrauohigegmtlnde tlgitoh Im her and Chlhsillber: Jeden »1 Lndwigitortf-, Röetler. und Ko- Brilluatea- und Perfenecbtnnck I lowrat-sazl: jeden Di, Do and im Frenz-Seel. | und Se im Hoch-Seel. Mo, den 12, Ml den <4., Di, den 20 sowie jeden Freitag: Möbel, Bilder, BeieacMutskOrner, Oefen und HaushaltungsgegenstXede im Olejhof. Jeden Mo, Mi und Fr, Kunet- Bewerbe, Oemllde, AnttgaHlten und Pereerteppiehe Im Meemeai. Jeden Do: 8ehleN Mobiliar, Pertertepplebe. Qemeide, Lueter, Kunstgewerbe Im Fraaz-Josef- Seel. Brltftaarkest Jeden Di und Pr» Einzeistficke nnd Sammlungen, VI., Marlebilferatraase 73. AiHograpbenr Do, d. 15, (inner, ferner BBober aus allen Wttttnsgebieten Oesamtauagaben, Klassiker, Belletristik, MusUaüen, jeden Do, Fr und Sa im Emmin« ger-Saal. laiHtlMtrameatt: Violinen, Zithern, Mandolinen, Harjnonikas. Grammophone u. Platten, Musikatlea, Fr. den 2J. (inner im Ludwlgalorff-Saal. Teobaieehafleflanetiade: Jeden Ml: Maschinen, Werkzeugs. Armaturen, Altmaterial, VW, Feldgasse 0. VOR AN 1 EIO I I ln der ersten Hilft« des Monates Februar findet eine QROSSlSONDfeRAUKTION im Frsns-JotefOsui statt. Anmeldungen guter Objekte werden noch entgegen genommen. Ttyllcli an Werktagen . NH Uhr in BigiRi der Versteigerungen (wo nichts indirts nrntrlrt) Ul 3 Uhr. Niherea in den „Mitteilungen“ und „ttaebricbtenblRüem". Das Dorotheum gewährt Darlehen in jeder Höhe auf Juwelen, Gold, Silber, KunstgCgenMände, Automobile, Bücher, Briefmarken, Pelze, Teppiche, technische Artikel and Gegenstände aller Arr. A»s Den Theater». Bu.rgtheater: Morgen ^Wallensteins Lager" und „Die Piccolomini. Dienstag ,^umpaeivagabnnd'Us". Akademietheate-r: Dienstag zum ersten Male ,Menn wir Toten erwachen", evn oramatischer Epilog von Henrik Ibsen. V olk so Per: Heute, 2 Uhr nachmittags, ,/Der Bettelstudent".- Mends 7 Uhr ,^annhäus er" mit Kammersänger Theo Strack a. G. Morgen ,Hoffmanns Erzählung-en". Im Deutschen Boliksitheater werden eine Nouinjtzenleruna von-Schillers ,/Di-e Jungfrau von Orleans" und Nöjtroys bisher in ver Orvgmattassumi noch nicht gespielte VvÄswmöbie „Der alte Mann und me junge Frau" vorbe- -reitet. Dr. Rudolf Tyrolt spielt heute um 3 Uhr nachmittags in KäÄweis' ,F>as grobe'Hemd" und morgen um halb 8 Uhr in Schönchans „Zirkusleube,,. Raimund-Theaier: Heute nachmittags, 3 Mr, ,Hansel und Gre-tel". — Freitag den 16. d. Ästerrelchisch>e UrauGihrung von Jerome St Jewmes ,^8ady Fanny und die Dienstbotenfrage" mit LWa Duviaux nnd Karl Ghmmm. . Neues Wiener Stadttheater: Heute,, 3 Uhr nachmittags, zum ersten Mal« Sudevmaims Schauspiel ,/Die Rafchhoffs. : Theater in der Josesstadt: Heule, 3 Uhr nachmittags, ,-Pringessin Huschewind". In der Renaissaneobühne wird die österreichische ErstaiGührung von Max BrodS Schauspiel ,-Prozeß Bunterbart" vorlbeveitet. ' Theater an der Wien: Heute, 3 Ahr nachmittags, ,Mräftn Maritza". : Bürgertheater: Pietro Mascagni wird am 24. d. die ersten Auffuhrmvaen seiner ersten Opevstte ,L»a" (Me Dame aus den FolieSbevgere") im Bürgertheater - persönlich dirigieren. Bis dahin wird die neu in Szene gesetzte Operette ,-Auif Befchl der KaAerin" von Leopold Jaoobson und Rob. GodanMy, Musik von Bruno Granichstadten, gegeben. ' Lustspieltheater: Freitag den 16. d. Premiere der englischen Lustzspielnovitüt ,/Das fchwache Geschlecht" von Frank Stahton, deutsch von Elise Otten und Richard Wilde. Raimnnd-Theater. Eine frische Aufführung des bewahrten Schwanzes „Im weißen Rossel" mit Hansi Nies.« als Josefa Bogechuber. Frau Niese hatte einen Wer bellen Wende und wurde stürmisch bejubelt. Mit treWichen Leistungen erfreuten auch insbesondere die Herren L a ck n e r, Sch m r e> d e r, Lobbner und SchärwenLa sowie die Damen Fässer nrch Hochwald. . Aus dem Burgtheater. Im Buogtheater tritt am 17. d. Frau Jda Roland nach chrvm Urlaub zum ersten Male wieder in der „Roten Mühle" auf. — Im Akadvmiecheater gelangt Dienstag den 18. d.,Menn wir Toten erwachen" zum ersten Male zur Aufführung. Wogen Beuvlauibung der Herrn Heine kann das Stuck nur, am 15. und 16. d. wiedechÄt werden. Die nächste Aufführung findet am 7. Februar statt. Sonntag den 18. d. wird im Madomiechoater Herr Günther zum eqten Male die Rolle des John Wortying in ,Mmburh", spielen. Im Madomiecheater wird ,/Der Krampus" wieder in den Spielpian aufgenommen,,mir Herrn Willy Thal er in der Rolle des Nogrelli. Die nächste Novität des AkademietheatersD das dreva-ktW' Luftspiel ,ß o r dam Sündenfall" von Mar« Broeiner. In der Neuen Wiener Bühne war Kr gestern wegen Gagenvückstände in der Höhe von 45 Millionen Kronen, die noch aus der Zeit der.Direktion Geher stammest, ein-Streik angestiigt. Der.Konflikt wurde über durch den jetzigen Direktor BLum 'beigelegt, so daß die gestrige Premiere ohne Zwischenfall stattfinden wivnte. Es wurde die Bereimibavima getroffen, daß die HäHte der rückständigen. Gagen sofort bezähtt würden nnd die andere HäGte in einem späteren Zeitpumt fällig ist. Bvltsoper. Nächsten SamLtag findet in der Bolksvper unter musikalischer Leitung Dr. Stiedrys eine AufMhvung der Fledermaus" mit Frau Kammevsästgerin Selma Kurz als Rofalinde und Kammersänger Leo Siezak als Alfred statt. Die Ermäßigung der Sitzpreife hat sich b e w ä h r t. Schon gestern machte sich lebhaft« Nachfrage nach den verbilligten Sitzkategorren bemerkbar. George- Eourteline, der berühmt« französische Schrift« stellvr. dessen Komödie .Oouiboivroche" seht am Theater in der JasMadt in Szene geht, mußte sich in Paris eine,. Op erar i o n untergrehen. Es wurde ihm das linke -Bein amputiert. Sonderausstellung Lester Ury in Berlin. Gogenwärtig sind di« letzten Werke des jüdischen Malers Lesse r Uty.