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Wiener Morgenzeitung · 1925-01-11 · Heft 2117 (11.1.1925) · p. Seite 6

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2117 (11.1.1925)
Date
1925-01-11
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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G-NkS Mm. €tonn?A$ ©lf«tf Mse-enzett«NA. If. Ukm« MS__ Nr. 9ili MLrz Drucke von Erzeugnissen jüdischen Geistes soll dahin ge. Wirkt werden, daß das jüdische Buch auch;n se ner äußeren Gestaltung da- Niveau der jüdischen Kultur dokumentieren soll. Von di.sem Gesichtspunkt aus werden in den Publikationen — ausschließlich sür die Mitglieder als Priratdrucke — seltene Texte und wertvolle Truck.- von Werken jüdischen Inhalts und jüdischen Geistes in den Sprachen ailer Zeiten und Kulturen zum Abdruck gelangen: charakteristische Werke zeitgenvssi.cher Wissenschaft und Literatur werden veröffentlicht, schwer zugängliche alte Drucke in saksinlilierten N.uausgaben geboten werden. Zunächst werd-n erscheinen: Die getreue Nachbildung eines illustr «rten FabelbucheS de- 17. Jahrhunderts mit ein.r deutschen Uebertragung und wissenschaftlichen Würdigung als Beiheft; ein Roman aus dem ostjüdischen Kulturkveise von Samuel Lein in; die Reproduktion eines frühen hebräischen Druckes aus dem 15. Jahrhundert; der Neudruck eines hebräischen Reise tage buchein einer bisher noch nich: verwert» deten Type; eine Sammlung von Faksimilereprcduktionen alter jüdischer Volkslieder und Einblattdrucke zu Ereign.ssen der jüdischen Geschichte. Deutschsprachige Werke werden in den ersten deutschen Privatpressen gedruckt werden. DaS Organ d.r Gesellschaft „Soncino-Blätter. Beiträge zur Kunde des jüdischen Buches", redigiert von Pro. feffor A. F r e i m a n n und Arnold Zweig, wird alle Fragen behandeln, die mit dem jüdizchrn Buch und feiner Kultur sowie den angrenzenden Gebieten von Kunst und Wissensö^rft Zusammenhängen. Tie authentischen, kritischen und literarhistorischen Aufsätze werden durch entsprechende Abbildungen im T xt und auf Tafeln unterstützt werden. Die gesamte Druckherstellung der vorläufig vierteljährig erscheinenden Zeitschrift hat die b.kannte bibliophil« Druckerei Otto v. H o l t e n übernommen. o. r. * Ein Mann, dessen Name ln letzter Zeit oftmallgenannt wurde, war der als Physiker und Chemiker gleich erfolgreiche Berliner Universitätsprosestor Heinrich Gustav Magnat (1802 bis 1870), ein Bruder des bekannten Malers Eduard Magnus Hier wollen wir nicht seine für den neuen, epochalen Flettnar-Rotor grundlegenden Arbeiten bosprechen, sondern nur oinige seiner chemischen Fcrsch-ungSergeüuisfe erwähnen: Magnus ist der Entdecker der Ueberjodsäure (Kristalle, die leicht jeifafltn, um der Abgabe von Sauerstoff), des weniger wichtigen „Magnus-Sadzes" (eine Platinverbindung), d:r Aethicn- und Jsächionsäure (denen hont« koim« besondere Bedeutung zu-komint). ferner der Absorptionsfahigkeit deS Blutes gegenüber Sanerstoff mck) Kohlen» saure, eine für daS BerstätddniS des Atmungs» und Leben»« Prozesses höchst inderesiante Er-schoinung; er stellt« auch zahl, reiche wertvolle Physikalisch chemische Untersuchungen an, auf die hier nicht weiter eingegangon tverden kcnrn. Robert Ladenburg, (geb. 1842 zu Maurcheim, gest. 1911) studiert« bei den berühmtesten Chemikern seiner Zeit (Bunsen, Kirchhofs, Kekule, Wurtz und Fricdet), wurde — LOjAhrig — Dozent cm der Heidelberger Universität, hierauf Professor in Kd-el und in Breslau. Seinen exp:rinr.'ntell«n Arbeiten verdankt die organische Chemie Viole Fortschritte — ich erwähn« die Synthese des C o n i i n 5, eines dm Schierling vorkommenden nutz durch Ladenbuvg erstmalig auf künstlichem Wege dargestellten, sehr giftigen Alkaloids. Auch schrieb er em ausgezeichnetes Buch: „Vorträge über di« Entwicklungsgeschichte der Chemie m dm letzten hundert Jahren.* Zu den größten Chemikern aller Zeiten ist Viktor Meyer Die Soncino-Gesellschaft der Freunde des jüdischen Buches hat ihren Sitz in B e rl i n C. 2., Kaiser-Wilhelm- Stratze 12.; V AUSFÜHRUNG BILLlGST^BE! - - \ \ GEBRÜDER B RAININ -WIEN. II. 6L0CKENGÄSSE 8/TEL4M:3S! Die Juden in der Chemie. Von Rudolf Seiden, Mödbing. 1. Schon im frühen Altertum wußten die Menschen Metalle auS Erzen zu gswinnen, Ton, GlaS und ander« chemische Pwdukte herzustellen und sie weitevzuveravbeiten. Wenn wir m Bibel und Talmud blättern» finden wir manch sin« Stelle, die uns von den Beziehungen der Juden jener fernen Zeiten zu solchen chvmischsn Erzeugnissen und chemischen Gewerben — die sich heute vielfach zu Großindustrien entwickelt haben — Bericht geben. Aber auch aus dem Mittelalter sind uns ähn- Liche Nachrichten bekannt. Heut« sei' von dem großen Einfiuß, den Juden auf die Entwicklung der jungen, wissenschaftlichen und damit auch der Jnüustriechemi« genommen haben, otnigeS mitgeteilit. Doch trotz dieser Einschränkung ist eS nicht möglich, auch nur all« bedeutenden jüdischen Chemiker und ihre Leistungen hier anzuführen. Ich werde nur einen Leinen Ausschnitt bringen auS dem imposant großen Kreis« der dem Judentum entstammenden, am Auf- und AuS« bau ihrer Msienschast als Pioniere mitarbeitenden Chemiker der letzten Jahrzehnt«. * Laßt uns di« Reihe jüdischer Chemiker mit einem Manne bsginnm, welcher der J-udenheit der Gsgenwarr besondere nahe steht: Professor Dr. llhalm Deizmanu. Gaboren 1873 zu Motyli bei Pmsk in Rußland, verbrachte er seine Studienzeit in Berlin (Neunz'gerjchre des vorigen Jahrhunderts), wurde bald Privatdozent in Genf, von wo er einer Berufung an die UnivevsitA Manchester Folge leistete: erst als dsr politische Zionismus ihn. der inzwischen Führer dieser Bewegung grwordm war, zwang, sein Lehramt ni-vderzulegenf um iein« ganze Kraft seinvin Ziel« *— Wiod«rau?bau Crez Israels — zu widmen, übersiedel':« er nach Lonoon. Hier hatte er sich — sowohl als erfinderischer und hervorragender Chemiker (lnsbesonder« auf dom Gebiete der Gase) wi« auch ÄS charakterfester, energievoller Führer des Zionismus — uamemjich In den RogiopungSkveisen zahlreiche Freunde ge» schaffen. zu Man. (Geb. am 8. September 1818 in Berlin.) Schon im Alter von 19 Jahren Assistent bei Bunsen, wurde er — SSjahrig! — Professor am Polytechnikum in Stuttgart» dann -in Zürich, spater in Eött'ngcn, von wo er dem ehrenden Rufe an di« Universität Hsldelberg — a!S Nachfolger feines großen Lehrers Bnnsen — folgte. Seine Untersuchungen und Synthesen.von Nitro-, Nrtroso- und Azo-Verbindungen sind von größter Bedeutung geworden für di« Entwicklung dor Chemie» iySbescndere der Chemda der Farbstoffe und Teerzwischerrprodukte. Er enfheckre auch dve Aldo xime, Ketoxime und im Steinckohlenteor daS Thio» pH e n (eine vm Rohbenzol enthaltene organtfche Schwefelver« bindnng,^ die wegen ihrer nahezu gleichen phystkalÄchrn Eigenschaften mit denr Benzol lange ZeÄ von diesem nicht gesondert werden konnte; d«S war auch di« — unverständliche — Ursache der Berschiebenhoir von Steinkohlenteer- und Reinbenzol, ebenso des ungleichen BechaltenS gegenüber der „Indopheninroaktton"). Mt viril Erfolg-. studd«rt« Meyer die Valenz- und BerbindungSfähigkeir de» KohlenstofteS, der bekanntlich d!