« eimr Sonderausstellung vereint. Für diese Ausstellung, welche die Berliner Natronalgalerie veranstaltet, sind zwei Säle des chemaligen Kronprinzenpalais zur Verfügung gestellt worden. Drei Bilder des Meisters waren bereits früher Eigen» tum der StaatSgalerie. Jüngst hat die Nationalgalerie eures der neuesten Gemälde Urys erworben. Bala Moro gibt Dienstag den 13. d. im Großen KonzerthauAsaal ihren diesjährigen Tanzabend, dessen reichhatilges, zirka 25 Soli und Gruppenszemn umfastendes Programm sich um eine dramatische Tanzrovue „Die Tänzerin auf der Drehorgel" von Emaniuel Saint-Dves gruppiert. Zweiter jüdischer Abend. Donnerstag den 15. d. um HM 8 Uhr abends findet dm Ingenieur- und Archdtektenverein der zweite jüdische Abend mit Rezitationen, Gesang und Musik unter der Leitung des Sekretärs Bernhard Scharrer flott. Mitwirken-: Hilda Dulitzkaja, Mirjam Höklich-Schnabl, Lea Weintvaub-Graf, BroniSlaw Bilewivz, Lbevkantvr Gerson Margulies. Mich. Preis, Benzion Sigall, Konzertmeister Josef Zimmer, Streichquartett Max Geiger. Am Klavier: Lina Hopenko und Karl Gimpel. Das jüdisch« Buch im Jahre 1924. Im Jahre 1924 sind im ganzen 213 neue Bücher m jüdischer Sprache erschienen (davon 49 Uebevsehungen). Diese Zahlen bezeugen, daß die Neuerscheinungen im Vergleiche mvt dem Jahre 1923 um 40 Pwzem gefallen sind. 1922 erschienen im ganzen 426 Wische Bücher, 1923 nur 364. Unter den Ländern, dre jüdische Bücher heransgöben, stcht Polen mit 70 Prozent an erster Stelle. Dann folgt Deutschland mtt 12,6 Prozent und Amerika mit 7 Prozent. Soeben erschienen: Georges Llemenceau, „Jüdische Gepalten" (Rhombus-Verlag, Wien). Ein hochinteressanles, unterhaltendes Werk des berühmten französischen Staaismannes, das jeder Jude lesen sollte! Preis nur 40.000 K. (2,50 Gm.). Zu beziehen durch jede Buchhandlung. (Gntgetllich.) Die große blau-weiße Hakoah-Redoute findet Samstag den 21. Februar 1925 in sämtlichen Räumen des Konzerihauses statt. (Entgebtlich. ) Eerichtssaal. Sie Nichtigkeitsbeschwerde der Franziska Prnscha. Letzter Tage ist beim obersten Gerichtshof als Kassations- Hof die Nichtigkeitsbeschworde eingelangt, welche Dr. Preßburger im Namen der Franziska P ruscha gegen das Urteil des Schwurgerichtes vom 29. November v. I. erhoben hat. Mit diesem Urteile wmde bekanntlich Franziska Pruscha auf Grund des Wahvspvuches der Geschworenen wogen Verbrechens des Mordes an Maria Eberl zu 15 Jahren schweren Kerkers verurteilt. Die Nichtigkeitsbeschwerde macht eine Reihe von Nichtigkeitsbefchwerden geltend. Es wird zunächst ausgeführt, daß elementare Grundsätze des Verfahrens verletzt worden seien und auf zahlreiche Lücken im Bewelsverfahren hingewiosen. Es wiÄ> betont, daß zum Beispiel sofort >uach dem Vorfall die Sperre der Wohnung der Eberl unterlassen wurde» daß auch das Gelegenheitsv erhält nis, in welchem andere Personen, so der Student Meiche, gestanden seien, nichtbeachtei wurden. Es wird auch betont, daß Zweifel in der Richtung vorliegen, ob die Eberl überhaupt ermordet worden sei. Weiters wird geltend gemacht, daß zahle iche Anträge dar Bertefdigung sm Schwurgerichtsprozeh teils als uneche>blich, teils als überflüssig abgelehnt worden seien, zum Nachteile der Verteidigung, so ein Antrag auf Vornahme eines Lokalrugenscheines, weiters ein Antrag Begehuna der Strecke zwischen den Häusern der GbÄ und der Pruscha. Der Inhalt des vom