« Grundlage für die ganze orgairische Chemie bildet; schließldch beschäftigte er sich mit physikalischer Chemie, die Hm oi-ne groß« Zahl grundlegender Gesetze und Methoden verdankt. Das von -hm — im Verein mit Jakobson — verfaßt« zweibändige „Lehrbuch der organi» fchen Chemi«* steht noch hnvt« wvMn sem«r Gründlichkeit im besten Ansshen. Allzufrüh — im 49. Lebensjahr« — staob Bit» tor Meyer, einer der erfolgreichsten Forscher aller Zeiten. Adolf Pinner war Chenviker und Mediziner und puvkyiert« aus beiden Msiensgebieten zahlreich« UntevfuchunHSergebiriss«. Lauge lei-tete er die groß« S o b a s a b r i k in Dieuze, welche Stellung er aufgeben mußt«, als durch den Krieg von 1570-71 Lothrin» gen an Frankreich kam. Planer wurde hierauf Mitglied deS kaiferliichen Patentamtes und der Akademie „Karolina Leopol/din-a" (Berlin). Zu den angeschrrcsteil Ghenrtkem Deutschlands zSHA C. Liebermann; durch Viole Fahre war er Präsident der Demschen chemischen Gesellschaft und Professor an der Technischen Hochschule in Charlottsriiburg, sowie auch an der Berliner Urriversität (Chemie, Hüttenlkunde). Liobernra-n stellte in Gemeinschaft mit C. Graebe zum ersten Made einen pflairzlichen Farbstoff — bas rote» In der Türkifchrot-Färberei verwendet« (früher ans der Krcvppwurzol gewonnene) Alizarin — auS Auchrazen, also auf künstlichem Wege her, eine für Wissenschaft und Praxis gleich be» deutfame Entdeckung: d«nn feicher ist Deutschland führend und unerreicht auf den: Gebiete der Teerfavbstoftindustrie rvnd -Forschung. (Ein weiterer Artiköl folgt.) KBriEKSKVw für d e gesamte Indusine und HeKlomewesen. — Al einerscugung CZERNY & BAZAN1T, Wien, Ul. Ar«tiberKrlnß Nr. 7 Sie teilest kchachwen«eifter. Dr. LaSker gegen di« Angriff« Sapadkanea«. Wie noch erinnerlich, hat der Schachweltmeister Capa« blanea nicht lange nach Beendigung deS New-Aorker TurnrerS, in wetchem er sich nach dem erstm Sieger, dem früheren Woltmeifter Dr. Lmanuei Laster, mit dem zweiten Platz begnügen mußte, in Form eines JmewiewS, das in einer amerikanischen Schachzeivschrift erschien, gehässige Angriffe gegen LaSker gerichtet, die in d«r ganzen Schachwelt unliebsame- Aufsehen erregten. Uvüer dies« Angriffe äußert sich nun Dr. LaSker. der soebLn von einer Schachrundreise durch di« Tschocho-Slowaikei zurückgokehrt ist. in der „Fraick-, furter Zeitung". Sein« Darlegungen sind im Gegensatz zu dem anmaßenden und geradezu rüden Ton der Kubanerüberaus maßvoll und vornehm; sie lauten: „Ich hatte CapablancaS Angriff gegen mich nicht für klug. Er stellt Bchauptungen auf. dl« nicht emleuchten, wie beispielsweise, daß ich in Havana besser gespielt habe« soll als in New-Vovk, und derartige sonderbare Behauptungen zu begründen, unterläßt er vollständig. Auf seine Behauptung, ich würde wohl seddst sein« Uoberlegonheit anerkennen, will ich nur erwidern, daß dem nicht so ist. Auf jene Stelle seines Interviewmuß ich noch naher entgehen, wo er den Zustand, da ich Weltmeister war, alS nicht wünschenswert bezeichnet. Als ich Weltmeister war, war der Zustand der Schachwelt gewiß nicht ideal, aber in welchem Sinne war ich dafür verantwortlich? Ein solcher Vorwurf ist bisher nie gegen mich erhoben worden; Capablanca ist der erste, der ihn ausspricht, weder fügt er ein Wort der Erläuterung oder Begründung hinzu, noch sagt er, wieso e4 jetzt bester fei als früher. Sicherlich ist niemand fehlerfrei, aber hat nicht jedermann ein Recht, daß eine Anklage, di« gegen ihn erhoben wird, auch begründet werde? Beim Streite find Argument« wertvoll, aber der blinde Haß ist kein Argument. Bor etwa zwei Jahren schrieb Capablanca einen Brief an die englisch« SchachMung „British Chetz Magazine", der fünf Druckseiten füllte und in dem er mich verunglimpfte. AlS ich von diesem Artikel Kenntnis erhielt, antwortete ich darauf ausführlich in emem Briefe an dos „Magazine", in dem ich durch Belege nachwieS, daß viele der Behauptungen CapabdancaS der tatsächlichen Unterlagen entbehrten und Fabrikationen seien. Das „British Chetz Magazine" hat mir einen Monat nach Empfarrg meiner Antwort diese zurückgeschickt mit der scheinheilige« und innerlich unwahren Bemerkung, eS wolle sich nicht in den Streit zwischen Capablanca und mir einmvscheir. Dieser Brief Capablancaan daS „British Chetz Magazine" uüd sein jetziges Jntewiew sind Glieder derselben K e t 1 e. Ich bin verpflichtet, den Tatbestand bekannt zu goben, möchte aber nicht, waS allzu lricht wäre, über Capablanca «in Urteil fällen, sondern überlaste dies dem Lauf der Schachgrschichtr." Sie -ygleaeaasftellung In Men. „Der Mensch" in de« Hosstallnngen. Wie wir bereits mitgetevtt haben, wird in der Zeit vom 8. Mai bis 80. Juni in Wien «me Hygieneausftellung stattfinden, die gemeinsam vom Bund, von der Gemeinde Wien und von der berühmten Dresdener Ausstellung „Der Mensch" veranstaltet wird. Ursprünglich war alS AuSsteüuug-ramn der außer Betrieb gesetzte Nordwefvbahnhos in Aussicht genommen. Nun hat di« Ausstellung dadurch ein« Erweiterung erfahren, daß sich die Organisatlon der öst«rreichifchen Hausfrauen bereit erklärt hat, an dieser Ausstellung mttznarbeiten. Al« Ausstellungsraum wurde nun endgültig der Meste- Palast m den Hosttallungen bestimmt. In einer gestern abgehalltenen Pressekonferenz erstattet« Sektionsches Dr. Helly ein eingchendes Referat über den Zweck der Ausstellung« die di« Entwicklung de» Menschen von der Wiege bi» zum Grabe zeigen soll. Stadtrat Prof. Dr. Tandler sagt« di« Unterstützung der Gemeinde Wien zu. Wien, 11. Jänn«. * Geheimrat Adolf Strümpell geftorb««. W.l« au» Leipti g gemeldet wird, ist dovtfelbst der Leiter der K4m.lt für innere N^Hn Gohoimrat Adolf Strümpell wn 72 Lebensjahre »eftovben. Strümpell,, einer der bekannteen Klmiter der Jr^ jeit. war SpaziMt ckf den, Gebiete der inneren Mvdrjln und »er Neurologiie. Er hat ein sehr bekarlnt gewordene» Lehrbuch «der die Pachologie und Therapie der inneren Krankheiten verätzt. Strümpell, tvelchrr MJ" inik an der ™, ___ .._, ..... Stellung, da >ie österreichischen UnterrichtSbehSrven für feine Pläne auf iluSgeftalvung der Klinik wenig Entgegenkommen seigte«. Er üng wieder nach Leipzig zurück, wo er einen ausgedehnten vij,«nfchaltUchen WirtungSkrei» heil ft weit über di« Grenzen Deutsch!' imacm. Sein Ruf all Kliniür chland» und Oesterreich» 9

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