Psychiater erstatteten Gutachtens, welches ein Urteil auch in der Richtung abgogeben halben, daß Pruscha die Täterin sei, wird angefochten. Der KassativnShaf wird nun AUlnächst darüber zu ent cheiden hoben, in welchem Umfange die Nichtigkeitsbeschwerde zur Durchführung einer Dschandl'mg geeignet -ist und welche Nichtrgkeitsgründe event-uell schon in geheimer Sitzung zu erledigen sind, Untreue, Petrolemn und RibiselstrLucher. Die 63j3hvige Wirtschafterin Leopoldine Ruzleka lobte fünf Jahre lang mit dom Drechsler Johann Bar losch -in gemeinsamem Haushalte in Klosterneuburg. Da er ihr die Ehe versprach, vertraute sie ihm ihre ganzen Erspar-niste an. Eines Tages erfuhr sie, daß Bartos nicht geschieden fei und schm fünf andere Wirtschafterinnen getäuscht habe. Die Frau geriet hierauf i-n maßlose Wut. Sie schüttete Petroleum in Obstwemfässor — Bartos betreibt auch einen Obstweinschank —. wodurch 400 Ater verdarben, zertrümmerte Einrichbungsgogenstände und wollte -auch mit der Hacke im Garten die Rwisefftaucher ausrotten. Bor Gericht erklärte sie, die Tat begangen zu haben, damit das Borhalt-m des treubofen Mannes öffentlich erörtert werde. Sie wurde seinerzeit wegen boshafter Sachbeschädigung zu drei.Monaten schwerem Kerkers Voruvtedtt. Der BerufungSfenat wandelte -nun diese Kerkevstrafe in eine bedingt« Arrest strafe von drei Monatm um. Gin «Mer Kuß. Am 30. Oktober gegen 3 U h r f r ü h hörte ein Wachmann in der Nähe der Au-gartenibrücke von den Parkanlagen her laut« Hilferufe und kam gerade dazu, wie ein junger Mann ein schr junges Mädchen anschei-nond^ mit Gewalt um den HalS faßte und ihm trotz Gegenwehr einen Kuß auf die Wange gab. Beim Horannaihen des Wachmannes wollte der junge Ma-M davoneilon, mit dem Bemerken, das ganze fei nur ein Scherz gÄvef-m. Das junge Mädchen, die 17jährige Sticibvin Ana K., erzählte' zitternd dem Wachmann, der den jungen Mann für arretiert Märte, daß ihr letzterer von der SchwedeUbrücke nachgvgangen sei, sie , trotz Abweisung belästigt habe und ihr schließlich ßowaffam einen Kuß versetzt und sie -dcibei in die Wange sieb rissen habe. Bar dem LandeSgorichtsrat Dr. Arie erklärte der wegen Uebertrvtung der körperlichen Sicherhett angeklagte 23jähr>ige Schneidevgehiffe Josef K., daß er zur kritischen Zeit aus der Heimkehr von emer Feier sehr gut au'sgol-egt war -und das Mädchen angesvr-ochen habe. Di« habe zunächst gelacht, habe sich dann alber eine weitere Annäherung entschieden verboten. Er hrbe von seiner Bewerbung nicht nachgelassen und das Mädchen umarmen wollen, es daber wahrscheinlich geküßt und vielleicht auch in der Hitze seiner Erregu-ng geibissen. — Richter: Gin solches Borgern gehört in den Urwald, nicht aber, wenn auch bei Nacht, in Wiener Parkanlagen. — Die als Zeuain vernommene Stickerin sagte aus, daß de-r Biß, 'den ihr der Angeklagte beim Küsten ver-etzt habe, ei,- - ß ans Zor-n und nicht aus Liebe war. Der Richter i u> den Angeklagtenju einer Geldstrafe von 15 S ch i l-! -v-.'iitilett zu 48 Stunden Arrest.